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Howard Zinn ist tot

"Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt drauf an, sie zu verändern." Karl Marx,  Frühjahr 1845

Nach dieser bekanntesten, der 11. These über Feuerbach lässt sich Leben und Werk von Howard Zinn,  Historiker an der Bostoner Universität und politischer Aktivist, früher Gegner des US - "Engagements" in Vietnam wohl beschreiben.

Er starb gestern während einer Reise in Santa Monica, Kalifornien mit 87 Jahren an einem Herzinfarkt. Sein hierzulande bekanntestes Buch "Eine Geschichte des amerikanischen Volkes" brachte für viele Licht in das Dunkel des sogenannten "American Way of Life".

Noam Chomsky würdigte gestern seinen "wichtigen Beitrag zur amerikanischen intellektuellen und moralischen Kultur". Er habe in "unvergleichlich und in positiver Hinsicht das Gewissen von Amerika" repräsentiert.

Howard Zinn betrat mit "A People's History of the United States" Neuland in der Geschichtsschreibung der Vereinigten Staaten, die auch außerhalb der USA oft nur als von Kriegs- und Heldengeschichten geprägte Geschichtsschreibung erscheint.

Dem setzte er bewusst seine Geschichte des amerikanischen Volkes entgegen. Es geht um die Indianer, die Schwarzen, die Frauen, die Einwanderer – kurz: die Unterdrückten und Benachteiligten der Geschichte. Diese waren vom Beginn der Kolonialisierung an bis heute mit harten und blutigen Klassenauseinandersetzungen konfrontiert.

Im Kapitel “Die "Umsiedlung" der Indianer und der Krieg gegen Mexiko” beleuchtet er deren historische Hintergründe: "(...) Ende des 18. Jahrhunderts wächst die Bevölkerung der Vereinigten Staaten immer schneller. Weiße Siedler und reiche Spekulanten begehren das Land der Indianer. Howard Zinn erzählt in Band 3 der Geschichte des amerikanischen Volkes, wie die Vereinigten Staaten die Stämme der Creek, Cherokee, Choctaw und Seminolen immer weiter in den Westen vertreiben. Mit falschen Versprechungen, Betrug und Gewalt zwingen Präsident Jackson und die Regierungen der einzelnen Staaten die Indianer, Abkommen zu ihrer Umsiedlung zuzustimmen. Das neue Land soll ihnen gehören, "so lange Gras wächst und Wasser fließt", doch diejenigen, die unterwegs nicht an Hunger oder Krankheit sterben, müssen auch dort Baumwollplantagen, Industrie und Eisenbahnlinien weichen. (...)"

Keine Spur Wildwestromantik also, sondern materialistische Analyse, die zudem spannend geschrieben und übersetzt wurde. In dem 690 Seiten starken Buch wird der Bogen der amerikanischen Geschichte von Columbus bis zur Ära Clinton gespannt. Eine kurze Zusammenfassung des Buches gibt der von Viggo Mortensen gesprochene und mit Grafiken von Mike Konopacki versehene Video:



Es gehört auf jeden Fall in die Hände all derjenigen, die hinter die Kullissen blicken wollen und vor allem einen etwas anderen Blick auf die amerikanische Gesellschaft und wie diese funktioniert (oder auch nicht) werfen wollen. Und welche Perspektiven sich daraus ergeben.

"There is no act too small, no act too bold. The history of social change is the history of millions of actions, small or large, coming together at points in history and creating a power, that governments cannot surpress." (Via "Antagonista Propaganda Collective")

Welche Folgen der Tod von Zinn für die fortschrittlichen Kräfte in den USA haben wird, lässt sich noch nicht absehen.

In seinem beim Verlag Schwarzer Freitag erhältlichen Buch wird sein Werk weiterleben.

Howard Zinn presente!

Mehr über Howard Zinn:
• Deutschsprachiges Weblog zum Leben und Werk des Autors
• Webseite des Autors
Voices of a people's history
• People Speak bei History
• Die New York Times mit einer Würdigung
• Bill Moyers führte ein Interview mit Howard Zinn
"Widerstandschronik" eine Besprechung bei der "jungen Welt"
• Ein älterer kurzer Buchtipp: Howard Zinn - Eine Geschichte des amerikanischen Volkes

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    • Posted byRedblog
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