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»Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt.« Einstein

21. Juni 2026: Sommerfest und 16 Jahre Linkes Zentrum Lilo Herrmann!

Das Foto zeigt aufgebaute Pavillons anläßlich des 1. Mai 2026. Unter dem Pavillon sind Bierzeltgarnituren aneínander gereiht
Pavillons zum 1. Mai 2026 erwarten die Gäste
Ganze sechzehn Jahre sind vergangen, seitdem wir 2010 einen baufälligen Gebäudekomplex in der Böblinger Straße in Stuttgart-Heslach gekauft haben. Nach über zweijähriger intensiver Renovierung, das meiste davon in Eigenarbeit, haben wir 2012 das Linke Zentrum Lilo Herrmann eröffnet.

Unser Haus war schon in der Umbauphase ein Gegenpool zum kapitalistischen Wahnsinn. Ein Ort für Versammlungen, politischen Austausch, ein Ort für Debatte, Streit und Aktion, ein Ort der Gegenkultur.

Ein Ort für alle, die sich mit dem Unrecht dieser Welt nicht arrangieren, sondern für eine bessere Welt jenseits von Ausbeutung und Unterdrückung kämpfen.

In den vergangenen 16 Jahren haben viele unterschiedliche Menschen das Lilo geprägt und unzählige Stunden in sein Bestehen investiert. Als Ort von der Bewegung für die Bewegung war und ist das Lilo Ort der Solidarität, Zuhause mehrerer junger Generationen, Dreh- und Angelpunkt für viele große Mobilisierungen und immer wieder auch im Fokus der Herrschenden und ihrer Schergen.

Viel Zeit ist seit der Eröffnung des Lilos vergangen. Die Welt hat sich verändert, und das nicht gerade zum Besten.
Wir wollen kein Trübsal blasen, denn immer dann, wenn die Verhältnisse zu tanzen beginnen, entwickeln sich Räume für widerständige Politik. Das Lilo wird auch in den nächsten 16 Jahren ein Raum für alle sein, die diese Räume mit progressiven Ideen & Praxis füllen wollen. Ein Ort im Widerspruch zum Zeitgeist.

Lange Rede, kurzer Sinn:
Wir wollen 16 Jahre Linkes Zentrum feiern & möchten alle dazu herzlich einladen.

Am Sonntag, den 21. Juni 2026, organisieren wir ab 14 Uhr ein großes Straßenfest. Euch erwarten verschiedene Essensstände, ein politisches Programm, eine große Spielstation für Kinder, diverse Infotische, eine Plakatversteigerung, Hausführungen und vieles mehr. Wir freuen uns auf euer Kommen!

Mehr dazu beim Linken Zentrum Lilo Herrmann.

Die schönsten Attentate des letzten Jahrhunderts Nr. 13: Antonio de la Maza & Gen. vs. Rafael Leónidas Trujillo Molina

Das Foto zeigt den Diktator Rafael Leonidas Trujillo Molina mit den Einschussstellen aus dem Autopsiebericht.
Rafael Leónidas Trujillo Molina (* 24. Oktober 1891 in San Cristóbal; † 30. Mai 1961 in Santo Domingo) war ein dominikanischer Politiker und Diktator der Dominikanischen Republik.(...)

Trujillo legte großen Wert auf ein gepflegtes Äußeres. Er liebte prächtige (napoleonische) Uniformen, Prunk und barocke Gelage. Seine dunkle Haut versuchte er mit weißem Puder und Schminke aufzuhellen, um seine haitianische (schwarze) Herkunft zu vertuschen. Trujillo war geradezu davon besessen, alles zu tun, damit die Bevölkerung seines Landes eine hellere Hautfarbe bekam. Von Ende September bis Mitte Oktober 1937 ließ er im „Petersilien-Massaker“ (Masacre del Perejil) im ganzen Land Abertausende Haitianer, vor allem Arbeiter auf den Zuckerrohrpflanzungen, ermorden. Nach einer mit Quellen belegten Schätzung wurden etwa 18.000 Haitianer getötet. Nach anderen Schätzungen waren es zwischen 25.000 und 27.000 Ermordete. (...)

Am 30. Mai 1961 fuhr Trujillo gegen 22 Uhr in seinen Heimatort San Cristóbal. Er war „selbstherrlich wie immer“ ohne Leibwache unterwegs. Ein siebenköpfiges Kommando schoss aus einem Auto auf den hellblauen Chevrolet Bel Air von Trujillo. Der Angeschossene taumelte aus seinem Wagen und versuchte, in der Dunkelheit zurückzuschießen. Dann brach er zusammen und war tot.

Quellen:
wikipdia
DomRep total

Das Ende, wie Sand (postapokalyptische Fiktion) oder: Wie ich mich den Muppet Babies im Krieg gegen die kannibalischen Nazis aus den Vororten anschloss

Ich habe in letzter Zeit damit gekämpft, einige meiner Ideen zur Vorsorge in Form von Sachliteratur niederzuschreiben, denn Sachliteratur war noch nie die Quelle, aus der ich meine großen Ideen darüber beziehe, was wir tun können und wie wir die Welt verbessern können. Diese Ideen habe ich von Freunden, die Geschichten erzählen, und ich habe sie durch das Lesen von Erzählungen wie Memoiren und Belletristik gewonnen.

Deshalb denke ich, dass ich eine Reihe von Kurzgeschichten über den Zusammenbruch schreiben werde. Ich weiß noch nicht, ob ich das in einen postapokalyptischen Roman einflechten, daraus Zines machen oder es hier in meinem Newsletter als eine Art Fortsetzungsgeschichte veröffentlichen werde, aber wir werden sehen.

Ich habe mich schon immer für didaktische Belletristik interessiert. Es ist aus der Mode gekommen, einfach zu sagen: „Diese Geschichte soll dir etwas beibringen“, aber einige meiner Lieblingsromane haben genau das ganz offen zum Ziel gehabt. Ich bin mit viel Heinlein und Le Guin aufgewachsen, zwei Meistern der didaktischen Fiktion, obwohl sie dabei im Grunde gegensätzliche Wege gehen und mehr oder weniger gegensätzliche politische Positionen vertreten (ich werde Heinleins Politik nicht verteidigen, aber ich gebe zu, dass ich als Kind viele seiner Bücher gelesen habe). In Starship Troopers hat Heinlein einfach ganze Kapitel, die Philosophieunterricht in der im Grunde faschistischen Militärakademie sind, die der Protagonist besucht. Le Guin baut romanlange, transparente Metaphern auf, Bücher mit Ideen wie „Was wäre, wenn Geschlecht fließend wäre?“ und „Was wäre, wenn Anarchie, aber auf dem Mond?“

Cory Doctorow, ein weiterer Lieblingsautor von mir, hat in seinen Büchern manchmal einfach lange Exkurse, in denen es heißt: „Und so benutzt man Verschlüsselung“ oder „So funktioniert der Kapitalismus.“

Einige meiner Bücher sind didaktischer als andere, aber ich vermute, dass diese „Wie man die Apokalypse überlebt“-Reihe zu meinen offensichtlichsten didaktischen Werken gehören wird. Ich hoffe, du verzeihst mir, ich hoffe, es gefällt dir. Ich hoffe, du musst niemals Puppen an deine Rüstung schnallen, eine pastellfarbene Flagge hissen und in einer zerfallenden Stadt im Rust Belt gegen kannibalische Nazis in den Krieg ziehen.

Ich werde am Sonntag eine Hörbuchversion davon im Cool Zone Media Book Club vorlesen.

Das Ende, wie Sand; oder: Wie ich mich den Muppet Babies im Krieg gegen die kannibalischen Nazis aus den Vororten anschloss

Dieser Text wurde von unserem geliebten Freund und Kameraden Christiano „Mud“ Alves verfasst, der während des Angriffs auf den Butcher Shop durch Splitter einer Splittergranate den Märtyrertod starb. Die Schlacht an jenem Tag ging verloren, doch acht Tage später setzten sich die Muppet Babies an diesem Ort durch und retteten unzählige Leben. Möge Mud für immer in unseren Herzen weiterleben.

Screenshot des Tweets von @perthshiremags mit dem Text: climate change will manifest as a series of disasters viewed through phones with footage that gets closer and closer to where you live until you’re the one filming it.”
Der Tweet von @perthshiremags
Der Zusammenbruch verlief langsam, bis er plötzlich schnell war. Natürlich war es so. Wir haben alle Parable of the Sower gelesen (von Butler, nicht die aus der Bibel. Ich glaube, die meisten Leute, die behaupten, sie hätten die Bibel gelesen, lügen). Wir wussten alle, dass es ein langsamer Zusammenbruch werden würde. Wir haben alle diesen Tweet gelesen, diesen berühmten. Selbst wenn du erst erwachsen wurdest, nachdem Twitter zu X wurde, und du daher nie Twitter hattest, hast du den Tweet von @perthshiremags gelesen. Der, der lautet: „Der Klimawandel wird sich als eine Reihe von Katastrophen manifestieren, die man über das Handy verfolgt, mit Aufnahmen, die immer näher an deinen Wohnort rücken, bis du selbst derjenige bist, der sie filmt.“

Nun stellt sich heraus – was niemanden überrascht – dass dies auf so ziemlich jede Art von Zusammenbruch zutrifft, nicht nur auf den Klimakollaps.

