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»Facts do not cease to exist because they are ignored.« Aldous Huxley

46 Jahre Attentat auf das Oktoberfest in München

Das Bild zeigt ein hochformatiges Plakat des DGB München für eine Gedenkveranstaltung zum Oktoberfest-Attentat.  Im oberen Bereich steht vor beigefarbenem Hintergrund das Logo des DGB München. Darunter ist in großen weißen Buchstaben die Überschrift „OKTOBERFEST GEDENKEN“ zu lesen, gefolgt vom Datum 26.09.2026.  Den größten Teil der Bildmitte nimmt die schwarze, grafisch stilisierte Darstellung eines großen Riesenrads ein. Rund um das Riesenrad sind zahlreiche schwarze und weiße, unregelmäßige Splitterformen verteilt. Sie vermitteln den Eindruck, als würde die Darstellung auseinanderbrechen oder durch eine Explosion zerrissen. Im Hintergrund sind schemenhaft weitere Elemente eines Volksfestes zu erkennen.  Der untere Teil des Plakats ist fast vollständig schwarz. Dort steht: „Gedenkveranstaltung an das Oktoberfest-Attentat“. Ganz unten befindet sich die Internetadresse „www.erinnernheisstkaempfen.de“.  Das Plakat verbindet typische Motive des Münchner Oktoberfests mit einer bewusst düsteren und fragmentierten Gestaltung und verweist damit auf das Oktoberfest-Attentat.Am 26.09.2026 jährt sich zum 46. Mal das Attentat auf das Oktoberfest von 1980 – der größte rechtsterroristische Anschlag der bundesdeutschen Geschichte.

Ein Attentat, bei dem 12 Menschen ermordet und Hunderte körperlich sowie seelisch verletzt wurden. Viele darunter leiden bis heute unter ihren Verletzungen. Ein Attentat, bei dem unzählige Angehörige, Familien und Freund*innen mit den Betroffenen mitgelitten haben und immer noch leiden.

Die diesjährige Gedenkveranstaltung setzt sich mit der Courage und der Belastung von Ersthelfer*innen auseinander. Wer waren die Menschen, die kurz nach dem Anschlag als erste zur Hilfe eilten? Was haben sie in diesem Moment gefühlt und vor allem wie geht es ihnen heute damit? Welche Unterstützung haben sie bekommen? Die Gruppe der Ersthelfer*innen wird häufig nicht als Betroffene mitgedacht, doch auch sie sind durch ihre Courage von den Folgen des Attentats betroffen. Sie sind diejenigen, die nicht weggeschaut und geholfen haben als andere in schwerster Not waren. Dieses Jahr soll ihre Perspektive  zu Wort kommen.

Das jährliche Gedenken hat das Ziel, dass die Stadtgesellschaft die Überlebenden, ihre Angehörigen und die Opfer nicht vergisst. Wir als DGB-Jugend München sehen unsere Aufgabe darin, diese Erinnerung am Leben zu erhalten, damit wir nicht vergessen. Denn erinnern heißt kämpfen!

Wir laden ein zur Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung

Ort: Denkmal am Haupteingang zur Theresienwiese
Datum: Samstag, 26. September 2026, 08:00 Uhr

Wir freuen uns, dass auch in diesem Jahr die Stadtspitze der Landeshauptstadt München ein Grußwort sprechen wird.

Mehr Informationen: erinnernheisstkaempfen.de und dokumentation-oktoberfestattentat.de

Quelle: DGB Jugend München, Flyer 2026


 

Faschismus kommt nicht überraschend und fällt auch nicht vom Himmel: Hannah Arendt im Gespräch mit Günter Gaus

Mit ihren Theorien zum Totalitarismus richtete Hannah Arendt den Blick auf die Wirkungsweisen totalitärer Herrschaft und auf die Voraussetzungen politischen Handelns. Kontroverse Debatten löste 1963 ihr Buch über den Eichmann-Prozess aus. Im Gespräch mit Günter Gaus spricht Arendt unter anderem über ihre Sicht auf Eichmann als kleingeistigen „Hanswurst“ im Räderwerk des Nationalsozialismus.

Die jüdisch-deutsche Publizistin Hannah Arendt (1906–1975), die 1933 über Paris in die USA emigrierte, lehnte die Bezeichnung „Philosophin“ für sich selbst ab. Auch im Interview mit Günter Gaus von 1963, das im ZDF am 28. Oktober 1964 ausgestrahlt wurde, zieht Arendt es vor, ihre Arbeiten als Beitrag zur politischen Theorie zu verstehen: Der Mensch ist für sie nicht nur ein denkendes, sondern immer auch ein handelndes Wesen.

Im Gespräch spricht Arendt über ihre Jugend in Deutschland bis zum Reichstagsbrand 1933, über ihre Hinwendung zur politischen Opposition und ihre Emigration, über die Gleichschaltung der Intellektuellen im nationalsozialistischen Deutschland, über ihr bewusstes Festhalten an der deutschen Sprache und über Auschwitz als einen Zivilisationsbruch, nach dem von „Wiedergutmachung“ nicht mehr im eigentlichen Sinne gesprochen werden könne. Breiten Raum nehmen außerdem ihr Verhältnis zum Nachkriegsdeutschland, die Kritik an ihrem Bericht über den Eichmann-Prozess und ihr Werk Vita activa ein.

Mehr als sechzig Jahre später gewinnt dieses Gespräch eine bedrückende Aktualität. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 erhielt die AfD 43,8 Prozent der Zweitstimmen und wurde mit großem Abstand stärkste Kraft. Sie gewann 38 der 41 Direktmandate. Von einer politischen Entwicklung, die plötzlich und unerwartet über das Land hereingebrochen wäre, kann deshalb kaum gesprochen werden. Die Stärke der AfD ist weder über Nacht entstanden noch war sie vor der Wahl verborgen.

Gerade deshalb erscheint ein Gedanke Arendts aus dem Gespräch bemerkenswert: ihre Skepsis gegenüber der nachträglichen Behauptung, historische Entwicklungen seien vollkommen überraschend gekommen. Politische Verhältnisse entstehen nicht außerhalb der Gesellschaft. Sie werden vorbereitet, normalisiert, hingenommen, unterstützt oder bekämpft – durch Institutionen, öffentliche Debatten und durch das Handeln oder Nichthandeln von Menschen.

Wer angesichts des Wahlergebnisses in Sachsen-Anhalt vor allem von einer „Überraschung“ spricht, läuft daher Gefahr, den Blick auf die lange Vorgeschichte zu verstellen. Seit Jahren waren die politischen Positionen der AfD, ihre zunehmende Stärke und ihre Verankerung insbesondere in Teilen Ostdeutschlands öffentlich sichtbar. Überraschend mag die Höhe des Ergebnisses für manche gewesen sein. Dass eine solche Entwicklung möglich war, war es nicht.

