trueten.de

"Amerika wird also, angeführt und aufgeweckt von der kubanischen Revolution, eine Aufgabe von großer, entscheidender Bedeutung haben: die Schaffung eines zweiten, dritten Vietnams." Che Guevara

Gesamtkunstwerk ARD: Tatort und Anne Will - eine Kampffront

Tatort: Herauszubekommen war für die Kommissare in Wirklichkeit nichts. Vier Soldaten kamen traumatisiert aus Afghanistan zurück. Eine junge Frau war aus vierhundert Meter Entfernung erschossen worden. Nach dem Gesamt-Brüll-Zustand war fast gleich, wer von den Veteranen es gewesen war. War auch gleich! Jeder hatte Scharfschützenausbildung. Jeder röstete anfallsweise herum.

Falsche Mischung aus schlechtem Gewissen der kriegsunwilligen Zuschauer und gefordertem Durchhaltewillen. Die Soldaten, die es erwischt hat - "unsere" Opfer? Aber wir haben doch keinen hingeschickt. Der Gedanke, dass alle Leiden hätten vermieden werden können, hätten sich Regierung und leider auch Volk 2001 nicht zum Krieg entschlossen, kam nirgends auf. Es blieb beim Gebrüll.

Nach dem ersten und zweiten Weltkrieg tat sich die Bürokratie damit hervor, dass all die "Zitterer" und sonst Angeschlagenen ihre Leiden von allem möglichen her hätten, nur nicht vom Krieg. Schon Freud hatte sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Ein paar Beispiele von altgeschulter "Desensibilisierung" der Bürokratie wurden bei Anne Will noch vorgeführt. Nur möglichst wenig Kriegsrente rausrücken!

Dieses Mal ganz anders. Woher aber das Gejammer über die Gleichgültigkeit der Deutschen gegenüber den Soldaten dieses Mal? Dabei wurde und wird in jeder Bundestagssitzung gedankt und gedankt jedem einzelnen Muschkoten, der dort draußen verreckt. Natürlich auch damit die Zeit schneller vergeht. Die Anforderung zum Pflichtmitleid wächst. Offenbar, um das Militär überhaupt noch halbwegs ehrenvoll in die Medien zu bekommen. Als Bombenwerfer und Raketenschlächter - das geht nicht mehr bei verbreitetem Widerwillen gegen das Gewerbe. Bleibt nur die Tränendrüse. Sekundenlang versteht sich - und folgenlos. Danach sollen die selber sehen, wie sie weiterkommen.

Bei "Anne Will" dann flugs weiter. Angeblich die Folgerungen gezogen!

Eine Ärztin erzählte nachvollziehbar, wie es ihr nach dem Kriegseinsatz gegangen war. Es wurde lang über Krankenversorgung gesprochen. Das für sich genommen war interessant. Nur eines beklemmte: Dass sie nicht auf die eine Lösung kam: Raus aus Afghanistan!

Den vorhandenen aktiven Kriegsgegnern hielt Frau Will immer wieder vor oder entgegen: Wenn schon gegen den Krieg - warum auch gegen die Krieger? Die richtige Antwort: Den Soldaten, wie nach Stalingrad 1943, kann niemand ihre Wunden, ihr Sterben nachträglich abnehmen. Trotzdem haben die Überlebenden eine Möglichkeit: sich selbst und vor allem anderen zu sagen: Wir müssen die Letzten gewesen sein! Es darf nicht so weiter gehen.

Niebel war Niebel. Wie schon im Bundestag. Ein Bimsstein zum Ausmerzen jeder Erdenspur. Alles an Unwissenheit und protzender Niedrigkeit überbot Matussek (SPIEGEL). Er als einziger lallte immer noch Struck und Co nach: die kleinen Mädchen an Soldatenhand! Und die Brunnen! Und unsere knusprigen WERTE!! Am Ende fragte dieser Literaturpapst: Warum gerade jetzt die Veteranen als Thema von Film und Romanen? Ja, ja - Matussek - warum gerade jetzt? Er weiß tatsächlich nicht, dass gleich nach den napoleonischen Kriegen eine traurige Heerschar von Nostalgikern durch Gedichte und Romane zog. Nach dem ersten Weltkrieg zum Beispiel "Hinkemann" von Toller. Nach dem zweiten? Ach Gott.....

