trueten.de

"Die Deutschen sind ein Volk, das im hohem Maße von der staatlichen Idee durchdrungen ist, dieser Geist war schließlich stärker als alle anderen Leidenschaften und hat in ihnen buchstäblich den Freiheitsdrang erstickt." Michail Bakunin

Themenabend zum 100. Geburtstag von Peter Weiss: "Trotz der Schwere ein Optimismus"

Einladungsflyer
Der am 8. November 1916 geborene Peter Weiss schrieb Theaterstücke und Romane. Bekannt wurde er mit dem dreibändigen Roman „Die Ästhetik des Widerstands“. Hier schildert er unter anderem am Beispiel der „Roten Kapelle“ die Bedingungen, unter denen Widerstand gegen Hitler möglich war. Im Theater wurde vor allem sein Stück „Die Ermittlung“, in dem er Ausschnitte aus dem Auschwitz-Prozess auf die Bühne brachte, berühmt.

Anlässlich des 100. Geburtstags von Peter Weiss erinnert Janka Kluge an Leben und Werk des deutsch-schwedischen Schriftstellers, Malers und Dokumentarfilmers. Sie berichtet über seine Zeit im Ausland in den 1930er Jahren, seine Erfolge als politischer Dramatiker in der Nachkriegszeit und über das vielseitige literarische und künstlerische Schaffen des Antifaschisten, der am 10. Mai 1982 in Stockholm starb.

Janka Kluge erinnert an den Schriftsteller Peter Weiss und sein Werk.

KOMMA Jugend und Kultur
Dienstag, 6. Dezember, 19 Uhr
Maille 5-9, Esslingen

Eine gemeinsame Veranstaltung von:
• KOMMA Jugend und Kultur
• VVN-BdA Kreisvereinigung Esslingen
• Rosa Luxemburg Stiftung



Via VVN-BdA Kreisvereinigung Esslingen

Alfred-Hausser-Preis 2016 geht an „Geraubte Kinder“

Alfred Hausser

Die Wanderausstellung des Vereins „Geraubte Kinder – vergessene Opfer“ des gleichnamigen Vereins aus Freiburg erhält den Alfred-Hausser-Preis 2016.

Am 5. November 2016 im Esslinger Gewerkschaftshaus wird die Auszeichnung des Preisträgers erfolgen. Dies beschloss der Landesvorstand der VVN-BdA auf Empfehlung seines Beirats. Die 1947 von Überlebenden der Naziverfolgung gegründete überparteiliche antifaschistische Organisation vergibt den Preis seit 2006 alle zwei Jahre für Projekte, die in besonderer Weise die Erinnerung an den Widerstand gegen den Faschismus, die Verfolgten und die Opfer des Naziregimes bewahren helfen.

Die Wanderausstellung behandelt das Schicksal von Menschen, die von den Nazis als Kinder aus Polen, Russland, Slowenien, der Tschechoslowakei und Norwegen wegen ihres vermeintlich „arischen“ Aussehens nach Deutschland verschleppt wurden, woran in nicht geringem Maß die Deutsche Reichsbahn mitwirkte. Viele dieser geraubten Kinder konnten nach dem Krieg nicht in ihre Heimat zurückgebracht werden, weil deutsche Jugendämter bei der Verschleierung des Menschenraubs mitwirkten und die Kinder mit einer fremden Identität „einbürgerten“. So haben die meisten von ihnen nach 1945 ihre Eltern nicht wiedergesehen. Und wenn sie in zurückkehren konnten, traten schwere Probleme auf Das Leid dieser Menschen wurde nie als Verbrechen anerkannt. Nie erhielten sie eine Entschädigung. Von der Wanderausstellung über diese kaum bekannte Opfergruppe und dem dazu gehörenden Film, der sich auch mit der Uneinsichtigkeit der heutigen Deutschen Bahn beschäftigt, waren die Vergabegremien für den Alfred-Hausser-Preis berührt und beeindruckt

„Die Auswahl fiel unserem Beirat nicht leicht“, erklärte Lothar Letsche, das zuständige Vorstandsmitglied. „Auch die drei anderen nominierten Projekte waren ohne Zweifel preiswürdig und wurden von einzelnen Beiratsmitgliedern an die erste Stelle gesetzt. Aber wir können den Preis eben leider nur einmal vergeben.“ Im Auswahlverfahren befanden sich:

