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"The pellet with the poison’s in the flagon with the dragon, the vessel with the pestle has the brew that is true." Hubert Hawkins in The Court Jester

FR: Fröhliches Hetzen! Vorwärts zum Niedermachen der LINKSPARTEI

Die Frankfurter Rundschau - wie hier schon öfter bemerkt - hatte nach dem Ende von Schwarz-Rot kurzfristig der Kritik etwas Auslauf gegeben. Die SPD war ja aus dem Schneider.

In den letzten Wochen zeichnet sich da ein Wechsel ab. Einmal redaktionell im Umschwung zur "Berliner Zeitung", welcher die FR weitgehend geopfert werden soll. Aber auch inhaltlich. In einzelnen Artikeln zeichnet sich - noch pfotenzart - eine Vorbereitung ab auf die zu erwartende neuerliche Rot-Schwarze Koalition. SPD-CDU. Da bei aller Liebe mit den Vierprozentlern der FDP  kein Staat mehr zu machen sein wird.

Zur offenen Hetze hat sich das Blatt nun in einem  Artikel entschlossen, der alles aufwärmt, was in der "Achse des Guten" und ähnlichen Blogs seit Wochen umgewälzt wird.

Der eigentliche Artikel beginnt so: "Diese Frage könnte Grünen und Sozialdemokraten in den Ohren klingen: „Antisemiten als Koalitionspartner?“ So haben der Gießener Sozialwissenschaftler und Antisemitismusexperte Samuel Salzborn und Sebastian Voigt von der Universität Leipzig eine Studie überschrieben, die sich mit der Linkspartei beschäftigt."

Die Abschreckungsabsicht wird deutlich. Die LINKEN  selbst werden gar nicht groß der Belehrung für würdig gehalten. Aber wehe dem SPD-Bürgermeister, der sich mit solchen einlässt.

Zum Verständnis dieser Absichten kann dienen, dass der Mitarbeiter Sebastian Voigt Gründungsmitglied des Bundesarbeitskreises Shalom der Linksjugend ist. (Nach Angabe des Tagesspiegel). Er kümmert sich - so weit ich es mitbekomme - fast ausschließlich um Bekämpfung von Antisemitismus. Vor allem in linken Reihen.

Der wichtigste Fund der beiden Forscher ist ein wirklich antisemitisches Flugblatt, das offenbar von außen den LINKEN von Duisburg  untergeschmuggelt wurde. Es wurde gelöscht. Der LINKEN-Verband des betreffenden Ortes hat dagegen geklagt. Hilft alles nichts. Die zwei Gelehrten haben herausbekommen, dass der Antisemitismus sich breit macht unter den LINKEN.

Ein Leserbrief zu einer entsprechenden Veröffentlichung im TAGESSPIEGEL sagt dazu alles Nötige. Der Artikel wurde von der zuständigen "Achse" wohlwollend als Zitat übernommen. Das Zitat des "Tagesspiegel"-Lesers:

"Sebastian Voigt praktiziert genau das, was er anderen vorwirft: Sektierertum, Ignoranz und Dogmatismus. Diejenigen, die seine Meinung nicht teilen, möchte er am liebsten aus der Partei werfen. Dass das, was heute als "Antizionismus" bezeichnet wird - die Gegnerschaft zu einem rein jüdischen Staat - lange eine Hauptströmung im Zionismus von Hannah Arendt bis Martin Buber war, weiß er nicht. Die zu respektierende, aber parteiliche Meinung Jean Amerys, Antizionismus sei gleich Antisemitismus, behandelt er als unanfechtbare Tatsache. Mit Tatsachen nimmt er es leider auch nicht so genau: Seine Behauptung, der - ansonsten sicher verachtenswerte - Ahmadineschad rufe ständig zur Vernichtung israels auf, entbehrt jeder Grundlage. Auf die Idee, dass Lafontaine in den Iran fährt, um wenigstens ein kleines Zeichen gegen einen drohenden US-Angriff zu setzen, kommt er nicht. Man könnte fast glauben, sein Anti-Antizionismus erstreckt sich auch auf die Billigung eines solchen [Angriffs]. Ein trauriges Statement!"

