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»Wenn jemand auf meinem Begräbnis weint, spreche ich nie wieder ein Wort mit ihm.« Stan Laurel

Wenn du weit kommen willst, geh gemeinsam oder: Mach eins nach dem anderen

Ich schreibe ständig über Hoffnung, darüber, wie man die Verzweiflung besiegt, und in manchen Wochen denke ich, ich muss die am wenigsten geeignete Person auf der Welt sein, um über dieses Thema zu schreiben. Denn in manchen Wochen ist die Verzweiflung so tiefsitzend, dass sie wie ein Dämon der Schlaflähmung auf meiner Brust lastet.

Ich war eigentlich nie ein verzweifelter Mensch. Die meiste Zeit meines Lebens haben mich das Bewusstsein für Ungerechtigkeit und Grausamkeit zum Handeln und zum Aktivismus angespornt. Im Moment fällt mir das schwerer. Die Krise ist schlimmer als je zuvor, und manchmal liege ich nachts da und versuche, eine Lösung für alle Probleme der Welt zu finden, und das ist eine unmögliche Aufgabe, und es überwältigt mich, und ich schalte ab und schlafe schließlich ein. Es ist wie Schafe zählen, wenn du Albträume statt Träume willst.

Vielleicht bin ich gerade deshalb qualifiziert, darüber zu schreiben, weil ich in letzter Zeit mit Hoffnung und Verzweiflung zu kämpfen habe. Ich hoffe es.

Es gibt eine Art Sprichwort, das mir in letzter Zeit oft durch den Kopf geht. „Wenn du schnell vorankommen willst, geh allein. Wenn du weit kommen willst, geh gemeinsam.“

Ich kann dieses Problem, das Problem des Faschismus, nicht alleine lösen. Ich kann mir nicht einmal alleine ausdenken, wie die Lösung aussehen könnte.

Das ist eine schwere Erkenntnis für mich, denn obwohl ich so etwas wie ein anarchistischer Kommunist oder Sozialist oder was auch immer bin, war ich schon immer ein Einzelgänger. Ich arbeite lieber alleine. Ich mag Projekte, die man alleine machen kann. Nur … nun ja, es gibt keine Projekte, die man alleine machen kann.

Oh, klar, ich schreibe Bücher, diese bekanntlich einsame Beschäftigung. Meine Freunde helfen mir beim Brainstorming, mein Agent hilft mir, einen Verlag zu finden, meine Lektoren helfen mir beim Überarbeiten, ein Designer gestaltet sie schön, und Bibliothekare und Buchhändler helfen dabei, dass sie die Leser erreichen. Das Schreiben selbst ist grundsätzlich eine einsame Tätigkeit (für mich und die meisten Autoren), aber alles, was es möglich und lohnenswert macht, ist eine kollektive Anstrengung.

Oh, klar, ich habe einmal „ganz allein“ eine Hütte gebaut. Auf dem Grundstück eines Freundes. Mit Ratschlägen von befreundeten Bauunternehmern und Fremden im Baumarkt auf dem Land und aus einem halben Dutzend YouTube-Videos. Und Hilfe beim Setzen der Fundamentpfosten. Und Hilfe beim Verlegen des Fußbodens und der Wandpaneele. Und Hilfe beim Aufrichten der Dachsparren. Die meiste Zeit, die ich in dieses Haus gesteckt habe, war ich allein im Wald, oben auf einer Leiter, und habe die Litanei gegen die Angst wiederholt, aber ich habe diese Hütte nicht allein gebaut, obwohl ich sie allein gebaut habe.

Ich kann mich nicht allein durch den Faschismus hindurchdenken, und ich hasse das.

Schlimmer noch, ich weiß nicht, ob wir selbst alle zusammen in der Lage sein werden, alles zu tun, was wir tun müssen. Vielleicht ist die Aufgabe, die vor uns liegt, tatsächlich unüberwindbar, und ich mag es nicht, diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Aber der Faschismus war schon immer der Miniboss. Der Klimawandel wartet dahinter und droht.