Die (inzwischen auch als Buch dokumentierte) Ausstellung „Nazi-Terror gegen Jugendliche“ – Verfolgung, Deportation und Gegenwehr in der Region Freiburg – unter Leitung der Katholischen Akademie der Erzdiözese Freiburg zwischen 2008 und 2015 weitgehend durch Jugendliche erarbeitet, die bei ZeitzeugInnen in aller Welt und in Archiven recherchierten
Eine (filmisch dokumentierte) Serie von Aktivitäten in Offenburg unter den Titel „KZ in der Nachbarschaft“. Zwei Schulen in Offenburg-Nord befinden sich auf einem ehemaligen Kasernengelände, das zeitweise als Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof (Elsass) diente. Diese Tradition wird nicht verdrängt, sondern von den Schülerinnen und Schülern für beeindruckende Formen des Gedenkens und Erinnerns aufgegriffen.
Das Ettlinger Bündnis gegen Rassismus und Neonazis erarbeitete als Teil seiner vielfältigen Aktivitäten eine Broschüre und einen Vortrag über den als Vorbild verstandenen Widerstandskämpfer Fritz Birk (1894-1956), Verteidiger der Spanischen Republik, der auch nach dem 2. Weltkrieg in seiner Heimat versuchte und es schwer hatte, diese Welt zu einer gerechteren zu verändern.

VVN-BdA Baden-Württemberg

Geraubte Kinder – vergessene Opfer

Nazi-Terror gegen Jugendliche“

Buntes Haus Offenburg

Ettlinger Bündnis gegen Rassismus und Neonazis


Quelle: Pressemitteilung VVN-BdA LV Baden-Württermberg

Warum der Spanische Bürgerkrieg in Bayreuth begann

Veranstaltungsflyer
Themenabend mit Reinhard Neudorfer

Antifaschismus 1936: Lehren für heute?

Der Beginn des Spanischen Bürgerkrieges jährte sich im Juli zum 80. Mal.

Nur noch Geschichte? Weit gefehlt. Nach dem Putsch reaktionärer Militärs 1936 gegen die linke Volksfront beginnt der Spanische Bürgerkrieg.

Die Franquisten ermordeten bis zu 200.000 GegnerInnen des Regimes, welches bis 1975 andauerte. Die internationale, direkte, praktische Solidarität im republikanischen Spanien ab Juli 1936 ist mit über 40.000 Menschen in den Internationalen Brigaden gewaltig.

Verklärung einerseits, wenig Kenntnisse über die tatsächlichen Geschehnisse andererseits sind heute weit verbreitet.

Reinhard Neudorfer möchte mit seinem Vortrag und der anschließenden Diskussion Abhilfe schaffen. Er will Interesse und Neugier für diese Revolution und aktuelle Lehren daraus wecken.

Dienstag, 11. Oktober 19 Uhr
KOMMA Jugend und Kultur
Maille 5­-9 in Esslingen

Eine gemeinsame Veranstaltung von:
KOMMA Jugend und Kultur
VVN-BdA Kreisvereinigung Esslingen
Rosa Luxemburg Stiftung

Erklärung der VVN-BdA Kreisvereinigung Esslingen zur Schließung der Kneipe „fünfbisneun“ und zu den Geschehnissen rund um das Lorchareal in Esslingen

Das fünfbisneun
Wir möchten uns hiermit zu den Geschehnissen rund um das Lorch-Areal in Esslingen und zur Schließung der dort ansässigen Kneipe „fuenfbisneun“ positionieren.

2009 wurde angrenzend an das Lorch-Areal ein Jugendgästehaus eröffnet. Viele EsslingerInnen versprachen sich von diesem Jugendgästehaus eine preisgünstige und für junge Menschen ansprechende Unterbringungsmöglichkeit direkt im Zentrum Esslingens, das in unmittelbarer Nähe zum Jugendhaus und anderen kulturellen Einrichtungen gut angegliedert schien.

Innerhalb weniger Jahre wurde dieses Jugendgästehaus „EcoInn“ allerdings zu einem 3-Sterne-Hotel umkonzipiert, was nach kurzer Zeit zu Auseinandersetzungen zwischen dem Hotelbetreiber und der angrenzenden Kneipe „fuenfbisneun“, als auch dem Jugendhaus KOMMA führte. Grund hierfür sei die, laut des Hotelbetreibers anhaltende, Lärmbelästigung durch Veranstaltungen des KOMMA und den Kneipenbetrieb. Von Seiten des Jugendhauses als auch der Kneipe wurden vielseitige Maßnahmen getroffen, um den Konflikt zu entschärfen, beispielsweise Investitionen in den Schallschutz und Reduzierung des Betriebes.

