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»The boundaries which divide Life from Death are at best shadowy and vague. Who shall say where the one ends, and where the other begins?« Edgar Allan Poe

Ein Weihnachtslied...

Erich Mühsam - Weihnachtslied (1925)



O Tannenbaum, o Tannenbaum -

sechs Zweiglein sind dein Alles.

So klein und dürr - man sieht dich kaum;

du hast in einem Stiefel Raum.

O Tannenbaum, o Tannenbaum, du Sinnbild unsres Dalles!



O Weihnachtsmann, o Weihnachtsmann -

du gehst vorbei ins Weite.

Hast ein zerfetztes Röcklein an,

bringst nichts, was Kinder freuen kann.

O Weihnachtsmann, o Weihnachtsmann,

auch dein Geschäft ist pleite.



O stille Nacht, o heilige Nacht -

in ungeheizter Stube!

Das Christkind hat sich fortgemacht.

Es schläft das Recht, die Feme wacht.

O stille Nacht, o heilige Nacht,

o Wulle und o Kube!



O Friedensfest, o Liebesfest -

in Not und Angst Millionen!

Und wer sich's nicht gefallen lässt,

den setzt die Republike fest.

O Friedensfest, o Liebesfest -

beim Rumfutsch oder Bohnen.



O Weihnachtszeit, o selige Zeit -

es hungern selbst die Flöhe. -

Doch ob nach Milch der Säugling schreit,

der Stahlhelmbund steht putschbereit. -

O Weihnachtszeit, o selige Zeit -

Hosianna in der Höhe!

Gefunden beim Luxemburger Anarchisten
cronjob