trueten.de

"Wir sind es, die wir die Städte und Paläste - hier in Spanien und in Amerika und überall - gebaut haben. Wir Arbeiter können andere Städte und Paläste an ihrer Stelle aufrichten und sogar bessere. Wir haben nicht die geringste Angst vor Trümmern. Wir werden die Erben dieser Erde sein... Hier, in unserem Herzen, tragen wir eine neue Welt. Jetzt, in diesem Augenblick, wächst diese Welt." Buenaventura Durruti

Petition zum Verbot von Gentechnisch veränderten Organismen

Vor einigen Tagen startete eine Petition an den Bundestag, zum generellen Verbot von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in der Land- und Forstwirtschaft. Einmal ausgesetzt und sei es nur auf Testfeldern, kann ein GVO nie wieder aus dem Ökosystem entfernt werden. GVO kreuzen sich mit einheimische Pflanzen und können so Jahrzehnte lange natürliche Züchtungen zu nichte machen. Außerdem ist in keinsterweise absehbar, wie sich mit GVO verunreinigte Pflanzen weiterentwickeln. Die Aussaat von GVO führt außerdem dazu, dass ein biologischer Anbau von Agrarprodukten zukünftig nicht mehr möglich sein wird, da eine GVO Verunreinigung nicht mehr ausgeschlossen werden kann.

Siehe auch: Aktuelle News zum Thema

300 Euro Strafe für 3 ausgerissene Pflanzen auf Genmais-Feldern in Oberboihingen

Der Imker Achim Schultheiß ist vom Amtsgericht Nürtingen zu einer Strafe von 30 Tagessätzen je 10 Euro verurteilt worden. Der Bioimker aus dem Freiburger Raum hatte am 5. Juni 2006 drei gentechnisch veränderte Maispflanzen aus einem Versuchsfeld der Fachhochschule Nürtingen gerissen. Diese gehörten zu einem Versuch, der im Auftrag des Bundessortenamtes auf insgesamt 15 Feldern in Deutschland durchgeführt wurde.

Das sei Sachbeschädigung, so der Strafrichter Jens Gruhl. Und weil die Aktion vorab im Internet angekündigt wurde, sei dies zudem auch eine „Anstiftung zur Sachbeschädigung“. Dieser folgten weitere Gegner des Anbaus gentechnisch veränderter Maispflanzen und entfernten sogleich in einer „freiwilligen Feldbefreiung von Gendreck“ weitere Pflanzen, weil „es keine wirksame Gegenwehr gibt“. So wurde neben Schultheiß eine Frau aus Schorndorf angeklagt.

Achim Schultheiß kassierte für seine Aktion einen Strafbefehl über 150 Tagessätze à 20 Euro. Dem Strafbefehl widersprach er und musste sich deshalb gestern vor dem Amtsgericht in Nürtingen verantworten.

Gentechnisch veränderte Nahrungsmittel liegen wie Blei in den Regalen der Lebensmittelhändler. Sofern diese überhaupt als solche erkennbar sind. Weil es keine Möglichkeit gibt, gentechnisch veränderte Pflanzen von ihren natürlichen Verwandten zu trennen – der sogenannte „Durchwuchs“ - nimmt der Grad der Verunreinigung mit genverändertem Erbgut stetig zu. Eine Katastrophe für einen Imker, der an den löblichen Grundsätzen biologisch einwandfreier Ware festhalten will. Zudem ein wirtschaftlicher Schaden, denn sobald nicht garantiert werden kann, dass der Honig frei von gentechnisch veränderten Substanzen ist, kauft diesen kein Mensch.

So wie die Mehrheit der Bevölkerung sieht das auch der Angeklagte: „Drei Viertel der Bevölkerung wollen die Agro-Gentechnik nicht auf dem Acker und schon gar nicht auf dem Teller.“

Aber wie bei anderen Fragen des Willens der Mehrheit der Bevölkerung steht diese auch hier entgegengesetzt zur Politik, die eine solche Entwicklung gentechnisch veränderter Pflanzen überhaupt erst möglich macht und politisch flankiert.

Der Meinung von Achim Schultheiß, diese Zustände seien ein „Demokratie-Notstand“, seine Aktion ein „Akt zivilen Ungehorsams“ und daß er selber nicht zu einer Feldbefreiungsaktion aufgerufen habe, sondern nur das angekündigt hat, was er machen wolle und daß er dies wieder tun würde, wenn es nötig sei, wollte der Richter nicht folgen. Trotz der ausdrücklich auf drei Pflanzen beschränkten Entnahme, die ein Filmteam aufzeichnete.

Der Staatsanwalt veranschlagte den Schaden auf 30.000 Euro, da weitere Mittäter das Versuchsfeld irreparabel beschädigt hätten. Der Versuch im Auftrag des Bundessortenamtes scheiterte übrigens bundesweit, da neben drei weiteren zerstörten Feldern die Trockenheit des Jahres 2006 den zarten „Pflänzlein“ den Rest gaben.

Auch wenn der Richter bei seinem Urteil weit unter den Forderungen des Staatsanwalts blieb, ließ er sich nicht auf eine politische Beurteilung ein. Sein Mandant wolle „eine drohende Gefahr“ von sich oder anderen im Sinne des Paragraphen 228 BGB abwenden, so der Verteidiger von Schultheiß. Richter Gruhl befand dagegen, ein „Notstand“ liege nicht vor.

Die Geldstrafe will Schultheiß nicht zahlen. Sofern die Hochschule „gentechnisch manipulierte Organismen freisetzt“ will er am 12. Mai erneut 3 Pflanzen unschädlich machen.

(Erstveröffentlichung auf StattWeb)

Siehe auch: Gendreck weg!

Percy Schmeiser, alternativer Nobelpreisträger zu Gast in Nürtingen

Foto: Thomas Mitsch
Über 400 Menschen waren der Einladung, des Genbündnisses Nürtingen in die Seegrasspinnerei gefolgt, um den Ausführungen von Percy Schmeiser, Träger des alternativen Nobelpreises 2007, zuzuhören.
Der 77jährige, kanadische Landwirt ist, durch seinen Widerstand gegen den US-amerikanischen Saatgutkonzern Monsanto, bekannt geworden. Schmeiser, der bereits im Jahr 2000 den Mahatma Ghandi Preis erhalten hatte, 25 Jahre Bürgermeister seiner Gemeinde war und im kanadischen Landesparlament saß, berichtete über den Kampf gegen Monsanto.

