trueten.de

"Wenn einer mit Vergnügen zu einer Musik in Reih und Glied marschieren kann, dann hat er sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde." Albert Einstein

Solidaritätsaufruf gegen die Zensur

Download des Solidaritätsaufrufes in .pdf: Faksimile anklicken
Am 9. Mai 2012 erfährt der LAIKA-Verlag Hamburg, dass der Verlag „aus politischen Gründen“ von der Teilnahme an den Linken Buchtagen 2012 in Berlin „ausgeschlossen“ wurde. Hintergrund war die Anfrage von Berliner FreundInnen des Verlages nach einem Standplatz.

Auf telefonische Nachfrage an den uns mitgeteilten Sprecher Christian W., erfährt der Verlag in gedrungenen Sätzen, Grund sei ein „gewisses blaues Buch, näheres müsse dazu nicht erläutert werden“. Angaben über das Gremium, das sich diesen Ausschluß anmaßte, wurden nicht gegeben. Bei dem „gewissen(n) blauen Buch“ handelt es sich um den 2. Band der Reihe Edition Provo Mitternacht auf der Mavi Marmara, erschienen im LAIKA-Verlag im März 2011, das Berichte und Reflexionen von ca. 50 Autoren enthält zur versuchten Blockadedurchbrechung 2010 durch die Gaza-Hilfsflottille und dem Angriff der israelischen Marine auf sie, sowie grundsätzlich zum Verhältnis Israel-Palästina. Zu den Autoren dieses Bandes gehören u.a. Moshe Zuckermann, Amira Hass, Sara Roy, Ilan Pappé, Henning Mankel, Noam Chomsky, Adam Horowitz und viele andere. Auf die Forderung des LAIKA-Verlages, eine politische Begründung abzugeben, haben die anonymen Ausschließer bis heute nicht reagiert.



Der LAIKA-Verlag ist ein dezidiert linker Verlag, der seit ca. 2 1⁄2 Jahren mit verschiedenen Reihen zur Geschichte der Linken, zur notwendigen Theoriebildung und zu aktuellen sozialen, politischen oder internationalen Fragen publiziert.

Der Ausschluß dieses Verlages von einer sich selbst als „links“ definierenden Buchmesse ist ein Akt der Zensur, aber auch der dumme Anspruch von Sackgassenlinken, darüber entscheiden zu dürfen, wer dazu gehört und wer nicht. Der Wunsch der Zensur ist der Herrschaftsanspruch über den Geist der anderen. Ihr Anlass ist nie die Unwahrheit, denn sie ist nicht zu fürchten sondern in der Regel das eigene illegitime Interesse oder die eigene Idiotie, die sich gegenüber der freien politischen Auseinandersetzung blamiert.

Der LAIKA-Verlag ruft alle an dieser Linken Buchmesse Berlin 2012 beteiligten Verlage auf, diesem ebenso lächerlichen wie dummen Anspruch einer willkürlichen, dogmatischen Hinterzimmergruppe auf Herrschaft über das, was in linken Verlagen veröffentlicht werden darf und was nicht, die einzige Antwort zu geben die es verdient: Eine radikale Absage. Eine Beteiligung an einer Buchmesse unter der Akzeptanz der Zensur würde hinter den Anspruch aller linken Verlage, die Selbstbefähigung zur politischen Auseinandersetzung über alle Fragen der Gesellschaft und der Welt zu fördern, denunziativ zurückfallen.

LAIKA-Verlag Hamburg

Karl-Heinz Dellwo
Willi Baer
www.laika-verlag.de

Trackbacks

Trackback specific URI for this entryTrackback URL

Comments

    • Posted byI. Wengel
    • on
    Vorsicht im Umgang mit dem Begriff Zensur.

    Das Zensurverbot im Sinne des Grundgesetzes gemäß Art. 5 Abs. 1 Satz 3 GG betrifft die Grundrechte der Meinungs- und Pressefreiheit (hier Art. 5 Abs. 1 Satz 1 und 2 GG), welche, wie alle Grundrechte, als unmittelbar geltende Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat gemäß Art. 1 Abs. 3 GG ausschließlich die Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als staatliche Institutionen binden, also nie gegen einen nicht staatlichen Verlag gerichtet sein können.

    Man kann die Aktion des Verlages also gut oder nicht gut heißen, es ist auf keinen Fall ein Akt der Zensur, denn der Verlag kann im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben durchaus frei entscheiden, was er veröffentlicht oder nicht.
    Comment (1)
    Reply
    • Posted byDani
    • on
    Es ist immer schwer, von außen zu überblicken, welche Blödsinnigkeiten beim beliebten "Ich-bin-viel-linker-als-du"-Spiel im Hintergrund liefen und laufen. Ich habe keines der Produkte des Verlages je gelesen, weiß also nicht, für wen oder was oder wie dieser Verlag steht. Der Tatbestands des Ausschlusses von den "linken Buchtagen" ist aber eine so harte Maßnahme, dass sie
    1-tens legitim nur durch eine breite basisdemokratische Mehrheit getroffen werden könnte, was hier wohl mitnichten der Fall war-
    2-tens tatsächlich zurecht als Zensur bezeichnet werden darf. Wie naiv ist man/frau, nur staatliche Zensur mit dem Wort "Zensur" belegen zu wollen? Gibt es doch jede Menge nichtstaatliche Organisationen, die seit langer Zeit erfolgreich Zensur betreiben. (Bsp.: Kirchen, Konzerne, kommunistische Organisationen)
    Comment (1)
    Reply

Add Comment

E-Mail addresses will not be displayed and will only be used for E-Mail notifications.
To leave a comment you must approve it via e-mail, which will be sent to your address after submission.
Enclosing asterisks marks text as bold (*word*), underscore are made via _word_.
BBCode format allowed