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»Es ist besser stehend zu sterben als auf Knien zu leben.« Emiliano Zapata Salazar

DREIKLANG - Ausstellung mit Christine Bender, Johanna Teske und Uta Kamleiter

Der dreiteilige Slider zeigt neben Angaben zur Ausstellung und Vernissage je ein charakteristisches Bild der jeweiligen Künstlerin

Ausstellung mit Christine Bender, Johanna Teske und Uta Kamleiter

Vernissage: Do, 09.07.2026, 18 Uhr

Dauer: 09.07. – 28.08.2026

Öffnungszeiten:
Mo, Mi + Fr 8:30 – 13:00 Uhr
Di 8:30 – 13 Uhr + 14 – 16 Uhr
Do 8:30 – 13 Uhr + 14 – 18 Uhr

Bezirksrathaus Bad Cannstatt
Marktplatz 2, 70372 Stuttgart

Der Eintritt ist frei!

  • Christine Bender trägt Schicht um Schicht Farbe auf ihre Leinwände. Linien setzt sie dazu ein, dynamisch abstrakte Bildwelten zum Ausdruck zu bringen.

  • Johanna Teske zeichnet Geschichten ihrer Umgebung und begibt sich auf Spurensuche. Ihre Zeichnungen in Bleistift, Kohle und Aquarell verknüpfen gegenwärtige Momente mit Dokumenten der Vergangenheit.

  • Wie Fenster in eine andere Wirklichkeit sind die großformatigen Farbkompositionen von Uta Kamleiter. Mit matter pudriger Präsenz laden sie zum Innehalten ein."
Siehe Homepage Bund Bildender Künstlerinnen.

Johanna Teske schreibt zu ihrem Teil der Ausstellung:
"Und für diejenigen von Euch, die etwas mehr zu meinen Werken wissen wollen:

Seit einiger Zeit arbeite ich an einer Reihe größerer und kleinerer Auf-Zeichnungen, die für mich einen dokumentarischen und geschichtlichen Charakter annehmen.

Das heisst zum Einen, dass ich unterwegs „en plein air“ und daheim den Moment zeichnerisch, malerisch und teilweise schriftlich festhalte. Beim Spazieren, Wandern, im Urlaub und auf dem Balkon. Als Stillleben, Pflanzenportrait, Wetterstimmung und Landschaftszeichnung.

Gleichzeitig erforsche und zeichne ich gerade einen Teil unserer Geschichte: Die Verfolgung von mehreren Anarchosyndikalist*innen während des Nationalsozialismus im Südwesten Deutschlands und der Stuttgarter Umgebung. Ihre Spuren nehme ich anhand von Verhör- und Gerichtsprotokollen auf, wandere in Archive und Dokumentationszentren, finde persönliche Nachlässe mit Briefen und Erinnerungen und gehe weiter zu den Orten, an denen sie lebten, litten und überlebten.

Die geschichtlichen Funde webe ich in meine gegenwärtigen Momentbilder ein. So entstehen Bilder von Orten und Personen, die sowohl Bruchstücke und Spuren der Vergangenheit als auch meine Wahrnehmungen der Gegenwart enthalten.

Einen Teil dieser neuen Werke zeige ich im 3. Stockwerk der Dreiklang-Ausstellung.

Vielleicht sehen wir uns an der Vernissage oder während der Ausstellungszeit vor Ort? Gerne können wir uns auch vorab für ein Treffen verabreden! Einfach per Mail Anfragen!"



Blogkino: Zatoichi at Large - Zatōichi goyō-tabi (1972)

Heute zeigen wir in unserer Reihe Blogkino die Fortsetzung der Zatōichi Serie mit dem dreiundzwanzigsten Teil der Reihe:  Zatoichi at Large - Zatōichi goyō-tabi. Zatoichi stößt auf eine schwangere Frau, die an Schwertwunden stirbt, und hilft ihr bei der Geburt ihres Kindes. Ihr letzter Wunsch an ihn: Bring den Jungen zu seinem Vater. Von hier an entwickelt sich der Film zu einem der wildesten Abenteuer der Zatoichi-Reihe, mit skurrilen Einlagen wie einem mysteriösen Kind, das Ichi folgt und ihn mit Steinen bewirft, Affenauftritten und einer unerwartet komischen Darstellung des Ronin-Herausforderers. (criterion)

