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"Seid vor allem immer fähig, jede Ungerechtigkeit gegen jeden Menschen an jedem Ort der Welt im Innersten zu fühlen. Das ist die schönste Eigenschaft eines Revolutionärs." Che Guevara

Quo vadis. Investoren not welcome!

Foto: © Monika v. Wegerer via Umbruch Bildarchiv Berlin
Vom 10. bis 12.2.2020 fand zum 30sten Mal der Immobilien-Lobby-Kongress „Quo Vadis“ im Berliner Hotel Adlon statt. Bei Wind und Wetter wurden die Investoren lautstark vom Protest von rund 100 Aktivist*innen mit Live-Musik begrüsst.

Während draußen vor dem Hotel die anarchistischen Jodler*innen von „Esels Albtraum“ trotz des miesen Wetters für großartige Stimmung sorgten und wütende Redebeiträge gehalten wurden, trafen sich im Adlon die „400 wichtigsten Entscheider*innen“ der Immobilien-Wirtschaft mit diversen Politiker*innen, um zu beratschlagen, wie sie weiter ihre Profite mit dem Wohnraum, den wir dringend brauchen, erhöhen können. Es ist eine elitäre Runde, die sich jedes Jahr auf der Immobilienkonferenz „Quo Vadis“ trifft. Allein der Eintritt zur zweitägigen Konferenz kostet über 3.000 Euro.

Und der Protest zeigt durchaus Wirkung. Der Ort für die „festliche Abendveranstaltung“, die am Dienstag ab 19:30 stattfinden sollte, wurde nicht veröffentlicht. Die Organisator*innen der Konferenz wiesen die Teilnehmer*innen an, das Hotel Adlon doch bitte unauffällig in kleinen Gruppen zu verlassen, um der Wut der Demonstrierenden nicht ausgesetzt zu werden. Die Kundgebung hätte direkt vor dem Hotel Adlon stattfinden sollen, das wurde aber durch die Polizei verboten. Die hatte unzählige Karren aufgefahren, Hamburger Gitter mitgebracht und direkt im Eingang zum Adlon stand auch eine Polizeikette.
Auf jeden Fall haben wir es geschafft, dass dieses unwürdige Profitmaximierungsspektakel nicht ungestört passieren konnte. Organisiert wurde die Kundgebung vom Bündnis „Mietenwahnsinn“.

Und wir haben noch einiges vor in den nächsten Monaten! Am 28.03. ist der europaweite Aktionstag für ein Recht auf Wohnen, gegen hohe Mieten und Verdrängung. An vielen Orten in ganz Europa wird es an diesem Tag Aktionen geben, und auch in Berlin eine fette Demo mit Start um 13 Uhr am Potsdamer Platz.

Bereits in der Woche davor, vom 20. bis 28. März, soll es in Berlin dezentrale Aktionstage für eine Stadt für alle geben. Bringt Euch gerne ein mit vielfältigen, bunten, wütenden, kreativen Aktionen und Veranstaltungen!

Am Dienstag, 10. März rückt der Kudamm, wo diverse Immobilienunternehmen ihren Sitz haben, ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit. Nähere Informationen folgen demnächst.

Wenn ihr mitmachen wollt bei der Vorbereitung der Aktionen und der Groß-Demo am 28.03.:
kommt gerne bei unseren Treffen vorbei jeden Dienstag 19 Uhr im Kiezanker in Kreuzberg (Cuvrystraße 13/14, Durchgang Cuvrystraße / Falckensteinstraße)

Bericht und mehr Infos: mietenwahnsinn.info

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv

Links:

Geschichte wird gemalt

Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv Berlin
AktivistInnen der Kollektive Pappsatt und orangotango haben das legendäre Wandbild in der Waldemar Straße 81 in Kreuzberg neu gemalt und aktualisiert. Es ist eines der ersten Fassadenbilder in Berlin.

Das ursprüngliche Wandbild entstand in Eigeninitiative der damaligen BewohnerIinnen. Aus Protest gegen ihren drohenden Rausschmiss und Abriss des Hauses malten sie es am 1. Mai 1975 in nur wenigen Stunden – tagsüber und illegal – mit Pinseln und Farbrollen an Malerstangen aus ihren Fenstern heraus.