Noch ein Zitat für dich, dieses hier absichtlich umgeschrieben. William Gibson schrieb einmal: „Die Zukunft ist bereits da – sie ist nur nicht sehr gleichmäßig verteilt.“ Meine Schlussfolgerung daraus ist, dass wir seit Jahren wissen: „Die Apokalypse ist da, sie ist nur nicht gleichmäßig verteilt.“

Das bedeutet, ich kann dir nicht den genauen Tag nennen, an dem „die Gesellschaft zusammengebrochen ist“, denn das hängt davon ab, wohin du schaust. Syrien? Iran? Indien? Oder meinen wir die Vororte Amerikas? Ich habe das Gefühl, dass wir immer die Vororte Amerikas meinen, wenn wir über den Zusammenbruch sprechen, obwohl ich tief innerhalb der Grenzen meiner Stadt im Rust Belt geboren und aufgewachsen bin und das Einzige, wofür ich jemals in die Vororte gefahren bin, billiges Essen bei Trader Joe’s (RIP) war oder in jüngerer Zeit bei Ausflügen gegen die kannibalischen Nazis.

Als die Apokalypse nach Amerika kam, kam sie in Schüben und es ist schwer zu sagen, was den Anstoß gab. Begann sie mit der Wahl 2024? Dort sehen die meisten Leute den Anfang vom Ende. Aber wir hatten den Klimawandel zu diesem Zeitpunkt schon seit Jahrzehnten oder einem Jahrhundert oder so ignoriert.

Verdammt, die erste Apokalypse, die dort stattfand, wo ich lebe, ereignete sich vor Hunderten von Jahren, und zwar für das Volk der Erie, und ich sage dir: Einige der ersten Dominosteine, die uns bis heute geführt haben, wurden umgeworfen, als die Haudenosaunee von einem Haufen Protestanten aus England erobert wurden. Und weißt du was? Das Volk der Haudenosaunee gibt es immer noch. Die englischen Mistkerle (darunter, um ehrlich zu sein, auch ein paar der weniger sympathischen unter meinen Vorfahren) haben es nicht geschafft, sie alle zu töten.

Da ist noch dieses andere Zitat, diesmal von jemandem, der den Zusammenbruch der UdSSR überlebt hat, von dem ich hoffe, dass es auf uns zutrifft: „Die meisten Menschen überleben das Ende ihrer Lebensweise.“ Wenn die meisten von uns den aktuellen Zusammenbruch überleben, dann nur dank einer großzügigen Auslegung des Wortes „die meisten“. Ich habe die ersten sechsunddreißig Jahre meines Lebens überstanden, ohne mehr als drei Leichen gesehen zu haben, die nicht bereits in Särgen lagen, und im letzten Jahr habe ich ein paar Hundert gesehen und zwei eigene hergestellt.

Okay, noch ein Zitat für dich. Ich muss das alte Internet vermissen, denn ich denke immer noch in Memes und Screenshots. Für dieses hier kann ich dir die Quelle nicht nennen, aber es läuft im Grunde darauf hinaus: „Wenn es die Apokalypse ist, warum muss ich dann immer noch zur Arbeit gehen und Miete zahlen?“

Und dieses Zitat ist besonders wichtig, denn wenn du wissen willst, wann die Apokalypse begann – nun, für die meisten Menschen begann sie, als sie entlassen und aus ihren Wohnungen vertrieben wurden. Die Apokalypse sieht eher aus wie Sandkörner, die durch eine Sanduhr rieseln (wir sind die Sandkörner, falls meine Metapher zu subtil war). Die Menschen fielen einer nach dem anderen, zu zehnt, durch die Risse der Gesellschaft.

Wann begann meine Apokalypse?

Ich war nicht das erste Sandkorn, das fiel, und ich war nicht das letzte. Ich schätze, meine Apokalypse begann im letzten Frühjahr, als private Sicherheitskräfte auftauchten, um unser gesamtes Wohnhaus zu räumen. Unser gesichtsloser Vermieter, die Bank, klammerte sich verzweifelt an einen Anschein von Normalität und glaubte, dass Wörter wie „Miete“, „Mietvertrag“ und „Rechtsstreit“ noch immer Macht besaßen, und sie hatten ein paar Söldner mit Gewehren überredet, diese toten Wörter durchzusetzen.

Das heißt, dass vor etwa acht Monaten ein paar Typen versuchten, mich, meine Katzen und unsere Nachbarn aus unserem Haus zu zerren, obwohl die Gesellschaft ziemlich eindeutig zusammenbrach und fast keiner von uns Arbeit hatte. Die Handys hatten damals noch Empfang, meistens jedenfalls, aber die Hälfte der Apps war entweder tot oder standortsperriert für die Gated Communities, und ich war schon fast ein Jahr lang nicht mehr auf Instagram gewesen.

Vielleicht ist ein interessanterer Maßstab, um die Apokalypse zu messen, nicht „muss ich arbeiten und Miete zahlen“, sondern „bin ich immer noch süchtig nach Social Media oder wurde mir das unter den Füßen weggerissen?“

Als die Söldner kamen, wusste fast keiner von uns, was zu tun war, weil wir uns in diesem Gebäude nicht wirklich gut kannten. Wir waren größtenteils Millennials und Gen-Z, und unsere Gemeinschaften waren online oder bestanden aus Freunden, die über die ganze Stadt verstreut waren und unsere nischenhaften subkulturellen Interessen teilten. Ich habe mich meistens mit anderen Barkeepern aus meinem Job (damals, als ich ihn noch hatte) und ein paar Leuten getroffen, mit denen ich Vögel beobachtet habe. Die meisten meiner tatsächlichen, direkten Nachbarn kannte ich gar nicht.

Ich wollte nicht rausgeworfen werden. Ich habe drei Katzen, und alle waren früher Straßenkatzen, und ehrlich gesagt war ich als Teenager auch eine Zeit lang eine Straßenkatze, und keiner von uns vieren freute sich darauf, wieder draußen zu schlafen, und das Essen wurde so knapp, dass die Leute nicht mehr viel wegwarfen, also hätte ich mich nicht mehr von Bagels aus dem Müll ernähren können, selbst wenn ich gewollt hätte. Ich dachte, diese Zwangsräumung könnte mein Ende sein.

Bis etwa dreißig „Muppet Babies“ die Straße hinaufmarschierten. So nannten sie sich selbst. Ein Haufen Verrückter mit AR-15s und Schutzausrüstung, die Hälfte von ihnen in Pastelltönen, die andere Hälfte ganz in Schwarz, und sie hatten jede Menge Fahnen dabei. Viel zu viele Fahnen. Einfach ein völlig unangemessenes Verhältnis von Fahnen zu Demonstranten. Man sollte höchstens eine Fahne pro zehn Leute haben. Die Hälfte dieser Arschlöcher trug Fahnen. Da war eine Regenbogenfahne und noch eine andere Art von Regenbogenfahne und eine palästinensische Flagge und eine Piratenflagge und eine anarchosyndikalistische Flagge, aber die meisten Flaggen waren diese peinlichen Boomer-Gartenfahnen. Du weißt schon, die, die man bei Walmart kaufen kann (oder heutzutage bei Walmart plündern), auf denen einfach nur „Frühling“ oder „Schneetag“ steht oder die eine Abbildung von einem Kürbis oder so haben? Die meisten Flaggen waren solche Flaggen.

Und wahrscheinlich die kleinste Person in der Menge, ein kleiner König (von dem ich inzwischen weiß, dass er es nicht mag, König genannt zu werden, weil er sich bei diesen „No Kings“-Protesten die Zähne geschärft hatte, die erst richtig heiß wurden, als klar war, dass faire Wahlen der Vergangenheit angehörten, also war „No Kings“ praktisch seine Identität, aber er war auch ein kleiner König)... Dieser Typ stand ganz vorne mit einem Megafon und rief: „Wollt ihr, dass wir diesen Pöbel vertreiben?“, aber er sprach zu uns, nicht zu den Söldnern, die die Bank angeheuert hatte. Und mein Nachbar Yousef, so ziemlich der Einzige im Haus, dessen Namen ich kannte, weil wir mal zusammen waren, aber das ist Jahre her und zu diesem Zeitpunkt waren wir „Freunde“ – in Anführungszeichen, weil wir nicht wirklich etwas zusammen unternahmen, sondern uns nur unbeholfen im Flur grüßten – stand auf seinem winzigen Balkon, legte die Hände um den Mund und sagte: „Ja, bitte!“

Die Söldner, nun ja, das waren wahrscheinlich nur ein Haufen Typen, die nicht wie Sand durch dieselbe Sanduhr fallen wollten, durch die alle anderen fielen, also hatten sie Jobs bei einer der wenigen Institutionen angenommen, die noch an „Business as usual“ glaubten und genug Geld zahlten, um sich über Wasser zu halten. Aber dumm waren sie nicht. Sie waren gekommen, um andere Leute wie Sand durch die Sanduhr zu schieben. Sie waren nicht darauf vorbereitet, es mit ein paar Dutzend Queers, Anarchisten und Piraten aufzunehmen, die sich nach einem alten Kinder-Cartoon benannt und mit Gewehren bewaffnet hatten, also verpissten sie sich kampflos.

