"50 Jahre Scherben" - Vortrag von Dr. Maurice Schuhmann über die Band „Ton Steine Scherben“

Rio Reiser, Kopf der Agit-Prop-Band „Ton Steine Scherben“ (TSS), war einer der einflussreichsten deutschen Musiker – und zudem auch Anarchist. Im Jahr 1970 erschien mit „Macht kaputt, was euch kaputt macht!“ ein Soundtrack für die Revolte der 70er und 80er Jahre; zwei Jahre später dann das Doppelalbum „Keine Macht für Niemand!“, dessen Titel eine Anleihe an eine Überschrift aus einer Anarchopostille war.

TSS galt aber nicht als „reine“ Anarchoband, sondern erfreute sich auch in anderen linken Kreisen hoher Beliebtheit – außer bei den moskautreuen Kommunistinnen, die ihnen ihren Anarchismus vorwarfen. In einem Vortrag soll das Wirken jener Band, die zwischen 1970 und 1985 existierte, gewürdigt werden.

Der Vortrag wurde am 25.9.2020 im Haus der Demokratie und Menschenrechte aufgezeichnet und von der Bibliothek der Freien organisiert.

Dr. Maurice Schuhmann: https://www.facebook.com/pg/Dr.phil.Schuhmann/posts/
Bibliothek der Freien: https://bibliothekderfreien.de/
Haus der Demokratie und Menschenrechte: https://hausderdemokratie.de

50 Jahre Ton Steine Scherben - ein Scherben Festival

Die Ausstellung ist Teil eines großen Festivals WENN DIE NACHT AM TIEFSTEN - ein Scherben Festival (4. Juni bis 4. Juli 2021), das wir gemeinsam mit Ton Steine Scherben  und der Berliner Geschichtswerkstatt e.V. veranstalten.

Liebe Freundinnen und Freunde,
lang hats gedauert durch die Corona-bedingte Verschiebung, jetzt ist es endlich soweit und wir freuen uns sehr, euch zu unserer Ausstellung WENN DIE NACHT AM TIEFSTEN - Ton Steine Scherben und ihre Zeit einladen zu können.

Die zweiteilige Foto-Ausstellung zeigen wir vom 11.6. - 4.7.2021 Open Air und im Projektraum des Kunstquartiers Bethanien, Mariannenplatz 2 in Kreuzberg.

Anhand von Fotografien, u.a. von Jutta Matthess, Rita Kohmann, Axel Benzmann, Günter Zint, Astrid Proll, Wolfgang Krolow sowie von international arbeitenden Foto-Journalist*innen erkundet die Ausstellung die Entwicklung der Band in Wechselwirkung mit gesellschaftlichen Kräften, sozialen, politischen und kulturellen Revolten und Bewegungen der 60er bis 80er Jahre, insbesondere in West-Berlin und Kreuzberg.

Richtig schnell anmelden müsst ihr euch, wenn ihr am 10.6. ab 19:00 Uhr bei der Vernissage zur Ausstellung dabei sein wollt, es gibt nur einen beschränkten Einlass im Kunstquartier Bethanien. Dazu müsst ihr euch hier mit euren Kontaktdaten registrieren.

Wenn ihr die Ausstellung zu einem anderen Zeitpunkt besuchen wollt, müsst ihr hier ein Zeitfenster buchen (kostenlos).
Öffnungszeiten: 11.6. - 4.7.2021, Die - So, 11:00 - 13:00 Uhr.

Für ein optimales Besuchserlebnis bringt euer Smartphone mit einem installierten QR-Code-Reader mit, es gibt spannende kurze Audios und Videos, die über QR-Code abrufbar sind.

Die meisten Aktivitäten - inklusive zweier Scherben-Konzerte am 11. und 12. Juni - finden in der Festivalwoche vom 7. - 13.6.2021 statt.
Am Montag 7.6.2021 eröffnet das Festival mit einer Programmvorstellung und der Premiere einer neuen Film-Doku über die Ton Steine Scherben. Hier könnt ihr euch anmelden und bekommt Tickets.

Infos zu den vielen anderen tollen Events: Stadtspaziergänge, Lesungen, Podiumsgespräche, Ausstellung Rote Rübe, Schiffsfahrten, Straßentheater und Rio Reiser Platz Umbenennung findet ihr auf der Festival-Website. Gefördert wird das Festival mit Mitteln des Hauptstadtkulturfonds und der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

Hinweis: Corona bedingt braucht ihr für die Ausstellung und viele andere Live-Events einen negativen Corona-Test (nicht älter als 24h) oder einen Nachweis, dass ihr vollständig geimpft oder genesen seid.