Das macht Arendts Gespräch nicht zu einem Kommentar über eine Partei, die zu ihren Lebzeiten nicht existierte. Aber ihre Überlegungen über politische Verantwortung, Anpassung, Urteilsfähigkeit und die Rolle des Einzelnen in gesellschaftlichen Prozessen bieten einen Anlass, genauer hinzusehen – gerade dann, wenn politische Entwicklungen im Nachhinein als etwas dargestellt werden, das niemand habe kommen sehen können.

(Mit Informationen des ZDF: Gaus, Günter. 1964. Zur Person: Hannah Arendt)

 

Tacheles fordert Gleichbehandlung bei Fahrtkosten im Sozial- und Steuerrecht

Tacheles fordert Gleichbehandlung bei Fahrtkosten im Sozial- und Steuerrecht Erwerbstätige im SGB-II- und SGB-XII-Bezug dürfen bei notwendigen Fahrtkosten nicht schlechter gestellt werden

 

Logo des Vereins Tacheles e.V. - ein SchriftzugDer Erwerbslosen- und Sozialhilfeverein Tacheles e. V. fordert eine sofortige Anpassung der Fahrtkostenpauschalen im SGB II und SGB XII. Maßstab muss dabei die steuerrechtliche Entfernungspauschale sein.

Es ist nicht nachvollziehbar, warum beruflich notwendige Fahrtkosten im Steuerrecht deutlich höher berücksichtigt werden als bei Menschen, die trotz Erwerbstätigkeit ergänzend auf existenzsichernde Sozialleistungen angewiesen sind.

SGB II: Nur 20 Cent statt 38 Cent pro Entfernungskilometer
Im SGB II werden bei notwendiger Nutzung eines Kraftfahrzeugs für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte lediglich 20 Cent pro Entfernungskilometer als Erwerbsaufwendungen berücksichtigt. Im SGB XII sogar nur 5,20 Euro monatlich für jeden vollen Kilometer der Entfernung.
Im Steuerrecht werden dagegen 38 Cent je Entfernungskilometer berücksichtigt.

Diese Ungleichbehandlung ist aus Sicht von Tacheles nicht sachgerecht. Die Kosten für Kraftstoff, Versicherung, Wartung, Reparaturen, Reifen und Fahrzeugverschleiß entstehen unabhängig davon, ob sie steuerrechtlich oder sozialrechtlich berücksichtigt werden. Hinzu kommt: Bei Hin- und Rückfahrt entsprechen die im SGB II anerkannten 20 Cent pro Entfernungskilometer lediglich 10 Cent pro tatsächlich gefahrenen Kilometer.

Bei einem Dieselfahrzeug mit einem Verbrauch von 8 Litern auf 100 Kilometer und einem Dieselpreis von 2,40 Euro pro Liter entstehen bereits reine Kraftstoffkosten von 19,20 Euro pro 100 Kilometer bzw. 19,2 Cent pro gefahrenen Kilometer.

Die sozialrechtliche Pauschale deckt damit nicht einmal mehr die reinen Kraftstoffkosten.

„Es ist nicht nachvollziehbar, warum der Staat beruflich bedingte Fahrtkosten im Steuerrecht mit bis zu 38 Cent pro Entfernungskilometer anerkennt, erwerbstätigen Menschen im SGB-II-Bezug aber lediglich 20 Cent zugesteht. Gerade Menschen mit niedrigen Einkommen dürfen bei notwendigen Erwerbsaufwendungen nicht schlechter gestellt werden“, erklärt Harald Thomé, Vorsitzender von Tacheles e. V.

Seit mehr als 20 Jahren unverändert
Während der durchschnittliche Dieselpreis im Jahr 2005 bei rund 1,06 Euro pro Liter lag, entspricht ein Dieselpreis von 2,40 Euro einer Steigerung um rund 126 Prozent. Die Fahrtkostenpauschale im SGB II ist hingegen seit mehr als 20 Jahren unverändert geblieben.

Nach § 11b Abs. 1 Nr. 5 SGB II sind die mit der Erzielung des Einkommens verbundenen notwendigen Ausgaben vom Einkommen abzusetzen.
Pauschalierungen dürfen nicht dazu führen, dass tatsächlich notwendige Erwerbsaufwendungen systematisch unberücksichtigt bleiben und aus dem
Existenzminimum finanziert werden müssen.

„Wer von Leistungsbeziehenden verlangt, jede zumutbare Arbeit aufzunehmen und auszuüben, und dies im Zweifel mit 100-Prozent-Sanktionen durchsetzt, muss auch die notwendigen Kosten dieser Erwerbstätigkeit angemessen berücksichtigen. Es gibt keinen überzeugenden Grund, warum ein Entfernungskilometer im Steuerrecht deutlich mehr wert sein soll als im Sozialrecht“, so Thomé.

Tacheles fordert Angleichung im SGB II und SGB XII
Tacheles fordert den Gesetz- und Verordnungsgeber auf, die Fahrtkostenregelungen im SGB II und SGB XII kurzfristig an das Steuerrecht anzugleichen.
Auch im SGB XII besteht erheblicher Anpassungsbedarf. Nach der Verordnung zur Durchführung des § 82 SGB XII werden bei Nutzung eines Kraftfahrzeugs für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte lediglich 5,20 Euro monatlich für jeden vollen Kilometer der Entfernung berücksichtigt. Diese Regelung reicht in ihren Ursprüngen weit in das frühere Bundessozialhilferecht zurück und bildet die heutigen Kosten der Kraftfahrzeugnutzung nicht mehr realistisch ab.

Konkret fordert Tacheles:
• die Angleichung der Kfz-Fahrtkostenpauschale im SGB II an die steuerrechtliche Entfernungspauschale von mindestens 38 Cent pro Entfernungskilometer,
• eine entsprechende Anpassung der Fahrtkostenregelungen im SGB XII,
• eine regelmäßige Überprüfung und Dynamisierung der Pauschalen entsprechend der tatsächlichen Kostenentwicklung,
• eine gesetzliche Regelung, nach der bei unselbstständiger Tätigkeit, Reparatur- und TÜV-Kosten ebenfalls als notwendige Ausgaben nach § 11b Abs. 1 Nr. 5 SGB II vom Einkommen abzusetzen sind.

Es geht dabei nicht um eine zusätzliche Vergünstigung für Leistungsbeziehende. Es geht um die Gleichbehandlung notwendiger beruflicher Fahrtkosten im Steuer- und Sozialrecht und darum, dass Erwerbstätige ihre Arbeit nicht aus dem Existenzminimum mitfinanzieren müssen.

Weitere Infos zum Thema.

