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»Ich vergesse nie ein Gesicht. Aber in Ihrem Fall mache ich gerne eine Ausnahme.« Julius Henry "Groucho" Marx

Vernetzung von Beobachter*innen des PUA »Neukölln-Komplex« an Berliner Koalitionsverhandlungen

Berlin, 02. November 2026 – Die Vernetzung von Beobachter*innen des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses (PUA) zum »Neukölln-Komplex« appelliert an die künftigen Koalitionsparteien in Berlin, die im PUA gewonnenen Erkenntnisse zentral in die Verhandlungen zum neuen Koalitionsvertrag einzubeziehen. Die geforderten Maßnahmen zur Bekämpfung rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt dürfen nicht durch Forderungen nach einem Ausbau der Polizei oder des Verfassungsschutzes unterlaufen werden.

„Der Untersuchungsausschuss hat eines eindrucksvoll belegt: Die mangelnde Bekämpfung rechter Gewalt ist kein Ressourcenproblem. Der PUA hat gezeigt, dass die Behörden nicht willens waren, den Neukölln-Komplex angemessen aufzuklären. Wer angesichts dieser Erkenntnisse nunmehr mehr Befugnisse und Personal für ebendiese Behörden fordert, ignoriert die Lehren aus dem Ausschuss. Wir erwarten von den Parteien, dass sie im Koalitionsvertrag den Schutz der Betroffenen in den Vordergrund stellen." (Claudia v. Gélieu, Betroffene des Neukölln-Komplex)

Erfahrungen aus dem Untersuchungsausschuss zeigen strukturelle Defizite

Der PUA hat gezeigt, dass das Fehlverhalten von Polizei und Verfassungsschutz und die fehlenden Ermittlungserfolge keine Folge von Ressourcenmangel waren. Ein Ausbau der Sicherheitsbehörden ist daher keine Lösung für die strukturellen Probleme, die den Sicherheitsbehörden zugrunde liegen. Vielmehr müssen folgende Punkte verankert werden:

  • Schutzrechte stärken: Die Rechte und der Schutz von Betroffenen rechter Gewalt gegenüber den Behörden müssen ausgebaut werden. Beratungsstellen und zivilgesellschaftliche Unterstützungsstrukturen müssen dauerhaft gestärkt und finanziert werden. Es müssen verbindliche Konzepte für Betroffene und Zeug*innen zur Prävention und zum Schutz vor rechter und rassistischer Gewalt entwickelt werden. Unabhängige Beschwerdestellen müssen zu Institutionen mit umfassenden Rechten, ausreichenden Mitteln und eigenständigen Ermittlungsbefugnissen ausgebaut werden.

  • Fehlverhalten innerhalb der Behörden muss aufgeklärt und verfolgt werden: Die Öffentlichkeit muss über die Anzahl und den Ausgang von Disziplinarverfahren informiert werden. Darüber hinaus wird gefordert, dass Verbindungen von Polizei und Verfassungsschutz in die extrem-rechte Szene konsequent aufgeklärt werden. Qualifikation und Sensibilisierung innerhalb der Behörden sind verbindlich sicherzustellen. Dazu gehören verpflichtende Antirassismus-Trainings, Schulungen zur Szenekunde und feste, geschulte Ansprechpersonen für rechte Gewalt. Konzepte zum Schutz vor Rassismus und Antisemitismus sowie extrem-rechter Gewalt und Terror müssen entwickelt und umgesetzt werden.

  • Transparenz herstellen: Die Rechte von Untersuchungsausschüssen gegenüber den Behörden müssen ausgebaut und vollständige Öffentlichkeit muss gewährleistet werden. Dazu gehören die Offenlegung von Akten, die Änderung von Geheimhaltungseinstufungen und die Veröffentlichung von Wortprotokollen. Über Geheimeinstufungen darf nicht länger von den Behörden selbst entschieden werden, sondern durch eine unabhängige, demokratisch legitimierte Instanz. Zudem braucht es kritischen, investigativen Journalismus und eine kontinuierliche öffentliche Berichterstattung, die von den Behörden unterstützt werden muss. Bestimmungen, die einer demokratischen Transparenz und Kontrolle entgegenstehen, müssen geändert werden. Das Informationsfreiheitsgesetz muss ausgebaut, nicht eingeschränkt werden. Alle eingestellten Ermittlungen sollen verpflichtend evaluiert werden.