Im Jahr 1946 hatte Schmeiser seine Farm vom Vater übernommen und mit seiner Frau regional, angepasstes Raps entwickelt. „ Er wolle erzählen was passiert ist und nicht sagen was wir tun sollen“, so Schmeiser. 1996 erlaubten die amerikanische und die kanadische Regierungen den Anbau von vier genveränderten Pflanzen: Mais, Baumwolle, Soja und Raps. Schon 1998 wurden sie von Monsanto wegen Patentverletzung und illegalem Anbau verklagt. Kleine Teile seines Farmlandes waren kontaminiert. Für Schmeiser standen 50 Jahre Zucht auf dem Spiel. Monsanto wollte dagegen eine Lizenz, eine Strafzahlung sowie alle Pflanzen und das Saatgut des Farmers. Eines war klar, Familie Schmeiser war zum Testfall für Monsanto geworden, um zu sehen wie weit sie, als Firma, gehen konnten. Das Patentrecht in Kanada fällt in die Zuständigkeit auf Bundesebene und die Richter entschieden alles Saatgut und die Pflanzen gehören Monsanto. Schmeiser, der nie genverändertes Saatgut verwendete, kämpfte sieben Jahre bis zum obersten Gerichtshof. Schmeiser`s Argument ist, das kein Individuum und keine Firma das Recht hat eine höhere Lebensart zu patentieren. Vielmehr ist es eine ethische und moralische Frage, die kein Mensch entscheiden darf. Die Firma Monsanto dagegen argumentierte, egal in welcher Lebensform sich veränderte Gene befinden, gehören sie Monsanto.

Das Gericht gab diesem statt. Durch dieses Urteil wurde der Fall weltbekannt. Aufgrund des massiven Widerstandes der Bevölkerung hat das kanadische Parlament eine Kommission gebildet, die in ihrem Bericht an die Regierung folgendes vorschlug. Die Landwirte bekommen ein Nachbaurecht und das Patentrecht ist auf höhere Lebensformen nicht anwendbar.

Percy Schmeiser berichtete auch über die Methoden des Konzern um seine Familie unter Druck zu setzen. Dies ging von Versuchen von Monsanto Grundschulden auf Maschinen, Haus und Land einzutragen, von Drohanrufen und tätlichen Angriffen von Monsantomitarbeitern, bis hin zur ständigen Beobachtung des Lebens auf der Farm.

Auf die Frage warum überhaupt kanadische Bauern mit dem Anbau von genverändertem Saatgut anfingen, antwortete Schmeiser: „ Ihnen wurde genau das gleiche gesagt, wie jetzt den Bauern in Europa.“ Die Standardargumente sind höherer Nährwert, mehr Profit und weniger Pestizide. Die Wirklichkeit sah allerdings anders aus. Zwar entwickelte sich in den ersten zwei Jahren ein Superraps, doch danach sank der Nährwert und Ertrag. Die Folge ist ein dreimal so hoher Pestizideinsatz, wie vor dem genverändertem Anbau. Zudem habe Monsanto ein Terminatorgen entwickelt, dass den Samen der Pflanze steril werden lässt. Monsanto`s Plan ist, dass ein Farmer sein jährliches Saatgut bei ihrer Firma kauft und natürlich auch die dazugehörenden Pestizide. Schmeiser verwies auf die Problematik, z.B. in Indien, wo sich in den letzten zehn Jahren über 100Tsd. Bauern das Leben genommen haben, da sie sich das teure Saatgut nicht mehr leisten können. In Kanada ist es inzwischen soweit, dass kein Bio Raps oder Soja mehr angebaut werden kann.

Schmeiser`s Schlussfolgerung: es gibt keine Koexistenz zwischen genfreien und genveränderten Pflanzen, da das gentechnische Gen dominant ist und eine gentechnische Pflanze nicht eingrenzbar ist. Laut Schmeiser gibt es ein EU-Land, wo jeglicher Anbau von gentechnischen Pflanzen sowie deren Import und Transit verboten ist. Man höre und staune – es ist Griechenland. Nach seiner Rückkehr aus Europa wird Percy Schmeisser, auf Grund der oben genannten Empfehlungen der Kommission, seinerseits die Firma Monsanto verklagen.

Wie sagte Henry Kissinger in den 70ern: “Wer das Öl kontrolliert, ist in der Lage, ganze Nationen zu kontrollieren, wer die Nahrung kontrolliert, kontrolliert die Menschen”.

Am Rande der Nüringer Veranstaltung konnte ich mit Percy Schmeiser ein Kurzinterview führen.

T.M.: Vielen Dank Percy, dass Sie nach Nürtingen gekommen sind. Wie sagte Henry Kissinger in den 70ern: “Wer das Öl kontrolliert, ist in der Lage, ganze Nationen zu kontrollieren, wer die Nahrung kontrolliert, kontrolliert die Menschen”.

Glauben Sie, das der US-amerikanischen Saatgutkonzern Monsanto die Weltherrschaft über alle Lebensmittel erlangen will?

P.S.: Ja, ich glaube fest daran, denn die Entwicklungen und dass was ich in den letzten vier Jahren auf der ganzen Welt gesehen habe deuten darauf hin. Es geht hier nicht um landwirtschaftliche Aspekte sondern alleine um Rentabilität und Rendite.

Thomas Mitsch (links) und Percy Schmeiser

T.M.: Was denken Sie über die dehnbare Auslegung des Patentrechtes?

P.S.: Wie ich es in meinem Vortrag erwähnte, versucht Monsanto, durch Lobbyarbeit und viel Geld, die Regierung und die Farmer durch Druck, zu beeinflussen. Zudem kommt,. dass viele Professorenstellen an den Universitäten von privaten Unternehmen bezahlt werden. Dadurch schwindet die Aufklärung. Die Saatgutunternehmen versuchen durch immer mehr juristische Kniffe, das Patentrecht durch die Hintertür zu umgehen.

T.M.: Wie sieht die landwirtschaftliche Entwicklung in der Zukunft aus?

P.S.: Nun, die Landwirtschaft wird immer industrieller und kommerzieller. Es wird immer mehr Großbetriebe geben, die herkömmlichen Kleinbetriebe werden immer öfters schließen und schließlich ganz verschwinden. Die Bauern verlassen ihr Land., es wird keine natürliche Landwirtschaft mehr geben. Durch die Kontaminierung ist z.B. kein Bio Raps und Bio Soja Anbau in Kanada mehr möglich.

T.M.: Die neue Partei Die Linke. in Deutschland spricht sich ebenfalls gegen genmanipulierte Pflanzen und Lebensmittel aus. Können Sie und einige Ideen geben was das Deutsche Parlament in Gesetze umsetzen sollte?

P.S.: Erstens, sollte den Landwirten das Recht zugestanden werden eigene Nachzucht von Samen zu betreiben und zweitens sollte der Verursacher von Schäden in diesem Fall die Saatgutunternehmen schadensersatzpflichtig sein.

T.M.: Glauben Sie, dass durch die Verleihung des Alternativen Nobelpreises, für ihren Mut bei der Verteidigung der Artenvielfalt und der Rechte der Bauern und dafür, dass Sie die
ökologisch und moralisch verwerfliche Auslegung des Patentrechts in Bezug auf Saatgut ändern wollen, mehr öffentliches Interesse geweckt wurde?

