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"Apropos, ich lege hier für den Fall meines Todes das Bekenntnis ab, daß ich die deutsche Nation wegen ihrer überschwenglichen Dummheit verachte, und mich schäme, ihr anzugehören." Arthur Schopenhauer

Piratenpartei jetzt im Bundestag: Mit Kriegspolitiker, Sozialabbauer, Bahnprivatisierer, ...

Nun ist es raus: Jörg Tauss ist am Wochenende aus der SPD ausgetreten und hat seinen Eintritt in die Piratenpartei angekündigt. Also wird er, so fern seinem Antrag stattgegeben wird, die Piraten in den letzten Tagen vor der Konstituierung des 17. Deutschen Bundestages eben dort vertreten.
Bereits heftig wird wird in Foren und Blogs diskutiert, ob Tauss Pirat werden solle oder nicht. Hintergrund ist ein anhängiges Verfahren wegen des Verdachts des Besitzes kinderpornographischer Schriften. Deutlich weniger spielte in der Diskussion eine Rolle, für welche sonstige politische Positionen, also jenseits von Bürgerrechten im Internet, Tauss steht.


Daß man mittlerweile auch einen Blick auf die sonstigen politischen Standpunkte von Tauss wagt, liegt am Beitrag Who the Fuck is ... Jörg Tauss, den das redblog in den Abendstunden des Freitags veröffentlichte. Dort kann man lesen, wie der rechtssozialdemokratische Abgeordnete bei verschiedenen Abstimmungen votierte. Vielen in und bei der Piratenpartei scheint seine Zustimmung zu Kriegspolitik, Sozialabbau, Diätenerhöhung, ... egal. Er habe doch unter Fraktionszwang gestanden ...


Bezüglich der Verlängerung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr heißt es dann lapidar, Tauss habe ja nur der Verlängerung zugestimmt. Ob er auch schon der eigentlichen Beteiligung zugestimmt habe, wisse man nicht. Es ist wahr, diese Information gibt die Auflistung im redblog nicht her. Eine Recherche bezüglich der Zustimmung zum völkerrechtswidrigen Bundeswehreinsatz konnte nicht klären, wie sich der Sozialdemokrat damals verhielt. Jedoch ist er in einer Presseerklärung vom 14.5.1999 sehr deutlich:
Die Entwicklung zeige, daß die Strategie der NATO [völkerrechtswidriger Angriffskrieg, Anmerk: redblog] richtig gewesen sei, dem serbischen Kriegstreiber nicht länger tatenlos zuzusehen.
Es sei eine große Tragik, daß erst nach wochenlangem Krieg ein Einlenken des Diktators in Belgrad erfolgte. Ohne das militärische Eingreifen der NATO wären die Kosovo- Albaner für immer vertrieben worden. Jetzt ist eine Rückkehr möglich, betonte Tauss.
Mit seiner Presseerklärung machte Tauss deutlich, daß er eben jene kriegstreiberische Politik von Schröder, Fischer und Co und ihre Kriegslügen voll und ganz unterstützt hat.

Im Wahlkampf 2005 plakatierte die SPD gegen die geplante Anhebung der Mehrwertsteuer vom 2 Prozentpunkte. Nach der Wahl beschlossen Tauss und Konsorten eine Erhöhung um drei Prozentpunkte.


Nach seinem Parteiaustritt hatte Jörg Tauss in einem Interview erklärt, "seine finanziellen Verpflichtungen gegenüber der SPD zu erfüllen und bei Beschlüssen mit der SPD-Fraktion zu stimmen, wenn sie sich nicht gegen Bürgerrechte und Internet-Freiheit richteten." Was dies heißt ist klar:

Er wird, dann als Abgeordneter der Piratenpartei, weiterhin jede sozialpolitische Schweinerei der Großen Koalition mittragen! Bei jeden halbwegs fortschrittlich denkenden Blogger, Netzaktivisten und ... sollten hier die Alarmglocken schrillen: "Nein, den können wir nicht gebrauchen." Aber die ausgelassene Feierstimmung bei den Piraten ist nur der Ausdruck, dass es jenseits von Netzaktivismus keinerlei gemeinsamer politischer Standpunkte gibt. Wer Kriegspolitiker, Sozialabbauer, Bahnprivatisierer, ... in seinen Reihen akzeptiert, kann auf Solidarität nicht hoffen.

