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„Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ Theodor W. Adorno, Minima Moralia

Göppingen: NPD Aufmarsch am 23.9.2006 verhindern - Erfahrungen von 1998, Teil 2

Ergänzend zum ersten Teil der Erfahrungen von 1998 hier noch eine Dokumentation verschiedener Aufrufe von 1998, zusammengestellt und dokumentiert von nadir.org.

WIR BLASEN DEN NAZIS DEN MARSCH !!!

MIT SCHMACKES !!!

KEINE NPD - VERANSTALTUNG IN GÖPPINGEN UND ANDERSWO !!!

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Die NPD, der Aufmarsch und warum wir Freiheit wollen


Zur geplanten NPD - Demonstration in Göppingen

Die neofaschistische NPD ruft für Samstag, den 5. September 1998 zu einer
Grossdemonstration in Göppingen auf. Vollmundig phantasiert sie von
mehreren hundert TeilnehmerInnen. Die Frage eines Journalisten, warum
ausgerechnet Göppingen für den Aufmarsch gewählt wurde, beantwortete
Lars Käppler (Mitglied des NPD - Landesvorstands) mit dem "riesigen
Potential an jungen Leuten, das es einzugliedern gilt".
Die NPD will also der Göppinger Fascho - Szene ein grosses Spektakel
spendieren, um die hoffnungsvollen Jungnazis enger an die NS - Partei
zu binden.

Die NPD und ihre Zöglinge sollen ihr Spektakel erhalten. Allerdings
eines, an das sie sich noch in Jahren nur unter grossen Bauchschmerzen
erinnern werden...

Dazu gilt es jedoch, sich ihnen entschlossen entgegenzustellen.
Wir werden ihnen nachdrücklich und mit allen notwendigen Mitteln
verdeutlichen, dass sie in Göppingen und anderswo nichts verloren
haben.
Die neofaschistische NPD : Vom Altnaziverein zur Sammlungsorganisation

Die NPD wurde 1964 u.a. als organisatorische Plattform für ehemalige
NS - AktivistInnen gegründet. Bei den Bundestagswahlen 1969 scheiterte
die Partei knapp an der Fünfprozentklausel. Aus der darauffolgenden
Resignation resultierte ein Zerfallsprozess, der bis Ende der 80er
andauerte. Danach wurden mit der DVU kleinere Erfolge erzielt, das Bündnis
scheiterte jedoch. Mit der Wahl des entlassenen Gymnasiallehrers Günther
Deckert zum Bundesvorsitzenden 1991 wurde der entscheidende inhaltliche
Umschwung vollzogen : der Wandel von der "Wahl".- zur "Kampfpartei"
beinhaltete u.a. den offenen Schulterschluss mit der gewaltbereiten
Nazi - Szene.

Im März 1996 übernahm dann der ehem. Bundeswehrhauptmann Udo Voigt
das Parteiruder. Wesentlich geschickter als Deckert versteht er es
seither, die unterschiedliche Klientel zu integrieren, die Bündnispolitik
zeigt mehr und mehr Erfolg.

Die Jugendorganisation der NPD, die Jungen Nationaldemokraten (JN),
hat sich bereits seit längerem in Richtung des neonazistischen Lagers
innerhalb der extremen Rechten positioniert. Nach den
Organisationsverboten seit 1992 haben dort zahlreiche Kader und
MitgliederInnen der verbotenen Nazigruppierungen ein neues Betätigungsfeld
gefunden.

Die NPD / JN stellt sich gerne an die Spitze von fraktionsübergreifenden
Projekten des NS - Spektrums, wie z.B. den sog. "Rudolf - Hess -
Gedenkmärschen".
Und so liefern JN und NPD den bundesweiten Rahmen für Aktionen und
Öffentlichkeitsarbeit, der Sicherheit vor neuen Verboten verspricht.

(...)

