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"Wenn ich mit meiner Relativitätstheorie recht behalte, werden die Deutschen sagen, ich sei Deutscher, und die Franzosen, ich sei Weltbürger. Erweist sich meine Theorie als falsch, werden die Franzosen sagen, ich sei Deutscher, und die Deutschen, ich sei Jude." Albert Einstein

Luther als Papstersatz - mit Reservefüllung

Das der freie Wille nichts sey...
(Quelle: Wikimedia)
Zum Film über den zweitgrößten Mann der deutschen Geschichte - recycled angesichts der heutigen Wiederholung des Films:

Adenauer war der größte. Gegen ihn kam keiner auf in der ZDF-Umfrage. Unser Marx bekam einen ehrenvollen Platz drei.

Vor ihm aber hielt sich Martin Luther. Rechtzeitig zur Abstimmung war der Film herausgekommen, der uns das richtige deutsche Vorbild zeigte. “LUTHER“ aus dem Leben gegriffen - von den größten internationalen Schauspielern garniert, in Kämpfe verstrickt, von Leidenschaften erschüttert, aber am Ende – nicht Sieger, eher - Versöhner. Genauer gesagt: Versöhnter.

Der Rebell der heimfand, der das Werk der Vorfahren glänzender, größer und vor allem dauerhafter vor uns hinstellte.

Luther- trotziger Sohn


Mit dem trotzigen Sohn setzt der Film ein: der junge Luther benutzt die Erschütterung durch einen Blitzschlag, um durch ein Gelübde seinen Vater tödlich zu ärgern. Er gibt das Jurastudium auf und will ins Kloster gehen.

Das klassische Vater-Sohn-Drama wird abgespult.Papa Luther erscheint zwar zur ersten Messfeier in der Kirche, aber nur, um seinen Sohn so einzuschüchtern, dass der den Messwein während der Messe verschüttet. Und will keine Entschuldigung von seinem Tölpel hören, der ihn vor allen Gevattern blamiert hat.

Aber unser Luther Junior wächst über sich hinaus: er lernt, nun selbst Befehle geben, Widerworte, allerlei Markiges. Und als die alte Welt sich gegen ihn erhebt, wer steht da vor der Klostermauer? Der Vater.

Versöhnt erkennt der Zuschauer: Sie wollten am Ende doch beide das selbe.

Papst Ochsenknecht - zu kurz gesprungener Luther

Auch der Papst im Film ist so ein Vater. Auf der Pilgerschaft nach Rom steht der junge Mönch Luther erschüttert am Straßenrand, als der Hirt der Christenheit im Jagdkostüm durch engen Gassen braust. Er will ja die Kirche zusammenhalten- aber schafft nur einen Petersdom,ansatzweise. Die treuen Begleiter –Kardinal Cajetan und Sekretär Aleander später an seinem Grab:

„Er hätte die Welt verändern können......Er war ein geistiger Zwerg, als wir einen Riesen gebraucht hätten...Einen Mann wie Luther“

Fazit: Luther macht besser, was der Seniorchef nicht schaffte.

Einen wirklichen Gegensatz zwischen den beiden scheint es nie gegeben zu haben.

Autorität- Ordnung- Unterwerfung

Dass Luther,angeblicher Rebell, eigentlich letzter Verteidiger von Autorität und Ordnung war- wo lässt sich das besser zeigen als an seinem Vorgehen gegen die „Schwärmer“ in Wittenberg und später gegen die aufständischen Bauern?

Kaum war der Gründer und Verwalter der neuen Lehre aus dem Verkehr gezogen und übersetzte auf der Wartburg seine Bibel, kamen in Wittenberg eine Art finsterer Ajatollahs an die Macht. Sie warfen Fenster ein, wollten von keiner Obrigkeit mehr wissen und verzichteten auf ihre akademischen Titel.Am schlimmsten der ehemalige Prof Luthers- Karlstadt. Wörtlich spricht er vom „Heiligen Krieg“.