  • Zivilgesellschaft einbeziehen und stärken: Unabhängige Expert*innen und zivilgesellschaftliche Organisationen müssen gleichwertig in Untersuchungsausschüsse einbezogen werden. Unabhängige zivilgesellschaftliche Expertise zu extrem-rechter Gewalt und Terror, etwa von Initiativen und Organisationen wie MBR, ReachOut oder Berliner Register, ist zu stärken. Allen Angriffen, Infragestellungen und Mittelstreichungen muss entschieden entgegengetreten werden. Der aktuelle Versuch der Berliner Finanzbehörden der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V. die Gemeinnützigkeit zu entziehen, muss zurückgewiesen werden.

  • Rücknahme der Berliner ASOG-Novelle: Die Berliner ASOG-Novelle vom Dezember 2025 ist zurückzunehmen, da finanzielle und personelle Aufstockungen sowie weitere Überwachungsmaßnahmen den Erkenntnissen des PUA widersprechen und die strukturellen Probleme nicht lösen. Was sich als ineffektiv erwiesen hat und sich demokratischer Kontrolle entzieht, ist abzuschaffen. Dazu gehören insbesondere der Verfassungsschutz und weitreichende Ermessensspielräume der Sicherheitsbehörden.

  • AfD: Auch der PUA zum Neukölln-Komplex hat gezeigt, dass die AfD personell und ideologisch mit rechter Gewalt verbunden ist. Wir fordern die Koalitionsparteien dazu auf, sich für ein Verbot einzusetzen.

Die Vernetzung von Beobachter*innen hat den PUA zum »Neukölln-Komplex« über mehrere Jahre begleitet und dokumentierte zahlreiche Versäumnisse bei der Aufklärung rechter Gewalt und struktureller Probleme in den Sicherheitsbehörden.

Weitere Informationen: Handeln statt Reinwaschen! Betroffene und Zivilgesellschaft zum Parlamentarischen Untersuchungsausschuss »Neukölln-Komplex«, Herausgeber: Vernetzung von Beobachter*innen des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses (PUA) »Neukölln-Komplex«, Berlin 2026

Quelle: Pressemitteilung 02. November 2026


 

Berlin: Massenüberwachung & KI-Kameras stoppen!

Nachtaufnahme einer Protestaktion gegen KI-gestützte Videoüberwachung am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg. Im Vordergrund steht eine als Clown geschminkte Person mit auffälligem rot gemustertem Jackett, kurzen Hosen und schwarzen Stiefeln neben einer Aluminiumleiter. Auf der Leiter befindet sich eine weitere Person, die an einer überdimensionierten, selbst gebastelten Überwachungskamera aus Karton hantiert. Links stehen weitere bunt kostümierte Aktivist*innen mit fantasievollen Kameraattrappen. Im Hintergrund beobachten mehrere Polizeibeamt*innen die Szenerie. Die vom Scheinwerferlicht hell erleuchtete Aktion hebt sich deutlich vom dunklen Nachthimmel ab.
Foto: © Sabine Scheffer via Umbruch Bildarchiv

Ab Anfang November geht KI-gestützte Videoüberwachung am Kottbusser Tor in Kreuzberg in Betrieb. An insgesamt 15 Standorten sollen dann 30 Kameras rund um die Uhr Straftaten und unerwünschtes Verhalten erfassen.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Gegen die Massen-Videoüberwachung, die nach einer Testphase auch für den Görlitzer Park geplant ist, demonstrierten am 23. September rund 100 Anwohner*innen und Aktivist*innen. Die Clowns-Army hatten eigene Giga-Ultra-Power-Kameras dabei, die sie vor Ort testeten. Zumindest eine Überwachungs-Kamera, als Piñata getarnt, konnte sich nicht lange halten.

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Berlin: Hugohaus geräumt

Das Farbfoto zeigt eine Straßenszene vor dem mit Graffiti besprühten Hostel „Georghof“. Über dem Eingang leuchtet ein rotes Schild. Zwei Straßenmusiker spielen im Eingangsbereich, einer Gitarre, der andere Akkordeon. Auf dem Kopfsteinpflaster davor stehen und sitzen mehrere Menschen und hören zu. Einige Gesichter sind unkenntlich gemacht. An der Fassade hängen Transparente und Fahnen, darunter ein grünes Banner mit der Aufschrift „Nachbar*innen gegen Räumung“. Die Atmosphäre wirkt lebendig und solidarisch, geprägt von Straßenmusik, politischen Botschaften und gemeinschaftlichem Protest.

Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv

Das ehemalige Hostel in der Gürtelstraße 39–41 in Berlin-Friedrichshain hat eine lange Geschichte der Hausbesetzung: 2014 besetzten es Geflüchtete, um für ein Bleiberecht für alle zu demonstrieren. Das Haus stand daraufhin jahrelang leer und verfiel zunehmend, bis es vor 2 Jahren erneut von Punks besetzt wurde. Die setzten Teile wieder in Stand, räumten Müll und Dreck weg, zogen ein und gaben ihrem neuen Domizil den Namen „Hugohaus“. Am 24. September wurden die Bewohner*innen nach einer Auseinandersetzung mit Securities des Investors von der Polizei durchsucht und kalt geräumt.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Lange wurde die stille Besetzung des Hugohauses geduldet, bis die Gebäude an die GSI 2 Entwicklung GmbH aus Wien verkauft wurden. Die von ihr beauftragte Projektentwicklerin dBS Investment GmbH forderte die Besetzer*innen auf, das Haus innerhalb von fünf Tagen zu räumen, schickte Securities und drohte Strom und Wasser abzustellen. Aber statt wieder auf der Straße zu wohnen, luden die Bewohner*innen Presse und Politik ein und organisierten solidarische Unterstützung. Bei einem spontanem Konzert am 1. September von Paul Geigerzähler und Faulenza vor dem Haus kamen mehrere Dutzend Menschen, die sich mit der Besetzung solidarisierten.  Sowohl die Besetzer*innen als auch die Musiker kündigten weitere Soliaktionen in den nächsten Tagen an.

Währenddessen begannen Securities im Auftrag des Investors mit Vorbereitungen für den geplanten Abriss des Gebäudes. Sie schotteten das Hugohaus mehrere Tage ab, verhinderten ein Betreten, Verlassen oder auch medizinische Hilfe und griffen die Bewohner*innen am 24. September an. Sie schlugen Fenster ein, versprühten Reizgas und versuchten erfolglos in die Räume der Bewohner*innen einzudringen. Die Securities behaupteten hingegen, selbst angegriffen worden zu sein und die Polizei durchsuchte mit 200 Einsatzkräften das Haus und nahm am Tag drauf sechs Personen fest.
Die Solimahnwache, die seit 3 Wochen vor dem Haus stand, blieb solidarisch und protestierte gegen die kalte Räumung des Hauses. Denn obwohl die Polizei betont hatte, dass es sich nicht um eine Räumung handele, konnten die Bewohner*innen nach ihrer Freilassung nicht wieder in das Haus zurückkehren. Die Securities standen im Eingang des Hugohauses, die Fenster waren zertrümmert und das Haus mittlerweile unbewohnbar gemacht worden.
 

Weitere Fotos im alten Bildarchiv (1980 - 2018)

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k9 » größenwahn » politischer fiimabend: Rosen für den Staatsanwalt

Das hochformatige, überwiegend schwarz-weiß gestaltete Veranstaltungsplakat kündigt einen politischen Filmabend mit Wolfgang Staudtes Film „Rosen für den Staatsanwalt“ aus dem Jahr 1959 an. Am oberen Rand steht in großen schwarzen Buchstaben „kg • größenwahn • politischer filmabend“.  Den größten Teil des Plakats nimmt das historische Filmplakat ein. Es zeigt eine düstere, expressionistisch wirkende Darstellung eines Männergesichts, dessen linke Hälfte menschlich und dessen rechte Hälfte als Totenschädel gestaltet ist. Das Gesicht ist in Schwarz, Weiß und Grautönen gehalten, während eine auffällige rote Rose über der Nase und dem rechten Wangenbereich liegt. Oberhalb des Gesichts steht der Filmtitel „Rosen für den Staatsanwalt“ in weißen Großbuchstaben.  Links neben dem Motiv steht senkrecht der Name „Wolfgang Staudte – Ein Film“, rechts auf schwarzem Untergrund das Veranstaltungsdatum „Sonntag, 8. November 2026 – 19 Uhr“.  Unter der Abbildung folgen Angaben zum Film und eine Inhaltsbeschreibung: Der Film erzählt von einem ehemaligen Wehrmachtsrichter, der 1945 einen Soldaten wegen des Diebstahls von zwei Dosen Schokolade zum Tode verurteilt und diesem fünfzehn Jahre später als Staatsanwalt wiederbegegnet. Die Beschreibung bezeichnet den Film als Spiegelbild der finsteren westdeutschen Nachkriegsgesellschaft.  Im unteren Bereich steht der Satz „combattente zeigt geschichtsbewußt:“ und darunter, besonders hervorgehoben in weißer Schrift auf einem schwarzen, abgerundeten Balken, die Parole „revolution muß sein!“. Es folgt der Hinweis „filme aus aktivem widerstand & revolutionären kämpfen“. Ganz unten sind die Veranstaltungsorte beziehungsweise Adressen „kinzigstraße 9 • 10247 berlin • U5 samariterstraße • S frankfurter allee“ aufgeführt.  Die Gestaltung verbindet das bedrückende, kontrastreiche Filmmotiv mit einer klaren politischen Botschaft. Die rote Rose bildet den einzigen kräftigen Farbakzent und zieht den Blick auf das zwischen menschlichem Gesicht und Totenschädel geteilte Porträt.

