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"Die Deutschen sind ein Volk, das im hohem Maße von der staatlichen Idee durchdrungen ist, dieser Geist war schließlich stärker als alle anderen Leidenschaften und hat in ihnen buchstäblich den Freiheitsdrang erstickt." Michail Bakunin

40 Jahre Massaker von My Lai

Am Morgen des 16. März 1968 überfiel eine US-Kompanie das Dorf My Lai, vergewaltigte Frauen und ermordete 503 Bewohner, vom Kleinkind bis zum Greis. Die Gräueltaten wurden von einem Fotografen dokumentiert und gelangten erst etwa ein Jahr später an die Weltöffentlichkeit. Die Veröffentlichung markierte eine Wende in der öffentlichen Meinung zum Vietnamkrieg und trug entscheidend zur Mobilisierung der Antikriegsbewegung bei.

Ermordete Zivilisten in My Lai
Foto: Ronald L. Haeberle via WikiPedia


Am Ort des Massakers befindet sich heute eine Gedenkstätte, deren Kern das Gelände des damaligen Dorfes bildet. Fundamente der abgebrannten Hütten wurden rekonstruiert – an jeder Hütte findet sich ein Hinweisschild mit dem Namen der Familie, die dort gewohnt hat, Namen und Alter der Opfer werden aufgezählt. Auf den mit Zement ausgegossenen Wegen zwischen den Ruinen der Hütten sind die Abdrücke der Soldatenstiefel eingeprägt, man kann ihrem Weg von Hütte zu Hütte folgen, und an manchen Stellen mischen sie sich mit den Abdrücken ihrer barfüßigen Opfer.
Das Museum auf dem Gelände der Gedenkstätte dokumentiert das Massaker mit Fotostrecken und einer zentralen Marmortafel mit allen Namen der Opfer. Die Ausstellung informiert sachlich über den weiteren Werdegang der beteiligten US-Soldaten. Nur vier von ihnen wurden vor ein Militärgericht gestellt, aber lediglich der befehlshabende Offizier wurde verurteilt und nach ein paar Tagen Haft von Richard Nixon begnadigt.
Auch über die wenigen US-Soldaten, die den Mordbefehl verweigerten und einige Bewohner von My Lai retten konnten, berichtet die Ausstellung.

Aus: Antiberliner #14

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  1. My Lai: Ein Dorf wird ausgelöscht

Comments

  1. Duc Tran Van
    Germany
    DUCTRANVAN@t-online.de




    AN:William Calley






    wie ich Ihnen schon vorab schrieb, möchte ich durch Sie, Herrn William Calley einen Brief zukommen lassen.
    Mein Name ist Duc Tran Van, ich bin Vietnamese. Seit 1983 lebe ich in Deutschland. 19.8.2009.las ich in Ihrer Zeitung etwas über William Calley. Er entschuldigte sich für das „My Lai Massaker“, bei dem über 504 Menschen ermordet wurden.




    Wir sind Überlebende des My Lai Massakers vom 16. 3. 1968 in Thap Canh. Ich war damals 7 Jahre alt, meine große Schwester 9, und meine kleine Schwester 14 Monate alt. Während des Beschusses hat meine Mutter mich und meine kleine Schwester im Fallen beschützt, in dem sie sich über uns legte. Als die Schießerei beendet, und die Amerikaner weg waren, sagte meine verletzte Mutter zu mir, ich solle mit meiner kleinen Schwester schnell weglaufen. Trotz ihre Verletzungen im Bein- und Bauchbereich hat sich meine Mutter zur Straße geschleppt, um uns nachzusehen. So fand sie am andren Straßenrand die Leichen ihrer andren zwei Töchter. Ich rannte mit meiner Schwester, die ich trug, von diesem Ort weg. Nach ca. 2Km hörte ich einen Hubschrauber. Ich warf mich mit meiner Schwester auf den Boden, und wir stellten uns tot. Der Hubschrauber flog so niedrig, dass ich den Fotografen deutlich sehen konnte. Nachdem der Hubschrauber weg war, bin ich mit meiner Schwester noch über 4 Stunden bis nach Son Hoi gelaufen, unterbrochen von mehrmaligem Verstecken bei aufkommendem Hubschraubergeräusch und Verschnaufens durch die Anstrengung des Tragens meiner 14 Monate alten Schwester. Am nächsten Morgen errreichte uns dort meine ältere Schwester, die das Massaker überlebte, indem sie noch 15 Minuten unter anderen Leichen im Reisfeld abwartete.
    Wie ich erst 1975, durch das Pressefoto meiner Mutter in der „My Lai Gedenkstätte“ erfuhr, wurde meine Mutter, kurze Zeit, nachdem ich mit meiner Schwester weglief, anschließend noch durch Kopfschuss getötet. (Wie ich Ihnen vorab schrieb, ist dieses Foto dort unter einer falschen Identität ausgestellt)

    Es war in der weiteren Zeit extrem hart für uns, ohne Eltern und ohne irgendeine Hilfe zu überleben.
    Ich möchte Herrn William Calley schreiben! Er muss wissen, was sein Tun unseren Familien angetan hat! Und was es für den Ort My Lai gemacht hat, 504 Menschen, Mütter, Kinder und ältere Leute, zu ermorden.
    Es war für die nur eine „Handvoll“ Überlebender, in der Hauptsache Kinder du ein par alte Leute, unendlich schwer weiter zu überleben .
    Eine lapidare Entschuldigung“, nach über 40 Jahren, für die totale Zerstörung, nicht nur der Menschen, sondern auch der Heimat, ist schlicht enttäuschend!



    PS: Anbei sende ich Ihnen meine Erinnerungen der Ereignisse, besonders diesen Tages, mit etlichen Pressefotos, auch von mir und meinen Familienmitgliedern, mit Richtigstellungen der Identität der abgebildeten Personen, in vietnamesischer Sprache.
    Ich möchte Sie bitten, falls es Ihnen möglich ist, diese ins Englische zu übersetzen, und ebenfalls an Herrn Calley zu senden.


    DUCTRANVAN@t-online.de
    Comment (1)
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