Gottseidank gibt es die politische Feuerwehr. Erst in Gestalt des jungen Melanchthon.Der fährt ihn an: „Du träumst, wie eh und je. Was Du predigst, führt zu Rebellion und Aufruhr: Im Süden sollen sich Menschen zusammenschließen, um gegen ihre Herren zu Felde zu ziehen.“

Dann Luther selbst. Kaum erkennen ihn die Anhänger Karlstadts, da lassen sie den links liegen und ordnen sich dem umsichtigen Herrn unter.

Dass der Bauernkrieg dann nur sehr undeutlich abgehandelt werden kann, versteht sich. Im Film wird er ins Jahr 1523 vorverlegt, wahrscheinlich um das Jahr der Hochzeit mit Katharina von Bora - 1525 - nicht mit Schmerzlichem zu belasten. Die Andeutungen zum Bauernkrieg geben Luther vor allem Gelegenheit, als Früh-Schröder aufzutreten. Er mahnt, warnt, schlägt unbarmherzig zu- und leidet furchtbar darunter.

„In einem Brief bat Martin die Führer der Aufständischen um Zeit. Die Welt, so schrieb er ihnen, sei nicht stark genug, zu viele Veränderungen auf einmal zu verkraften. Den Christen stehe nicht zu, sich mit Gewalt gegen die Obrigkeit aufzulehnen. Im Jenseits werde ihnen dafür Gerechtigkeit widerfahren.. Martin wusste wohl, dass diese Worte auf die Unterdrückten wie Hohn wirken würden, aber ihm blieb keine andere Wahl. Wollte er Schlimmeres verhindern, musste er sie aufhalten.“

Originalton Kanzler. Da gibt es in seiner Partei immer noch welche, die schauen nur auf das Soziale, und nicht auf die Pflicht zur Modernisierung. Dann hilft eben nur noch Haue.

Protestanten= Masochisten


Immerhin heißen die Anhänger der Lehre Luthers ja von alters her: PROTESTANTEN: Das heißt: Irgendwann müssen doch auch diese aufbauenden Werterhalter protestiert haben.

Wie wird der Film denn damit fertig? Spielend!

In der Schlusszene im Reichtstag zu Augsburg 1530.

Es stehen sich gegenüber auf der einen Seite Kaiser Karl, umschlichen vom päspstlichen Sekretär. Auf der anderen Seite die Reichsfürsten und Vertreter der freien Städte,sitzend nach Rang und Amt und Würde.

Kaiser Karl fährt die Lutheranhänger an: Morgen hätten sie alle zur Fronleichnamsprozession zu erscheinen - sonst.....

Da tritt Philipp von Hessen vor, bricht in die Knie, bietet seinem kaiserlichen Herrn den Hals fürs Richtbeil, wenn es dem beliebe, aber von seinem Glauben lasse er nicht. Und kaum kniet der eine, so gleich neben ihm Kurfürst Johann von Sachsen- schließlich andere Fürsten und die Vertreter von Nürnberg und Reutlingen. So auf den Knien leistet man in Deutschland Widerstand- wenn es nach den Filmemachern geht.

Luther –der einsame Mann nach dem Herzen aller


Das also ist Deutschlands Zweitplatzierter auf der Chartliste.

Der Mann ohne Eigenschaften - aber für jede und jeden etwas.

Das ist natürlich logische Folge einer so international angelegten Produktion, die schließlich in allen Ländern verkauft werden soll. Da heißt es Gegensätze abstumpfen, nicht aufreißen, sonst kommt es doch zu Absatzstockungen.

Aber nicht nur. Der Personenkult, der mit dieser Art Filmen gefördert wird, reißt die gezeigte Figur notwendig aus allen Zusammenhängen seiner Zeit heraus. Vor allem aus den gedanklichen, die überhaupt erst eine Breitenwirkung ermöglichen.

Irgendetwas muss ja bei den verschiedensten Leuten schon vorher in die Richtung Luthers gedrängt haben, wenn sein Wort solche Wirkung hatte. Dem nachzugehen, würde aber ablenken vom gläubigen Blick auf die Allzweckwaffe :Großer Mann – fürsorgende Frau .Wenn nichts mehr hilft, dann einfach den Glauben nicht verlieren: Sankt Luther (Schröder, Merkel) machs für uns..

Und damit wir in diesem Glauben fest bleiben, hat es also die Reformation gegeben?

