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Woman, Life, Freedom - the Time has come

Demonstrantinnen bei der  Großdemonstration halten  ihre Forderungen auf Tafeln hoch. Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv Berlin
Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv Berlin
Mehr als 80.000 Menschen demonstrierten am 22. Oktober 2022 in Berlin für die Freiheit im Iran. Jin, Jiyan, Azadi – „Frauen, Leben, Freiheit“ – schallte es laut über den Platz an der Siegessäule. Europaweit waren die Menschen angereist, um ihre Solidarität mit der Protestbewegung im Iran zu zeigen und den Sturz des autoritären Mullah-Regimes zu fordern. Zu der Großdemonstration aufgerufen hatte das feministische Kollektiv „Woman* Life Freedom Kollektiv“, das von unzähligen Organisationen unterstützt wurde.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv

Weitere Ereignisse zu diesem Thema

Gegen die "Lebenschützer": Keinen Schritt zurück! Für ein selbstbestimmtes Leben und Lieben!

Sa 22.10.2022 // 11 Uhr // Marktplatz Schwäbisch Gmünd: Kundgebung und Demonstration
Keinen Schritt zurück! Für ein selbstbestimmtes Leben und Lieben!

Vom 21. bis 23. Oktober trifft sich im Schönblick in Schwäbisch Gmünd eine Melange aus Konservativen, Christlichen Fundis und Rechten. Unter dem Motto „Leben.Würde“ soll drei Tage Lang Position für einen „Konsequenten und uneingeschränkten“ Lebensschutz bezogen werden. Was sich hier mit wohlwollend klingenden Worten versucht einen Humanistischen Anstrich zu verleihen ist und bleibt jedoch ein Sammelbecken für Antifeministi:nnen jeder Couleur.

Keinen Schritt zurück!
In zahlreichen Seminaren soll sich vernetzt und dem Ziel des Schutzes des ungeborenen Lebens näher gekommen werden. Doch diesem Ziel steht seit jeher das Selbstbestimmungsrecht von Frauen entgegen. So laufen die Forderungen der selbsternannten Lebensschützer stets auf die Einschränkung fundamentaler Rechte wie das auf Schwangerschaftsabbruch und Verhütung hinaus. Also ein gefundenes Fressen für all diejenigen denen das Mitspracherecht von Frauen und/oder Menschen anderer sexueller Orientierungen eh schon zu weit geht. So ist es auch kein wunder das sich an diesen Tagen altbekannte Rechte wie die AFD nahe Publizistin Birgit Kelle welche sich abseits des Lebensschutz auch gerne gegen Junge Klimaaktivist:Innen positioniert oder der CDU Bundestagsabgeordnete Alexander Gerd Krauß dessen Lebensschutz Begriff ganz schnell bei Geflüchteten endet hier auftreten. Lasst uns nicht tatenlos zuschauen wenn sich Reaktionäre zusammenschließen um ihre Menschenfeindliche Politik zu planen und den gesellschaftlichen Rollback zu organisieren. Kommt zur Demo in Schwäbisch Gmünd!

Vortrag: Organisierter Antifeminismus in Baden-Württemberg

Fr 21.10.2022 Vortrag "Organisierter Antifeminismus in Baden-Württemberg"
19 Uhr // Bunter Hund, Buhlgäßle 5, Schwäbisch Gmünd

In der Leipziger Autoritarismus-Studie aus dem Jahr 2020 kommt zu dem Schluss, dass über ein Drittel der Deutschen mindestens einer antifeministischen Aussage zustimmt. Das zeigt: nicht nur in extrem Rechten Gruppierungen sind antifeministische Narrative und Ideologien weit verbreitet.
In einem etwa einstündigen Vortrag mit anschließender Austausch- und Diskussionsrunde widmet sich Len Schmid von der Fachstelle mobirex den Fragen, was Antifeminismus ausmacht, welche antifeministischen Narrative in der Gesellschaft vertreten sind und was diese Ideologie so gefährlich macht. Anhand der Betrachtung unterschiedlicher organisierter antifeministischen Gruppierungen in Baden-Württemberg sollen Überschneidungen zu extrem Rechten Ideologien und zu Facetten von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sichtbar gemacht werden. Wir freuen uns über interessierte TeilnehmerInnen.

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, von der Veranstaltung auszuschließen.