Pluto, aufgehübscht

Einer der beiden Plutos
1997, also damals, als ich noch etwas frischer aus dem Bilderrahmen schaute wie in diesen Tagen, hatte ich gerade etwas Geld übrig und konnte kleinbürgerlich-hedonistischen Angewohnheiten frönen. Sprich, meiner Umgebung mit etwas Grobmusik auf die Nerven gehen. Da es eigentlich keinen Grund gibt, gute Musik aus schlechten Lautsprechern zu hören und ich schon immer eine Schwäche für das Holzhandwerk hatte, sich meine diesbezüglichen Fähigkeiten jedoch in engen Grenzen hielten auf den Komplettbau eines Gitarrenverstärkers incl. Combo-Gehäuse bezogen, bildete ich mir ein, unbedingt ein paar Lautsprecher zu brauchen. Ein audiophiler Kollege und ein paar andere hatten mich auf den Gedanken gebracht, mein Glück nicht herauszufordern, sondern in einen gehobenen Bausatz der Firma Orbid Sound zu investieren. Da mich leider - aus heutiger Sicht: glücklicherweise -  zu dem Zeitpunkt das Zipperlein plagte, konnte ich meine Idee, es doch einmal mit aus Beton gegossenen Boxen zu versuchen, nicht verwirklichen. Schnüff.

Wie auch immer, mit dem Schwiegervater ins nahe gelegene Leonberg gefahren und gleich die volle Packung geholt. Da ich zum damaligen Zeitpunkt mit meinen Nachbarn noch gut auskam, besorgte ich mir kleinere Standboxen, die es aber schon mal ordentlich krachen lassen können. Damit es sich schön in die Einrichtung einfügt und die Investition auch gerechtfertigt werden kann, wählte ich ein Buchefurnier, das sich mittels entsprechender Behandlung recht leicht auf den Erle Farbton des Wohnzimmerinterieurs abstimmen ließ. Der Rest war, wenn ich mich recht entsinne, auch nicht weiter problematisch, ein paar Kabel passend zuschneiden und verlöten und schon war die Laube fertig.

Leider hinkte die Raumakustik in unserem etwas esoterisch angehauchten Wohnungsgrundriss den Vorstellungen ein wenig hinterher, zudem wurden kurze Zeit später 5.1 Surroundsysteme erschwinglich, die sich mit ihren kleinen Satellitenboxen wesentlich besser in den Raum einfügten und - zumindest zum Fernsehen - einen realistischeren Sound entfalteten als die 2.0 Boxen. Beim Musik hören wiederum waren die Plutos wesentlich besser, auch wenn die Hörposition einfach nicht optimal war. Irgendwann hatten wir einfach andere Sorgen und so verschwanden die Plutos aus dem Wohnzimmer und wurden eingemottet. Damit kehrte für lange Jahre akustisch graue Tristesse ein. Nachdem ich früher schon immer extra genervt war von Kratzen und Knistern auf den Vinylscheiben, bin ich recht früh auf CDs umgestiegen, freilich ohne zu merken, daß mit dem astreinen Digitalsound irgendwie aber auch jedes Leben aus der Musikkonserve entschwunden war.

Ein paar Jahre und 2 Schränke mit CDs später war wiederum die Mucke aus der Cloud, sprich MP3, Spotify, Amazon Music etc. qualitativ soweit, daß eine CD, die ich sowieso rippe um sie mobil hören zu können, irgendwann nur noch Plunder ist, den keiner mehr haben will und der vermutlich den Weg durch die Schuttrutsche geht, wenn wir mal vor uns hinmodern. Mit dem selben Ergebnis wie bei der CD. Leblos. Seelenlos. Schwierig, nicht nur, weil Death Metal selbstverständlich zu unserem familären Kultgut gehört.

So kam es, wie es kommen musste: Nachdem bei uns einige Zimmer frei wurden war auf einmal Platz für Musikzimmer da, indem die guten alten Boxen ohrenoptimal aufgestellt werden konnten. Der Receiver, der den Ton für das Glotzpanel aufbereitet, war belegt, so lag es nahe einen 2x3 Watt Röhrenverstärker chinesischer Provenienz mit feinen Röhren aus ex-sowjetischer Fertigung zu besorgen. Damit Blut geleckt, und gleich einen  Cambridge Audio DacMagic 100 – Digital-Analog-Wandler hinterhergeschoben, der die ursprünglich analogen Musiksignale wieder von ihrem digitalen Übertragungsformat ins analoge konvertiert. Tja, wozu eigentlich erst der Umweg, also stand eine kleinere Investition in einen Audio Technica  AT-LP120USBHC an, um die ganzen alten abgenudelten, verdreckten und verkratzten Vinylscheiben abzutasten. Naja, hätte ich das mal lieber zuerst gemacht, denn es gab ja stabile Gründe dafür, von der Vinylscheibe zur CD zu wechseln. Aber gut, der Musikgeschmack hat sich weiterentwickelt, die alten Scheiben haben eigentlich nur noch Erinnerungswert und jede Combo, die etwas auf sich hält, veröffentlicht ihr Material auch auf Vinyl. Ok. Tool leider nicht.