Wörtliche Zitate sämtlich entnommen aus dem BUCH ZUM FILM

Guido Dieckmann: Luther/Roman/Aufbau-Verlag Taschenbuch/Berlin 2003

Zuerst erschienen in StattZeitung für Südbaden Ausgabe 56, 2004-03

Mit Gewalt illegal gerodet, mit Liebe neu bepflanzt

Stuttgart, 30. Oktober 2010: Auf dem am 1. Oktober illegal gerodeten Areal im Stuttgarter Schlossgarten haben Mitglieder von den Parkschützern und Robin Wood heute 50 junge Platanen, Eschen und Spitzahornbäume gepflanzt. Mit ihrer Aktion fordern Robin Wood und Parkschützer, dass die Arbeiten am Grundwassermanagement für das Bahn-Projekt Stuttgart 21 sofort eingestellt werden und das Gelände dem Park zurückgegeben wird. Durch die bis 2024 vorgesehene Grundwasserabsenkung um ca. zehn Meter sind die Bäume im gesamten Schlossgarten gefährdet. Der illegalen Baumfällung durch die Deutsche Bahn war am 30. September ein brutaler und rechtswidriger Polizeieinsatz gegen eine friedliche Demonstration vorausgegangen, der ‘Schwarze Donnerstag’. Auch heute demonstrierten wieder mehrere zehntausend Menschen gegen Stuttgart 21. Unter dem Motto „Kultur statt Größenwahn! Nein zu Stuttgart21“ forderten sie einen umfassenden und sofortigen Bau- und Vergabestopp für S 21.

„Das Großprojekt Stuttgart 21 fügt unserem Staat und unserer Gesellschaft enormen Schaden zu“, sagt Landschaftsgärtner und Parkschützer Hansjörg Bärtschi. „Am 30. September wurde ein Staat jenseits unsere Rechtsordnung sichtbar: ein Staat, der illegale Baumfällungen deckt, der Grundrechte wie das Demonstrationsrecht opfert zugunsten von Partikularinteressen, ein Staat, der mit brutaler Gewalt gegen seine Bürger vorgeht. Die Arbeiten am Grundwassermanagement begannen mit einem vorsätzlichen Verstoß gegen europäisches Recht und geltende Planfeststellungsbeschlüsse. Damit haben diese Arbeiten jegliche Legitimität verloren und müssen sofort gestoppt werden. Der Schaden, der durch die Fällung Jahrhunderte alter Bäume entstanden ist, ist nicht wieder gut zu machen. Das ist aber kein Grund, jetzt mit dem zerstörerischen Treiben fortzufahren. Wir pflanzen stattdessen neue Bäume und schließen damit die Wunde.“

Spätestens seit gestern ist bekannt, dass die Bahn trotz der laufenden Schlichtungsgespräche wie geplant weiter baut, dadurch Fakten schafft und sich an keinerlei Zusagen hält. Entgegen den Abmachungen im Vorfeld der Schlichtungsgespräche wurde in den vergangenen Tagen auf dem Gelände des Grundwassermanagements betoniert, zahlreiche Betonteile wurden angeliefert. Fast gleichzeitig musste die Bahn eingestehen, dass auch der erklärte Aufschub der Südflügelentkernung nicht eingehalten wurde. Von staatlicher Seite ist derzeit keine Ahndung der Rechtsverstöße rund um den 30. 9. erkennbar.

„Die Landesregierung hat aus dem Konflikt um Stuttgart 21 nichts gelernt. Sie bleibt bei ihrer sturen, arroganten Haltung und lässt zu, dass weiter Fakten geschaffen werden, die den laufenden Gesprächen und einer Konfliktlösung im Wege stehen“, sagt Kei Andrews von Robin Wood. „Es ist schön, wenn bei den Schlichtungsgesprächen noch einmal viele Argumente und fachliche Details für eine große Öffentlichkeit ausführlich debattiert werden. Aber was bringt das, wenn aus all dem Wissen und all den Erkenntnissen keine Konsequenzen gezogen werden?“

Quelle: Presseerklärung vom 30. Oktober 2010

Fotos von gestern gibt es bei Roland Hägele