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»Wer wagt es, sich den donnernden Zügen entgegenzustellen? Die kleinen Blumen zwischen den Eisenbahnschwellen!« Erich Kästner

Geht hin und vermehrt euch! Mögen 10 – 100 – 1000 Server aus dem Boden sprießen

Zentral steht ein großer Textblock mit der Überschrift 'GOODBYE A/I'. Darunter folgt in schwarzer Schrift auf beigem Hintergrund die Mitteilung, dass Autistici/Inventati neunzehn Tage vor der Frist eingestellt wird. Rechts daneben befindet sich eine stilisierte Kalendergrafik. Im oberen rechten Bereich steht ein rot unterlegtes Logo mit dem Schriftzug 'NOBLOGS' und dem Zusatz 'Welcome to A/I'. Am unteren Rand sind weitere Informationen und Logos abgebildet, darunter 'sabot.media', der Hinweis auf einen vollständigen Artikel sowie auf ein kostenloses Buch.

In diesen Zeiten fanatischer, ideologischer und grundloser Unterdrückung habt ihr uns oft gefragt: „Wie können wir euch unterstützen?“

Die erste Antwort, die uns in den Sinn gekommen ist, lautet: Wenn ihr helfen wollt, schafft neue Räume im Netz. Es gibt viel zu wenige autonome Server da draußen, sei es für E-Mail und Webhosting oder für andere nützliche Kommunikationsmittel.

Diese Idee ist keineswegs neu. Wir wiederholen sie schon seit März 2001, als A/I sein Abenteuer begann. Schon damals hatten wir begonnen, zur Einrichtung unzähliger selbstverwalteter Server aufzurufen, und mit dieser Hoffnung im Hinterkopf prägten wir den pseudobiblischen Satz: „Geht hin und vermehrt euch, sagten die Heuschrecken!“

So sehr diese Worte damals auch wie eine paranoide Cyberpunk-Prophezeiung geklungen haben mögen, heute erweisen sie sich als dringende Notwendigkeit.

Geht also hin und vermehrt euch. Macht es uns nach. Kopiert, was wir getan haben. Kopiert den Code, den wir verwendet haben. Kopiert die Idee, der wir Gestalt zu geben versucht haben. Oder nehmt einfach, was ihr von uns braucht, und remixt es. Wenn es etwas gibt, das unsere Gegner fürchten und verabscheuen – jetzt, in der Vergangenheit und für immer –, dann ist es unsere Fähigkeit, den Virus der Selbstverwaltung und Selbstbestimmung zu verbreiten und Infrastrukturen des Widerstands fraktal zu vervielfältigen.

Autistici/Inventati, das sind nicht nur wir. Autistici/Inventati mag sterben, aber Tausende sind bereits entstanden und Tausende weitere werden folgen.

Und das ist noch nicht alles. Was sich überall um uns herum abspielt, ist eine koordinierte Strategie zur Eskalation der Repression mit dem Ziel, nicht nur die Spielregeln, sondern das Spielfeld selbst grundlegend zu verändern. Das bedeutet, dass das, was gerade geschieht, nicht nur eine Handvoll Menschen betrifft, sondern gemeinsam und so breit wie möglich angegangen werden muss – von Einzelpersonen, autonomen Projekten, Organisationen und der gesamten Gesellschaft.

Auf dem Spiel stehen die Meinungs-, Informations- und Vereinigungsfreiheit sowie die bloße Existenz einer Infrastruktur, die in der Lage ist, dem Autoritarismus Widerstand zu leisten (nicht nur in den Vereinigten Staaten). Auf dem Spiel steht die Möglichkeit, überall weiterzukämpfen, um grundlegende Gemeingüter – wie Kommunikationsinfrastrukturen – vor dem Imperialismus bestimmter Akteure zu verteidigen.

Das geht weit über uns selbst hinaus. Es betrifft jeden, der leben will, ohne sich als Ware zu fühlen, und danach strebt, sein Leben und seine Beziehungen selbst zu bestimmen. Wenn wir diesem voranschreitenden Techno-Faschismus Widerstand leisten wollen, brauchen wir eine breite internationale Solidaritätsbewegung, um Rahmenbedingungen zum Schutz autonomer Infrastrukturen und Räume zu schaffen, die frei von jeglicher autoritärer Absicht sind.

Kommen wir also zurück zu der Frage, mit der wir begonnen haben: Wir sind euch allen dankbar, die ihr die Geschichte dessen erzählt habt, was uns widerfahren ist. Wir sind dankbar für die breite Solidarität, die ihr uns entgegengebracht habt, und für euer Verständnis dafür, dass das, was uns widerfahren ist, nur ein kleiner Schritt in der Kette von Ereignissen ist, die sich wahrscheinlich entfalten werden – sicherlich zum Schlechten, aber vielleicht auch zum Guten.

Diese Vision erfüllt unsere Herzen. Doch nun ist es an der Zeit, einen Schritt weiter zu gehen und unsere Vorstellungskraft über die schrumpfenden Horizonte des Möglichen hinauszuschieben, die uns diese dunklen Zeiten aufzwingen. Unsere Hoffnung ist, dass dieser Angriff auf die Freiheit der Netzwerke einen kraftvollen und kreativen kollektiven Widerstand entfesselt. Mögen tausend Plattformen erblühen, mögen tausend Hacktivisten-Kollektive entstehen, mögen tausend Server in Betrieb gehen! Möge das Ende von A/I eine Unzahl von Infrastrukturen des Widerstands hervorbringen, wie wir sie uns zuvor nie hätten vorstellen können.

Geht hinaus und vermehrt euch, sagten die Heuschrecken! Und wenn ihr schon dabei seid, versucht euch eine Welt des Kampfes, des Widerstands und der Selbstverwaltung vorzustellen, wie ihr sie noch nie gesehen habt.

KOLLEKTIV AUTISTICI/INVENTATI

Quelle / Eigene  Übersetzung, 12. September 2026


 

A/I shuts down - Stay human

Zentral steht ein großer Textblock mit der Überschrift 'GOODBYE A/I'. Darunter folgt in schwarzer Schrift auf beigem Hintergrund die Mitteilung, dass Autistici/Inventati neunzehn Tage vor der Frist eingestellt wird. Rechts daneben befindet sich eine stilisierte Kalendergrafik. Im oberen rechten Bereich steht ein rot unterlegtes Logo mit dem Schriftzug 'NOBLOGS' und dem Zusatz 'Welcome to A/I'. Am unteren Rand sind weitere Informationen und Logos abgebildet, darunter 'sabot.media', der Hinweis auf einen vollständigen Artikel sowie auf ein kostenloses Buch.

An dem Tag, als wir erfuhren, dass wir als globale Terrororganisation eingestuft worden waren, haben wir versprochen, dass wir versuchen würden, so lange wie möglich Widerstand zu leisten, dass wir nicht nachgeben würden, solange wir noch Möglichkeiten sähen, unsere Position zu verteidigen. Seit Jahren pflegen und verteidigen wir stolz eine freie, datenschutzfreundliche, autonome und politisch engagierte Infrastruktur.

„Bleibt menschlich“ ist für uns keine leere Floskel.

Es bedeutet vor allem, dass wir eine Verantwortung haben, unsere Nutzer*innen zu schützen – jene, die die menschlichen Netzwerke aufbauen, auf die wir uns verlassen, und die Gemeinschaften, die uns mit Botschaften der Unterstützung und Solidarität überschüttet haben.

Wir können uns nicht auf einen Kampf einlassen oder uns Manipulationen aussetzen, die das Leben dieser Menschen und ihrer Angehörigen bedrohen und sie der Gnade von Autokraten, Faschisten und Behörden ausliefern, die extralegale Maßnahmen ergreifen. Die Möglichkeit, dass unsere Arbeit rechtliche und finanzielle Konsequenzen für diejenigen nach sich ziehen könnte, die uns nahestehen – oder auch nur irgendetwas mit uns zu tun haben –, lässt uns keine andere Wahl.