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  1. Piratenpartei jetzt im Bundestag: Mit Kriegspolitikern, Sozialabbauern, Bah
  2. Noch ein paar Worte zu Jörg Tauss

Comments

    • Posted by63mg
    • on
    (...) bei Beschlüssen mit der SPD-Fraktion zu stimmen, wenn sie sich nicht gegen Bürgerrechte und Internet-Freiheit richteten. (...) Er wird, dann als Abgeordneter der Piratenpartei, weiterhin jede sozialpolitische Schweinerei der Großen Koalition mittragen!

    Hm, ich hab zwar grad bei Twitter gefragt, wem es jetzt nützt, Tauss Abstimmungsverhalten diskreditierend zu nutzen, aber so weit hab ich da gar nicht gedacht bzw. war mir das noch nicht bekannt. Das wirft in der Tat interessante Fragen auf.
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    • Posted by63mg
    • on
    Wer sich Bürgerechte auf die Fahne schreibt, darf natürlich nicht beim Netzpolitischen enden. Meine Hoffnung in die Piratenpartei begründet sich zu einem großen Teil auch darin, daß sich Thema und das Verständnis von Bürgerrechten auch auf andere politische Felder ausweitet und wieder umfassende Gültigkeit verschafft. Das hab ich unbedacht als selbstverständlich vorausgesetzt. Vielleicht ist das der Piratenpartei selber noch gar nicht so bewusst, wie weit das Feld "Bürgerrechte" reicht. Ich bin jedenfalls gespannt, ob die Partei darauf eine Antwort hat/findet und wie sie ausfällt. Möglichst noch vor der Bundestagswahl.
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  1. Es stellt sich trotzdem die Frage, ob man dazu bereit ist, mit jedem zu paktieren. Ich nenne das prinzipienlos und oppoturnistisch. Und mir geht es dabei nicht um die aktuellen juristischen Vorwürfe gegen Herrn Tauss, sondern um das, für was er sonst -siehe Abstimmverhalten usw. - steht.

    Eine Partei, die sich "fortschrittlich" nennt, sollte mit so was keine gemeinsame Sache machen. Auch wenn es sich um eine "Einpunkt Partei" handelt.

    Just my 2 Cents.
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    • Posted by63mg
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    Hm, "prinzipienlos und oppoturnistisch" ist eine recht harte Bewertung und ich finde, ein bisschen vorschnell.

    Aber die Frage, ob es jenseits von Netzpolitik gemeinsame politische Standpunkte gibt, finde ich sehr interessant.
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  2. Hi 63mg,
    ich denke umgekehrt wird ein Schuh draus: Die Zensurpolitik usw. ist doch "nur" die Reaktion der herrschenden Politik auf die zunehmende Kritik an derselben. Von mir aus kannst Du es auch Begleiterscheinung oder "flankierende Maßnahme" nennen. Dasselbe erleben wir doch mit anderen repressiven Maßnahmen: Vorratsdatenspeicherung, Verschärfung Versammlungsgesetze usw. "Begründet" wird stets demagogisch, mit "Argumenten", gegen die keiner was sagen kann & will. Vorratsdatenspeicherung mit "den Terroristen", Versammlungsrecht mit "den Nazis".

    Sieht man genau hin, passiert das Gegenteil: Die Ursachen des sogenannten "Terrorismus" werden nicht beseitigt, Nazis marschieren trotzdem, die Antifas kriegen auf's Maul usw. usf.

    Ich persönlich bin dafür, an die Wurzeln der Problematik zu gehen und nicht an den Symptomen der gegenwärtigen Politik herum zu doktorn. Natürlich muss man deshalb nicht jede politische Tätigkeit auf den St. Nimmerleinstag verschieben. Dafür stehe ich selber auch nicht gerade. ;-)

    Meiner Ansicht nach macht gerade das aber nötig, sich von Leuten, die genau für diese Politik stehen zu distanzieren. Getreu dem Motto: "Bevor man sich vereinigen kann, muss man sich erst abgrenzen".

    Es steht mir als Nichtmitglied bei den Piraten nicht zu, denen ihre Politik vorzuschreiben. Das kann ich auch nicht und das ist auch nicht mein persönlicher Anspruch.