Kreuzberg ist nicht Hongkong

Das Tor zu SO 36 - das Neue Kreuzberger Zentrum (NKZ) am Kotti mit Transparenten zur revolutionären Stadtpartnerschaft  Ayacucho - Kreuzberg
Das Tor zu SO 36 - das Neue Kreuzberger Zentrum (NKZ) am Kotti
Foto: © Olaf Ramcke
Kreuzberg. Sehnsuchtsort, Mythos, Alltag, Idylle, Absturz, Experimentierfeld, Traum und Versprechen auf die Zukunft, Geldmaschine und Existenzangst. Eindrücke der ersten Jahre nach dem Mauerfall in Bildern festgehalten. Die Hauptstadt zieht erst einmal vorbei. Kreuzberg auf der Warteliste der Spekulant*innen und Skrupellosen. Verschnaufpause für kurze Zeit, dann werfen sie ihre Schlaglichter in die Straßen und Höfe des Bezirks. Aber das ist eine andere Geschichte…

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.
„Ich hatte Anfang der neunziger Jahre das Gefühl, das alles um mich herum – ob Kreuzberg, Berlin, die Menschen, ich sag mal das Flair, die Tage zu verbringen, zu leben und zu überleben, in den kommenden Jahren auf den Prüfstand kommt – die Logik des Kapitals wird auch nicht an diesem Fleckchen Erde vorbei ziehen. Und so bin ich los in meiner Freizeit, von der ich damals noch reichlich hatte, und hab fotografiert.

Da gab es häufig Begegnungen, die dauerten nur ein paar Minu­ten. Man hat sich auf der Straße getroffen, weil man sowieso in der gleichen Ecke wohnte. Manchmal haben die Leute selbst mich angesprochen, weil sie die alte Mittelformat-Kamera gesehen haben. Die ist von der Optik her ein bisschen auffälliger als die übli­chen Digitalen heutzutage. So kam ein Gespräch zustande und dann die Bil­der. Die Kinder waren sowieso immer neugierig. Meistens haben die Leu­te, die ich fotografiert habe, dann Abzüge gekriegt, ein, zwei Wochen später. Sie haben sich gefreut, weil sie gesehen haben, das sie nicht nur abgeknipst wurden. Mit manchen hat sich daraus ein jahrelanger Austausch entwickelt. Für mich war der Alltag viel interessanter und aufregender als die politischen Highlights, die meistens am Wochenende stattfanden und die dann schnell vorbei waren. Mit der Demo-Fotografie musste ich mich erst anfreunden, da hatte ich länger das Gefühl, mit der Kamera zu weit abseits zu sein. Mit der Zeit hatte ich aber auch daran meine Freude.

So sind über die Jahre eine Vielzahl von Aufnahmen entstanden, die die Menschen, ihre Geschichte, die Stadt und die Veränderungen zeigen. Nur ein Bruchteil dessen, was mir aufgefallen ist, hab ich als Bild festgehalten – einen kleinen Teil der Bilder seht ihr hier.“

– Olaf Ramcke –


Der Fotograf Olaf Ramcke ist in Berlin aufgewachsen. Seit 1992 ist er beim Umbruch-Bildarchiv.

Weitere Fotos im alten Bildarchiv (1980 - 2018)

Der anarchistische Partisan Ruslan Sidiki braucht einen neuen Anwalt - sein Anwalt wurde verhaftet!

Ich hatte letztes Jahr kurz hier und da über anarchistischen Widerstand gegen die russische Kriegsmaschinerie berichtet. Vor allem der Fall von Ruslan Sidiki schlug international hohe Wellen. Nun gibt es eine neue Entwicklung: Sein Anwalt wird gerade mit Repressionen überzogen. Hier die kurze Übersetzung des Textes "Anarchist partisan Ruslan Sidiki needs a new lawyer – his lawyer was arrested!"  und die Bitte, nach Möglichkeit zu helfen und oder das Thema zu teilen:

Der Anwalt von Ruslan Sidiki, Igor Popovsky, in Handschellen in einem Käfig vor Gericht
Der Anwalt von Ruslan Sidiki, Igor Popovsky
Der Anwalt Igor Popovsky, der den Anarchisten Ruslan Sidiki vertrat und eine Untersuchung seiner Foltervorwürfe beantragt hatte, wurde wegen „Betrugs in besonders großem Umfang“ festgenommen. Das berichtete das Medienportal „The Insider“ unter Berufung auf den auf Enthüllungen spezialisierten Telegram-Kanal „112“.

Dem Kanal zufolge behaupten die Ermittler, Popovsky habe von seinem Mandanten 6 Millionen Rubel erhalten, nachdem er versprochen hatte, durch Einflussnahme auf das Gericht und die Staatsanwaltschaft zur Einstellung des Strafverfahrens beizutragen.