A/I wird geschlossen. Das Kollektiv Autistici/Inventati löst sich auf und wird in Kürze alle von uns angebotenen Dienste einstellen.

Es gibt keinen einfachen Weg, dies anzukündigen oder zu erklären

Jeder Tag, an dem wir nach dem 26. August 2026 online geblieben sind, war ein Sieg, doch nun sind wir gezwungen, aufzuhören.

Keiner von uns hält heldenhafte Gesten und Märtyrer für besonders bewundernswert, daher werden wir keine Opfer verlangen. Weder von uns noch von irgendjemand anderem. In diesem politischen Klima gefährdet die Fortsetzung unserer Dienste unsere Nutzer und alle, die Teil unserer Gemeinschaften sind. In einer Welt, in der Anschuldigungen jeglichen Bezug zur Realität verloren haben, können wir nur damit rechnen, dass die Repressionen zunehmend unverhältnismäßig ausfallen werden. Unter diesen Umständen sind wir nicht mehr in der Lage, unsere ursprüngliche Mission aufrechtzuerhalten – nämlich sichere und nichtkommerzielle digitale Tools anzubieten.

Diese 25 Jahre waren fantastisch. Es war eine „unglaubliche Reise“.

Schaltet jetzt eure PCs aus, geht raus aus euren Wohnungen, kämpft, umarmt euch und hört nicht auf zu lächeln. Wir hören auf, aber der Widerstand und die Ideen hören nicht auf. Bleibt menschlich.

Wir werden euch bald Anleitungen schicken, wie ihr den Inhalt eurer Blogs, E-Mail-Postfächer und Websites sichern könnt, zusammen mit weiteren technischen Empfehlungen. Aber denkt daran: Genauso wie die Domain autistici.org ohne Vorwarnung unerreichbar gemacht wurde, könnten wir in den nächsten Tagen ähnliche Probleme erleben, die wir vielleicht nicht vorhersehen können.

 

Autistici/Inventati-Kollektiv

Quelle: keepitfree.ai, 6. September 2026

Wikipedia zu Autistici/Inventati
Listung in den USA

Eigene Übersetzung, Danke an Thomas für die Links


 

Die schönsten Attentate des letzten Jahrhunderts Nr. 15: Leon Frank Czolgosz vs. William McKinley (POTUS No. 25)

Ermordung von Präsident William McKinley durch Leon Czolgosz beim Empfang der Panamerikanischen Ausstellung am 6. September 1901
Leon Frank Czolgosz wurde 1873 in Alpena als Sohn polnischer Immigranten geboren. Er hatte sieben Geschwister. Die Familie zog nach Detroit und später nach Ohio. Dort verließ Czolgosz bereits im Alter von zehn Jahren den elterlichen Haushalt, um mit zweien seiner Brüder bei der American Steel and Wire Company zu arbeiten. Dort kam es oft zu Streiks, worauf die Brüder entlassen wurden. Mit 16 Jahren arbeitete er in einer Glasfabrik. Nachdem er mehrfach Auseinandersetzungen zwischen streikenden Arbeitern und der Polizei erlebt hatte, erlitt er 1898 einen Nervenzusammenbruch und kehrte zu seiner Familie zurück. Allerdings lehnte er ihre katholischen Anschauungen ab. Darüber geriet er oft in Streit mit seiner Stiefmutter und entfremdete sich gegenüber seiner Familie immer mehr. Er wurde ein Anhänger der Anarchistin Emma Goldman und besuchte viele ihrer öffentlichen Reden. Unter ihrem Einfluss begeisterte er sich für die Idee des Anarchismus. Als der italienische Anarchist Gaetano Bresci am 29. Juli 1900 den italienischen König Umberto I. ermordete, war Czolgosz davon so stark beeindruckt, dass er beschloss, seinerseits den US-amerikanischen Präsidenten zu töten.

Nachdem er erfahren hatte, dass Präsident McKinley die Pan-American Exposition in Buffalo besuchen würde, reiste Leon Czolgosz dorthin und mietete sich in einer Pension ein. Am 2. September 1901 erwarb er einen Revolver und erlebte am 5. September McKinleys Rede auf dem Ausstellungsgelände. Am folgenden Tag reihte er sich in das Defilee der Ausstellungsbesucher ein, die der Präsident im Temple of Music empfing. Die Hand, in der er den Revolver hielt, hatte er mit einem Taschentuch bandagiert, um eine Verletzung vorzutäuschen. Als er um 16:07 Uhr an die Reihe kam, dem Präsidenten die Hand zu schütteln, feuerte er zwei Schüsse auf ihn ab. Von den beiden Kugeln war eine von einer Rippe abgeprallt, die andere jedoch so tief in den Unterleib eingedrungen, dass die Ärzte sie nicht finden und entfernen konnten. Ein auf der Ausstellung gezeigter Prototyp eines Röntgengeräts kam aus unbekannten Gründen nicht zum Einsatz. Zunächst schien McKinley sich stetig zu erholen, sodass er am 11. September etwas Fleischbrühe und am folgenden Tag etwas Toast mit Ei zu sich nehmen konnte. Danach verschlechterte sich sein Zustand jedoch rapide. Er starb schließlich am 14. September 1901 um 02:15 Uhr.

Nach einer relativ kurzen Verhandlung wurde Czolgosz zum Tode auf dem elektrischen Stuhl verurteilt und am 29. Oktober 1901 im Gefängnis von Auburn hingerichtet. Seine letzten Worte waren:

I killed the President because he was the enemy of the good people — the good working people. I am not sorry for my crime.

(Ich tötete den Präsidenten, weil er der Feind der guten Menschen war - der guten, arbeitenden Menschen. Mein Verbrechen tut mir nicht leid.)

(WikiPedia)

81. Jahrestag - Hiroshima mahnt

Heute ist der 81. Jahrestag des Atombombenabwurfes auf Nagasaki.  Das Netzwerk Friedenskooperative stellt eine umfangreiche Übersicht zu den Aktivitäten rund um die Gedenktage zur Verfügung. Aktuell finden sich in dem Terminkalender mehr als 80 Veranstaltungen bundesweit. Beteilige dich an den Aktionen! Hier findest du alle Infos.

Es waren nur wenige Wochen zwischen dem ersten Atomtest im US-Bundesstaat New Mexico und dem ersten Praxistest in Hiroshima. Am 16. Juli 1945 war die im Manhattan-Projekt entwickelte Atombombe auf dem Testgelände bei Alamogoro gezündet worden; ihre Sprengkraft betrug 21 Kilotonnen TNT. Die Explosion war erfolgreich, aber über die tödliche Wirkung konnte der Test nichts Definitives aussagen. 20 Tage später detonierte die 12,5-Kilotonnen-Bombe mit dem niedlichen Namen "Little Boy" in Hiroshima, drei Tage später eine weitere Bombe namens "Fat Man" über Nagasaki. Die Wirkung der Bomben war kolossal: Zwischen 90.000 und 200.000 Menschen starben unmittelbar. Weitere 130.000 Menschen starben bis Jahresende. Bis 1950 war die Zahl der Spätopfer in beiden Städten auf insgesamt 230.000 gestiegen. Strahlenopfer sind auch heute noch in der dritten Generation zu beklagen. 

„Der obige Befehl ergeht an Sie auf Anweisung und mit Zustimmung des Kriegsministers und des Generalstabschefs der amerikanischen Streitkräfte.“

(Befehl an den General Carl Spaatz, Oberkommandierender der amerikanischen strategischen Luftwaffe für den Abwurf der Atombombe auf Hiroshima)

 

„Ich habe nie bereut und mich nie geschämt, denn ich glaubte damals, dass ich meine patriotische Pflicht tat, als ich den Befehlen folgte, die man mir gab.“

(Oberst Paul W. Tibbets, der die Atombombe über Hiroshima ausklinkte)

Der Atompilz über Hiroshima fotografiert aus dem Heck der Enola Gay Bildquelle: WikiPedia

Obwohl Japan zum damaligen Zeitpunkt militärisch bereits am Ende war, nahm die U.S. Militärführung unter der Führung von US-Präsident Truman zehntausende von Opfern in Kauf: 140.000 starben bis Ende 1945 an den Folgen des Abwurfs. Der zweite Atombombenabwurf auf Nagasaki geschah drei Tage später, am 9. August 1945. Die Opfer steigerten sich dadurch auf über 250.000.

