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"Das "Vaterland" ist der Alpdruck der Heimat." Kurt Tucholsky

Der 16. Juni in der Werft von Tuzla

Die ArbeiterInnen der Tuzla Werft in der Türkei gehen gegen die Häufung von tödlichen Arbeitsunfällen wie vor 38 Jahren auf die Straße.
Im Juni findet in Tuzla eine wichtige Erinnerungsveranstaltung über den Arbeiterwiderstand statt.

Tuzla bereitet diesen Tag schon lange vor. Die Arbeiter legen an diesem Tag mit den Forderungen „Wir wollen arbeiten ohne zu sterben, wir wollen wie Menschen leben“, die Arbeit nieder. An der Demonstration nahmen trotz Absperrungen der Polizei ca. 1500 TeilnehmerInnen teil.
Viele TeilnehmerInnen kamen aus Solidarität mit der Arbeitsniederlegung, in z.B. von der Gewerkschaft Limter-İş organisierten Busse aus anderen Städten wie Istanbul.

16.6.2008 in Tuzla Foto © alinteri.org

Es versammelten sich vor der Werft auch viele Angehörige der in der Tuzla Werft zu Tode gekommenen Arbeiter, es kamen aber auch aus vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen Menschen. Viele Jugendliche, ArbeiterInnen, GewerkschafterInnen aus verschiedenen Bereichen ebenso wie Studierende und AkademikerInnen.
An der Spitze der Demonstration wurde ein Transparent der Gewerkschaft Limter-İş gehalten, auf dem stand: „Wir wollen arbeiten ohne zu sterben und menschenwürdig leben“. Schon zu Beginn der Demonstration forderte Limter-Is, dass andere Transparente von Tersane Isci Kurulu (Werft ArbeiterInnen Ausschuss) und TIB-DER (Werft ArbeiterInnen Verein) eingerollt werden sollten.

An der Demonstration nahmen, neben dem Vorsitzenden der DISK Gewerkschaft, Delegierten der DTP, Delegationen aus Argentinien, Brasilien und Chile teil und sangen linke kämpferische Lieder wie „Venceremos“. Andere TeilnehmerInnen waren Birleşik Metal-İş (Metall Gewerkschaft), TÜMTİS, Lever ArbeiterInnen organisiert in TÜMTİS, Genç-Sen (StudentInnen und SchülerInnen Gewerkschaft), Emekli-Sen, Deri-İş Tuzla Branche, Desa ArbeiterInnen aus Deri-İş, Dev Sağlık-İş, Hava-İş, Nakliyat-İş, Arcelik ArbeiterInnen aus Nakliyat-İş, KESK İstanbul Branchen Bündnis, Alınteri („Grosse Mühe“ - sozialistische Zeitung), HKM, Kaldıraç, SODAP, SDP, Tüm-İGD, İHD, EMO (Elektroingenieur Kammer) İstanbul Branche, Gemi Mühendisleri Odası (Schiffs IngenieurInnen Kammer), DTP, Boğaziçi ve ODTÜ StudentInnen usw.

In den letzten Monaten sind durch die schlechten Arbeitsbedingungen auf der Werft wieder 2 Arbeiter gestorben. Die ArbeiterInnen protestierten, obwohl Staat und Werftleitung dies mit Panzern zu verhindern versuchten. Erst suchten in der Nacht zum 15. Juni Vertreter der Werftleitung die ArbeiterInnen auf und warnten sie davor, an den Protesten teilzunehmen. Als dies keinen Erfolg hatte wurden sie noch einmal von der Polizei aufgesucht und bedroht.
Aufgrund der starken Polizeipräsenz und Repressionsdrohung, ließen sich viele ArbeiterInnen von der Teilnahme abhalten.

Zehn Werftarbeiter, unter deren einige „Tersane Isci Kurulu“ Mitglieder waren, wurden vor der Demonstration entlassen. Diese KollegInnen wurden von der Werftleitung befragt, ob sie in der Demo teilnehmen werden oder nicht. Weil die ArbeiterInnen Ja gesagt haben, wurden ihnen sofort gekündigt. Die entlassenen Arbeiter haben dann natürlich erst recht an der Demo teilgenommen.

