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"Wie gesagt, das Leben muss noch vor dem Tode erledigt werden." Erich Kästner

Kurt Tucholsky: Lorbeeren der herrschenden Klasse. Für Max Hoelz

Max Hoelz
Von Bundesarchiv, Bild 183-L1129-511 / CC-BY-SA 3.0
Aus Anlass des 131. Geburtstages von Max Hoelz folgt Kurt Tucholskys für ihn verfasstes Gedicht "Lorbeeren der herrschenden Klasse". Mehr zu Max Hoelz, der als Anarchist zu den führenden Köpfen der Märzkämpfe in Mitteldeutschland gehörte, findet sich zum Beispiel bei Nick Brauns.

Du sitzt für uns alle.
     Unerschütterlich.
Wir gedenken deiner. Wir grüßen dich.
Als es aus war, hast du deinen Kopf hingehalten.
Gegen die Presse, die Bürger, die Polizei – gegen alle Gewalten.

Als es aus war, hast du vor Gericht gestanden.
Als ein Mann!
     Alle Paragraphen wurden zuschanden.
Der Richter funkelte – weiß vor ohnmächtiger Wut.
Du sahst ihn nur an wie der Hauptmann den dummen Rekrut.
Der Richter kreischte und schimpfte unflätig – gemein.
Da standest du auf! Und spieest der Justiz mitten in ihr Gesicht hinein!
»Wer seid ihr?« Und: »Ich erkenne dies Gericht nicht an!«
     Und: »Was könnt ihr mir schon –?«

Die zappelnden Talare übertönte dein Ruf:
     »Es lebe die Weltrevolution –!«

Jetzt sitzt du im Zuchthaus.
     In der Hand von Gefängniswärtern und Direktoren.
Du wirst schikaniert, geschlagen, gequält ...
     Du hast den Mut nicht verloren.
Tausende sitzen wie du. Tapfer, ohne zu klagen, stumm.
Opfer der Richter. Wer kümmert sich drum –?

Wer –?
     Wenn wo Proletarier zusammenstehn,
wenn sie deinen Namen hören, dein Bildnis sehn –
dann wird es ganz still. Die Köpfe neigen sich.

Du sitzt für sie alle.
Sie geloben Rache. Schweigen ...
     Und grüßen dich.


Theobald Tiger. Der Knüppel, 01.07.1926, Nr. 7.

Unser täglich Einzelfall gib uns heute...

Um einen Einblick in die Einzelfälle der vergangenen Zeit zu gewähren, hat die Stay Behind Foundation diese Karte erstellt. Eine Karte mit Einzelfällen, die in den vergangenen Jahren öffentlich wurden. Es haben nur diejenigen Einzelfälle Eingang gefunden, die 1. öffentlich wurden und 2. von Polizeiführung, Innenministerium oder Justiz bestätigt oder medial bereits aufgegriffen wurden.

Mangel an Verständnis

Aus dem Beitrag: Chuck Schuldiner: the blazing life and tragic death of the godfather of extremity kopple ich mal "Lack of Comprehension" aus:

A condeming fear strikes down
Things they cannot understand
An excuse to cover up weaknesses that lie within
Lies
Laying your guilt and pain
On people that had no part in the molding of a life
That creates its destruction
Lies
Right before your very eyes
A reflection of the mistakes
To the end you will deny
Your part in the demise of a life
Lack of comprehension
Thriving on your cliche
Compelled by self-resentment

Reaching into the minds of those that created
The depression in which they
In which they drowned their flesh and blood
Lies
So easy to blame the
Everlasting fear on a pathetic attempt
To justify the ending of life
Lies
Right before your very eyes
A reflection of the mistakes
To the end you will deny
Your help in ending of a life
Lack of comprehension
Thriving on your cliche
Compelled by self-resentment

Teilnahme verboten. G20-Protest und der Prozess von Fabio V.

Buchvorstellung und Diskussion mit der Autorin Jamila Baroni am Montag, den 28.9.2020:

Teilnahme verboten. G20-Protest und der Prozess von Fabio V.

Im Juli 2017 reist Fabio V. im Alter von 18 Jahren von Italien nach Hamburg und nimmt an einer Demonstration gegen den G20-Gipfel teil. Eine Stunde später wird er festgenommen und fast fünf Monate in Untersuchungshaft gehalten, obwohl ihm persönlich keine Straftaten nachgewiesen werden können. Staat, Polizei und Medien hatten schon vor dem Gipfel Stimmung gegen jede Art von Protest gemacht. Jetzt soll ein Exempel statuiert werden.
Fabios Mutter, die für die Zeit der U-Haft nach Hamburg übersiedelt, beschreibt aus persönlicher Sicht den Kampf um ihren Sohn gegen eine Justiz, die – befeuert von Politik und Medien – zahlreiche Strafverfahren gegen Menschen einleitet, deren Schuld darin besteht, ein grundgesetzlich garantiertes Recht für sich in Anspruch genommen zu haben.
Fabio wird vielen in Erinnerung sein durch seine Prozesserklärung, seine klare Position zu diesem
Gipfel der Mächtigen und seine Nicht-Kooperation mit den Repressions-Behörden.

