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Venezuela: Youtube zensiert

Wie lange würde in Deutschland ein Programm senden, das zum Putsch gegen die Regierung aufruft? Diese Frage stellt sich mir angesichts der anhaltenden Diskussion um die nicht verlängerte Sendelizenz für den venezuelanischen Sender "RCTV". RCTV wird durch den öffentlichen Sender "Teves" (Soziales Venezolanisches Fernsehen) ersetzt. In der Mainstreamberichterstattung fallen diese Tatsachen meistens unter den Tisch. Die Standpunkte der venezolanischen Regierung werden meist aus der Sicht der Kritiker der Nichtverlängerung der Sendelizenz betrachtet.

Das Thema "ausgewogene Berichterstattung" ist längst ein Kampfbegriff geworden und nicht nur gegen von den Menschen selbst entwickelte alternative Medien gerichtet sondern oftmals deren demokratischen Rechte. Das zeigt sich schon bei jeder Tarifrunde bei denen zudem alle möglichen und unmöglichen "Experten" angekarrt werden um gegen die Forderungen zu polemisieren.

Anhand des Gegeifers rund um die Gründung der "Linken" oder auch der Berichterstattung über die Anti - G8 Proteste zeigt sich die Abhängigkeit der Medien und deren enge Verbundenheit mit dem herrschenden kapitalisitischen Gesellschaftssystem. In dieser Auseinandersetzung geht es weniger um die "Linke" selber als vielmehr um die Verteufelung des Gedankens der Befreiung der Menschheit von Ausbeutung und Unterdrückung, um Antikommunismus eben.

Mit der Hoffnung, kommerzielle Medien im Internet wären "neutraler" ist es auch nicht weit her, das zeigt die Löschung von über 450 Videos über die bolivarische Revolution in Venezuela bei Youtube. Die Videos wurden aufgrund einer Beschwerde des spanischen TV-Senders Antenne 3 gelöscht. Das macht es notwendig, sich Gedanken darüber zu machen wie die für politischen Videoaktivismus notwendige technologische und legale Souveränität beispielsweise auch bei IndyMedia entwickelt werden kann.

Über diesen aktuellen Fall der Zensur hier der Verweis auf eine Übersetzung eines Artikels von Luigino Bracci Roa bei IndyMedia

Wir, eine nennenswerte Anzahl von Personen, haben die Anstrengung unternommen, in Youtube Videos das Geschehen in Venezuela vor, während und nach der Beendigung der Konzession von RCTV zu zeigen sowie auch die StudentInnenproteste und alle nachfolgenden Ereignisse. Wir haben dies im Übrigen historisch belegt und durch alternative Stimmen bekannt gemacht, weil wir alle die Tendenz kennen, die von den internationalen Massenmedien aufdoktriniert wird. Die grosse Mehrzahl der von uns gebrachten Videos waren von Venezolana de Televisión (VTV), dem wichtigsten Kanal des venezuelanischen Staats, aufgenommen.

Realität ist das, was Du draus machst

Vor einiger Zeit hatte ich unter dem Titel "Schrecklich: Die Amateure kommen..." ein paar Gedanken, wie die Medien heute eigentlich funktionieren, geäußert.

Bei der Demonstration am 2.6.2007 in Rostock hatte ich die Gelegenheit bei der Vorbereitung auf meine Fotoreportage die dort geschilderte Haltung selbst zu erleben: Während Tobias Pflüger seine Rede hielt kam es von einzelnen "professionellen Kollegen" zu diesen Aussagen:
"Wann hört das Gequatsche auf, ich will Action sehen?!" oder auch "Hoffentlich passiert heute noch was, das ist mir zu friedlich" und ähnliche Sprüche einzelner "professioneller" Fotografen konnte man auf der Eisenbahnbrücke über den Südring Rostock hören.

Zur Bilderserie : "Das ist Privatgelände, bitte verlassen Sie die Brücke"

Ob unter solchem Antrieb eine "objektive" Berichterstattung überhaupt möglich ist, mag sich jeder selbst zusammenreimen. Bilder von steinewerfenden Menschen bringen offenbar mehr Kohle. Nur wenige Minuten später machten eben diese Medienvertreter ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit der Staatsgewalt, die sich anschickte, die Brücke zu räumen. Daß aber auch kritische Berichterstattung möglich ist, zeigte der Kameramann, der den Vorfall filmte. Ob solche Berichte es bis in die Mainstream Medien schaffen ist natürlich fraglich, denn oft ist auch nur "eingebettete Berichterstattung" erwünscht, die dann auch die "richtigen" Nachrichten zeigt. Dazu erscheint in der Tageszeitung "junge Welt" vom morgigen 11.060.2007 auch ein Schwerpunkt mit den Artikeln "Auf Seiten der Mächtigen" sowie "Priorität hat stets die Ereignisnähe" und die Kurznotiz "Schwarze Liste. Brave und kritische Journalisten bei G 8".