Opfer des Atombombenabwurfs in Hiroshima mit Ganzkörperverbrennungen, fotografiert von Onuka Masami

Opfer des Atombombenabwurfs in Hiroshima mit Ganzkörperverbrennungen, fotografiert von Onuka, Masami, Gemeinfrei

Lesetipps zum Thema vom Lebenshaus Alb:
•"Der Fluss war voll von toten Menschen und ich konnte die Wasseroberfläche überhaupt nicht mehr sehen"
• "Ich fühlte, dass die Stadt Hiroshima auf einen Schlag verschwunden war"
• Was den Menschen von Hiroshima und Nagasaki Grauenhaftes widerfahren ist
• Nacht der 100.000 Kerzen zum Hiroshimatag - “Verhängnisvollste Erfindung der Menschheitsgeschichte”

Siehe auch:
• "Erklärung der Weltkonferenz gegen Atomwaffen 2010", dokumentiert bei der Tageszeitung "junge Welt"
• Democracy Now! Archive zu Hiroshima und Nagasaki
• Die Geschichte von Shin's Dreirad


 

250 Jahre Lügen, 500 Jahre Aufstand

Gedanken.
Die sogenannten „Vereinigten Staaten“ feiern am 4. Juli 2026 den 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung. Wir, die Ureinwohner dieses Landes, müssen nicht lange suchen, um die Heuchelei zu erkennen, die darin liegt, ein Dokument zu feiern, das unsere Vorfahren als „gnadenlose indianische Wilde“ bezeichnet. Heute erleben wir ein Land, das „Freiheit“ proklamiert, während es unsere Nachbarn mit Migrationshintergrund ohne ordentliches Verfahren entführt, Gesetze verabschiedet, die Belästigung und Diskriminierung unserer LGBTQ- und Two-Spirit-Verwandten fördern, und jede politische, rechtliche und militärische Strategie aus dem Ärmel zieht, um jede Form von Widerstand gegen den Staat zu unterdrücken. Zu Beginn dieser Nation ratifizierte die Regierung über 350 Verträge mit indigenen Nationen – und brach anschließend jeden einzelnen davon. So wie es unseren Vorfahren klar war, ist es auch uns heute klar: Dieses koloniale Experiment ist daran gescheitert, etwas aufzubauen, das auch nur annähernd einer echten Demokratie ähnelt.

Die Haudenosaunee-Konföderation verfügt über die älteste ununterbrochene partizipative Demokratie der Welt, bekannt als Gayanesshagowa, das Große Gesetz des Friedens. Viele der Strukturen, die für die Schaffung von Gewaltenteilung in der US-Regierung gelobt werden, sind direkt vom Gayanesshagowa übernommen – wurden jedoch verdreht, um den Interessen der „Gründerväter“ zu dienen, die für den Völkermord und die Versklavung unserer schwarzen Vorfahren verantwortlich waren. Die ursprünglichen Gesetze dieses Landes führten zu einem System, das darauf ausgelegt war, weiße, wohlhabende Männer zu begünstigen – durch den versuchten Völkermord an den indigenen Völkern und den Bison, den Raub unseres Landes, die Entführung unserer Kinder sowie die Verschleppung und Versklavung schwarzer Menschen. Wir lehnen den Mythos ab, dass die „Erbauer“ Amerikas es verdienen, gefeiert zu werden.

Stattdessen suchen wir nach den Träumen unserer wahren Gründungsmütter – der indigenen Frauen, die unsere Gemeinschaften anführten, noch bevor Siedler hier überhaupt Fuß fassten. Die Matriarchinnen, die unser Volk durch über 500 Jahre Völkermord, Zwangsumsiedlungen und Versuche, unsere Kultur und Sprachen auszulöschen, geführt haben. Wir ehren die Träume derer, die dieses Land lange vor der Ankunft der Kolonisten zu Überfluss geführt haben. Wir streben nach gemeinsamer Heilung und Befreiung mit unseren schwarzen Brüdern und Schwestern, deren Zwangsarbeit damals die Geldbeutel der reichen weißen Männer füllte. Wenn Amerika sich weiterhin weigert, sich mit seiner eigenen Geschichte auseinanderzusetzen – einem Land, das auf Völkermord, Landraub und Sklaverei aufgebaut ist – ist es dazu verdammt, sich selbst zu wiederholen.

Widerstand.
Vor 150 Jahren schlossen sich die Oceti Sakowin in der Schlacht von Greasy Grass (auch bekannt als die Schlacht am Little Bighorn) zusammen. Am 25. und 26. Juni 1876 kämpften Krieger der Lakota, Dakota, Northern Cheyenne und Arapaho gegen die 7. Kavallerie und gewannen, nachdem Oberstleutnant Custer von der US-Armee ihr Dorf angegriffen hatte. Indigene Matriarchinnen kämpften an der Seite der Männer, um ihre Kinder, Gemeinschaften und ihre Lebensweise zu verteidigen. Der Sieg bei Greasy Grass erinnert uns an unsere Kraft, wenn wir uns gemeinsam gegen diese völkermörderische Regierung zusammenschließen.

Als indigene Völker haben wir nie aufgehört zu kämpfen, um unser Land, unsere Ökosysteme und Gewässer zu schützen; um unsere Kultur, unsere Lieder und Sprachen zu pflegen; und um unsere Vertragsrechte und Souveränität auszuüben.

Wiedererstarken.
Beim indigenen Widerstand ging es schon immer um mehr als nur den Kampf gegen die weiße Vorherrschaft; es geht darum, eine Zukunft aufzubauen, in der unsere Kultur, unser Wissen und unsere Lebensweisen gelebt, respektiert und geehrt werden. Die Welt braucht das Wissen der Indigenen, um sicherzustellen, dass unsere Enkelkinder sicheres Wasser, saubere Luft und ein lebenswertes Klima haben.

Wir wissen, dass wir gewinnen können – denn genau das haben wir bereits getan. Wir haben ein Bohrunternehmen aus dem heiligen Pe’ Sla vertrieben, weil wir uns im Gebet vereint haben. Kurz darauf wurden wir Zeugen eines historischen Moments, als alle neun Stämme in South Dakota Beschlüsse fassten, um mit der Ausarbeitung von Gesetzen zu beginnen, die alle Bundesgebiete in den Black Hills wieder in den Besitz der Stämme zurückführen sollen.

Die Zukunft heißt „LANDBACK“ und „Black Reparations“. Unsere Befreiung ist untrennbar miteinander verbunden, und je mehr wir gemeinsam über und innerhalb der Bewegungen Stärke aufgebaut haben, desto klarer ist das geworden. Heute tragen wir wichtige Lehren aus dem American Indian Movement und der Black Panther Party in uns. Die notwendige Verwandlung dieses Landes in etwas Lebensspendendes und Regeneratives erfordert den Mut, diese aufgezwungenen Systeme abzulehnen – Netzwerke der Solidarität aufzubauen, damit wir boykottieren und die US-Wirtschaft zum Stillstand zwingen können.

Heute ermutigen wir alle unsere Angehörigen, über die Realität der letzten 250 Jahre nachzudenken und zu erkennen, dass die wahren Terroristen auf diesem Land schon immer die Architekten, Treiber und Nutznießer dieses Kolonialprojekts waren – nicht wir, das Volk. Wir laden euch ein, euch dem Kampf für eine Zukunft zu verpflichten, in der alle Menschen und Mutter Erde respektiert werden. Fragt euch selbst: Welche Rolle spiele ich bei diesem Wiederaufleben? Wie lange werde ich noch zulassen, dass andere Menschen über die Zukunft meiner Kinder entscheiden? Sind wir nicht Krieger?

