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"An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern." Erich Kästner

Stuttgart: Veranstaltungsreihe zum internationalen Frauenkampftag

Veranstaltungsplakat
Auch dieses Jahr wird weltweit wieder der internationale Frauenkampftag begangen um auf gesellschaftliche Strukturen hinzuweisen, die Frauen auf besondere Weise diskriminieren. Der 8. März 2014 reiht sich damit in die Geschichte des Frauenkampftages ein und ist Anlass für die Frauengruppe Stuttgart verschiedene Veranstaltungen zu organisieren:

Ab 21. Februar Ausstellung zum Thema Frauen im Widerstand

Am 28. Februar, 19:00 Filmabend über Frauen in der ELZN
Der Aufstand der EZLN am 1. Januar 1994 stellt für die zapatistischen Frauen einen Wendepunkt dar. In Kooperativen, in kirchlichen Frauengruppen, in Theatergruppen usw. organisieren sich die chiapanekischen Frauen und nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand. Schritt für Schritt setzen sie sich zur Wehr in ihrem Alltag und verteidigen ihre Dörfer gegen die Militärs. Landarbeiterinnen, Lehrerinnen, Gläubige, Kunsthandwerkerinnen, Künstlerinnen, Hebammen, sie alle suchen ausgehend von ihrer eigenen Wirklichkeit nach einer besseren Zukunft.

Tierra de mujeres - Land der Frauen zeugt von diesen Entwicklungen. Vor dem Hintergrund ausdrucksstarker Bilder berichten die Frauen selbst von ihrem Leben, ihren Schwierigkeiten und Ängsten, ihren Hoffnungen.

Frauengruppe Stuttgart

Ort: Linkes Zentrum Lilo Herrmann

Am 04. März, 19:00 Vortrag über Frauen im Stuttgarter NS-Widerstand

Wenn vom Widerstand gesprochen wird, fallen den meisten zuerst Männer ein. Es gab aber auch viele Frauen, die Widerstand geleistet haben. Allein in Stuttgart kennen wir Lilo Herrmann und Gertrud Müller. Im Vortrag geht es um die Rolle von Frauen im Widerstand. Der Bogen reicht von den Jugendlichen der Gruppe G, die Weiße Rose, den bürgerlichen Widerstandsgruppen wie der Kreisauer Kreis bis zu der Verschwörungsgruppe 20. Juli. Außerdem wird über die Bedingungen des Arbeiter/innen-Widerstands gesprochen werden.

Frauengruppe Stuttgart | VVN-BdA Kreisvereinigung Stuttgart
Ort: Linkes Zentrum Lilo Herrmann

Kundgebung erinnerte an den von Nazis in Göppingen ermordeten Johann Gahr

Rund 50 Menschen kamen zur Gedenkkundgebung am vergangenen Montag Abend vor den Marstall in Göppingen. Erinnert wurde an die Ermordung des Göppinger Antifaschisten Johann Gahr. Dieser wurde zum 20.1.1939 im damaligen Göppinger Oberamtsgefängnis von Nazischergen wahrscheinlich zu Tode gefoltert. Sein Tod wurde jedoch nie aufgeklärt und gesühnt. Die Rednerin Janka Kluge erinnerte an die antifaschistischen Tätigkeiten von Gahr. Dieser war in der Göppinger Arbeiterschaft bekannt und war maßgeblich an den Protesten gegen eine Versammlung der NSDAP 1922 beteiligt. Die Auseinandersetzungen wurden später als die "Schlacht am Walfischkeller" bekannt. Wichtig war ihr den Bogen zu Heute zu schlagen.

Deshalb warnte sie vor den neofaschistischen "Autonomen Nationalisten" in Göppingen. Die Erfahrung aus anderen Städten lehre "dass es um Einiges einfacher ist, das Entstehen einer organisierten rechten Szene zu verhindern, als erst zu reagieren, wenn diese Fuß gefasst haben." In diesem Zusammenhang betonte sie die Wichtigkeit der Zusammenarbeit aller Nazigegner ohne ein gegenseitiges Ausgrenzen. Denn ein antifaschistisches Bürgerfest in der Fußgängerzone habe genau den gleichen Sinn und Berechtigung wie die zivilen Blockaden einer möglichen Naziroute, wie es erst am vergangenen Samstag in Magdeburg praktiziert wurde. Denn Faschismus sei nach wie vor keine Meinung, sondern immer noch ein Verbrechen.

Als zweiter Redner wartete Klaus Maier-Rubner mit neuen Forschungsergebnissen auf. Er berichtete, dass Gahr 1936 vom Donzdorfer Oskar Schneider an den Stuttgarter Gestapo-Beamten Ludwig Thumm verraten wurde. Er habe ein illegales antifaschistisches Braunbuch weitergereicht. Erst dessen Stellvertreter Strehle ließ dann am 19.1.1939 fünf Göppinger Antifaschisten darunter Gahr verhaften. Dieser kam einen Tag später im Gefängnis zu Tode. Offizielle Todesursache sei Selbstmord gewesen. Seine Frau Margarete kannte jedoch einige Indizien dagegen, unter anderem wies Gahr an den Schläfen Schlagstockspuren auf.