Die Festnahme erfolgte kurz nachdem Ruslan Sidikis Fall an das Militärberufungsgericht verwiesen worden war, obwohl Popovsky noch am 19. Mai Kontakt zu ihm hatte. Schließlich wurde Popovsky laut Mediazona unter Hausarrest gestellt.

Igor Popovsky gehörte zu den wenigen russischen Anwälten, die offen die Anerkennung von Angeklagten in Sabotagefällen als Kriegsgefangene gemäß der Genfer Konvention forderten. Im Jahr 2024 reichte er bei den Ermittlern einen Antrag ein, in dem er sich auf die Behauptung der Staatsanwaltschaft bezog, Sidiki habe angeblich im Interesse des ukrainischen Geheimdienstes gehandelt, was es laut der Verteidigung ermöglichte, ihn als Kombattanten anzusehen. Zudem gelang es Popovsky, medizinische Unterlagen zu beschaffen, die darauf hindeuten, dass Sidiki nach seiner Festnahme gefoltert worden war, und er bestand auf einer Untersuchung dieser Umstände.

Das Anarchist Black Cross Moskau betrachtet die Verfolgung von Igor Popovsky als Rache der russischen Sicherheitskräfte, weil er Dinge öffentlich gemacht hat, die sie nicht ans Licht kommen lassen wollten.

Nun wird gegen einen der wenigen mutigen, von den Sicherheitsdiensten unabhängigen Anwälte ermittelt, während der inhaftierte Anarchist Ruslan Sidiki vor seiner Berufung ohne Rechtsbeistand dasteht.

Jetzt müssen wir Geld für einen neuen Anwalt für Ruslan sammeln.

Das Foto zeigt Ruslan Sidiki im Käfig vor Gericht
Ruslan Sidiki im Käfig vor Gericht
In den letzten Monaten gab es fast keine öffentlichen Entwicklungen in seinem Fall: Der Termin für die Berufungsverhandlung steht immer noch nicht fest, die Verwaltung der Haftanstalt schränkt Ruslans Zugang zu Büchern und der Presse weiterhin ein, und statt seine Foltervorwürfe ordnungsgemäß zu untersuchen, findet ein bürokratisches Hin und Her zwischen dem Untersuchungsausschuss und der Staatsanwaltschaft statt. Entscheidungen, die die Einleitung eines Strafverfahrens ablehnen, wurden bereits dreimal aufgehoben, doch die Verantwortlichen wurden immer noch nicht zur Rechenschaft gezogen.

Deshalb ist die regelmäßige Arbeit des Anwalts gerade jetzt besonders wichtig. Unter den Bedingungen in der Haftanstalt ist ein Verteidiger nicht nur jemand, der Beschwerden und Berufungen vorbereitet. Er ist die einzige Person, die Ruslan regelmäßig und ungehindert besuchen, vertraulich mit ihm sprechen, Informationen von ihm ohne Zensur durch die Haftanstalt erhalten und schnell reagieren kann, falls der Druck gegen ihn zunimmt.

Briefe können blockiert werden. Bücher werden vielleicht nicht zugestellt. Zeitungen können „verschwinden“. Aber der Besuch eines Anwalts kann nicht einfach durch eine Verwaltungsentscheidung unterbunden werden. Für einen Gefangenen, der bereits nach seiner Festnahme gefoltert und während der Haft bedroht wurde, ist diese Verbindung zur Außenwelt eine Frage der Sicherheit.

Aktuelle Nachrichten über die Folter von Azat Miftakhov in der Strafkolonie IK-18 in Kharp zeigen einmal mehr, wie gefährlich die Situation werden kann, wenn ein politischer Gefangener allein gegen das System steht. Öffentliche Aufmerksamkeit, Briefe, Unterstützung und regelmäßiger Zugang zu einem Anwalt verhindern die völlige Isolation. Das ist zwar keine Garantie gegen Gewalt, aber es ist eine der wichtigsten Möglichkeiten, das Risiko von Misshandlungen zu verringern und schnell zu erfahren, wenn es dazu kommt.

Vor der Verhaftung von Popovsky waren 210.000 Rubel (ca. 2400 Euro) für drei Monate Anwaltskosten erforderlich, doch nun könnten die Kosten steigen.

Unterstütze Ruslan auf jede erdenkliche Weise. Selbst eine kleine Spende hilft dabei, eine regelmäßige Rechtsverteidigung und den Kontakt zu ihm aufrechtzuerhalten.