Quelle: Pressemitteilung Tacheles e. V., 20. September 2026


 

FAU Stuttgart hat unbezahlten Lohn erfolgreich eingeklagt

Das Foto zeigt Mitglieder der FAU Stuttgart bei einer Kundgebung vor dem "Keyf". Die Perosnen tragen ein Transparent mit dem Text "Pay your Workers!" sowie dem Logo der FAU sowie weiteren FAU Fahnen.

Foto: FAU Stuttgart

Der Gastronomiebetrieb Keyf Grill&Frühstück hat einem Mitglied der Basisgewerkschaft FAU Stuttgart Anfang des Jahres mehrere Löhne nicht gezahlt. Mehrere gewerkschaftlichen Kundgebungen vor dem Betrieb am Stuttgarter Rotebühlplatz und ein Termin am Arbeitsgericht sorgten für Gerechtigkeit: Nach langem Kampf zahlt Keyf dem Mitglied ausstehende Löhne.

Die Betroffene kam 2025 nach Deutschland um hier zu studieren. Sie wollte bis zum Erwerb guter Sprachkenntnisse in der Gastronomie ihren Lebensunterhalt verdienen. Wurden ihre mangelnde Sprach- sowie Rechtskenntnisse vom Gastronomiebetrieb gezielt und schamlos ausgenutzt? Nachdem sie selbst bereits eine Klage wegen nicht gezahlten Lohns eingereicht hatte, wandte sie sich an die Basisgewerkschaft FAU Stuttgart.

Geleistete Arbeit muss bezahlt werden

Seitens des Anwalts der Gastronomie-GmbH wurde schon wegen anfänglichen Formfehlern bestritten, überhaupt zuständig zu sein. Arbeitsvertrag, Bestätigung von Arbeitszeitnachweisen und Lohnabrechnungen hat die Betroffene von Keyf nicht erhalten. Schreiben, persönliche Gesprächsangebote und Kundgebungen der Gewerkschaft FAU wurden vom Gastronomiebetrieb ignoriert. Jedoch konnten Recherchen der Gewerkschaft schnell klare Zuständigkeiten rechtssicher belegen und mit anwaltlicher Unterstützung und Prozesskostenhilfe gelang es letztlich bei einem Gütetermin am Arbeitsgericht eine Einigung zugunsten der Betroffenen zu erzielen. Nach Wartezeit von mehreren Wochen und einer weiteren Protestkundgebung vor dem Gastronomiebetrieb kamen dann schließlich der ausstehende Lohn und die fehlenden Lohnabrechnungen.

In der Gastronomie kein Einzelfall

„Für unser Mitglied waren die Monate ohne Lohn von großer Unsicherheit geprägt.“, so ein FAU-Gewerkschaftssekretär. „Doch Aufgeben kam nicht infrage - sie zeigte Stärke und hatte ihre Gewerkschaft bis zum Schluss an ihrer Seite. Ihre Situation ist kein Einzelfall in der Gastronomiebranche, in der trotz Tarifvertrag geltende Arbeits- und Tarifstandards immer wieder unterschritten und bewusst missachtet werden.“

Mehr zum Fall Keyf.

Quelle: Pressemitteilung FAU Stuttgart


 

11. Jahrestag eines rechten Mordes in Neukölln: Remembering Luke Holland - In Erinnerung an Luke Holland

Luke Holland wurde nur 31 Jahre alt. Denn am 20. September 2015 wurde er am frühen Morgen von einem Neonazi auf offener Straße in Neukölln ermordet.

Luke kam aus Manchester und zog 2014 nach Berlin. Er wurde ermordet, weil er Englisch sprach. Kurz vor der Tat beschwerte sich der Mörder darüber, dass in der Bar, vor der er den Mord beging, „nur noch Englisch und Spanisch gesprochen" werde. In seiner Wohnung wurden zahlreiche Nazi-Devotionalien, Waffen, Munition und Sprengstoff gefunden. Ein rechtes Tatmotiv wollten Richter und Staatsanwälte aber trotzdem nicht feststellen. 
Lukes Vater Philip Holland geht davon aus, dass Lukes Mörder 2012 auch Burak Bektaş ermordet hat und der fehlende Ermittlungsdruck nach dem Mord an Burak dem Verdächtigen das Selbstvertrauen gegeben hat, auch seinen Sohn Luke umzubringen. Im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum „Neukölln-Komplex" kritisierte er die polizeilichen Ermittlungen scharf. 
An Lukes 11. Todestag kommen wir an der Todesstelle zusammen, um ihm zu gedenken. Bringt gerne Blumen und Kerzen mit. Niemand wird vergessen!
 

Remembering Luke Holland - In Erinnerung an Luke Holland
11. Jahrestag eines rechten Mordes in Neukölln
Kundgebung Sonntag, 20. September 2026, 15:00 Uhr
 - Luke Holland Gedenkort Ringbahnstraße Ecke Walterstraße (Nähe S-Bahnhof Neukölln) Berlin

Die Broschüre „Handeln statt Reinwaschen! Betroffene und Zivilgesellschaft zum Parlamentarischen Untersuchungsausschuss ‚Neukölln-Komplex'" von Betroffenen und Zivilgesellschaft zum Parlamentarischen Untersuchungsausschuss »Neukölln-Komplex« befindet sich hier als PDF-Datei und hier als E-Book-Reader.


Luke Holland was only 31 years old. On September 20, 2015, he was murdered in the early morning by a neo-Nazi on the street in Neukölln.
Luke came from Manchester and moved to Berlin in 2014. He was murdered because he spoke English. Shortly before the crime, the murderer complained that "only English and Spanish were spoken" in the bar in front of which he committed the murder. Nazi memorabilia, weapons, ammunition, and explosives were found in his apartment. However, judges and prosecutors still did not want to establish a right-wing motive for the crime.
Luke's father, Philip Holland, believes that Luke's murderer also murdered Burak Bektaş in 2012 and that the lack of investigative pressure after Burak's murder gave him the confidence to kill his son Luke as well. In the parliamentary committee of inquiry into the "Neukölln complex," he sharply criticized the police investigations.
On the 11th anniversary of Luke's death, we will gather at the site of his death to commemorate him. Please feel free to bring flowers and candles. No one will be forgotten!

In Memory of Luke Holland
11th Anniversary of a Right-Wing Murder in Neukölln
Rally Sunday, September 20, 2026, 3:00 p.m.
 - Luke Holland memorial site Ringbahnstraße corner of Walterstraße (near Neukölln S-Bahn station)

 



 

11. Jahrestag eines rechten Mordes in Neukölln: Remembering Luke Holland - In Erinnerung an Luke Holland

Luke Holland wurde nur 31 Jahre alt. Denn am 20. September 2015 wurde er am frühen Morgen von einem Neonazi auf offener Straße in Neukölln ermordet.