Flyer zum Film (Vorderseite)

1945, in den letzten Kriegstagen wird der Gefreite Rudi K. beschuldigt zwei Dosen "Scho-Ka-Kola" gestohlen zu haben. Militärrichter - Kriegsgerichtsrat Schramm verurteilt Rudi wegen "Diebstahls" und "Wehrkraftzersetzung" zur Todesstrafe. Rudi flieht nach nem Fliegerangriff. 15 Jahre später trifft Rudi den Schramm, Staatsanwalt in einer brd-Kleinstadt. Schramm immer noch stramm NS-gesinnt will rudi durch die bullen aus der stadt vertreiben. Spiegelbild der finsteren brd-nachkriegsgesellschaft.

schwarzweißfilm - von Wolfgang Staudte - 1959 (brd) - 97 min. 

Sonntag, 8. November 2026 19 Uhr

Wolfgang Staudtes Film „Rosen für den Staatsanwalt“, ein unverzerrtes Spiegelbild der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft.

Der westdeutsche Nachkriegsfilm war beherrscht von sogenannten Heimatfilmen, in denen es praktisch keine Vergangenheit und keine Zukunft gab, in denen die bis zum Exzess gesteigerte Idylle einer unwirklichen Welt ausgebreitet wurde; zum anderen von Wirtschaftswunder-Filmen, so eine Art Mutmacher-Streifen, in denen die Jahre 1933–45 ebenfalls ausgeblendet waren. Nur wenige Regisseure wagten sich an das, was man gemeinhin als Aufarbeitung der jüngsten Vergangenheit nannte.

Es schwappte eine Flut von sogenannten Heimatfilmen in die westdeutschen Kinos, deren Titel schon die Zugehörigkeit zu diesem Genre signalisieren: „Schwarzwaldmädel“, „Grün ist die Heide“, „An der Donau, wenn der Wein blüht“, „Der Förster vom Silberwald“, „Wetterleuchten um Maria“ – das alles klingt heute unfreiwillig komisch, die Streifen laufen aber immer noch mit schöner-hässlicher Regelmäßigkeit im deutschen Fernsehen. Sie boten den Zuschauenden dadurch die gewünschte Ablenkung von der Alltagsrealität und ließen vor allem die faschistische Vergangenheit vergessen, mit der man sich nicht auseinandersetzen wollte, zumal das kaum ohne Schuldeingeständnisse vonstattengegangen wäre. Dabei waren die Filme interessanterweise oft Remakes alter UFA-Streifen aus dem NS-Faschismus, aber nun natürlich politisch gereinigt.

1945, in den letzten Kriegstagen, wird der Gefreite Rudi K. beschuldigt, zwei Dosen „Scho-Ka-Kola“ gestohlen zu haben. Militärrichter – Kriegsgerichtsrat Schramm – verurteilt den Gefreiten Rudi wegen „Diebstahls“ und „Wehrkraftzersetzung“ zur Todesstrafe. Dem Todesurteil kann Rudi nur entgehen, weil ein Fliegerangriff ihm die Flucht ermöglicht.