Trotz dieser Maßnahmen nahmen die Beschwerden des Hotelbetreibers nicht ab, so dass sich die Betreiber des „fuenfbisneun“ nun gezwungen sahen, die Kneipe bis auf weiteres zu schließen. Auch für das Jugendhaus KOMMA könnte dieser Konflikt weitreichende Folgen haben, denn das Jugendhaus lebt unter anderem von den regelmäßig stattfindenden Großveranstaltungen.

Wir möchten an dieser Stelle betonen, wie wichtig wir das KOMMA als Kultur- und Jugendeinrichtung erachten und dass ein Fortbestehen in dieser Form notwendig ist. Seit mehreren Jahren finden regelmäßig Veranstaltungen der VVN-BdA im KOMMA statt, hierbei schätzen wir das KOMMA als Kooperationspartner sehr.

Auch wir nutzten das „EcoInn“ zur Unterbringung von Referenten, werden hiervon allerdings in Zukunft absehen und uns nach Alternativen umsehen. Wir schließen uns des weiteren den Forderungen des Esslinger Stadtjugendrings an (hier nachzulesen)

Wir wünschen uns ein weiterhin belebtes und kulturell vielseitiges Lorch-Areal mit all seinen bisherigen Einrichtungen!

Quelle: VVN-BdA Esslingen

Esslingen: Themenabend anlässlich Bertolt Brechts 60. Todestages

Flyer zum Themenabend
Bertolt Brecht ist vielen als Autor von Theaterstücken wie „Mutter Courage und ihre Kinder“, oder „Die Dreigroschenoper“ bekannt. Der 1898 in Augsburg geborene Brecht war aber mehr als ein begnadeter Theaterschriftsteller. Er schrieb hunderte Gedichte und Bücher mit Kurzgeschichten. Bertolt Brecht berief sich in seiner Arbeit immer wieder auf Karl Marx, allerdings ohne jemals Mitglied der KPD gewesen zu sein.

1933 floh er aus Deutschland und wurde einer der wichtigsten Exilschriftsteller.

Nicht nur wegen seiner politischen Ideen schieden sich an ihm die Interpretationen. War er für die einen genial, warfen ihm später einige Journalisten und Germanisten vor, dass ein großer Teil seiner Werke gar nicht von ihm sei und er seine Umgebung ausgebeutet hätte.

Bertolt Brecht starb am 14. August 1956 in Ost-Berlin.

Im Vortrag von Janka Kluge wird auf das widersprüchliche Bild von Bertolt Brecht eingegangen.

September 2016 20:00 Uhr
Buchladen Die ZeitGenossen
Strohstraße 28
73728 Esslingen am Neckar

Via VVN-BdA Esslingen

20. Juni, Stuttgart: Wiedereinweihung des Lilo-Herrmann-Gedenksteines

Gedenkstein für Lilo Herrmann
Foto: Kamahele
Lizenz: Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0
Wiedereinweihung des restaurierten Gedenksteins für die Widerstandskämpferin

Lilo Herrmann 1909 – 1938

am Jahrestag ihrer Hinrichtung, Montag, den 20. Juni 2016, 18 Uhr

Bei der Uni Stuttgart (Stadtgarten, zwischen den beiden Hochhäusern K1 und K2 – Keplerstr 11 und 17 des Uni-Bereichs Stadtmitte).

Lilo Herrmann, Studentin der technischen Hochschule Stuttgart, kämpfte als junge Mutter mutig gegen die Nazis. Sie wurde im Dezember 1935 verhaftet und 1937 vom “Volksgerichtshof” zum Tod verurteilt.

Am 20. Juni 1988, dem 50. Jahrestag ihrer Hinrichtung zusammen mit Stefan Lovász, Josef Steidle und Artur Göritz -, wurde der Gedenkstein vom Stadtjugendring aufgestellt. Geschaffen wurde er von den Bildhauern Herbert Goeser und Joachim Sauter. Auch die VVN-BdA war aktiv beteiligt. Mitglieder, die Lilo noch persönlich gekannt hatten (und ihrem Schweigen vor der Gestapo viel verdankten) nahmen an der Einweihung teil. Karola Bloch (1905-1994) – ehemals “Rote Studentin” in Berlin – hielt damals eine Ansprache. 2000 wurde der Gedenkstein mit Farbe beschmiert, gesäubert und neu eingeweiht.

Im März 2016 wurde er erneut mit einem Hakenkreuz besudelt. Die Universität erstattete Anzeige. Unter Leitung des Universitätsbauamts wird der Gedenkstein in einer Werkstatt fachmännisch in Ordnung gebracht. Die Kosten müssen durch Spenden erbracht werden.