P.S.: Ja, ich denke schon, denn ich werde immer öfters weltweit als Referent eingeladen und ich glaube, dass das Thema Gentechnik vielleicht auch dadurch immer mehr in den Fokus der Menschen rückt.

T.M.: Ist es richtig, dass nach dem Sturz von Saddam Hussein das Saatgut des Iraks vernichtet wurde und der Irak verpflichtet wurde zukünftig das Saatgut von amerikanischen Firmen zu kaufen?

P.S.: Richtig, das Saatgut musste vernichtet werden. Allerdings wurden, vor dem Fall Saddam`s, irakische Saatgüter nach Syrien ausgelagert. Jetzt ist der Irak verpflichtet ausländisches Saatgut zu kaufen. Eine Schande, wenn man bedenkt, dass der Irak und der Iran eigentlich die Länder sind woher unseres eigenes Saatgut ursprünglich herkam.

T.M.: Was sind Ihre nächsten Schritte im Kampf um gentechnikfreie Landwirtschaft?

P.S.: Nachdem eine von der Regierung eingesetzte Kommission selbiger empfahl, dass die Landwirte ein Nachbaurecht bekommen sollten und das Patentrecht auf höhere Lebens-formen nicht anwendbar sei, werde ich nach meiner Rückkehr nach Kanada den Großkonzern Monsanto verklagen.

T.M.: Vielen Dank für das Gespräch und eine gute Heimreise.

Das Interview wurde am 07.01.2008, von Thomas Mitsch, Mitglied der Partei Die Linke., KV Esslingen, geführt. Den Bericht zur Veranstaltung finden Sie auch unter http://www.thomas-mitsch.de bei der Rubrik Pressemitteilungen

Kulturpflanzenvielfalt erhalten

In den Mainstreamnachrichten tauchen bekanntlich meist nur die herrschenden Meinungen auf. Daß Saatgutkonzerne und Pharmaindustrie weltweit seit Jahren versuchen, sich Erbinformationen der Tier- und Pflanzenwelt anzueignen, ist ebenso wie der Kampf dagegen oft nur eine Randnotiz wert. Auch hierzulande versuchen diese Konzerne, die Kontrolle über die Kulturpflanzen, welche die Ernährungsgrundlage der Weltbevölkerung sind, in ihre Hand zu bekommen. In staatlichen Genbanken wird zur Zeit noch das ursprüngliche Saatgut, das noch nicht gentechnisch verändert wurde, gelagert, gepflegt und verwaltet. Inzwischen "fehlt" jedoch angeblich auch dafür das Geld, was Begehrlichkeiten bei den Saatgutkonzernen, beispielsweise Bayer, Dupont, Monsanto und anderen weckt.

Seit über zehn Jahren werden beispielsweise mit den Pflanzen der Sammlungen in Gatersleben gentechnische Versuche durchgeführt, zunächst in den Labors, dann in Gewächshäusern und inzwischen auch auf den Feldern der Genbank, die eigentlich für den Erhaltungsanbau von alten Sorten notwendig sind. Im Herbst 2006 hat die Genbank, soweit bisher bekannt, die ersten Freisetzungsversuche mit gentechnisch verändertem Weizen durchgeführt, worüber wir hier und dort berichteten.

Alles wird zur Ware, neben Nutztieren eben auch Kulturpflanzen, die bisher niemandem "gehört" hatten. Dazu werden Patente auf Pflanzen erfunden, um Eigentumsrechte dafür zu schaffen und andere Sorten, an denen ein solches nicht besteht, werden verdrängt. Diese Entwicklung ist bedenklich, denn auf diese Weise werden Pflanzen verbreitet, die im Gegensatz zum traditionellem Anbau wenig bis gar nicht anpassungsfähig sind sondern von den Düngemitteln, Herbiziden und Pestiziden, die natürlich nur von den Saatgutherstellern erhältlich, sind gedeien können. Eine erwünschte Folge davon ist auch die verstärkte Abhängigkeit von diesen Konzernen. Diese Lizenz zum Gelddrucken ist inzwischen ein weltweiter Trend. So erließ der US Konzern Monsanto beispielsweise ein weltweites Verbot, Saatgut nachzuzüchten oder erheben eine für viele Kleinerzeuger nicht aufzubringende "Nachbaugebühr".

Das "internationale Notkomitee zur Rettung der Kulturpflanzenvielfalt und ihrer Ursprünge" ruft auf zu deren Erhalt. Dabei richtet sich der Aufruf hauptsächlich an Bauern, die am Erhalt des Saatgutes interessiert sind und dazu auch Anbauflächen bereithalten können. Für alle anderen Interessierten, die sich über aktuelle Möglichkeiten, aktiv zu werden, informieren möchten, bietet sich beispielsweise die BUKO Kampagne gegen Biopiraterie an.

Prozess nach Aktion auf Versuchsfeld

Der Imker Achim Schultheiß hatte, nach vorheriger Ankündigung, in Oberboihingen auf einem Forschungsfeld 3 Genmaispflanzen ausgerissen. Das war 2006 an Pfingsten. Am 7.1. 2008 wird ihm deshalb vor dem Amtsgericht Nürtingen der Prozess gemacht: 150 Tagessätze à 20 Euro sind der Staatsanwaltschaft die Vernichtung von 3 Giftpflanzen wert. Den Schaden, der durch diese Aktion entstanden sei, beziffert die Staatsanwaltschaft auf 240.000 Euro!

Das unterstreicht deutlich den politischen Charakter des Prozesses.

Zur Vorbereitung des Prozesses und zu Unterstützung von Achim Schultheiß entstand die Aktion Einsitzen. Sie ruft unter anderem dazu auf.per Brief an die Staatsanwaltschaft diesem anzubieten, stellvertretend einen Teil der Strafe zu übernehmen und für Achim Schultheiß "einzusitzen". Mehr dazu hier.

7.1. 2008, 8:30 Uhr, Amtsgericht Nürtingen, Saal 2

Film zur Aktion:

Wissen, wo der Gendreck wächst

Auf ein geteiltes Echo ist ein neues Internetangebot gestoßen, das die Informationen des amtlichen Anbauregisters für gentechnisch veränderte Pflanzen über sogenannte Google-Maps visualisiert. Während Gentechnikbefürworter fürchten, dass die neue Seite www.xzcute.com Zerstörungen von Feldern mit gentechnisch veränderten Pflanzen weiter erleichtern könnte, sehen Umweltverbände keine zusätzliche Gefahr.

