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"Wie gesagt, das Leben muss noch vor dem Tode erledigt werden." Erich Kästner

Für den Sozialismus gelebt und gestorben

Salvador Allende Gossens
Vor 100 Jahren erblickte Salvador Allende Gossens im chilenischen Valparaíso das Licht der Welt. Allende war der erste marxistisch orientierte Präsident, der in einer bürgerlichen Demokratie gewählt worden war. Nur drei Jahre sollte seine Regierungszeit dauern.

Bereits während seines Medizinstudiums in den 1920er Jahren wurde Allende politisch aktiv und avencierte unter anderem zum stellvertretenden Präsidenten des FECH (Föderation chilenischer Studenten). Im Alter von 29 Jahren zog er erstmals für die Sozialistische Partei ins Parlament ein. Bereits ein Jahr später übernahm Allende den Posten des Gesundheitsministers im Kabinett von Pedro Aguirre Cerda und blieb dies für die folgenden zwei Jahre. 1945 wurde Salvador Allende in seiner Heimatstadt als Senator gewählt. In den Jahren 1952, 1958 und 1964 kandidierte er für das linke Parteienbündnis Frente de Acción Popular als Präsidentschaftskandidat, konnte jedoch keine Mehrheiten auf sich vereinigen. Erst 1970 sollte er als Präsidentschaftskandidat der Unidad Popular, einem Zusammenschluss von Sozialisten, Kommunisten und anderen Linksparteien, die meisten Stimmen auf sich vereinigen. Da Allende jedoch keine absolute Mehrheit erreichen konnte, musste das Parlament den Präsidenten wählen. Mit den Stimmen der Christdemokraten wurde Allende, trotz zahlreicher Stör- und Interventionsversuche von Seiten der USA und transnationaler Konzerne, als Präsident gewählt.

Mit seiner Sozial- und Wirtschaftspolitik war Allende der Rechten im In- und Ausland ein Dorn im Auge, sah man doch u.a. in Washington nun den Kommunismus auch in Südamerika angekommen, wo us-amerikanische Unternehmen bisher glänzende Geschäfte auf Kosten der Allgemeinheit machten.

Für weitere Informationen zur Person und Regierungszeit Allendes sei auf die Linkliste am Ende des Beitrages verwiesen. Am 11. September 1973 putschten große Teile des Militärs unter Führung von Augusto Pinochet gegen Allende, Unterstützung erhielten sie aus dem Norden. Aus den USA, Europa, von der Industrie, Regierungen, Parteien, Medien, ...

Man erinnere an dieser Stelle nur an die Reaktionen in bundesrepublikanischen Presseorganen und von Politikern aus der Union.

Nachdem 2003 der 30. Jahrestag des faschistischen Putsches gegen die Regierung Allende und die chilenische Bevölkerung begangen wurde, verschwand Allende für die bürgerliche Journaille fast vollständig wieder in der Mottenkiste, bis 2005. Mitte April 2005 meldete sich der in Berlin lebende chilenische Privatdozent Victor Farías zu Wort. Er habe die jahrelang verschollene Doktorarbeit Allendes gefunden und behauptete, Allende sei ein Rassist und Antisemit gewesen. Wieder war Allende ein Thema für die bürgerliche Presse. Gierig stürzte sich die Journaille, von BILD über FAZ, FR bis taz, auf die Behauptungen Farías' und posaunten sie ungeprüft in die Welt. Lediglich die junge Welt prüfte als einzige deutsche Tageszeitung die Aussagen und entlavte Farías Lügen.
Meist erschien die Meldung, Allende sei nun doch kein Rassist und Antisemit gewesen, in der bürgerlichen Presse klein. Den vorhergehenden Artikeln wurde deutlich mehr Platz eingeräumt. „Nur: Irgendwas bleibt immer zurück“ schrieb Bernd Pickert am 1.6.2006 in der taz. „Alle Medien, auch die taz, haben darüber berichtet: Salvador Allende [...] ein Rassist und Antisemit.“ heißt es lapidar zu Beginn. Eine Entschuldigung sucht man bei Pickert jedoch vergeblich.

