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"Eigentum ist Diebstahl!" Pierre-Joseph Proudhon

Solidarität mit dem Istanbul Pride: Jetzt die Pride-Aktivistinnen und -Aktivisten in der Türkei unterstützen!

Heute am internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie starten die Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber – Arbeitsgruppe Vielfalt – und ihre MitgliedsorganisationenIG CSD Stuttgart e.V., LSBTTIQ-Zentrum Weissenburg e.V., LSVD Baden-Württemberg e.V., Kings Club sowie der Sportverein Abseitz e.V. eine Solidaritäts- und Spendenkampagne mit dem Istanbul Pride.

Der erste "Pride March" in der türkischen Stadt Istanbul fand 2003 statt. Unterstützt von den Gezi-Park-DemonstrantInnen und einer erstaunlich wohlwollenden Berichterstattung in den Medien, lockte er zehn Jahre später fast 100.000 Menschen auf die Straßen. Die Demonstration wurde zu einem wichtigen Symbol der Sichtbarkeit und Wertschätzung der LSBTTIQ-Community in der Türkei. Zugleich setzte der Istanbul Pride ein leuchtendes Zeichen der Vielfalt, das weit in den Nahen und Mittleren Osten wirkte.

Viele Jahre verlief der Marsch friedlich. Doch die politische und gesellschaftliche Situation in der Türkei ist im Umbruch. Das bekommen auch lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, intersexuelle und queere Menschen (LSBTTIQ) zu spüren. Seit 2015 wird der "Pride March" immer wieder von der Polizei brutal mit Tränengas, Gummigeschossen und Verhaftungen zerschlagen. Die Bilder von der prügelnden Staatsmacht und von flüchtenden DemonstrantInnen gingen um die Welt.

JournalistInnen, die die Emanzipationsbewegung in der Türkei unterstützt haben, landeten im Gefängnis oder im Exil. Für die Regenbogen-Community am Bosporus gibt es nahezu keine demokratischen Grundrechte mehr. Veranstaltungen werden mit dem Verweis auf die "öffentliche Sicherheit und die Moral" verboten, wie beispielsweise die von der deutschen Botschaft in Ankara mitorganisierten LSBTTIQ-Filmtage im November 2017.

Gleichwohl planen AktivistInnen auch 2018 ihren Protest auf die Straßen Istanbuls zu bringen. Stärker als ihre Angst vor Repressionen ist ihre Wut über vom Staat nicht verfolgte gewaltsame Übergriffe und Unterdrückung jedweder Art. In den vergangenen acht Jahren sind in der Türkei über 40 Menschen allein aufgrund ihres Geschlechts (Transsexualität) ermordet worden.

Für die "Expedition WIR" am Bosporus sollen finanzielle Mittel gesammelt werden, um die Öffentlichkeitsarbeit des Pride Istanbul Komitees und der AktivistInnen von SPoD zu unterstützen. SPoD steht für Sosyal Politikalar, Cinsiyet Kimliği ve Cinsel Yönelim Çalışmaları Derneği“ (Sozialpolitik, Geschlechtsidentität & Vereinigung für sexuelle Orientierung). Als Teil der Pride-Bewegung setzt sich SPoD vor Ort für Gleichberechtigung sowie Menschenrechte ein und führt seit Dezember 2015 wöchentliche Treffen in Arabisch für syrische LSBTTIQ-Flüchtlinge in Istanbul durch.

Spenden können online oder mit dem Stichwort "Pride Istanbul" auf das Konto des Weissenburg e.V. (IBAN: DE71 6005 0101 0002 4552 06) getätigt werden. Die Spendenaktion läuft bis 31.07.2018.

Wir rufen zur Unterstützung und zur Solidarität auf!