Nachdem ich mir einbildete, beim Audio Technica das Laufgeräusch des Direktantriebs zu hören, wurde der veräußert und das Original in echt aber restauriert angeschafft. Sprich, ein 30 Jahre alter, gebrauchter Technics 1210 sorgt für gut nachbarschaftlichen kulturellen Austausch. Ohne Motorengeräusche. Kurze Zeit nach der Anschaffung war Technics bekanntlich auf die glorreiche Idee gekommen, den Klassiker neu aufzulegen und dabei nochmal ordentlichst abzukassieren. Den schrumpfenden Markt an brauchbaren gebrauchten 12x0ern beobachte ich schon länger nicht mehr, jedoch war der Gebrauchtlaufwerkskauf schon vor 5 Jahren echte Vertrauenssache. Ob ich das Risiko heute nochmal eingehen würde? Auf der anderen Seite ist das Gerät natürlich gut dokumentiert und es gibt (noch) Ersatzteile. Für mein Gerät habe ich nur den Deckel und eine Handvoll Tonabnehmer und weiteren Schnickschnack wie Slipmats usw. geordert. 

Zurück zu den Boxen. Tja, nicht nur ich sah 1997 frischer aus. Irgendwie fiel mir auf, daß an einer Gummisicke eines Basslautsprechers ein Lock - oh Schreck!  - den Gesamteindruck verunstaltete. Und ein Mitteltöner litt an einer eingedellten Staubkappe. Da wusste ich, es geht wieder los. Wie beim Motorengeräusch des Plattenspielers, das niemanden auffiel. Aber ich wusste, daß es da war und das mich das nervt. Wie die Sau. 

Also mal die Fühler ausgestreckt, was es für Möglichkeiten gibt, ohne Verschlechterung des Ist Zustandes an neue Klangwandler zu kommen. Wie immer habe ich mich längere Zeit damit herum getragen. Eine gleichwertige Neuanschaffung bedeutet einen Kleinkredit aufnehmen oder Geldboten auflauern kam daher nicht in Frage. Austauschbasslautsprecher? Naja. Die Orbids haben einen eigenen Klang, einen Lautsprecher von der Stange nehmen und hoffen, daß es passt? Wer billig kauft, zahlt doppelt und so. Also doch Neuanschaffung. Bei Orbid recht schnell weg zu Nubert oder Klipsch. Drei grundverschiedene Gehörklassen, in jedem Fall verbunden mit Schnappatmung hinsichtlich der finanziellen Umsetzung. Und dann - rein zufällig - bei Orbid Sound über die Möglichkeit eines  Austauschs bzw. Lautsprecher- oder Sickenreparatur der Staubkappen gestoßen. Anfrage gestartet, innerhalb weniger Stunden kam die Antwort mit der Bitte um aussagekräftige Fotos. Also die Lautsprecher zerlegt, und aussagekräftige Fotos gemacht und nach Balingen geschickt. Dort sitzt Orbid Sound inzwischen. Nachdem der Firmengründer Martin Beyersdorffer vergangenes Jahr mit knapp 87 Jahren gestorben ist, besteht die Firma trotzdem weiter und - was mich auch in Sachen Nachhaltigkeit freut - kümmert sich auch um ihre Kunden. Nach kurzem vom Geschäftsführer die Antwort: Austausch der Sicken sollte möglich sein, die Staubkappe kann man mit einer Stecknadel ausbeulen. (Ich hatte Erfolg mit etwas Tesafilm und so kein Loch drin, notfalls Gaffatape nehmen). Ich sollte mich jedoch auf vier bis fünf Wochen Bearbeitungszeit einstellen. 

Also die inzwischen doch recht zerzausten Tieftöner sicher verpackt und vor drei Wochen mit dem Götterboten nach Balingen geschickt. Was soll ich sagen. Vergangenen Freitag klingelt mich der freundliche DHL Bote mitten in der Nacht um 07:45 aus den Federn und überreicht mir das Paket mit den reparierten Lautsprechern. Ob der Kürze der Zeit hatte ich das Schlimmste befürchtet, sprich Reparatur nicht möglich und ähnliches Kopfkino. Derlei Gedanken waren jedoch völlig überflüssig, wie ich nach dem Auspacken feststellen durfte: Die Lautsprecher sehen aus wie neu. Mit ausführlichem Prüfprotokoll. 

Und klingen beinahe wie am 1 Tag. 
 


P.S.: Es gibt natürlich eine ganze Reihe Angebote zum Thema "Sickenreparatur" über die Suchmaschine der Wahl zu finden, auch Herstellerunabhängige. Ich bitte jedoch zu beachten, daß es darunter leider auch einige Pfuscher gibt. Nicht, daß ich nacher für vermurkste Lautsprecher belangt werde ;-)

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