Im Verfahren gegen Schneider wurde sein Tod nicht thematisiert. 1949 ermittelte die Göppinger Kripo, die Ergebnisse wurden jedoch nicht festgehalten, es kam zu keinem Gerichtsverfahren. Der damals im Gefängnis tätige Wachtmeister Keckeisen wurde jedoch im Zusammenhang von Gahrs Tod der Falschaussage überführt, entzog sich aber weiteren Ermittlungen durch Selbstmord.

Abschließende und sehr persönliche Worte aus dem Leben ihrer Familie fand Sonja Müller, die aus Bayern angereiste Enkelin von Gahr. Sie bedankte sich bei allen Besuchern und den Veranstaltern für das Gedenken an ihren Großvater. Zur Kundgebung hatte die VVN-BdA und die Antifaschistische Gruppe Göppingen aufgerufen.

Quelle: Pressemitteilung, via VVN-BdA Esslingen. Siehe auch "Johann Gahr, wir haben an dich gedacht!"

Zu Tode gefoltert? Kundgebung zum Gedenken an die Ermordung des Johann Gahr

Flyer zur Kundgebung
Am 20.1.1939 kam Johann Gahr im damaligen Oberamtsgefängnis Göppingen im Verhör zu Tode. Mehrere Indizien sprechen dafür, dass die Nazis sich an dem bekannten Göppinger Antifaschisten rächten. Vor der heutigen Jugendarrestanstalt ist im Pflaster ein sogenannter Stolperstein für ihn eingelassen. Zu einer Aufklärung über seinen Tod ist es nie gekommen.

Deshalb laden die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten Kreisvereinigung Göppingen (VVN-BdA) und die Antifaschistische Gruppe Göppingen zu einer Gedenkkundgebung ein. Diese findet am Montag, den 20.1. um 20 Uhr statt. Versammlungsort ist vor der Jugendarrestanstalt, oberhalb der Pfarrstraße. Es werden reden: Janka Kluge, die Landessprecherin der VVN-BdA, Klaus Maier-Rubner von der Stolpersteininitiative Göppingen sowie Sonja Müller, die Enkelin von Gahr. Herr Maier-Rubner wird seine neuesten Forschungsergebnisse präsentieren. Darunter zum ersten Mal für die Öffentlichkeit, wie es durch Denunziation zur Verhaftung von Gahr gekommen ist und wer daran beteiligt war.

Wer war Johann Gahr? Johann Gahr galt als Autoritätsperson in der Göppinger Arbeiterschaft. Er war maßgeblich an den Protesten gegen eine Versammlung der NSDAP im Dezember 1922 beteiligt. Die Blockade des Veranstaltungsortes und das Vertreiben des aus München angereisten SA-Trupp wurde später als Schlacht am Walfischkeller bekannt. Verhaftet wurde der damalige Rentner wegen "Vorbereitung zum Hochverrat": Er habe eine antifaschistische Schrift weitergereicht. Ein Tag später war er tot, Selbstmord durch Erhängen lautete die offizielle Erklärung. Sein Frau schrieb 1946 ans Amt für Wiedergutmachung, niemand in der Göppinger Bevölkerung glaube daran. Sie nennt mehrere Hinweise, darunter Schlagstockspuren am Kopf der Leiche ihres Mannes.

Via VVN-BdA Esslingen. Mehr Information


Siehe auch:

• Stuttgarter Zeitung: Denunziert und zu Tode gequält
• Göppinger Kreisnachrichten - NWZ: Unter ungeklärten Umständen zu Tode gekommen

Presseerklärung zur Ehrenbürgerschaft der Nazitäter Wilhelm Murr und Christian Mergenthaler in Kirchheim

Flyer zum Themenabend, der am 28. März des Jahres in Kirchheim stattfand
Am 29. August erschien unter anderem in der "Esslinger Zeitung" unter dem Titel „Kommt der Aberkennung gleich“ und dem "Teckboten" eine von der VVN-BdA veröffentlichte Pressemitteilung, die hier vollständig dokumentiert wird:

VVN-BdA Esslingen, IG Metall und DGB Kirchheim erklären zur Ehrenbürgerschaft der Nazitäter Wilhelm Murr und Christian Mergenthaler in Kirchheim:

Die Stadt Kirchheim hat den Text der von ihr im Internet veröffentlichten Liste der Kirchheimer Ehrenbürger geändert. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten sowie die IG Metall und der Deutsche Gewerkschaftsbund begrüßen das.

Bislang erweckte die Kirchheimer Ehrenbürgerliste mit den darauf verzeichneten Nationalsozialisten Murr und Mergenthaler den Anschein, als seien diese auch weiterhin Ehrenbürger von Kirchheim, lediglich mit der Besonderheit, dass sie, wie es im Text hieß, „aus heutiger Sicht“ nicht noch einmal zu Ehrenbürgern ernannt würden - gerade so, als sei die Ernennung „aus damaliger Sicht“ in Ordnung gewesen. Das war sie jedoch nicht: Murr und Mergenthaler waren von Anfang an fanatische Antisemiten und Murr zudem auch noch einer der Hauptverantwortlichen für die Ermordung behinderter Menschen im damaligen Württemberg. Die Ernennung Murrs und Mergenthalers zu Ehrenbürgern war also auch „aus damaliger Sicht“ nicht in Ordnung - genauso, wie überhaupt der ganze Nationalsozialismus zu keinem Zeitpunkt jemals in Ordnung gewesen ist. Die halbherzig klingende Erklärung, dass Murr und Mergenthaler die Ehrenbürgerwürde „aus heutiger Sicht“ nicht mehr verliehen würde, stieß daher weithin auf Unverständnis.

