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"Eigentum ist Diebstahl!" Pierre-Joseph Proudhon

Gaddhafi beseitigt! Imperialisten, Beutegierige, Betrogene im Blutrausch!

Nach der  wochenlang  eintrainierten Arbeitsteilung ist nun der ehemalige Führer des Landes Libyen offenbar abgeknallt worden. Die Arbeitsteilung: irgendwelche Libyer, deren Kraft zum Knarretragen ausreicht, befinden sich auf Panzern oder Lastwagen, grölen herum und schießen in die Luft. Die zum Kriegführen nun einmal notwendige Mordarbeit wird von den Nato-Truppen erledigt. Nato im weitesten Sinn: Wie inzwischen die englische Regierung zugegeben hat, waren seit diesem Frühjahr immer schon englische Geheimdienstler zusätzlich im Land. Jetzt fallen sie sich alle in die Arme. Die Imperialisten, denen es zu allerletzt um befreite Gegenden ging- die Beutegierigen, die sich ein kleines Stück der Erträge wünschten, und kleinlaut - aber immer noch - die wenigen Freiheitskämpfer, die es möglicherweise auch gegeben hat. Sie haben das letzte Mal Gelegenheit zu lachen.

Gaddafi

Ich erinnere mich noch gut an den Augenblick, als er den Günstling Englands, Idris, entmachtete. Es regte damals wirklich auf Gottes Erdboden niemand auf. Alle verstanden: hier erfolgte ein Aufstand im Sinne und in der Nachfolge Nassers von Ägypten. Mit der Absicht, sich die Erträge der eigenen Erde wieder selbst anzueignen. Das Öl.

Alle Versuche Gaddafis, das Fundament zu erweitern, durch Zusammenschluss mit anderen arabischen Staaten, schlugen fehl. Warum? Der nationalistische Ansatz vertrug sich schlecht mit den Ideen des Panarabismus. Um es noch genauer zu sagen: die Nachbarn waren so nationalistisch wie der Herrscher Libyens selber. Und das Schwadronieren von der UMMA- der arabischen Einigung- half nicht viel weiter.

Was wir vom "Grünen Buch" mitbekommen haben, haben wir kaum verstanden. Immerhin haben seine unklaren und undeutlichen Ideen dazu verholfen, die total verschiedenen Leute der verschiedenen Landesteile halbwegs zusammenzuhalten. Sonst hatten die Berber auf der einen Seite, die Tuareg auf der anderen und die verschiedenen Arabergruppen in der Mitte einander herzlich wenig zu sagen. Einzige Gemeinsamkeit: das Interesse am Ölertrag. Von dem- immerhin- mehr den einfachen Leuten zukam als in vielen anderen Öl-Fürstentümern. Nicht zu vergessen auch die umfassenden Bewässerungsanlagen, die ohne Krieg und hochfahrende Abenteuer dem Land einen dauerhaften landwirtschaftlichen Fortschritt ermöglicht hätten.

Gaddafis Hauptfehler in den letzten Jahren: Sich seinen jetzigen Feinden -und Verrätern!- vorzeitig auszuliefern . Durch Verträge und Stillhalteabkommen. Vor allem durch das schändlichste: die Vereinbarung mit Italien, Flüchtlinge aus dem Innern Afrikas im Dienste der Schengen-Sicherheit zurückzuhalten (Womit er sich allerdings vom inzwischen hochgelobten Tunesien nicht unterschied, das eben im Begriff stehen soll, den gleichen Vertrag mit dem mittelmeerischen Westen zu erneuern. Aber hochdemokratisch dieses Mal, bitte sehr)

Humanitär - inzwischen das Ekelwort des Jahres.

Ein flatterseeliger Schreiber französischen Slangs - ein nach allem schnappender französischer Präsident in Not - die englische Blair geschulte Gierhalskompanie frömmsten Angesichts - stürzten sich auf die Gelegenheit. Warum Russland und China kein Veto einlegten, ist kaum zu begreifen. Jedenfalls ergab sich die herrliche Gelegenheit für die NATO, HUMANITÄR abzuknallen, was sich breit machte.  Wenn Tote im Fernsehen oder den gefälligen anderen Medien erwähnt wurden, dann stammten sie immer und ausschließlich von den sich verteidigenden Truppen Gaddafis, die sich  vom ersten Tag des Überfalls in "Heckenschützen" verwandelten. Ihr Chef wurde "Machthaber". In Jugoslawien hatte es immer noch - versehentlich - zivile Opfer gegeben, die verschämt zugegeben wurden. In Libyen: Kein einziges. Wenn wir dem Wehrmachtsbericht glauben dürfen.