Eine Veranstaltung des Bündnisses „Aufstehen gegen Rassismus“ Schwäbisch Gmünd

Infoabend über Reproduktive Rechte

Fr 14.10.2022
ab 15 Uhr // a.l.s.o Kulturcafé Goethestraße 65, Schwäbisch Gmünd


Seit dem, dass Roe v. Wade – Ein wichtiges Gesetz, dass Schwangerschaftsabbrüche landesweit in den U.S.A garantiert hat – am zweiten Mai dieses Jahres gekippt wurde, haben Frauen in 20 US-Staaten keine Möglichkeit einen Abbruch durchzuführen. Dies hat auch natürlich internationale Folgen: In vielen weiteren Ländern versuchen Abtreibungsgegner die Gesetze zu verschärfen und Frauen ihre reproduktive Rechte wegzunehmen. In vielen Ländern dominieren diese Abtreibungsgegner mehr und mehr, sowie bspw. in Polen. Auch in Deutschland versammeln sich Abtreibungsgegner, beim „Lebensschützer“-Kongress im Schönblick Schönblick-Kongress. Aus diesem Grund veranstalten wir von der Antifa einen Infoabend, der aufklären soll warum Schwangerschaftsabbrüche nötig sind und wie sich Verbote und strenge Gesetze tatsächlich auswirken. Dazu noch werden wir werden auch Spendenorganisationen, die sich für reproduktive Rechte einsetzen, präsentieren.

Der Eintritt ist frei. Wir freuen uns auf Euch.

Eine Veranstaltung der „Jugendantifa Schwäbisch Gmünd“

k9 - combatiente zeigt geschichtsbewußt: Erwin Jöris

Einladungsflyer: Vorderseite
1928 mit 16 im Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD). 1932 verbreitete er Flugblätter: „Hitler - das bedeutet Krieg“ Nach der Machtergreifung im März 1933 wurde er verhaftet, kam in Untersuchungshaft, wurde zu Schutzhaft verurteilt, danach kam er ins KZ Sonnenburg, wurde 1934 entlassen, emigrierte im Auftrag der inzwischen illegalen KPD in die Sowjetunion. In Anbetracht der stalinistischen Schauprozesse distanzierte er sich. Januar 1935 zur Bewährung in einen Industriebetrieb nach Swerdlowsk geschickt. Herbert Wehner u.a. warfen ihm vor, den Nationalsozialisten nicht genug Widerstand geleistet zu haben. 1937 verhaftete ihn dann das NKWD unter dem Vorwurf, trotzkistischer Spion zu sein, liefert ihn ins Lubjanka-Gefängnis. Die Sowjetunion schob Jöris im April 1938 ins Deutsche Reich direkt an die Gestapo ab, war bis Februar 1939 inhaftiert. März 1940 die Einberufung in die Wehrmacht. Ab 1941 an der Ostfront, kam in sowjetische Gefangenschaft, wurde 1945 nach Ost-Berlin, entlassen, 19. Dezember 1949 von sowjetischer Geheim polizei verhaftete, ins „U-Boot“ in Berlin-Hohenschönhausen, 1950 verurteilt von sowjetischem Militärtribunal 25 Jahren Zwangsarbeit, der Richter: „Deine Schnauze wird dir in Sibirien zufrieren“, war in den Arbeitslagern RetschLag/Arbeitslager Workuta, wurde 1955 mit Heimkehr der Zehntausend nach Ost-Berlin entlassen. Von dort floh er direkt mit seiner Frau Gerda nach Köln wo er bis 2013 lebte.

Sonntag, 09. Oktober 2022 - 19 Uhr
kg + größenwahn » politischer filmabend

Erwin Jöris spricht über sein Leben - Gefangener unter Hitler und Stalin

Interview von Andreas Petersen, 2002, 35:15 Minuten

"Das ganze Leben - könnte man nur sagen - war eine Odyssee. Aber es war auch sehr lehrreich für mich gewesen. Ich habe alles überstanden, alles durchlebt, aber nur deswegen, weil ich immer den Willen hatte, alles zu überleben. Und nachdem ich alles überlebt hatte, bin ich noch heute der Meinung, den Menschen immer wieder klarzumachen, was Diktaturen sind - ob die rot oder braun ist"

combatiente zeigt geschichtsbewußt: revolucion muß sein! filme aus aktivem widerstand & revolutionären kämpfen
kinzigstraße 9 + 10247 berlin + U5 samariterstraße + S frankfurter allee

Mildes Urteil nach Nazi-Angriff auf Journalisten

In Fretterode in Thüringen wurden 2018 zwei Fotografen von zwei Neonazis angegriffen und schwer verletzt, als sie vor dem Haus eines NPD-Politikers fotografierten. Eines der Opfer erlitt einen Schädelbruch, das andere einen Messerstich ins Bein. ZAPP hat mehrmals über den Fall berichtet. Nun ist das Urteil gefallen: Alle Beteiligten haben Revision dagegen eingelegt. „Es ist ein Signal an die Neonazi-Szene, dass sie mit unglaublich milden Strafen weiterhin für sie unliebsame Pressevertreter angehen können“, sagt Merlin M. (Name geändert), eines der Opfer. Warum fiel das Urteil so mild aus? Und was bedeutet es für Journalisten, die zu Neonazis recherchieren?

