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"Amerika wird also, angeführt und aufgeweckt von der kubanischen Revolution, eine Aufgabe von großer, entscheidender Bedeutung haben: die Schaffung eines zweiten, dritten Vietnams." Che Guevara

90 Jahre Hinrichtung: Sacco und Vanzetti Presente!

Sacco (rechts) und Vanzetti (links) als Angeklagte, mit Handschellen aneinander gefesselt

Vor 90 Jahren, am 9. April 1927, wurde das Todesurteil gegen die beiden aus Italien in die USA eingewanderten Arbeiter Ferdinando „Nicola“ Sacco und Bartolomeo Vanzetti, die sich der anarchistischen Arbeiterbewegung angeschlossen hatten, verkündet. In der Nacht vom 22. auf den 23. August 1927 wurden beide im Staatsgefängnis von Charlestown, Massachusetts, hingerichtet.

Morde an Revolutionären und Arbeiterführern mit Hilfe der Justiz sind eng mit der Geschichte der USA verbunden: Die Chicagoer Arbeiterführer Parsons, Spies, Engels und Fischer wurden am 11. November 1887 als Reaktion auf die große Streikwelle Opfer der Klassenjustiz. Die Tradition setzte sich mit den in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts trotz weltweiter Solidaritätskampagnen hingerichteten anarchistischen Arbeitern Sacco und Vanzetti fort. Auch heute gehört die Todesstrafe zu den Mitteln der rassistischen Klassenjustiz in den USA.

„Ich habe nicht nur mein ganzes Leben lang kein wirkliches Verbrechen begangen, wohl einige Sünden, aber keine Verbrechen, sondern auch das Verbrechen bekämpft, das die offizielle Moral und das offizielle Gesetz billigen und heiligen: Die Ausbeutung und Unterdrückung des Menschen durch den Menschen. Wenn es einen Grund gibt, warum Sie mich in wenigen Minuten vernichten können, dann ist dies der Grund und kein anderer.“

Bartolomeo Vanzetti



Erich Mühsam setzte ihnen mit "Staatsräson. Ein Denkmal für Sacco und Vanzetti" ein ebensolches. Aus dessen 15. Akt:

Brüder, euer Name lebt

unsern Fahnen eingewebt

ewig unvergänglich.

Wenn die rote Freiheitsflamme loht,

soll ihr Glanz der Welt verkünden

euern Kampf und euern Tod.

Treue euerm kühnen Geist,

der den Weg der Zukunft weist.

Brüder, wir geloben:

Was euch leiden ließ der Mörder Staat,

jede Stunde eurer Qualen

sei ein Hebel unsrer Tat.

Kampf sei euer Dank und Lohn,

Kampf dem Staat, der Reaktion,

Kampf bis zu dem Tage,

da der Spuk der Macht in Staub zerrinnt,

wenn in jedem Land auf Erden

sich das Arbeitsvolk besinnt.

Brüder, die ihr für uns starbt,

euer Blut fließt unvernarbt,

bis die Massen siegen.

Klassenkampf und Solidarität

geben in die Hand des Volkes

Land, Fabrik und Feldgerät.

Eure Sehnsucht, eure Pein

soll uns Stern und Geißel sein,

Sacco und Vanzetti!

Euer Beispiel stirbt der Menschheit nie.

Freie Welt sei euer Denkmal,

Sozialismus, Anarchie!

Erich Mühsam: Ausgewählte Werke, Bd.1: Gedichte. Prosa. Stücke, Berlin 1978

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