Die Polizei war zu diesem Zeitpunkt noch eine Sache, sie hatte nicht einfach aufgegeben und zugegeben, dass sie nur eine weitere Gang war, aber sie hatte sich in die Innenstadt und die wohlhabenderen Vororte zurückgezogen. Sie kamen nicht. Wenn die Polizei verfügbar gewesen wäre, um Mieter aus Gebäuden zu vertreiben, hätte die Bank sie als Erstes geschickt. Söldner sind teuer. Das Kapital wird immer versuchen, den Staat für kostenlose Dienste zu nutzen, bevor es darauf zurückgreift, selbst jemanden einzustellen. Genauso wie der Staat sich immer auf gemeinnützige Organisationen verlassen hat, um die Lücken bei den Sozialleistungen zu füllen, die eigentlich aus Steuergeldern hätten finanziert werden müssen. Ich habe früher für gemeinnützige Organisationen gearbeitet und bin immer noch ein bisschen verbittert.

Da die Polizei nicht kam, wussten wir, dass wir sicher waren, zumindest für eine Weile, und da begann meine Apokalypse, und ich konnte in dieser Wohnung weiterleben, bis sie im Sommer von einer Mörsergranate getroffen wurde. All meinen Katzen ging es gut. Ich wünschte, ich könnte dasselbe von all meinen Nachbarn sagen.

Aber an dem Tag, an dem meine Apokalypse begann, fiel kein einziger Schuss, niemand wurde getötet. Meine Wohnung wurde von den Muppet Babies gerettet, und jetzt bin ich auch ein Muppet Baby, und ich weiß nicht, ob wir eine Gang sind oder nicht. Wir nennen uns „MASS“, eine Gesellschaft für gegenseitige Hilfe und Solidarität. Ehrlich gesagt sind wir so eine Art dieser „Warlord-Gruppen“, vor denen uns all diese Apokalypse-Filme gewarnt haben, auch wenn wir nicht viel herumziehen. Und wir treffen unsere Entscheidungen demokratisch, und jeder kann jederzeit gehen – ein Detail, das ich in keinem dieser Filme gesehen habe. Wenn wir eine Bande sind, dann sind wir eine nette Bande. Oder eine meistens nette Bande. Ich war inzwischen in zu vielen Schießereien, um zu glauben, ich könnte mich auf moralische Überlegenheit berufen.

Tatsächlich sind zwei von den Typen, die aufgetaucht waren, um uns zu vertreiben – zwei Brüder namens Hammer und Henry –, jetzt auch bei uns. Wir zahlen niemandem etwas, verlangen aber auch nichts. Wir kümmern uns einfach umeinander. Wie eine Familie. Wie eine Gemeinschaft. Wie eine Sekte. Oder eine Solidaritätsgesellschaft.

Wir haben es uns allerdings zur Gewohnheit gemacht, Puppen an unsere Rüstung zu schnallen, wenn wir in den Kampf ziehen, was ehrlich gesagt irgendwie sektenhaft ist oder nach einer Kriegsherren-Gang aussieht. Aber wir haben keinen Kriegsherrn und wir haben keinen charismatischen Anführer, und ja, die meisten unter 40 unter uns sind polyamorös, aber wir sind keine Sekte.

Ich habe das Gefühl, dass viele der Vorwürfe, wir seien eine Sekte, bereits durch das „Wir sind keine Sekte“-Banner beantwortet sind, das Tracy kürzlich vor unserem Lagerhaus aufgehängt hat. Ich schätze das Engagement meiner Generation für Internet-Humor, auch wenn wir gar kein Internet mehr haben. Die meisten Gründer der Muppet Babies sind inzwischen tot, obwohl die Gruppe erst ein Jahr alt ist. Nur Sasha ist noch übrig, und wenn ich ehrlich bin, hat Sasha vor etwa einem halben Jahr ziemlich stark den Anschluss an die allgemeine Realität verloren und verbringt die meiste Zeit damit, den zweiten Stock des Muppet-Theaters (das Lagerhaus, in dem die meisten von uns leben) in ein Puppenhausdorf umzubauen, mit einem ausgeklügelten öffentlichen Nahverkehrssystem aus Modelleisenbahnen, die wir aus Garagen und Kellern in der ganzen Stadt zusammengetragen haben. Die Züge fahren in Makhnovia immer pünktlich, dem Dorf, das Sasha baut, und direkt neben der Treppe hängt eine Tafel mit dem Zugfahrplan. Wenn du versuchst, einen Witz über Mussolini und die pünktlichen Züge zu machen, hält Sasha dir etwa dreißig Minuten lang einen Vortrag über die anarchosyndikalistischen Gewerkschaften im vorfaschistischen Italien, die dafür sorgten, dass die Züge pünktlich fuhren – eine Pünktlichkeit, die der faschistische Diktator übernommen hat. Ich weiß nicht, ob das stimmt oder nicht, denn die Antwort steht nicht in unserem Wikipedia-Backup.

Sasha ist jetzt so etwas wie ein Seher. So nennt er sich selbst. Er ist bei jedem Treffen dabei, äußert aber nie direkt eine bestimmte Meinung. Er erzählt uns einfach Geschichten aus der Geschichte oder aus seiner Fantasie, und diese Geschichten stören gelegentlich den Ablauf des Treffens und sind gelegentlich bemerkenswert aufschlussreich. Sich mit unterschiedlichen Menschen zu organisieren bedeutet, den unterschiedlichen Arten, wie Menschen sich beteiligen, Rechnung zu tragen. Und ich liebe Sashas Geschichten.

Sasha war früher Organisator*in. Sie haben alles gemacht: politische Kampagnen, gemeinnützige Arbeit, direkten Umweltaktivismus. Sie haben geholfen, eine Reihe von Rechenzentren zu verhindern – durch gute, altmodische, ehrliche und legale Basisarbeit –, und sie standen im Fokus der Ermittlungen der Bundesregierung zu jener Serie von Rechenzentrumsbränden, die zunahm, sobald die Bundesbehörden eingriffen, um lokale Bauverbote außer Kraft zu setzen. Vielleicht erinnerst du dich nicht an genau diese Serie von Brandstiftungen, denn in den letzten zehn Jahren vor dem Zusammenbruch passierten jede Woche einmalige Ereignisse, aber diese Lagerhausbrände ereigneten sich etwa zur gleichen Zeit wie die Meuterei der Nationalgarde, die schließlich dazu führte, dass alles in Staatsgarden aufgespalten wurde – woran du dich wahrscheinlich doch erinnerst.

Sasha war früher Organisator*in und darin gut, und sie halfen bei der Gründung der Muppet Babies, obwohl sie gegen den Namen argumentiert hatten. Sie wollten die Organisation „Rust Belt Mutual Aid and Solidarity Society“ nennen, was sie zu RB-MASS abkürzen wollten, weil Organisator*innen von Abkürzungen besessen sind, und Sasha dachte, jede Region könnte nach dem gleichen Modell ihre eigene MASS gründen.

Aber Vivian und Hatchet und Oak und der Rest der Gründer bestanden darauf, dass es keine Schlagworte und keine Abkürzungen geben sollte, sondern dass sie stattdessen etwas so Lächerliches wählen sollten, dass niemand ihnen jemals vorwerfen könnte, sie würden sich selbst zu ernst nehmen, und Sasha machte mit, und etwa zehn von ihnen gründeten die Muppet Babies. Und es war, weißt du, eine „Mutual Aid and Solidarity Society“. Denn Schlagworte hin oder her, genau dafür war die Gruppe gedacht. Gelegentlich kommen Reisende durch die Stadt und erzählen uns von anderen MASS-Gruppen, von denen die meisten ebenfalls auf das Akronym verzichten und sich absurde Namen gegeben haben, und hoffentlich können wir bald einen viel größeren Verband mit allen MASS-Gruppen in Nordamerika auf die Beine stellen, damit wir endlich richtig was auf die Beine stellen können. Und wie wir uns kennen, werden wir am Ende so etwas wie „Rugrat Nation“ oder so heißen. Gott bewahre, dass wir einfach nur die „Federated Mutual Aid and Solidarity Societies“ werden.

Wie auch immer, die Muppet Babies, die Gründer, wussten, dass die Gesellschaft zusammenbricht, und zwar schnell. Sie waren eine Mischung aus Organisatoren, Preppern und Praktikern der Gemeinschaftsverteidigung, und sie ahnten, dass ihre Fähigkeiten bald gefragt sein würden, und sie predigten schon eine Weile gemeinschaftsorientierte Vorsorge.

Ich habe tatsächlich ihre alten Sitzungsnotizen, die ich verwenden soll, um eine Broschüre zum Thema „Wie man eine MASS aufbaut“ zusammenzubasteln, jetzt, wo wir ein paar alte Buchdruckpressen am Laufen haben, die von einem Wasserrad im Fluss angetrieben werden. Früher habe ich Förderanträge für gemeinnützige Organisationen geschrieben, also qualifiziert mich das irgendwie dazu, eine Anleitung zum Thema „Wie man die neue Welt in der Hülle der alten aufbaut“ zu verfassen. Es schien eine überwältigende Aufgabe zu sein, aber Sasha schlug vor, dass man, wenn die Arbeit zu ernst und zu unüberwindbar ist, sie einfach wie Spielzeit statt wie Arbeit behandeln sollte, und vielleicht könnte ich das Ganze zuerst in einer Art erzählerischer Form niederschreiben.