Dieses Bild zeigt eine Schwarz-Weiß-Grafik mit einem Porträt und der Aufschrift „Remembering Luke Holland – In Gedenken“.

Grafik: https://burak.blackblogs.org

Luke kam aus Manchester und zog 2014 nach Berlin. Er wurde ermordet, weil er Englisch sprach. Kurz vor der Tat beschwerte sich der Mörder darüber, dass in der Bar, vor der er den Mord beging, „nur noch Englisch und Spanisch gesprochen" werde. In seiner Wohnung wurden zahlreiche Nazi-Devotionalien, Waffen, Munition und Sprengstoff gefunden. Ein rechtes Tatmotiv wollten Richter und Staatsanwälte aber trotzdem nicht feststellen. 
Lukes Vater Philip Holland geht davon aus, dass Lukes Mörder 2012 auch Burak Bektaş ermordet hat und der fehlende Ermittlungsdruck nach dem Mord an Burak dem Verdächtigen das Selbstvertrauen gegeben hat, auch seinen Sohn Luke umzubringen. Im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum „Neukölln-Komplex" kritisierte er die polizeilichen Ermittlungen scharf. 
An Lukes 11. Todestag kommen wir an der Todesstelle zusammen, um ihm zu gedenken. Bringt gerne Blumen und Kerzen mit. Niemand wird vergessen!

Remembering Luke Holland - In Erinnerung an Luke Holland
11. Jahrestag eines rechten Mordes in Neukölln

Kundgebung Sonntag, 20. September 2026, 15:00 Uhr
 - Luke Holland Gedenkort Ringbahnstraße Ecke Walterstraße (Nähe S-Bahnhof Neukölln) Berlin

Die Broschüre „Handeln statt Reinwaschen! Betroffene und Zivilgesellschaft zum Parlamentarischen Untersuchungsausschuss ‚Neukölln-Komplex'" von Betroffenen und Zivilgesellschaft zum Parlamentarischen Untersuchungsausschuss »Neukölln-Komplex« befindet sich hier als PDF-Datei und hier als E-Book-Reader.


Luke Holland was only 31 years old. On September 20, 2015, he was murdered in the early morning by a neo-Nazi on the street in Neukölln.


Luke came from Manchester and moved to Berlin in 2014. He was murdered because he spoke English. Shortly before the crime, the murderer complained that "only English and Spanish were spoken" in the bar in front of which he committed the murder. Nazi memorabilia, weapons, ammunition, and explosives were found in his apartment. However, judges and prosecutors still did not want to establish a right-wing motive for the crime.

Luke's father, Philip Holland, believes that Luke's murderer also murdered Burak Bektaş in 2012 and that the lack of investigative pressure after Burak's murder gave him the confidence to kill his son Luke as well. In the parliamentary committee of inquiry into the "Neukölln complex," he sharply criticized the police investigations.

On the 11th anniversary of Luke's death, we will gather at the site of his death to commemorate him. Please feel free to bring flowers and candles. No one will be forgotten!

In Memory of Luke Holland
11th Anniversary of a Right-Wing Murder in Neukölln
Rally Sunday, September 20, 2026, 3:00 p.m.
 - Luke Holland memorial site Ringbahnstraße corner of Walterstraße (near Neukölln S-Bahn station)

 

Quelle / Source



 

Wer mit Transparent demonstriert, wird von der Polizei fotografiert? GFF klagt gegen anlassloses Fotografieren bei Versammlungen

Berlin, 17. September 2026 - Die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) hat heute vor dem Verwaltungsgericht Berlin Klage gegen die anlasslose und systematische fotografische Erfassung von Transparenten und den dahinterstehenden Teilnehmenden durch die Polizei eingereicht. Die Klägerin hatte am 20. September 2025 auf einer feministischen Demonstration ein Transparent für die Legalisierung von Abtreibung in Berlin gehalten und war von der Polizei fotografiert worden. In diesem Vorgehen sieht die GFF eine Verletzung der Versammlungsfreiheit. Mit der Klage soll festgestellt werden, dass die Polizei Protestierende und ihre politischen Botschaften nicht ohne einen Anlass, wie beispielsweise den Verdacht einer Straftat oder eine konkrete Gefahr, fotografieren darf. Dadurch soll sichergestellt werden, dass Menschen ihre Versammlungsfreiheit ausüben können – ohne befürchten zu müssen in polizeilichen Datenbanken aufgenommen zu werden.

„Protest und das Zeigen von Transparenten ist eine zulässige Ausübung von Versammlungsfreiheit – und ein wesentlicher Baustein unserer Demokratie. Wo keine Gefahr und kein Strafverdacht besteht, sollte auch niemand von der Polizei fotografiert und damit eingeschüchtert werden“, sagt Luise Bublitz, Juristin und Verfahrenskoordinatorin bei der GFF.

Die #nofundis-Versammlung ist ein jährlich stattfindender Gegenprotest zum „Marsch für das Leben“ und setzt sich für die Legalisierung von Abtreibung und reproduktive Selbstbestimmung ein. Die Klägerin hielt ein Transparent mit der Aufschrift „Abtreibung legalisieren“. Auf Nachfrage bei einem Polizisten stellte sich heraus, dass die Berliner Beamt*innen intern angewiesen wurden, alle Plakate und Transparente mit politischen Botschaften zu fotografieren. Die Anweisung unterscheide nicht danach, ob der Verdacht einer Straftat besteht oder nicht.

Das Vorgehen der Polizei schränkt die Versammlungsfreiheit ein. Es kann Demoteilnehmer*innen einschüchtern und davon abhalten, in Zukunft an Protesten teilzunehmen oder Plakate und Transparente mitzubringen. Für diesen massiven Grundrechtseingriff fehlt der Polizei eine Rechtsgrundlage. Der Fall muss vor dem Hintergrund gesehen werden, dass die Polizei Versammlungen zunehmend repressiv begleitet.

Die GFF hat bereits mit anderen Klagen vor dem Berliner Verwaltungsgericht die Versammlungsfreiheit verteidigt – unter anderem gegen den Einsatz von Schmerzgriffen bei friedlichen Demonstrationen und Sprachauflagen durch die Polizei sowie das anlasslose Speichern von Daten von Demoteilnehmer*innen beim Verfassungsschutz.

Weitere Informationen zum Verfahren

Quelle: Pressemitteilung 17. September 2026


 

k9 » größenwahn » politischer fiimabend: Rebel Without a Cause - ... denn sie wissen nicht, was sie tun

Der Flyer zum Film mit Text aus dem Beitrag und Angaben zum Ort und Zeit.