Zum Jahrestag der Hinrichtung Lilo Herrmanns wollen wir den restaurierten Gedenkstein in einer Gedenkfeier wieder der Öffentlichkeit übergeben und laden dazu im Namen aller, die zur Wiederherstellung beigetragen haben, herzlich ein. Eingeladen sind alle, denen daran liegt, dass dieser Stein ein würdiger Gedenkort im Herzen der Stadt bleibt. Auch für alle, die in der Nazizeit von der TH Stuttgart vertrieben und ausgegrenzt, von den Nazis gequält, verjagt oder ermordet wurden. Und zugleich ein Bezugspunkt für alle, die sich im Sinne Lilo Herrmanns gegen alte und neue Nazis engagieren.

Die Universität hat inzwischen durch ihr Archiv ihre Geschichte in der NS-Zeit aufgearbeitet. Es gibt viele neue Erkenntnisse – auch über Lilo Herrmanns Verbindungen zur TH Stuttgart nach 1933. Neben den Redebeiträgen beteiligt sich die Hornbläsergruppe des Universitätsorchesters mit einem musikalischen Beitrag. Nach der Einweihungsfeier lädt die GEW Stuttgart zu einem kleinen Imbiss ein. Es werden Vorkehrungen getroffen, dass die Veranstaltung bei jedem Wetter stattfinden kann.

Spenden zur Restauration: Unter Sichwort „Lilo Herrmann“ VVN-BdA: DE62 6005 0101 0002 1197 48

Quelle: VVN-BdA Baden-Württemberg

Streifzüge durch das jüdische Esslingen – Ein antifaschistischer Stadtrundgang

Beim Stolperstein für Elsbeth Süsskind
Die Esslinger VVN-BdA führte mit ihrem Kameraden Gerhard Voss durch das jüdische Esslingen.

Gerhard Voss ist Pfarrer im Ruhestand und profunder Kenner der jüdischen Geschichte und Kultur der Stadt.
Nachfolgend einige Stationen unseres antifaschistischen Rundgangs, der Einblicke in die jüdische Geschichte nicht nur der Stadt Esslingen gibt.

In Esslingen gab es bereits im Mittelalter eine große jüdische Tradition. So erschien im Jahre 1290 die erste datierte Handschrift deutscher Juden in Esslingen. Es handelt sich hierbei um einen Machsor, eine Sammlung von jüdischen Gebetbüchern.
Den Kaisern unterstanden die Juden einer Schuldknechtschaft. Da ihnen selbst das Tragen von Waffen erboten war, mussten sie sich christlichem „Schutz“ ergeben und dafür hohe „Judensteuern“ zahlen.

Wie in anderen Reichsstädten auch, beglichen die Kaiser auch in Esslingen ihre städtischen Schulden oft dadurch, dass sie die „Judensteuern“ der Stadt überließen, Rückzahlungen an jüdische Gläubiger unterbunden oder Vermögen pfändeten. Im Unterschied zu anderen Reichsstädten durften sich die jüdischen Einwohner aber gegen Zahlung von Sonderabgaben immerhin bei den Zünften organisieren oder im Rat der Stadt bei innerjüdischen Streitigkeiten als Schiedsrichter auftreten.

Beim alten jüdischen Friedhof in der Beutau
Von der Bedeutung des jüdischen Lebens in Esslingen zeugen Glasmalereien mit biblischen Szenen aus dem Hochmittelalter, entstanden zwischen 1290 und 1350. Zu sehen sind einige heute noch in der Stadtkirche, der ehemaligen Franziskanerkirche und besonders gut in der Frauenkirche.
Für eine lange Zeit mehr oder minder friedliche Koexistenz zwischen Christen und Juden spricht, dass die Maler die Juden zwar mit „Judenhüten“ kennzeichneten, hierbei aber nur die religiöse Zugehörigkeit verdeutlichten. Von bösartige Entstellungen und Karikaturen, die zu jener Zeit in den berüchtigten und u.a. am Magdeburger Dom heute noch sichtbaren „Judensau“-Darstellungen gipfelten, ist hingegen nichts zu sehen.
Auch wurde in den Glasgemälden in den Esslinger Kirchen auf klassische Elemente christlichen Judenhasses, so die Kenntlichmachung der Juden als „Christusmörder“ verzichtet. In der Szene der Geißelung Christi tragen die Folterknechte keine dieser „Judenhüte“.
Lediglich in einem Fenster in der Stadtkirche wird in den allegorischen Figuren der glanzvollen Ekklesia (Die Kirche) und der (gegenüber dem Erlöser) blinden Synagoge, ähnlich wie im Straßburger Münster, ein deutlicher Gegensatz zwischen Christen- und Judentum hergestellt.