Profit mit Agro-Gentechnik: MONSANTO - Ein Steckbrief

Eine aktuelle Version des "Steckbrief Monsanto" haben am 4. 11. Klaus Müller (Greenpeace-Gruppe München), Dr. Wolfgang Wiebecke (Agrargruppe von Attac Wuppertal) und Dr. Ruth Tippe (Initiative "Kein Patent Auf Leben") beschlossen, zu der es nun auch eine html-Version gibt. Diese soll u. a. Übersetzungen in andere Sprachen erleichtern, für die die Verfasser jedoch keine Verantwortung übernehmen können. Die aktuelle Fassung kann hier heruntergeladen werden. Hier ein Auszug:

In unserem täglichen Leben sind wir betroffen durch die Aktivitäten von Gentechnik-Konzernen wie MONSANTO, DuPont/Pioneer, Dow Agrosciences, Bayer, BASF und Syngenta. Über Jahrtausende erprobte Kulturpflanzen werden durch gentechnisch veränderte Pflanzen verdrängt und zerstört. Lebensmittel, die mit Hilfe gentechnisch veränderter Pflanzen hergestellt wurden, landen auf unserem Teller. Ziel der Konzerne ist es, die weltweite Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung unter ihre Kontrolle zu bringen. Allen voran ist es dem Konzern MONSANTO mit seiner aggressiven Firmenpolitik gelungen, den Weltmarkt an gentechnisch verändertem Saatgut zu beherrschen - über 90% der weltweit angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen werden von MONSANTO kontrolliert. Aber MONSANTO strebt nach mehr...

MONSANTO ist ein internationaler Konzern mit Hauptsitz in den USA, der gentechnisch verändertes Saatgut produziert und verkauft. Ursprünglich wurde er 1901 als Chemie-Konzern gegründet und entwickelte sich zu einem führenden Pharma- und Chemieproduzenten. Zur Produktpalette gehörten neben dem Süßstoff Saccharin auch viele nachweislich gesundheits- und umweltschädigende Produkte wie das im Vietnamkrieg zur Entlaubung eingesetzte Agent Orange.

Ende der 1970er-Jahre nahm der Konzern die Forschung an gentechnisch veränderten Pflanzen auf und war damit einer der Pioniere auf diesem Sektor. Anfang der 1990er-Jahre verfolgte das Unternehmen konsequent die so genannte "Life-Science-Strategie". Damit bezeichnete man in dieser Zeit das Ziel den Landwirtschafts-, den Pestizid*- und Saatgutbereich und auch die pharmazeutische Produktion unter dem Dach der Schlüsseltechnologie Biotechnologie/Gentechnologie neu aufzustellen. Durch den weltweiten Widerstand gegen die Agro-Gentechnik brach diese Strategie jedoch Ende der 1990er Jahre zusammen. Die Life-Science Konzerne, darunter auch MONSANTO, waren gezwungen, sich entweder auf den Bereich der Landwirtschaft zu spezialisieren, oder ihre Landwirtschaftssparten zu verkaufen. Letztere umfassen außer dem Saatgutgeschäft auch die „dazugehörigen“ Pestizide*. In den letzten 10 Jahren kaufte MONSANTO überall auf der Welt Saatgutfirmen auf und ist jetzt mit mehr als vier Milliarden Euro Umsatz weltweit der zweitgrößte Saatgutanbieter und der größte Anbieter von Gentech-Saatgut. Über 90% des weltweiten Umsatzes bei gentechnisch verändertem Saatgut fließt in die Taschen von MONSANTO.

In Deutschland wurde im Jahr 2007 auf insgesamt etwa 2500 Hektar gentechnisch veränderter Mais angebaut - dabei handelte es sich ausschließlich um aus der Sorte MON810 von MONSANTO entwickelte Gen-Mais-Varianten. Und das obwohl selbst das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit kurz nach der Aussaat befunden hatte „(...) auf Grundlage neuer oder zusätzlicher wissenschaftlicher Erkenntnisse geben berechtigten Grund zu der Annahme, dass der Anbau von MON810 eine Gefahr für die Umwelt darstellt.“ (...)

Die heimliche Absicht hinter den Bio-Sprit-Plänen der Bush-Administration

Folgender interessanter Artikel untersucht unter anderem die Frage, was hinter den steigenden Getreidepreisen auf dem Weltmarkt, von dem wir hier auch einiges zu spüren bekommen eigentlich steckt und was das alles mit dem Biosprit zu tun hat.

Kauft Futtermais: Sie hören gerade damit auf, ihn herzustellen ...

AUTOR: F. William ENGDAHL

Übersetzt von Hergen Matussik, überprüft von Fausto Giudice

Die Schale Kellogg‘s Cornflakes auf dem Frühstückstisch oder die Portion Nudeln oder Mais-Tortillas, Käse oder Fleisch auf dem Tisch werden im Laufe der kommenden Monate teurer werden, so sicher wie die Sonne im Osten aufgeht. Meine Damen und Herren, willkommen zum Lebensmittelpreisschock in der Neuen Welt, passend gelegt, um unseren gegenwärtigen Ölpreisschock zu begleiten.

Merkwürdiger- und vielsagenderweise ähnelt er in vieler Hinsicht den Ereignissen in den frühen 1970er Jahren, als die Preise für Öl und für Lebensmittel innerhalb weniger Monate um mehrere 100 Prozent explosionsartig anstiegen. Diese Preisexplosion Mitte der 1970er brachte Präsident Nixon dazu, seinen alten Kumpel Arthur Burns, damals Vorsitzender der Federal Reserve Bank zu bitten, einen Weg zu finden, den CPI-Preisindex (CPI = Consumer Price Index) zu ändern, um die Aufmerksamkeit von den steigenden Preisen abzulenken. Das Ergebnis war die mittlerweile alltägliche Veröffentlichung absurder „Kerninflationszahlen“ - der Preisindex ohne Öl und Lebensmittel. Stephen Roche war der junge Ökonom bei der Fed, der von Burns mit der Manipulation der Statistiken beauftragt wurde.

Der amerikanische Satiriker Mark Twain bemerkte in seinen alten Tagen einmal: „Kauft Land! Sie haben aufgehört, es herzustellen...“ Heute können wir fast dasselbe über Mais oder alle anderen Getreidesorten in der Welt sagen. Die Welt befindet sich in den ersten Monaten des größten nachhaltigen Anstiegs der Getreidepreise seit drei Jahrzehnten, und zwar für alle wichtigen Getreidesorten wie Mais, Weizen, Reis. Diese drei Nutzpflanzen stellen annähernd 90 Prozent des gesamten in der Welt angebauten Getreides.

Washingtons kalkulierter und absurder Plan

Was bewirkt diesen außerordentlichen Wandel? Hier wird es ziemlich interessant. Die Bush-Administration unternimmt große Anstrengungen in ihrer Öffentlichkeitsarbeit, um die Welt zu überzeugen, dass sie sich zu einem „besseren Hüter der Umwelt“ gewandelt hat. Das Problem ist, dass viele auf die Werbung hereingefallen sind.