Verbreitet wurde die Meldung von Farías auch von der FU-Berlin, wo er am Lateinamerika-Institut einen Lehrauftrag hatte, in einer Pressemeldung. Noch immer steht diese auf der Internetseite der Universität. Eine Nachfrage bei der Pressestelle, warum diese Mitteilung unter dem Titel "FU-Historiker entlarvt chilenischen Sozialisten Allende als Antisemit" noch immer so im Internet stehe, sorgte für einige Verwirrungen. Man könne zwar die "wertende Überschrift" und andere wertende Formulierungen ändern. Einen Hinweis, dass die sämtlichen Behauptungen Farías' kurze Zeit später wiederlegt worden, sei nicht angebracht, da man ja keine "Geschichtsknitterung" betreiben wolle. Mögliche Änderungen sollen nun im Hause besprochen werden.

Links:

- Fundación Salvador Allende

- Allende ein Antisemit? [Dokumentation der Informationsstelle Lateinamerika]

- jW-Dossier Genosse Allende

- Wikipedia-Artikel über Allende

- Letzte Rede Allendes

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  1. Salvador Allende zum 100.
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Comments

  1. Welche Schlussfolgerungen sollten eigentlich aus dem Beispiel Chiles gezogen werden? Für mich bleiben einige Fragen dabei offen: Die nach der Möglichkeit einer "friedlichen sozialistischen Revolution" und, ob auf die "Diktatur des Proletariats" verzichtet werden kann.

    Das Beispiel Chile zeigt vor allem auch die Notwendigkeit der vollständigen Entmachtung des Kapitals, der ehemaligen Machthaber und ihres politischen und miliärischen Repressionsapparates.

    Von Anfang an wurden von der Reaktion jeder scheinbare oder tatsächliche politische Fehler Allendes ausgenutzt zu Protesten gegen Allende und Vorbereitung der Konterrevolution. Parallel dazu wurde der Militärputsch durch die CIA federführend vorbereitet und ausgelöst. Statt der Mobilisierung der Arbeiterschaft wurde von Allende mehr auf das Militär vertraut, das ein Instrument zum Erhalt der bürgerlichen Herrschaft ist.

    Die vielen "Verschwundenen" in Chile waren der Tribut für die Illusion der "friedlichen Revolution".
    Comment (1)
    Reply
    • Posted byRdB!
    • on
    Beim LabourNet kam heute etwas zum Thema:

    ---------
    Diktatur und Aufarbeitung

    »Es gibt kein Morgen ohne Gestern« - Vergangenheitsbewältigung in Chile

    Zur Untersuchung der Verbrechen, die während der 17-jährigen Pinochet-Diktatur vom Regime verübt wurden, wurde von Präsident Ricardo Lagos eine Kommission einberufen, die von November 2003 bis Mai 2004 insgesamt rund 35 000 Personen befragte. Der Abschlussbericht dieser »Nationalen Kommission zur Untersuchung von politischer Haft und Folter«, inoffiziell nach ihrem Vorsitzenden auch Valech-Kommission genannt, liegt nun auch in deutscher Sprache vor. Diese Dokumentation und insbesondere die Zeugenaussagen vermitteln erschütternde Einblicke in die Qualen, die Tausende von Menschen erleiden mussten. Der Text der „Nationale Kommission zur Untersuchung von politischer Haft und Folter (Hg.)“ aus dem Spanischen von Katharina Förs, Barbara Reitz und Maria Zybak, 424 Seiten.

    Gebunden, € 35,00, ISBN 978-3-936096-91-0
    Siehe dazu:

    a) Die Verlagshomepage

    Weitere Informationen zum Buch sowie Bestellmöglichkeiten auf der Verlagshomepage

    b) Inhaltsverzeichnis und Vorbemerkung

    Die Vorbemerkung und das Inhaltsverzeicnis exklusiv im LabourNet Germany.
    Wir danken dem Verlag. (pdf)
    Comment (1)
    Reply

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