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"Wenn du kritisiert wirst, dann musst du irgend etwas richtig machen. Denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat." Bruce Lee

Geschichte wird gemalt

Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv Berlin
AktivistInnen der Kollektive Pappsatt und orangotango haben das legendäre Wandbild in der Waldemar Straße 81 in Kreuzberg neu gemalt und aktualisiert. Es ist eines der ersten Fassadenbilder in Berlin.

Das ursprüngliche Wandbild entstand in Eigeninitiative der damaligen BewohnerIinnen. Aus Protest gegen ihren drohenden Rausschmiss und Abriss des Hauses malten sie es am 1. Mai 1975 in nur wenigen Stunden – tagsüber und illegal – mit Pinseln und Farbrollen an Malerstangen aus ihren Fenstern heraus.

Die Leute aus der Waldemarstraße 81 waren im Kiez gut vernetzt und haben sich mit anderen von Verdrängung betroffenen Menschen solidarisiert und sie unterstützt. Unter anderem boten sie eine Mietrechtsberatung im Haus an. Um die Verwurzelung im Kiez darzustellen, entschieden sie sich für einen Baum als Motiv, in dessen Mitte ein weißes Banner gespannt ist: „Wir bleiben drin!“ Was sich bewahrheiten sollte: Das Hausprojekt besteht immer noch. Mittlerweile ist es Teil der Luisenstadt-Genossenschaft. Dadurch sind die BewohnerIinnen langfristig vor unbezahlbaren Mieten und Verdrängung geschützt.

Aufgrund einer notwendigen Renovierung der Fassade verschwand das alte Bild unter neuem Putz. Die Idee zur Neugestaltung des Wandbildes entwickelte das ehemalige Pappsatt-Kollektiv gemeinsam mit den jetzigen Bewohnerinnen. Die Streetart-AktivistInnen hatten bereits einige stadtpolitische Fassadenbilder in Kooperation mit Hausprojekten wie z.B. der Brunnenstr. 183 oder der Manteuffelstr. 39 umgesetzt. Das Motiv des Baumes sollte beibehalten und mit den gleichen Flächen übertragen werden, die bei der ersten Bemalung damals mit Armen und Pinseln aus den Fenstern erreicht werden konnten. Aus „Wir bleiben drin“ wurde „Wir bleiben alle“, ergänzt von typischen Berliner Großstadttieren wie z.B. der Kotti-Taube, dem Waschbären und dem Pinguin, die gemeinsam im Baum herumklettern.

Angesichts des Mietenwahnsinns weltweit ist das Wandbild auch nach über 40 Jahren brandaktuell, genauso wie die Forderung, die dort nun gut sichtbar in 10 verschiedenen Sprachen zu lesen ist: „Die Häuser denen, die drin wohnen“.

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Kontakt zu Ex-Pappsatt: pappsatt@riseup.net

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Unite & Shine - Demo für Kunstfreiheit

Foto: © Oliver Feldhaus / Umbruch Bildarchiv
Mehr als 5000 Menschen, darunter viele Kulturschaffende und Künstler*innen zogen am 19. Mai 2019 mit einem Demonstrationszug von der Volksbühne zum Platz des 18. März am Brandenburger Tor. Aufgerufen hatten DIE VIELEN zu bundesweiten GLÄNZENDEN DEMOS in Berlin und weiteren Städten, um gegen die Einschränkung der Kunstfreiheit in Ländern Europas wie der Türkei und Russland, aber auch innerhalb der Europäischen Union zu protestieren.

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Was man so alles beim Aufräumen finden kann. Zum Beispiel ein seit 1963 unveröffentlichtes Album von John Coltrane

Als ich die Mitteilung auf deutschlandfunk Kultur von einem bisher unbekannten, Anno 1963 aufgenommenen Album las, hatte ich mir als erstes die Frage gestellt, wie oft die erste Ehefrau John Coltranes nach der Trennung bzw. dessen Tod wohl aufräumt hatte oder ob die Nachkommen nicht die nicht unübliche Leichenfledderei betreiben, aber was soll's. Das waren nur ein paar spontane Gedanken. Einen Titel kann man sich bereits bei Amazon anhören, das komplette Album soll dann ab dem 29. Juni zur Verfügung stehen. Die Hörschnipsel lassen jetzt nicht unbedingt einen Klassiker vermuten wie "A Love Supreme" oder "My favourite Things", "Blue Train" oder das gemeinsam mit Miles Davis eingespielte Meisterwerk "Kind of Blue". Das wäre auch Spekulation, auch wenn ich mich natürlich frage, warum "Trane" das Album nicht zeitlebens veröffentlicht hatte. Aber ich bin trotzdem sehr gespannt und habe schon mal die Tonabnehmernadel angespitzt. 

Hunderte Lithografien aus dem "goldenen Zeitalter" des Grafikdesigns zum Download

Eine der bekanntesten Lithografien von Théophile-Alexandre Steinlen: "Le Chat noir", Plakat für das Kabarett am Montmartre, 1896
Das Minneapolis College of Art and Design (MCAD) hat freie, downloadbare Kunstdrucke und Poster aus den Jahren 1880-1918, eine Auswahl aus dem "Goldenen Zeitalter" des Grafikdesigns, online gestellt.

Über 200 Drucke geben einen Einblick auf die wachsende Bedeutung der Lithografie während der sogenannten Belle Époque. Künstler wie Alfons Maria Mucha, Jules Chéret, und Henri de Toulouse-Lautrec machten diese Kunstform mit ihren Werken populär und Dank der neuen Produktionsmethoden fanden die Drucke auch eine weite Verbreitung.

"Im späten neunzehnten Jahrhundert begannen Lithografen mehr und mehr die durch die Massenproduktion verfügbaren Zinkplatten statt den bis dahin genutzen Steinplatten  für ihre Druckarbeiten zu nutzen" erläutert der Begleittext der bei Flickr zur Verfügung stehenden Auswahl. "Diese Entwicklung erlaubte ihnen die Verwendung verschiedener Platten für ihre jeweiligen Druckfarben im selbem Druck, mit denen günstig und schnell in verschiedenen Größen produziert werden konnte."


Dieser Text ist eine gekürzte und sehr freie Übersetzung eines Beitrags von artfido