Indigene Völker gab es schon lange vor der Gründung des US-Imperiums und sie werden auch darüber hinaus weiter gedeihen.

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Quelle: NDN Collective
Übersetzung und Bearbeitung: Thomas Trueten


Gedanken, Notizen und Barbarenköniginnen oder: Nachrichten und Buchrezensionen

Prairieland

Die Angeklagten im Fall „Prairieland“ wurden gestern verurteilt, und alle ihre Strafen sind geradezu karikaturhaft lang. Im Ernst, es ist unmöglich, in diesem Fall Strafen von 70 Jahren zu lesen, ohne sich vorzustellen, wie der Richter an seinem Schnurrbart zupft, während er seine Urteile verkündet.

Prairieland war eine Lärmdemonstration vor einer ICE-Einrichtung, die schrecklich schiefging, als ein Beamter auftauchte und eine Waffe auf einen unbewaffneten, flüchtenden Demonstranten richtete. Einer der Angeklagten, Champagne, war bewaffnet und schoss auf den Beamten, wodurch er ihn verletzte – und vermutlich dem Flüchtenden das Leben rettete. Mir scheint es wahrscheinlich, dass bei dieser Demo jemand gestorben wäre, wenn Champagne nicht da gewesen wäre und nicht schnell reagiert hätte. Stattdessen ist niemand gestorben. Champagne wurde gerade zu hundert Jahren Haft verurteilt. Hier ist ihre Stellungnahme von gestern.

Jetzt wird jedem, der bei der kleinen Lärmdemonstration dabei war, gesagt, dass er eingesperrt wird – die meisten von ihnen für den Rest ihres Lebens. Um das Unterstützungskomitee zu zitieren:
Screenshot des Postings des Unterstützungskomitees mit dem Text: "Richter O’Connor erklärte vom Richterstuhl aus, dass er im Fall „Prairieland“ die Höchststrafen verhänge, weil „der Staat ein Zeichen an alle setzen will, die eine ähnliche Ideologie vertreten“.".
Richter O’Connor erklärte vom Richterstuhl aus, dass er im Fall „Prairieland“ die Höchststrafen verhänge, weil „der Staat ein Zeichen an alle setzen will, die eine ähnliche Ideologie vertreten“.

Das einzig Positive, was ich daraus mitnehmen kann, ist, dass die Voreingenommenheit des Gerichts so offensichtlich ist, dass unter besseren Umständen vielleicht Hoffnung auf eine Berufung besteht. Und wenn wir Trump endlich aus dem Amt jagen, müssen wir alle laut und oft daran erinnern, dass Trump erst dann weg ist, wenn die Überreste seiner faschistischen Regierung verschwunden sind – und dazu gehören auch die Verurteilungen von Anti-ICE-Demonstranten.

Die Barbarenkönigin

Das hat zwar überhaupt nichts damit zu tun, aber ich habe eine neue Serie namens Throkda, die Barbarenkönigin im Dorf Ash gestartet. Teil eins erscheint in Ausgabe drei des Foghorn Mag, das den Untertitel „Eine anarchistische Chronik des Lebens am Rande“ trägt. Es ist eine reine Printzeitschrift, die zweimal im Jahr erscheint und voller Tipps zur Selbstorganisation, zum Leben abseits des Netzes und ganz allgemein zum Leben am Rande der Gesellschaft ist. Es ist eine tolle Zeitschrift, und als sie mich um einen Beitrag baten, sagte ich ihnen, ich würde lieber über eine Barbarenkönigin aus einer Fantasiewelt schreiben, die durch ein Portal in die Wälder außerhalb von Asheville, North Carolina, tritt. Und sie sagten Ja, solange es einen Bezug zu Menschen hat, die abseits des Netzes leben. Das tut es also. Du kannst Teil eins in Ausgabe Nr. 3 lesen, von der du gedruckte Exemplare online oder in einigen ausgewählten Läden kaufen kannst.

Hier ist ein kleiner Vorgeschmack darauf, scheiß drauf:
Blut lief meine Klinge hinunter und Blut lief meine Brust hinunter und eine Kakophonie aus Schreien erfüllte die königliche Kammer und alles, was ich tun wollte, war nachzudenken, unsere Flucht zu planen, aber dafür war keine Zeit. Parieren, stoßen, parieren. Näher herankommen. Näher an den Feind herankommen – das bringt seine Ausbildung durcheinander und verschafft dir einen Vorteil. Es ist nicht sicher, aber nichts ist das. Das Seax in meiner Hand war von meinem Bruder geschmiedet worden (mögen die Sieben Harpyien seine Seele im Land jenseits aller Flüsse gnädig aufnehmen) und es erfüllte seinen Zweck gut.

Meine beiden Freunde waren am Ende des Flurs und arbeiteten gemeinsam daran, die Tür aufzubrechen, die zwischen uns und unserem Ziel stand.
Ein letzter Stoß, und drei Palastwächter lagen tot oder sterbend auf dem Boden der Kammer neben der Leiche ihres Herrn, Herzog Agglethorn.

Jemand würde das alles aufräumen müssen. Ein armer Palastdiener, kaum freier als ein Leibeigener, würde all das Blut aufwischen müssen. Die Flecken würden sich auf keinen Fall jemals aus der Polsterung entfernen lassen. Seidenvelours, auf einem Webstuhl mit zwei Kettfäden gewebt, gefärbt mit Muscheln, die eine nach der anderen vom Meeresboden gepflückt worden waren. Wahrscheinlich hatte ein ganzes Dorf einen ganzen Monat gebraucht, um nur einen einzigen dieser Stühle herzustellen, und da stand ich nun und spritzte das Lebensblut der halben Palastwache durch den Raum.

Vielleicht wollte ich doch keine Zeit zum Nachdenken haben.

Vorsorge

Mahlzeiten aus humanitären Hilfslieferungen sind derzeit extrem, extrem reduziert.

Meine Vermutung ist, dass das Ende der amerikanischen Soft Power zu einem massiven Überangebot an im Grunde veganen MREs auf dem heimischen Markt geführt hat. Das ist keine gute Sache. Aber es bedeutet, dass du im Moment etwa 300 vegane Mahlzeiten für 150 Dollar plus Versand bekommen kannst. Beachte, dass „Prüfdatum“ bedeutet: „Öffne eine Packung, um sicherzugehen, dass sie noch gut sind“, und nicht „Mindesthaltbarkeitsdatum“. Ein Freund von mir, der mutiger ist als ich, hat ein paar davon gegessen und meinte, mit genug scharfer Soße schmecken sie gut, und ich habe jede Menge davon in meinem Keller. (Wie bei allen Vorratsnahrungsmitteln solltest du sie fern von Hitze, Licht und Feuchtigkeit lagern).

Dinge, die ich kürzlich gelesen habe

Bounce House, von Matt Dinniman. 2026.

Ich wollte eigentlich Dungeon Crawler Carl lesen, weil es so ein großes Thema ist, dass ich mir dachte, ich schaue mal, worum es bei dem ganzen Trubel geht, aber seit ich Audible gekündigt habe, höre ich meine Hörbücher über libro.fm, und dort gab es nur dieses andere Buch vom selben Autor. Es erfüllt eine Menge meiner Kriterien für klassische Sci-Fi – die Kinder einer Generation-Ship-Kolonisation kämpfen gegen eine Invasion von Gamern von der Erde, die Mechs steuern. Es macht Spaß. Dinniman ist ein guter Pulp-Autor. Ich verstehe, warum die Leute seine Werke mögen, und ich werde wahrscheinlich noch mehr von ihm lesen, vor allem, wenn ich die Hörbuchversionen auftreibe.