Die Lesung wird , soweit das Wetter es zulässt, draussen im Hof stattfinden!

Übersetzt wird die Veranstaltung von Max Henninger, der uns schon öfter mit seinen Sprachkenntnissen unterstützt hat!

Wenn möglich, werden wir im Anschluss über den aktuellen Stand der laufenden/geplanten G20-Verfahren berichten!

Kommt Alle!

Montag,den 28.9.2020
19:00 Uhr
Buchladen Schwarze Risse
Gneisenaustr. 2A/Mehringhof
Metro-Station Mehringdamm

Eintritt frei!

Rudolf Rocker: 62. Todestag

Am 19. September 1958 verstarb der deutsche anarchistische Theoretiker und Historiker Rudolf Rocker in New York. Rocker war bekannt für sein Leben als Aktivist in der anarchosyndikalistischen Bewegung und als Autor von Büchern zu Themen Theorie und Praxis des Anarchosyndikalismus sowie über Nationalismus und Kultur.

Rocker wurde 1873 in Mainz in eine Familie katholischer Facharbeiter geboren. Als seine Eltern in jungen Jahren starben, war er verwaist. Er absolvierte eine Lehre und arbeitete dann eine Zeit lang als Buchbinder.

In den 1890er Jahren zog Rocker durch Westeuropa, trug zur anarchistischen Presse bei und beobachtete Kongresse der Zweiten Internationale. 1895 ließ er sich in London nieder.

Rockers Partnerin Milly Witcop war eine jüdischer Anarchafeministin, Anarchasyndikalistin und Autorin, Rocker engagierte sich gemeinsam mit ihr in der jiddischen anarchistischen Bewegung.

Auf dem Internationalen Kongress der anarchistischen Bewegung in Amsterdam 1907 war er Delegierter der jüdischen anarchistischen Bewegung in Großbritannien, die größer war als die gesamte Bewegung im Rest des Vereinigten Königreichs.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs widersetzte sich Rocker heftig beiden Seiten, und aufgrund seiner antimilitaristischen Aktivitäten wurde er 1918 aus Großbritannien ausgewiesen. Er kehrte nach Deutschland zurück, wo er mit der  Freien Arbeiter-Union Deutschlands FAUD, der deutschen Sektion der anarchosyndikalistischen Internationalen Arbeiter-Assoziation (IAA), zusammenarbeitete. Seine Prinzipienerklärung des Syndikalismus wurde als Statut der FAUD verstanden. 1922 nahm er maßgeblich an der Gründung der IAA teil, zu deren Sekretär er zusammen mit Augustin Souchy und Alexander Schapiro gewählt wurde und dessen Statuten er verfasste.

Er war der Herausgeber ihrer Zeitung Der Syndikalist. 1933 musste er vor den Nazis in Deutschland fliehen und gelangte nach New York.

Sein Hauptwerk, "Nationalismus und Kultur" (PDF), war eine massive Kritik der nationalistischen Politik, die positive Kritiken von Menschen wie Einstein erhielt.

Während des Zweiten Weltkriegs brach er aufgrund seiner Unterstützung für die Alliierten mit vielen Kameraden auf der ganzen Welt zusammen, obwohl er wie Kropotkin vor ihm eine beliebte Figur blieb. Als er älter wurde, begann der Anarchismus Rocker vom Anarchosyndikalismus im Klassenkampf zu einer idealistischeren Auffassung von Welt und Geschichte zu wechseln, in der er ebenso wie Kropotkin die Welt eher als Trennung zwischen „libertären“ und „autoritären“ Ideen sah.

Nichtsdestotrotz ist Rockers populärster Text Anarcho-Syndikalismus; Theorie und Praxis, während der spanischen Revolution geschrieben wurden, immens populär geblieben. Obwohl es ein historischer Text ist, bleibt es bis heute ein Schlüsseltext für Anarchisten der Arbeiterklasse.

Quelle: Red Black Notes, eigene Übersetzung und Ergänzungen

Anmerkung: Seit 2011 gibt es Bestrebungen, Texte Rockers verschwinden zu lassen.

Sonntagsarbeit

Seit einigen Wochen nervt mich ein dauerhaftes Provisorium ™ an einer Fräse. Ein Hallsensor greift die Drehzahlen der Spindel ab, gleichzeitig soll ein China LED Ring den Ort des Geschehens adäquat ausleuchten. Viel Platz ist auch ein Fremdwort. Also alle Werte in FreeCAD eingegeben, einmal Enter gedrückt und fertig ist die Laube. Oder so ähnlich. Bevor ich das als Aluteil fertige, soll der 3D Drucker mal den Prototypen runterlassen.