Die Stadt Kirchheim hat Murr und Mergenthaler die Ehrenbürgerwürde allerdings nicht aberkannt. Sie beruft sich auf den in Juristenkreisen vertretenen Rechtsstandpunkt, dass die Ehrenbürgerwürde als persönliches Recht nur lebenden Personen verliehen oder aberkannt werden könne. In der kommunalen Praxis findet diese Rechtsansicht jedoch so gut wie keine Beachtung und nahezu alle Gemeinden haben den Nationalsozialisten unter den Ehrenbürgern symbolisch diese Würde als Akt der öffentlichen Distanzierung aberkannt. Eine solche Aberkennung der Ehrenbürgerwürde ist - ob rechtlich zulässig oder nicht - eine aus unserer Sicht heraus unbedingt notwendige, klare politische Stellungnahme.

Die Stadt Kirchheim hat jetzt zum Ausdruck gebracht, dass sie Murr und Mergenthaler die Ehrenbürgerwürde nur deshalb nicht aberkannt habe, weil sie bereits verstorben seien. Wäre das Ehrenbürgerrecht nicht durch ihren Tod erloschen, dann wäre Murr und Mergenthaler das Ehrenbürgerrecht aberkannt worden. Diese Erklärung kommt im Ergebnis einer Aberkennung gleich. Mit der darin zu sehenden Distanzierung von ihren nationalsozialistischen Ehrenbürgern hat die Stadt dem Wunsch weiter Kreise der Bevölkerung entsprochen, was unter anderem der Tatsache entnommen werden kann, dass über einhundertsechzig Bürger und Bürgerinnen aus Kirchheim und von außerhalb sich durch ihre Unterschrift dafür ausgesprochen hatten, dass der Text der Kirchheimer Ehrenbürgerliste abgeändert werden solle.

Pressemitteilung der VVN-BdA Kreisverband Esslingen zur Blockadekonferenz in Esslingen

Der Esslinger Kreisverband der VVN-BdA ist Träger der Konferenz „Hinschauen. Aufstehen. Handeln“ zu Chancen, Grenzen und Perspektiven antifaschistischer Blockaden, die am Samstag den 31. August in Esslingen im KOMMA stattfindet.

Ab 17 Uhr gibt es die Möglichkeit, sich in Workshops über die Extremismustheorie auszutauschen oder zum Beispiel der Frage auf den Grund zu gehen, was Blockaden mit zivilem Ungehorsam zu tun haben.

Ab 19 Uhr beginnt dann die Podiumsdiskussion mit der Vizepräsidentin des Thüringer Landtages Astrid Rothe-Beinlich, dem DGB Extremismusexperten Sandro Witt, dem Sprecher des Stuttgarter Bündnisses für Versammlungsfreiheit Thomas Trüten sowie weiteren gesellschaftlichen Akteuren.

Umrahmt wird diese Konferenz von einer Ausstellung über antifaschistische Proteste und Blockaden der letzten Naziaufmärsche in der Region.

"Wir freuen uns auf eine spannende Konferenz und hoffen, einen Beitrag leisten zu können, den notwendigen antifaschistischen Protest in die Gesellschaft zu tragen", so Lara Wendel, eine Sprecherin des Vorbereitungskreises für die Blockadekonferenz.

Bündnistreffen: Gemeinsam gegen den Naziaufmarsch am 12. Oktober in Göppingen

Für den 12.Oktober 2013 planen Faschisten wieder einen Aufmarsch in Göppingen. Unter dem Deckmantel einer angeblichen "Kapitalismuskritik" wollen sie zum wiederholten Male ihre menschenverachtende Hetze auf die Straße tragen.

Auch vergangenen Oktober versuchten die Faschisten durch Göppingen zu marschieren. Ein antifaschistisches Bündnis rief damals zur Blockade des Aufmarsches auf. Durch den entschlossenen Widerstand mehrerer hundert AntifaschistInnen musste die Nazidemonstration letztlich nach einer Kürzung der Route abgebrochen werden.

An diesen Teilerfolg möchten wir anknüpfen und auch in diesem Jahr gemeinsam vielfältige Gegenproteste organisieren. Aus diesem Grund laden wir euch zu einem ersten Bündnistreffen zur Koodinierung der Proteste ein. Dieses wird am 31. Juli 2013 um 19 Uhr im Linken Zentrum Lilo Herrmann in Stuttgart (U1 / U14, Haltestelle Erwin-Schöttle-Platz) stattfinden.

Den Naziaufmarsch am 12.Oktober in Göppingen verhindern!

Antifaschistische Aktion (Aufbau) Stuttgart & VVN-BdA Kreisverband Esslingen

„Solange nicht jeder Mensch auf dieser Erde ein menschenwürdiges Leben führen kann, darf die Idee des Sozialismus nicht begraben werden.“

Ilse Werner bei der Feier anlässlich Alfred Haussers 100. Geburtstag

Foto: Thomas Trueten

Ilse Werner ist am vergangenen Freitag Morgen gestorben. Sie hat sich ihr Leben lang für die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der AntifaschistInnen (VVN-BdA) eingesetzt. Sie war die Lebenspartnerin des Mitbegründers der VVN-BdA, Alfred Hausser.