Kurzatmigkeit hindert beide Gelehrte, sich an die Zeiten vor 1933 zu erinnern. Tatsächlich war der Zionismus unter deutschen Juden vor 1933 keineswegs populär. Der Unternehmer Scholem hatte mehrere Söhne. Einer wurde KPD-MItglied, der andere Zionist. Wir wissen nicht, wessen Weg der Vater stärker verfluchte.

Klemperer in seinen Tagebüchern -  schon in den frühen von 1920 bis 1933 - äußerte sich so drastisch über die Zionisten, denen er begegnete, dass ihm das heute wahrscheinlich umstandslos als "jüdischer Selbsthass" angerechnet worden wäre. Und selbst der hochverehrte Martin Buber verbrachte zwar Jahre auf dem Tempelberg in Jerusalem, unterstützte aber nirgends die Gründung eines Staates ausschließlich der Juden.

Kurz gesagt: Es gab unbestreitbar Gegnerschaft gegen die Gründung eines besonderen jüdischen Staates - auch von Juden. Ohne dass diese selbst von den zwei Sittenrichtern und Sachkennern als Antisemiten abgestempelt werden dürften. Also müsste in jedem einzelnen Fall nachgewiesen werden, ab wann das Urteil des Antisemitismus ausgesprochen werden darf - auch gegenüber Gegnern der gegenwärtigen Politik der Führung des Staates Israel.

Nur noch ein Wort zu der Herleitung des angeblichen Antisemitismus aus der DDR-Vergangenheit:

Bei den Gelehrten heißt es: "Die Anfälligkeit der Linken, die sich in weiten Teilen als immun gegen Antisemitismus wahrnimmt, leiten die beiden Forscher aus der Geschichte ab. So habe die DDR unter der Staatspartei SED die NS-Geschichte und die Komplizenschaft großer Teile der Bevölkerung nie richtig aufgearbeitet. Der Nationalsozialismus sei als „Verschwörung einer kleinen Gruppe von Finanzkapitalisten“ dargestellt worden. „In dieser Hinsicht war das antifaschistische Selbstverständnis der DDR eine staatliche Legitimationsideologie, die zur Feindschaft gegen Israel und zur Unterstützung arabischer Diktaturen als Verbündete im antiimperialistischen Kampf diente“: Hier das kapitalistische Israel, da unsere Brüder im Geiste.“

Ein Rätsel sollten die beiden Gelehrten bei ihrer Erforschung der DDR  doch noch lösen: Warum nämlich so viele Remigranten nach 1945 jüdischer Herkunft, die ohne weiteres im Westen großen Absatz für ihre Werke gefunden hätten, ohne zu zögern in die DDR übersiedelten. Erinnert sei nur an Anna Seghers, Arnold Zweig, Stefan Heym, Hermlin und viele andere. Haben die alle Antisemitismus in der DDR billigend in Kauf genommmen?

PS: Wir haben schon in stattweb vermieden, auf die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Staat Israel und den Bewohnern des Gaza-Streifens und der Hisbollah einzugehen. Nicht so sehr wegen Auschwitz. Eher aus Beherzigung der Lehre Liebknechts. Dieser hatte immer die Anklage anderer wegen ihrer Missetaten dann verurteilt, wenn diese nur ablenken sollte von den eigenen: vom eigenen Imperialismus. Diese Haltung halte ich auch heute noch für gerechtfertigt. Nur darf dieses Prinzip nicht zu der Umkehrung führen, die beide Gelehrte betreiben. Nämlich aus der rückhaltlosen Billigung aller Handlungen des israelischen Staates Denunziation als notwendigen Beitrag zu dessen Verteidigung anzusehen.

