Kleiner Vorgeschmack: 62°
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Quelle: ADAMexplorer / Sentinel-3 Data Viewer / ADAMplatform via twitter
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Die TexÂtilÂinÂdusÂtrie in den kaÂpiÂtaÂlisÂtiÂschen KernÂlänÂdern ist in den letzÂten JahrÂzehnÂten stark zuÂrückÂgeÂganÂgen. ZehnÂtauÂsenÂde wurÂden entÂlasÂsen und die ProÂdukÂtiÂon in LänÂder mit noch niedÂriÂgeÂren LöhÂnen verÂlaÂgert. Große BeÂkleiÂdungsÂunÂterÂnehÂmen wie z.B. H&M, C&A, PriÂmark, Zara, Mango und KiK lasÂsen heute u.a. in China, BanÂglaÂdesch, PaÂkisÂtan und KamÂboÂdscha proÂduÂzieÂren. Die ProÂdukÂtiÂon beÂfinÂdet sich in einer dauÂernÂden WanÂderÂbeÂweÂgung, denn proÂduÂziert wird dort wo die ProÂdukÂtiÂonsÂkosÂten am NiedÂrigsÂten sind. Dies beÂtrifft die geÂsamÂte ProÂdukÂtiÂonsÂketÂte, von der BaumÂwolÂle bis zum ferÂtiÂgen T-–‹Shirt. Wenn ein T-–‹Shirt hier für 3 Euro verÂkauft wird, ist klar, dass dies nur aufÂgrund unÂmenschÂliÂcher ArÂbeitsÂverÂhältÂnisÂse inÂbeÂgrifÂfen HunÂgerÂlöhÂne und grenÂzenÂloÂser AusÂbeuÂtung mögÂlich ist. SiÂcherÂheitsÂstanÂdards werÂden reÂgelÂmäÂßig missÂachÂtet, immer wieÂder kommt es zu FaÂbrikÂbränÂden und UnÂfälÂlen bei denen beÂreits mehÂreÂre ZehnÂtauÂsend BeÂschäfÂtigÂte geÂtöÂtet wurÂden. Am 11.–‹09.–‹2012 kam es beiÂspielsÂweiÂse zu einem GroßÂfeuÂer in der TexÂtilÂfaÂbrik „Ali EnÂtÂerÂpriÂses“ in PaÂkisÂtan, bei dem über 250 ArÂbeiÂteÂrInÂnen bei leÂbenÂdiÂgem Leib verÂbrannÂten. Am 24. April 2014 jährt sich der Tag des EinÂsturÂzes des „Rana Plaza“ EinÂkaufsÂzenÂtrums, in Savar, BanÂglaÂdesch, in dem sich mehÂreÂre TexÂtilÂfaÂbriÂken beÂfanÂden. AlÂlein dabei kamen 1.–‹134 ArÂbeiÂteÂrInÂnen ums Leben und über 2.–‹000 wurÂden zum Teil so schwer verÂletzt, dass sie nicht mehr arÂbeitsÂfäÂhig sind. ProÂfit geht über LeiÂchen!
Doch auch der WiÂderÂstand wächst
Am 21.–‹09.–‹2013 haben in Dhaka, der HauptÂstadt von BanÂglaÂdesch mehr als 50.–‹000 TexÂtilÂarÂbeiÂteÂrInÂnen für höÂheÂre Löhne geÂstreikt. Am 12. und 13.–‹11.–‹2013 kam es in AsÂhuÂlis und Savar zu DeÂmonsÂtraÂtioÂnen mit jeÂweils mehÂreÂren zehnÂtauÂsend TeilÂnehÂmeÂrInÂnen. Im JaÂnuÂar dieÂses JahÂres haben 450.–‹000 ArÂbeiÂteÂrInÂnen der TexÂtilÂinÂdusÂtrie KamÂboÂdschas geÂstreikt und truÂgen damit ihren ProÂtest in die ÖfÂfentÂlichÂkeit. GeÂforÂdert wurde bei allen KämpÂfen die GeÂwähÂrung eines leÂbensÂsiÂchernÂden StanÂdards am ArÂbeitsÂplatz, sowie eine ErÂhöÂhung der MinÂdestÂlöhÂne, die derÂzeit bei ca. 60 Euro moÂnatÂlich lieÂgen. 80% der ArÂbeiÂtenÂden in der TexÂtilÂbranÂche sind FrauÂen und an der unÂtersÂten Ebene der ProÂdukÂtiÂonsÂketÂten steÂhen die HeimÂarÂbeiÂteÂrinÂnen.
