trueten.de

»Facts do not cease to exist because they are ignored.« Aldous Huxley

1912: Hundert Jahre Balkankrieg! Und was daraus gelernt?

Zeitgenössische Karikatur von einem anonymen Autor (1912/13), die die damalige Lage in Südosteuropa veranschaulicht

Quelle: WikiPedia
Lizenz: Gemeinfrei
Vor hundert Jahren - Balkankrieg! Entstanden aus Streitigkeiten, die eher geringer waren als die jetzigen zwischen der Türkei und Syrien!

Jedes kriegsführende Land hatte seine Gönner und seine Gegner unter den benachbarten Großmächten. Russland - Österreich - Ungarn - Deutsches Reich und - noch als "kranker Mann am Bosporus" - die damalige Türkei. Die Spannungen, die zwei Jahre später zum ersten Weltkrieg führten, zeichneten sich schon ab. Immerhin gelang es den Großmächten, sich noch einmal selbst zu beherrschen - und nicht direkt einzugreifen. Bei den sogenannten Friedensverhandlungen naschten alle bereitwillig mit. Und ernteten. Zumindest Einfluss-Sphären...

Hundert Jahre später! Die Maßnahmen der Türkei gegenüber einem Angriff aus Syrien dürften -oberflächlich gesehen- einigermaßen immer noch dem seit damals geltenden Völkerrecht entsprechen.

Auffällig immerhin, dass ein seit Jahren gegen die Kurden Krieg führendes Land dieses Mal einen Parlamentsentscheid herbeiführen muss, um alles im Voraus zu rechtfertigen, was es ab jetzt zu tun beabsichtigt.

Den Traum von der entmilitarisierten Zone in Syrien haben die Großmächte der Türkei noch nicht erfüllt. Wozu solche dienen sollen, ist seit der Beseitigung der Souveränität Libyens bekannt. Insgesamt dürften alle Maßnahmen darauf hinauslaufen, dass die sich muskulöser fühlende Türkei die ehemaligen Pläne gestutzt hat, in die EU als Vollmitglied einzutreten. Stattdessen wird sie als von niemandem gebändigter Hegemonialstaat ein größeres Gewicht im Nahen Osten begehren und erkämpfen. Über den Trümmern der ehemals dort ansässigen Staaten.

Dass all das nach hundert Jahren so läuft wie vor hundert Jahren ist bedrückend genug. Dass Auseinandersetzungen sich dort anbahnen, wie damals, erschreckt. Sollte erschrecken. Tut es aber offenbar bei fast niemand.

Trostgrund: Wir haben ja inzwischen die NATO. Die hat sich bisher nicht hereinziehen lassen in den Trubel. Sondern, kann man annehmen, die Türkei sogar gebremst. Tröstet das wirklich? Wenn man sich erinnert, an was die NATO seit 1989 sich bisher beteiligt hat, ist eher Grusel angebracht als Mittagsschlaf! Was NATO bisher verhinderte, rührte mehr von der gemeinsamen Sorge der Großen vor dem Übermut der Mittleren- als aus Friedensliebe. Bis das Jahr zu Ende ist, kann es uns schon brenzlig in die Nase steigen. Und zur Einsicht bringen, dass eine Welt in den Fesseln der wechselseitigen Imperialismen immer eine sein wird, in der Krieg nicht droht. In der Krieg unablässig geführt wird.

nachschLAg: Ein unvollständiger Wochenrückblickc

BOLIVIEN
Der Konflikt zwischen rivalisierenden Bergleuten in Bolivien ist beigelegt. Am Samstag unterzeichneten beide Seiten nach Vermittlung durch die Regierung eine Kooperationsvereinbarung.

CHILE
Die katholische Kirche in Chile hat sich erneut hinter die Forderungen protestierender Studenten gestellt und einen kostenfreien Zugang zu den Bildungseinrichtungen gefordert.

KUBA
In der ostkubanischen Stadt Bayamo beginnt heute der Prozeß gegen den spanischen Jungpolitiker Ángel Carromero Barrios. Der 27jährige wird beschuldigt, einen Unfall verursacht zu haben, bei dem am 22. Juli die Regierungsgegner Oswaldo Payá und Harold Cepero ums Leben kamen.

MEXIKO
Knapp 60 Jahre nach dem Tod von Frida Kahlo werden ihre weltberühmten Kleider diesen November erstmals in Mexiko Stadt ausgestellt.

PARAGUAY
Eine im Land medial stark beworbene Rede des De-facto-Präsidenten Paraguays, Federico Franco, vor der 67. UN-Vollversammlung hat ihr Ziel klar verfehlt. Die meisten Stühle im Sitzungssaal blieben bei seinem Auftritt leer.

VENEZUELA
Am Sonntag finden in Venezuela Präsidentschaftswahlen statt. Laut den meisten Umfragen geht der Amtsinhaber Hugo Chávez als Favorit ins Rennen. Auch die Bank of America glaubt an eine Wiederwahl von Hugo Chávez. Internationale Medien gehen jedoch von einem knappen Wahlentscheid aus.

vorschLAg
Die junge Welt berichtet in einem Online-Spezial von den Wahlen aus Venezuela.

Ein Gemeinschaftsprojekt von Einfach Übel und redblog, Ausgabe vom 05. Oktober 2012
cronjob