Naziübergriffe in Göppingen - ein paar Beispiele aus den letzten Wochen

- Im April wurde ein Punk von zwei Faschos mit Baseballschlägern
angegriffen. Er konnte entkommen, sah sich jedoch kurz darauf im
Oberhaufenpark mit 3 weiteren Faschos konfrontiert, die ihn angriffen
und ihm eine abgebrochene Bierflasche durch das Gesicht zogen.
Er musste mit Schädelverletzungen ins Krankenhaus, wo er auch genäht
wurde.

- Ende April wurden zwei Leute vor der Kreissparkasse von Faschos
angemacht. Die zwei liessen sich nicht provozieren und gingen weiter.
Am Taxistand brachten die Faschos einen der beiden zu Fall und traten
mit Stiefeln auf ihn ein.

- Am 9.Mai wurde abends am ZOB ein "links" aussehender Typ von einer
Handvoll Faschos angegriffen. Viel Zeit blieb ihnen allerdings nicht,
denn schon nach kurzer Zeit kamen ein paar Menschen dazu, die den
Spiess herumdrehten, so dass die Faschos flüchten mussten.

- Anfang Juli griffen vier Faschos im Stadthallenpark drei Leute an.
Eine Person musste mit Schädelverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert
werden, einem Punk wurde der Iro abgeschnitten und anschliessend wurde
er mit dem Kopf immer wieder in einen Brunnen getaucht, bis er fast
erstickte.

- Am 17. August wurde ein obdachloser Mensch von Faschos angegriffen
und am Kopf verletzt.


Diese Mischung aus rechtsorientierter Gewalt und ideologischem Überbau
stellt ein gefährliches Potential dar, welches durch den Aufmarsch
entscheidend begünstigt würde.

Dies werden wir unter keinen Umständen zulassen !

Wir werden entschlossenen Widerstand leisten und uns dabei auch nicht
in "gute" und "böse" AntifaschistInnen spalten lassen


Wir lassen uns in unserer Wut jedoch auch nicht den Blick darauf trüben,
was rechte Positionen betreffend den Grossteil der gesellschaftlichen
Realität ausmacht: Nicht etwa das militante Potential der NPD oder die
Wahlerfolge der DVU, sondern eine rechte menschenfeindliche Politik und
Praxis, die ihre Basis in der sogenannten "Mitte der Gesellschaft"
verortet.

Dies drückt sich aus:

• In einer "Asylpolitik", die darauf angelegt ist, MigrantInnen gar nicht
mehr ins Land kommen zu lassen (Drittstaatenregelung) und wenn sie es
doch schaffen, mittels einer unmenschlichen Behandlung
(Asylbewerberleistungsgesetz , etc.) zu terrorisieren.
Und sollte dies nicht ausreichen, besorgt die offene Repression der
Abschiebepraxis den Rest


• In einer Politik der "inneren Sicherheit" , die MigrantInnen zu
Kriminellen stigmatisiert, gesellschaftliche Randgruppen und finanziell
arme Menschen, die nicht ins Bild der konsumkräftigen Käuferschicht
passen, aus den Innenstädten vertreibt, (z.B. "Aktion Sommerwind"
der Polizei in der Göppinger Innenstadt)


• In einer Sozialpolitik, die nach dem Zusammenbruch des sozialistischen
Staatenbundes ihre Feigenblattfunktion verloren hat und folglich einfach
demontiert wird. Die sogenannte "ökonomische Globalisierung" bietet
einem nun vollkommen unbändigen Kapitalismus die Möglichkeit, die in den
verschiedenen Ländern lebenden Menschen auf bisher unbekannte Art und
Weise gegeneinander auszuspielen.


• In einer Politik, die einen praktischen Antifaschismus aus der
Gesellschaft selbst kriminalisieren und verbieten will und gleichzeitig
die kulturelle Vorherrschaft der Nazis in weiten Teilen der Republik
mit Projekten wie "Akzeptierender Jugendarbeit" subventioniert.