Corona-Wutbürger im Regierungsviertel

Foto: © neukoellnbild via Umbruch Bildarchiv Berlin
Am 29. August kamen in Berlin mehrere 10.000 Personen zusammen, um gegen die aus ihrer Sicht „diktatorischen Corona Maßnahmen“ der Bundesregierung zu protestieren und zugleich zum „Sturm auf den Reichstag“ aufzurufen. Wie bereits bei der ersten Großdemonstration dieser Art Anfang August fand sich auch hier eine mitunter bizarre Melange aus Corona-Leugner*innen, Verschwörungstheroretiker*innen, Reichsbürger*innen, Hooligans, Neo-Nazis und Schwurblern ein. An mehreren Orten gab es Protestkundgebungen von Antifaschist*innen. Sie kamen jedoch nicht an die Demos der Coronaleugner*innen heran.

Begleitet wurden die Wutbürger*innen von 3.000 Polizist*innen, die der Masse an Menschen und ihren im Vorfeld angekündigten Aktionen offenbar nicht gewachsen waren. So wurden bereits am frühen Morgen die Absperrungen am Brandenburger Tor einfach überrannt mit dem Ergebnis, dass sich die Polizei komplett zurückzog, um der aufgebrachten Menge die Straße zu überlassen. Anderseits wurde die eigentliche Demonstration, welche von der Friedrichstraße Richtung Norden zog, an der Ecke Torstraße mit der Begründung gestoppt, dass sich die Teilnehmer*innen nicht an die erforderlichen Auflagen (Maskenschutz) hielten, und nach einigem hin und her wurde die Demonstration schließlich von der Polizei aufgelöst.

Unterdessen kam es in der Friedrichstraße und unter den Linden zu Auseinandersetzungen: Demo-Teilnehmer*innen errichteten Barrikaden, zündeten einen Baucontainer an, warfen Steine und Flaschen. Das Ganze eskalierte vor der russischen Botschaft, wobei die Polizei offensichtlich einige Probleme hatte, die Menge unter Kontrolle zu bringen. Im Ergebnis all dessen verwunderte es denn auch nicht, als gegen 19 Uhr eine Gruppe aus mehreren hundert Personen auch die Absperrungen zum Reichstag überwinden konnten.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv

Arme Küche: farinata di ceci

Ergebnis der Bemühungen
"Die Farinata ist ein typisches Gericht der so genannten armen Küche und hat antike Ursprünge. Ähnliche Pfannkuchen wurden schon von den Griechen, Römern und im Mittelalter als Alternative zu Brot zubereitet. Normalerweise wird zur Herstellung ein Holzofen (Pizzaofen) benutzt, in dem der Fladen in speziellen flachen Backblechen bei hoher Temperatur gebacken wird. Der Pfannkuchen nimmt dabei eine gelbe Farbe an und sollte außen gut gebräunt sein. Er wird sofort heiß gegessen, da er aufgewärmt hart wird. In der Regel wird er mit schwarzem Pfeffer gewürzt." (WikiPedia)

Mein "originales" Rezept:

300 Gramm Kichererbsenmehl in 1 Liter lauwarmem Wasser einrühren und an einem kühlen Ort mindestens 1 Stunde, besser 4-5 oder über Nacht quellen lassen. Dann den Ofen auf 250° (Ober- / Unterhitze) oder - wenn man mehrere Faraniatas auf einmal machen möchte 220° Umluft vorheizen. Den entstandenen Schaum mit einem Schaumlöffel abschöpfen. Danach 10 Gramm Salz und 100 Milliliter Olivenöl einrühren. Eine möglichst beschichtete Pizzaform mit ca. 30 Zentimeter Durchmesser einölen, 2-3 Schöpfkellen von dem sehr dünnflüssigen Teig in die Form geben und für 20 Minuten in den Ofen stellen. Sollte die Oberfläche der Farinata schon vor der Zeit von goldgelb zu goldbraun übergehen, ist die Zeit herum: Aus dem Ofen zerren, grobes Salz und ordentlich Pfeffer drauf und heiß mit einer Flasche guten Rotwein verschlingen.

Der Teig ergibt 3 Farinata in 30er Pizzaformen, was für ebensoviele EsserInnen reicht.

Man kann dieses Fastfood auch sehr einfach variieren: Frühlingszwiebeln in Ringe schneiden, Kirschtomaten halbieren, Zucchini in dünne Scheiben schneiden, schwarze Oliven spärlich, kombiniert oder einzeln in die gefüllte Pizzaform geben. Vegetarier mögen auch etwas Käse drüber geben.

Alternativ wird die Farinata auch gerne ähnlich wie ein Döner zusammen mit frischem Salat und / oder Gegrilltem Gemüse in Fladenbrot oder Baguette oder Brötchen gegessen.

Portland: Auf der Flucht erschossen...

"Michael Forest Reinoehl, ein mutmaßlicher Tatverdächtiger im Fall der Erschießung eines Rechtsradikalen in Portland, Oregon, ist tot. Mehreren US-Medienberichten zufolge wurde er am Donnerstag (Ortszeit) beim Versuch der Polizei, ihn festzunehmen, getötet. Der New York Times zufolge versuchte der 48-Jährige, vor der Polizei zu fliehen, woraufhin diese ihn erschoss." (Süddeutsche Zeitung, 4. September 2020)

Mehr dazu bei Vice, das Medium führte wenige Stunden vor der Tötung ein Gespräch mit Michael Forest Reinoehl.