Spenden in Rubel über die Plattform „Zaodno“

Für Überweisungen in anderen Währungen:

IBAN: LT36 3250 0986 4982 1011

BIC: REVOLT21

Karteninhaber: Anastasiia Bogdanova

PayPal: firesoffreedom@protonmail.com (mit dem Vermerk „für Sidiki“)

Kryptowährung:

Bitcoin: bc1qx63u6p0tlqd40hpcgeln7sksy2hgm0gekgpw8s

Ethereum: 0xE8A926f292272391707ed1A7b55Db1466F0c0993

Litecoin: LVxHRweSkkwkNHxY432U2swpEUAMWupsrP

USDT (ERC20): 0xE8A926f292272391707ed1A7b55Db1466F0c0993

Monero: 47AqYo1kkbWYeypvDTrNtcBAKPJaHXRNjQsdRhrBm6SNVffeRLfadrqXoQ2FHgPiud6T3vLB5VjS2QKJM9MnZVJJJ8cV9tw

Wenn du Kryptowährung spendest, um Ruslan Sidiki zu unterstützen, schreib uns bitte eine E-Mail an: firesoffreedom@protonmail.com

Das Soli T-Shirt, getragen von einer blonden Person
Soli T-Shirt
Eine weitere Möglichkeit, Ruslan zu unterstützen, ist die Bestellung eines T-Shirts mit einem Aufdruck, der auf seinen Kunstwerken basiert. Der gesamte Erlös aus dem Verkauf der Merchandise-Artikel fließt in die Unterstützung des Gefangenen.

Der Versand der T-Shirts erfolgt aus Deutschland, und eine Lieferung ist fast überallhin auf der Welt möglich. Aus Sicherheitsgründen versenden wir T-Shirts mit diesem Aufdruck jedoch nicht nach Russland oder Weißrussland.

Über die T-Shirts:

▫️ Farben – rosa und weiß

▫️ Größen von XS bis 3XL

▫️ Material: 100 % Bio-Baumwolle. Die Produkte sind von PETA (vegan) zertifiziert, und der Hersteller ist Mitglied von Fair Wear.

▫️ Preis — 20 € + Versand

Möchtest du eine Bestellung aufgeben? Fülle das Formular aus, und wir melden uns innerhalb weniger Tage bei dir.

Adresse für Briefe:

391999, Region Rjasan, Rjashsk, Krasnaja-Straße 1a, SIZO-2

Sidiki Ruslan Kasemovich, geboren 1988

Briefe können auch über den Dienst PrisonMail.Online verschickt werden, Anleitung zum Ausfüllen des Formulars:

Region: Oblast Rjasan

Gefängnis: Untersuchungsgefängnis-2 Rjasschsk

Nachname des Gefangenen: Сидики

Vorname des Gefangenen: Руслан

Zweiter Vorname des Gefangenen: Касемович

Geburtsjahr des Gefangenen: 1988

Anarchist Black Cross Moskau

Die Kontaktadressen aller Gefangenen in Russland, die vom Anarchist Black Cross Moskau unterstützt werden, findest du hier. Wenn du für einen bestimmten Gefangenen oder Fall spenden möchtest, kontaktiere uns bitte vorher per E-Mail, um sicherzustellen, dass die Unterstützer des Gefangenen oder Falls derzeit Spenden sammeln; unsere E-Mail-Adresse ist dieselbe wie die des angegebenen PayPal-Kontos. Wir sind auf Telegram und Facebook vertreten, du kannst dich hier für unseren E-Mail-Newsletter anmelden.

Die schönsten Attentate des letzten Jahrhunderts Nr. 12: Severino Di Giovanni vs. Faschismus

Schwarzweiss Foto von Severino di Giovanni (1920)
Severino di Giovanni (1920)

Der Anarchist Severino Di Giovanni verübte am 23. Mai 1928 einen Bombenanschlag auf das italienische Konsulat in Buenos Aires, um gegen die italienische Diktatur zu protestieren. Er tat dies, weil die Faschisten im Exil lebende italienische Antifaschisten ermordeten. Bei dem Anschlag kamen neun Menschen ums Leben und vierunddreißig wurden verletzt. Zuvor hatte er 1926 einen Anschlag auf die US-Botschaft in Buenos Aires verübt, weil ein US-Gericht Sacco und Vanzetti zum Tode verurteilt hatte. Außerdem sprengte er unter anderem eine Statue von George Washington, die Citibank und die Bank of Boston in die Luft. Einmal plante er sogar, Herbert Hoover zu ermorden.

Viele der führenden Anarchisten jener Zeit kritisierten seine Bombenanschläge, weil sie dachten, die Gegenreaktion würde einen faschistischen Putsch in Argentinien begünstigen.