    Aber wer sich einmal die Geschichte anderer Parteien, die der "Grünen" beispielsweise ansieht, erkennt doch die Parallelen:

    1. Entstanden aus einer Basisbewegung.
    2. Auseinandersetzung über Teilhabe an der Macht und in der Folge Spaltung in "Realos" und "Fundis"
    3. Spaltung in dieselben
    4. Übernahme von Regierungsverantwortung durch die Realos und Loslösung von der ursprünglichen Basis
    5. Kriegsbefürwortung usw. usf. und damit Konfrontation mit der ursprünglichen Basis.

    Wenn man einem der MitbegründerInnen der Grünen Anfang der 80er die Tatsache der Kriegsbefürwortung auf die Nase gebunden hätte, wären die Dir mit dem nackten Gesäß ins Gesicht gesprungen.

    Die Geschichte der Grünen kann man ja an deren führenden Protagonisten wie Fischer oder Trittin auch anhand von Personen nachvollziehen. Bei solchen Leuten wird deutlich, daß es gerade um Prinzipien und Kampf gegen den Oppoturnismus gehen muss.

    Ich würde deshalb darauf schauen, wer bei mir einzieht...

    Zum Glück bin ich aber auch nur hier der Diktator ;-)
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    • Posted by63mg
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    Ich würde ja eher sagen, die aktuelle Zensurpolitik ist das Ergebnis von mangelnder Kritik, als eine Reaktion auf zunehmende Kritik. Das sich die sog. "Leitmedien" in den letzten Jahren als besonders kritische Begleiter der Regierung hervorgetan haben, konnte ich nicht beobachten, dafür aber eine scheint´s freiwillige Selbstgleichschaltung. Kritische Töne kamen hauptsächlich aus dem Netz und wie flott mal eben 134.014 ignoriert werden und SPD´seits die Diskussion als "medial unerwünscht" abgeschmettert wird, haben wir ja gesehen.

    Ich sehe das gegenwärtige Parteiensystem genauso kritisch, denn am Ende der Ochsentour sind bisher noch alle rundgelutscht herausgekommen. Aber um auf Veränderungen hinzuwirken, braucht es halt die Bündelung in eine Interessensvertretung. Das gegenwärtige System im Allgemeinen halte ich für komplett gescheitert und bin auch nicht dafür, weiter dran rumzudoktern. Aber wat willze machen? Journalisten wie Pudel, statt Wölfe. Mächtige Lobbyvereine wie diese unsägliche INSM und ihre "Botschafter". Seilschaften und Verwandschaften zwischen BILD und Politik, erz-irgendwas christliche Verbindungen und Politik und andere Interessensvereine. Und eine gespaltenen Gesellschaft obendrauf - nichts funktonierte in den letzten Jahren ja so gut, wie die Politik der Spaltung, gerade in und über den Umweg der Sozialpolitik. Und jetzt den Bogen zu "Bevor man sich vereinigen kann, muss man sich erst abgrenzen". Konsequent zuende gedacht, kommt es dann nie zu irgendeiner Einigkeit, macht sie sogar verdächtig. Ich halte mich nicht für besonders kompromissbereit, aber es gibt halt unter Abwägung und Umständen Dinge, mit denen ich (erstmal) leben kann. Und wie schon weiter unten irgendwo erwähnt, ist die Bundestagswahl ja nahe und Tauss will danach für kein Amt und nix mehr kandidieren. Ich denke, die (noch junge, das geb ich auch bedenken) Piratenpartei ist mit dem Wechsel von Tauss auch etwas überrascht worden. Ich werd das jedenfalls beobachten, wie sich die Piraten und alles weiterentwickelt.

    Am Einfachsten wäre natürlich, alle wären meiner Meinung ;-)
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    • Posted byEin Brandenburger
    • on
    Dieser Artikel ist eine hübsche kleine Denunziation. Da wird ein ehemaliger SPD-Abgeordneter nur aufgrund seines Abstimmverhaltens verurteilt ohne die konkreten Umstände zu berücksichtigen. Ich möchte Herr Tauss nicht in Schutz nehmen, schließlich kenne ich ihn nicht.
    Doch bei der Beurteilung eines Menschen sollte man schon etwas über die Beweggründe wissen.

    Was kommt als nächstes? Fordert Herr Trüten eine Regelanfrage bei der Stasiunterlagenbehörde?

    Bloß gut, daß die Mitglieder der Piratenpartei nicht von Herr Trüten ausgewählt werden. Dann könnten die Piraten Schluß machen bevor sie richtig angefangen haben.

