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"Warum mir aber in neuester Welt Anarchie gar so gut gefällt? Ein jeder lebt nach seinem Sinn, das ist nun also auch mein Gewinn! Ich laß´ einem jeden sein Bestreben, um auch nach meinem Sinn zu leben." Johann Wolfgang v. Goethe

Bankenblockade am 18. Oktober abgesagt!

Der Koordinierungskreis der Aktion Georg Büchner hat am Freitag, den 24. September in Frankfurt nach mehrstündiger Debatte beschlossen, die Bankenaktion am 18. Oktober abzusagen.

Wir halten die Idee der Bankenblockade für überfällig, richtig und notwendig. Der Vorschlag beruhte auf der Annahme, dass es uns trotz drängender Zeit gelingen könnte, am 18. Oktober 2010 Tausende von Menschen zu einer Aktion des zivilen Ungehorsams zusammenzubringen – um die Idee von ›Masse und Entschiedenheit‹, wie sie in Dresden dieses Jahres so beeindruckend umgesetzt wurde, auf die soziale Frage zu übertragen, mit dem Ziel, dem Verarmungsprogramm mehr als Klagen, Kundgebungen und Demonstrationen entgegenzusetzen.

Wir haben im Koordinierungskreis unterschiedliche Einschätzungen darüber, ob der derzeitige Mobilisierungsstand ausreichend ist, einen solchen Schritt zu wagen. In einigen Regionen lief die Mobilisierung gut, in anderen nur schleppend. Wir waren uns deshalb nicht sicher, wie viel der uns überall entgegengebrachten Sympathie sich am Montagmorgen auf der Straße zeigen würde. Bei unserer in Deutschland in Bereich Soziale Kämpfe noch unerprobten Aktionsidee gibt es eine deutliche Diskrepanz zwischen ideeller Zustimmung und physischer Mobilisierbarkeit. Die Anzahl der bislang gemeldeten Busse veranlasste einen Teil von uns zur Einschätzung, dass wir eine Blockade über mehrere Stunden durchsetzen könnten, ein anderer Teil hielt das für unwahrscheinlich und verwies darauf, dass die überprüfbaren Zusagen deutlich unter unseren Annahmen lagen.

Die Absage ist uns allen sehr schwer gefallen. Wir haben gemeinsam viel Kraft und Herzblut in die Vorbereitung und Durchführung gesteckt. Wir wissen um sehr viele Gruppen und Menschen überall in der Republik, die diese Aktion ausdrücklich begrüßten und wie wir große Hoffnung hatten, in der Auseinandersetzung um die soziale Frage endlich einen gemeinsamen Schritt weiter zu kommen. Wir bedanken uns ausdrücklich bei den hunderten AktivistInnen, die in den letzten Wochen für das gemeinsame Ziel gestritten haben!

Den Stimmungswandel vor den Sommerferien (›Wir zahlen nicht für eure Krise‹) in die Zeit danach (›Die Krise ist vorbei‹), den auch wir zu spüren bekamen, fällt derzeit vielen AkteurInnen, die gegen das Verarmungsprogramm mobilisieren, in den Rücken – auch wenn die Fakten genau das Gegenteil belegen. Doch die Zeit, diese Verunsicherung auszuräumen, dieses Zögern zu überwinden, lief uns davon.

Die Umverteilung von unten nach oben geht unvermindert weiter. Die Notwendigkeit, Verbindungen zwischen der kapitalismuskritischen und der antikapitalistischen Linken aufzubauen und zu verstärken, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, liegt auf der Hand. Dass wir uns dieses Mal noch nicht durchringen konnten, den Schritt in die Aktion zu wagen, ist nicht das Ende des Versuchs, zivilen Ungehorsam im Bereich der sozialen Kämpfe zu organisieren. Sowohl Stuttgart 21 als auch die kommenden Castor Proteste zeigen, dass zunehmend mehr Menschen sich auf die Suchen nach Aktionsformen begeben, die den Schritt vom Protest zum Widerstand beschreiten. Wir haben uns verabredet, das gemeinsame Vertrauen und die entstandenen Verbindungen zu nutzen, an unserer Idee eines ›gesellschaftlichen Streiks‹ festzuhalten, sie zur Diskussion zu stellen, in der Hoffnung, dass unsere jetzige Entscheidung nicht das
letzte Wort bleibt.