StaatÂliÂcherÂseits wurde mit ReÂpresÂsiÂon reÂagiert, so wurde in KamÂboÂdscha sogar die Armee gegen die StreiÂkenÂden einÂgeÂsetzt. HauptÂproÂfiÂteuÂre des GeÂschäfts mit der KleiÂdung sind die inÂterÂnaÂtioÂnaÂlen HanÂdelsÂketÂten und KonÂzerÂne. Auch die naÂtioÂnaÂle BourÂgoÂiÂsie will weiÂterÂhin ihren Teil vom KuÂchen nicht verÂlieÂren und den StandÂortÂwettÂbeÂwerb um die bilÂligsÂten ArÂbeitsÂkräfÂte weiÂter anÂheiÂzen.
Mit Zehra Khan haben wir eine, über PaÂkisÂtan hinÂaus beÂkannÂte, kämpÂfeÂriÂsche GeÂwerkÂschafÂteÂrin einÂgeÂlaÂden. Sie ist GeÂneÂralÂseÂkreÂtäÂrin der „Home BaÂsed Women WorÂkers FeÂdeÂraÂtiÂon (HBWWF)“. Nach dem GroßÂfeuÂer in der TexÂtilÂfaÂbrik „Ali EnÂtÂerÂpriÂses“ stellÂte sich die HBWWF soÂfort an die Seite der Opfer und HinÂterÂblieÂbeÂnen. Zehra Khan wurde zu einer SpreÂcheÂrin des „WorÂkers Rights MoÂveÂment (WRM)“ und kämpft mit den BeÂtrofÂfeÂnen für EntÂschäÂdiÂgungsÂzahÂlunÂgen, grundÂleÂgenÂde VerÂbesÂseÂrung der ArÂbeitsÂbeÂdinÂgunÂgen und für höÂheÂre Löhne. Dabei geht es nicht nur um einÂzelÂne VerÂbesÂseÂrunÂgen, sonÂdern um eine grundÂleÂgenÂde VerÂänÂdeÂrung der geÂsellÂschaftÂliÂchen VerÂhältÂnisÂse auf anÂtiÂkaÂpiÂtaÂlisÂtiÂscher GrundÂlaÂge. Für Zehra Khan ist dieÂser Kampf unÂtrennÂbar mit dem Kampf gegen die paÂtriÂarÂchaÂlen VerÂhältÂnisÂse und für die RechÂte der FrauÂen verÂbunÂden. In PaÂkisÂtan ein leÂbensÂgeÂfährÂliÂches EnÂgaÂgeÂment.
SoÂliÂdaÂriÂtät ist unÂseÂre StärÂke
Wir wolÂlen die VerÂhältÂnisÂse auch hier zum TanÂzen brinÂgen. KonÂsum ist die Pille, mit der die MenÂschen hier in dieÂsem SysÂtem der inÂterÂnaÂtioÂnaÂlen AusÂbeuÂtung und damit auch ihrer eiÂgeÂnen AusÂbeuÂtung verÂsöhnt werÂden solÂlen. Viele BeÂschäfÂtigÂte in den TexÂtilÂketÂten beÂklaÂgen preÂkäÂre BeÂschäfÂtiÂgungsÂverÂhältÂnisÂse, ÜberÂwaÂchung und Druck –“ BeÂtriebsÂräÂte sind in der Regel unÂerÂwünscht. Dies ist die anÂdeÂre Seite der AusÂbeuÂtung in der TexÂtilÂinÂdusÂtrie. Die VerÂhältÂnisÂse hier und in den WeltÂmarktÂfaÂbriÂken des SüÂdens lasÂsen sich nicht vonÂeinÂanÂder trenÂnen.
Es gibt viel zu tun, paÂcken wir es geÂmeinÂsam an! Wir müsÂsen dies geÂmeinÂsam mit all denen weltÂweit tun, die sich mit ihrem HerÂzen, ihrem VerÂstand, Mut und oft unter EinÂsatz ihres LeÂbens für eine Welt jenÂseits der kaÂpiÂtaÂlisÂtiÂschen OrdÂnung und paÂtriÂarÂchaÂlen VerÂhältÂnisÂse einÂsetÂzen. VerÂbinÂden wir unÂseÂre KämpÂfe, lerÂnen wir vonÂeinÂanÂder. KämpÂfen wir in dieÂsem Sinne geÂmeinÂsam für gleiÂche soÂziaÂle RechÂte und ein gutes Leben für alle –“ für eine emanÂziÂpaÂtoÂriÂsche PerÂspekÂtiÂve. UnÂseÂre SoÂliÂdaÂriÂtät darf sich nicht auf ErÂkläÂrunÂgen beÂschränÂken, sonÂdern muss ein VerÂständÂnis von inÂterÂnaÂtioÂnaÂler PraÂxis entÂwiÂckeln, die die AusÂbeuÂtung und die KämpÂfe in den LänÂdern des SüÂdens und in den hieÂsiÂgen MeÂtroÂpoÂlen verÂbinÂdet.