Flyer zum Film

Zukunftsangst und Richtungslosigkeit us-amerikanischer Teenager der 50er Jahre und ihre Rebellion gegen die satte Selbstzufriedenheit ihrer gutbürgerlichen Elternhäuser bestimmen das Klima des Dramas dreier Halbwüchsiger, die ihre Aggressionen als Mitglieder einer motorisierten Bande bei gefährlichen, in einem Fall tödlichen Spielen abreagieren. Aus heutiger Sicht jedoch in etwas seltsamer Weinerlich- oder Rührseligkeit.

Nicholas Ray 1955 USA mit James Dean+Natalie Wood 106 min Denn Sie wissen nicht, was sie tun machte James Dean zu einer Ikone des Kinos. Der Mythos wurde noch verstärkt durch den frühen Unfalltod des Stars, der mit seinem Porsche in den Tod raste.

Alle drei Hauptdarsteller – James Dean, Sal Mineound Natalie Wood – starben unter tragischen Umständen vorzeitig. Dean starb bei einem Autounfall im September 1955, Mineo wurde im Februar 1976 ermordet und Wood ertrank im Spätherbst 1981. Edward Platt tötete sich im März 1974 selbst.

WikiPedia

combatiente zeigt geschichtsbewußt:

revolucion muß sein!
filme aus aktivem widerstand & revolutionären kämpfen
kinzigstraße 9 « 10247 berlin + U5 samariterstraße + S frankfurter allee


 

Blogkino: "Schlacht um Algier" - La battaglia di Algeri (1956)

Heute zeigen wir in unserer Reihe Blogkino den italienisch-algerischen Spielfilm "Die Schlacht um Algier" aus dem Jahr 1966. Der mit Laiendartsteller*Innen besetzte Film feierte seine Premiere im September 1966 bei den Filmfestspielen von Venedig. In Frankreich und England war er bis 1971 verboten. Auch in anderen Ländern versuchten Organisationen wie die Organisation de l’armée secrète (OAS) Aufführungen zu verhindern und zu sabotieren. In lateinamerikanischen Regimen wurde der Film in den 1970er Jahren zur Unterweisung in Foltermethoden benutzt.

Zur Handlung schreibt Wikipedia: "Die Handlung spielt in Algier im Jahr 1957. Die Einheiten der französischen Armee werden von Colonel Mathieu befehligt. Er jagt in der verwinkelten Altstadt, der Kasbah, die Urheber immer neuer Bombenanschläge der FLN, die sich zunehmend auch gegen Zivilisten richten. Die Aufständischen werden von Ali La Pointe befehligt, der als Attentäter vom Kleinkriminellen zum Leiter des Widerstands aufsteigt. Die Grausamkeiten beider Seiten wie die Folter von Verdächtigen durch die Franzosen und die Morde der FLN an „Verrätern“ werden ungeschönt dargestellt."


  


 

Jenseits von Klimaoptimismus und Klimapessimismus oder: Ausgehend von der Annahme, dass wir am Arsch sind

Ich hatte recht mit dem Klimawandel, was seine Schwere und seine Dringlichkeit angeht.

Ich habe mir noch nie in meinem ganzen Leben so sehr gewünscht, mich in einer Sache zu irren.

Aber wir dürfen nicht in einfache Fallen wie Optimismus tappen. Oder Pessimismus. Wir dürfen nicht zulassen, dass „wir sind am Arsch“ das Ende der Diskussion ist, aber wir können auch nicht so tun, als wären wir nicht auch, nun ja, irgendwie in Schwierigkeiten. Wir stecken irgendwie in der Scheiße. Das muss einfach der Anfang der Diskussion sein, nicht ihr Ende. Dieser Sommer war verheerend und könnte in den Geschichtsbüchern (falls wir noch da sind, um Geschichtsbücher zu schreiben) als der Sommer in die Geschichte eingehen, in dem die globale Erwärmung wirklich und wahrhaftig zu einer gegenwärtigen Bedrohung wurde und nicht nur zu einer zukünftigen.

Dieser Sommer war verheerend, aber wenn wir die Überschwemmungen in Nepal sehen, wenn wir aus tausend Meilen oder zehn Meilen Entfernung am Rauch von Waldbränden ersticken, während wir zusehen, wie sich der Ozean erwärmt, und lesen, dass Korallenriffe wahrscheinlich der Vergangenheit angehören, müssen wir uns daran erinnern: Das ist nicht die neue Normalität. Das ist das Beste, was es geben wird.

Aus der Vogelperspektive sind zwei Menschen auf einem weiten, vollständig ausgetrockneten Boden zu sehen. Die Erde ist von tiefen Rissen durchzogen und in unzählige unregelmäßige, harte Schollen aufgebrochen. Eine Person in gelb-orangefarbener Kleidung arbeitet gebückt mit einem langen Werkzeug am Boden. Daneben hockt eine zweite Person in einem roten Oberteil neben einem dunklen Behälter oder Eimer. Das tief stehende Sonnenlicht fällt von rechts ein und lässt die beiden Menschen lange Schatten nach links werfen. Die warmen Braun-, Orange- und Rottöne sowie die rissige Erde bestimmen das gesamte Bild und vermitteln einen starken Eindruck von Trockenheit und Dürre.

Vater pflanzt Bäume für die Zukunft
Foto: Artdevera17
Creative-Commons-Lizenz: „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international“.

Dieser Sommer war verheerend, aber er ist nicht die neue Normalität. Vielleicht erreichen wir nie eine neue Normalität. Es wird nie wieder eine Normalität geben, es sei denn, wir stoppen die alles vernichtenden Wahnsinnigen, die wissentlich und willentlich jeden Menschen, jedes Tier, jede Pflanze und jedes Ökosystem auf dem Planeten zerstören. Solange wir die Infrastruktur für fossile Brennstoffe nicht stilllegen, wird es nie eine neue Normalität geben. Wir können unsere Gesellschaft und unser Leben an eine veränderte Welt anpassen, aber es ist viel schwieriger, sich an eine sich ständig verändernde Welt anzupassen.

Irgendwann wird die Erwärmung natürlich aufhören. Entweder wir stellen die klimawandelverursachende Infrastruktur ab, oder das Klima wird diese Infrastruktur irgendwann für uns zerstören. Da ich das Leben schätze - sowohl mein eigenes als auch das der Menschen, Tiere und Pflanzen um mich herum - ziehe ich es bei weitem vor, auf Ersteres hinzuarbeiten, anstatt Letzteres einfach hinzunehmen. Die UN gab letzte Woche zu, dass es unmöglich ist, die Erwärmung innerhalb der von ihr erhofften Schwelle von 1,5 Grad Celsius zu halten, und das Internet füllte sich daraufhin mit Meinungsbeiträgen. Ich wäre ein Heuchler, wenn ich mich darüber aufregen würde, dass Leute Kommentare schreiben. Ich bin lieber ein Typ, der erst mal einen kühlen Kopf bewahrt, als einer, der sofort heißläuft - also habe ich mir etwas Zeit gelassen und ein paar Gespräche geführt.