Vielleicht baut er deshalb ein Dorf aus Puppenhäusern. Wenn die Arbeit unüberwindbar ist, wende dich dem Spiel zu.

Wenn du diese Version der Geschichte liest, ist allerdings etwas furchtbar schiefgelaufen und jemand hat beschlossen, meine Erzählung zu veröffentlichen, anstatt meinen fertigen, ausgefeilten Sachbuch-Essay, der auf magische Weise jedem beibringen wird, wie man eine neue und bessere Welt aufbaut. Vielleicht habe ich diesen Essay nie fertiggestellt. Vielleicht habe ich diese bessere Welt nicht mehr erlebt. Vielleicht ist dies mein wichtigster schriftlicher Beitrag zu diesem Vorhaben. Gedanken an den Tod werden mir in Zeiten wie diesen nie fern sein.

Die Grundidee, die die ersten Muppet Babies hatten, war eine Rückkehr zu einer älteren Ära der Hilfsvereine. Anarchistische Arbeiter in Europa gründeten früher Hilfsvereine, bei denen man tatsächlich Mitglied sein musste, um alle Vorteile nutzen zu können. Einige der ersten Muppet Babies waren Prepper mit riesigen Vorräten an all den klassischen Dingen: getrocknete und gefriergetrocknete Lebensmittel, Waffen und Munition, Gasmasken, medizinische Vorräte, Schutzausrüstung, Saatgut, Radios, Sonnenkollektoren. Oak hatte tatsächlich einen Bunker unter ihrem Haus auf dem Land, obwohl wir den Kontakt zu ihr schon vor Monaten verloren haben und sie vermutlich tot ist – weshalb Bunker für die meisten apokalyptischen Szenarien nie der beste Plan waren. Nicht, um den Opfern die Schuld zu geben. Ich hoffe, wir werden die Proudest Boys aus dem Weg räumen, die sich in ihrer Gegend organisiert haben, und sie wohlbehalten in ihrem verdammten Bunker finden.

Aber ja, die Gründer, die hatten all dieses Zeug, und sie hatten sich schon seit ein paar Jahren zusammengetan, hatten Vorbereitungsworkshops veranstaltet, Vorräte verteilt und versucht, Verbindungen zwischen verschiedenen Gruppen von Leuten aufzubauen. Als sie sich bei einem ihrer Treffen zusammensetzten und merkten, dass das Ende nahe war, sagten sie so was wie: „Okay, wie sieht unser Plan aus, wenn die Kacke am Dampfen ist? Stellen wir uns einfach auf die Straße und verschenken unser Zeug? Verstecken wir uns und verteidigen, was uns gehört? Was machen wir?“

Sie beschlossen, dass sie das meiste, was sie hatten, innerhalb ihrer Gruppe behalten würden, aber dass die Gruppe selbst für jeden offen sein und von allen Mitgliedern demokratisch kontrolliert werden sollte. Wenn jemand Hunger hatte, konnte er ein Muppet Baby werden und genauso gut oder schlecht essen wie alle anderen und an den Entscheidungen mitwirken. Aber sie mussten sich verpflichten, sich in welcher Form auch immer für das gemeinsame Wohl einzusetzen.

Und das ist eine MASS. Wie soll ich denn eine ganze Broschüre über eine Idee schreiben, die ich in drei Sätzen erklären kann?

Um sicherzustellen, dass eine rasche Expansion die Natur der Gruppe nicht grundlegend verändern würde, einigten sie sich auf das, was sie das „Accord“ nannten – unveränderliche Vereinbarungen, die den Kern der Satzung der Gruppe bildeten. Die Satzung kann geändert, gestrichen oder ergänzt werden, aber das „Accord“ ist ewig. Wenn die Gruppe das „Accord“ jemals ändern wollte, müsste sie die Gruppe einfach auflösen und eine andere Gruppe gründen.


Das „Accord“ ist einfach:

Erstens: Unsere Gruppe arbeitet nach demokratischen Verfahren, bei denen alle Mitglieder das gleiche Mitspracherecht haben, unabhängig von Dienstalter, Beliebtheit oder Leistungsfähigkeit.

Zweitens: Unsere Gruppe schließt keine Mitglieder aufgrund von ethnischer Zugehörigkeit, Rasse, Geschlecht, sexueller Orientierung, Alter, nationaler Herkunft, Aufenthaltsstatus, früherer Inhaftierung, Grad der Behinderung oder Leistungsfähigkeit aus. Diese Liste ist nicht erschöpfend und ist im Sinne der Inklusion und nicht der Exklusion zu verstehen.

Drittens: Unsere Gruppe versorgt ihre Mitglieder entsprechend ihren Bedürfnissen, und jedes Mitglied bemüht sich, die Gruppe entsprechend seinen Fähigkeiten zu unterstützen. Mitglieder haben weiterhin das Recht, persönliches Eigentum zu behalten, wie zum Beispiel (aber nicht beschränkt auf) eine Wohnung, Waffen, Medien und kleine Vorratsvorräte.

Viertens: Die Mitgliedschaft in der Gruppe ist freiwillig.

Fünf: Unsere Gruppe zieht es vor, mehr Brücken zu bauen als zu verbrennen; unsere Gruppe zieht es vor, wann immer möglich Versöhnung anzustreben; unsere Gruppe betrachtet Menschen nicht als Wegwerfware; ebenso wenig ist unsere Gruppe eine pazifistische Organisation.


Es gibt alle möglichen Statuten, und sie ändern sich von Monat zu Monat, weil wir uns ständig darüber treffen, um zu besprechen, was funktioniert und was nicht, und weil die drei Dinge, auf denen Revolutionen basieren, Treffen, Drecksarbeit und furchterregende Aktionen sind – in absteigender Reihenfolge des Zeitaufwands. In den Statuten geht es um Dinge wie:

Wie man Mitglied wird (derzeit gibt es eine einmonatige vorläufige Mitgliedschaft).

Wie man Mitglieder ausschließt (derzeit mit einer Dreiviertelmehrheit, aber wir diskutieren darüber, den Ausschluss von Mitgliedern zu erschweren, da wir wachsen und einen größeren Teil der Gesellschaft ausmachen).

Wie Entscheidungen getroffen werden (derzeit mit einfacher Mehrheit bei Angelegenheiten mit geringen Auswirkungen, mit Dreiviertelmehrheit bei Angelegenheiten mit großen Auswirkungen und durch die Einrichtung von befristeten, abberufbaren und rechenschaftspflichtigen Führungspositionen für unmittelbare Krisen und militärische Situationen).

Wie wir strukturiert sind (wir sind derzeit in drei Bereiche gegliedert: Verwaltung, Produktion und Strategie, mit einzelnen Arbeitsgruppen innerhalb dieser Bereiche).

Wie wir mit anderen Gruppen interagieren (volle Zusammenarbeit mit allen Gruppen, die demokratisch sind, Vielfalt respektieren und politischen Pluralismus achten; begrenzte Zusammenarbeit mit Gruppen, die Vielfalt und politischen Pluralismus respektieren; situationsbezogene Zusammenarbeit gegen gemeinsame Feinde mit jeder Gruppe, die nicht tyrannisch oder anderweitig monströs ist [schau mal, es ist die Apokalypse, und da draußen gibt es Leute, die ziemlich verrückte Sachen machen]).

Sitzungsstruktur (Ich werde dich damit wirklich nicht langweilen. Stell dir die Sitzungskultur der Occupy-Ära vor, aber mit mehr Schwerpunkt auf Autonomie sowohl für Einzelpersonen als auch für Arbeitsgruppen).

Wie wir Lebensmittel verteilen (gleichmäßig) und wie wir Waffen verteilen (selektiv, durch einen Kriegsrat, obwohl Einzelpersonen oft ihre eigenen Waffen besitzen und warten).

Konfliktlösung (unsere umstrittensten Statuten, die wir wahrscheinlich nie wirklich perfektionieren werden).


Wir sind stark gewachsen, seit die Muppet Babies auf mein Wohnhaus marschierten und mich davor bewahrten, ein weiteres Sandkorn zu werden. Aber wir haben auch viele Leute verloren. Unser „Lasst uns aufeinander aufpassen, einander als Gleichberechtigte behandeln und gemeinsam Entscheidungen treffen“-Ding kam bei einigen anderen Fraktionen in der Stadt nicht besonders gut an, vor allem bei den kannibalistischen Nazis aus den Vororten.

Diese Nazis nennen sich die „Survivors“ und sind eine Art faschistische Oligarchie mit dem Anspruch auf Meritokratie. Die meisten ihrer Anführer sind ehemalige Polizisten (fairerweise muss man sagen, dass auch in unseren Reihen drei Ex-Polizisten sind, was eine umstrittene Entscheidung war, aber keiner unserer Ex-Polizisten ist aktiver Nazi). Die „Survivors“ nennen ihre Lehren „die harte Wahrheit“ und glauben, dass die neue Welt von den wahren Überlebenden aufgebaut wird, den Stärksten der Starken. Der Faschismus kam zuerst, der Kannibalismus kam später.

Sasha sagt gerne: „Wir hätten ‚keine Menschen essen‘ in das Abkommen aufgenommen, wenn wir damals gewusst hätten, was wir heute wissen, aber das ist die Art von Sache, von der man sich gerne vorstellt, dass sie unausgesprochen bleibt.“

Die Überlebenden herrschen durch Angst. Wir regieren uns selbst durch Liebe und Respekt. Wir gewinnen. Alles, was es braucht, um das Böse in dieser Welt zu besiegen, sind Liebe, Respekt und jede Menge 5,56x45-mm-Munition.