Tunnel in the Sky, von Robert Heinlein. 1955. Ich bin mit Heinlein aufgewachsen, und obwohl ich politisch auf Makroebene nicht mit ihm übereinstimme, gefallen mir seine Bücher und viele seiner Ideen. Das ist wahrscheinlich mein Lieblingsbuch von ihm, und ich lese es jetzt wohl schon zum vierten Mal (zweimal als Kind und jetzt zweimal als Erwachsener). Ich habe zwei Exemplare in meinem Regal, beide sind älter als ich. Eines gehörte meinem Vater, das andere seinem älteren Bruder. Ein Gymnasiast in einem Überlebenskurs auf fremden Welten legt seine Abschlussprüfung ab, indem er durch ein Tor geht, um auf einer fremden Welt zu überleben. Es ist eine libertäre, aber einfühlsame Geschichte. Eine, die als Apologie für die Kolonisierung dient, aber dennoch von einer interessanten Art von Freundlichkeit durchzogen ist und bewusst darauf abzielte, den Jungen der 1950er Jahre, die Pulp-Science-Fiction lasen, „woke“-Lektionen zu erteilen. Es ist interessant zu sehen, wo der vom Autor beabsichtigte Antisexismus und Antirassismus im Nachhinein gelingt und wo er scheitert. Beim erneuten Lesen wird mir klar, wie sehr das meine Gedanken beeinflusst hat – sogar bis heute. In der postapokalyptischen Vignette, die ich gerade hier veröffentlicht habe – The End, Like Sand –, steckt ein bisschen Tunnel in the Sky, und zwar darin, wie darin der Aufbau einer offenen, aber organisierten Gesellschaft in Krisenzeiten thematisiert wird.

Finna, von Nino Cipri. 2020. Ich habe mir das Hörbuch dazu vor ein paar Wochen angehört. Es ist kurz, knackig und unterhaltsam: Ein Geschäft, das rechtlich von Ikea getrennt ist, kann spontan Portale zu Paralleluniversen erzeugen, und ein Mindestlohnempfänger sowie dessen Ex-Partner erfahren, dass es ihre Aufgabe ist, durch dieses Portal zu gehen, um einen vermissten Kunden zu retten. Es macht Spaß. Es ist ein Spektakel. Der Titel „finna“ hat nichts mit dem AAVE-Wort zu tun, das „gonna“ bedeutet – ob das nun gut oder schlecht ist.

Wie immer führe ich auch eine Liste mit Büchern, die ich empfehle, bei der von Arbeiter*innen und Queers geführten Buchhandlung Firestorm. Vollständige Offenlegung: Das ist ein Empfehlungslink, über den ich eine Provision erhalte (und du einen Rabatt).

Was ich mir kürzlich angesehen habe

The Death of Robin Hood. 2026. Ich dachte mir schon, dass ich den Film entweder lieben oder hassen würde – und wie sich herausstellt, liebe ich ihn. Ich bin fasziniert davon, wie moderne Filme (vor allem A24-Filme) bereit sind, die Idee ernst zu nehmen, dass jeder Kampf im Grunde Horror ist, und ihn auch so zu verfilmen. Der Film dreht sich im Grunde um die Frage: „Was wäre, wenn Robin Hood einfach nur ein ganz normaler alter Gesetzloser wäre, der verdammt alt ist und sich wegen all dem Morden und so nicht gerade wohlfühlt?“ Es war nicht der Film, den ich mir erhoffe, eines Tages zu sehen – in dem Robin Hood ein brutaler Antiheld, aber dennoch ein Klassenkämpfer ist. Stattdessen war es ein Film, über den ich froh bin, ihn gesehen zu haben; er verbindet heidnische und christliche theologische Konzepte nahtlos miteinander und fühlt sich echter an, als es jede glattgebügelte Nacherzählung der Vergangenheit jemals tun wird. Und die Musik ist unglaublich.

The Drama. 2026. Noch ein A24-Film, und wenn ich ehrlich bin, hab ich es irgendwie satt, dass es in jedem düsteren Liebesfilm darum geht, wie Menschen einfach nur furchtbar zueinander sind. Auch wenn ich mich vielleicht darüber freuen sollte, dass „wir Liebesfilme so drehen, als wären sie Horrorfilme“, hat mich dieser hier größtenteils auf eine, nun ja, unangenehme Art und Weise verunsichert, statt auf eine coole.

Good Luck Have Fun Don’t Die. 2025. Ein lustiger, schräger Sci-Fi-Film, der zum Nachdenken anregt. Er ist sich bewusst, dass er kitschig ist, und ein bisschen übertrieben in seiner Botschaft „Kinder starren heutzutage zu viel auf ihre Handys“, aber insgesamt eine gute Botschaft, die gut rüberkommt.

Wake Up Dead Man. 2025. Alle haben mir gesagt, ich müsse mir den unbedingt ansehen, als er rauskam, aber ich hab’s verschlafen. Alle hatten recht. Der Film ist total mein Ding. Ein katholischer Krimi, geschrieben von einem echten Atheisten und gelöst von einem fiktiven Atheisten, aber durchzogen von den besten Einsichten über den Glauben, die man sich vorstellen kann. Mein einziges Problem war, dass ich verdammt gesichtsblind bin, sodass mir einer der wichtigsten Handlungsstränge völlig entgangen ist, bis ich ihn später nachgeschlagen habe.

28 Jahre später: Der Knochentempel. 2025. Einfach umwerfend. Blutiger als das meiste, was ich sonst gerne gucke, aber die Gewalt wirkte größtenteils gerechtfertigt und steigerte sich zu etwas Bedeutungsvollem. Nachdem ich außerdem eine Menge über die Gallier und Kelten gelesen habe, finde ich das ganze Konzept der „Knochensäulen in einem Freiluft-Beinhaus“ umso fesselnder und historisch akkurater. Wenn ich die vier Filme der Reihe in eine Rangliste bringen müsste, würde ich von schlecht nach gut gehen: 28 Weeks Later (der zweite Film), 28 Years Later (der dritte Film), 28 Days Later (der erste Film) und dann Bone Temple, den vierten Film, als den besten der Reihe.

Weapons, 2025. Wusstest du, dass ich jahrelang keine Horrorfilme geschaut habe? So etwa zehn Jahre lang. Ich lebte in einem Van und schlief oft ganz allein mitten im Nirgendwo, also hat es mir einfach nichts gebracht, Horrorfilme anzuschauen. Aber irgendwann, während der Pandemie, hat mich eine Freundin dazu gebracht, sie mit ihr allein in meiner abgelegenen Hütte im Wald anzuschauen, und mir wurde klar, dass Horror besser (oder zumindest zuverlässiger) als jedes andere Genre darin ist, die Welt unter dieser Welt freizulegen, die wir zwar erahnen, aber weder sehen noch berühren können. „Weapons“ schafft das sehr gut: Es bringt echten Horror und Magie (und was ist Magie anderes als Horror?) in eine alltägliche Vorstadtumgebung.


Quelle: „Thoughts and Notes and Barbarian Queens or: news and book reviews“ von Margaret Killjoy, 24. Juni 2026

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]


Wer kennt schon MKULTRA?

Das Foto zeigt einen Menschen in einem ABC Schutzanzug, der einen Kaninchenkäfig trägt. Darin sitzt ein Kaninchen zur Überprüfung auf Undichtigkeiten in einer Sarin-Nervengas-Produktionsanlage im Rocky Mountain Arsenal, Commerce City, Colorado, 20. März 1970
Kaninchen zur Überprüfung auf Undichtigkeiten in einer Sarin-Nervengas-Produktionsanlage im Rocky Mountain Arsenal, Commerce City, Colorado, 20. März 1970
Es hört sich an wie die schönste Verschwörungstheorie, ist aber weit davon entfernt, sondern im Gegenteil von verschiedenstens Seiten wissenschaftlich dokumentiert, vom US-Kongress und verschiedenen Untersuchungsausschüssen von allen Seiten beleuchtet, verurteilt und verdammt:

Wissenschaftler füllten heute vor sechzig Jahren Glühbirnen mit Bacillus-globigii-Bakterien aka "BG" und heute als Bacillus atrophaeus geläufig und zerschlugen sie anschließend auf den Gleisen der New Yorker U-Bahn. Die Bakterien verbreiteten sich kilometerweit im gesamten U-Bahn-Netz, wurden von Tausenden von Zivilisten eingeatmet und setzten sich auf deren Kleidung ab. Bis zum 10. Juni waren 1 Million New Yorker dem Bakterium ausgesetzt. Dies war nur eines von vielen Experimenten zur biologischen und chemischen Kriegsführung, die an US-Zivilisten durchgeführt wurden. Natürlich gab es Tausende von US-Soldaten, Gefangenen, Zivilisten und Indigenen, die während Atomwaffentests absichtlich und/oder versehentlich Strahlung ausgesetzt waren und im Rahmen des MKULTRA-Programms unwissentlich starken psychedelischen Drogen ausgesetzt wurden.