Blogkino: The Spanish Earth (1937)

Heute zeigen wir im Blogkino mit Filmen zum Thema Ⓐnarchismus "The Spanish Earth" von Joris Ivens nach dem (Dreh)buch von John Dos Passos und Ernest Hemingway. Zum Plot eine Besprechung von Sean Gilman. "Geht es nur mir so oder klingt der Hemingway-Erzähler in den Köpfen aller anderen immer wie Orson Welles? Jedenfalls spricht Welles den Text von Hemingway und Jon Dos Passos in diesem Dokumentarfilm, den der niederländische Filmemacher Joris Ivens mitten im Spanischen Bürgerkrieg drehte. Als ob das nicht schon genug Starpower wäre, stammt die Musik von Marc Blitzstein (Cradle Will Rock) und Virgil Thomson, einem der ersten großen amerikanischen Komponisten der Klassik (neben Charles Ives, Aaron Copland und George Gershwin). Thomson gewann den Pulitzer-Preis für seine Filmmusik zu Robert Flahertys Louisiana Story, und obwohl dieser Film nicht so gut ist (im Gegensatz zu Thomsons üblichem, ganz und gar amerikanischem Stil ist er sehr spanisch angehaucht), ist er doch recht charmant. Der Film ist im Stil einer Wochenschau gedreht und später mit Toneffekten und Voice-over unterlegt, aber Ivens hat ein Auge für eindrucksvolle Bilder und einige seiner Schnitte sind ziemlich clever (ich erinnere mich an einen bestimmten Schnitt von einem Gewehrschuss zu einem Loch im Sonnenlicht, das durch die Ellenbogenbeuge eines Soldaten scheint).

Der Film spielt während des Marsches der Faschisten auf Madrid und konzentriert sich auf zwei Geschichten: die der Bevölkerung der Hauptstadt, die sich auf den möglichen Angriff vorbereitet (Evakuierung der Kinder, Bildung von Milizen aus Fußballspielern und Stierkämpfern), und die eines nahe gelegenen Dorfes, das einen Bewässerungsgraben baut, um sein unbewohntes Brachland für die Ernährung der belagerten Stadt zu nutzen. Das Drehbuch ist voller prägnanter "Hemingwayismen", die manchmal wie die Hemingway-Parodie in Woody Allens Midnight in Paris klingen. 

Mein Favorit: ein Riff nach der Schlacht, in dem es darum geht, dass Sechser rausgingen und nur Zweier und Dreier zurückkamen. Die Szenen auf dem Bauernhof sind in Ordnung, aber sie verblassen im Vergleich zu den ähnlichen Bauarbeiten in King Vidors kommunitärem Klassiker Unser tägliches Brot, der drei Jahre zuvor veröffentlicht wurde. Vielleicht hätten die Schlussszenen, in denen das Wasser fließt, um die ausgetrocknete spanische Erde zu lindern, eine triumphalere Wirkung gehabt, wenn wir nicht bereits das endgültige Schicksal der Loyalisten und dieser Bauern kennen würden. Andererseits verleiht das dem ganzen Film eine ungewollte Schärfe, und Vidors kommunistischen Bauern erging es wahrscheinlich nicht viel besser, als der McCarthyismus und Gruppen wie Vidors eigene randianische antikommunistische Motion Picture Alliance for the Preservation of American Ideals sie in die Finger bekamen.

Es ist diese scheinbar offensichtliche Tatsache, die Ivens' Dokumentarfilm für mich deutlich macht: dass es sich um einen Krieg handelte, der von Menschen geführt wurde, die tatsächlich an die extremsten Varianten der modernen politischen Theorie glaubten und sie in die Tat umsetzten. Er konzentriert sich auf die Linke, die loyalistische Seite mit ihren armen Leuten, die sich in einem kommunitären Ideal zusammenschlossen, um sich vor den eindringenden Faschisten zu schützen (mit Hilfe, wie er immer wieder anmerkt, des ausländischen Einflusses der Deutschen und Italiener, wobei die Unterstützung, die die loyalistische Seite von den Sowjets erhielt, unerwähnt bleibt), aber indem er diese Loyalisten als Individuen betrachtet, wird die Tatsache deutlich, dass die Faschisten auch eine Massenbewegung waren.