Ich nenne sie nicht gerne die Überlebenden, denn sie werden nicht überleben – nicht, wenn wir etwas dazu zu sagen haben. Ich nenne sie lieber die „Kannibalen-Nazis aus den Vororten“, weil das treffender ist und weil ich mich dann, wenn ich sie so nenne, fühle, als würde ich in einem schlechten 80er-Jahre-Film leben.

Trotz dieses Krieges – oder vielleicht gerade deswegen, da er uns anspornt, Brücken zu anderen Gemeinschaften in unserer Region zu bauen – wachsen wir. Schnell. Ich glaube, schon bald werden wir uns aufteilen, aber absichtlich, in lokale Räte.

Sasha nennt die geplanten Räte immer wieder „Sowjets“, aber ich glaube, er macht nur Spaß, denn ich habe ein Buch über Machnowia gelesen, nach dem er seine Puppenhausstadt benannt hat, und das war ein Land von Anarchisten, die mit aller Kraft gegen die Bolschewiken und die Gründung der UdSSR gekämpft haben. Obwohl „Sowjet“ im Grunde genommen einfach nur „Rat“ bedeutet, wie sich herausstellt. Wir werden Räte einrichten und wir werden sie nicht Sowjets nennen. Die Räte werden aus einzelnen Wohnhäusern und Stadtvierteln und Arbeitsgruppen und Schulen und Arbeitsstätten gebildet (wir haben bereits ein paar Fabriken übernommen) und diese Räte werden ihre eigenen lokalen Entscheidungen treffen, um sich dann in einer Basis-Föderation zusammenzuschließen und die größeren Themen wie Verteidigung und Lebensmittelverteilung zu besprechen.

Das heißt, wir werden wahrscheinlich nicht mehr lange „Muppet Babies“ heißen. Den meisten neuen Mitgliedern gefällt der Name sowieso nicht. Ich glaube, ein Kern von uns wird an dem Namen festhalten, aber für eine Einheit der Territorialverteidigung. Wir brauchen diese Territorialverteidigung. Es ist die Apokalypse. Menschen sterben. Wir versuchen, diese wilde, verzweifelte Utopie aufzubauen, aber bei der aktuellen Rate an Krankheiten, Hungersnöten, Katastrophen und Konflikten werden die meisten von uns nicht alt werden.

Und ich ziehe dieser Tage in den Kampf, etwas, von dem ich nie gedacht hätte, dass ich es tun würde, aber es fühlt sich seltsam gut an, Puppen an meinen Schutzwesten zu schnallen und eine pastellfarbene Flagge mit dem Osterhasen darauf zu schwenken und zu singen: „Muppet Babies, wir lassen unsere Träume wahr werden / Muppet Babies, wir tun dasselbe für euch“, während ich gegen die kannibalischen Nazis in den Krieg ziehe, die aus den Vororten hereinströmen.

Quelle: „The End, Like Sand (post-apocalyptic fiction) or: How I Joined the Muppet Babies in the War Against the Cannibal Nazis From the Suburbs“ von Margaret Killjoy 29. Mai 2026

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Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]

Anmerkung: "MASS" ließe sich auch mit "eine ganze Menge" übersetzen, ebenso wie "Accord" eine Vereinbarung, Übereinkunft, ein Agreement ist. Zum Zwecke der besseren Lesbarkeit habe ich die Begriffe in ihrem Kontext unübersetzt gelassen.


DREIKLANG - Ausstellung mit Christine Bender, Johanna Teske und Uta Kamleiter

Der dreiteilige Slider zeigt neben Angaben zur Ausstellung und Vernissage je ein charakteristisches Bild der jeweiligen Künstlerin

Ausstellung mit Christine Bender, Johanna Teske und Uta Kamleiter

Vernissage: Do, 09.07.2026, 18 Uhr

Dauer: 09.07. – 28.08.2026

Öffnungszeiten:
Mo, Mi + Fr 8:30 – 13:00 Uhr
Di 8:30 – 13 Uhr + 14 – 16 Uhr
Do 8:30 – 13 Uhr + 14 – 18 Uhr

Bezirksrathaus Bad Cannstatt
Marktplatz 2, 70372 Stuttgart

Der Eintritt ist frei!

  • Christine Bender trägt Schicht um Schicht Farbe auf ihre Leinwände. Linien setzt sie dazu ein, dynamisch abstrakte Bildwelten zum Ausdruck zu bringen.

  • Johanna Teske zeichnet Geschichten ihrer Umgebung und begibt sich auf Spurensuche. Ihre Zeichnungen in Bleistift, Kohle und Aquarell verknüpfen gegenwärtige Momente mit Dokumenten der Vergangenheit.

  • Wie Fenster in eine andere Wirklichkeit sind die großformatigen Farbkompositionen von Uta Kamleiter. Mit matter pudriger Präsenz laden sie zum Innehalten ein."
Siehe Homepage Bund Bildender Künstlerinnen.

Johanna Teske schreibt zu ihrem Teil der Ausstellung:
"Und für diejenigen von Euch, die etwas mehr zu meinen Werken wissen wollen:

Seit einiger Zeit arbeite ich an einer Reihe größerer und kleinerer Auf-Zeichnungen, die für mich einen dokumentarischen und geschichtlichen Charakter annehmen.

Das heisst zum Einen, dass ich unterwegs „en plein air“ und daheim den Moment zeichnerisch, malerisch und teilweise schriftlich festhalte. Beim Spazieren, Wandern, im Urlaub und auf dem Balkon. Als Stillleben, Pflanzenportrait, Wetterstimmung und Landschaftszeichnung.

Gleichzeitig erforsche und zeichne ich gerade einen Teil unserer Geschichte: Die Verfolgung von mehreren Anarchosyndikalist*innen während des Nationalsozialismus im Südwesten Deutschlands und der Stuttgarter Umgebung. Ihre Spuren nehme ich anhand von Verhör- und Gerichtsprotokollen auf, wandere in Archive und Dokumentationszentren, finde persönliche Nachlässe mit Briefen und Erinnerungen und gehe weiter zu den Orten, an denen sie lebten, litten und überlebten.

Die geschichtlichen Funde webe ich in meine gegenwärtigen Momentbilder ein. So entstehen Bilder von Orten und Personen, die sowohl Bruchstücke und Spuren der Vergangenheit als auch meine Wahrnehmungen der Gegenwart enthalten.

Einen Teil dieser neuen Werke zeige ich im 3. Stockwerk der Dreiklang-Ausstellung.

Vielleicht sehen wir uns an der Vernissage oder während der Ausstellungszeit vor Ort? Gerne können wir uns auch vorab für ein Treffen verabreden! Einfach per Mail Anfragen!"



Kreuzberg ist nicht Hongkong

Das Tor zu SO 36 - das Neue Kreuzberger Zentrum (NKZ) am Kotti mit Transparenten zur revolutionären Stadtpartnerschaft  Ayacucho - Kreuzberg
Das Tor zu SO 36 - das Neue Kreuzberger Zentrum (NKZ) am Kotti
Foto: © Olaf Ramcke
Kreuzberg. Sehnsuchtsort, Mythos, Alltag, Idylle, Absturz, Experimentierfeld, Traum und Versprechen auf die Zukunft, Geldmaschine und Existenzangst. Eindrücke der ersten Jahre nach dem Mauerfall in Bildern festgehalten. Die Hauptstadt zieht erst einmal vorbei. Kreuzberg auf der Warteliste der Spekulant*innen und Skrupellosen. Verschnaufpause für kurze Zeit, dann werfen sie ihre Schlaglichter in die Straßen und Höfe des Bezirks. Aber das ist eine andere Geschichte…

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.
„Ich hatte Anfang der neunziger Jahre das Gefühl, das alles um mich herum – ob Kreuzberg, Berlin, die Menschen, ich sag mal das Flair, die Tage zu verbringen, zu leben und zu überleben, in den kommenden Jahren auf den Prüfstand kommt – die Logik des Kapitals wird auch nicht an diesem Fleckchen Erde vorbei ziehen. Und so bin ich los in meiner Freizeit, von der ich damals noch reichlich hatte, und hab fotografiert.

Da gab es häufig Begegnungen, die dauerten nur ein paar Minu­ten. Man hat sich auf der Straße getroffen, weil man sowieso in der gleichen Ecke wohnte. Manchmal haben die Leute selbst mich angesprochen, weil sie die alte Mittelformat-Kamera gesehen haben. Die ist von der Optik her ein bisschen auffälliger als die übli­chen Digitalen heutzutage. So kam ein Gespräch zustande und dann die Bil­der. Die Kinder waren sowieso immer neugierig. Meistens haben die Leu­te, die ich fotografiert habe, dann Abzüge gekriegt, ein, zwei Wochen später. Sie haben sich gefreut, weil sie gesehen haben, das sie nicht nur abgeknipst wurden. Mit manchen hat sich daraus ein jahrelanger Austausch entwickelt. Für mich war der Alltag viel interessanter und aufregender als die politischen Highlights, die meistens am Wochenende stattfanden und die dann schnell vorbei waren. Mit der Demo-Fotografie musste ich mich erst anfreunden, da hatte ich länger das Gefühl, mit der Kamera zu weit abseits zu sein. Mit der Zeit hatte ich aber auch daran meine Freude.

