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»Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.« Einstein

Blogkino: Britannia (1978)

Heute zeigen wir im Blogkino mit Filmen zum Thema Ⓐnarchismus einen Kurzfilm des hierzulande nahezu unbekannten britischen anarchistischen Regisseurs John Samson. Samson (1946 - 2004) war ein außergewöhnlicher britischer Filmemacher. Samson wurde als Teenager in Ayrshire, Schottland, geboren und zog nach Paisley außerhalb von Glasgow, wo er die prägenden Jahre seines Lebens verbrachte. Mit 16 Jahren verließ Samson die Schule und nahm eine Lehre in den Werften von Clyde an, um in einem Ingenieurbüro Präzisionswerkzeugbau zu lernen. Samson wurde schnell als Sprecher in den ersten Lehrlingsstreik in Glasgow involviert und half dabei, Besuche von Glasgow-Lehrlingen auf anderen Werften in England zu organisieren, um Solidarität auf den britischen Inseln zu demonstrieren.

Ungefähr zu dieser Zeit begann Samson, sich mit der anarchistischen Bewegung zu beschäftigen, trat dem "Komitee der 100" bei und nahm an einer Reihe von Protesten gegen die nukleare Abrüstung teil, darunter Holy Loch im Jahr 1961, wo er zusammen mit 350 anderen verhaftet wurde, weil er gegen die Anwesenheit eines US-Atom-U-Bootes demonstriert hatte.

Als Samson 1963 seine Frau Linda traf, die zu dieser Zeit Malerei an der Glasgow School of Art studierte, gab er seine Ausbildung auf und schloss sich einer Bohème an, der Künstler, Schriftsteller und Musiker angehörten. Er brachte sich selbst Gitarre bei, nahm Standbilder auf und begann in den frühen 70ern Filme zu machen.

Diese Erfahrungen - Samsons Wurzeln in der Arbeiterklasse, sein leidenschaftliches Interesse an radikaler Politik und Bohème - haben eine lebenslange Faszination für Einzelpersonen und Gruppen am Rande der Gesellschaft ausgelöst. Wenn es möglich ist, so etwas wie ein einzigartiges Thema oder eine Erzählung in Samsons Filmen aufzugreifen, dann ist es genau das: Seine Themen sind Außenseiter, Menschen mit ungewöhnlichem Leben und Obsessionen, Grenzfiguren, die nicht genau mit den normativen Modellen übereinstimmen für Identität und Verhalten, die von der zeitgenössischen Kultur propagiert werden.

Zum Film: Eine Gruppe von Freiwilligen arbeitet an der Restaurierung einer alten Lokomotive. Der poetische Dokumentarfilm greift das Thema der Auferstehung stark auf, während Britannia wie ein Phönix aus der Asche seiner trostlosen Ruhestätte aufsteigt.

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