Quellen:
Tuzla tersanelerinde 16 Haziran
Eylemden notlar
Tersane eyleminden fotoğraflar

Hamburg'tan Tuzla'ya selam - Solidarische Grüße der IG Metall Hamburg an die Arbeiter in Tuzla

Zum Aktionstag der Werftarbeiter in Tuzla / Türkei am 16.6. erschien bei alinteri.org folgende Solidaritätserklärung von Hamburger Hafenarbeitern:

Tuzla 16.6.2008
Metall sendikasından Tuzla tersane işçilerine mesaj. Yaşasın dünya işçilerinin dayanışması!Tuzla tersanelerinde sürekli yeni iş cinayetleri işleniyor. Işçiler ölüyor, çocuklar babasız, eşler kocasız kalıyorlar. 40 bin işçinin kaderinden bahsediyoruz. Her sabah evinden çıkarken akşam dönememe kaygısı taşıyan.

Sınıf kardeşlerimizin bu trajedilerini, devletin ve patronların bürokratik, samimi olmayan kaderci yaklaşımını yakından izliyoruz. Ve biz kendi tecrübelerimize de dayanarak diyoruz ki: İş cinayetleri kader değildir. Gerekli önlemler alındığı takdirde bu ölümler elbette ki son bulacaktır. Bizler de tersane işçileriyiz ve burda, Almanya’da mücadele ederek elde ettiğimiz sağlıklı çalışma koşulları sayesinde daha güvenli çalışıyoruz. Almanya'da işveren, sakat kalan bir işçinin kalan yaşamının tamamını garanti altına almak zorunda olduğunu biliyor. Dolayısıyla güvenlik önlemlerini de kendiliğinden artırıyor.

Ortak bir mücadele ve geniş bir dayanışmayla, yüksek sesle taleplerinizi yükselttiğiniz zaman kimse sizlere karşı duramayacaktır.

Sizin mücadeleniz bizim de mücadelemizdir. Mücadelenizi yürekten destekliyoruz. Küreselleşen sermaye sürekli ucuz işgücü pazarlarına yönelmeye devam ediyor. Buralardaki emekçilerin alınterleri vahşice sömürülüyor. Bunlara karşı bizler de küresel mücadele ve dayanışmayla cevap vereceğiz.

Yaşasın dünya işçilerinin dayanışması!
Yaşasın Tuzla tersane işçilerinin etkin savaşı!
Dayanışma dolu selamlarımızla…

Hamburg IG Metall


Tuzla 16.6.2008
In den Werften Tuzla werden immer wieder Arbeitsmorde begangen. Werfarbeiter sterben,und es bleiben die Kinder ohne Vater, und Ehefrauen ohne Ehemann. Das ist das Schicksal von 40.000 Arbeitern. Jeden Tag gehen sie aus ihren Häusern ohne zu wissen, ob sie je wieder zurückkehren werden.

Wir beobachten die Tragödie unserer Arbeitskolleginnen und -kollegen und auch das unehrliche und fatalistische Verhalten des Staats und der Arbeitgeber. Und wir IG Metall Mitglieder wissen auch aus eigenen Erfahrungen, dass es auf keinem Fall Schicksal ist. Würden die nötige Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, wird es keine tödlichen Arbeitsunfälle auf den Arbeitsplätzen geben. Wir sind auch Dock-Arbeiter hier. Die Arbeitsumgebungen die wir hier erkämpft haben, erlauben uns relative sichere Arbeitsbedingungen. Die Arbeitgeber in Deutschland wissen ganz genau, dass sie den Lebensunterhalt bezahlen müssen, wenn ein Arbeitnehmer auf dem Arbeitsplatz durch einen Unfall behindert leben muß. Damit wird ein sicherer Arbeitsplatz eine Selbstverständlichkeit.

Wenn ihr eure Forderungen im gemeinsamen Kampf mit breiter Solidarität stellt - wer soll Euch aufhalten?

Euer Kampf ist auch unserer. Wir unterstützen euch mit ganzem Herzen. Das globalisierte Kapital zielt weiterhin auf Billiglohnländer und -märkte ab. Die Arbeiterklasse hier wird eiskalt ausgebeutet.

Dagegegen werden auch wir mit globalen Kämpfen und Solidarität zurückschlagen.
Hoch die internationale Solidarität!
Lang lebe der Kampf der Werftarbeiter von Tuzla !

Solidarische Grüße der IG Metall Hamburg


(Übersetzung sprachlich leicht angepasst / Fotos © alinteri.org)