Die Esslinger Kreisvereinigung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der AntifaschistInnen (VVN-BdA) veröffentlichte auf ihrer Webseite die von Dieter Keller am 17. Mai 2013 gehaltene Trauerrede für Ilse Werner:

Danke Wilma Heuken für die gefühlvolle, musikalische Einleitung der Trauerfeier zur Feuerbestattung mit dem Lied „Brot und Rosen“ für Ilse Werner.

Brot und Rosen, dieses Lied ist entstanden im Jahre 1912 bei einem Streik von 14.000 Textilarbeiterinnen in den USA. Der Streik richtete sich gegen Hungerlöhne, Kinderarbeit und soziale Armut. Es symbolisiert: Wir brauchen Brot als Voraussetzung für ein Leben ohne Hunger und Armut. Darüber hinaus Rosen um ein besseres, selbst bestimmtes Leben führen zu können.

Brot und Rosen schmücken den Sarg unserer verstorbenen Genossin, Kommunistin, Kameradin der VVN/BdA, unserer Freundin und Cousine, Ilse Werner. Brot und Rosen umreißen auch das Lebenswerk von Ilse.

Liebe Trauergemeinde,
Ilse Werner am 7. Dezember 1927 in einem sozialdemokratisch orientierten Elternhaus geboren. Sie verstarb nach kurzer schwerer Krankheit am 10. Mai. Also an jenem Tag, wo vor 80 Jahren die Bücherverbrennungen in Deutschland stattfanden und zwei Tage wo vor 68 Jahren Deutschland vom Faschismus befreit wurde. Heute können Neonazis über Jahre unentdeckt, gedeckt wieder mordend durch Deutschland ziehen.

Als Kind und Jugendliche erlebte Ilse die Machtübertragung auf Hitler mit all seinen grausamen Folgen. Ihr Vater und einziger Bruder sind im Krieg nach offizieller Version „gefallen“. Ihre Schulzeit, acht Jahre Volksschule von 1934 – 1942. Ein Pflichtjahr und kaufmännische Lehre bei AEG erlebte sie im Faschismus und sie musste deren faschistische Ideologie und Propaganda über sich ergehen lassen.

Dies alles prägte das weitere Leben und Arbeit von Ilse nach Beendigung von Faschismus und Krieg.

Im Juli 1945 bekam sie übers Arbeitsamt, Arbeit bei der Rückführungsstelle für ehemalige politische Häftlinge. Dort lernte sie auch ihren späteren Ehemann Hermann Werner kennen. Sie trat seit dieser Zeit dafür ein dass:

die faschistischen Verbrechen nicht verschwiegen, verdrängt oder gar ins Gegenteil verkehrt und die Opfer nicht vergessen werden. Dass die Opfer und ehemaligen Zwangsarbeiter Wiedergutmachung erhalten.
Sie bekämpfte leidenschaftlich faschistische, rassistische Ideen und Handlungen.

Das Kampffeld gegen Faschismus und Krieg war für Ilse Lebensmittelpunkt und Arbeitsschwerpunkt.

Die Würdigung von Ilse durch die VVN/BdA wird im Anschluss von der Bundesvorsitzenden Cornelia Kehrt vorgenommen.

Ilse Werner, das sind mehr als 60 Jahre Mitglied und aktiv in der kommunistischen Partei. Zunächst in der KPD, die ja heute noch widerrechtlich verboten ist, in die sie 1950 eintrat. Seit 1968 in der DKP, in der sie viele Funktionen inne hatte. Sie trat dafür ein, dass alle Menschen ohne Hunger, Not, Unterdrückung und Krieg leben können. Sie sah im kapitalistischen Profitstreben die Wurzel allen Übels und wollte eine Welt in der nicht das kapitalistische Profitprinzip, sondern die Menschen im Mittelpunkt aller Dinge stehen. Ihr Motto lautete:

„Solange nicht jeder Mensch auf dieser Erde ein menschenwürdiges Leben führen kann, darf die Idee des Sozialismus nicht begraben werden.“

Ilse Werner, das sind ebenso viele Jahre Engagement für Frieden, gegen Wiederaufrüstung und Remilitarisierung, Kampf gegen den Atomtod und gegen die Stationierung der US-amerikanischen Mittelstreckenraketen in Europa, gegen den Krieg in‚ Vietnam und bei den Ostermärschen. In den Anfangsjahren hat sie diese mit organisiert.

Ilse Werner, das sind ein Leben für die Rechte der Frauen. Insbesondere innerhalb der Naturfreundebewegung. 1956 wurde sie Mitglied der Naturfreunde. Von 1957 bis 1990 war sie 33 Jahre lang Leiterin der Stuttgarter Frauengruppe der Naturfreunde.

Ebenfalls 1956 wurde Ilse Werner Mitglied im „Clara Zetkin Waldheim“ Dort war sie in verschiedenen Funktionen unermüdlich aktiv. Sie wirkte für das Vermächtnis Clara Zetkins, ihr grosses Vorbild. Das Waldheim „Clara Zetkin“ wurde und war die zweite Heimat von Ilse.