Rage Against the Machine - Live At The Democratic National Convention 2000


KI funktioniert nicht und wir alle wissen, dass sie nicht funktioniert, oder: Warum ich KI nicht mag

Ich habe auf „Cool People Who Did Cool Stuff“ eine Serie über die Geschichte der Schadensminderung verfasst, und eines der wichtigsten Bücher, auf die ich mich dabei gestützt habe, ist Fighting for Space von Travis Lupick.

Ich führe eine Liste mit Buchempfehlungen bei der von den Mitarbeitern und Queers geführten Buchhandlung Firestorm, und ich bekomme zwar eine Provision für alle Bücher, die ihr über meine Empfehlungen kauft, aber ihr bekommt auch 10 % Rabatt und unterstützt damit eine Buchhandlung, die zudem ein wichtiger Teil der Infrastruktur der Bewegung ist.

In diesem Beitrag geht es um KI, und ich empfehle euch den Podcast „Better Offline“ von Ed Zitron, meinem Kollegen bei Cool Zone Media, der ausführlich und mit großer Begeisterung über die wirtschaftlichen Aspekte von KI spricht.

KI funktioniert nicht und wir alle wissen, dass sie nicht funktioniert


Die KI Grafik zeigt Leiterbahnen undn Lötpunkte als Synonym für elektronisch / künstlich in einem Gehirnähnlichen Umriss, der in verschiedenen Blau/Weißverläufen eingefärbt ist
Mit KI erzeugte Grafik über KI
Quelle: JPxG - DALL-E 3
Gemeinfrei
Letzte Woche wurden bei einer Gruppe von Hochschulabsolventen, die über die Bühne gingen, um ihre Diplome entgegenzunehmen, ihre Namen nicht aufgerufen. Denn die Universität hatte die Aufgabe, ihre Namen vorzulesen, an eine KI ausgelagert. Und KI funktioniert nicht.

Hätten diese Absolventen mit derselben Effizienz wie KI gearbeitet, wären sie keine Absolventen.

Die Gesellschaft ist dabei, sich um ein Werkzeug herum neu zu strukturieren, das einfach nicht funktioniert. Wir alle wissen, dass es nicht funktioniert. Wenn du eine Brücke bauen müsstest, würdest du keinen Bauingenieur beauftragen, der es nur in etwa 70 % der Fälle richtig macht. Du würdest kein Geschichtsbuch lesen, das zu 30 % Fiktion ist, aber dir nicht verrät, welche 30 %. Du solltest dich nicht mit jemandem verabreden, der dir immer sagt, dass du Recht hast, und der dich mit einem Lächeln auf den Lippen anlügt.

Mein Großvater war Schiffsbauingenieur bei der US-Marine und hat im Zweiten Weltkrieg gekämpft, und ich spreche oft von ihm, weil ich ihn ständig vermisse, und er lachte immer und sagte „gut genug für die Arbeit der Regierung“, wenn etwas gut genug, aber nicht perfekt war. Also sagt mein Vater das jetzt, und ich sage es auch. Aber… es ist ein Witz. Jedes Mal, wenn mein Großvater ein Schiff entwarf, fuhr er damit in die schlimmsten Stürme, die er finden konnte, stellte sich auf das Deck und trotzte dem Wetter, denn warum sollte er etwas bauen, von dem er nicht glaubte, dass es gut genug war?

Elon Musk würde nicht in eine von Grok entworfene Rakete zum Mars steigen, aber ich bin mir sicher, er wäre nur zu gerne bereit, dich und mich darauf zu setzen.

Die Kapitalisten und Autoritären, die diese Welt regieren, sind nur allzu gerne bereit, uns alle durch Roboter zu ersetzen, die ständig Mist bauen – denn sie nehmen lieber schlampige Arbeit in Kauf, als Menschen zu bezahlen.

Das ist schlimm, und ich bin wütend, und du solltest auch wütend sein.

Ich habe gesehen, wie Menschen, die mir am Herzen liegen, auf KI-Wahnvorstellungen hereingefallen sind und glaubten, mit Hilfe von KI bahnbrechende Forschung zu betreiben. Mein Kollege Robert Evans hat eine hervorragende Serie von Podcast-Episoden darüber gemacht, wie KI letztendlich die Methoden von Sektenführern nachahmt, um ihre Nutzer davon zu überzeugen, dass sie Genies sind.

Es ist ein neues Buch von diesem zweitklassigen Journalisten erschienen, der vielleicht nicht immer ein zweitklassiger Journalist war, aber dank seiner Abhängigkeit von KI zu einem geworden ist. Das Buch heißt „The Future of Truth: How AI Reshapes Reality“ und jeder, der an der Veröffentlichung beteiligt war, sollte gefeuert werden. Es ist ein Buch darüber, wie, na ja, KI die Realität umgestaltet. Aber es wurde mit „Forschungshilfe“ durch KI geschrieben, und die New York Times hat aufgedeckt, dass es falsche Aussagen enthält, die echten Menschen zugeschrieben werden, die aber von der KI halluziniert wurden. Der Autor behauptet, ein Experte für das Thema „Wahrheit“ zu sein, doch als er das Problem einräumte, gab er zu, dass das Buch „synthetische“ Zitate enthalte.