Im Zentrum des Programms, das Bush in seiner Rede zum Zustand der Union im Januar ankündigte, wird „20 bis 10“ genannt - den Benzinverbrauch in den USA bis 2010 um 20 Prozent senken. Der offizielle Grund lautet, „die Abhängigkeit von importiertem Öl zu verringern“, sowie die unerwünschten Emissionen von „Treibhausgasen“ zu verringern. Das stimmt zwar nicht, aber es macht einen guten Eindruck. Wenn man es oft genug wiederholt, werden es vielleicht die meisten Leute glauben. Vielleicht bekommen sie nicht mit, wie die Förderung von Ethanolmais statt Futtermais mit ihren Steuergeldern gleichzeitig den Preis für ihr tägliches Brot durchs Dach treibt.

Das Herzstück des Plans ist eine großangelegte, vom Steuerzahler bezahlte Ausweitung des Einsatzes von Bio-Ethanol als Treibstoff für den Straßenverkehr. Der Plan des Präsidenten erfordert die Produktion von 35 Milliarden Gallonen (ca 133 Milliarden Liter) Ethanol pro Jahr. Dies soll bis 2017 erreicht sein. Der Kongress hat mit dem Energy Policy Act im Jahr 2005 bereits bestimmt, dass die Produktion von Ethanol aus Mais von 4 Milliarden Gallonen im Jahr 2006 auf 7,5 Milliarden Gallonen im Jahr 2012 ansteigen muss. Um sicherzustellen, dass dies auch geschieht, erhalten Farmer und die Giganten der Agrarindustrie wie ADM oder David Rockefeller großzügig bemessene Subventionen, um Mais zur Ethanolgewinnung anstatt als Nahrungsmittel anzubauen. Gegenwärtig erhalten Ethanolproduzenten in den Vereinigten Staaten einen Zuschuss von 0,51 US Dollar pro Gallone Ethanol, die an das Unternehmen gezahlt wird, das das Ethanol zum Verkauf mit Benzin mischt. In der Regel ist dies eine Ölfirma.

Als Ergebnis dieser wunderbaren Zuschüsse für die Produktion von Bio-Ethanol von Seiten der US-Regierung und der gesetzlichen Bestimmungen investiert die US Raffinerie-Industrie massiv in den Bau neuer spezieller Destillieranlagen, die Ölraffinerien ähnlich sind, aber Ethanol produzieren. Die Zahl der gegenwärtig in Bau befindlichen Destillieranlagen übersteigt die Zahl von Ölraffinerien, die in den USA im Laufe der letzten 25 Jahre gebaut wurden. Wenn diese Destillieranlagen im Laufe der nächsten 2-3 Jahre fertiggestellt sind, wird sich die Nachfrage für Mais und anderem Getreide für die Ethanolproduktion für Autotreibstoff im Vergleich zum gegenwärtigen Stand verdoppeln.

Nicht nur die Nachfrage für Bio-Ethanol aus den USA. Im März traf sich Bush mit dem brasilianischen Präsidenten, um einen bilateralen „Ethanol-Pakt“ zu unterschreiben, um in Forschung und Entwicklung von Technologien der „nächsten Generation“ zur Herstellung von Bio-Treibstoff wie etwa der Produktion von Zellulose Ethanol aus Holz zusammenzuarbeiten. Des weiteren will man kooperieren, um den Einsatz von Bio-Treibstoffen in Entwicklungsländern, vor allem in Südamerika zu „stimulieren“ und ein OPEC-ähnliches Kartell für Bio-Treibstoffe mit Regeln schaffen, die die Schaffung eines Ethanolmarktes für die westliche Hemisphäre ermöglichen.

Kurz gesagt wird die weltweite Nutzung von Anbauflächen für Bio-Ethanol und anderen Bio-Treibstoffen - die Verbrennung von Nahrungsmitteln anstatt sie für die Ernährung von Menschen oder als Tierfutter zu verwenden - in Washington, Brasilien und anderen Wirtschaftszentren, darunter auch die EU, als eine bedeutende neue Wachstumsindustrie gehandelt.

Fadenscheinige grüne Argumente

Bio-Treibstoff beziehungsweise aus Nahrungsmitteln hergestellter Treibstoff wird als Lösung für das kontroverse Problem der globalen Erwärmung angepriesen. Gefälschte wissenschaftliche Ergebnisse und politische Interessen hinter der plötzlichen Aufregung über die Gefahren der globalen Erwärmung einmal beiseite gelassen, bieten die Bio-Treibstoffe in der Bilanz selbst unter besten Bedingungen keine Vorteile im Vergleich zum Öl. Die Befürworter von Bio-Treibstoffen behaupten, dass Bio-Treibstoffe der ersten Generation „bis zu 60 Prozent weniger CO2-Emissionen verursachen.“ Auch sind angesichts steigender Ölpreise von 75 US Dollar pro Barrel Erdöl von der Brent-Qualität Regierungen wie die Brasiliens ganz wild darauf, importiertes Benzin durch selbst hergestellten Bio-Treibstoff zu ersetzen. In Brasilien haben heute 70 Prozent aller Autos „flexible“ Motoren, die in der Lage sind, von konventionellem Benzin auf reinen Bio-Treibstoff, sowie auf jede Mischung von Benzin und Bio umzuschalten. Die Produktion von Bio-Treibstoff ist auch zu einer von Brasiliens bedeutendsten Exportindustrien geworden.

Die grünen Behauptungen, dass Bio-Treibstoffe umweltfreundlicherer und besserer Treibstoff seien als Benzin, sind bestenfalls zweifelhaft, wenn nicht geradewegs betrügerisch. Je nachdem wer die Tests durchführt, wirkt sich Ethanol wenn überhaupt nur wenig auf die Auspuffgase bei gängigen Autotypen aus. Bei der Verbrennung entstehen in jedem Fall bedeutende Mengen einiger Giftstoffe, darunter Formaldehyd und Azetaldehyd, ein mutmaßliches Nervengift, das in Kalifornien als krebserregend verboten ist.

Ethanol ist keine irgendwie gutartige Substanz, wie uns die Propaganda der Industrie glauben machen will. Es ist höchst korrosiv und greift Pipelines ebenso an wie die Dichtungen und Treibstoffsysteme von Autos und anderen benzinverbrennenden Motoren. Es macht spezielle neue Benzinpumpen erforderlich. Alle diese Umstellungen kosten Geld.

Aber der ultimative Nachteil von Ethanol ist, dass es wenigstens 30 Prozent weniger Energie pro Gallone enthält als normales Benzin, was für eine 85 prozentige Ethanol-Mischung eine geringere Treibstoffeffizienz von wenigstens 25 Prozent im Vergleich zu Benzin bedeutet. Kein Befürworter des Ethanol-Firlefanz spricht die enormen sozialen Kosten an, die beginnen sich auf die Esstische in den USA, Europa und dem Rest der Welt auszuwirken. Lebensmittelpreise explodieren, und die Preise für Mais, Sojabohnen und alle Arten von Getreide erreichen wegen der astronomischen - vom Kongress angeheizten - Nachfrage für Mais zur Verbrennung als Bio-Treibstoff schwindelerregende Höhen.

Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat in diesem Jahr einen Bericht herausgegeben, der zu dem Schluss kommt, dass die Verwendung von Ethanol aus Mais anstelle von Ethanol keine Auswirkungen auf den Ausstoß von Treibhausgasen haben wird und sogar den Verbrauch von fossilen Brennstoffen noch erhöht, da die Nachfrage für Düngemittel und Bewässerung für die
Ausweitung der Anbauflächen für Pflanzen zur Ethanolerzeugung stiege. Zudem stellt dem MIT zufolge „der Verbrauch von Erdgas 66 Prozent der gesamten aus Mais-Ethanol gewonnenen Energie dar“, was neue große Belastungen für die Versorgung mit Erdgas bedeutet und die Preise auch hier in die Höhe treibt.

Die Vorstellung, dass sich die Welt mit landwirtschaftlich erzeugten Bio-Treibstoffen aus der Abhängigkeit vom Erdöl befreien könnte, ist Propaganda, mit der uns die größte Bedrohung für die Lebensmittelversorgung auf dem Planeten seit der Kreation von patentiertem genmanipuliertem Mais und anderer Anbaupflanzen verkauft werden soll.

US-Farmen werden Fabriken für Bio-Treibstoff

Der Hauptgrund dafür, dass die Getreidepreise in den letzten zwei Jahren in den USA und weltweit rasant gestiegen und jetzt vorprogrammiert sind, noch weiter anzusteigen, ist die Umwandlung von Anbauflächen in den USA zu de-facto Bio Treibstoff Fabriken. Im Jahr 2006 wuchs die Anbaufläche für Pflanzen zur Herstellung von Bio-Treibstoff um 48 Prozent. Nichts von diesem Land wurde für den Anbau von Nahrungspflanzen ersetzt. Die steuerliche Unterstützung macht es allzu profitabel, Ethanol-Treibstoff herzustellen.

Seit 2001 ist die Menge Mais, die zur Herstellung von Bio-Ethanol eingesetzt wird, um 300 Prozent gewachsen, Trend steigend. Tatsächlich war 2006 die Menge von Mais zur Treibstoffherstellung in Tonnen gleich der Menge des für den Export bestimmten Mais. Für das Jahr 2007 wird geschätzt, dass sie die Menge des Exportmais beträchtlich übersteigen wird. Die USA sind der weltweit führende Exporteur von Mais. Das meiste geht als Viehfutter in die EU und in andere Länder. Die herkömmlichen Statistiken der USDA (US Department for Agriculture) über Anbauflächen für Mais sind kein brauchbares Maß mehr für die Lebensmittelpreise, da alle Kleinanbauflächen für Mais für Bio-Treibstoff verwendet werden. Die Ackerfläche, die für Futterpflanzen und menschliche Nahrung zur Verfügung steht, nimmt in Wirklichkeit ab.

Auf ähnliche Weise widmen Brasilien und China große Anbauflächen für die Gewinnung von Bio-Treibstoff.

Ein Ergebnis der Bio-Treibstoff Revolution in der Landwirtschaft ist, dass die Überjahresspeicherung (also das, was im laufenden Jahr nicht verbraucht wurde und als Reserve ins folgende Jahr mitgenommen wird, A.d.Ü.) in sechs der letzten sieben Jahre abgenommen hat. Überjahresspeicherungsreserven aller Getreidesorten fiel Ende 2006 auf Vorräte für 57 Tage. Das ist der niedrigste Stand seit 1972. So verwundert es nicht, dass die Getreidepreise auf dem Weltmarkt in den letzten 12 Monaten um 100 Prozent stiegen. Und das ist nur der Anfang.

Es ist vorprogrammiert, dass diese Abnahme der Getreidevorräte, Maß für Ernährungssicherheit im Falle von Trockenheit oder Fehlernten - zunehmend normale Ereignisse in den letzten Jahren - in absehbarer Zeit weitergehen wird. Geht man von einem moderaten Anstieg der Weltbevölkerung im Laufe des nächsten Jahrzehnts aus, vor allem auf dem indischen Subkontinent und in
Afrika, dann bedeutet die Stagnation oder gar die Verminderung der jährlich geernteten Tonnen Futtermais oder anderen Futtergetreides und Reis, bei gleichzeitigem Einsatz wachsender Mengen für die Produktion von Bio-Ethanol und anderen Bio-Treibstoffen, dass wir tatsächlich am Beginn der größten Umwandlung der globalen Landwirtschaft seit der Einfuhrung des Agribusiness mit der „grünen“ Revolution durch den Einsatz von Düngemitteln und mechanisierter Landwirtschaft nach dem Ende des zweiten Weltkriegs stehen.

Der Unterschied bei dieser Revolution ist, dass sie auf Kosten der Nahrungsmittelproduktion geht. Das programmiert global explodierende Getreidepreise vor. Gleichzeitig wird der Effekt auf die Benzinimporte minimal sein.

Professor M.A. Altieri von der Universität Berkeley schätzt, dass, wenn man die gesamte Anbaufläche für Mais und Sojabohnen in den USA für die Produktion von Bio-Treibstoffen einsetzte, dies nur 12 Prozent des Benzinbedarfs und sechs Prozent des Bedarfs an Diesel deckte. Er merkt an, dass ein Fünftel (20 Prozent) der Maisernte des letzten Jahres für die Herstellung von Bio-Ethanol verwendet wurde, dieses aber nur drei Prozent des Energiebedarfs deckte. Aber Anbauflächen werden in Rekordtempo umgewandelt. Im Jahr 2006 gingen mehr als 50 Prozent der Maisernte von Iowa und South Dakota an Ethanol-Raffinerien. Im ganzen Mittelwesten geben Farmer das traditionelle Prinzip des Fruchtwechsels auf, um ausschließlich Sojabohnen oder Mais anzubauen, weil sie nach Jahren fallender Preise für Mais dringend neue Einkünfte brauchen. Dies hat dramatische Auswirkungen auf die Bodenerosion und schafft zusätzlichen Bedarf für chemische Pestizide. In den USA werden schon jetzt 41 Prozent aller insgesamt eingesetzten Herbizide beim Mais eingesetzt. Monsanto und andere Hersteller von glyphosathaltigen Herbizden wie Roundup zeigen jedenfalls ein eindeutiges Lächeln, wenn sie zur Bank gehen.

Globalisierung der Bio-Treibstoffe

Der Pakt zwischen Bush und Lula ist nur der Beginn eines globalen Runs, Feldfrüchte zur Gewinnung von Bio-Treibstoff anzubauen. Wiesenland und Wälder in Brasilien, Argentinien, Kolumbien, Ecuador und Paraguay weichen riesigen Plantagen von Zuckerrohr, Palmenöl und Soja für die Herstellung von Bio-Treibstoff. Der Anbau von Soja hat die Entwaldung von 21 Millionen Hektar in Brasilien und von 14 Millionen Hektar in Argentinien verursacht und ein Ende ist nicht in Sicht. Gleichzeitig steigen die Getreidepreise.

