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"Die Regierung des Menschen über den Menschen ist die Sklaverei. Wer immer die Hand auf mich legt, um über mich zu herrschen, ist ein Usurpator und ein Tyrann. Ich erkläre ihn zu meinem Feinde." Pierre-Joseph Proudhon

Leonard Peltier: Nachruf auf Roselyn Jumping Bull Holy Rock

Roselyn Louise Jumping Bull Holy Rock (1931 – 2015)
Foto: Native News Online
Die Mitte der 1970er Jahre waren eine turbulente Zeit im Pine Ridge Reservat. Zwei Jahre nach der Belagerung von Wounded Knee, war die Atmosphäre geprägt von der Angst wegen des mysteriösen Verschwindens der Indianer, von denen viele wurden im Laufe der Zeit über 60 getötet wurden.

Im Juni 1975 war die Urenkelin von Sitting Bull, Roselyn Louise Jumping Bull, Teil einer Gruppe von Lakota, die Mitglieder des militanten American Indian Movement einluden, auf dem Land ihrer Eltern in der Nähe von Oglala, South Dakota auf der Pine Ridge Reservation zu campen.

Das war der Ort, an dem am 26. Juni 1975 zwei FBI-Agenten erschossen wurden. Zwei Jahre später wurde der AIM Aktivist Leonard Peltier, ein Stammesangehöriger der Turtle Mountain Band of Chippewa Indians, wegen der Tötung der beiden Agenten verurteilt und verbringt seitdem eine lebenslange Haftstrafe in der USA Penitentiary in Coleman, Florida. Nicht wenige Menschen betrachten Peltiers Haft als Kriegsgefangenschaft.

Roselyn Louise Jumping Bull Holy Rock, deren Lakota Name Tawapaha Wakanwin lautete, starb am Freitag, den 15. Mai 2015 im Rapid City Regional Hospital von ihrer Familie und Freunden umgeben. Sie wurde 83 Jahre alt. Ihre Beerdigung findet am heutigen Samstag in Oglala statt.

Anfang dieser Woche veröffentlichte Leonard Peltier folgende Erklärung über Roselyn Louise Jumping Bull Holy Rock:

"Ich grüße mein Volk, meine, Freunde und Unterstützer.

Es ist immer schwer, den Tod unserer Ältesten zu akzeptieren, vor allem wenn es jemand ist, der so viele Jahre seines Lebens verbracht hat, für ihre für das Überleben ihres Volkes zu kämpfen.

Für mich ist Roselyns Tod sehr schwierig, weil ich sie persönlich kannte. Sie war eine gute Freundin, eine treue Kämpferin, und eine unermüdliche
Verfechterin meiner Freiheit. Ich liebte sie und ich werde sie sehr vermissen.

Roselyn hat hart in gefährlichen Zeiten gekämpft. Amerika war am Höhepunkt der Ausrottung der Ureinwohner, der "Termination Act" war im Jahr 1958 in vollem Gange, und sie mitten im Geschehen. Der Termination Act hätte das Ende für unsere Völker sein können.

Es hätte keinerlei Reservate mehr gegeben, kein Land hätte mehr den Ureinwohnern gehört, es hätte keine Stämme mehr gegeben und auch keine Ureinwohner.

Es wäre nur eine sehr kleine Erinnerung von uns geblieben.

In den 1950er Jahren begannen sie uns "die verschwindenden Amerikaner" zu nennen.


Leonard Peltier
Ihr Plan war einfach Vernichtung. Das war eine alte Idee, praktisch ein Langzeitplan, der bis auf die Briten in den 1700er Jahren zurück ging und dessen Endergebnis es gewesen wäre, dass wir zu existieren aufgehört hätten.

Die Ureinwohner wären vergangen und ihre Menschen vertrieben und entwurzelt. Im Laufe der Zeit würde unsere Blutlinie sich mit den der Weißen vermischen und verschwinden. Das ist, was sie mit Assimilation meinten und wogegen Roselyn gekämpft hat, um uns davor zu schützen.

Und so kämpften wir und in vielerlei Hinsicht haben wir gewonnen. Unsere Nationen sind immer noch hier. Unsere Völker atmen immer noch die Luft des Lebens. Roselyn spielte ihre Rolle darin, und es war eine große.

Ich weiß, die Oglala sind ebenso sehr stolz auf Roselyn, wie ich. Und dass sie wie ich beten werden für eine sichere Reise für Roselyn und dass sie ihre Familie und Freunde finden und glücklich sein wird. Ich weiß, dass sie das wird.

Im Geist von Crazy Horse,

Leonard Peltier"


Übersetzung und Ergänzung eines Beitrages von Levi Rickert

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