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"Die Deutschen sind ein Volk, das im hohem Maße von der staatlichen Idee durchdrungen ist, dieser Geist war schließlich stärker als alle anderen Leidenschaften und hat in ihnen buchstäblich den Freiheitsdrang erstickt." Michail Bakunin

Bambule - Fernsehspiel von Ulrike Meinhof

Als Fernsehfilm von der ARD vierundzwanzig Jahre lang unterdrückt, ist das Buch "Bambule: Fürsorge - Sorge für wen?" längst zum Klassiker geworden. Wer wissen will, welche Erziehungsvorstellungen noch Ende der sechziger Jahre herrschten, sollte Bambule lesen. Das Thema ist aktuell wie je: Wie geht die Gesellschaft mit Randgruppen um, wie erzieht der Staat diejenigen, deren Fürsorge ihm übertragen wurde? Ulrike Meinhof hatte sich als Journalistin in langen Recherchen ein Bild über die Lage der Mädchen in Erziehungsheimen gemacht. In der Geschichte von Irene beschreibt sie den Alltag zwischen Hof, Schlafraum, Wäscheraum und "Bunker", die Repressalien der Erzieher und die Befreiungsversuche der Mädchen, die "Bambule" machen, weil sie leben wollen und nicht bloß sich fügen.

"Ging Gottes Atem leiser schon / schuf er mit letzter Kraft die SEZESSION"

Das Geheimnis der "Konservativen Revolution" endlich enthüllt.
Immer wieder wird in der auf anständiges Rechts-Tun getrimmten "JUNGEN FREIHEIT" hingewiesen auf das Organ der Hüter des allergeheimsten Wissens - "SEZESSION".

Neugierig geworden findet der Käufer des letzten Heftes eine Zusammenstellung aller Köpfe, die in der "Sezession" als Denker in Ehren gehalten werden sollen. Benn- Nietzsche- Heidegger- Jünger- Schmitt- Mohler- George- Spengler. Über diese erfährt man allerdings wenig, über die Möglichkeit ihres Zusammengedachtwerdens gar nichts. Dafür aber viel über das geheimste Ideal ihrer neuesten Anhänger. Enthüllt wird über "Die andere Moderne: Grundriss einer politischen Alternative" -verfasst von Michael Stahl - das Grundprinzip im Zwischenabschnitt "Haltung" (S.27):

"Dass wir in lauten Zeiten leben, gehört nicht zuletzt zu jenen Erscheinungen, die die gegenwärtige Moderne so unerträglich machen. Wer sich zu einer alternativen Moderne bekennt, sollte also vorleben, dass das Gegenteil "leise sein", etwas Erstrebenswertes und Schönes ist und dadurch ebenso wirklich wie wirksam sein kann".


Wer wäre darauf gekommen? Leise sein - nicht etwa leise treten - als Inbegriff des Konservativen. Da ließe sich allenfalls an den Freiherrn von Risach in Stifters "Nachsommer" denken- oder auch noch an den alten Jakob Burckhardt, der die vernichtendsten seiner Verurteilungen in Nebensätzen verbarg. Säuisch, wie ich mein Gedächtnis verbogen habe, im Laufe der Zeit, fallen mir bei der "Konservativen Revolution" sonst immer gerade die Schreihälse ein, eben die, die ganz gegen Stahls Wunsch einhämmerten, ausposaunten,sich an die Brust schlugen und überfluteten, beziehungsweise durch laute Verzweiflungsgurgler ihre Überflutung kenntlich machten.

Und wenn mich mein verdorbenes Gedächtnis täuschen sollte? Dann schaue ich einfach den reichen Bildschmuck an, der dem Heft beigegeben wurde. (Farbig, ohne eigene Seitenzahl). Da finde ich sofort deutsche Ritter, die mit gezogenem Schwert für Deutschland eintreten, plakatgroß, vor aller Welt. Oder einen Gorilla mit Granate, der sich anheischig macht, die freie Welt vor dem Bolschewismus zu retten. Entsprechend eine Auswahl aus einem - vermuteten - weiteren Dutzend Fahnenträger. Ein Bauernpaar, übergroß, das halbwegs zum Leisen passen könnte, wenn es nicht zu ihren Füßen zwergenhaft von Fähnchen und Bannerträgern wimmelte. Schließlich wird ein Mischwesen spendiert - von der "Konservativen Front" - halb Kreuzträger, halb Winkelried im Angriffstaumel. S.37 - wieder - außerhalb der Bildtafeln ein Christus im Stahlhelm, den heilige Granatwürfe umzischen. Er hält das Schwert noch auf den Knien. Aber wir erraten bußfertig und zugleich angriffslustig, was er damit vorhat. Was daran ist leise?

Entschuldigung! Bei all dem wollten wir gerne Tucholsky dem Stille-Süchtigen in den Sinn rufen. Als er vor Petrus seine Meinung über die gegenwärtige Welt kundtun muss, meinte er "Es war ein bißchen laut".

Nur lässt sich das im politischen Kampf kaum vermeiden. Und zeigt dem genügsam Leisen, warum es sich bei ihm vielleicht um Himmelsfrieden handeln mag, nicht aber um politisch erfolgreiches Erdenglück.

Und sonst. Zu Beginn des Heftes findet sich ein dankenswerter biographisch - politischer Überblicke über die Geschicke aller konservativen Revolutionäre. Was geht daraus hervor? Außer im Kopf des Nachträumenden gibt es keine Einheit der "Konservativen Revolution". Da wollte jeder etwas anderes - und keiner wirklich Revolution. (Niekisch - ohne genauere Kenntnis - möglicherweise auszunehmen. Nur der kommt im Heiligenkalender der "Stillen" auf der Titelseite gar nicht vor).

Außerdem - noch bedenklicher für den Freund der Stille - sie alle erlagen, mehr oder weniger hoffnungsfroh, dem übergroßen Leviathan, dem sie ihre kleinen Monster und Ungeheuer nur gottergeben nachschicken konnten. Was sagt das über die Modellhaftigkeit einer Idee,die lange vor der Zeit ihre Selbstaufgabe besiegelt hat?

Ist also nichts mit den "Stillen", im Kern der Nuss, die uns die SEZESSION als Lösung der Rätsel unserer Zeit zu bieten hat.

Quelle: SEZESSION 44