Es war der große Wunsch von Ilse, dass wir uns nach Abschluss der Trauerfeier im Clara Zetkin Haus in Sillenbuch treffen. Dazu möchte ich Sie/Euch in ihrem Namen recht herzlich einladen. Dort werden und können weitere Nachrufe und Würdigungen für Ilse erfolgen.

In einem Nachruf auf Ilse Werner darf in keinem Fall fehlen, ihr unermüdliches, soziales Engagement. Davon zeugt ihre 67 jährige Mitgliedschaft in der Gewerkschaft. Ihre langjährige Tätigkeit als 2. Vorsitzende des VDK in Rohracker und ihre Mitarbeit im Krankenpflegeverein.

Über Jahre hinweg pflegte Ilse ihre schwerkranke Mutter. Mehr als drei Jahre fuhr sie jeden Tag ins Pflegeheim und half ihrer Mutter beim Überleben.

1950 mit 23 Jahren heiratete sie ihren Mann Herrmann Werner. Er verstarb 1975. Bis zu seinem Tode pflegte Ilse sieben Jahre lang ihren schwerkriegsgeschädigten Hermann.

9 Jahre später starb ihr Lebensgefährte, Genosse und Widerstandskämpfer Alfred Lauterwasser.

1987 hat sie sich mit dem für uns unvergessenen Alfred Hausser liiert. 1999 bezogen sie gemeinsam ihre Wohnung. Der gemeinsame antifaschistische Kampf, die gemeinsame Tätigkeit bei der VVN brachte beiden persönliche Zuneigung und Glück. Aber auch Alfred wurde krank und bedurfte ihrer liebenvollen Pflege.

Wie Ilse diese persönlichen Rückschläge verkraftete und wie sie dies alles schaffen konnte ist bewundernswert und zeugt von der Kraft und Überzeugung dieser bewundernswerten Frau und Genossin.

Erst mit ihrem Einzug ins Augustinum auf dem Killesberg vor zwei Jahren hatte sie das Glück, dass sich andere um sie kümmerten. Wir hätten ihr gegönnt dass dies noch viele Jahre so anhält. Doch ihr
Tod lies das nicht mehr zu.

Die Gedenkfeier zum 100. Geburtstag von Alfred Hausser, organisiert von der VVN/BdA, war für Ilse wie sie in ihrer Neujahrsanzeige in der UZ der sozialistischen Wochenzeitung der DKP schrieb. „der Höhepunkt 2012 und hat (ihr) viel Kraft gegeben.“

Wie werte Trauergemeinde, soll man eine solche Frau charakterisieren?

Ilse hat sich selbst nie geschont. Sie war keine Mitläuferin, sondern stets aktiv und Antriebsmotor. Sie überzeugte, weil sie selbst von dem überzeugt war, was sie sagte und danach auch handelte. Dabei nahm sie kein Blatt vor den Mund. Sie war freundlich konnte aber auch resolut zugleich sein.

Ihr Wort hatte Gewicht. Auf sie war Verlass. Sie war konsequent, gründlich, genau, verantwortungsbewusst und die Zuverlässigkeit in Person. Sie war ein wandelndes Geschichtslexikon. Wenn sie aus dem eigenen Wissen heraus eine konkrete Frage nicht beantworten konnte, genügte ein Griff in ihr Ordnungssystem um die Frage zu beantworten. Darin war sie perfektionistisch.

Sie hatte drei große Feinde: Den Kapitalismus, als Ursache von Krieg, Faschismus und Hunger in der Welt. Das Chaos und die Unzuverlässigkeit. Wenn jemand oder irgendwas diesen ihren hohen Ansprüchen nicht entsprach, so konnte sie auch bruddeln. Ansonsten war sie immer sehr freundlich, herzlich, hilfbereit, humorvoll.

Sie feierte gerne. Nicht nur in ihrer damaligen Mietwohnung in Rohracker, sondern auch in den beiden Waldheimen und anderswo wurde manche auch spontane Fete mit ihr gefeirt. Von ihr initiert oder und auch organisiert. Dabei Arbeiter, Kampf und Wanderlieder gesungen.

Die bereits von mir erwähnte Neujahrsanzeige von Ilse in der UZ wird eingeleitet mit folgenden Zeilen von Louis Fürnberg:

Unser Leben ist nicht leicht zu tragen,
nur wer fest sein Herz in seinen Händen hält,
hat die Kraft zum Leben Ja zu sagen
und zum Kampf für eine neue Welt.

Ja Ilse, dein Leben, so schön es oft war, war nicht leicht zu tragen. Du hattest dein Herz in festen Händen und „die Kraft zum Leben Ja zu sagen und zum Kampf für eine neue Welt.“ Du warst Vorbild, eine großartigen Frau, Genossin und Kampfgefährtin. Dafür danke ich dir persönlich von ganzem Herzen. Ich bin überzeugt dies auch im Namen der gesamten Trauergemeinde zu tun.

Wenn zum Abschluss auf deinen ausdrücklichen Wunsch „Die Internationale“ erklingt, dann wird klar, du warst eine überzeugte Kommunistin und Internationalistin. In Zukunft müssen wir dieses Lied ohne deine kraftvolle Stimme singen. Aber wir versprechen dir, wir werden diesen Weg in deinem Sinne weiter gehen. In unseren Liedern, Herzen und Kämpfen wirst du weiter leben.