So sind über die Jahre eine Vielzahl von Aufnahmen entstanden, die die Menschen, ihre Geschichte, die Stadt und die Veränderungen zeigen. Nur ein Bruchteil dessen, was mir aufgefallen ist, hab ich als Bild festgehalten – einen kleinen Teil der Bilder seht ihr hier.“

– Olaf Ramcke –


Der Fotograf Olaf Ramcke ist in Berlin aufgewachsen. Seit 1992 ist er beim Umbruch-Bildarchiv.

Weitere Fotos im alten Bildarchiv (1980 - 2018)

Der anarchistische Partisan Ruslan Sidiki braucht einen neuen Anwalt - sein Anwalt wurde verhaftet!

Ich hatte letztes Jahr kurz hier und da über anarchistischen Widerstand gegen die russische Kriegsmaschinerie berichtet. Vor allem der Fall von Ruslan Sidiki schlug international hohe Wellen. Nun gibt es eine neue Entwicklung: Sein Anwalt wird gerade mit Repressionen überzogen. Hier die kurze Übersetzung des Textes "Anarchist partisan Ruslan Sidiki needs a new lawyer – his lawyer was arrested!"  und die Bitte, nach Möglichkeit zu helfen und oder das Thema zu teilen:

Der Anwalt von Ruslan Sidiki, Igor Popovsky, in Handschellen in einem Käfig vor Gericht
Der Anwalt von Ruslan Sidiki, Igor Popovsky
Der Anwalt Igor Popovsky, der den Anarchisten Ruslan Sidiki vertrat und eine Untersuchung seiner Foltervorwürfe beantragt hatte, wurde wegen „Betrugs in besonders großem Umfang“ festgenommen. Das berichtete das Medienportal „The Insider“ unter Berufung auf den auf Enthüllungen spezialisierten Telegram-Kanal „112“.

Dem Kanal zufolge behaupten die Ermittler, Popovsky habe von seinem Mandanten 6 Millionen Rubel erhalten, nachdem er versprochen hatte, durch Einflussnahme auf das Gericht und die Staatsanwaltschaft zur Einstellung des Strafverfahrens beizutragen.

Die Festnahme erfolgte kurz nachdem Ruslan Sidikis Fall an das Militärberufungsgericht verwiesen worden war, obwohl Popovsky noch am 19. Mai Kontakt zu ihm hatte. Schließlich wurde Popovsky laut Mediazona unter Hausarrest gestellt.

Igor Popovsky gehörte zu den wenigen russischen Anwälten, die offen die Anerkennung von Angeklagten in Sabotagefällen als Kriegsgefangene gemäß der Genfer Konvention forderten. Im Jahr 2024 reichte er bei den Ermittlern einen Antrag ein, in dem er sich auf die Behauptung der Staatsanwaltschaft bezog, Sidiki habe angeblich im Interesse des ukrainischen Geheimdienstes gehandelt, was es laut der Verteidigung ermöglichte, ihn als Kombattanten anzusehen. Zudem gelang es Popovsky, medizinische Unterlagen zu beschaffen, die darauf hindeuten, dass Sidiki nach seiner Festnahme gefoltert worden war, und er bestand auf einer Untersuchung dieser Umstände.

Das Anarchist Black Cross Moskau betrachtet die Verfolgung von Igor Popovsky als Rache der russischen Sicherheitskräfte, weil er Dinge öffentlich gemacht hat, die sie nicht ans Licht kommen lassen wollten.

Nun wird gegen einen der wenigen mutigen, von den Sicherheitsdiensten unabhängigen Anwälte ermittelt, während der inhaftierte Anarchist Ruslan Sidiki vor seiner Berufung ohne Rechtsbeistand dasteht.

Jetzt müssen wir Geld für einen neuen Anwalt für Ruslan sammeln.

Das Foto zeigt Ruslan Sidiki im Käfig vor Gericht
Ruslan Sidiki im Käfig vor Gericht
In den letzten Monaten gab es fast keine öffentlichen Entwicklungen in seinem Fall: Der Termin für die Berufungsverhandlung steht immer noch nicht fest, die Verwaltung der Haftanstalt schränkt Ruslans Zugang zu Büchern und der Presse weiterhin ein, und statt seine Foltervorwürfe ordnungsgemäß zu untersuchen, findet ein bürokratisches Hin und Her zwischen dem Untersuchungsausschuss und der Staatsanwaltschaft statt. Entscheidungen, die die Einleitung eines Strafverfahrens ablehnen, wurden bereits dreimal aufgehoben, doch die Verantwortlichen wurden immer noch nicht zur Rechenschaft gezogen.

Deshalb ist die regelmäßige Arbeit des Anwalts gerade jetzt besonders wichtig. Unter den Bedingungen in der Haftanstalt ist ein Verteidiger nicht nur jemand, der Beschwerden und Berufungen vorbereitet. Er ist die einzige Person, die Ruslan regelmäßig und ungehindert besuchen, vertraulich mit ihm sprechen, Informationen von ihm ohne Zensur durch die Haftanstalt erhalten und schnell reagieren kann, falls der Druck gegen ihn zunimmt.

Briefe können blockiert werden. Bücher werden vielleicht nicht zugestellt. Zeitungen können „verschwinden“. Aber der Besuch eines Anwalts kann nicht einfach durch eine Verwaltungsentscheidung unterbunden werden. Für einen Gefangenen, der bereits nach seiner Festnahme gefoltert und während der Haft bedroht wurde, ist diese Verbindung zur Außenwelt eine Frage der Sicherheit.

Aktuelle Nachrichten über die Folter von Azat Miftakhov in der Strafkolonie IK-18 in Kharp zeigen einmal mehr, wie gefährlich die Situation werden kann, wenn ein politischer Gefangener allein gegen das System steht. Öffentliche Aufmerksamkeit, Briefe, Unterstützung und regelmäßiger Zugang zu einem Anwalt verhindern die völlige Isolation. Das ist zwar keine Garantie gegen Gewalt, aber es ist eine der wichtigsten Möglichkeiten, das Risiko von Misshandlungen zu verringern und schnell zu erfahren, wenn es dazu kommt.

Vor der Verhaftung von Popovsky waren 210.000 Rubel (ca. 2400 Euro) für drei Monate Anwaltskosten erforderlich, doch nun könnten die Kosten steigen.

Unterstütze Ruslan auf jede erdenkliche Weise. Selbst eine kleine Spende hilft dabei, eine regelmäßige Rechtsverteidigung und den Kontakt zu ihm aufrechtzuerhalten.

Spenden in Rubel über die Plattform „Zaodno“

Für Überweisungen in anderen Währungen:

IBAN: LT36 3250 0986 4982 1011

BIC: REVOLT21

Karteninhaber: Anastasiia Bogdanova

PayPal: firesoffreedom@protonmail.com (mit dem Vermerk „für Sidiki“)

Kryptowährung:

Bitcoin: bc1qx63u6p0tlqd40hpcgeln7sksy2hgm0gekgpw8s

Ethereum: 0xE8A926f292272391707ed1A7b55Db1466F0c0993

Litecoin: LVxHRweSkkwkNHxY432U2swpEUAMWupsrP

USDT (ERC20): 0xE8A926f292272391707ed1A7b55Db1466F0c0993

Monero: 47AqYo1kkbWYeypvDTrNtcBAKPJaHXRNjQsdRhrBm6SNVffeRLfadrqXoQ2FHgPiud6T3vLB5VjS2QKJM9MnZVJJJ8cV9tw

Wenn du Kryptowährung spendest, um Ruslan Sidiki zu unterstützen, schreib uns bitte eine E-Mail an: firesoffreedom@protonmail.com

Das Soli T-Shirt, getragen von einer blonden Person
Soli T-Shirt
Eine weitere Möglichkeit, Ruslan zu unterstützen, ist die Bestellung eines T-Shirts mit einem Aufdruck, der auf seinen Kunstwerken basiert. Der gesamte Erlös aus dem Verkauf der Merchandise-Artikel fließt in die Unterstützung des Gefangenen.

Der Versand der T-Shirts erfolgt aus Deutschland, und eine Lieferung ist fast überallhin auf der Welt möglich. Aus Sicherheitsgründen versenden wir T-Shirts mit diesem Aufdruck jedoch nicht nach Russland oder Weißrussland.

Über die T-Shirts:

▫️ Farben – rosa und weiß

▫️ Größen von XS bis 3XL

▫️ Material: 100 % Bio-Baumwolle. Die Produkte sind von PETA (vegan) zertifiziert, und der Hersteller ist Mitglied von Fair Wear.

▫️ Preis — 20 € + Versand

Möchtest du eine Bestellung aufgeben? Fülle das Formular aus, und wir melden uns innerhalb weniger Tage bei dir.

