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"Das "Vaterland" ist der Alpdruck der Heimat." Kurt Tucholsky

Griechenland: Zeitweise Selbstversorgung und internationale Hilfe

Die EU hat es mit den gemeinsten Erpressungen geschafft: In Griechenland gibt es keine Demokratie mehr. Jedenfalls keine,die über ein Parlament ausgeübt wird. Die griechische Mehrheit im Parlament beschloss den sicheren Untergang der eigenen Volkswirtschaft. In der - etwas irren - Hoffnung - wenigstens die Sesselchen für die eigenen Hintern warm zu halten. Eine Saftgurke im deutschen Regierungsfass schmatzte freudig auf und ließ etwas verlauten vom Glückstag für Europa. Und dann, um alle bisherige Heuchelei noch zu überbieten, noch etwas vom bevorstehenden Wirtschaftsaufschwung Griechenlands.

Das muss man sich mal genau vorstellen. In einem sowieso armen Land liegt es nahe, den Aufschwung bei dem anzufangen, was man schon hat. Also in Griechenland: Tourismus. Etwa - in Gottes Namen - Zuschüsse für Kneipen am Strand. Was aber erzwingen Merkel und ihresgleichen? Eine Erhöhung der bisher ermäßigten Mehrwertsteuer auf den noch zu beschließenden Höchstsatz. Für Kneipen-Essen. Mindestens zehn Prozent Preissteigerung. Ungerechnet dabei die ebenfalls erhöhten Preise aller Lebensmittel, die natürlich ein Essen weiter verteuern. Ganz ohne VWL-Studium voraussagbar: Die nicht so zahlungskräftigen Kunden - die Mehrheit - wird sich aufs Strand-Picknick verlegen. Pleiten massenhaft vorauszusagen.

Das nur ein winziges Beispiel. Es wird nicht einmal mehr von Hilfe gelogen. Es geht um Absahnen der -noch! -einträglichen Staatsbetriebe-und danach wird das Land seinem Schicksal überlassen. Mit oder ohne Schuldenerlass, nachdem gewiss nichts mehr zu holen sein wird. Wirtschaftlich ist das ein Destruktionsprogramm. Wahrscheinlich bei den weiterdenkenden Europa-Imperialisten der Zentralländer nur noch zur Abschreckung zu gebrauchen. Michael Martens in der FAZ vom 29.6. führt das aus - sadistisch-präzis.

Es geht um Abschreckung durch öffentliches Foltern. Nur dass Portugal und Spanien nicht viel zuzusetzen haben, um den angeblichen Fehler der Griechen zu vermeiden.

Was bleibt der Mehrheit, die jetzt noch demonstriert? Sie wird das in dieser Verdichtung nicht unendlich lange durchhalten können. Die zu erwartenden Störungen und Zerstörungen von Verkaufsobjekten des griechischen Staates haben ihr Recht für sich. Warum die Ausbeuter am erpressten Verkauf noch profitieren lassen? Aber das reicht nicht aus.

Bürgerkrieg der Situation nach zeichnet sich ab. Aber einer, bei welchem der unterlegenen Masse die Angriffswaffen fehlen und auch nicht viel nützen würden. Es wird tatsächlich nichts übrig bleiben,als ein fundamentaler Rückzug. Aufs weithin verlassene Land. Auf erweiterte Genossenschaftsproduktion. Auf Direktverkauf ganz ohne Mehrwertsteuer. Wie in Bauernläden - aufsichtslos, unter der Hand. Es wird - so oder so - zu großen und bitteren Einbußen kommen im individuellen und auch im angedeuteten kollektiven Konsum. Aber damit auch zum Zusammenbruch der restlichen Gewinn-Phantasien von Großhandel, Staat und verrottendem Parlament.

Es wird nicht gehen ohne breite Hilfsaktionen, Hilfsbewegungen von den Resten demokratisch orientierter Gruppen in ganz Europa. Mit richtigen Sammelaufrufen. Mit Leuten, die sich bereit finden, Spenden an persönlich benannte, benennbare, zur Verantwortung zu ziehende Vertrauensleute der verschiedenen Genossenschaften. Unter Ausschließung aller Banken.

Es ist wenig, das einem einfallen kann angesichts entsetzlicher Schläge unter dem Beifallsjohlen der europäischen Banken und ihrer willfährigen und ergebenen Staats-Darsteller. Es muss aber etwas gedacht werden, gedacht werden können angesichts der zu Tage tretenden Zerstörungsabsichten in Europa gegenüber den abzustoßenden Randländern.

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Comments

    • Posted bylandbewohner
    • on
    die rückkehr aufs land und selbstversorgung dürfte eine für die mehrheit kaum praktikable lösung sein.
    auch da wären armut und rückfall auf standards des letzten jahrhunderts normal. selbst der leidenschaflichste neuagrarier wird es kaum schaffen, ausser den zum überleben nötigen nahrungsmitteln auch noch geld für transporter etc zu erwirtschaften- zumal er von armut umgeben sein und im ausland zu erwirtschaftende geine unmöglich sein dürften. und wer soll den griechen mit spenden ein besseres leben ermöglichen?
    spanier, portugiesen und demnächst gründlich verarmte dänen und deutsche??
    die einzige möglichkeit sich gegen die ausplünderung ganzer völker zu wehren, dürfte meiner meinung nach nur massiver passiver widerstand sein. notfalls monatelange generalstreiks solidarischer bürger - auch gegen massive gewalt der staatsbeherrscher.
    Comment (1)
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    • Posted byFritz Güde
    • on
    Zugegeben: die Ratschläge etwas atemlos. Ausführlicher denke ich natürlich nicht an Gesell und seine Träume von Abschaffung der Geldwirtschaft durch Abkopplung statt durch Aufstand.
    Ich dachte neben Landkommunen auch an solche in den Städten, die zum Beispiel Maschinen kollektiv produzieren, in Stand halten und reparieren. Wie es sich in Argentinien wohl eine Zeit lang bewährt hat.
    Das liefe der gesamtökonomischen Wirkung nach -notgedrungen- auf eine Art Konsumstreik- zumindest Konsumverminderung- hinaus. Und damit Unwirksammachung der Ausbeutungs-und Erpressungspläne.
    Umgekehrt : ein monatelanger Generalstreik würde die Massen genau vor das gleiche Problem verfrachten: Wovon die ganze Zeit leben? Der französische Sozialdenker Sorel hatte mit Recht vom Generalstreik als einem "Mythos" gesprochen und dann irrige Folgerungen aus der richtigen Entdeckung gezogen. Ein Streik muss immer aufhören, general zu sein, bevor er die eigenen Mitkämpfer zum Verhungern brächte. Also auch dann: gemeinsame Behelfsarbeit. Behelfsproduktion.
    Traditionellerweise hätte ich wohl schreiben sollen: die partiell starken Gewerkschaften werden es schon schaffen. Nur- dass die bei bestehendem Rechtsstaat- wie wir an tausend Beispielen gerade in der Bundesrepublik gesehen haben- gegen das Verkauftwerden machtlos sind.
    Deshalb mal ein etwas anderer Versuch!
    Comment (1)
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