Für dich liebe Ilse als Zeichen meines Dankes zu Brot und Rosen, die Rote Nelke die unsere Kämpfe immer begleitet hat.

Stuttgart: Nachruf auf Ilse Werner

Ilse Werner bei der Feier anlässlich Alfred Haussers 100. Geburtstag

Foto: Thomas Trueten
Ilse Werner ist am vergangenen Freitag Morgen gestorben. Sie hat sich ihr Leben lang für die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der AntifaschistInnen (VVN-BdA) eingesetzt. Sie war die Lebenspartnerin des Mitbegründers der VVN-BdA, Alfred Hausser. Cornelia Kerth erklärt in einem Nachruf für die Bundesvereinigung der VVN-BdA:

Am 10. Mai ist unsere Kameradin Ilse Werner in ihrer Heimatstadt Stuttgart gestorben.

Wir alle kannten sie nicht nur als Lebensgefährtin unseres unvergessenen Alfred Hausser, sondern als aktive Antifaschistin und Streiterin für eine neue Welt des Friedens und der Freiheit, die seit früher Jugend der VVN, später der VVN-BdA eng verbunden war.

Ilse ist 1927 geboren, erlebte ihre Schulzeit im „Dritten Reich“. Nach dem anschließenden Pflichtjahr trat sie eine kaufmännische Lehre bei der Firma AEG an, die bei der Befreiung endete; gleichzeitig endete ihre Beschäftigung. Ein sozialdemokratischer Freund ihres Vaters, dem sie bei einer Gewerkschaftskundgebung von ihrer Arbeitslosigkeit erzählte, schickte sie mit seiner Empfehlung zum Leiter des damaligen Arbeitsamtes. So kam sie zur "Rückführungsstelle für ehemalige politische Häftlinge“, einem Vorläufer der VVN. In dieser Zeit entstanden lebenslange Freundschaften. Dort lernte sie auch ihren späteren Ehemann, Hermann Werner kennen. Hermann Werner war einer der jüngsten Verfolgten in Stuttgart.

Als Hermann Werner starb, übernahm Ilse als seine Witwe seine Mitgliedschaft, und nicht nur das: Nachdem sie einige Jahre wegen der Pflege ihres Mannes nicht gearbeitet hatte, ist sie im Januar 1976 wieder in das Landesbüro der VVN-BdA zurückgekehrt. Der damalige Geschäftsführer Fritz Besnecker und Alfred Hausser konnten sie dafür gewinnen. Als Alfreds Sekretärin unterstützte sie seit damals seine Arbeit für die sozialen Interessen der ehemals Verfolgten.

Der Kampf um die Entschädigung wurde auch für Ilse zur Lebensaufgabe. Noch viele Jahre nach dem offiziellen Eintritt in den „Ruhestand“, kam sie mit Alfred täglich für einige Stunden in das Stuttgarter Büro, wo in den 1990er Jahren hunderte von Anfragen ehemaliger Zwangsarbeiter_innen, vor allem aus der ehemaligen Sowjetunion, bearbeitet werden mussten. Selbst im Urlaub gab es kein Ruhen: Jeden Morgen verbrachte sie mindestens eine Stunde mit Alfred beim Diktat – und sei es auf dem Balkon.

Ihr zweites großes Anliegen war die finanzielle Sicherung der VVN-BdA. Die Kassierung der Mitglieder und das Einwerben von Spenden lagen ihr sehr am Herzen und dabei hatte sie durchaus große Erfolge. Nicht selten spendete Ilse selbst größere Beträge, die zur Realisierung eines Vorhabens fehlten, ohne jedoch ihren Namen zu nennen.

Als Alfred Hausser zu Beginn der 1990er Jahre die Verantwortung für die weitere Existenz und organisatorische Umgestaltung der VVN-BdA übernahm, stand sie ihm zur Seite. Auf vielen Sitzungen begleitete sie ihn und wir lernten Ilse so als kluge und warmherzige Kameradin kennen, deren Beitrag für das gute Arbeitsklima gerade auch bei vielen inhaltlichen Diskussionen gar nicht hoch genug geschätzt werden konnte. Wir sind froh, dass sie noch an unserer Veranstaltung zum 100. Geburtstag von Alfred teilnehmen konnte und darin eine Anerkennung ihrer gemeinsamen Arbeit sah.

Neben der VVN-BdA war Ilse Werner noch in vielen anderen Organisationen und Vereinen aktiv: bei den Naturfreunden, in der DKP, im Waldheim Sillenbuch (Clara-Zetkin-Haus) und beim VdK. Überall hat sie bleibende Spuren hinterlassen.

Wir werden an Ilse denken, als Kameradin, als mütterliche Freundin, als großartige Frau.

Cornelia Kerth

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA)

Bundesvereinigung

Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin

Tel.: +49 (0)30-29784174, Fax: +49 (0)30-29784179

E-Mail: bundesbuero@vvn-bda.de

www.vvn-bda.de

Via VVN-BdA Kreis Esslingen

Ilse Werner lebt nicht mehr

Ilse Werner bei der Feier anlässlich Alfred Haussers 100. Geburtstag

Foto: Thomas Trueten
Ilse Werner ist am gestrigen Freitag Morgen gestorben. Sie hat sich ihr Leben lang für die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der AntifaschistInnen (VVN-BdA) eingesetzt. Sie war die Lebenspartnerin des Mitbegründers der VVN-BdA, Alfred Hausser.