    Von einem, der in den Piraten eine gute Alternative zu Gelb oder Grün sieht.

    Wenn sie schon nicht 'Die Linke' wählen wollen...
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  3. Ich brauche niemanden "Denuzieren". Das hat schon Herr Tauss selber mit seinen Abstimmungen gemacht. Und überhaupt, was soll das selbstgefällige Geschwafel von wegen "Denuzieren": Seit wann steht das Abstimmverhalten bei öffentlichen Abstimmungen nicht zur öffentlichen Debatte? Seit wann darf man das nicht kritisieren?
    Comment (1)
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    • Posted byPit
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    Das sehe ich aber genau so.Wenn alles was er bisher verzapft hat keine Rolle mehr spielt weil man durch seinen Übertritt propagandistisch punkten kann wird mir speiübel.
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    • Posted byBla
    • on
    Ach Du meine Güte. Leute, ihr habt echt den Zug verpaßt. Der Mann ist 55, sitzt seit 15 Jahren für die SPD im Bundestag, und ist daher eher konservativ. Na und? Ist sein gutes Recht, aber trotzdem engagiert er sich schon ewig für Datenschutz und Privatsphäre.

    Die Piraten haben keine politische Meinung zu den Dingen, die Ihr so unterirdisch findet. Und nur weil ihr bestimmte Dinge scheisse findet, muss die nicht jeder scheisse finden. Die Piraten sind eben keine linke Splitterpartei.

    Sie sind, zumindest bisher, ein Zweckbündnis von Leuten aus allen Gesellschaftsschichten, allen Altersgruppen, und mit allen möglichen sonstigen politischen Ansichten. Was sie gemeinsam haben, ist eine Abneigung gegen staatliche Kontrolle und Zensur, und das wars denn auch. Das macht sie für mich wählbar, denn sonst kümmert sich um diese Dinge keine andere Partei so recht. Und mir brennen diese Sachen unter den Nägeln.

    Wenn sie irgendwann zur Linken 2.0 verkommen, muss ich mir nochmal überlegen ob ich sie weiter wähle. Aber ich werde das bei der Bundestagswahl tun, wenn sie es denn schaffen, und der Tauss könnte den Piraten echt helfen etwas weniger amateurhaft rüberzukommen. Ist mir momentan total Ralle ob der für oder gegen Mindestlöhne war. Und ihm Abstimmungen vor 10 Jahren vorzuwerfen, ist auch nicht fair; wenn, dann messt ihn wenigstens an Dingen für die er vor Kurzem gestimmt hat. Man kann seine Meinung ändern, schon mal gehört?
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    • Posted byRdB!
    • on
    @bla: Seine Meinung ändern kann und darf jeder. Das ist jedoch ein Unterschied. Der Mann ist Politiker. Ich traue politischen Renegaten nicht.
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    • Posted byBla
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    Tja, gut und schön -- wenn er denn ein Renegat wäre.

    Er hat aber seine grundsätzliche politische Einstellung nicht verändert (und behauptet das ja auch nicht); er stimmt nur in einigen wichtigen Themen derartig heftig nicht mehr mit seiner früheren Partei überein, dass er sie verlassen hat (okay, die KiPo-Vorwürfe und die damit einhergehende politische Hinrichtung bevor seine Schuld erwiesen ist dürften auch was damit zu tun haben).

    Und er ist dabei gerade nicht zu einer Partei mit einer völlig anderen Ideologie gewechselt und macht da jetzt einen auf 5. Kolonne. Er ist zu einer Partei gewechselt, die sich um eben diese auch ihm wichtigen Themen kümmert, und um sonst gar nichts. In so fern bleibt er sich einfach treu, und ob er versuchen wird, die Piraten in eine Quasi-SPD zu verwandeln, das wage ich mal zu bezweifeln. Er will im Herbst ja nicht mal kandidieren. Die Piraten sind zu jeder politischen Anschauung kompatibel, zumindest bisher. Das schließt Tauss ein.

    Renegat? Nope.
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    • Posted byRdB!
    • on
    Er gibt selber vor, seine politischen Auffassungen weiter zu vertreten. Dazu gehört die Zustimmung zu Kriegseinsätzen, sozialem Kahlschlag und vielem mehr. Das bringt er jetzt - ob Du es willst oder nicht - in die Diskussion ein und die wird eben öffentlich wahrgenommen. Und das ist auch gut so.