Das US-amerikanische Programm für biologische Versuche begann offiziell 1943 mit der Gründung der U.S. Army Biological Warfare Laboratories in Camp Detrick (heute Fort Detrick) in Frederick, Maryland. Die Regierung begann mit der Bevorratung von Bacillus anthracis (Anthrax), Francisella tularensis (Tularämie), Brucella spp. (Brucellose), Coxiella burnetii (Q-Fieber), das venezolanische Pferdeenzephalitis-Virus, Botulinumtoxin (Botulismus) und Staphylokokken-Enterotoxin B. Allerdings hatte die Regierung bereits während des Ersten Weltkriegs Ricin getestet.

1950 führte die US-Marine vor der Küste von San Francisco die Operation Sea-Spray durch, bei der zwei Bakterienarten, Bacillus globigii und Serratia marcescens, in die Luft versprüht wurden. Elf Menschen wurden nach dem Test in San Francisco mit schweren bakteriellen Infektionen ins Krankenhaus eingeliefert. Fast jeder Einwohner der Stadt war dem Erreger ausgesetzt gewesen. Einer von ihnen starb. 1951 wurden im Norfolk Naval Supply Center in Virginia Tests durchgeführt, bei denen Pilzsporen unter der überwiegend afroamerikanischen Belegschaft verteilt wurden, um die rassistische Theorie zu überprüfen, dass Schwarze anfälliger für Pilzerkrankungen seien als Weiße. Ebenfalls in den 1950er Jahren wurde Zinkcadmiumsulfid per Flugzeug über eine Reihe von Städten, darunter St. Louis und Minneapolis, versprüht. Ebenfalls in den 1950er Jahren wurden mehrere Journalisten wegen Aufruhrs vor Gericht gestellt, weil sie berichtet hatten, dass die USA während des Koreakriegs biologische Waffen eingesetzt hatten. Im Rahmen der Operation Whitecoat (1954–1973) wurden freiwillige Siebenten-Tags-Adventisten der Tularämie ausgesetzt.

Die Freilandversuche wurden bis in die 1960er Jahre fortgesetzt. 1965 verbreiteten sie Bakterien im gesamten Washingtoner National Airport, und 1966 führten sie einen Test in der New Yorker U-Bahn durch. Präsident Nixon soll 1969 dem offensiven Biowaffenprogramm der Vereinigten Staaten ein Ende gesetzt haben. Biowaffen sind gemäß den Genfer Protokollen von 1925 verboten, die die USA jedoch erst 1975 ratifizierten – im selben Jahr, in dem sie auch die Biowaffenkonvention ratifizierten.

Die Existenz solcher Programme ist hierzulande eher politisch und geschichtlich interessierten Menschen bekannt und erreichte das Bewußtsein eher im kulturellen Bereich: Ken Kesey verarbeitete seine Erfahrungen als Testperson in dem 1962 erschienenen Buch Einer flog über das Kuckucksnest, das 1975 unter demselben Namen verfilmt wurde. Der 2003 veröffentlichte Roman Shutter Island von Dennis Lehane thematisiert ebenfalls Menschenversuche in den Vereinigten Staaten dieser Zeit und wurde 2010 verfilmt. Die 2017 erschienene Serie Wormwood beschäftigt sich mit den Todesumständen von Frank Olson. Stephen Kings Roman Feuerkind von 1980 thematisiert ebenfalls als harmlose Medikamentenstudien getarnte Menschenversuche mit starken Halluzinogenen durch einen Geheimdienst ähnlich der CIA, wodurch zwei Probanden übersinnliche Fähigkeiten entwickeln und diese auch (in Form von Pyrokinese) an ihre Tochter vererben.

Über MKULTRA entstanden die Dokumentationen von Stefan Albrecht und Johannes Schäfer Die Dressierten Killer (4. August 2002/ZDF) sowie Deckname Artischocke von Egmont R. Koch und Michael Wech (12. August 2002/ARD) und eine Reihe von Spielfilmen, darunter Fletcher’s Visionen (1997), Experiment Killing Room (2009) und American Ultra (2015). Auch die TV-Serie Stranger Things nimmt auf das MKULTRA-Programm Bezug.


MKULTRA ist allerdings nicht das einzige derartig menschenverachtende Programm. So existierte bekanntlich mit COINTELPRO und dem ähnelnde Programme wie Operation CHAOS aber auch die anderen (selbstredend "rechtswidrigen") CIA Programme HTLINGUAL (HGLINGUAL), Project 2, Project MERRIMAC, Project RESISTANCE, Domestic Contact Service etc. bis hin zum inflationären Einsatz von Heroin und anderen Drogen zur Heroin gezielt gegen die die schwarze Bürgerrechtsbewegung und Zerstörung des afroamerikanischen Widerstandes beispielsweise der Black Panther Party (BPP).

Aber das ist eine andere Geschichte...

Quelle: Mike Dunn, WikiPedia, eigene Ergänzungen


USA - Zwangssterilisation hinter Gittern

In Kaliforniens größtem Frauengefängnis werden Frauen jahrelang ohne ihre Zustimmung sterilisiert. Besonders oft betroffen: Women of Color. Eine Betroffene und eine Anwältin brechen das Schweigen, sammeln Beweise und konfrontieren die Verantwortlichen. Der Film zeigt, wie hartnäckig sich eugenische Denkmuster bis heute halten, und begleitet die Frauen bei ihrem mühsamen Kampf für Gerechtigkeit.
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Ostermarsch 2026

Das Foto zeigt eine Weitwinkelaufnahme eines Teils des Ostermarsches mit verschiedenen Transparenten, unter anderem Freiedensglocke, DKP, IG MEtall, BSW,
Foto: © Soldiner Kiez Kurier via Umbruch Bildarchiv
In rund 100 Städten gab es über die Feiertage antimilitaristische Aktionen und Demonstrationen gegen Kriege, Aufrüstung und die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft. In Berlin beteiligten sich mehrere tausend Menschen am diesjährigen Ostermarsch durch Prenzlauer Berg. Aufgerufen hatte die Berliner Friedenskoordination (FriKo).

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

Der Berliner Ostermarsch 2026 versammelte ein breites Bündnis an Organisationen. Das Spektrum reichte von traditionellen Friedensgruppen bis hin zu diversen linken und kommunistischen Gruppierungen. Es fiel deutlich auf, dass der Marsch vor allem von der älteren Generation getragen wurde. Jüngere Menschen waren eher in der Minderheit, setzten aber markante Punkte. Ein Beispiel war eine junge Rednerin aus dem Wedding von der neu gegründeten Initiative „Nein zur Wehrpflicht“, die mit einer scharfen Kritik an der Politik von Friedrich Merz mit dem Ausruf „Friedrich Merz Leck meine Eier!“ und dem Aufruf zum nächsten Schulstreik am 8. Mai den Abschluss bildete.

Die Friedenskoordination Berlin (Friko) zeigte sich in einer ersten Einschätzung sehr zufrieden und sprach von einer stabilen Resonanz, die auf dem Niveau des Vorjahres lag. Während die Polizei die Teilnehmerzahl mit rund 1.600 Personen angab, liegen die Schätzungen der Veranstalter traditionell etwas höher, wobei sie vor allem das „breite und entschlossene Bündnis“ unter dem Motto „Nein zum Irrsinn der Kriegspolitik“ hervorhoben. In ihrem offiziellen Fazit betonten die Organisatoren, dass der Marsch trotz der kontroversen Debatten im Vorfeld ein wichtiges Zeichen gegen Aufrüstung und die neue Wehrpflicht gesetzt habe.

