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"An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern." Erich Kästner

Flop am Samstag: Die Pro S21 Kundgebung

Gestern dachte ich mir: "Schau doch mal bei der PRO S21 Kundgebung auf dem Schlossplatz vorbei".  Nicht, dass ich mir eines Tages nicht vorwerfen lassen muss, ich hätte der Gegenseite keine Chance gelassen. Die haben sie jedoch nicht genutzt.

Die Polizei rechnete die Anwesenden auf 7000 hoch, die Veranstalter rundeten auf: 10000 sollen es gewesen sein, und das, obwohl sie in ihrer tollen Facebook Gruppe ganz doll mobilisiert haben und es kostenlose Fahrten nach Stuttgart gab, wie bei der CDU Göppingen. Gehässiger Seitenhieb der Moderation auf die Gegner: "Wenn wir so rechnen würden wie die Gegner, nämlich die Füße zu zählen, wären wir heute doppelt so viele". Beifall vom Fußvolk für den Flachwitz.



Ein (Noch) Bahn Chef, der dazu aufrief, die "ohnehin hochgekochte, politisch und emotional aufgeladene Situation" nicht noch weiter zu befeuern und natürlich das Schlichtungsverfahren lobte. Um im selben Atemzug - "ich sage es Ihnen ganz ehrlich..." die sattsam bekannten Plattitüden von sich zu geben: "Die Deutsche Bahn kann darf und will keinen Baustopp", winkte erneut mit tausenden neuer Arbeitsplätze, Bäume und Wohnungen und erhielt artig Beifall von der zwischendrin "Weiterbauen! Weiterbauen" skandierenden und mit Deutschland Fähnchen winkenden Menge. Kennen wir alles, wurde schon oft genug widerlegt.



Ein paar abgehalfterte Politiker, die außer den PRO S21 Demonstranten keiner mehr sehen will. Ex - Ministerpräsident Erwin Teufel sieht die "Grundpfeiler der Demokratie" in Gefahr, wenn sich die Gegner von S21 durchsetzen. Dafür gab's frenetisches "Erwin! Erwin!" Gejohle des vom kostenlosen Sekt offenbar schon berauschten Publikums. Kein Wunder, wollten die unsere sauren Gurken nicht haben. Naja, RESIST schmeckt sowieso besser, außerdem passen Alkohol und Demo ohnehin nicht zusammen.



Ein gescheiterter Projektsprecher, dessen Nachfolger vorsorglich nicht an der Kundgebung teilnahmen. Immerhin hat er ausgemacht, warum "Boulevardblätter" wie der "Stern" kritische Berichte bringen: Weil dort nicht die Südwestpresse über ihre Beteiligungen die Finger drin hat, wie bei der Regionalpresse. Aber immerhin, einige seiner wichtigen Argumente fielen auf fruchtbaren Boden:



Die Moderation inne hatte ein sich ganz und gar unchristlich verhaltender Pfarrer, der nebenbei sämtliche Redner heiligsprach, die Gegner des Projektes jedoch auch gestern diffamiert: Alle auf jeden Fall "linksgerichtet". Hach, wenn's nur so wäre!

Dazwischen: Absolut unterirdische, billige "Sex sells Pro S21" Reklame. Und ein Nazivergleich, den nicht nur ich zum Kotzen finde:



Klar, das waren bestimmt linksradikale Provokateure. Nach der Sichtung dieses Motives langte es mir. Zum Glück gab es noch die Möglichkeit, an einer Spontandemo mit mehreren tausend S21 GegnerInnen teilzunehmen, die ausgehend von der Kundgebung am Nordausgang stattfand.



Berittene und andere Polizeikräfte hatten dabei die beiden Demonstrationen fein säuberlich getrennt. Dazwischen die Stimme ihres Herrn aus dem Off: "‘Ich stehe uneingeschränkt zur Polizei und es wäre gut, wenn dies alle tun würden. Dabei verbieten sich öffentliche Ferndiagnosen, denn sie nützen niemanden und desavouieren die aktiven Polizisten, denen viel Aggression entgegenschlägt’, [...]. Und: ‘Es ist eine Hysterie und eine planmäßig gesteuerte Erregung gegenüber der Polizei zu spüren, aber auch gegenüber allen, die für dieses Projekt sind.’"(Via politblogger)



Ab morgen beginnt dann die 12. Aktionswoche gegen Stuttgart 21.



Fotos von den Protesten gegen S21:
Buntgrau
Realfragment
Action-Stuttgart

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  1. Volksverhetzung auf Pro-S21-Veranstaltung
  2. Die S21 Befürworter und ihr Nazivergleich

Comments

  1. Danke fürs Verlinken. Darf ich das Foto von der Draufsicht bei mir posten? Es stellt eindeutig klar, daß die Barrieren bei der Skulptur um die 30 m vor der Bühne stehen. Es gab einen Kommentator bei mir, der der Meinung war, sie seien 3 m von der Bühne entfernt und somit gar nicht geeignet für das Aufstauen des Samstag-Shopping-Publikums gewesen.
    Das hat er wohl mit der üblichen Bühnenabsperrung verwechselt... unabsichtlich, versteht sich...
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    • Posted byThomas Trueten
    • on
    Aber klar doch. Mail mich an, wenn Du das Bild in höherer Auflösung brauchst.
    Comments (2)
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  2. Boahhhh!!! Der Nazivergleich ist ja wohl der Hammer!"
    Comment (1)
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    • Posted byThomas Trueten
    • on
    Ich habe da leider keineN angetroffen, die das Transparent getragen haben. Die waren sich wohl ihrer Schuld bewußt und dessen, was sie erwartet. Ich gehe davon aus, daß auch die Mehrzahl der PRO S21 BefürworterInnen derartige Vergleiche ablehnt.
    Comments (2)
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    • Posted byRdb!
    • on
    Naja, dass sich da viele von distanzieren wirst Du vergessen können, siehe die Debatte auf Facebook
    Comment (1)
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    • Posted byMarkus
    • on
    Tut mir leid, aber ich hab selten sowas unrecherchiertes gelesen.

    Sowas ist nur Stimmungsmache, keine Fakten, nur Anmaßungen. - Da hat sogar die Bild mehr Niveau.

    Aber ich fninds toll, wieivel Experten für Bau, aber auch wieviel redakteure wir seit neustem hier haben.
    Ich glaub, ich lege mir auch son Titel zu.
    Comment (1)
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