Dies sind nur einige Beispiele, da der Anlass dieses Flugblatts der
Aufmarsch der NPD ist. Die Ursachen des Übels jedoch werden wir nicht
vergessen.

Wir wollen nicht nur ein Stückchen, wir wollen den ganzen verdammten
Kuchen !

Das beinhaltet für uns, dass jeder Mensch leben kann, wo er/sie will.
Kein Mensch ist Illegal. Wir wollen, dass niemand für des anderen Profit
arbeiten muss, wir wollen eine Selbstorganisation des Zusammenlebens ,
eine Gesellschaft, in der Menschen für andere Menschen aus freien Stücken
Verantwortung übernehmen. Autonomie bedeutet für uns den Abschied von
Hierarchie und Autorität. Wir wollen eine Gesellschaft, die nicht von
Männern und Frauen, zwischen Menschen verschiedener Hautfarbe.
Schluss mit Ausbeutung und Unterdrückung, her mit Freiheit und
Selbstbestimmung !

Es gibt tausend gute Gründe AntifaschistIn zu sein.

Ein einziger genügt, um am 5.September nach Göppingen zu kommen !


Ansonsten ist Göppingen übrigens eine grosse Stadt, die ein hohes Mass
an Kreativität verträgt.


DEN NEONAZIAUFMARSCH IN GÖPPINGEN VERHINDERN !!!

Die neofaschistische NPD ruft für Samstag zu einer Grossdemonstration
in Göppingen auf. Um 14 Uhr will sich der braune Mob am Bahnhof treffen,
um von dort aus unter dem Motto "Deutschland uns Deutschen" durch die
Innenstadt zu marschieren.

Lasst sie uns gebührend empfangen !

Samstag, 5.September 1998

Treffpunkt 12.00 Uhr

am Bahnhof Göppingen

Kundgebung 12.30 Uhr


Abends:

VOKÜ und Party im Exil Eislingen

Infotelefon : 07161 / 82098

Internet: www.FTO.de/Vereine/SFD


Wegbeschreibung zum Exil:

B 10 bis Eislingen Stadtmitte, an der grossen Kreuzung links, über die
Brücke fahren und sofort danach rechts. 2.Haus rechts, 2 Minuten vom
Bahnhof


Aufrufende Gruppen:

Bündnis gegen Rechts, Regiozine GP, Arbeitsgemeinschaft zur Steigerung
der Lebensfreude GP, Arbeitskreis Jugendarbeit e.V. Eislingen,
Autonome Antifa GP, Antifaschistische Aktion Nürtingen, Autonome Antifa
Nürtingen, Autonome Antifa Reutlingen, Autonome Antifa Stuttgart,
Buchhandlung Bücherwurm GP, Chiapas Solidaritätskomitee Stuttgart,
Göppinger Autonomes Zentrum, Hinterland im Aufbruch GP, Jugendzentrum
Exil Eislingen, Sozialer Friedensdienst Göppingen e.V., Kulturschock
Zelle Reutlingen, Antifa Schwäbisch Gmünd, Ökologische Linke Stuttgart/
Schwäbisch Gmünd, Infoladengruppe Freiburg, KTS Freiburg, Antifa Backnang,
Bündnis gegen Rechts Stuttgart, Antifa A² Stuttgart, JAZ Marbach,
Antifa Regionalvernetzungstreffen Mittlerer Neckar RVT, PDS / BO
Schwäbisch Gmünd, Autonome Zelle Berlin, Antifaschistische Jugendaktion
Heidelberg, Autonome Antifa Heidelberg, Aktionsbündnis Rhein - Neckar,
Autonomes Zentrum Heidelberg, Antifa Singen, Antifa Pforzheim,
Hanffreunde GP,...


Teil 1 der Dokumentation. Vollständige Fassung des obigen Dokumentes liegt unter Nadir

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