BeuÂgen wir uns nicht dem DikÂtat des KaÂpiÂtaÂlisÂmus, streiÂten und kämpÂfen wir grenÂzenÂlos und soÂliÂdaÂrisch für ein selbstÂbeÂstimmÂtes und geÂwaltÂfreiÂes Leben ohne AusÂbeuÂtung und UnÂterÂdrüÂckung.
In der VerÂanÂstalÂtung wird Zehra Khan über ihre ErÂfahÂrunÂgen im Kampf für die RechÂte der TexÂtilÂarÂbeiÂteÂrInÂnen sowie für FrauÂen spreÂchen.
MittÂwoch, 23. April, 19.–‹00 Uhr, LinÂkes ZenÂtrum Lilo HerrÂmann, BöbÂlinÂgerÂstr. 105, 70199 StuttÂgart (U1, U14, Bus 42, HalÂteÂstelÂle ErÂwin-–‹SchöttÂle-–‹Platz)
Via: Frauengruppe Stuttgart
Trotz der Leichtigkeit, mit der wir dieses Zeitungsprojekt angegangen sind, sind wir bei unseren Artikeln in die Tiefe gegangen und haben uns Zeit genommen, g:nau hinzuschauen (im wahrsten Sinne des Wortes!). Dabei war die Herangehensweise an die Themenauswahl für uns schnell klar: Überall werden wir ja mit Nachrichten (möglichst in Echtzeit) überschüttet. Overnewsed but underinformed. Und immer wieder begegnen uns beiden Themen, die wie Artefakte unsere Aufmerksamkeit an sich ziehen. Regelmäßig werden solche Themen, sowohl von Mainstream-Medien als auch von den größeren und kleineren Alternativen (aus welchen Gründen auch immer), übersehen oder eben nicht so aufbereitet, dass sich jeder Leser am Ende des Artikels gewappnet sieht, sich ein eigenes Bild zu machen oder eine eigene Ansicht zu entwickeln.
Die Massenproteste in Bangladesch dieses Jahr, sind so ein Thema. Nein, es waren keine Proteste wegen der lebensgefährlichen und ausbeuterischen Textilarbeit. Sondern es gingen hunderttausende hauptsächlich junger und ganz gewöhnlicher Bangladeschi mit der Forderung der Todesstrafe für Kriegsverbrecher auf die Straße, wochenlange Besetzung eines öffentlichen Platzes inklusive. Außerdem haben wir dem Africom in Stuttgart-Möhringen einen Besuch abgestattet. Was das dort für eine Aufregung bei der Militärpolizei verursacht hat – ein weiteres Thema in der g:nau.
Das Andere, Ungewöhnliche und etwas Verrückte hat es uns besonders angetan, sodass wir solche Entdeckungen auch jenseits von Twitter und Fb gerne mit anderen teilen wollen. Dazu gehört der autobiografische Roman Paranoia für Anfänger des Stuttgarter Schriftstellers Ruben Zacharias, dessen erstes Kapitel wir in Folge veröffentlichen. Ein Selbstexperiment, das etwas geeky ist, durfte auch nicht fehlen: Und so ist in der g:nau mein Uberman Schlafexperiment (2h Schlaf auf 24h!) nachzulesen.
S21 ist das Letzte! Das finden wir noch immer. Deshalb gibt’s dafür auch einen festen Platz in der g:nau. Und zwar auf der letzten Seite. Noch ein Veranstaltungskalender (zum Auschneiden!) und ein paar Stuttgart-Themen draufgepackt – und fertig!
Heute haben wir die 2000 Exemplare der Nullnummer bei der Druckerei abgeholt. Jetzt kann es mit dem Verteilen losgehen!
Hier gibt es g:nau:
Café Galao, Marienplatz;
Café Stella, Österreichischer Platz;
Herbertz Espresso-Bar, Heusteigviertel;
Mahnwache gegen S21, Hauptbahnhof;
Micha–™s Lädle, Heusteigviertel;
Schlampazius, Ost;
Second Dreams, Tübinger Straße.
Aktuelle Verteiltermine
22. Juli, 18:00 Uhr: 181. Montagsdemo
Via blognau