    Er wurde von den Wählern für die Vertretung der SPD Politik gewählt. Fairerweise sollte er - wie die ganze große Koalition - zurücktreten. Aber was rede ich angesichts des Themas von Fairness. Tauss vertritt vor allem die Auffassungen von Tauss und bestimmten Teilen der hier herrschenden politischen Stukturen oder Klassen, wenn Du so willst. Und es ist bedauerlich, wie schnell (einige) der PP bereit sind, dem Märchen zu glauben, Tauss habe sich geirrt, geändert usw., wie es in der zum Teil an Naivität kaum zu überbietenden Diskussion hier bei einigen rauskommt. Aber wie Thomas schon sagte:

    QUOTE:
    "Es steht mir als Nichtmitglied bei den Piraten nicht zu, denen ihre Politik vorzuschreiben."


    Oder auch weiter unten:

    QUOTE:
    "Ich brauche niemanden "Denuzieren". Das hat schon Herr Tauss selber mit seinen Abstimmungen gemacht."


    Bedenklich ist aber Deine Aussage:

    QUOTE:
    "Die Piraten sind zu jeder politischen Anschauung kompatibel, zumindest bisher."


    Wer nach allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein!

    Das gilt auch für die verwegene Selbsteinschätzung, zitiert von bp:
    QUOTE:
    "In der Tat ist es so, dass die Basis der Piratenpartei weder links noch rechts noch sonstwo eingeordnet werden kann."
    Die Piraten sorgen schon selber dafür, dass sie eingeordnet werden. Wenn sich auch jetzt noch mancher (vor allem von den Piraten und dem Umfeld selber) über Tauss freuen mag, der Zeitpunkt wo er zum Bumerang für die Piraten wird, ist nah ;-)
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    • Posted byBla
    • on
    Sorry, ich finde eher Deine Aussagen bedenklich... sag mal, was hast du eigentlich für ein Demokratieverständnis? Du hälst Deine eigenen Ansichten für richtig, und das ist auch Dein gutes Recht -- nur, den Rest der Welt interessieren sie nicht besonders, und es muss sie auch sonst keiner teilen. Eine Demokratie ist eine Konsensgesellschaft, und wenn eine Mehrheit der Bevölkerung hinter den Zielen der Regierung steht, dann wirst Du das wohl oder übel schlucken müssen. So wie wir alle. Unglücklicherweise.

    "Bestimmte Teile der hier herrschenden politischen Stukturen oder Klassen" gehören genauso zum politischen Spektrum wie Du oder Ich, oder die Piraten. Das kannst Du mögen, oder auch nicht, aber das ändert absolut gar nichts daran, dass ein CDU-Wähler das ganze Geseier seiner Partei glauben und gutheissen kann, und Deine Ansichten zutiefst ablehnen kann. Aus genau dem Grund hat auch die große Koalition keinen Grund zurückzutreten, denn nur weil Du ihre Ziele ablehnst, haben sie nicht weniger Rechte als Du. Und im Gegensatz zu Dir haben sie zusammen > 50% der Stimmen der Wähler hinter sich.

    Dazu mal ein Zitat:

    "Herr, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."

    Ich würde auch gerne etwas am Imperialismus ändern, habe aber keine Ahnung wie -- und deswegen begrenze ich mich auf kleine Gebiete in denen man vielleicht was ändern kann. Und das bedeutet Öffentlichkeits- und Überzeugungsarbeit, Steinchen für Steinchen.

    "Wer nach allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein!"

    Sehr bezeichnende Erwiederung. Bin ich nach allen Seiten offen? Nö. Ich habe meine eigenen Ansichten, zu denen ich auch stehe. Aber im Moment sind mir gewisse Dinge wichtiger als Genmais oder die Bundeswehr in Somalia oder Afghanistan, denn sie betreffen mich mehr. Also engagiere ich mich dafür. Und Tauss darf das genauso.

    Sind die Piraten nach allen Seiten offen? Im Moment, mehr oder weniger. Sie fokussieren sich auf Bürgerrechte, Informationsfreiheit, Zensur etc. Alles andere spielt bei Ihnen keine Rolle, und kann es auch nicht, weil sie dann als Partei nicht mehr existieren würden. Die Mitglieder sind einfach zu heterogen dazu.