Neben der Befassung mit kritischen Zeitungen ist mit Sicherheit ein unabhängiges Projekt wie IndyMedia wichtig, in denen jedeR - unabhängig von Medienkonzernen- selbst Medien und damit Gegenöffentlichkeit schaffen kann.

Zur Bilderserie : Blick von der Brücke auf die näherrückende Demonstration

In dem Zusammenhang möchte ich auf den interessanten Beitrag "Medien und Manipulation" hinweisen, der sich kurz mit einigen konkreten Fällen beschäftigt.

Schon zu Beginn der Proteste in Heiligendamm tauchten Berichte auf, dass die Polizei verdeckte ErmittlerInnen einsetzt, die selber vermummt auftreten, oder sogar als agent provocateur versuchten Angriffe auf die Polizei anzuzetteln. Die Geschichte eines solchen Falls zeigt, was von der massenmedialen Berichterstattung zu halten ist, wenn ein Großteil der veröffentlichten Meinung in den Modus Hofberichterstattung schaltet. Dies ließe sich an vielen Themen zeigen. Etwa die unkritische Reproduktion des Bildes von Deutschland als Vermittler in den internationalen Konflikten, scheinbar ohne eigene Interessen; oder bei der boulevaresken Aufbereitung des Rahmenprogramms, die jede Berichterstattung über internationale Treffen in Deutschland begleitet. Hier gäbe es einiges zu beschreiben und zu untersuchen.


Weiterlesen in der Analyse vom Basisdemokratrischen Bündnis Göttingen

Siehe auch IndyMedia

Nur "eingebettete Berichterstattung" erwünscht

Man kennt das ja aus aktuellen Kriegen wie dem Irakkrieg, den "embedded journalism". Das soll, wenn es nach dem Bundespresseamt geht, wohl auch in Zusammenhang mit der Berichterstattung vom G8 Gipfel so sein. Der Gedanke drängt sich zumindest beim Lesen des Berichts bei "junge Welt" auf:

Eine Zensur findet nicht statt«, heißt es im Grundgesetz, aber das hindert das Bundeskriminalamt (BKA) nicht, unerwünschte Journalisten vom G-8-Gipfel in Heiligendamm auszuladen. Von rund 4700 Anträgen auf Akkreditierung wurden bis Donnerstag »etwa 20 nicht genehmigt«, erklärte ein Sprecher des Bundespresseamtes auf jW-Nachfrage, allesamt aufgrund von »Sicherheitsbedenken« des BKA.


Unter anderem wurde mit Hermann Bach auch ein Vertreter des Berliner "Umbruch Bildarchivs" ausgeladen. Was ist eigentlich mit den ca. 4700 anderen Medienvertretern? Das beleuchtet Telepolis:

Sicherheitsüberprüfung kritiklos akzeptiert

Durch die Verweigerung wurde erst bekannt, dass alle Medienvertreter aus dem In- und Ausland, die während zum G8-Gipfel berichten wollen, einer umfangreichen Sicherheits- und "Zuverlässigkeitsüberprüfung durch die Polizei- und Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Länder und des Bundesnachrichtendienstes" [extern] einwilligen einwilligen mussten Die Medienvertreter mussten eine Datenschutzinformation unterzeichnen, in der es hieß:

Die Akkreditierung setzt eine Zuverlässigkeitsüberprüfung voraus. Bei dieser Zuverlässigkeitsüberprüfung handelt es sich um eine Sicherheitsmaßnahme des Veranstalters. Veranstalter ist in allen Fällen die Bundesregierung.

Weiter unten wurde den Medienvertretern mitgeteilt:

Es unterliegt Ihrer freien Entscheidung, Ihre Einwilligung in die hier dargestellte Datenverarbeitung, insbesondere in die Zuverlässigkeitsüberprüfung, zu erteilen. Sollten Sie diese allerdings verweigern, kann eine Akkreditierung nicht erfolgen.

Bemerkenswert ist allerdings auch, dass diese Sicherheitsüberprüfung von keinem der Medienvertreter bisher kritisch thematisiert worden war. Erst die Ausschlüsse haben diese Praxis öffentlich bekannt gemacht.
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