Die Synagoge im Heppächer
Der Esslinger Hafenmarkt ist ein prägender Ort für die jüdische Geschichte Esslingens. Dass hier, im patrizischen, also einst wohlhabendsten Viertel Esslingens im Mittelalter die erste Synagoge stand, markiert die einstige Bedeutung der jüdischen Gemeinde für die Stadt.

Zugleich ist der Hafenmarkt Schauplatz des ersten antijüdischen Pogroms in Esslingen am 27. Dezember 1348.
Dies ist im Kontext der großen Pestepidemie der Jahre 1347-1352 zu sehen. Dass die Beulenpest durch Ratten und Mäuse über Flöhe auf den Menschen übertragen wird, wurde nicht erkannt. Ebenso fehlte das Verständnis dafür, dass mangelnde Hygiene die Verbreitung der Krankheit begünstigt.

Vielmehr wurden völlig irrationale Erklärungen herangezogen:

So behauptete ein italienischer Geistlicher im April 1348, dass die Pest in Indien ausgebrochen sei, nachdem es dort „Frösche, Schlangen, Eidechsen, Skorpione und viel giftige Tiere“ geregnet habe.
Vielfach wurde die Pest als Gottesgericht gedeutet, was zu einem Zulauf für Geißler- und Flagellantenzüge führte, welche in ganz Süddeutschland, der Schweiz und in Österreich zu antijüdischen Pogromen hetzten oder diese selbst durchführten.

Der Schweizer Schriftsteller Lukas Hartmann beschreibt in seinem Roman „Die Seuche“ eindrucksvoll die abergläubischen und widersprüchlichen Deutungsversuche wie auch die antijüdischen Gewaltexzesse der Geißlerzüge in der Schweiz: „Dauernd sagst du etwas anderes. Einmal fliegt die Krankheit durch die Luft, dann kommt sie über die Straße. Einmal sind die Juden schuld an ihr, dann wieder will Gott uns strafen.“

Gebetsraum
Hatten in früheren Zeiten Ritualmordlegenden wie 1267 in Pforzheim oder 1288 in Bacharach am Rhein Pogrome gegen ganze jüdische Gemeinden zur Folge, war es im Zuge der Pestepidemie nun der Vorwurf der Brunnenvergiftung.

Erhoben wurde dieser zunächst in Chambéry in Savoyen. Juden hätten mit Zaubermitteln Brunnen und Quellen der Christen vergiftet. Behördliche Boten der französischen Stadt trugen dieses Gerücht nun nach Zürich, Basel, Bern, Freiburg im Breisgau und Straßburg. Von dort gelangte es in fast alle Städte des Heiligen Römischen Reichs.

Pogromwellen in ganz Süddeutschland waren die Folge. In den Oberrheinstädten aber auch in kleineren Reichsstädten wie Buchhorn, dem heutigen Friedrichshafen, wurden 1348 und in den Folgejahren sämtliche jüdischen Einwohner auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Zu Esslingen bemerkt eine in Latein verfasste Chronik, dass am 27. Dezember 1348 „die Juden in ihrer Synagoge (am Hafenmarkt) und in ihren Häusern“ verbrannten. Die Chronik lässt zu den tatsächlichen Geschehnissen zwei Deutungen zu. Entweder wurden die Juden von einem fanatisierten Mob verbrannt oder die Juden begingen unter dem Druck der Zwangstaufen, ähnlich wie aus Mainz in 1349 berichtet, Selbstverbrennungen.

Die christlichen Bürger der Stadt bereicherten sich danach an den Gütern und dem Vermögen der Juden. Der irrationale Vorwurf oder Vorwand der Brunnenvergiftung hatte also einen materiellen Kern. Konnten sich durch die Ermordung der jüdischen Bürger viele doch auch der Zinszahlungen an ihre Gläubiger entledigen.

Im Faschismus war der Hafenmarkt erneut Ort der Gewalt gegen die jüdischen Einwohner Esslingens. Bei allen Deportationen nach Riga, Theresienstadt und in die Vernichtungslager hier der Sammelpunkt. Der Esslinger Verein Denk-Zeichen veranstaltet jährlich am 9. November am Hafenmarkt eine Gedenkfeier. Die Namen aller jüdischen Esslinger Opfer des Faschismus werden dabei verlesen.