    Du kannst gern gegen Tauss' Beitritt bei den Piraten sein, aber ob sie ihn aufnehmen ist allein ihre Sache. Und seine sonstigen Einstellungen sagen nichts über die Piraten aus.
    Comments (3)
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    • Posted byRdB!
    • on
    QUOTE:
    "Sind die Piraten nach allen Seiten offen? Im Moment, mehr oder weniger. Sie fokussieren sich auf Bürgerrechte, Informationsfreiheit, Zensur etc. Alles andere spielt bei Ihnen keine Rolle, und kann es auch nicht, weil sie dann als Partei nicht mehr existieren würden. Die Mitglieder sind einfach zu heterogen dazu."


    Ich find's bezeichnend. Da sich die Aussage mit vielem, was in den letzten Tagen vor alle auch von Piraten geäußert wurde, sind die für mich erledigt.

    Naja, dazu wurde sich ja hier & heute schon geäußert:

    http://s10b.directupload.net/images/090622/nakq3y3p.png

    Kann die Grafik eigentlich weiterverwendet werden?
    Comments (3)
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    • Posted bybp
    • on
    Der Austritt von Tauss aus der SPD ist ein deutliches Zeichen der Beratungsresistenz der SPD-Führung und verdeutlicht nur deren Versagen beim Schutz von Bürgerrechten.
    Das Tauss auch weiterhin auf anderen Gebieten hinter der SPD steht, hatte er bereits in einer Stellungnahme bekannt gegeben. In der Piratenpartei ist das ohne Probleme Möglich. In der Satzung steht ausdrücklich, dass die Mitgliedschaft in anderen Parteien, sofern diese nicht offen gegen die Grundsätze der Piratenpartei verstößt, zusätzlich möglich ist.
    In der Tat ist es so, dass die Basis der Piratenpartei weder links noch rechts noch sonstwo eingeordnet werden kann. Das ist auch nicht nötig, da sie sich auf ihre Kernthemen konzentriert. Wenn die Entwicklung der Partei dann soweit fortgeschritten ist, dass auch weitere Themen im Programm abgedeckt werden, muss sich Tauss entweder dem neuen Programm beugen oder aber wieder austreten. Doch das ist noch ein etwas längere Weg. Im Moment Konzentriert man sich auf die Kernthemen.
    Tauss ist jetzt Pirat geworden, nicht umgekehrt! Die Piratenpartei ist durch den beitritt von Tauss nicht zur Tausspartei geworden! Daher ist es nicht richtig die Meinung von Tauss in Parteiprogrammfremden Punkten auf die Piraten zu übertragen. Richtig ist aber, dass dessen Meinung in den anderen Punkten keine Rolle spielt, da es sich bei den Piraten noch um eine Kernthemenpartei handelt.
    Das Tauss sein Mandat behält ist eigentlich nicht so schlimm. Es sind nur noch zwei Wochen bis zur Parlamentarischen Sommerpause und danach sind schon die Neuwahlen. Da er weder für SPD noch Piratenpartei zur Wahl antreten wollte/will wird er also seinen Sitzt so und so abgeben. In diesen kommenden zwei Wochen werden wohl nicht mehr so viele wichtige Abstimmungen anstehen. Das Tauss angekündigt hat weiterhin mit der SPD-Fraktion zu stimmen halte ich für völlig legitim, schließlich hat er seinen Sitzt zur letzten Wahl über einen SPD-Listenplatz erhalten.
    Allerdings hätte auch ich es gut gefunden, wenn der erste Pirat im Bundestag ein etwas langjährigeres Parteimitglied gewesen wäre.
    Dennoch ist der beitritt von Tauss zu den Piraten als positiv zu bewerten, da mit ihm einer
    "der erfahrensten Politiker des Landes im Bereich Bildung, Forschung und Neue Medien"
    Quelle: Piratenpartei.de
    zu den Piraten kommt.
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    • Posted byredblog
    • on
    so, nun ist es mal an der zeit, dass ich als autor des obigen artikels was sage. alle die hier rumkrähen, haben den obigen text wohl nicht verstanden bzw. geben durch ihre kommentare genau das wieder, was oben kritisiert wird.

    mir ist es eben nicht scheissegal, wofür tauss sonst noch steht. bestimmte politische positionen sind für mich in keiner weise tragbar: und dazu gehört die zustimmung zu imperialistischen kriegen!
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