Elke Banabak, Ralf Bogen, Friederike Hartl und Harald Stingele

Für die Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber und ihre Arbeitsgruppe Vielfalt

Infos über den Istanbul Pride im Laufe der Jahre:

Seit 2015 jedoch wurde er mit Polizeigewalt zerschlagen:

nachschLAg: Ein unvollständiger Wochenrückblick

BRASILIEN
Angriffe auf Expräsident Lula da Silva und seine Anhänger, das tödliche Attentat auf die linke Stadträtin Marielle Franco, die Ermordung von landlosen Bauern: Die zunehmende politische Gewalt in dem südamerikanischen Land geht in erster Linie auf das Konto der übermächtigen Agrarlobby.

ECUADOR
Ehemalige Mitglieder der regierenden Alianza País (AP) in Ecuador haben sich mit dem Movimiento Acuerdo Nacional (Mana) zusammengeschlossen. Bekannt gegeben wurde dies bei der dritten nationalen Versammlung der Bewegung Revolución Alfarista durch den ehemaligen Außenminister Ecuadors, Ricardo Partino. Mana hatte im Gegensatz zu den Alfaristas im April den Zugangsschlüssel von der nationalen Wahlkommission (CNE) erhalten.

In Molleturo fordern seit vergangener Woche Bewohner verschiedener Gemeinden den sofortigen Rückzug des Projektes Río Blanco des chinesischen Bergbauunternehmens Junefield/Ecuagoldmining South America S.A., das Gold auf knapp 5.700 Hektar fördert. Sie protestieren damit gegen die Verschmutzung von Wasser und die Auswirkungen auf das Ökosystem, die sie auf die Bergbauaktivitäten des Unternehmens zurückführen. Insbesondere prangern die sie „die jahrelange Untätigkeit der nationalen, regionalen und lokalen Behörden“ an.

KOLUMBIEN
Die Tatsache, dass die Regierung von Kolumbien nach über einem Jahr nur 18,5 Prozent ihrer Pflichten aus dem Friedensvertrag eingelöst hat, hat in den vergangenen Monaten zu internationaler Besorgnis auch über den Umgang mit den Friedensgeldern geführt. Die Botschafter Norwegens, Schwedens und der Schweiz fragten im März in einem Brief an Präsident Juan Manuel Santos nach dem Verbleib der von ihren Ländern gespendeten 34,8 Millonen Dollar.

KUBA
In Kuba finden vom 4. bis 18. Mai zum elften Mal die „Kubanischen Tage gegen Homophobie und Transphobie“ statt. Ziel dieser Aktionstage ist es, den Respekt für eine bewusste und verantwortungsvolle sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität auch im Sinne sozialer Gerechtigkeit zu fördern.

VENEZUELA
Wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl in Venezuela zeigen die Umfragen der verschiedenen Institute ein uneinheitliches Bild. ICS sieht Nicolás Maduro klar vorne. Dem Institut zufolge kommt der Amtsinhaber auf 55,9 Prozent der Stimmen, gefolgt von Henri Falcón, der demnach mit 24,4 Prozent rechnen kann. Enger sieht es bei Consultores 30.11 aus. Zwar gewinnt auch hier Maduro, aber nur mit 48,4 Prozent, während Falcón auf 36,3 Prozent kommt. Datanálisis sieht Falcón sogar sieben Prozentpunkte vor Maduro. Entscheidend wird sein, ob die mit der Regierung unzufriedenen Venezolaner dem Boykottaufruf des kaum noch handlungsfähigen Oppositionsbündnisses MUD (Tisch der demokratischen Einheit) folgen oder doch zur Wahl gehen, um Maduro abzustrafen.

Der US-amerikanische Ölkonzern ConocoPhillips hat gedroht, die Kontrolle der Lagerbestände und Vermögenswerte des venezolanischen Erdölunternehmens PDVSA auf den Karibikinseln Bonaire und St. Eustatius zu übernehmen. Dies hat die Nachrichtenagentur Reuters vergangene Woche berichtet.

Ein Gemeinschaftsprojekt von Einfach Übel und redblog, Ausgabe vom 18. Mai 2018