Die Leute aus der Waldemarstraße 81 waren im Kiez gut vernetzt und haben sich mit anderen von Verdrängung betroffenen Menschen solidarisiert und sie unterstützt. Unter anderem boten sie eine Mietrechtsberatung im Haus an. Um die Verwurzelung im Kiez darzustellen, entschieden sie sich für einen Baum als Motiv, in dessen Mitte ein weißes Banner gespannt ist: „Wir bleiben drin!“ Was sich bewahrheiten sollte: Das Hausprojekt besteht immer noch. Mittlerweile ist es Teil der Luisenstadt-Genossenschaft. Dadurch sind die BewohnerIinnen langfristig vor unbezahlbaren Mieten und Verdrängung geschützt.

Aufgrund einer notwendigen Renovierung der Fassade verschwand das alte Bild unter neuem Putz. Die Idee zur Neugestaltung des Wandbildes entwickelte das ehemalige Pappsatt-Kollektiv gemeinsam mit den jetzigen Bewohnerinnen. Die Streetart-AktivistInnen hatten bereits einige stadtpolitische Fassadenbilder in Kooperation mit Hausprojekten wie z.B. der Brunnenstr. 183 oder der Manteuffelstr. 39 umgesetzt. Das Motiv des Baumes sollte beibehalten und mit den gleichen Flächen übertragen werden, die bei der ersten Bemalung damals mit Armen und Pinseln aus den Fenstern erreicht werden konnten. Aus „Wir bleiben drin“ wurde „Wir bleiben alle“, ergänzt von typischen Berliner Großstadttieren wie z.B. der Kotti-Taube, dem Waschbären und dem Pinguin, die gemeinsam im Baum herumklettern.

Angesichts des Mietenwahnsinns weltweit ist das Wandbild auch nach über 40 Jahren brandaktuell, genauso wie die Forderung, die dort nun gut sichtbar in 10 verschiedenen Sprachen zu lesen ist: „Die Häuser denen, die drin wohnen“.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv

Kontakt zu Ex-Pappsatt: pappsatt@riseup.net

Links:

MyGruni - 1. Mai-Demo im Grunewald

Foto: © Oliver Feldhaus / Umbruch Bildarchiv Berlin
Mit einer prächtigen Demonstration zogen am 1. Mai rund 7500 autonome Streetworker*innen durch das wohlstandsbelastete Villenviertel Grunewald. Wie  im letzten Jahr äußerte sich der Protest kreativ, laut und vielfältig. Die gemeinsamen Nenner an diesem Tag waren Enteignung, eine gerechte Vermögensverteilung und in diesem Sinne faire Mieten in der Stadt. Dabei waren neben dem Wagen des Quartiersmanagements noch Wägen des Zappelkomitees & der fahrenden Gerüchteküche, des Bündnisses Mietenwahnsinn, der Roten Champagner Fraktion („Weil Sekt nicht schmeckt – schon gar nicht im Grunewald!“) sowie dem Kollektiv Mami Wata mit dabei.

Zur Fotoseite beim Umbruch Bildarchiv.

Ausführlicher Bericht auf der website von mygruni

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Weitere Fotos im alten Bildarchiv (1980 - 2018)

Berlin: Bizim Bakkal Laden besetzt und mit massiver Gewalt geräumt

Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv Berlin
Der ehemalige Gemüseladen Bizim Bakkal in der Wrangelstraße steht exemplarisch für die Vertreibung alteingessener Gewerbetreibener, aber auch für einen über Monate wachsenden Protest und die Selbstorganisierung der AnwohnerInnen gegen den Mietenwahnsinn. Mit der Besetzung des seit drei Jahre leerstehenden Ladens parallel zur großen Mietendemo setzte die #besetzen-Kampagne am Samstag ein starkes Zeichen: In dieser Stadt wird Leerstand und Spekulation mit Wohn-, oder Gewerberaum auch ganz praktisch nicht mehr widerspruchslos hingenommen.

Doch auch der rot-rot-grüne Senat setzt Zeichen: Ohne Konsequenzen für die Verantwortlichen läßt er einer Polizeiführung freien Lauf, die ohne Räumungstitel, ohne Antrag des Eigentümers und mit massiver Gewalt den Laden räumt. Wieder einmal gestalten die Einsatzleitung der Polizei und der Innensenator, flankiert von Falschinformationen und Kriminalisierung der AktivistInnen, ihre eigene Mietenpolitik.

Zur Fotoseite beim Umbruch Bildarchiv

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