Lügen. Es enthält Lügen.

Wenn ich in meinem Podcast Zitate komplett erfinden und sie echten Menschen zuschreiben würde, würde ich aus triftigem Grund gefeuert werden.

Ich bin bei meinen Kollegen schon lange unbeliebt wegen meiner kompromisslosen Ethik in Sachen Wahrhaftigkeit. Ich glaube nicht, dass es ethisch ist, jemanden anzulügen, den man nicht schlagen dürfte. Man muss nicht immer Fragen beantworten und kann ausweichend reagieren, aber wenn man jemandem etwas erzählt, das nicht wahr ist, verzerrt man dessen Realitätssinn. Man tut das, um dessen Denken und Verhalten zu kontrollieren. Genauso wie wenn man jemanden schlägt.

Man muss aber bedenken, dass ich Gewalt in vielen Situationen für völlig akzeptabel halte. Wenn jemand versucht, Macht über dich auszuüben, ist Lügen zur Selbstverteidigung oft sicherer und effektiver als der Rückgriff auf Gewalt. Oder um es ganz klar zu sagen: Es ist ethisch, Polizisten zu schlagen – es ist nur meistens nicht strategisch klug.

Ich glaube fest an den Wert der Wahrheit. Wenn ich über die Haymarket-Anarchisten von Chicago in den 1880er Jahren lese – jene Einwanderer und der ehemalige Sklave, die die moderne Arbeiterbewegung aufbauten –, fällt mir auf, wie jede Quelle ihre schockierende Ehrlichkeit und Offenheit hervorhebt.

Mir wurde gesagt, es sei eine neurologische Besonderheit von mir, dass ich in Bezug auf Lügen so „gerechtigkeitssensibel“ bin, und es macht mich traurig, mir vorzustellen, dass meine Haltung vielleicht kein Mainstream-Wert ist. Aber die Tatsache, dass wir die Kontrolle über unsere Gesellschaft an Lügenmaschinen abgeben, ist einfach das Dystopischste, was ich mir vorstellen kann.

Wasserhungrige, machthungrige Maschinen werden gebaut, während das Wetter wärmer wird, während Energie knapper wird, während Wasser noch kostbarer wird. Es kommt mir im Grunde wie ein Sakrileg vor, dass unsere Herrscher diesen falschen Maschinengöttern endlose Mengen Wasser opfern, dass unsere Herrscher das Wasser opfern, das wir für unsere Ernten und unseren Körper brauchen.

Die Leute, die diese Maschinen gebaut haben, bieten uns nicht einmal eine Utopie als Gegenleistung an. Sie bieten uns Vertreibung an, sie bieten uns Enteignung an. Sie bieten uns Entlassungen und Armut und Hungersnot an, und sie versprechen uns im Grunde, dass wir dank ihrer Maschinen weniger intelligent werden können, dass uns die Plackerei erspart bleibt, schöne Dinge zu erschaffen und erfüllte Leben zu führen. Und anstatt miteinander über unsere Probleme zu reden, dürfen wir jeder mit einem kriecherischen Maschinen-„Freund“ sprechen.

Ich glaube nicht an Verschwörungen, außer an die, die sich als wahr erwiesen haben (und die erweisen sich meist schnell genug als wahr). Ich glaube eigentlich nicht, dass die Reichen gemeinsam planen, uns alle einfach umzubringen, nachdem wir überflüssig geworden sind.

Aber ich vermute, keinem von ihnen würde es etwas ausmachen, wenn genau das passieren würde.
Das Ganze ist für mich sehr frustrierend, zum Teil, weil ich kein Technikfeind bin. Ich halte Brillen und Antibiotika für zwei der besten Errungenschaften der Menschheit, und ich habe denselben Stolz empfunden wie alle anderen (keinen Nationalstolz, sondern Stolz auf die Menschheit), als Artemis den Mond umkreiste.

Es gibt „Machine-Learning“-Aufgaben, die mich nicht stören. Mein Problem mit Google Maps hat weitaus mehr mit Überwachung zu tun als mit „KI“. Ich hasse ein Programm zur Grammatikprüfung nicht grundsätzlich (obwohl Autocomplete und Autokorrektur den menschlichen Ausdruck auf eine Weise einschränken, die sich auf die Entwicklung der Sprache auswirken wird, da bin ich mir sicher).