Die VVN-BdA Esslingen erinnert mit einem Interview von Paul Bauer an sie.

Ilse Werner, Stuttgart -
Klar die kenn ich, das ist doch ...

von Paul Bauer

  • Die freundliche Kameradin vom Landesbüro, immer bereit einem mit Rat und Tat weiterzuhelfen
  • Die Frau von der LDK, die die Mitgliedsbücher kontrolliert und wehe "die Beitragsmärkle" fehlen
  • Mit der hab ich auch schon öfters telefoniert
  • Die Kameradin, die Neueintritte bearbeitet
  • Die Lebensgefärtin von Alfred Hausser

So oder ähnlich könnten die Antworten ausfallen, wenn man nach Ilse Werner fragt. Kaum einer auf Kreis- Landes- und Bundesebene, der nicht schon einmal mit Ilse zu tun hatte. Doch die wenigsten unserer Mitglieder wissen, daß Ilse über 31 Jahre, also fast ihr gesamtes Arbeitsleben, für die VVN-BdA haupt- und ehrenamtlich tätig war. Grund genug, da mal genauer nachzufragen:

Ilse, wie kommt ein junges Mädchen von 18 Jahren dazu, eine Stelle bei der VVN anzunehmen?
Ich bin 1927 geboren, also in der Zeit des Nationalsozialismus zur Schule gegangen. Nach der Schulzeit und dem Pflichtjahr trat ich eine kaufmännische Lehre bei der Firma AEG an, die bei der Befreiung endete und zugleich meine Entlassung war.Es war reiner Zufall, dass ich bei der ersten Gewerkschaftskundgebung in Stuttgart einen sozialdemokratischen Freund meines Vaters traf, der, nach dem ich ihn von meiner Arbeits-losigkeit informierte, mich mit seiner Empfehlung zum Leiter des damaligen Arbeitsamtes schickte. Dieser lies sich die offenen Stellen bringen, es waren ca. vier Kärtchen und beim durchblättern sagte er dann zu mir "Rückführungsstelle für ehemalige politische Häftlinge, das wäre doch was für Sie!" Ich hatte natürlich keine Ahnung was mich da erwarten würde, und noch viel weniger davon, dass dieser Schritt mein ganzes späteres Leben prägen würde. Durch die Arbeit bei der Rückführungstelle lernte ich viele Kameradinnen und Kameraden aus dem Widerstand gegen das Naziregime kennen. Mein Respekt und die Achtung vor diesen Menschen wurde täglich grösser. In dieser Zeit entstanden Freundschaften die bis heute währen. Damals lernte ich auch meinen späteren Ehemann, Hermann Werner kennen. Hermann Werner war einer der jüngsten Verfolgten in Stuttgart.

Was war dein Aufgabenbereich?
Seitenlange Erlebnissberichte mußten zu Papier gebracht werden. Die Schreibmaschine lief heiss! Alles mußte registriert und geprüft werden, wer nicht bekannt war, mußte Zeugen benennen, um seine Verfolgung durch das Naziregime zu dokumentieren u.s.w.. Nach der Befreiung vom Faschismus, galt es ausserdem den oftmals vor dem Nichts stehenden Verfolgten, in vielen Lebenslagen beizustehen, sei es bei der Beschaffung von Wohnraum, Möbel bis hin zur ärztlichen Betreuung. Über die Süddeutsche Ärzte- und Sanitätshilfe wurden Hilfsgüter aus der Schweiz verteilt, da war einfach alles gefragt, von Butter und Kartoffeln bis zu Töpfen oder ein Köfferle.

Kannst du kurz schildern wie die politischen und sozialen Verhältnisse zu dieser Zeit im " Ländle" waren?
In dieser Zeit, wo es buchstäblich an allem fehlte, entstanden sog. "Arbeitsausschüsse", dort haben sich die Verfolgten engagiert, weil sie das Vertrauen der Bevölkerung besassen. In jener Zeit waren Antifaschisten gefragt und wurden an vielen Orten als Bürgermeister, Landräte und sogar als Minister eingesetzt. Im März 1947 haben dann 68 Vertreter von den Verfolgten, aus allen vier Besatzungszonen, in Frankfurt die VVN als gesamtdeutsche Organisation der Widerstandskämpfer und Opfer des Faschismus gegründet. Am 17.Mai 1947 erfolgte die Gründung der VVN für das ehem. Land Württ.-Baden in Stuttgart. Kurze Zeit später kam es zur Gründung der Landesleitung der VVN, in der franz. Zone und mit Bildung des Landes Baden - Württemberg, entstand 1951 der gemeinsame Landesverband der VVN. In dieser Nachkriegsphase war die politische Tätigkeit unserer Organisation auf die Bestrafung und Entfernung der belasteten Nazis aus den Öffentlichen Ämtern orientiert.