Erst 1365 durften sich Juden wieder in Esslingen niederlassen, v.a. deshalb weil die Stadt auf die „Judensteuern“ nicht verzichten wollte. In der Folgezeit waren sie zahlreichen Schikanen ausgesetzt.

Im Jahre 1530 wurden die Esslinger Juden erstmals ghettoisiert. Diese „Judengasse“ wurde 1937 von den Faschisten, um jegliche Erinnerung an die jüdische Geschichte auszulöschen, in Schmale Gasse umbenannt, wie sie bis heute heißt.

Da von den Faschisten als Lagerplatz missbraucht, sind auf dem alten jüdischen Friedhof in der Beutau nur noch wenige Grabsteine zu sehen. Die meisten wurden zerstört. Der Friedhof wurde im Jahre 1807 geweiht und 1874 wegen Platzmangels und wegen der bezüglich der jüdischen Bestattungsvorschriften ungünstigen Bedingungen aufgegeben.

Stolperstein für Elsbeth Süsskind
Die Esslinger Synagoge im Heppächer bestand seit 1819. Neben dem Gottesdienstraum bot er seit 1847 auch Platz für Jugendliche des Israelitischen Waisenhauses.

Äußerlich unbeschadet, die örtlichen faschistischen Funktionäre fürchteten bei Brandlegung wohl ein Übergreifen auf andere Altstadthäuser, wurden die Innenräume der Synagoge am Morgen nach der Pogromnacht, am 10. November 1938, völlig zerstört. Die gesamte Inneneinrichtung, der Thoraschrein mit seinen wertvollen Schriftrollen wurden zerstört; Kultgegenstände vernichtet oder geraubt. Das Haus wurde zu einem HJ-Heim umgebaut. Nach der Befreiung diente es kurze Zeit für Angehörigen der US-Armee wieder als Synagoge, in späteren Jahren wurde es als Jugendhaus und Kunstgalerie genutzt. Seit 2012 ist das Gebäude nach 73 Jahren wieder Synagoge und wird von der neugegründeten jüdischen Gemeinde für Gottesdienste, Veranstaltungen und Treffen genutzt.

Einige andere Orte sind für Geschichte des jüdischen Esslingen von Bedeutung. Zu nennen ist besonders das ehemalige Israelitische Waisenhaus, geleitet von dem weithin beachteten Pädagogen Theodor Rothschild, der 1944 im KZ Theresienstadt umkam.

Auch lohnt ein Rundgang zu den mittlerweile 40 Stolpersteinen in Esslingen, die dem Gedächtnis der jüdischen, kommunistischen und „Euthanasie“-Opfern des Faschismus gewidmet ist.

Die Esslinger VVN-BdA führt mit ihrem Kameraden Gerhard Voss gerne weitere Stadtführungen durch das jüdische Esslingen an. Bei Interesse bitte melden.

Dem antifaschistischen Rundgang durch das jüdische Esslingen soll bald eine Führung durch das rote / gewerkschaftliche Esslingen folgen.

Jens David

Fotos: Johannes Beck

Literatur:

Bergdolt, Klaus (2006): Die Pest. Geschichte des Schwarzen Todes, Verlag C.H. Beck, München.

Hartmann, Lukas (1992): Die Seuche, Diogenes Verlag, Zürich.

Hirsch, Rudolf / Schuder Rosemarie (1999): Der gelbe Fleck. Wurzeln und Wirkungen des Judenhasses in der deutschen Geschichte, PapyRossa Verlag, Köln.

Schild, Thomas R. (2003): Jüdisches Esslingen. Einladung zu einem Rundgang, 3. Aufl. 2015, Verlag Medien und Dialog Klaus Schubert, Haigerloch.

VVN-BdA: Solidarität mit Kritikern eines AfD-Aktivisten in einer Karlsruher Hochschulleitung

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der AntifaschistInnen (VVN-BdA) Kreisvereinigung Karlsruhe bezieht sich auf den ZEITonline-Artikel vom 28. Dezember 2015 „Feigenblätter über Karlsruhe“, die Online-Ausgabe eines ZEIT-Artikels vom 3. Dezember. Darin wird über den Protest von Studierenden und Wissenschaftlern über die AfD-Aktivitäten von Dr. Marc Jongen, dem persönlichen Assistenten des Rektors der Karlsruher Hochschule für Gestaltung (HfG) Prof. Peter Sloterdijk, berichtet.