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Comments

    • Posted byFritz Güde
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    Inzwischen hat "achgut" am Mittwoch um 21.51 Uhr freudig rückgekoppelt.

    Bisher gab es die Symbiose der "Achse" im Wesentlichen mit "SPIEGEL" und vor allem der "WELT". Schöne Aussichten für die "Frankfurter Rundschau", die man bisher -aus überjähriger Gewohnheit- einem anderen Lager zugerechnet hatte.
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    • Posted bylandbewohner
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    top artikel und notwendige richtigstellung dieser linken-hetze, die ja nicht nur die partei betrifft.
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    • Posted byDani
    • on
    Mit der bedingungslosen Solidarität zum Staate Israel hatte ich schon lange meine Schwierigkeiten, weil bedingungslos einfach nur hirnlos bedeutet. Ein alter Freund aus Jugendzentrumstagen, der mich durch Vorbildlichkeit und mit Humor dazu brachte, neugierig auf Anarchie zu werden, hat mir später die Freundschaft gekündigt, weil ich ihm nicht Antideutsch genug war.
    Es war eine elende, vergiftete Diskussion. Naiv wie ich bin, fordere ich, dass in den Mitteln der Zweck schon sichtbar werden soll. Deshalb meine Frage: Warum sollte der Staat Israel von Anarchisten bedingungslos unterstützt werden?
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  1. Die Frage ist doch: Wieso sollte überhaupt ein Konstrukt wie ein Staat von Anarchisten unterstützt werden?
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    • Posted byFritz Güde
    • on
    Sicherheitshalber hier die Richtigstellung von Frau Hoeger. Es scheint nicht sicher, ob und wann sie bei FR auftauchen wird:

    Gegendarstellung

    Bezüglich des Artikels “Antisemiten in der Linkspartei” geben ich folgende Gegendarstellung zur Kenntnis, deren Abdruck ich von der Redaktion der Frankfurter Rundschau gefordert habe:

    Gegendarstellung zu dem Artikel “Antisemiten in der Linkspartei” vom 18.05.2011

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    hiermit fordere ich die Frankfurter Rundschau auf, zu dem o.a. Artikel folgende Gegendarstellung abzudrucken:

    In dem Artikel “Antisemiten in der Linkspartei” in der FR vom 18.05.2011 wird der Eindruck erweckt, die Bundestagsabgeordnete Inge Höger sei auf einer Konferenz von Hamas-Sympathisanten in Wuppertal auf getreten.

    Richtig ist:

    Die Bundestagsabgeordnete Inge Höger war als Gast zu der 9. Konferenz der Palästinenser in Europa eingeladen und hat dort ein Grußwort gehalten. Die Konferenz ist eine Initiative der in Europa lebenden Palästinenserinnen und Palästinenser und verschiedene palästinensischen Organisationen. Es ging bei dieser Konferenz um das Versöhnungsabkommen zwischen Fatah und Hamas und insgesamt dreizehn palästinensischen Organisationen und das in der UN-Resolution 194 anerkannte Rückkehrrecht der Palästinenser.

    Auf dieser Konferenz haben u.a. Felicia Langer (Trägerin des alternativen Nobelpreises), der palästinensische Minister a.D. Mustafa Barghouti, das Führungsmitglied der Fatah Fadwa al Barghouti und auch die linke Bundestagsabgeordnete Inge Höger Grußworte gesprochen.

    Auf der Bühne wurde allen Gästen ein palästinensischer Schal umgelegt. Inge Höger hätte es als unhöflich empfunden, in dieser Situation das Tragen dieses Schals abzulehnen. Der Schal zeigte die Orte in Palästina, aus denen vor der Ausrufung des Staates Israel Palästinenserinnen und Palästinenser vertrieben wurden.

    Israel hat bis heute keine Staatsgrenzen definiert und beansprucht alle ehemaligen palästinensischen Gebiete. Erst in einem Friedensvertrag wird es eine Lösung für die Grenzfrage geben. Barak Obama hat in einer aktuellen Rede den Anspruch auf die Grenzen von 1967 als Grenzen zwischen Israel und Palästina bekräftigt.