Wenn ein Gedanke aufkam, konnte der nur lauten: Raus! Raus aus Afghanistan. Schon mal aus dem einfachen Grund: weil man von Anfang an verloren hatte. Dann wegen etwas, das daraus folgt: Es wurde in den zehn Jahren immer schlimmer. Muss es wie in Vietnam so enden, dass die letzten Flüchtigen an den Hubschraubern hängen - um ausgeflogen zu werden? Wenn die Wahnidee aus den Köpfen verschwunden sein wird, dass die einheitliche Benennung mit Taliban gleichartige Wesen aus Millionen verschiedener Menschen macht, wird es auch möglich sein, wie Heike Hänsel und andere es immer vorgeschlagen haben, mit Gruppen von Taliban Vereinbarungen zu treffen über Krankenhäuser, Mädchenschulen und Ackerbaugenossenschaften.

Es muss so etwas doch schon einmal gegeben haben.

Trackbacks

Trackback specific URI for this entryTrackback URL

Comments

    • Posted byGlamypunk
    • on
    Ich hab's mir nicht angetan, weil, so ähnlich hab ich's mir vorgestellt.
    Comment (1)
    Reply
    • Posted byThomas Trueten
    • on
    @Glamypunk: Jetzt hat sich die Bundeswehr extra so viel Mühe gegeben und einen ausführlichsten Beitrag dazu abgelassen: Tatort Bundeswehr: Krimi-Spannung und ein Stück Solidarität.

    "Wir am Set haben alles unternommen, um in der Erzählung respektvoll mit den Mitbürgern in Flecktarn umzugehen. Ihre Leistungen zu honorieren. Danke zu sagen."

    Und Du ignorierst das.
    Comment (1)
    Reply
    • Posted byFritz Güde
    • on
    Vom Stoff her könnte man das Ganze ja für einen Anti-Kriegsfilm halten. Tenor: So wird man,wenn man sich erst mal reinlegen lässt, und zu spät merkt, dass man in purer Scheiße rudert.
    Diese Tendenz wird aber abgefangen durch die Behandlung der Fälle als klinische Sondertatbestände. Diagnose: "Noch nicht daheim angekommen". Brigitte Reimann hatte in der alten DDR:"Ankunft im Heute" gefordert und entwickelt. Mit entsprechenden Ankunftsnachfolgern -und vor allem dem Aufbrauchen der faulgewordenen Redensart im Deutschen Bundestag. "Ankommen in der Bundesrepublik". Nach diesem Generalrezept können dann Einzelrezepte ausgestellt werden.Mehr Bundeswehrkliniken für durchgedrehte Veteranen, mehr Psycho-Feuerwehr. Alles schön abgekapselt. Betrifft die segensreiche Einrichtung " Wehrmacht" überhaupt nicht mehr als ganze.
    Der Bundeswehrmann im Wehrmachtskommentar liefert ausführlich das Rezept zur Glasur. Auch ohne dieses gestern noch zu kennen, habe ich den Grundgeschmack gut durchgespürt, denke ich.
    Comment (1)
    Reply
    • Posted bylandbewohner
    • on
    tatort a la hollywood.
    eigentlich sind ja die krieger die guten, die an und für sich ja nur brav ihre pflicht tuen und dann durch das harte los zum killer bzw berufskiller werden.
    kein wort davon, daß "unsere friedensmissionare" ja nun freiwillig und mit xtraprämie gen hindukusch gezogen sind - eben dumm, daß sie nicht daran gedacht haben, daß sich jeder staat seiner veteranen möglichst billig erledigt.
    und, was mir so nebenbei in solchen mitleidsopern auffällt, traumatisiert und mit den schrecken des krieges konfrontiert sind in tv dokus immer nur höhere offiziersränge, die ja wohl kaum die drecksarbeit erledigen dürften und beim einsatz eher in der 2, reihe zu finden sein dürften.
    das einzig positive an der sendung: niebel und matussek haben sich durch ihre darbietungen für jeden normalzuschauer als total unwissende kriegshetzer entlarvt.
    Comment (1)
    Reply

Add Comment

E-Mail addresses will not be displayed and will only be used for E-Mail notifications.
To leave a comment you must approve it via e-mail, which will be sent to your address after submission.
Enclosing asterisks marks text as bold (*word*), underscore are made via _word_.
BBCode format allowed