Ich wäre vollkommen glücklich, wenn ich einen Computer-Forschungsassistenten à la Star Trek hätte, jemanden, den ich fragen könnte: „Wie viele Menschen lebten während der protestantischen Reformation offen in homosexuellen Paaren in Deutschland?“ oder so einen Quatsch, und einen Computer all das menschliche Wissen durchkämmen lassen könnte, das jemals zu Papier gebracht wurde (naja, in Bits und Bytes), und mir eine Antwort geben lassen.

Aber KI macht das nicht. Sie kann es funktional nicht. Weil sie nicht denkt. Sie ist eine ausgeklügelte Autovervollständigung, die speziell darauf ausgelegt ist, uns davon zu überzeugen, dass sie zu eigenständigem Denken und Forschen fähig ist. Sie ist nicht darauf ausgelegt, alle Quellen zu durchforsten und eine richtige Antwort auszuspucken, sondern uns davon zu überzeugen, dass sie das getan hat.

Wenn ich einen Forschungsassistenten einstellen und ihm eine Frage stellen würde und er mir eine unvollständige Antwort geben würde, könnte ich das akzeptieren. Wenn ich einen wissenschaftlichen Mitarbeiter einstellen und ihm eine Frage stellen würde und er mit einer bizarren Mischung aus Wahrheit und Dingen zurückkäme, die er sich einfach aus den Fingern gesogen hat, würde ich ihn feuern.

Studenten, die Quellen erfinden, werden zu Recht des Betrugs bezichtigt. Doch wenn KI das tut, akzeptieren wir es?

Die Folgewirkungen davon sind unkalkulierbar (obwohl du eine KI bitten könntest, sie trotzdem zu berechnen, wenn dir falsche Informationen nichts ausmachen). Da immer mehr Informationen im Internet von KI generiert werden, wird es immer schwieriger, Fakten von Fiktion zu unterscheiden. KI wird sich zunehmend von KI selbst ernähren, und bald wird sie sich immer weiter von jeglicher Kohärenz entfernen.

Wie Cory Doctorow es formulierte: „KI ist das Asbest, das wir in die Mauern unserer Gesellschaft schaufeln, und unsere Nachkommen werden es über Generationen hinweg wieder herausgraben.“
Die Ludditen-Bewegung des frühen 19. Jahrhunderts war eigentlich keine antitechnologische Bewegung an sich, sondern eher eine Arbeiterbewegung. Qualifizierten Arbeitern wurden ihre Arbeitsplätze durch Automatisierung weggenommen, und die Textilarbeit verlagerte sich von der Werkstatt (der „Heimindustrie“, die buchstäblich in einer Hütte stattfand) in die Fabrik. Die Menschen wechselten von einem selbstbestimmten Leben zu einem Leben, in dem sie selbst wie Rädchen in einer Maschine arbeiten mussten.

Also lehnten sich die Menschen in großem Stil auf und kamen dem Sturz des frühen kapitalistischen Systems nahe.

Die Ludditen inspirieren mich unendlich. Aber die Sache ist die: diese automatischen Webstühle? Zumindest diese Dinger, so teuflisch sie auch waren, funktionierten tatsächlich. Was auch immer ihre negativen Auswirkungen auf die Gesellschaft waren, sie automatisierten tatsächlich und effektiv die Textilproduktion.

KI funktioniert nicht. Sie kann nicht einmal zu einem allmächtigen Maschinengott werden, der uns alle regiert, sei es wohlwollend oder böswillig, denn sie ist nicht bewusst und sie denkt nicht.

KI-Entwickler erzählen uns immer wieder, dass sie alle Fehler ausbügeln werden und dass KI eines Tages das erreichen wird, was sie heute vorzugeben vorgibt. Das bezweifle ich. Sie scheint strukturell unfähig zu sein, das zu tun, was ihr versprochen wird.

Wozu KI fähig ist, ist das, was sie bereits tut: qualifizierte Arbeitskräfte durch gerade noch ausreichend gute Automatisierung zu ersetzen. KI ist fähig, Menschen vorzugaukeln, sie würde helfen. KI ist fähig, unsere Fähigkeit zum kritischen Denken zu schwächen. KI ist fähig, Kunst (die von Natur aus Ausdruck ist) durch hohle Nachahmungen zu ersetzen.