Adresse für Briefe:

391999, Region Rjasan, Rjashsk, Krasnaja-Straße 1a, SIZO-2

Sidiki Ruslan Kasemovich, geboren 1988

Briefe können auch über den Dienst PrisonMail.Online verschickt werden, Anleitung zum Ausfüllen des Formulars:

Region: Oblast Rjasan

Gefängnis: Untersuchungsgefängnis-2 Rjasschsk

Nachname des Gefangenen: Сидики

Vorname des Gefangenen: Руслан

Zweiter Vorname des Gefangenen: Касемович

Geburtsjahr des Gefangenen: 1988

Anarchist Black Cross Moskau

Die Kontaktadressen aller Gefangenen in Russland, die vom Anarchist Black Cross Moskau unterstützt werden, findest du hier. Wenn du für einen bestimmten Gefangenen oder Fall spenden möchtest, kontaktiere uns bitte vorher per E-Mail, um sicherzustellen, dass die Unterstützer des Gefangenen oder Falls derzeit Spenden sammeln; unsere E-Mail-Adresse ist dieselbe wie die des angegebenen PayPal-Kontos. Wir sind auf Telegram und Facebook vertreten, du kannst dich hier für unseren E-Mail-Newsletter anmelden.

Die schönsten Attentate des letzten Jahrhunderts Nr. 12: Severino Di Giovanni vs. Faschismus

Schwarzweiss Foto von Severino di Giovanni (1920)
Severino di Giovanni (1920)

Der Anarchist Severino Di Giovanni verübte am 23. Mai 1928 einen Bombenanschlag auf das italienische Konsulat in Buenos Aires, um gegen die italienische Diktatur zu protestieren. Er tat dies, weil die Faschisten im Exil lebende italienische Antifaschisten ermordeten. Bei dem Anschlag kamen neun Menschen ums Leben und vierunddreißig wurden verletzt. Zuvor hatte er 1926 einen Anschlag auf die US-Botschaft in Buenos Aires verübt, weil ein US-Gericht Sacco und Vanzetti zum Tode verurteilt hatte. Außerdem sprengte er unter anderem eine Statue von George Washington, die Citibank und die Bank of Boston in die Luft. Einmal plante er sogar, Herbert Hoover zu ermorden.

Viele der führenden Anarchisten jener Zeit kritisierten seine Bombenanschläge, weil sie dachten, die Gegenreaktion würde einen faschistischen Putsch in Argentinien begünstigen.

Rage Against the Machine - Live At The Democratic National Convention 2000


KI funktioniert nicht und wir alle wissen, dass sie nicht funktioniert, oder: Warum ich KI nicht mag

Ich habe auf „Cool People Who Did Cool Stuff“ eine Serie über die Geschichte der Schadensminderung verfasst, und eines der wichtigsten Bücher, auf die ich mich dabei gestützt habe, ist Fighting for Space von Travis Lupick.

Ich führe eine Liste mit Buchempfehlungen bei der von den Mitarbeitern und Queers geführten Buchhandlung Firestorm, und ich bekomme zwar eine Provision für alle Bücher, die ihr über meine Empfehlungen kauft, aber ihr bekommt auch 10 % Rabatt und unterstützt damit eine Buchhandlung, die zudem ein wichtiger Teil der Infrastruktur der Bewegung ist.

In diesem Beitrag geht es um KI, und ich empfehle euch den Podcast „Better Offline“ von Ed Zitron, meinem Kollegen bei Cool Zone Media, der ausführlich und mit großer Begeisterung über die wirtschaftlichen Aspekte von KI spricht.

KI funktioniert nicht und wir alle wissen, dass sie nicht funktioniert


Die KI Grafik zeigt Leiterbahnen undn Lötpunkte als Synonym für elektronisch / künstlich in einem Gehirnähnlichen Umriss, der in verschiedenen Blau/Weißverläufen eingefärbt ist
Mit KI erzeugte Grafik über KI
Quelle: JPxG - DALL-E 3
Gemeinfrei
Letzte Woche wurden bei einer Gruppe von Hochschulabsolventen, die über die Bühne gingen, um ihre Diplome entgegenzunehmen, ihre Namen nicht aufgerufen. Denn die Universität hatte die Aufgabe, ihre Namen vorzulesen, an eine KI ausgelagert. Und KI funktioniert nicht.

Hätten diese Absolventen mit derselben Effizienz wie KI gearbeitet, wären sie keine Absolventen.

Die Gesellschaft ist dabei, sich um ein Werkzeug herum neu zu strukturieren, das einfach nicht funktioniert. Wir alle wissen, dass es nicht funktioniert. Wenn du eine Brücke bauen müsstest, würdest du keinen Bauingenieur beauftragen, der es nur in etwa 70 % der Fälle richtig macht. Du würdest kein Geschichtsbuch lesen, das zu 30 % Fiktion ist, aber dir nicht verrät, welche 30 %. Du solltest dich nicht mit jemandem verabreden, der dir immer sagt, dass du Recht hast, und der dich mit einem Lächeln auf den Lippen anlügt.

Mein Großvater war Schiffsbauingenieur bei der US-Marine und hat im Zweiten Weltkrieg gekämpft, und ich spreche oft von ihm, weil ich ihn ständig vermisse, und er lachte immer und sagte „gut genug für die Arbeit der Regierung“, wenn etwas gut genug, aber nicht perfekt war. Also sagt mein Vater das jetzt, und ich sage es auch. Aber… es ist ein Witz. Jedes Mal, wenn mein Großvater ein Schiff entwarf, fuhr er damit in die schlimmsten Stürme, die er finden konnte, stellte sich auf das Deck und trotzte dem Wetter, denn warum sollte er etwas bauen, von dem er nicht glaubte, dass es gut genug war?

Elon Musk würde nicht in eine von Grok entworfene Rakete zum Mars steigen, aber ich bin mir sicher, er wäre nur zu gerne bereit, dich und mich darauf zu setzen.

Die Kapitalisten und Autoritären, die diese Welt regieren, sind nur allzu gerne bereit, uns alle durch Roboter zu ersetzen, die ständig Mist bauen – denn sie nehmen lieber schlampige Arbeit in Kauf, als Menschen zu bezahlen.

Das ist schlimm, und ich bin wütend, und du solltest auch wütend sein.

Ich habe gesehen, wie Menschen, die mir am Herzen liegen, auf KI-Wahnvorstellungen hereingefallen sind und glaubten, mit Hilfe von KI bahnbrechende Forschung zu betreiben. Mein Kollege Robert Evans hat eine hervorragende Serie von Podcast-Episoden darüber gemacht, wie KI letztendlich die Methoden von Sektenführern nachahmt, um ihre Nutzer davon zu überzeugen, dass sie Genies sind.

Es ist ein neues Buch von diesem zweitklassigen Journalisten erschienen, der vielleicht nicht immer ein zweitklassiger Journalist war, aber dank seiner Abhängigkeit von KI zu einem geworden ist. Das Buch heißt „The Future of Truth: How AI Reshapes Reality“ und jeder, der an der Veröffentlichung beteiligt war, sollte gefeuert werden. Es ist ein Buch darüber, wie, na ja, KI die Realität umgestaltet. Aber es wurde mit „Forschungshilfe“ durch KI geschrieben, und die New York Times hat aufgedeckt, dass es falsche Aussagen enthält, die echten Menschen zugeschrieben werden, die aber von der KI halluziniert wurden. Der Autor behauptet, ein Experte für das Thema „Wahrheit“ zu sein, doch als er das Problem einräumte, gab er zu, dass das Buch „synthetische“ Zitate enthalte.

Lügen. Es enthält Lügen.

Wenn ich in meinem Podcast Zitate komplett erfinden und sie echten Menschen zuschreiben würde, würde ich aus triftigem Grund gefeuert werden.

Ich bin bei meinen Kollegen schon lange unbeliebt wegen meiner kompromisslosen Ethik in Sachen Wahrhaftigkeit. Ich glaube nicht, dass es ethisch ist, jemanden anzulügen, den man nicht schlagen dürfte. Man muss nicht immer Fragen beantworten und kann ausweichend reagieren, aber wenn man jemandem etwas erzählt, das nicht wahr ist, verzerrt man dessen Realitätssinn. Man tut das, um dessen Denken und Verhalten zu kontrollieren. Genauso wie wenn man jemanden schlägt.

Man muss aber bedenken, dass ich Gewalt in vielen Situationen für völlig akzeptabel halte. Wenn jemand versucht, Macht über dich auszuüben, ist Lügen zur Selbstverteidigung oft sicherer und effektiver als der Rückgriff auf Gewalt. Oder um es ganz klar zu sagen: Es ist ethisch, Polizisten zu schlagen – es ist nur meistens nicht strategisch klug.

Ich glaube fest an den Wert der Wahrheit. Wenn ich über die Haymarket-Anarchisten von Chicago in den 1880er Jahren lese – jene Einwanderer und der ehemalige Sklave, die die moderne Arbeiterbewegung aufbauten –, fällt mir auf, wie jede Quelle ihre schockierende Ehrlichkeit und Offenheit hervorhebt.

Mir wurde gesagt, es sei eine neurologische Besonderheit von mir, dass ich in Bezug auf Lügen so „gerechtigkeitssensibel“ bin, und es macht mich traurig, mir vorzustellen, dass meine Haltung vielleicht kein Mainstream-Wert ist. Aber die Tatsache, dass wir die Kontrolle über unsere Gesellschaft an Lügenmaschinen abgeben, ist einfach das Dystopischste, was ich mir vorstellen kann.

Wasserhungrige, machthungrige Maschinen werden gebaut, während das Wetter wärmer wird, während Energie knapper wird, während Wasser noch kostbarer wird. Es kommt mir im Grunde wie ein Sakrileg vor, dass unsere Herrscher diesen falschen Maschinengöttern endlose Mengen Wasser opfern, dass unsere Herrscher das Wasser opfern, das wir für unsere Ernten und unseren Körper brauchen.