Das Bild der nordlichen Erdhabkugel, von oben auf den Nordpol gesehen, zeigt, dass die Meeresoberflächentemperaturen am 5. März 2022 vor der nordamerikanischen Küste (grüner Kreis) um bis zu 14,1 °C  höher waren als im Zeitraum 1981–2011
Das Bild zeigt, dass die Meeresoberflächentemperaturen am 5. März 2022 vor der nordamerikanischen Küste (grüner Kreis) um bis zu 14,1 °C höher waren als im Zeitraum 1981–2011.
Quelle: arctic-news
Ein „Blue Ocean Event“ ist die Bezeichnung für einen Sommer ohne arktisches Eis – oder besser gesagt, einen Sommer, in dem das arktische Eis unter tausend Quadratkilometer fällt und das Wasser blau statt weiß hinterlässt. Vor etwa zehn Jahren sprach der Weltklimarat der UN davon, dass dies bis zum Ende des Jahrhunderts möglich sein könnte, vielleicht sogar schon früher.

Einige Klimamodelle (pessimistischere Modelle, aber nicht die pessimistischsten) deuten darauf hin, dass wir diesen Sommer ein Blue-Ocean-Event haben könnten. Wahrscheinlich wird es nicht dazu kommen, aber es ist eine ernstzunehmende Möglichkeit, wie sie früher in unserem Leben undenkbar gewesen wäre.

Wir warten größtenteils in dieser schrecklichen Schwebe zwischen Untätigkeit und Handeln. Die Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, sind schwerwiegend genug, um ziemlich drastische Maßnahmen zu rechtfertigen, aber uns wird gesagt, wir sollen bis zu den Wahlen den Atem anhalten. Mehr noch: Wir wissen, dass die meisten drastischen Maßnahmen die Situation nicht wirklich verbessern werden, denn einzelne drastische Maßnahmen neigen nicht dazu, die Welt zum Besseren zu verändern, denn wenn man weit kommen will, muss man es gemeinsam angehen.

Wenn es etwas gibt, das mir Hoffnung gibt, dann ist es das, was ich vor ein paar Monaten in Minneapolis gesehen habe. Das Problem wurde nicht „gelöst“, nicht endgültig, aber Zehntausende von Menschen haben direkt gegen die Invasion von Bundestruppen in ihrer Stadt gehandelt (und handeln weiterhin). Sie kommen weit, weil sie gemeinsam vorangehen.

Heute Morgen wusste ich nicht, wie ich aufstehen sollte.

Es gibt all diese Dinge, die ich mir selbst sage, Dinge, an die ich glaube, wie: Konzentriere dich auf das, worüber du Einfluss hast. Konzentriere dich auf lokale Themen, lokale Probleme. Konzentriere dich darauf, Resilienz aufzubauen, sowohl für dich selbst als auch für deine Gemeinschaft.

Das Foto zeigt die Filiale von Harbor Freight Tools in Austin, Texas
Harbor Freight Tools Austin, TX
Foto: Jeff Keyzer, WA, USA
Diese Woche habe ich Gartenzubehör für einen Freund bestellt, ich war bei Harbor Freight (Vorschläge am Ende), um diese tollen Schnäppchen zu ergattern, und ich bin zu einem persönlichen Treffen mit lokalen linken Preppern gegangen, um auszutauschen, was wir wissen und wie wir uns gegenseitig helfen können. Wir haben über Gefriertrockner und Teach-Ins gesprochen, über Tinkturen und Notfallmedizin. Diese Woche habe ich meinen Keller aufgeräumt und einem neuen Freund etwas über Notstromversorgung beigebracht.

Das sind alles Dinge, die es wert sind, getan zu werden.

Ich wusste immer noch nicht, wie ich heute Morgen aufstehen sollte.

Was mich auf die Beine brachte, war eine SMS vom Schnellreaktionsnetzwerk in meiner Nachbarschaft, eine SMS, in der stand, dass Bundesbeamte ein paar Blocks weiter eine Razzia in einem Haus durchführten. Das brachte mich auf die Beine, ich zog mich an, verließ das Haus und ging joggen, wobei ich mir wünschte, ich wäre in besserer Form. Es war letztendlich keine Einwanderungskontrolle, sondern nur eine Drogenrazzia (die Leute wurden nicht wegen ihres Geburtsortes entführt, sondern in Käfige gesteckt, weil sie die falschen Pflanzen im Haus hatten. Irgendwie sollen wir glauben, dass es einen großen Unterschied zwischen diesen beiden Dingen gibt).