Die meisten Gespräche führten allerdings zu nichts, denn nichts bringt ein höfliches Gespräch schneller zum Erliegen als das Thema Klimawandel.

Die UN gab letzte Woche zu, dass es unmöglich ist, die Erwärmung innerhalb der erhofften 1,5-Grad-Celsius-Grenze zu halten, und die Leute sagten: „Wie können sie es wagen, aufzugeben?“, und die Leute sagten: „Da kann man nichts mehr tun“, und die Leute sagten: „Ist schon okay, sie haben einen guten, soliden Plan vorgelegt, um die Erwärmung zu senken, und ich bin sicher, dass er funktionieren wird“ - und mir gefällt keine dieser Reaktionen.

Ich habe eigentlich kein Problem mit dem Bericht selbst. Man kann ein Problem nicht lösen, ohne es nüchtern zu betrachten, ohne die Realität der Situation zu akzeptieren. Arrogante Selbstüberschätzung wird jeden Krieg verlieren. Wir werden die 1,5-Grad-Grenze sehr bald überschreiten (und der einzige Grund, warum wir das noch nicht getan haben, ist, dass sie auf der Grundlage von 20-Jahres-Durchschnittswerten berechnet wird, nicht für jedes einzelne Jahr). Das ist die Wahrheit.

Es ist auch die Wahrheit, dass die Regierungen und Konzerne dieser Welt ihre Verantwortung nicht ernst nehmen und die meisten von ihnen keinerlei Anzeichen dafür gezeigt haben, dass sie es jemals tun werden. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass der derzeitige Status quo zu etwas anderem als einem Untergang unvorstellbaren Ausmaßes führen wird.

Weder naiver Optimismus noch fatalistischer Pessimismus werden uns retten, und beides sind Formen der Verleugnung, die, ehrlich gesagt, genauso peinlich sind wie die regelrechte Leugnung des Klimawandels.

Naiver Optimismus ist der Glaube, dass sich die Lage bereits verbessert. Nicht, dass sich die Erde abkühlt, sondern dass wir auf dem besten Weg sind, die Schäden zu verlangsamen und umzukehren. Davon gibt es verschiedene Varianten: Manche glauben, dass die Infrastruktur für fossile Brennstoffe weltweit abgebaut wird (während fossile Brennstoffe jedes Jahr einen geringeren Anteil an der gesamten Stromerzeugung ausmachen, steigt die tatsächlich verbrannte Menge an Kohle und Gas, weil die Gesamtstromerzeugung zunimmt); manche glauben, sobald ihre Kandidaten an der Macht sind, wird es eine ausreichend große Verschiebung nach links geben, ohne dass die politischen und wirtschaftlichen Systeme grundlegend verändert werden müssen; manche glauben, dass uns die Kalte Fusion bald unbegrenzte saubere Energie liefern wird (seit Jahrzehnten heißt es schon, das stünde kurz bevor) und sich alles von selbst lösen wird.

Naiver Optimismus ist der Glaube, dass das Problem in den Griff bekommen wird. Es ist eine Art, die Verantwortung für die Schaffung einer besseren Welt abzuschütteln.

Fatalistischer Pessimismus ist die logische Folge davon. Der oft verspottete „Doomerismus“ ist eine weitere Art, Verantwortung abzuschieben. Wenn man nichts tun kann, kann man einfach die Hände in die Luft werfen und sich vom Problem abwenden. Wenn man nichts tun kann, kann man genauso gut tun, was man will.

Wir müssen gemeinsam die Verantwortung dafür übernehmen, dieses Chaos zu beseitigen. Und damit meine ich nicht, Glühbirnen gegen LEDs auszutauschen und so zu tun, als würde Recycling tatsächlich funktionieren (fast überall, wo ich je gelebt habe, kann man zusehen, wie das Recycling in demselben LKW abtransportiert wird wie der Müll). Systemische Probleme löst man nicht mit individuellen Lösungen, und die Besessenheit vom eigenen CO₂-Fußabdruck war eine Idee, die uns von British Petroleum aufgezwungen wurde.

Verantwortung dafür zu übernehmen, das Problem zu beheben, bedeutet nicht, Schuld zu akzeptieren. Es gibt einen Unterschied zwischen Verantwortung und Schuld. Es ist nicht meine Schuld, dass ich in einer transphoben Welt lebe (zum Beispiel). Ich habe nicht die Bedingungen geschaffen, unter denen Menschen Trans-Personen misstrauen und ihnen Schaden zufügen. Aber meine eigene Befreiung liegt in meiner eigenen Verantwortung. Ich kann nicht herumsitzen und darauf warten, dass meine Unterdrücker das für mich tun.

Der meiste liberale Aktivismus neigt dazu, diesen Unterschied zu vergessen. In der gängigsten liberalen Denkweise darf man einer unterdrückten Person niemals sagen, dass ihre Freiheit in ihrer eigenen Verantwortung liegt, weil das implizieren könnte, dass die Unterdrückung ihre eigene Schuld ist. Aber wenn wir den Menschen die Verantwortung nehmen, nehmen wir ihnen auch ihre Handlungsfähigkeit. LGBT-Rechte - und materielle Ressourcen wie kostenlose Kliniken und Programme zur gegenseitigen Hilfe - wurden uns nicht von oben herab gewährt. Sie wurden aufgebaut, größtenteils von den Überlebenden des AIDS-Völkermords. Wir haben Handlungsfähigkeit, weil wir Verantwortung für unsere eigene Freiheit und unser Überleben übernommen haben.

Allerdings erfordern manche systemischen Veränderungen tatsächlich individuelle Veränderungen. Wir sollten wahrscheinlich weniger fliegen. Wir sollten wahrscheinlich deutlich weniger Fleisch essen. Wir sollten wahrscheinlich weniger Auto fahren und uns von benzinbetriebenen Autos verabschieden. Aber all diese Dinge spielen nur dann eine Rolle, wenn sie in großem Maßstab geschehen - es geht nicht darum, dein individuelles Verkehrsmittel zu ändern, sondern darum, unsere Infrastruktur so zu verändern, dass Menschen öffentliche Verkehrsmittel nutzen und Fahrrad fahren können. Es geht nicht darum, vegan zu leben, sondern darum, eine Lebensmittelwirtschaft zu entwickeln, die saisonale Lebensmittel bevorzugt, die überwiegend pflanzlich sind.

