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Ein Rant auf meine "lieben Nachbarn"

Liebe Nachbarn, jahrelang haben wir Euch und Euer Verhalten ertragen. "Euch und Euer Verhalten" ist für uns und andere hier gleichbedeutend mit Ignoranz, Selbstsucht, Rüchsichtslosigkeit, kurz: Wohlstandsverwahrlosung. Dass wir Euch nicht längst die Türe eingetreten haben, hängt vor allem mit unserer guten Erziehung und - zugegebenermaßen - mit falschen Illusionen über die Solidarität der Menschen untereinander - zusammen. Wie oft haben wir Euch über Jahre hinweg gebeten

  • nicht jedes gottverdammte Heimwerkergerät, das gerade in irgendeinem Baumarkt für Lau rausgehauen wird, ausgiebig und vor allem Samstag nachmittags oder an irgendwelchen anderen Feierabenden "open end" zu erproben. Auch vor Sonntagen oder Feiertagen hattet Ihr und Eure Abkömmlinge irgendeinen Respekt.
     
  • Eure verdammte Brut im Zaum zu halten, damit die eben nicht über Wochen auf Eurem Balkon hocken, brabbelnd nicht mehr wissend, was sie machen, ihre Bongs rauchen, herumzukrakeelen und mit ihrer Boombox und Mucke allerunterster Schublade (Ihr wisst schon, hab isch dicke Hose, Bitch isch fick disch Rap) das Quartier zu beschallen. Wenn Menschen sich darüber auf Zuruf beschweren, gibt es Beleidigungen und Drohungen zurück, gerne auch von "Gästen" des Hauses. Auf der anderen Seite entblödet sich Euer Nachwuchs nicht, spielenden und lärmenden Kindern aus der Nachbarschaft mit "Halt endlich die Fresse!" ganz handfest zu drohen. Und Ihr seht bei alldem zu und sagt - nichts.
     
  • Euch nicht hinter der glatten Lebenslüge "in meiner Eigentumswohnung / haus / whatever" darf ich, was ich will und wie laut ich will und vor allem, wann und wie lange ich will machen, zu verstecken. Auf der anderen Seite kommt Ihr mit der platten Entschuldigung um die Ecke, laut der alles vor 22:00 erlaubt ist. Was natürlich durch keinerlei "geltendes Recht" gedeckt ist.
     
  • auf Bedürfnisse anderer, die z.B. ihre Ruhe wollen, oder auch darauf angewiesen sind, wie Schichtarbeiter, Pflegepersonal usw. auch nicht das mindeste an Rücksicht zu nehmen, sondern darauf zu Scheißen. Kein Problem habt Ihr damit, Euch morgens um 03:00 auf Euren Balkon zu stellen und laut herum zu proleten. Mit "laut" meine ich "laut". Denn: seit Jahren können wir nur mit Ohrstöpseln schlafen. Schon allein deswegen gehört jedem von Euch der Weg durch die Schellengasse gezeigt.
     
  • Eure Debatten über Euer armseliges Leben bitte hinter verschlossenen Türen und Fenstern zu führen. Während ich diesn Beitrag blogge, ist es wieder so: Geschrei aus Eurer Bude, mit Inhalten, die ich hier nicht wiedergeben möchte. Denn: Euer Lebensbild dringt auch nach außen. Da sind Eure nächtelangen Ballersessions auf Eurer ach so coolen Leinwand mit Eurer ach so coolen Playstation nur ein selbstverständlicher Teil des Bildes, das Ihr nach außen abgebt und für das ich nicht auf meinen Mittags- oder Nachtschlaf verzichten möchte. Für kein Geld der Welt.

Tja, Leudde. Irgendwie war das hier mal ganz anders. Und es nervt mich - das sage ich hier gerne auch öffentlich - daß ein Weg, diesen Konflikt zu umgehen, für uns inzwischen der ist, nach fast 30 Jahren dieses Quartier perspektivisch zu verlassen. Allerdings, nicht ohne Euch vorher noch ordentlich eines reinzudrücken. Denn wir wohnen hier im Grundsatz gerne und haben schließlich Unsummen an Kohle und Arbeit in die Bude hier investiert, die wir nun "abschreiben" können. 