Dr. Jongen ist stellvertretender Sprecher und Programmkoordinator der AfD Baden-Württemberg und Mitglied der AfD-Bundesprogrammkommission, das heißt ideologischer Vormann einer fremdenfeindlichen, rechtsnationalen Partei mit Verbindungen zur Neonazi-Szene. Als persönlicher Assistent des Rektors ist Dr. Jongen Mitglied des HfG-Senats, Leiter des HfG-„International Office“ und Herausgeber der Schriftenreihe „HfG Forschung“.

Zehn besorgte WissenschaftlerInnen der Buchreihe „HfG Forschung“ haben in einem öffentlichen Brief am 4. Dezember „Gegen die Salonfähigkeit neuer Rechter in der HfG“ verlangt, Dr. Jongen als Herausgeber abzulösen.

In der ZEIT wurde berichtet, dass sich der Rektor auf ausdrückliche Nachfrage nicht äußern wollte. Kurz darauf wurde jedoch in der Presse eine Stellungnahme des Rektors bekannt. In dieser stellte er sich hinter seinen AfD-Aktivisten. Perfide. Nicht nur wegen der Argumentation („AfD verfassungskonform“, „Mitgliedschaft reine Privatsache“) sondern auch wegen der Auskunftsverweigerung gegenüber der ZEIT. Das ist mit den Aufgaben des Rektors einer öffentlichen Bildungseinrichtung völlig unvereinbar.

Dr. Jongen dreht den Spieß inzwischen nach rechtspopulistischem Muster um und bewertet auf Facebook die Aktion an seiner Hochschule als Diffamierungskampagne gegen ihn, die das zweifelhafte Demokratieverständnis der Drahtzieher offenbare. Nach den Badischen Neuestens Nachrichten vom 9. Dezember setzt er noch einen drauf. Dort spricht er von Gesinnungsdiktatur und fühlt sich an die „Unterdrückungsmechanismen“ erinnert, „wie man sie von totalitären Regimen kennt“.

Als Organisation der nach der Befreiung vor 70 Jahren gegründeten Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes melden wir uns zu Wort, weil wir bundesweit über den Fall aufklären wollen und um unsere Solidarität mit den Kritikern zu bekunden.

Die Kritiker in die Ecke eines zweifelhaften Demokratieverständnisses zu stellen, Unterdrückungsmechanismen in totalitären Regimen gleichzustellen und damit einschüchtern zu wollen, erinnert fatal an die Methoden, die den Untergang der Weimarer Demokratie begleitet haben, mit den bekannten furchtbaren Folgen.

Positiv hervorheben möchten wir Prof. Beat Wyss von der HfG Karlsruhe, der ebenso wie die zehn benannten WissenschaftlerInnen der Buchreihe mit Prof. Friedrich von Borries aus Hamburg verantwortungsbewusst handelt. Solche Menschen sind Vorbilder für die Studierenden.

Wie der SWR am 22. Dezember meldete, ist Rektor Sloterdijk inzwischen in den Ruhestand getreten, nicht ohne vorher Jongens Vertrag zu entfristen. Sein Nachfolger tritt im Februar den Dienst an. Der AStA plant eine Vollversammlung der Studierenden im Januar, um über etwaige Protestaktionen zu beraten.

Besonders die in verantwortlichen Positionen tätigen WissenschaftlerInnen in Rektoraten und Senaten der Hochschulen haben eine Vorbildfunktion für die Studierenden und sind gehalten, alle Entscheidungen im Interesse des Bildungsauftrags der öffentlichen Hochschulen für Demokratie, Gerechtigkeit und Frieden aktiv zu gestalten. Dieser Bildungsauftrag wird in der HfG Karlsruhe aufgrund der vorgenannten Vorkommnisse verletzt. Im Allgemeininteresse muss diese Verletzung geheilt werden.

VVN-BdA begrüßt das NPD-Verbotsverfahren

Die VVN-BdA begrüßt ausdrücklich die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, das Verfahren über die Anträge des Bundesrates zum Verbot der NPD durchzuführen. Dadurch ist deutlich geworden, dass eine Mehrheit des zuständigen zweiten Senats keine Verfahrenshindernisse sieht. Aus der mitgeteilten Verhandlungsgliederung und des Umstandes, dass für den 1.-3. März 2016 nur drei Verhandlungstermine angesetzt wurden, kann man auf eine realistische Erfolgschance schließen.

Das Gericht wird sich u.a. mit den Fragen des „ethnischen Volksbegriffes“ der NPD, ihrer Stellung zu Ausländern, Asylbewerbern und Migranten, ethnischen und religiösen Minderheiten sowie ihres Antisemitismus beschäftigen.