Ein „individueller Boykott“ ist kein Boykott, sondern eine Lebensstilentscheidung. Ein Boykott ist eine organisierte, kollektive Aktion - oder gar keine Aktion. Wenn eine einzelne Person streikt, ist das kein Streik. Es muss ein bedeutender Prozentsatz der Belegschaft die Arbeit niederlegen, wenn man kollektive Macht aufbauen will (und nicht einfach nur gefeuert wird). Die meisten von uns wissen, dass wir aus diesem Schlamassel nicht herauskommen, indem wir als Einzelne unsere Gewohnheiten ändern. Die meisten von uns sind außerdem in einer Gesellschaft aufgewachsen, die uns systematisch jegliches Gefühl von Selbstbestimmung nimmt. In der Schule bist du den Autoritäten untergeordnet und sollst so lernen, wie sie es erwarten. An der Uni ist es dasselbe. Lehrende und Verwaltungsangestellte kontrollieren dich, obwohl du die Lehrenden dafür bezahlst, dich zu unterrichten, und die Verwaltungsangestellten dafür, den Betrieb am Laufen zu halten.

Im Berufsleben ist es genauso. Lohnarbeit sollte eigentlich eine vertragliche Vereinbarung zwischen Gleichberechtigten sein: Das Restaurant will, dass sein Geschirr gespült wird, und du willst bezahlt werden. Aber dein Chef schimpft mit dir, schreibt dir vor, was du tun darfst und was nicht, obwohl du für ihn Geld verdienst.

Im öffentlichen Leben als Erwachsener in einer Demokratie ist es irgendwie immer noch dasselbe: Du wirst von den Institutionen überwacht und kontrolliert, für die du bezahlst, die du angeblich durch deine Stimme gestärkt hast.

Wir werden von Geburt an darauf trainiert, keine Handlungsfähigkeit zu haben. Und die Leute fragen sich, warum wir als Gesellschaft Schwierigkeiten haben, den Klimawandel sinnvoll anzugehen.

Die wenige Handlungsfähigkeit, die uns gewährt wird, ist in der Regel kleinräumig und individuell. Wir können entscheiden, wofür wir unser Geld ausgeben, wir können entscheiden, wen wir wählen. Was wir jedoch brauchen, ist, unsere kollektive Handlungsfähigkeit zu finden.

Gemeinsam Macht aufbauen, lernen, unsere Handlungsfähigkeit auszuüben - das ist kein kleiner Teil dessen, was nötig ist, um den Klimawandel anzugehen. Eure Arbeitsstätte gewerkschaftlich organisieren (oder eure Gewerkschaft dazu bringen, demokratischer zu handeln). Arbeitergenossenschaften gründen und für Demokratie am Arbeitsplatz kämpfen. Zu lernen, einander als Gleichberechtigte zu behandeln und Konflikte zu entschärfen - so bauen wir Macht auf.

Kindern Verantwortung beizubringen sollte so sein wie ihnen das Fahrradfahren beizubringen: Vielleicht brauchen sie anfangs Stützräder, aber euer Ziel ist es, diese Räder abzunehmen. Wir alle brauchen von Zeit zu Zeit Orientierung und Anleitung, besonders kleine Kinder, aber ein Freund von mir drückt es immer so aus: „Wenn du Verantwortung für jemanden trägst, ist es dein oberstes Ziel, ihn zu befähigen, selbst Verantwortung zu übernehmen, damit er Selbstbestimmung über sich selbst erlangt. Du musst dich selbst überflüssig machen.“

Ich bin mir sicher, dass es pädagogische Methoden gibt, die Kindern beibringen, nicht nur über ihre eigene Bildung, sondern auch gemeinsam Selbstbestimmung zu erlangen. Ich kenne mich mit Schulen einfach nicht so gut aus wie mit Arbeitsplätzen. Jede nüchterne Analyse der Klimasituation führt unweigerlich zu dem Schluss, dass wir in Schwierigkeiten stecken. Man könnte sogar sagen: „Wir sind am Arsch“, obwohl diese Formulierung natürlich dazu neigt, Leute abzuschrecken.

Es ist ein heikler Balanceakt, den ich noch nicht ganz beherrsche. Wie sagen wir den Leuten: „Es ist nicht alles in Ordnung, und eine verdammte Menge Menschen wird sterben - darunter möglicherweise auch du und ich, aber vor allem Menschen in anderen Ländern - und das macht es nicht okay“, und zwar mit genug Aufrichtigkeit, um die Leute zum Handeln zu bewegen, ohne sie dabei in die Verzweiflung zu treiben?

Meine Theorie ist, dass wir unsere nüchterne Analyse des Problems, wann immer möglich, mit Maßnahmen verbinden müssen, die die Menschen ergreifen können. Handeln, nicht Hoffnung, ist das Gegenmittel gegen Verzweiflung.

Der Haken ist natürlich, dass keine einzelne Maßnahme uns retten wird.

Gut, dass es also 8,3 Milliarden Menschen auf dieser Welt gibt. Das sind 8,3 Milliarden Menschen, deren Zukunft davon abhängt, den Omnicid unseres Planeten zu stoppen. Das sind 8,3 Milliarden Menschen, die den Ausbau der Infrastruktur für fossile Brennstoffe stoppen können, die alternative Verkehrsinfrastrukturen entwickeln können, die andere Lebensmittelversorgungsketten aufbauen können. Das sind 8,3 Milliarden Menschen, die [ZENSIERT] oder [ZENSIERT] tun können oder direkt zu [ZENSIERT] gehen und dann [ZENSIERT] können. (Hast du gedacht, wir würden da kampflos davonkommen?) Seit Jahren bezeichne ich den Faschismus als den Miniboss und den Klimawandel als den Big Boss, aber das heißt nicht, dass der Faschismus ein geringeres Problem ist. Du musst zuerst den Miniboss bekämpfen. Er steht zwischen dir und dem Big Boss. Aber, um meine Videospiel-Analogie fortzusetzen: Der Kampf gegen den Miniboss lehrt dich, wie man den Big Boss besiegt. Du sammelst Erfahrungspunkte. Du steigst ein Level auf. Du bekommst neue Zaubersprüche … okay, vielleicht nicht ganz so.

Der derzeitige Aufstieg des Faschismus scheint direkt auf den Klimawandel zurückzuführen zu sein. Kein Teil von mir glaubt, dass die regierenden rechten Politiker den Klimawandel tatsächlich anzweifeln - seine Schwere herunterzuspielen und zu leugnen, ist stattdessen ein kalkulierter Schachzug ihrerseits.

Denn rechte Regierungen bereiten sich auf den Klimawandel vor. Sie schließen Grenzen, bauen Mauern. Der globale Norden weiß, dass der globale Süden in Schwierigkeiten steckt, also verriegeln sie die Türen.

