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"Die Regierung des Menschen über den Menschen ist die Sklaverei. Wer immer die Hand auf mich legt, um über mich zu herrschen, ist ein Usurpator und ein Tyrann. Ich erkläre ihn zu meinem Feinde." Pierre-Joseph Proudhon

Was mir heute wichtig erscheint #411

Falschaussage: 13 Tote, über 200 Verletzte: Das bis heute nicht aufgeklärte Wiesn-Attentat von 1980 war der schwerste rechte Terroranschlag in der Geschichte Nachkriegsdeutschlands. Jetzt ist der Chef der neuen Sonderkommission wegen des Verdachts "der Strafvereitelung im Amt, Urkundenunterdrückung und Falschaussage" abgelöst worden. Mehr bei BR24

Jahrestag: Vor 154 Jahren wurden nach dem Sioux-Aufstand in der größten Massenhinrichtung in der Geschichte der USA 38 Dakota in Mankato, Minnesota erhängt. Ihre Nachfahren organisieren jährlich einen Gedenkritt.

Massaker: Im Juli 1913 streikten 7000 Kumpels bei der C&H Copper Mining Company in Calumet, Michigan. Die Forderungen der Streikenden beinhaltenden Lohnerhöhungen, ein Ende der Kinderarbeit und sicherere Arbeitsbedingungen. Es wurde sowohl ein Ende der Ein-Mann-Bohrungen als auch die Installation von Stützbalken in den Minen gefordert. Dies wollten die Minenbesitzer nicht, da Stützbalken ihnen zu teuer waren und tote Arbeiter durch Einstürze nicht kosteten. Eine kurze Geschichte des größten Massenmords in der Geschichte von Michigan: Das Massaker an 73 Menschen, hauptsächlich Kindern von streikenden Minenarbeitern bei einer Weihnachtsfeier am Heiligabend 1913.

Erklärung: Seit nunmehr 41 Jahren sitzt der AIM Aktivist Leonard Peltier als politischer Gefangener in den USA ohne Aussicht, jemals in Freiheit zu kommen, im Gefängnis. Am 23. Dezember hat er sich mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt. und bedankt sich bei seinen UnterstützerInnen für die Solidarität. Seit November läuft eine auch von Amnesty International unterstützte Kampagne, die Präsident Barack Obama dazu auffordert, Peltier zu begnadigen.

Unvergessen: Der zweite Seminolenkrieg war der längste Krieg, in dem die Vereinigten Staaten seit der Amerikanischen Revolution bis zum Vietnamkrieg kämpften. Am ersten Weihnachtstag 1837 kämpften gemeinsam lebende vebündete afrikanischstämmige Sklaven und indianische Ureinwohner der Seminole Nation in Florida gegen eine weit überlegene U.S. Armee, die zusammengestellt wurde, um diese frühe Regenbogenkoalition zu brechen und die Afrikaner zur Sklaverei zurück zu zwingen. Beitrag über ein kaum bekanntes Stück amerikanischer Geschichte von William Katz beim Howard Zinn Project.

Unbekannt: Der Baptistische Krieg, auch bekannt als die Weihnachtsrebellion, der Weihnachtsaufstand oder der große jamaikanische Sklavenaufstand von 1831-32, war eine elf-tägige Rebellion, die ca. 60.000 von Jamaikas 300.000 Sklaven mobilisierte. Sie brach in Zusammenhang mit einem Brand auf einer Plantage am morgigen 27. Dezember des Jahres 1831 aus und wurde von einem schwarzen Baptistenprediger, Samuel Sharpe, und seinen Anhängern geführt. Mehr Informationen gibt es hier und da, aber leider keine deutschsprachigen Verweise.

Gehaltvoll: Evangelikale, Militärs, Rechtsextreme, Neocons und Konzernbosse. Das Kabinett des 45. US-Präsidenten Trump hat es in sich. Donald Trump wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten werden. Die designierten Amtsträger der zehn wichtigsten Ressorts im Porträt.

Ungleich: Die meisten hierzulande lebenden Menschen besitzen deutlich weniger als andere in Europa, so die aktuelle Vermögensstudie der europäischen Zentralbank (EZB). Kein Wunder, dass für viele Menschen  das Risiko des sozialen Abstiegs zugenommen hat. Das zeigt eine andere Studie.

Müllexport: Plastikmüll ist nicht nur ein Problem der Industrieländer. In Staaten wie Ghana fehlt häufig das Geld für eine angemessene Entsorgung. Unter dem Plastik liegt der Strand.

Wiedergeburt: Das alternative Android Betriebssystem CyanogenOS ist Geschichte. Nicht ganz. "Die Firma Cyanogen Inc. stellt alle Dienste ein. Der Sourcecode des nichtkommerziellen CyanogenMod bleibt erhalten. Das Team hinter CyanogenMod macht unter dem neuen Namen Lineage weiter. Das soll mehr als ein bloßer Markenwechsel sein." Mehr bei heise.