Das hochformatige Veranstaltungsplakat auf weißem Hintergrund kündigt eine Filmvorführung von Wolfgang Staudtes satirischem Schwarz-Weiß-Film „Rosen für den Staatsanwalt“ aus dem Jahr 1959 an.  Im oberen Drittel steht auf einem breiten schwarzen Balken der Filmtitel in großen, weiß geschriebenen, leicht verschnörkelten Großbuchstaben. Darunter sind zwei historische, runde Schokoladendosen der Marke Scho-ka-kola nebeneinander abgebildet. Die linke Dose zeigt ihre stark vergilbte, fleckige Unterseite mit einer kleingedruckten Produktbeschreibung und dem Herstellernamen Hildebrand. Die rechte Dose zeigt den braun-beigen Deckel mit der umlaufenden Aufschrift „Scho-ka-kola – Die stärkende Schokolade“. In der Mitte befindet sich ein stilisierter Adler mit ausgebreiteten Flügeln, der ein Hakenkreuz in einem Kranz hält. Strahlenförmige Linien gehen von dem nationalsozialistischen Hoheitszeichen aus.  Unter den beiden Dosen steht auf einem weiteren schwarzen Balken in großer weißer Schrift das Veranstaltungsdatum „Sonntag 8. November 2026 – 19 Uhr“.  Die untere Hälfte des Plakats besteht aus mehreren Absätzen schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund. Zunächst werden Regisseur, Erscheinungsjahr und Laufzeit des Films genannt. Anschließend folgt eine ausführliche Inhaltsangabe: Ein Wehrmachtsrichter verurteilt 1945 einen Soldaten wegen des angeblichen Diebstahls zweier Dosen Scho-ka-kola zum Tode. Der Soldat entkommt und begegnet seinem ehemaligen Richter fünfzehn Jahre später wieder, als dieser bereits Staatsanwalt in der Bundesrepublik ist. Der Text beschreibt, wie der frühere NS-Jurist versucht, seine Vergangenheit zu vertuschen.  Ein weiterer Absatz hebt die satirische Kritik des Films an den personellen und ideologischen Kontinuitäten zwischen Nationalsozialismus und westdeutscher Nachkriegsgesellschaft hervor. Darunter steht in größerer, fett gedruckter Schrift der Satz „Ein unverzerrtes Spiegelbild der BRD Nachkriegsgesellschaft.“  Am unteren Plakatrand werden die Veranstaltungsadresse „Kinzigstraße 9, 10247 Berlin“ sowie die nahegelegenen Haltestellen Samariterstraße und Frankfurter Allee genannt.  Die Gestaltung ist sachlich und zugleich politisch zugespitzt. Besonders die beiden historischen Schokoladendosen mit dem deutlich sichtbaren nationalsozialistischen Emblem stellen einen unmittelbaren Bezug zur Filmhandlung und zur Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in der frühen Bundesrepublik her.

Flyerrückseite - Hakenkreuz unkenntlich gemacht

Knapp 15 Jahre später sieht Rudi durch Zufall seinen einstigen Ankläger Schramm wieder. Ex-Nazi Schramm ist mittlerweile Staatsanwalt, angesehener Bürger einer BRD-Kleinstadt. Schramm, noch immer von seiner treudeutschen Gesinnung geleitet, verhilft einem Ex-Nazi zur Flucht, unterschlägt dessen Haftbefehl und bekommt einen Rosenstrauß nach Erfolg. Er fürchtet nun um die Aufdeckung seiner dunklen Vergangenheit und setzt alles daran, Rudi über die Polizei aus der Stadt zu jagen.

„Fliegerschokolade“ & Wehrmacht: Scho-Ka-Kola wurde 1935 von der Berliner Firma Hildebrand eingeführt. Sie wurde wegen ihrer stimulierenden Wirkung durch Koffein (aus Kakao, Kolanuss und Kaffee) gezielt an Piloten der Luftwaffe ausgegeben, um Konzentration und Ausdauer bei langen Flügen zu steigern. Später wurde sie auch beim Heer und der Marine, insbesondere bei U-Boot-Besatzungen, als Standardverpflegung eingesetzt.“

Wikipedia zu Scho-Ka-Kola

combatiente zeigt geschichtsbewußt:

revolucion muß sein!
filme aus aktivem widerstand & revolutionären kämpfen
kinzigstraße 9 « 10247 berlin + U5 samariterstraße + S frankfurter allee


 

United for Palestine

Farbfotografie einer dicht gedrängten Demonstration für Palästina bei sonnigem Wetter. Im Mittelpunkt steht eine Frau mit lockigem Haar und einer schwarz-weißen Kufiya um den Hals. Sie hält ein großes Pappschild mit der Aufschrift „JUSTICE“ hoch und streckt ihre rot gefärbte Handfläche demonstrativ in die Luft. Um sie herum stehen zahlreiche Menschen, einige ebenfalls mit palästinensischen Kufiyas. Auf dem Schild ist außerdem ein kleiner Aufkleber mit der Aufschrift „Free Palestine – Free Gaza“ zu sehen. Die Aufnahme vermittelt eine entschlossene, ernste Proteststimmung.
Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv

In Solidarität mit Palästina versammelten sich am 10. Oktober 2026 mehr als 5.000 Menschen zu einer Kundgebung vor dem Kanzleramt mit anschließender Demonstration zum Alexanderplatz. Aufgerufen hatte das Bündnis „United for Palestine“ anlässlich eines internationalen Aktionstages.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

„Seit dem sogenannnten „Waffenstillstand“ im Oktober 2025 wurden in Gaza mehr als 1.250 Palästinenser*innen ermordet, darunter über 300 Kinder. Insgesamt wurden mehr als 100.000 Menschen von Israel ermordet, über 12.200 liegen weiterhin unter den Trümmern, und mehr als 20.000 Kinder wurden allein in den ersten zwei Jahren ermordet.
Über 92% der Wohneinheiten in Gaza wurden zerstört. Mehr als 540 Mitarbeiter*innen von Hilfsorganisationen und über 240 Journalist*innen wurden von Israel ermordet. (…)

Am 10. Oktober gehen wir gemeinsam auf die Straße – für die Befreiung Palästinas und für ein Ende der deutschen Komplizenschaft im seit drei Jahren andauernden
zionistischen Genozid an den Palästinenser*innen in Gaza.

Wir fordern:
• Sofortiges Ende der deutschen Unterstützung für den israelischen Genozid, Apartheid und Besatzung
• Konsequente Achtung des Völkerrechts und Unterstützung internationaler juristischer Maßnahmen
• Entkriminalisierung der Palästina-Solidarität – Schutz palästinensischer Stimmen, Symbole und Proteste
Freiheit, Gerechtigkeit und gleiche Rechte für Palästinenser*innen

(aus dem Aufruf zur Demonstration)


 

Sterndemo zur Berlinwahl

Farbfotografie einer großen Demonstration in Berlin. Tausende Menschen ziehen bei sonnigem Wetter über eine breite Straße zwischen prächtigen historischen Gebäuden. An der Spitze des Demonstrationszuges werden zwei große dunkelblaue Transparente getragen. Auf dem linken steht „Hand in Hand für Berlin“, auf dem rechten „Zeit, dass sich was dreht!“. Zahlreiche Demonstrierende tragen Plakate und bunte Fahnen, darunter Regenbogenflaggen. Im Vordergrund steht eine Person mit einer blauen Ordnerweste. Der Demonstrationszug erstreckt sich bis weit in den Hintergrund.
Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv

Ein Bündnis aus rund 100 Organisationen rief kurz vor der Berlinwahl zu einer Sterndemo auf unter dem Motto: „Zeit, dass sich was dreht“. Mit unterschiedlichen Schwerpunkten zogen am 12. September 2026 aus sieben unterschiedlichen Richtungen rund 30.000 Menschen zum Roten Rathaus, um für eine solidarische und weltoffene Stadt zu protestieren.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

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Berlin: Her mit den Wohnungen – runter mit den Mieten!

Farbfotografie einer Demonstration für bezahlbaren Wohnraum in Berlin. Vor dem Roten Rathaus halten Demonstrierende ein großes Transparent mit der Aufschrift „Her mit den Wohnungen! Runter mit den Mieten!“. Im Vordergrund posieren mehrere Menschen in auffälligen gelb-violetten Cheerleader-Kostümen mit glitzernden Pompons. Eine Person sitzt im Spagat auf der Straße, andere knien oder stehen mit erhobenen Armen. Im Hintergrund sind weitere Protestschilder, Fahnen und zahlreiche Demonstrierende zu sehen. Die Aufnahme entstand bei sonnigem Wetter und vermittelt eine kämpferische, zugleich ausgelassene Stimmung.

Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv

Zwei Wochen vor der Wahl beteiligten sich am 5. September 2026 in Berlin mehr als 10.000 Menschen an einer Demonstration des Bündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn. Unter dem Motto:  „Runter mit der Miete! Her mit den Wohnungen!“ forderten sie u.a. Wohnraum für alle, die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne, einen Mietendeckel, die Abschaffung von Eigenbedarfskündigungen und Zwangsräumungen sowie kommunalen, ökologischen Neubau.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

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Statement zu Einigung zu Vergesellschaftung in Sondierungsgesprächen

Farbfotografie einer Protestaktion vor einem roten Backsteingebäude. Zwei Männer mit weißen Schutzmasken halten ein großes gelbes Transparent mit violetter Aufschrift: „Keine Profite mit unserer Miete!“ Darunter stehen die Logos und Namen der Initiative „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ und des Kiezteams Lichtenberg. Einer der Männer trägt eine violette Warnweste. Links steht eine weitere vermummte Person, im Hintergrund ist eine bunte Skulptur zu sehen.
Foto: Deutsche Wohnen & Co. enteignen

Die Initiative Deutsche Wohnen & Co enteignen kommentiert die Einigung zu Vergesellschaftung in den Sondierungsgesprächen zwischen Linken, Grünen und SPD.

„Wir begrüßen, dass Linke, Grüne und SPD sich endlich darauf geeinigt haben, Wohnungen in Berlin zu vergesellschaften. Das war längst überfällig. In ihrem Beschluss weichen die Parteien jedoch deutlich von dem ab, was die Berliner*innen im Volksentscheid 2021 entschieden haben. Sie fallen damit hinter ihrem demokratischen Auftrag zurück. Als Initiative müssen wir die Ergebnisse der Sondierungen nun gemeinsam bewerten und werden anschließend unsere nächsten Schritte bekannt geben“, kommentiert Bana Mahmood, Sprecherin der Initiative.

Ein zentraler Unterschied zwischen dem Beschluss aus dem Volksentscheid von 2021 und dem, worauf sich die Parteien in den Sondierungsgesprächen verständigt haben, liegt in der Vergesellschaftungsschwelle. Während sich der Volksentscheid auf alle Unternehmen bezieht, die mehr als 3.000 Wohnungen in Berlin besitzen, sollen nach dem Ergebnis der Sondierungsgespräche nur Unternehmen, die mehr als 10.000 Wohnungen in Berlin besitzen, von der Vergesellschaftung betroffen sein. Auch der Selbstbehalt der Unternehmen würde sich von 3.000 auf 10.000 Wohnungen erhöhen. Dadurch würde sich die Zahl der Wohnungen, die durch Vergesellschaftung in Gemeineigentum überführt werden, stark verringern. Zudem wären einige Unternehmen wie Grand City Properties und Blackstone nach dem Vorschlag der Parteien nicht von der Vergesellschaftung betroffen.

„Wir Berliner*innen haben entschieden, dass kein profitorientierter Konzern in Berlin mehr als 3.000 Wohnungen besitzen soll. Nun wollen Linke, Grüne und SPD die Grenze deutlich höher ansetzen. Damit würden ca. 70.000 Wohnungen weniger vergesellschaftet. Das widerspricht klar dem Willen der Wählenden. Nur die konsequente Überführung von Wohnungen in Gemeineigentum kann die Mietenkrise in unserer Stadt langfristig lösen“, so Mahmood abschließend.

Quelle: Pressemitteilung, 17.10.2026


 

Berlin: Marsch für das Leben 2026

Farbfotografie einer Demonstration auf dem Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude in Berlin. Im Hintergrund versammelt sich eine große Menschenmenge vor einer Bühne mit der Aufschrift „Lebensrecht ist Menschenrecht“. Über der Menge schweben rote und grüne Luftballons. Im Vordergrund stehen Demonstrierende mit schwarzen und rosafarbenen Transparenten einer Gegenprotestaktion. Ihnen gegenüber hat sich eine Reihe von Polizeibeamten in schwarzer Einsatzkleidung mit Schutzhelmen aufgestellt. Die Aufnahme zeigt das Aufeinandertreffen einer Demonstration gegen Schwangerschaftsabbrüche und ihres Gegenprotests.
Foto: © Björn Obmann via Umbruch Bildarchiv

Mit kreativen Aktionen entlang der Strecke protestierte am 19. September 2026 das queerfeministische Bündnis „What The Fuck“ gegen den christlich-fundamentalistischen „Marsch fürs Leben“, an dem sich wie im letzten Jahr ca. 2.000 Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet beteiligten.
Ein Bannerdrop an der Charite wurde durch martiales Eingreifen der Polizei in letzter Sekunde verhindert. Viele Kleingruppen begleiteten den Marsch und Gegenprotest erschallte an fast jeder Kreuzung der Strecke.