Gerade auch in Zusammenhang mit der jahrelang nur heruntergeschluckten Wut über Euer Scheiß Verhalten haben wir allerdings, was positiv ist - neue und gute Verbindungen zu Nachbarn und auch kommunal geknüpft. Cool. Die Nachbarn kotzt Ihr auch an. Auch die haben schon versucht, Euch nahezbringen, daß hier noch andere Leute wohnen. Ihr verhaltet Euch dahingehend trotzdem wie unter Vollnarkose.

Wie auch immer:  Es dürfte jedeM klar sein, der sich mit uns anlegt, daß wir - wenn es reicht - keine Skrupel kennen. Das haben wir bereits in ganz anderen Konflikten unter Beweis gestellt, auch wenn es sich damit bislang stets um Konflikte mit "dem Staat" gehandelt hat, auch wenn wir hier  aus Gründen andere Mittel angewandt haben. Denn - bei allem Haß, der sich bei uns mittlerweile aufgebaut hat - wir rechnen Euch eher zum Lumpenproletariat denn zu staatlichen oder sonstigen Ecke. Das macht es nicht weniger schlimm.

Bei wem ich mich eher nicht bedanke, sind eine Reihe "Genoss:Innen", die uns vor allem nicht konkret sagen konnten, was sie denn in der Situation machen würden: "Unkalkulierbarer, vermeidbarer Lärm von 08:00 bis oft über 23:00 hinaus, bei Bedarf auch Nachts". Die schlimmsten sind die, die uns zum Aushalten aufgefordert haben. Weil es ja so schön sei, in der Provence oder sonst wo am Arsch der Welt wo sie die örtliche Folklore mitgenommen haben als coolen Event, selbst aber in Halbhöhenlage oder anderer recht ruhiger Lage wohnen.

Gespräche mit Leuten, die es wissen sollten, haben denn auch so verschobene Vorschläge erbracht wie: Die "Nachbarn einladen, mit ihnen sprechen damit sie selber hören / sehen, wie laut es bei Ihnen ist." Drauf geschissen. Die "lieben Nachbarn" wissen es im Grunde ganz genau und wenn ich mit ihnen rede, sehe ich, daß sie überhaupt nicht verstehen, was ich von ihnen eigentlich will. Das ist jedoch deren Dilemma oder kognitive Dissonaz "Normalität". Ich muss sehen, wie ich damit klarkomme.

Genoss:Innen von mir und sehr liebe Freund:Innen wohnen in änlicher Lage. Deren Altruismus geht so weit, daß sie jeglichen Protest eingestellt haben, obwohl das auch pädagogisch das völlig falsche Signal gegen solche infantilen Eskalationen ist. Ok, da ist eine Student:Innen WG das Problem. Und ok. ich weiß, es gibt Kreise in dieser Gesellschaft, wo eine Party, bei der Keine Bullen aufgekreuzt sind, keine "gescheite Party" war. Den Freund:Innen geht es deswegen nicht besser, im Gegenteil. Denn so etwas nagt an eine:M, zerfrisst das in diesen Zeiten sowieso lädierte Menschenbild und untergräbt - ganz praktisch - die Grundlagen für ein halbwegs erträgliches Zusammenleben im Kiez. Was im übrigen - elementare Grundvoraussetzung ist für einen gemeinsamen Streit gegen die herrschende Gesamtscheiße.

Sei's drum. Ich will hier nicht rumlabern. Wir haben als erstes eine Anzeige bei der Ordnungsbehörde der Stadt Esslingen gestartet. Macht 150€ für die lieben Nachbarn, gesetzt den Fall, sie akzeptieren. Und ändern ihr Verhalten. Wenn nicht: Zivilklage auf Unterlassung. Protokoll der Belästigungen führen wir bereits. Hatten wir auch 2019, aber damals abgeblasen - wegen Altruismus. Sprich: Weil Ihr mal ein paar Wochen ruhig wart. Das hatte aber damals dazu geführt, daß es uns schlechter ging wie je zuvor und Ihr Eurer Ding durchgezogen habet. Gab ja niemanden, der Euch daran gehindert oder sonstwie Einspruch eingelegt hätte.

Bittere Kiste. Ich hätte mir in meinem Leben nie geträumt, mal auf den Staat in so einem "inneren Widerspruch der Arbeiterklasse" zurückgreifen zu müssen. Aber das Leben ist kein Schlotzer und wie Adorno schon sagte: "Es gibt kein richtiges Leben im falschen".

Gerade deshalb nochmal, auch wenn Ihr das vermutlich nicht lesen werdet: Fuck you! Packt Euren Scheiß zusammen und haut aus unserem Kiez ab! 

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