Ich kann mir vorstellen, dass Ivens es vorziehen würde, die Faschisten nicht als Individuen, sondern als abstrakte Kräfte des Bösen zu sehen, aber in ihrer auffälligen Existenz aus dem Off ist ihre Präsenz, ihre Bedrohung, unausweichlich. Spanien wurde seine Demokratie nicht gestohlen oder der Totalitarismus aufgezwungen: Ein beträchtlicher Teil der spanischen Bevölkerung wollte so sehr in einer Diktatur leben, dass sie für das Recht, einen faschistischen Staat zu schaffen, kämpften, töteten und starben.

Ich finde diese Wahrheit absolut erschreckend. Das war der erste Film, den meine Tochter gesehen hat, und sie hat ihn fast bis zum Ende der 55 Minuten Laufzeit durchgehalten. Ich weiß nicht, was genau sie daran so fasziniert hat. Normalerweise bevorzugt sie farbige Bilder und schrillere Schnitte und hat nur wenige interessante Meinungen zu Politik oder Geschichte. Vielleicht war es die Filmmusik (sie hat in den 13 1/2 Wochen ihres Lebens schon viele Thomson-Filme gehört), oder vielleicht mag sie einfach Orson Welles' Stimme (wer mag sie nicht?). Wie dem auch sei, sie war ganz hingerissen, bis sie einschlief. Soweit sie weiß, hatte der Krieg ein glückliches Ende."


Berlin: Marsch für das Leben vs. Burn the Patriarchy

Das Foto zeigt die Spitze der feministischen Demo die unter einer Brücke durchzieht. Auf dem Transparent steht "Burn the Patriarchy - fight for Feminism!"
Foto: © neuköllnbild via Umbruch Bildarchiv
Am Nachmittag des 17. September 2022 zogen ca. 2.500 Abtreibungsgegner*innen beim sog. „Marsch für das Leben“ durch Berlin Mitte. Der Aufmarsch christlich fundamentalistischer Lebensschützer*innen stieß auch in diesem Jahr auf lautstarke Gegenproteste und Blockaden. Rund 800 Teilnehmer*innen demonstrierten bereits am Vormittag unter dem Motto „Burn the patriarchy“ für das Recht auf Abtreibung für alle, aufgerufen hatte das queer-feministische Bündnis What-the-Fuck. Um 12 Uhr startete ein weiterer Demozug vom Pariser Platz, organisiert vom Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv

Weitere Fotos im alten Bildarchiv (1980 - 2018)
Links

41. Todestag - Gedenken an Klaus-Jürgen Rattay

Foto: Manfred Kraft / Umbruch Bildarchiv Berlin
Am 22. September 1981 starb Klaus-Jürgen Rattay anläßlich der Räumung von 8 besetzten Häusern in Berlin. Sein Tod veränderte die Bewegung. Bei einigen löste die Brutalität, mit der die Räumungen durchgezogen wurden, Angst und Ohnmachtsgefühle aus. Bei dem weitaus größeren Teil der Besetzer*innen überwogen jedoch Wut und Zorn – sie radikalisierten sich mit hoher Geschwindigkeit.
Den Jahrestag von Klaus Jürgen Rattays Tod nehmen wir zum Anlaß für diesen Rückblick. Der Text ist ein Auszug aus dem Buch "Autonome in Bewegung" über die Besetzerbewegung der 80er Jahre, die Fotos entstanden am Tag der Räumung und anläßlich einer Gedenkdemonstration für Klaus-Jürgen Rattay im Jahr 1982.

