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"Parteien sind zum Schlafen da - und zum schrecklichen Erwachen." Zeitung 883, 1971

Honnigfort (FR) wachsam: LINKE weiterhin fertigmachen!

Es gibt einen  Aufruf, der sich mit vollem Recht gegen die vorbereitenden Kriegsmanöver des Westens wendet, die Syrien und den Iran vor den eigentlichen Kriegshandlungen kaputtschießen wollen. Wir kennen das von Libyen her. Es muss nicht weiter ausgeführt werden. Die Folgen sind zu besichtigen. Eins der bisher reichsten Völker Afrikas ist zu einem der ärmsten gemacht worden.

In dem Aufruf der wahrscheinlich entscheidendste Satz: "Das iranische und syrische Volk haben das Recht, über die Gestaltung ihrer politischen und gesellschaftlichen Ordnung allein und souverän zu entscheiden. Die Erhaltung des Friedens verlangt es, daß das Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten konsequent eingehalten wird."

Was besagt das? Die Unterschreibenden halten sich an den alten und bewährten Grundsatz, dass Revolution selbst gemacht werden muss. Ohne ausländische und vor allem staatliche Schutzpatrone mit ihren immer schon leicht durchschaubaren Absichten. Besonders nach dem Libyenkrieg. In allen bekannten Fällen, die im Aufruf auch aufgezählt werden, haben Regierungen ihre Spiele getrieben. Regierungen haben nachher ihren Profit daraus gezogen. Nichts ist übriggeblieben vom solidarischen Einsatz Einzelner und Gruppen, wie etwa im Spanischen Bürgerkrieg.

Es ist klar, dass es heute unmöglich ist, wie etwa 1938, einer der kämpfenden Parteien vorbehaltslos zuzustimmen und ihre Ziele zu unterstützen. (Vor allem, weil wir darüber zu wenig wissen). Das heißt aber noch lange nicht, dass wir Eroberungsabsichten bekannter Imperialisten gegenüber dem betroffenen Land stillschweigend zu unterstützen haben.

All das, was ein Bernhard Honnigfort vermutlich so gut weiß wie jeder andere, hindert ihn nicht, seine vermutlich verlagsgeschätzte Knüppelarbeit in der FR vom 11.1.2011 fortzusetzen. Er schreibt: Honnigfort: Die falschen Verbündeten. Linke solidarisieren sich mit Syrien und Iran.

Neues Jahr, neuer Streit in der Linksfraktion. "Das ist deren Privatangelegenheit" kommentiert am Dienstag ein Sprecher der Fraktion leicht genervt einen Aufruf, den sechs Abgeordnete unterzeichnet haben, darunter Dieter Dehm, Ulla Jelpke und Sevim Dagdelen, die dem radikalen Flügel angehören...

Der proisraelische Bundesarbeitskreis "Shalom" innerhalb der Linken hat deshalb scharf gegen "linke Solidarität mit Schlächtern"protestiert und alle Unterzeichner aus der Linkspartei aufgefordert,ihre Unterschriften zurückzuziehen.Es sei doch zynisch, so Shalom, sich über erfolgreiche Regimewechsel in Tunesien und Ägypten zu freuen,diesen aber den Menschen in Syrien vorzuenthalten,nur weil das Regime gegen die USA ankämpfe. Es müsse endlich Schluss sein mit dem Antiamerikanismus der Linken" fr-print 11.01.2011 (Im Netz - in berechtigter Scham? - verborgen. Jedenfalls von mir bis 11 Uhr nicht aufgefunden)

Zur Zusammenarbeit mit BAK Shalom ist nichts weiter zu bemerken. Man kennt das Völkchen.

Hinzuweisen aber auf Honnigforts Überschrift: Von "Verbündeten" kann keine Rede sein. Wenn jemand die sehr unlauteren und durchsichtigen Absichten der imperialistischen Seite angreift, ist damit noch gar nichts gesagt für oder gegen die Wertschätzung der anderen Seite.

Honnigfort geht es nachweislich um Spaltung. Nicht umsonst wird die nicht weiter überprüfbare Aussage eines Sprechers der Gesamtpartei der angeblich "privaten" Meinung einzelner Mitglieder gegenübergestellt. Es steht immer noch zu hoffen, dass die LINKE als Partei nicht so leichtfertig ihr letztes verbliebenes Alleinstellungsmerkmal: absolute Kriegsgegnerschaft aufgibt.

Kleine Zusatzpointe: Honnigfort rechnet Dieter Dehm umstandslos dem "radikalen Flügel" zu. Ist Dehm nicht auch Vorsitzender des Arbeitskreises "Selbständiger" in der LINKEN? Was daran ist "radikaler Flügel"?

Wie sich leicht herausfinden lässt, stehen auch SPIEGEL und SÜDDEUTSCHE dieses wie letztes Jahr stramm hinter Shalom! Mal sehen, ob die Partei DIE LINKE sich ebenfalls unter den vereinigten Peitschenhieben der Kriegstreiber so hilflos krümmt wie letztes Jahr?

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Comments

    • Posted byFritz Güde
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    Bommarius übernimmt. "Geschichte wiederholt sich gern" steht in den ersten Sätzen seines Leitartikels. Nämlich: eine von Gedächtnisschwachen noch für halbwegs links gehaltene Zeitung betreibt -unter Aufzählung früherer angeblicher Vergehen- die Reinigung der LINKEN von den letzten aufrichtigen Vertretern der Unabhängigkeit der Völker im Durchkämpfen ihrer eigenen Interessen.
    Bommarius Neuerung: er fängt mit dem 17.Juni 1953 an.Niederschlagung eines Aufstands- damals wie heute. Wir verstehen. Nur dass die meisten der heute den Aufruf unterschreibenden Abgeordneten damals gar nicht vorhanden waren. Auf keinen Fall politisch aktiv!Wie soll es zum Beispiel die Mitunterzeichnerin Heike Hänsel -Jahrgang 1966- geschafft haben, sich bruchlos in die unterstellte Tradition der Aufstandsbekämpfer in der DDR einzureihen?
    So zu fragen, bedeutet für Bommarius in einem der nächstens zu erwartenden Ausfälle gewiss ebenfalls Unterstützung "des Massenmörders Assad". Bitte sehr!
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  1. @ Fritz Güde

    Gern mach´ ich drauf aufmerksam, daß diese FR (deren Mitbegründer und Lizenzträger vor 40 Jahren mein Voluntärszeugnis unterschrieb) nicht mehr die Tageszeitung von vor 40 Jahren ist, sondern heute zum antilinken du-Mont-Konzern des Kölner Nochpatriarchen Dr. Neven du Mont gehört; entsprechend wurde dort gestern (FR 140112) zur CAUSA WULFF die WATSCHENMANN-THESE („Christian Wulff ist als Bundespräsident von Angela Merkels Gnaden nur der Ohrfeigenmann für die mittelprächtige Politikvorstellung der Bundesregierung“) nachgeplappert. - Was da gestern in der FR zu lesen war halte ich für verdreht(er als verdreht) und bezweifle, das so´n Feuilletonschmarrn in irgendeiner der diversen ganzdeutschen „Qualitätszeitungen“ nächst noch übertroffen („getoppt“) werden kann … aber bitte: diese "Qualitätszeitungen" sind ja stets für Überraschungen gut;-)

    Sonntagsgruß

    Richard Albrecht, 150112
    http://gegen-den-strom.org
    Comment (1)
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