Die Leute, die diese Maschinen gebaut haben, bieten uns nicht einmal eine Utopie als Gegenleistung an. Sie bieten uns Vertreibung an, sie bieten uns Enteignung an. Sie bieten uns Entlassungen und Armut und Hungersnot an, und sie versprechen uns im Grunde, dass wir dank ihrer Maschinen weniger intelligent werden können, dass uns die Plackerei erspart bleibt, schöne Dinge zu erschaffen und erfüllte Leben zu führen. Und anstatt miteinander über unsere Probleme zu reden, dürfen wir jeder mit einem kriecherischen Maschinen-„Freund“ sprechen.

Ich glaube nicht an Verschwörungen, außer an die, die sich als wahr erwiesen haben (und die erweisen sich meist schnell genug als wahr). Ich glaube eigentlich nicht, dass die Reichen gemeinsam planen, uns alle einfach umzubringen, nachdem wir überflüssig geworden sind.

Aber ich vermute, keinem von ihnen würde es etwas ausmachen, wenn genau das passieren würde.
Das Ganze ist für mich sehr frustrierend, zum Teil, weil ich kein Technikfeind bin. Ich halte Brillen und Antibiotika für zwei der besten Errungenschaften der Menschheit, und ich habe denselben Stolz empfunden wie alle anderen (keinen Nationalstolz, sondern Stolz auf die Menschheit), als Artemis den Mond umkreiste.

Es gibt „Machine-Learning“-Aufgaben, die mich nicht stören. Mein Problem mit Google Maps hat weitaus mehr mit Überwachung zu tun als mit „KI“. Ich hasse ein Programm zur Grammatikprüfung nicht grundsätzlich (obwohl Autocomplete und Autokorrektur den menschlichen Ausdruck auf eine Weise einschränken, die sich auf die Entwicklung der Sprache auswirken wird, da bin ich mir sicher).

Ich wäre vollkommen glücklich, wenn ich einen Computer-Forschungsassistenten à la Star Trek hätte, jemanden, den ich fragen könnte: „Wie viele Menschen lebten während der protestantischen Reformation offen in homosexuellen Paaren in Deutschland?“ oder so einen Quatsch, und einen Computer all das menschliche Wissen durchkämmen lassen könnte, das jemals zu Papier gebracht wurde (naja, in Bits und Bytes), und mir eine Antwort geben lassen.

Aber KI macht das nicht. Sie kann es funktional nicht. Weil sie nicht denkt. Sie ist eine ausgeklügelte Autovervollständigung, die speziell darauf ausgelegt ist, uns davon zu überzeugen, dass sie zu eigenständigem Denken und Forschen fähig ist. Sie ist nicht darauf ausgelegt, alle Quellen zu durchforsten und eine richtige Antwort auszuspucken, sondern uns davon zu überzeugen, dass sie das getan hat.

Wenn ich einen Forschungsassistenten einstellen und ihm eine Frage stellen würde und er mir eine unvollständige Antwort geben würde, könnte ich das akzeptieren. Wenn ich einen wissenschaftlichen Mitarbeiter einstellen und ihm eine Frage stellen würde und er mit einer bizarren Mischung aus Wahrheit und Dingen zurückkäme, die er sich einfach aus den Fingern gesogen hat, würde ich ihn feuern.

Studenten, die Quellen erfinden, werden zu Recht des Betrugs bezichtigt. Doch wenn KI das tut, akzeptieren wir es?

Die Folgewirkungen davon sind unkalkulierbar (obwohl du eine KI bitten könntest, sie trotzdem zu berechnen, wenn dir falsche Informationen nichts ausmachen). Da immer mehr Informationen im Internet von KI generiert werden, wird es immer schwieriger, Fakten von Fiktion zu unterscheiden. KI wird sich zunehmend von KI selbst ernähren, und bald wird sie sich immer weiter von jeglicher Kohärenz entfernen.

Wie Cory Doctorow es formulierte: „KI ist das Asbest, das wir in die Mauern unserer Gesellschaft schaufeln, und unsere Nachkommen werden es über Generationen hinweg wieder herausgraben.“
Die Ludditen-Bewegung des frühen 19. Jahrhunderts war eigentlich keine antitechnologische Bewegung an sich, sondern eher eine Arbeiterbewegung. Qualifizierten Arbeitern wurden ihre Arbeitsplätze durch Automatisierung weggenommen, und die Textilarbeit verlagerte sich von der Werkstatt (der „Heimindustrie“, die buchstäblich in einer Hütte stattfand) in die Fabrik. Die Menschen wechselten von einem selbstbestimmten Leben zu einem Leben, in dem sie selbst wie Rädchen in einer Maschine arbeiten mussten.

Also lehnten sich die Menschen in großem Stil auf und kamen dem Sturz des frühen kapitalistischen Systems nahe.

Die Ludditen inspirieren mich unendlich. Aber die Sache ist die: diese automatischen Webstühle? Zumindest diese Dinger, so teuflisch sie auch waren, funktionierten tatsächlich. Was auch immer ihre negativen Auswirkungen auf die Gesellschaft waren, sie automatisierten tatsächlich und effektiv die Textilproduktion.

KI funktioniert nicht. Sie kann nicht einmal zu einem allmächtigen Maschinengott werden, der uns alle regiert, sei es wohlwollend oder böswillig, denn sie ist nicht bewusst und sie denkt nicht.

KI-Entwickler erzählen uns immer wieder, dass sie alle Fehler ausbügeln werden und dass KI eines Tages das erreichen wird, was sie heute vorzugeben vorgibt. Das bezweifle ich. Sie scheint strukturell unfähig zu sein, das zu tun, was ihr versprochen wird.

Wozu KI fähig ist, ist das, was sie bereits tut: qualifizierte Arbeitskräfte durch gerade noch ausreichend gute Automatisierung zu ersetzen. KI ist fähig, Menschen vorzugaukeln, sie würde helfen. KI ist fähig, unsere Fähigkeit zum kritischen Denken zu schwächen. KI ist fähig, Kunst (die von Natur aus Ausdruck ist) durch hohle Nachahmungen zu ersetzen.

Die Probleme der KI reichen tiefer als nur die Frage „Wer wird in einer Ära der KI noch Illustratoren einstellen?“, obwohl das allein schon eine wichtige Frage ist. Die Probleme reichen so tief, wie es nur geht. KI ist eine existenzielle Bedrohung, und zwar nicht in dem Sinne, dass „sie zu einem empfindungsfähigen Wesen wird und uns alle vernichtet“, sondern in dem Sinne, dass „KI für militärische Zielerfassung genutzt wird“, dass „KI das Bildungswesen zerstört“ und dass „KI eine Blase ist, die platzen und die Weltwirtschaft zum Einsturz bringen wird“.

Aber es gibt Hoffnung.

Und diese Hoffnung sieht so aus, wie Studenten, die Redner ausbuhen, die versuchen, ihnen KI schmackhaft zu machen, und sie sieht so aus wie die massive und erfolgreiche Bewegung gegen Rechenzentren, die einen geplanten Standort nach dem anderen zur Schließung zwingt.

Und diese Hoffnung könnte bald wie eine militante Neo-Ludditen-Bewegung aussehen. Und nach den Schildern zu urteilen, die ich im ländlichen Amerika sehe, könnte diese Bewegung parteiübergreifend sein oder werden. Oder besser gesagt, es könnte eine Klassenbewegung sein, der Arbeiterklasse, ungeteilt durch Fragen des Kulturkriegs, die gegen die herrschende Klasse kämpft.

Wenn dem so ist, bin ich dabei.

Quelle: „AI Doesn't Work and We All Know it Doesn't Work or: why I don't like AI“ von Margaret Killjoy 20. Mai 2026

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung, Ergänzung des Links zu Margarets Podcast und zu den Ludditen: Thomas Trueten [Autorisiert]

Berlin: Protest gegen Tag der Immobilienwirtschaft

Das Foto von © neukoellnbild zeigt mehrere Personen an einem Transparent mit dem Text: "Stop - Wohnen darf keine Ware sein!" Eine Person trägt eine Papptafel mit dem Text "Unser Zuhause ist nicht Euer (Bild eines Scheißhaufens) Eigentum". Eine weitere Person trägt eine Plakattafel mit dem Mobiplakat zur Demo am 5.9.
Foto: © neukoellnbild via Umbruch Bildarchiv
Am 19. Mai traf sich die Immobilienlobby im Berliner Admiralspalast zum sogenannten „Tag der Immobilienwirtschaft“ des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA). Der ZIA steht dabei exemplarisch für eine Branche, die wie keine andere für steigende Mieten, Verdrängung und Gentrifizierung steht und sich frecherweise zugleich als Teil der Lösung inszeniert.  Während drinnen Vertreter*innen von Konzernen, Fonds und Politik über den Wohnungsmarkt diskutierten, demonstrierten vor dem Admiralpalast Aktivist*innen vom Bündnis gegen Mietenwahnsinn und anderen stadtpolitischen Gruppen. Der Protest ist Teil der Mobilisierung für eine große Demo vor den Wahlen am 5. September unter dem Motto: Her mit den Wohnungen – runter mit den Mieten.

Zu den Fotos beim Umbruch Bildarchiv.

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