„Die Politik der deutschen Regierung ist nicht „komplex“, sondern komplett unverantwortlich und irre. Sie setzt auf unbegrenzte Aufrüstung. Sie propagiert Kriegswirtschaft als alternativlos. Bis 2029 soll so weit aufgerüstet sein, dass die Bevölkerung bereit und die Bundeswehr fähig ist, nicht nur zu kämpfen, sondern auch zu siegen. Die Regierung hat begeistert zugestimmt, 5% des BIP für das Militär auszugeben! Die Rüstungskonzerne jubeln, die sozialen Bereiche verkümmern. Die Lage für die Beschäftigten und Arbeitslosen, für die Jugend, die Familien und Alten wird immer prekärer.“

(Aufruf zur Demo)


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Fenian Bastards oder: Das enttäuschende Erbe der irischstämmigen Amerikaner

Ich bin nicht besonders stolz darauf, irischstämmiger Amerikaner zu sein. Wenn du mich kennst, mag dich das überraschen – ich rede ständig über meine irischen Wurzeln und darüber, dass die Iren seit 800 Jahren dafür kämpfen, sich vom kolonialen Joch zu befreien.

Ich habe das ganz klar – und ein bisschen peinlicherweise – zu einem ziemlich großen Teil meiner Persönlichkeit gemacht. Es ist nicht der irische Teil des Irisch-Amerikanischseins, auf den ich nicht stolz bin, sondern der amerikanische Teil, und wo diese beiden Wörter aufeinandertreffen.

Um es ganz offen zu sagen: Wir irisch-amerikanischen Leute haben es echt vermasselt. In Irland waren wir Revolutionäre. In Amerika waren wir Polizisten, Kolonisatoren und Rassenunruhestifter. Wir haben den Pakt mit dem Teufel geschlossen, sobald wir konnten, und unser Erbe und unsere Sprache gegen Weißsein und verwässerte Kulturreste eingetauscht, die wie grünes Bier und Kleeblätter aussehen.

Ich sage „wir“, als wäre ich nicht erst mehrere Generationen später in diese Situation hineingeboren worden, als hätte meine Großmutter die Muttersprache ihrer Eltern kaum gesprochen. Sie wurde (natürlich) in Boston als Tochter von Einwanderern aus Galway geboren, die verzweifelt wollten, dass ihre Kinder sich assimilieren. Ihr Vater floh kurz vor dem Aufstand aus Irland, aber jeder seiner Brüder kämpfte darin und wurde dafür verhaftet.

Der vielleicht stolzeste Moment meines Lebens war es, einem dieser Brüder an seinem hundertsten Geburtstag die Hand zu schütteln. Dieser Mann lebte in drei verschiedenen Jahrhunderten, und soweit ich das beurteilen kann, kämpfte er in einem gescheiterten Aufstand, einer größtenteils erfolgreichen Revolution und einem Bürgerkrieg gegen die Revolutionäre, die das Land verkauften – und das alles, bevor er fünfundzwanzig wurde. Als ich ihn traf, war er schon seit Jahrzehnten blind, aber er grinste über beide Ohren, als er die Nachkommen seines Bruders traf. Er lebte länger als die berühmt-berüchtigte langlebige Königin, die später das Reich regierte, gegen das er zu den Waffen griff, und das, obwohl er in einer Steinhütte lebte.

Ihn getroffen zu haben, ist etwas, worauf ich stolz bin. Das ist ein Vermächtnis, das mir wichtig ist.

Den Familiennamen meiner Großmutter kann ich bis zur Schlacht von Clontarf im Jahr 1014 zurückverfolgen, als die Iren die Wikinger von ihren Küsten vertrieben.

St. Patrick’s Day? Der St. Patrick’s Day ist mir scheißegal. Ich habe heute Morgen in einem Café einen grünen St. Patrick’s Day-Milchshake getrunken und er hat nach Zahnpasta geschmeckt.

Ich habe ihn trotzdem getrunken, weil er aus Zucker bestand und ich im Grunde ein Kobold bin. Ich hoffe, dass das, dass ich ihn trotzdem getrunken habe, nicht irgendwie Teil der Metapher wird, die ich hier aufbaue.

Weder irischstämmige noch nicht-irischstämmige Amerikaner können uns ertragen, wenn wir mit unserem Erbe angeben, egal ob wir grünen Plastikmüll tragen und nach Whiskey schreien oder IRA-Lieder singen und ein Erbe der Rebellion für uns beanspruchen, dem wir sicher nicht gerecht zu werden scheinen. Niemand kann uns ausstehen, und ich nehme es ihnen nicht übel. Es ist vernünftig, jeder weißen Person zu misstrauen (oder sie nicht zu mögen), die Unterdrückungspunkte für sich beansprucht, indem sie davon redet, dass sie früher nicht weiß war (was wir mit unseren italienisch-amerikanischen Brüdern gemeinsam haben, ist, dass wir uns darüber beschweren, nicht immer weiß zu sein, katholisch zu sein und unsere Geschichte des radikalen Linksextremismus aufzugeben).

Es stimmt, dass die Iren während des größten Teils der amerikanischen Geschichte nicht ganz weiß waren, aber wir hatten es hier nie auch nur halb so schlimm wie Schwarze oder indigene Völker, und wir sind nun schon seit hundert Jahren weiß, weil wir am Scheideweg dem Teufel begegnet sind und ihm unsere Seele verkauft haben. Um ehrlich zu sein – und um eine Büchse Würmer zu öffnen, die niemand essen möchte: Irisch-Amerikaner haben im protestantischen Amerika mindestens genauso viel Unterdrückung erfahren, weil sie katholisch waren, wie weil sie Iren waren (schau dir die Geschichte der zweiten Inkarnation des KKK an, um mehr darüber zu erfahren). Aber noch einmal: Der Katholizismus ist derzeit kein Faktor der Unterdrückung in diesem Land, und während Geschichte wichtig ist, sind die gegenwärtigen Verhältnisse wichtiger.

Es gibt ein Erbe der irischstämmigen Amerikaner, das es wert ist, beachtet zu werden, aber es ist begraben unter Polizisten, weißen Supremacisten (aber ich wiederhole mich) und Leprechaun-Hüten.

Der historische Stich zeigt eine geheime Versammlung von Bergarbeitern
'The Strike in the Coal Mines - Meeting of Molly M'Guire Men".'
Aus Harper's Weekly, 31. Januar 1874.
Was ein Erbe angeht, das es wert ist, beachtet zu werden, kann ich in ein paar Richtungen weisen. Erstens, und das kenne ich am besten, sind die Molly Maguires aus den Kohlefeldern von Pennsylvania. Als Großbritannien in den 1840er Jahren seinen zweiten Völkermord an Irland verübte, indem es die Insel aushungerte, flohen die Menschen nach Nordamerika und brachten einige altehrwürdige Traditionen der Arbeiterklasse mit. (Der erste Völkermord an den Iren geschah durch Oliver Cromwell im 17. Jahrhundert im Zuge des Englischen Bürgerkriegs. Frag mich, warum mir die frühe antimonarchistische Bewegung in England völlig egal ist.)

Das ist zwar etwas vereinfacht dargestellt, aber ich kann auf zwei konkurrierende Theorien des Arbeiterkampfes verweisen, die im 19. Jahrhundert um Relevanz wetteiferten. Die eine, hauptsächlich aus England importiert, war der Gewerkschaftswesen. Streiks, Arbeitsniederlegungen, Tarifverhandlungen. Sozialismus als etwas, das man anstreben und aufbauen muss. Die andere, aus Irland, lautete im Grunde: „Gründe mit deinen Freunden eine Geheimgesellschaft, betrink dich, zieh Frauenkleider an und töte die Reichen, während sie in ihren Betten schlafen.“ Das ist eine ziemlich coole Tradition. Sie stammt von den Leuten, die Engels (von Marx und Engels) für zu barbarisch-sozialistisch hielt, um jemals gute und ordentliche marxistische Sozialisten zu werden.