Ein weiterer Schwerpunkt wird ihr „strategisches Konzept“ inklusive ihrer Auseinandersetzung mit politischen Gegnern und ihrer Vernetzung mit „freien Kräften“, bilden.

Der Beschluss kommt zu einer Zeit, in der die NPD sich wieder im Aufwind sieht. Die NPD ist nach wie vor die wichtigste Organisationsstruktur des deutschen Neofaschismus. Zur Zeit liefert sie vor allem die Argumentationen für eine Welle des Hasses und der Gewalt gegen Flüchtlinge insbesondere in ihren ostdeutschen Hochburgen. Ihre Aktivisten stecken hinter zahlreichen rassistischen Initiativen.

Die VVN-BdA sieht sich in ihren langjährigen Bemühungen, zuletzt mit der Kampagne „nonpd – NPD-Verbot jetzt!“, bei der sie u.a. bereits 2007 175.000 Unterschriften gesammelt hatte, bestätigt.

Unabhängig von Verlauf und Ausgang des Verfahrens bekräftigt die VVN-BdA ihre Auffassung, dass neofaschistischen Gruppierungen generell und der NPD im besonderen als ihrem aktuellen organisatorischen Kern kein Anspruch auf Legalität zukommt.

Cornelia Kerth, Axel Holz
Vorsitzende

Quelle: Pressemitteilung 8.12.2015, via VVN-BdA Esslingen

Erklärung der VVN-BdA zu den Anschlägen von Paris: Liberté – Égalité – Fraternité

Erklärung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der AntifaschistInnen (VVN-BdA) zu den Anschlägen von Paris:

Liberté – Égalité – Fraternité
Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit müssen als Maßstab für ein menschenwürdiges Leben gegen Salafisten, Antisemiten, Rassisten und Faschisten, gegen PEGIDA und und andere reaktionäre Bewegungen verteidigt werden.

Die VVN-BdA spricht den Angehörigen der bei den Anschlägen in Paris Gemordeten ihr tief empfundenes Mitgefühl aus. Auch diese Anschläge machen deutlich, dass die Attentäter Menschenverachtung und Demokratiefeindlichkeit mit jenen teilen, die ihre Taten zum Anlass nehmen, nach einem autoritären Staat zu rufen. Dagegen stehen wir mit Millionen Menschen in Europa für die Verteidigung einer solidarischen Gesellschaft, in der die Errungenschaften der Französischen Revolution, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, als Maßstab für eine Gesellschaft gelten, die allen Menschen ein menschenwürdiges Leben ermöglicht. In diesem Sinne kämpfen wir weiter für gleiche Rechte für alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft und für eine Welt des Friedens und der Freiheit, in der Menschen nicht länger gezwungen werden vor Verfolgung, Krieg und Terror, vor gnadenloser Ausplünderung und den Folgen des Klimawandels zu flüchten. Den „Krieg gegen den Terror“ auszuweiten, wie es jetzt immer wieder gefordert und angekündigt wird, ist nicht die Lösung, sondern kann nur zu weiterer Esklalation der Kriege und zu weniger Freiheit führen. Die beste Verteidigung des humanistischen Erbes Europas ist, es für alle Menschen erfahrbar zu machen.

Französische Fassung:
Liberté – Égalité – Fraternité
Liberté, égalité et fraternité doivent être défendues comme référence pour une vie en dignité contre des salafistes, des antisémites, des racistes et fascistes, contre PEGIDA et tout autre mouvement réactionnaire.

La VVN-BdA exprime ses condoléances aux familles des victimes de l’attaque meurtrière à Paris. Une fois de plus, ces attaques manifestent le mépris des hommes et l’hostilité à l’égard de la démocratie que les assassins partagent avec ceux qui veulent en profiter pour réclamer un état autoritaire. Ensemble avec des millions d’Européens nous allons défendre avec toute détermination les conquêtes de la révolution française comme référence pour une société solidaire qui permettra a chacun et chacune de vivre en dignité. C’est dans ce sens que nous continuons notre lutte pour les mêmes droits pour tous et toutes, n’importe leurs origines et pour un monde dans la paix et la liberté, qui n’obligera plus les hommes de prendre la fuite de persécution, guerres et terreur, d’exploitation sans merci et des conséquences du changement de climat. L’approfondissement de la „guerre contre le terrorisme“ comme il est maintenant souvent proposé et déclaré accroîtra les guerres et restreindra la liberté. La meilleure défense de l’héritage humaniste de l’Europe sera de permettre à tous d’en faire l’expérience.