Grenzenlos: Grenzenlose Solidarität: Die Fotografin und Revolutionärin Tina Modotti im Spanischen Krieg 1936–1939 (Teil 1) - Der letzte Schützengraben

Gedenken: "Vertreter der Initiative »In Gedenken an Oury Jalloh« sind derzeit bundesweit unterwegs. Sie klären über die Hintergründe des Feuertodes des Flüchtlings im Polizeirevier Dessau auf, sammeln Spenden, um vor allem eigens beauftragte Gutachter zu finanzieren. Und sie wollen mobilisieren: Denn am 7. Januar 2017 jährt sich der Todestag zum zwölften Mal. Unter dem Motto »Oury Jalloh ist kein Einzelfall – Keiner wird vergessen werden« soll dann um 14 Uhr die Demonstration am Dessauer Bahnhof starten." Beitrag in der jungen Welt "Keine windige Sache?"

Gemetzel: Vor 100 Jahren endete an der Somme die größte und blutigste Schlacht des Ersten Weltkrieges wegen Erschöpfung der personellen Reserven beider Seiten. Hunderttausende starben, doch der Frontverlauf änderte sich kaum.

Tina Modotti: Fotografie und Kampf

Die Biografie einer Fotografin zu verlegen, ohne eines ihrer Bilder abzudrucken, geht das? Ja. Das zeigt die gerade im Wiljo-Heinen-Verlag erschienene Biografie der Fotografin Tina Modotti.

Modotti war jedoch mehr als nur Fotografin. Die Kommunistin und Antifaschistin gab das Fotografieren auf, um ihr Leben dem politischen Kampf zu widmen. Die Autorin Christiane Barckhausen empfand Modottis Leben anfangs als Widerstreit zwischen Kampf und Kunst. Mit der nähren Beschäftigung mit der Persönlichkeit wurde ihr jedoch klar, dass es bei Modotti keinen Widerstreit zwischen den beiden Polen gab, sondern sie beides lebte.

Geboren am 16. August 1896 in Udine (Italien) wächst Assunta Adelaide Luigia Modotti Mondini, genannt Tina, in einer Arbeiterfamilie auf, deren Leben von Armut geprägt ist. Im Alter von 17 Jahren folgt sie ihrem Vater nach San Francisco und arbeitet dort als Näherin. Es zieht sie nach Los Angeles, wo sie als Schauspielerin in drei Filmen mitspielte. Hier lernt sie den Fotografen Edward Weston kennen, der sie in die Welt der Fotografie einführt.

Anfang der zwanziger Jahre zieht sie nach Mexiko, wo sie selber mit dem Fotografieren beginnt und in Kontakt mit mexikanischen Künstlern, darunter dem weltbekannten Diego Rivera, kommt. Die nachrevolutionäre Situation in dem Land politisieren die Fotografin, deren Arbeiten ebenfalls politischer werden. Ihre Arbeiten erscheinen in verschiedenen linken Zeitungen und Zeitschriften.

1927 tritt sie der KP Mexiko bei, arbeitet unter anderem für die Rote Hilfe und organisiert die Solidaritätsarbeit für Nicaragua. Modotti beginnt eine Liebesbeziehung mit dem emigrierten kubanischen Revolutionär Julio Antonio Mella, der wenig später ermordet wird.
Die politische Situation verschärft sich, 1929 wird die KP verboten. Nach einem erfolglosen Mordanschlag auf den mexikanischen Präsidenten Pasqual Ortiz Rubio am 5. Februar 1930 wird Modotti und ihr Lebensgefährte Vittorio Vidali werden ausgewiesen. Über Rotterdam und Berlin kommen sie nach Moskau, wo die Kommunistin bei der Internationalen Roten Hilfe als Übersetzerin arbeitet. In Moskau hört sie auf dem Fotografieren. Ihre Arbeit für die Rote Hilfe führt sie nach Wien, Warschau, Madrid und Paris. Mit dem beginnenden Spanischen Bürgerkrieg reist sie 1936 nach Spanien, um dort am internationalistischen Kampf gegen den Faschismus teilzunehmen.

Nach dem Sieg Francos kehrt sie mit Vittorio Vidali nach Mexiko zurück, wo sie in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar 1942 einem Herzanfall erliegt.

Barckhausen legt mit »Tina Modotti. Den Mond in drei Teile teilen« eine gut lesbares Biografie vor. Und es gelingt ihr dazustellen, warum Kampf und Kunst eben kein Widerspruch im Leben Modottis waren, wie es viele Biografen gern unterstellen, wenn sie von den „hellen und dunklen Jahren“ (Fotografie und Politik) im Leben der Antifaschistin sprechen. Und wer mehr über die fotografische Arbeit Modottis erfahren möchte, dem sei die Modotti-Ausstellung in der jW-Ladengalerie empfohlen. Noch bis zum 16. März 2012 sind dort 40 Fotografien ausgestellt. Es ist die sechste Modotti-Ausstellung in Berlin überhaupt.

Christiane Barckhausen: »Tina Modotti. Den Mond in drei Teile teilen«. Eine biographische Skizze. Wiljo-Heinen-Verlag, Berlin, ISBN 978-3-939828-88-4, 152 Seiten, 12,00 €

Links:
- Tina Modotti: Fotografin, Revolutionärin und Internationalistin, mit Artikeln von Modotti
- Sammlung des San Francisco Museum of Modern Art
- Sammlung des Museum of Modern Art