Quelle: Koordinierungskreis ›AG Georg Büchner‹ September 2010

Siehe auch: Grundsätzliche Fragen - Interview, das kurz vor dem KO-Beschluss zur Aussetzung geführt wurde.

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Comments

    • Posted byRdB!
    • on
    Das Scheitern einer Idee
    »AG Georg Büchner« sagt für 18. Oktober geplante Bankenblockade in Frankfurt am Main ab. Aktion sollte »vom Protest zum Widerstand« führen.

    junge Welt
    Comment (1)
    Reply
    • Posted byPeter Berres
    • on
    oh Genossen, welch krasse Fehleinschätzung; gerade gestern ( 29.09.2010 ) haben sie in Berlin gezeigt, wie man/frau mit weniger als 100 Leuten ordentliche Fingerzeige abliefern kann.

    1. Allein in Hiltrup auf einem befreiungstheologischen (!) Workshop des ITP Münster waren 11 von 26 Leuten wild entschlossen, nach Frankfurt zu kommen.
    Wir haben dort auch bibelfeste Gründe entwickelt ( Vertreibung der Geldwechsler / Zachäus, der Oberzöllner / Arbeiter ab 11. Stunde im Weinberg, die das gleiche vom HERRN bekommen wie die, die schon den ganzen Tag arbeiten - ein wunderbares Gleichnis für die Grundsicherungsidee )und hätten die gerne eingebracht, auch um den von uns aus gesehen konservativeren Rand etwas aufzuweichen und einzufangen.

    2. Eine der Mängel der Blockadeaktions - idee ist der fehlende sinnlich wahrnehmbare Hinweis auf den Zusammenhang mit der WIRKLICHEN Krise; diese entstammt nicht der Sphäre der um die Verteilung des Mehrwerts konkurrierenden Kapitalien und Kapitalisten, sondern der Art und Weise, wie der Mehrwert ERZEUGT wird, nämlich dem Antagonismus zwischen - ach was, das wißt ihr ja alles selber.
    Also ist unsere Idee, dass IMMER AUCH ein primärer Mehrwertproduzent UND IMMER AUCH eine Überbauinstitution (vulgo STAAT) der Blockade ausgeliefert sein müsste.

    Am besten würde man/frau die DEUBA, Siemens und die Soffin gleichzeitig - verbunden durch eine Menschenkette - symbolisch und gewaltfrei blockieren. Es können auch andere Charaktermasken sein, aber sie müssen die drei Säulen der Krise repräsentieren!

    3. Das Argument des gewerkschaftlichen Kollegen zeigt deren gesellschaftliche Funktion auf erschreckende Weise Wie kann er erwarten, dass ausgerechnet die Leute " von innen heraus " sich selbst blockieren, die als einzige von der Arbeit dort leben müssen? Da könnten wir gleich die Kollegen von Heckler und Koch bitten, gegen die Herstellung von Waffen zu demonstrieren. Es wäre Aufgabe der Gewerkschaften, über die grundlegenden Veränderungsnotwendigkeiten nachzudenken, dazu gehört in einem ersten Kraftakt sicherlich auch die grundgesetzkonforme Verstaatlichung des Bankensektors ( unter voller Herauslösung des Bereichs des investiven Kapitals und seiner "Verwendung", die sollen alleine kaputtgehen an den Widersprüchen und nicht den Geldverkehr und das Sparguthaben des kleinen Mannes und die Alterssicherung zerstören dürfen ).
    Wenn die Bankangestellten erst einmal so weit sind, dass sie von sich aus mitblockieren, sind sie willkommen; solange sie sich zuerst um ihr Einkommen und ihre Arbeitsplätze sorgen, haben sie die Probleme noch nicht verstanden.

    ODER ist die Absage nur eine Finte zur Einschläferung der Gegenreaktionen ?
    DAS WÄRE TOLL . . .

    MACHT ES, MÄDELS und JUNGS ,
    trotz alledem, was euch abhält im Kopf

    WIR MÜSSEN SIEGEN

    P.T. Eulenspiegel
    Comment (1)
    Reply

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