Die trübsten rassistischen Phantasien der ausländischen Pressechefs und libyscher Chauvis  rasten auf bei der Vorstellung einer Unmenge schwarzhäutiger Milizen und "Söldner" aus dem Inneren Afrikas. Dass die in der Regel unter Prügeln gestanden, nur Fremdarbeiter gewesen zu sein,bewies ihren Verfolgern, mit welchem Recht es die Prügel gesetzt hatte.

Bei Licht besehen unterschied sich Gaddafi nicht wesentlich von den Gewalttätern, die sonst die Gegend beherrschen. Sein Pech: er hatte sich von den meisten Nachbarn isoliert. So wurde er -trotz allem- nach langem Widerstand leichte Beute der viel schlimmeren Machthaber im Westen, die ihn billig und "HUMANITÄR" loswerden konnten. Trotz allem: Friede seiner Asche! Er war der schlimmste nicht im Kreis der blutigen Brüder.

PS: Nur für Leute mit Fernsehen im Bad: Das Auftreten zweier Friedensfreunde aus purem Versehen, die sich im letzten Augenblick anschleimen werden: Westerwelle und Merkel. Beide haben ein dringendes Interesse daran, mitgesiegt zu haben und mitzuernten. Westerwelle im Ersaufen, Merkel im Sarkozyclinch. Klodeckel offen halten! Sie erflehen Absolution für das einzig Anständige ihrer Laufbahn.

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Comments

    • Posted byHydro
    • on
    na fein, dann können wir uns ja auf Frieden freuen, und dieses rückständige Land kann von uns Demokratie-bringern endlich aufgebaut werden
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    • Posted byFritz Güde
    • on
    Auf Frieden wie im Irak oder in Afghanistan!
    Die Schau, die da abgezogen wird, ist lächerlich und grausig zugleich!
    Comments (3)
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    • Posted bylandbewohner
    • on
    ja nun droht den lybiern die demokratie, die gerade weltweit alle völker loswerden wollen.
    und obwohl die bevölkerung ja dank us + co faschistischer hilfe erfolgreich dezimiert wurde, dürfte für von den reichtümern des landes für den normalen lybier weniger übrig bleiben als zu gaddafis zeiten.
    ich allerdings befürchte, daß nun ein endlos langer bürgerkrieg oder landesweiter partisanenkampf gegen nato okkupanten das land ins absolute chaos stürzen werden.
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    • Posted byEdgar
    • on
    NATO-Kriegsverbrecher bombardierten die Stadt Bani Walid mit atombombenähnlichen FAE-Bomben !

    Die NATO hat FAE Bomben “Fuel Air Explosive” (Typ BLU-118), auch genannt “poor man’s atomic bomb” in Bani Walid benutzt. Im Umkreis von 2 qkm wird alles Leben durch Verbrennen oder Ersticken getötet – egal ob sich eine Familie mit Kindern im granatensicheren Keller versteckt oder nicht.

    Es soll 1200 Tote gegeben haben !

    Möglicherweise hat auch in Sirte eine solche Bombe den Zusammenbruch des NATO-Rebellenangriffs verhindert und Gaddafi getötet.



    Quelle:
    Libyen, Bani Walid: NTC-Sieges-Lügen und NATO-Einsatz verbotener Waffen | Julius-Hensel-Blog
    http://julius-hensel.com/2011/10/libyen-bani-walid-ntc-sieges-lugen-und-nato-einsatz-verbotener-waffen/
    Comments (2)
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    • Posted byFritz Güde
    • on
    Ist der Einsatz so breitenwirksamer Bomben wirklich bewiesen. -Ich dachte bisher eher an Einzelfeuer durch mehrere Flugzeuge.-
    Und ist der Zusatz "faschistisch" beim Angriff wirklich angebracht?- Nicht alles Böse sollte gleich unter den Begriff" faschistisch" gebracht werden. Sondern nur das, wo Staats-und Militärgewalt mit mobilisierten Massen zusammenarbeiten, was in Lybien weitgehend entfallen dürfte
    Comments (3)
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    • Posted byEdgar
    • on
    Gaddafi lebt an einem Ort, den die Aggressoren nicht erreichen können.


    Er lebt in den Herzen der Menschen, in Millionen von Herzen. Und wenn Sie seinen Körper getötet haben, lebt seine Seele weiter in Millionen Herzen.
    Comments (2)
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    • Posted byFritz Güde
    • on
    Es kann sein, dass Gaddafis Bild nach Jahren im Vergleich mit den heutigen Siegern in der Erinnerung erstrahlen wird. Wie das eines Harun al Raschid oder eines Saladin. Zu Lebzeiten freilich trieben sie auch Hassenswertes und erregten Hass. Im Augenblick durchbeben unser Fernsehen und die staatstragenden Medien- praktisch alle!- nur die Hassgesänge der im Blutrausch taumelnden atomisierten Individuen
    Comments (3)
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