Am 1. 10. 1975 wurdest du Mitglied in der VVN-BdA. Was waren deine Beweggründe in die Organisation einzutreten?
Ich hätte es schon 1945 getan, aber das ging ja damals noch nicht, dazu sage ich aber später noch etwas. Mein Ehemann ist im September 1975 verstorben. Als seine Witwe habe ich dann sozusagen, seine Mitgliedschaft sofort übernommen und nicht nur das, nach längerer Arbeitspause, bedingt durch die Pflege meines Mannes, bin ich im Januar 1976 wieder in das Landesbüro der VVN-BdA zurückgekehrt. Der damalige Geschäftsführer Fritz Besnecker und Alfred Hausser haben mich wieder geholt. - Übrigens, die Möbel und die Tapeten waren immer noch die gleichen wie 1950! Doch nun zurück zu deiner Frage, warum ich erst 1975 in die VVN-BdA eingetreten bin. Im Zuge der Studentenbewegung Ende der 60er Jahre änderte sich das politische Klima in der BRD. Junge bzw nicht direkt von der Nazizeit betroffene Menschen interessierten sich zunehmend für die Arbeit der VVN, die bis zu diesem Zeitpunkt eine reine Verfolgtenorganisation war. Auf dem Bundeskongress in Oberhausen im Jahre 1971 öffnete sich die VVN für diesen Interessentenkreis und änderte Satzung und Name in "Vereinigung der Verfolgten des Naziregime - Bund der Antifaschisten", so war es nun auch mir und vielen anderen Menschen möglich, Mitglied in unserer Organisation zu werden.

Mitte der 90er Jahre kam es in Baden-Württemberg zur Gründung von VVN - Jugend- gruppen. Was würdest du einem jungen Menschen antworten wenn er oder sie dich fragen würde: Antifaschismus - Ist das nicht schon längst überholt? Ist das überhaupt noch zeitgemäß?
Aber natürlich! Solange die Nazizeit in unserer Gesellschaft nicht aufgearbeitet ist, kann Antifaschismus gar nicht überholt sein. Im Gegenteil, unsere Organisation ist heute wieder bei den Aufgaben aus der Gründerzeit: NIE WIEDER FASCHISMUS - NIE WIEDER KRIEG! Die Frauen und Männer des Widerstandes, die Opfer des Faschismus hoffen auf die Jugend, damit ihr Vermächtnis nicht in Vergessenheit gerät. Dass nicht einfach ein Schlußstrich unter dieses schreckliche Kapitel unserer jüngeren Geschichte gezogen wird. Das heist im Klartext: Die Jugend ist die Zukunft der VVN-Bund der Antifaschisten. Mein Wunsch ist, daß viele Jugendgruppen zusammenfinden, die antifaschistische Arbeit weiterführen und dabei auch Spaß und Freude haben.

Ilse, du bist zum Jahresende 2001 nach 31-jähriger haupt- und ehrenamtlicher Arbeit aus dem Landesbüro in Stuttgart ausgeschieden. Wie fühlst du dich nun?
Ich betrachte dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Es ist schön, wenn um 6.30 der Wecker nicht mehr rasselt und man endlich auch mal Zeit für sich selbst hat. Aber es tut auch weh, dass meine Arbeit jetzt weitgehend durch den Computer ersetzt wird, denn der hat kein Herz!

Ilse, ich danke dir für das Gespräch.

Biographische Daten: Ilse Werner

  • Ilse Werner, geb. Steinle, am 7.12.1927 in Stuttgart geboren
  • Besuch der Volksschule von 1934 bis 1942 Pflichtjahr und kaufmännische Lehre bis 1945 bei AEG, Stuttgart
  • Ab 15.7.1945 beschäftigt bei der Rückführungsstelle für ehemalige politische Häftlinge
  • Ab 1948 Sekretärin von Alfred Hausser
  • 1950 - 1956 KPD
  • 1957 - 1967 selbstständige Sachbearbeiterin bei der Hamburg-Mannheimer Versicherung
  • 1968 - 1975 Pflege des schwerst kriegsbesschädigten Ehemannes
  • 1976 - 2001 haupt- und ehrenamtliche Tätigkeit im VVN-BdA Landesbüro, hauptsächlich für Wiedergutmachung, später Mitgliederverwaltung, Beitragseinzug und Entschädigung für Zwangsarbeit.
  • Neben der VVN-BdA ist und war Ilse Werner noch in vielen anderen Organisationen und Vereinen aktiv: bei den Naturfreunden (33 Jahre Leiterin der ersten Stuttgarter Frauengruppe), in der DKP für Orgarbeit, im Waldheim Sillenbuch (Wirtschaftsdienst und 40 Jahre als Revisorin), beim VdK im Stadtteil Schriftführerin, ...

 

Quelle: VVN-BdA Baden Württemberg.

Kundgebung zum Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg

8. Mai

Kundgebung zum

Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg

am Mahnmal für die Opfer des Faschismus

Stuttgart, Stauffenbergplatz am Alten Schloss / Karlsplatz

17.45 Uhr

mit:

  • Phillipp Vollrath, DGB Kreisvorsitzender Stuttgart
  • Janka Kluge, Landessprecherin der VVN-Bund der Antifaschisten
  • Vertreter/in des Sozialen Zentrums Lilo Herrmann
  • Lieder zur Gitarre von Werner Grimm

 

Via VVN-BdA Esslingen

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Last modified on 2013-05-04 07:38