Die Probleme der KI reichen tiefer als nur die Frage „Wer wird in einer Ära der KI noch Illustratoren einstellen?“, obwohl das allein schon eine wichtige Frage ist. Die Probleme reichen so tief, wie es nur geht. KI ist eine existenzielle Bedrohung, und zwar nicht in dem Sinne, dass „sie zu einem empfindungsfähigen Wesen wird und uns alle vernichtet“, sondern in dem Sinne, dass „KI für militärische Zielerfassung genutzt wird“, dass „KI das Bildungswesen zerstört“ und dass „KI eine Blase ist, die platzen und die Weltwirtschaft zum Einsturz bringen wird“.

Aber es gibt Hoffnung.

Und diese Hoffnung sieht so aus, wie Studenten, die Redner ausbuhen, die versuchen, ihnen KI schmackhaft zu machen, und sie sieht so aus wie die massive und erfolgreiche Bewegung gegen Rechenzentren, die einen geplanten Standort nach dem anderen zur Schließung zwingt.

Und diese Hoffnung könnte bald wie eine militante Neo-Ludditen-Bewegung aussehen. Und nach den Schildern zu urteilen, die ich im ländlichen Amerika sehe, könnte diese Bewegung parteiübergreifend sein oder werden. Oder besser gesagt, es könnte eine Klassenbewegung sein, der Arbeiterklasse, ungeteilt durch Fragen des Kulturkriegs, die gegen die herrschende Klasse kämpft.

Wenn dem so ist, bin ich dabei.

Quelle: „AI Doesn't Work and We All Know it Doesn't Work or: why I don't like AI“ von Margaret Killjoy 20. Mai 2026

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Übersetzung, Ergänzung des Links zu Margarets Podcast und zu den Ludditen: Thomas Trueten [Autorisiert]

Berlin: Protest gegen Tag der Immobilienwirtschaft

Das Foto von © neukoellnbild zeigt mehrere Personen an einem Transparent mit dem Text: "Stop - Wohnen darf keine Ware sein!" Eine Person trägt eine Papptafel mit dem Text "Unser Zuhause ist nicht Euer (Bild eines Scheißhaufens) Eigentum". Eine weitere Person trägt eine Plakattafel mit dem Mobiplakat zur Demo am 5.9.
Foto: © neukoellnbild via Umbruch Bildarchiv
Am 19. Mai traf sich die Immobilienlobby im Berliner Admiralspalast zum sogenannten „Tag der Immobilienwirtschaft“ des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA). Der ZIA steht dabei exemplarisch für eine Branche, die wie keine andere für steigende Mieten, Verdrängung und Gentrifizierung steht und sich frecherweise zugleich als Teil der Lösung inszeniert.  Während drinnen Vertreter*innen von Konzernen, Fonds und Politik über den Wohnungsmarkt diskutierten, demonstrierten vor dem Admiralpalast Aktivist*innen vom Bündnis gegen Mietenwahnsinn und anderen stadtpolitischen Gruppen. Der Protest ist Teil der Mobilisierung für eine große Demo vor den Wahlen am 5. September unter dem Motto: Her mit den Wohnungen – runter mit den Mieten.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Weitere Ereignisse zu diesem Thema

Links



Blogkino: Zatoichi Meets the One-Armed Swordsman - Shin Zatōichi: Yabure! Tōjin-ken (1971)

Heute zeigen wir in unserer Reihe Blogkino die Fortsetzung der Zatōichi Serie mit dem zweiundzwanzigsten Teil der Reihe: Zatoichi Meets the One-Armed Swordsman - Shin Zatōichi: Yabure! Tōjin-ken. Der Plot: "Wang Kang ist eine Legende des chinesischen Schwertkampfs - und das obwohl er nur einen Arm hat. Doch der vielen Kämpfe und Toten überdrüssig reist Wang nach Japan, wo er in Ruhe im Tempel Fukuruyu-ji leben will. Kaum in dem fremden Land angekommen, dessen Sprache er nicht spricht, gerät er aber schon wieder in eine tödliche Auseinandersetzung. Eine chinesische Familie, die ihm den Weg zum Tempel weisen will, wird vor seinen Augen von Samurais niedergestreckt. Einzig ihr kleiner Sohn Shaolong überlebt das Massaker. Wang schlägt einige der Krieger zurück, dann flüchtet er mit dem Jungen. Als sie wenig später auf Zatoichi treffen, bietet der blinde Masseur sich an, beide zum Tempel zu führen. Doch die Verfolger, die die Schuld an dem Blutbad »dem Chinesen« anhängen wollen, sind nicht das einzige Problem der kleinen Reisegruppe. Denn Wang spricht Mandarin und Zatoichi ist nur des Japanischen mächtig. Lediglich der junge Shaolong versteht von beidem ein wenig. (...)"



Quelle: aniSearch.de