Am 22. September 1981 läßt Heinrich Lummer (CDU), der damalige Innensenator von Berlin, 8 besetzte Häuser räumen. "Die Bewohner der räumungsbedrohten Häuser hatten sich darauf verständigt, lediglich passiven Widerstand gegen die Räumung zu leisten. Sie verbarrikadieren die Eingangstüren, holen viele Menschen ins Haus, Unterstützer wie auch prominente Paten, und harren der Dinge. In der Winterfeldtstraße, in der drei der Häuser stehen, werden aber in der Nacht auf den 22. September auch Barrikaden aus umgestürzten Autos, Bauwagen etc. errichtet, und viele sind dort, um die Häuser von außen militant zu verteidigen. Klaus-Jürgen Rattay gehört auch zu ihnen.
Am frühen Morgen des Räumungstages rückt die Polizei mit einem Großaufgebot an: mit Panzerwagen, Wasserwerfern und schwerem Räumgerät. Mittags will Lummer es sich nicht nehmen lassen, in einem der geräumten Häuser eine Pressekonferenz abzuhalten. Er präsentiert sich auf dem Balkon der Bülowstraße 89 als ein siegreicher Feldherr. Dadurch heizt er die Stimmung noch zusätzlich auf. Lautstarke Proteste begleiten seinen Auftritt. Die Polizei ist nervös und knüppelt die Straße frei. Einige hundert Menschen flüchten auf die verkehrsreiche Potsdamer Straße. Dort wird Klaus-Jürgen Rattay von einem BVG-Bus erfasst und mitgeschleift. Er stirbt auf der Straße. Den ganzen Tag über bleibt der Schöneberger Kiez unruhig und voller Menschen, die Todesstelle wird umlagert und mit Blumen bedeckt, und es gibt keinen Zweifel darüber, was am Abend passieren wird. Abends kommt es zur größten Spontandemo der Bewegung, rund 10.000 Menschen beteiligen sich an einem Schweigemarsch durch Schöneberg, der in heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei mündet, „Lummer: Mörder, Mörder“ hallt es nachts durch die verwüsteten Straßenschluchten. Gleichzeitig sind im ganzen Stadtgebiet Kleingruppen unterwegs, etwa 50 Anschläge auf Banken, Polizeiwachen, Wohnungsbauunternehmen etc. werden in dieser Nacht registriert. Auch in vielen anderen Städten der BRD gibt es Demonstrationen und Anschläge." (Ausschnitt aus dem Buch "Autonome in Bewegung" - PDF-Datei)

Drei Wochen nach dem Tod Rattays bildete sich eine "unabhängige Untersuchungskommission", der ein Bundesverfassungsrichter a. D. angehörte. Der Hergang des Vorfalles war heftig umstritten. "Die Versionen reichten vom Angriff Rattays auf den Bus und dem Selbstverschulden seines Todes (Polizei-Mitteilung) bis zur Darstellung von Zeugen, der Bus sei ohne Rücksicht in die Menschenmenge gefahren. (...) Die allmählich veröffentlichten weiteren Fotos und ein Super-8-Film konnten einige Aspekte des Vorfalles klären – vor allem den, dass der Bus vor dem Zusammenprall nicht angegriffen worden war –, doch gibt es vom exakten Moment des Anstoßes keine Bild-Dokumente." (siehe Wikipedia)
Nachdem die Ermittlungen noch im Dezember desselben Jahres eingestellt worden waren, bemühten sich die Eltern des Neunzehnjährigen vergebens um Wiederaufnahme des Verfahrens. Im August 1982 wurde dies abgelehnt.
Eine Dokumentation des Ermittlungsausschusses aus dem Jahr 1982 beleuchtet die genaueren Todesumstände.

"Ich hab gleichzeitig Angst und ich hab gleichzeitig auch Mut zum kämpfen." sagt Klaus-Jürgen Rattay noch am Tag vor der Räumung in einer Dokumentation des RBB.

Zahlreiche Links und eine Fotoseite beim Umbruch Bildarchiv Berlin



Weitere Informationen


In Gedenken an Klaus-Peter Beer – Neonazistische Gewalt und antifaschistisches Erinnern in Amberg

Cover der Broschüre. Eine Rote Nelke sowie der Text: In Gedenken an Klaus-Peter Beer. Neonazistische Gewalt und antifaschistisches Erinnern in AmbergKlaus-Peter Beer wurde 1995 von zwei Neonazis in Amberg brutal ermordet. In der Stadt wurde die Tat über Jahrzehnte verdrängt und verschwiegen. Erst nach mehr als zwei Jahrzehnten kontinuierlicher antifaschistischer Proteste konnte 2020 - 25 Jahre nach der Tat - endlich erreicht werden, daß Klaus-Peter Beer als Opfer rechter Gewalt anerkannt und ein Gedenkstein in der Nähe des Tatorts errichtet wurde.

Die fast 70-seitige Broschüre »In Gedenken an Klaus-Peter Beer - Neonazistische Gewalt und antifaschistisches Erinnern in Amberg« basiert auf der ehrenamtlichen Arbeit der verdi Jugend Oberpfalz.

Hier der Link zum kostenlosen Download der Broschüre. In Papierform kann die Broschüre kostenfrei über eine Mail an bgdv@mailbox.org bestellt werden.

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