Das ist die „Ich hab meins, scheiß auf euch“-Einstellung gegenüber der Apokalypse. Rechte Spinner ohne systemische Macht bauen Bunker, füllen sie mit Trockennahrung und Munition und fantasieren davon, jeden zu erschießen, der versucht, ihre Bohnen und ihren Reis zu stehlen, weil sie nicht vorhaben, zu teilen. Rechte Spinner mit systemischer Macht tun dasselbe, aber auf nationalstaatlicher Ebene. „Festung Europa“ und Trumps USA verschließen beide die Türen, damit sie nicht teilen müssen, wenn es weltweit schlimm wird.

Milliarden und Abermilliarden von Menschen leben in Regionen, die mit extremer Hitze und unerträglichen Außentemperaturen zu kämpfen haben, und es ist entsetzlich böse, die Luken zu verriegeln, gerade jetzt, wo immer mehr Menschen in Not geraten. (Und natürlich ist es nicht der globale Süden, der uns überhaupt erst in dieses Schlamassel gebracht hat.)

Um den Klimawandel zu bekämpfen, müssen wir den Klimafaschismus bekämpfen. Daran führt kein Weg vorbei. Es gibt eine mächtige Minderheit von Menschen, die beschlossen haben, dass das Ende naht, und die, anstatt die schlimmsten Auswirkungen abzumildern, einfach Menschen töten werden. Wir müssen sie aufhalten. Ich weiß nicht genau, wie, aber ich will sagen, dass mein Großvater und der Bruder meiner Großmutter beide am letzten großen weltweiten Kampf gegen den Faschismus beteiligt waren - und ihre Lösung bestand jeweils aus Torpedos und Luftangriffen. Aber um konkret zu werden: Ich glaube, einige Maßnahmen, die wir ergreifen können, sind - in keiner bestimmten Reihenfolge:

  • Entwickelt die Fähigkeit, kollektives Handeln auf horizontaler Ebene zu gestalten (wie zum Beispiel, aber nicht beschränkt auf Gewerkschaften, kollektive Arbeitsstätten, Aktivistengruppen, Direkten-Aktionsgruppen). Unterstützt Menschen, die diese Art von Handlungsfähigkeit aufbauen: Kauft in Unternehmen ein, die den Beschäftigten gehören, überschreitet keine Streikpostenketten, geht bei Protesten auf die Straße und seid dabei.
  • Bekämpft den Ausbau der Infrastruktur für fossile Brennstoffe - durch Lobbyarbeit und direkte Aktionen.
  • Bekämpft den Aufstieg des Klimafaschismus - durch Gemeinschaftsorganisation und Gemeinschaftsverteidigung, wenn möglich mit gesetzgeberischen Mitteln und, falls nötig, durch Aufstand.
  • Unterstützt Menschen, die im Kampf gegen Faschismus und Klimawandel verhaftet werden.
  • Kämpft gegen die Trägheit, die uns mit dem Status quo zufrieden sein lässt - egal, ob diese Zufriedenheit durch Verleugnung, naiven Optimismus oder fatalistischen Pessimismus entsteht.
  • Schafft widerstandsfähige Gemeinschaften durch individuelle und gemeinschaftliche Vorsorge: Gründet Prepper-Organisationen, die gegenseitige Hilfe und den Austausch von Fähigkeiten mit dem Sammeln von Ressourcen, dem Erlernen von Fertigkeiten, dem Aufbau von Beziehungen und der Schaffung von Infrastruktur verbinden.
  • Engagiert euch in der Katastrophenhilfe, sei es durch Arbeit vor Ort, durch Spendensammlungen oder durch das Sammeln von Hilfsgütern zur Unterstützung der Helfer vor Ort.
  • Bereite deine Stadt darauf vor, Klimaflüchtlinge aufzunehmen - durch den Ausbau der Infrastruktur wie Wohnraum und anderer Systeme, die eine höhere Bevölkerungsdichte ermöglichen, sowie durch das Erlernen multikultureller und mehrsprachiger Organisationsformen.
  • Bereite dich darauf vor, selbst Klimaflüchtling zu sein.
  • Baue eine widerstandsfähige Infrastruktur auf. Isoliere alle Wohngebäude gegen Temperaturschwankungen und Rauch. Richte Klimaanlagen ein. Richte Kühlzentren ein.
  • Lebe dein bestes Leben hier und jetzt, denn die Zukunft ist alles andere als garantiert. Sag deinen Freunden, dass du sie liebst. Passt aufeinander auf.
  • Gib deine Zukunft nicht auf. Fang nicht mit dem Rauchen an.
  • Sei mutig. Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern das Vorhandensein von Tapferkeit.
  • Deeskaliert alle Konflikte, die nicht mit dem Feind zu tun haben. Der Feind will, dass wir uns gegenseitig bekämpfen. Wir wollen, dass wir gemeinsam gegen den Feind kämpfen. Unterstützt Menschen, die anders kämpfen als ihr.
  • Sprecht mit den Menschen über den Klimawandel und helft ihnen, ihre Angst, ihre Hoffnungslosigkeit, ihren Fatalismus und ihre Naivität zu überwinden. Helft ihnen zu erkennen, dass es Dinge gibt, die sie tun können.
  • Geht nicht davon aus, dass wir gewinnen werden. Geht nicht davon aus, dass wir verlieren werden. Bleibt mit dem Kopf im Spiel.
  • Am wenigsten wichtig, aber wahrscheinlich dennoch von gewissem Wert: Entwickelt die Gewohnheiten eines einfachen Lebens, um die Welt vorwegzunehmen, die wir schaffen wollen. Reduzieren, wiederverwenden, recyceln. Baut mehr eurer eigenen Lebensmittel an. Teilt mehr Essen mit anderen. Esst weniger Fleisch. Haltet Hühner im Garten. Verbraucht weniger Strom. Kauft euch (ironischerweise) ein Elektroauto, fahrt aber insgesamt weniger und bildet öfter Fahrgemeinschaften. Fliegt weniger oder gar nicht. Wenn es in deinem Bundesland erlaubt ist, lass dir eine Solarstromanlage installieren (tu das aber bitte nicht illegal, es ist ein Risiko für die Elektriker, wenn deine Region nicht darauf vorbereitet ist, das korrekt durchzuführen). Nimm dir wahrscheinlich nicht alle möglichen „guten Klimagewohnheiten“ auf einmal vor, sondern probier ein paar aus und schau, was du dauerhaft beibehalten kannst. Einfach zu leben ist wahrscheinlich sowieso eine bessere Art zu leben, aber verwechsle das niemals mit den systematischen Veränderungen, die notwendig sind.

Quelle:  "Beyond Climate Optimism, Beyond Climate Pessimism or: Starting From the Position That We’re Fucked" von Margaret Killjoy, 11. September 2026

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Übersetzung, Bearbeitung: Thomas Trueten [Autorisiert]