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"Parteien sind zum Schlafen da - und zum schrecklichen Erwachen." Zeitung 883, 1971

Nationalfarben

Ein anderes Thema sind die Nationalfarben. Frankreich, die Trikolore, blau, weiß, rot – drei Farben, die den Himmel öffnen. Blau wie der Atlantik oder der ciel de nuit, der sommerliche Nachthimmel, darüber steigt hell la lune, der weiße Mond und daneben – la bouche – der rote Mund der Geliebten.

Und was duftet aus Italien herüber: grün, weiß, rot – drei Farben und ein Kosmos der Aromen. Rote, reife Tomaten kullern die warmen Steintreppen hinab, dazu die grüne Würze von Basilikum und Thymian und milchigweißer Mozzarella.

Tja, und Deutschland? Drei Farben wie Sekret und Exkrement: Kot, Blut und Urin. Wer das nun als rein subjektive Darstellung wertet, der muss sich die Frage gefallen lassen, ob die Alternativen – Asche, Lava, Wüste bzw. Pest, Masern, Leberkrebs – denn so viel besser sind?


Tobias Degenhardt