Zu den Fotos beim Umbruch Bidlarchiv.

Am 19. September wollen christliche FundamentalistInnen, Konservative und extreme Rechte bei dem  sogenannten „Marsch für das Leben“ (MfdL) wieder durch Berlin-Mitte laufen. Für diese Menschen bedeutet „Für das Leben sein“ und „Lebensschutz“: Hass  gegen queeres Leben schüren, Schwangerschaftsabbrüche verbieten und vorgeben, was Familie ist. Sie geben sich als unschuldige KirchengängerInnen aus, aber bringen faschistische Forderungen aus der Hölle mit. Unterstützt werden sie dabei von prominenten AfD-PolitikerInnen wie z.B. Beatrix von Storch oder Franz Schmid.  (…)
Die Verstrickung von Antifeminismus, Queerfeindlichkeit und Faschismus wird ideologisch immer deutlicher. Eine emanzipatorische Gesellschaft beinhaltet die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, ein Leben ohne Angst für alle geschlechtlichen Identitäten und Formen des Begehrens. Dafür werden wir im September kämpfen! Schließt euch uns an! Gemeinsam stellen wir uns christlichen FundamentalistInnen und FaschistInnen in den Weg!

(aus dem Aufruf zu den Protesten)


"Nicht auf unserem Rücken!": Bühnenarbeiter*innen bei 36 Stage XL wehren sich

Das Sharepic zeigt neben dem Logo der FAU und der Bühnenarbeiter:Innen den Text "Nicht auf unserem Rücken - Bühnenarbeiterinnen und Bühnenarbeiter bei 36 Stage XL wehren sich". Unten rechts im Bild steht "Pressemitteilung". Das SharePic ist hinterlegt mit Bildern aus dem Arbeitsalltag der Beschäftigten.

„Berlin pulsiert und der Rock n Roll ist unsere Berufung.“ So wirbt Berlins größter „Anbieter von Veranstaltungsdienstleistungen“ 36 Stage XL GmbH. Das Unternehmen organisiert Konzerte von Klassik bis Hiphop, in kleineren Clubs und auf den größten Bühnen der Hauptstadt. Damit die Fans in den Musikgenuss kommen können, ist harte (Bühnen-)Arbeit nötig – im Fall von 36 Stage XL schlecht bezahlte, gefährliche und extrem prekäre Arbeit. Ohne sie läuft nichts.

Die Mehrzahl der Beschäftigten haben befristete Verträge. Das Unternehmen nutzt eine besondere Form von Arbeitsverträgen, die unständige Beschäftigung. Für die Betroffenen bedeutet das konkret: Arbeitsschichten werden kurzfristig und intransparent vergeben – und entsprechend unsicher ist, ob der Verdienst zum Leben reicht. Vergehen mehr als 21 Wochentage zwischen den Arbeitseinsätzen, erlischt die Krankenversicherung.

Arbeitsunfälle, deren Behandlung (und Bezahlung) führen immer wieder zu Konflikten mit der Geschäftsführung. „Wir wissen nie, wie viel Geld wir am Monatsende haben“, erklärt Gérman G. „Es gibt keine feste Menge von Arbeitsstunden, keine sichere Krankenversicherung, keinen Urlaubsanspruch oder Krankengeld.“ Beschäftigte, die zu viele Fragen oder Ansprüche stellen, muss das Unternehmen nicht einmal entlassen – sie riskieren, in Zukunft keine Schichten mehr zu bekommen.

Im Jahr 2024 fanden sich Beschäftigte von 36 Stage XL in einer Betriebsgruppe zusammen. Zusammen mit der Freien Arbeiter:innen Union (FAU) fordert sie unter anderem wirksame Vorkehrungen gegen Überlastung und Unfälle und eine bessere Planbarkeit der Arbeitsschichten. Aber seit einem Gespräch im Frühjahr mauert das Unternehmen. Die Beschäftigten werden mit dem Versprechen auf Verbesserungen vertröstet. „Wir werden nicht aufhören, unsere berechtigten Forderungen zu stellen“, sagt Chris H., Mitglied der FAU Berlin. „Wir lassen uns nicht ignorieren.“

Am 15.10. um 19 Uhr findet eine Demonstration der Bühnenarbeiterinnen und Bühnenarbeiter vor der Uber-Arena statt, vor einem Konzert von The Strokes.

Quelle: FAU Berlin, 12. Oktober 2026