    Inge Höger, MdB DIE LINKE
    Mitglied im Verteidigungsausschuss

    (Originalfassung inklusive aller Stilblüten und Rechtschreibfehler, schönen Gruss aus Reykjavik. HMB)

    Fazit:
    Woher stammt die freundliche Weitergabe des Berichtigungsersuchens? Aus "Achgut". Dieselbe Quelle enthält einen Brief des einen Gelehrten, der sich weigert, einer Vertreterin der LINKEN seine Quellen zu nennen. Über sie reden: Ja! Mit ihr reden: Pfui Teufel.

    Die Zusammenarbeit von FR und "Achgut" wird enger! Froh Kloake!
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    • Posted byparty
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    Herr Güde,

    versteh ich alles nicht.

    Und schon gar nicht was die gute Achse mit "die Judenfrage" meint ...


    Gruß
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  2. "Der wichtigste Fund der beiden Forscher ist ein wirklich antisemitisches Flugblatt, das offenbar von außen den LINKEN von Duisburg untergeschmuggelt wurde."
    heißt es im Blog. In der mir vorliegenden Fassung der Studie (tinyurl 3tpwdjt) ist von diesem Flugblatt allerdings an keiner Stelle die Rede. Kann es sein, dass der Autor die Studie gar nicht gelesen hat?
    Comment (1)
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    • Posted byFritz Güde
    • on
    Der Autor-fg-bezog sich ausschließlich auf den Artikel in der "Frankfurter Rundschau"-mit einer Abbildung des untergeschobenen Flugblatts. Sollte das nicht reichen?
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  3. habe heute die Hetzkampagne im Bundestag verfolgt

    Fazit:

    schon sind sich alle Parteien einig, DIE LINKE muss raus - o man - das hättet ihr hören sollen was da abging

    muss man denn alles was Israel macht gut heißen? Oder wird man, bei anderer Meinung, sofort als Gegner Israels eingestuft?

    Sorry, so DEUTSCH bin ich nun doch nicht, dass ich wegen der verwerflichen Vergangenheit im 3. Reich jetzt und heute vor allem die Augen verschließe.

    Ich bleibe dabei - was Israel mit den Menschen im Gaza macht, kann ich nie und nimmer gut heißen. Auch wenn ich jetzt in den Augen einiger als Israel feindlich eingestuft werde, was so jedoch nicht stimmt.
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    • Posted byFritz Güde
    • on
    Ich habe leider nur die zweite Hälfte der Aufführung mitbekommen. Und dann wurde ja zur Ansprache des Weltenherrschers aus den USA umgeschaltet.
    Der Struktur nach war die angebliche Debatte strengste Treibjagd. Die Angegriffenen bekamen gerade einmal Gelegenheit, sich ins Netz zu stellen. Und die arme Frau Jochimsen musste Bolzen, Pfeilen und Speere über sich ergehen lassen.
    Die Tugendbolde der rechtschaffenen Parteien schämten sich nicht, Fraktionsausschluss für Frau Hoeger und ihresgleichen zu verlangen. Hatten CDU und FDP nicht auch Rechte aus der Fraktion geschmissen, nämlich solche, die durch unvorsichtige Wortwahl unter den Mit-Rechten besonders auffielen.
    Comments (4)
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  4. das dollste ist ja, dass man den LINKEN nur 1 Rede zugestanden hat - doch alle durften auf die Linken einprügeln
    hier hätte man, meiner Meinung nach, eine Ausnahme machen können und eine weitere Rede der Linken zugestehen müssen.
    Diese Doppelmoral, vor allem von CDU und FDP, da fasst man sich an den Kopf.
    Haben wohl vergessen was mit Möllemann und Koch war. Ach ja, ist ja Schnee von gestern.
    Comments (2)
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