Soja wird zur Herstellung von Bio-Treibstoff verwendet.

China, das verzweifelt nach Energiequellen Ausschau hält, ist ein Hauptprotagonist bei der Kultivierung von Bio-Treibstoffen, wodurch die Anbauflächen zur Erzeugung von Nahrungsmitteln auch dort verringert werden.
In der EU wird der meiste Bio-Diesel aus Raps gewonnen, einer populären Futterpflanze.[*] Das Ergebnis? Die Preise für Fleisch steigen weltweit, und soweit man bis jetzt sehen kann, werden sie dies auch weiter tun. Die EU hat als Ziel einen Mindestanteil von Bio-Treibstoffen von zehn Prozent vorgegeben, ein törichtes Vorhaben, das 18 Prozent der Anbauflächen in Europa dem Anbau von Feldfrüchten widmen wird, die als Bio-Treibstoff verbrannt werden sollen.

Auch der Run auf Bio-Treibstoffe wird von den großen Ölkonzernen gelenkt. Professor David Pimentel von der Cornell Universität und andere Wissenschaftler behaupten, dass der Netto-Energieertrag von Bio-Ethanol geringer ist, als die Energie aus den fossilen Brennstoffe, die zur Herstellung des Ethanols eingesetzt werden. Indem er alle zur Herstellung von Ethanol aufzuwendende Energie maß, von der Produktion von Stickstoff-Dünger bis hin zu der Energie, die benötigt wird, den beträchtlichen Abfall aus den Raffinerien für Bio-Treibstoff zu beseitigen, zeigten Pimentels Untersuchungen einen Netto-Energieverlust von 22 Prozent für Bio-Treibstoff - ihre Herstellung kostet mehr Energie, als sie liefern.

Das stellt kaum eine Bedrohung für die Nachfrage nach Öl dar, so dass die Ölkonzerne weiter riesige Gewinne einstreichen können, während sie sich gleichzeitig ein „grünes“ Profil geben.

Von daher verwundert es nicht, dass ExxonMobil, Chevron und BP alle in Bio-Treibstoffe investieren. Im vergangenen Mai kündigte BP den größten jemals an eine Universität vergebenen Forschungs- und Entwicklungszuschuss aller Zeiten an, 500 Millionen US Dollar an die Universität von Kalifornien in Berkeley für die Finanzierung von Forschung und Entwicklung von alternativen Energien, darunter auch Bio-Treibstoffe, nach den Vorgaben von BP. Das Forschungsprogramm über globales Klima und Energien der Stanford Universität erhielt 100 Millionen US Dollar von ExxonMobil, Die Universität von Kalifornien-Davis erhielt 25 Millionen US Dollar von Chevron für seine Forschungsgruppe Bio-Energien. Die Initiative zur Begrenzung von Kohlendioxyd der Universität Princeton nimmt 15 Millionen US Dollar von BP.

Der in Ungnade gefallene frühere Vorstandsvorsitzende von BP, Lord Browne erklärte im Jahr 2006: „Die Welt braucht neue Technologien, um eine angemessene Versorgung mit Energie auch in Zukunft aufrechtzuerhalten. Wir glauben, dass die Biowissenschaften dem Energiesektor einen enormen Gewinnn bringen können.“ Der Markt für Bio-Treibstoffe boomt gegenwärtig wie kaum ein anderer. Diese ganze Geschichte ist ein Paradies für die globalen Industriekonzerne des Agribusiness wie Cargill, ADM, Montsanto und Syngenta.

All dieses in Kombination mit ernsten Wetterproblemen in China, Australien, in der Ukraine und in großen Teilen der EU in der laufenden Erntesaison garantieren, dass die Getreidepreise in den kommenden Monaten und Jahren explodieren werden. Einige berichten schadenfroh vom Ende der Ära „billigen Essens“. Mit abnehmenden Nahrungsmittelreserven und schwindenden Anbauflächen für Mais und Getreide zur Nahrungsmittelproduktion, wird die Umstellung auf Bio-Treibstoffe in den kommenden Jahren massive Auswirkungen auf die globvalen Lebensmittelpreise haben.

Andere Absichten hinter Ethanol?

Sieht ganz danach aus. Die dramatische Hinwendung zu Bio-Treibstoffen seitens der Bush-Regierung seit 2005 war eindeutig die treibende Kraft hinter den steigenden Getreide- und Lebensmittelpreisen in den letzten 18 Monaten. Die Anzeichen legen nahe, dass dies kein durch schlampige Gesetzgebung verursachter Unfall ist. Die US-Regierung betreibt Forschung und Entwicklung in Sachen Bio-Treibstoffen seit den 1970er Jahren. Die Architekten des Bio-Ethanols haben ihre Hausaufgaben gemacht, dessen können wir gewiss sein. Es wird zunehmend deutlich, dass dieselben Leute, die uns die Inflation der Ölpreise bescherten, jetzt absichtlich eine entsprechende Inflation der Preise für Nahrungsmittel schaffen. Wir erlebten seit Ende 2000 eine Steigerung des durchschnittlichen Preises für Erdöl von 300 Prozent, nachdem George W. Bush und Dick Halliburton Cheney Erdöl zum Hauptanliegen der US-Außenpolitik machten.

Im letzten Jahr, als die Produktion von Bio-Ethanol zum ersten Mal ein bedeutungsvoller Faktor am Markt wurde, stiegen die Preise für Mais an der Börse in Chicago innerhalb von 14 Monaten um 130 Prozent. Als der Kongress und die Bush-Regierung im Jahr 2005 die Weichen für den Boom von Bio-Ethanol stellten, war es mehr als bekannt, dass die Getreidereserven der Welt seit Jahren in alarmierendem Maß im Schwinden begriffen waren, zu einer Zeit, als die weltweite Nachfrage vor allem wegen des steigenden Wohlstands und der wachsenden Nachfrage nach Fleisch in China anstieg.

Als Ergebnis der Umwidmung von riesigen Anbauflächen von amerikanischem und brasilianischem Mais für die Produktion von Bio-Treibstoff, sind die Nahrungsmittelreserven im Wortsinne dabei, zu verschwinden. Daten der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) zufolge befinden sich die weltweiten Lebensmittelreserven auf dem niedrigsten Stand seit 1972.

Merkwürdigerweise war das genau die Zeit, als Henry Kissinger und die Nixon-Regierung, gemeinsam mit ADM und Cargill - den Hauptunterstützern des aktuellen Ethanol-Schwindels - das organisierten, was als „der große Getreideraub“ bezeichnet wurde: der Verkauf von großen Mengen US-Getreides im Austausch gegen den Verkauf von Rekordmengen russischen Erdöls an den Westen. Sowohl die Ölpreise als auch die Preise für Mais stiegen bis 1975 um rund 300 - 400 Prozent. Wie das genau funktionierte, habe ich eingehend in „Ein Jahrhundert der Kriege: Anglo-Amerikanische Ölpolitik“ (A Century of War: Anglo-American Oil Politics) behandelt.