Es war nicht die ICE, aber es war gut, sich daran zu erinnern, dass es den Leuten wichtig ist, dass sich Menschen innerhalb kürzester Zeit versammelt haben. Und dass ich einer dieser Menschen war, denen es wichtig ist, die nützlich sein können.

Und das hat mich heute Morgen aus dem Bett gebracht.

Und es hilft mir, mich daran zu erinnern, dass ich dazu beitragen kann, etwas zu tun, um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

Und es hat mir klar gemacht, dass ich eine kleine Notfalltasche nur für die ICE-Wache brauche, mit einer Pfeife, einer Corona-Maske, einem Notizbuch, einem Stift, einem Filzstift und Karten mit meinen Rechten. Denn ICE ist überall im Land aktiv, aber die ICE-Wächter auch. Die ICE-Wache ist nicht das Wichtigste, was ich mache. Es ist nicht das, worauf ich mich konzentriere, oder worin ich die meiste Erfahrung habe. Aber wenn sie in meiner Nachbarschaft sind, dann lohnt es sich, an das alte Sprichwort zu denken: „Wer, wenn nicht wir?“

Und wer liebt nicht die Ausrede, kleine Sets zusammenzustellen?

Um Dinge zu erreichen, muss man große Projekte in konkrete Schritte zerlegen und diese dann umsetzen. Aber manchmal hat man kein wirkliches Bild davon, wie man das gesamte Projekt bewältigen soll. Manchmal ist ein Projekt zu groß, um es im Kopf zu behalten, besonders wenn man allein ist, und deine Aufgabe ist es, einfach über die Schritte nachzudenken, die helfen könnten, diese Schritte dann zu gehen und zu sehen, was passiert. Es lohnt sich, ein konkretes, kleineres Projekt auszuwählen (wie den Aufbau eines Schnellreaktionsnetzwerks, eines Vorsorgekreises oder einer radikalen Versammlung) und andere Leute zu finden, die das auch tun wollen. Denn gemeinsam können wir viel erreichen.

(Und es stellt sich heraus: Wenn du schnell vorankommen willst, musst du wahrscheinlich erst mal joggen üben.)

Dinge, die ein Prepper vielleicht bei Harbor Freight kaufen möchte – eine unvollständige Liste

  • Planen (Notunterkünfte, Pavillons für große Versammlungen, Aufräumarbeiten nach Katastrophen)
  • Plastikfolie und Klebeband (zum Abdichten von Räumen und Fenstern, um sie bei Stromausfällen warm zu halten)
  • Schlauchschellen und Kabelbinder (Notfall-Fahrzeugwartung)
  • Brechstangen, Äxte und Vorschlaghämmer (Notfall-Abbrucharbeiten, z. B. für Rettungszwecke)
  • Abschleppgurt (für Fahrzeugbergung)
  • Benzinkanister (Benzin für 2–3 Monate lagern, oder 1–2 Jahre mit Additiven)
  • wetterfeste, mit Schaumstoff gefüllte Hartplastikkisten (Elektronik für Katastrophengebiete lagern)
  • Batterien (für alles)
  • PSA (Schutzbrillen, Masken, Ohrstöpsel, Nitrilhandschuhe, diese großen weißen Einweganzüge, die man bei der Katastrophenbeseitigung tragen kann)
Meistens vermeide ich es, Elektronik und komplizierte Werkzeuge bei Harbor Freight zu kaufen, weil die Qualität dort sehr unterschiedlich ist, aber ich habe gute Erfahrungen gemacht mit Sachen wie Schaufeln, Planen und so weiter.

Vielleicht fange ich an, diese kleinen Mini-Prepper-Tipps am Ende der Beiträge hinzuzufügen. Mal sehen, ob ich das durchhalte.

Quelle: "If You Want to Go Far, Go Together or: doing one thing at a time", 25. März 2026 von Margaret Killjoy.

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Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]
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