(Im Ernst, es ist faszinierend, wie besessen von Irland Engels war, und zwar auf die ganz falsche Art und Weise.)

Aber die Molly Maguires. Es gab also diese losen Geheimgesellschaften während der gesamten irischen Geschichte (oder zumindest seitdem es englische Grundbesitzer gab, die man erwürgen konnte), aber die heute berühmteste ist die, die es bis in die Kohlebergwerke Amerikas geschafft hat: die Molly Maguires. Ihr Crossdressing war nicht wirklich eine Gender-Sache, und es war auch nicht wirklich eine Verkleidung. Es war eher ein magischer Akt der Verwandlung. Sie wurden zu etwas anderem, wenn sie sich verkleideten, um Sabotage und Gewalt zu verüben. Das ist eine Drag-Tradition, hinter der ich stehen kann.

Die meisten irischen Bergleute waren froh genug, den Gewerkschaften nach britischem Vorbild beizutreten, und ehrlich gesagt ist Gewerkschaftswesen insgesamt wahrscheinlich der bessere Weg, um die Macht der Arbeiterklasse aufzubauen. Aber wann immer die Bosse anfingen, gegen die Gewerkschaften vorzugehen und die Organisierung unter Strafe zu stellen, standen die Fenian-Bastarde schon bereit. Aufstand und Revolution sind keine Gegensätze; sie sind sich ergänzende Strategien. Akzeptiert die Gewerkschaften, oder ihr bekommt es mit den Mollies zu tun.

Obwohl der Staat eine mächtige Sache ist und die Molly Maguires größtenteils verschwanden, nachdem eine Menge von ihnen gehängt worden waren. So ist das eben. Irland erlangte 1922 den größten Teil seiner Unabhängigkeit, obwohl Michael Collins und einige der anderen revolutionären Führer einen Kompromiss akzeptierten und bald darauf gegen ihr eigenes Land in den Krieg zogen, was zu der Teilung führte, die das Land heute hat. (Meine irische Familie redet nicht gern über Politik, aber meiner Tante wurde erzählt, dass mein revolutionärer Onkel bis zu seinem Lebensende jedes Mal spuckte, wenn er den Namen Michael Collins hörte.)

Aber Revolutionäre auf der ganzen Welt sind darauf angewiesen, einen Ort zu haben, an den sie gehen können, wenn es zu Hause zu heiß wird. Für die Russen war es die Schweiz. Für die Iren war es Amerika. Das ist eine Geschichte, in die ich hier und da in den Drehbüchern verschiedener Episoden hineingeschaut habe, die ich mir aber noch nicht vollständig angesehen habe. Eine Geschichte der irisch-amerikanischen Revolutionäre, die Spenden sammelten, Waffen kauften, bereit zum Krieg nach Irland zurückkehrten und sogar in Kanada einmarschierten. (Im Ernst. Sie dachten, wenn sie Kanada erobern könnten, könnten sie es den Briten als Lösegeld für Irlands Freiheit anbieten. Das ist nicht gerade der antikolonialistischste Schachzug, aber es ist seltsam und es ist passiert, und ich werde irgendwann darauf eingehen.)

Das Foto zeigt den anlässlich des Saint Patrick’s Day traditionell grün gefärbten Chicago River an dessen Promenade Menschen spazieren und der von Wolkenkratzern umgeben ist.
Der anlässlich des Saint Patrick’s Day traditionell grün gefärbte Chicago River
Foto: Knowledge Seeker
Lizenz: Public Domain
Das ging jahrzehntelang so weiter. Die Fenian Brotherhood wurde 1858 gegründet, ein amerikanisches Pendant zur Irish Republican Brotherhood, aus der später die Irish Republican Army hervorging. Aber es gab auch Leute wie den irischen (nicht-amerikanischen) Syndikalisten Jim Larkin, der 1917 in Chicago den Dil Pickle Club mitbegründete, zusammen mit einem amerikanischen IWW-Bombenbauer namens Jack Jones (ich glaube nicht, dass er in einer Gewerkschaft für Bombenbauer war, er war einfach ein Gewerkschafter, der Bomben baute, um Chefs in die Luft zu jagen. Das war damals so üblich). Dieser Club war ein Ausgehort und einer der wenigen Orte in Chicago, an denen Menschen verschiedener Hautfarben zusammenkamen. Und dort verbrachte Jim Larkin seine Zeit im Exil, bevor er in ein weitgehend freies Irland zurückkehrte. Vor der Revolution gab es in Irland nicht viel anarchistische Geschichte (obwohl Syndikalisten und Anarchisten zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine größere Rolle im revolutionären Kampf spielten), aber ich habe eine Theorie, warum es dort keine Anarchistenbewegung mit großem A gab. Ich habe sogar irgendwo Notizen zu dieser Theorie, aber sie liegen mir gerade nicht vor, denn das hier ist kein gut durchdachter Essay, sondern ein Rant, den ich geschrieben habe, weil ich sauer war, dass mein St. Patrick’s Day-Milchshake nach Zahnpasta schmeckte und ich ihn trotzdem getrunken habe. Scheiße, ich glaube, dieser Milchshake ist doch Teil der Metapher.

Im Laufe der gesamten anarchistischen Geschichte finde ich, dass europäische Anarchisten weniger damit beschäftigt waren, den Anarchismus in die Kolonien zu exportieren, als vielmehr damit, antikoloniale Kämpfe zu unterstützen und indigene Methoden des Aufstands zu importieren, die dann in Europa verarbeitet und wieder exportiert wurden. Da ist der griechische anarchistische Arzt Plotino Rhodakanaty, der nach Mexiko ging, um von den Menschen etwas über traditionelle Landnutzung zu lernen, und am Ende eine Generation indigener mexikanischer Anarchisten inspirierte. Da ist die Veteranin der Pariser Kommune, Louis Michel, die sich im Exil mit den indigenen Völkern Neukaledoniens solidarisierte und dort ihr anarchistisches Denken weiterentwickelte. Da ist der Naturforscher Peter Kropotkin, der den Großteil seiner Theorien zum anarchistischen Kommunismus durch das Studium der Natur und der Anthropologie entwickelte, unter anderem in sibirischen Gemeinschaften. Und dann gibt es noch… britische Anarchisten, die (soweit ich weiß) die einzigen Menschen in Großbritannien waren, die die irische Unabhängigkeit und die Gewalt der Unterdrückten unterstützten. Die Herausgeber britischer anarchistischer Zeitungen in den 1880er- und 1890er-Jahren versuchten nicht, den Anarchismus nach Irland zu exportieren, sondern sammelten Spenden für irische Revolutionäre und machten sich Notizen über irische Methoden des Sozialismus und des Widerstands. Wie die irischen Geheimgesellschaften. Möglicherweise (das habe ich auf meinem Red-String-Board noch nicht ganz nachverfolgt) der Vorläufer von Affinitätsgruppen.

Direkte Aktion, Aufstand und gemeinschaftliche Landnutzung waren bereits Kernprinzipien der irischen Kultur. Irgendwo in mir habe ich einen guten und ordentlichen Aufsatz über die Abschaffung der Weißheit, darüber, wie wir, um die weiße Vorherrschaft zu zerstören, die Weißheit als soziales Konstrukt zerstören müssen. Ich werde ihn irgendwann schreiben (andere haben ihn bereits geschrieben, aber wer lernt nicht gerne, einen guten Coversong zu spielen? Es ist wie bei der Volksmusik; die Abschaffung der Weißheit ist für alle da).

In der Zwischenzeit denk daran: Wenn wir Irland richtig feiern wollten, würden wir heute palästinensische Flaggen hissen und kein Grün tragen. Einige Episoden, die ich gemacht habe und in denen es um solche Themen ging:

Quelle: "Fenian Bastards or: the disappointing legacy of Irish-Americans", 18. März 2026 von Margaret Killjoy.

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Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]