Heute hat ein neues Element die Nachfrage der UdSSR nach Getreide und Ernteausfälle ersetzt. Die durch Subventionen der US-Regierung angeheizte Nachfrage nach Bio-Treibstoffen ist im Wortsinne dabei,die Preise für Nahrungsmittel an die Ölpreise anzubinden. Der Verbrauch von subventioniertem Bio-Treibstoff ist seit Anfang 2006, als der US Energy Policy Act erste Auswirkung auf die Entscheidungen über den Anbau von Nutzpflanzen nicht nur in den USA zeitigte, derart dramatisch angestiegen, dass in der Tat ein Wettbewerb von Menschen und Autos um das vorhandene Getreide entsteht. Lester Brown (bekannter amerikanischer Umwelt-Analytiker und Buchautor) schrieb kürzlich: „Auf dem Weltmarkt sehen wir einen Wettbewerb um dasselbe Gut zwischen 800 Millionen Automobilen und zwei Milliarden der ärmsten Menschen der Welt. Wir sind jetzt in einem neuen ökonomischen Zeitalter, in dem Öl und Nahrungsmittel austauschbare Güter sind, denn wir können Getreide, Zuckerrohr, Sojabohnen - alles - in Treibstoff für Autos umwandeln. Tatsächlich beginnt der Ölpreis, die Preise für Nahrungsmittel zu bestimmen.“

Mitte der 1970er Jahre stellte US-Außenminister Henry Kissinger, ein Protégé der Familie Rockefeller und ihrer Institutionen, fest: „Kontrolliere das Öl, und Du kontrollierst ganze Nationen; kontrolliere die Versorgung mit Nahrung, und Du kontrollierst die Menschen.“ Dieselbe Bande von Charakteren, die der Welt den Irak-Krieg gebracht hat und das globale Gerangel ums Öl, die uns patentierte genmanipulierte Samen und jetzt Terminator-Selbstmordgene bescheren, und die über das „Problem der Überbevölkerung der Welt“ klagen, unterstützen jetzt, zu einer Zeit sinkender Getreidevorräte in der Welt die Umwandlung der globalen Getreideproduktion in Brennstoff. Das alleine sollte uns innehalten und nachdenken lassen. Wie der populäre Spruch besagt: „Bloß weil Du paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht wirklich hinter Dir her sind.“


[*] Die Vorliebe der deutschen Bauern für den subventionierten Rapsanbau wirkt sich auch auf den Preis für Gerste aus, Ausgangsstoff für deutsches Bier, welches damit ebenfalls deutlich teurer werden dürfte. So sagte der Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Dr. Otmar Bernhard, in einer Rede vor dem bayerischen Landschaftspflegetag: „Nicht zuletzt kann der Energiepflanzenanbau auch in Konkurrenz zur Nahrungsproduktion treten - der Deutsche Brauerbund befürchtet schon jetzt steigende Bierpreise, weil immer mehr Bauern auf die lukrativere Biodieselproduktion umsteigen.“

Zitat

Wenn einen das nicht aufmerksam und misstrauisch werden lässt, was dann? Vielleicht liegt ja auch die bevorstehende Preissteigerung bei Milchprodukten nicht daran, dass die Chinesen (die gelbe Gefahr) jetzt alle täglich Milch trinken. (vgl.: http://www.diepresse.com/home/wirtschaft/economist/306481/index.do ), sondern an dem Push für Bio-Treibstoff. (A.d.Ü.)


Quelle: Global Research

Originalartikel veröffentlicht am 25. Juli 2007

Über den Autor

Hergen Matussik und Fausto Giudice sind Mitglieder von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, dass der Text nicht verändert wird und dass sowohl der Autor, der Übersetzer, der Prüfer als auch die Quelle genannt werden.

Dieser Artikel auf Tlaxcala

IM BAUCH DES WALFISCHES: 02/08/2007

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Warum war das eigentlich völlig klar?

Irgendwie schwante mir das am Freitag beim Kurzkommentar “Scheinheiligkeit, Übergewicht und Hartz IV” bereits, bei der heutigen Zeitungslektüre wurde es dann zur Gewissheit: Die Bundesregierung will die Mehrwertsteuer auf "ungesunde" Lebensmittel von 7% auf 19% heraufsetzen. „Fit statt fett“ ist also nichts anderes als das ideologische Vorgeplänkel auf den nächsten Griff in unsere Taschen.

Scheinheiligkeit, Übergewicht und Hartz IV

Mit dem neuen Programm „Fit statt fett“ der Bundesregierung befasst ein interessanter Beitrag im Blog von Klaus-Peter Baumgardt. Die Bundesregierung erklärt mal wieder die Angelegenheit zu einem Privatproblem: Nach einem Bericht der FAZ will Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) an die Bundesbürger appellieren, sich gesünder zu ernähren und mehr zu bewegen. Schützenhilfe kommt vom Vorsitzenden der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Jürgen Abraham: „Warum soll die Industrie schuld sein, wenn jemand zu viel isst?“. Eben. Der Mann sollte sich vielleicht mal "Fast Food Nation" oder noch besser "Super Size Me" ansehen.

Ich glaube aber fast, der kennt beide.

Dass es heute möglich ist, mit den vorhandenen agrartechnischen Möglichkeiten 12 Milliarden Menschen auch unter ökologischen Geischtspunkten gut zu ernähren ist eigentlich nicht erst durch "We feed the World" bekannt.

Dem steht eine Profitwirtschaft nicht nur in der Nahrungsmittelindustrie entgegen. Gezielt wird weltweit die Erzeugung von Lebensmitteln in Fischerei, Landwirtschaft, Viehzucht, Wasser usw. unter die Kontrolle einiger Nahrungsmittelkonzerne wie Nestlè oder mit Hybridsaatgut durch Saatguthersteller wie Pioneer gebracht.

Nicht, dass ich gegen eine gesunde Ernährung wäre und dass man das Möglichste tun sollte, fit zu bleiben. Den Zusammenhang zwischen gesunder Ernährung und deren Bezahlbarkeit - für Hartz IV Empfänger ganz zu schweigen - wird von den Architekten des „Fit statt fett“ Programmes geflissentlich "übersehen". Von der Möglichkeit zur Zubereitung innerhalb der heutigen Lebens und Arbeitsumstände der meisten arbeitenden Menschen ist sowieso keine Rede.

Da fällt es dann leicht, über Fastfood- und Tütenfraßopfer zu richten und Kreide zu fressen.

Ebenfalls lesenswert: "Neues vom Burgerkrieg"