trueten.de

»Es ist besser stehend zu sterben als auf Knien zu leben.« Emiliano Zapata Salazar

nachschLAg: Ein unvollständiger Wochenrückblick

ARGENTINIEN
Macri dreht Uhr zurück: TV-Kanal Telesur wird in Argentinien blockiert. Präsident und Neoliberale machen Front gegen linke Medien

BRASILIEN
Brasiliens Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva kommt immer stärker ins Visier der Justiz. Die Staatsanwaltschaft in São Paulo klagte ihn am Mittwoch wegen Geldwäsche an.

ECUADOR
Ecuadors Präsident Rafael Correa hat sein Kabinett umgestellt. Das Staatsoberhaupt versetzte den bisherigen Außenminister, Ricardo Patiño, an die wichtige Stelle des Verteidigungsministers. Patiño, langjähriger Funktionär in diversen Ministerämtern, traf sich umgehend mit seinem Vorgänger sowie der Militärführung.

EL SALVADOR
Die Abschiebung des ehemaligen Verteidigungsministers von El Salvador (1979-1983) , José Guillermo García, der sich bis zum 8. Januar dieses Jahres in den USA aufgehalten hatte, hat die Debatte über das umstrittene Amnestiegesetz in El Salvador wieder angefacht. Obwohl der García wegen seiner Verantwortung für Folter und extralegale Hinrichtungen während des Bürgerkriegs zwischen 1980 und 1991 verurteilt wurde, muss er seine Strafe nicht in seinem Herkunftsland verbüßen.

HONDURAS
In Honduras haben die Behörden den mexikanischen Aktivisten Gustavo Castro Soto auch am gestrigen Dienstag an der Ausreise gehindert. Er ist Augenzeuge des Mordes an der indigenen Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres und wurde bei dem Attentat in der vergangenen Woche selbst verletzt. Jetzt fürchten Angehörige und Freunde auch um sein Leben.

KUBA
Kubas Wirtschafts- und Planungsminister Marino Murillo erwartet für 2016 ein Wachstum der Volkswirtschaft um zwei Prozent. Das ist nur die Hälfte des Zuwachses vom vergangenen Jahr, und selbst diese Zahl ist optimistisch, denn akute Devisenengpässe dämpfen die Erwartungen. Ursachen dafür sind niedrige Weltmarktpreise für das kubanische Hauptexportgut Nickel und drohende Missernten nach schweren Regenfällen und Überschwemmungen, die der schlimmsten Trockenperiode seit mehr als 100 Jahren folgten.

Die Verhandlungen Kubas und der Europäischen Union über ein Rahmenabkommen für politischen Dialog und Zusammenarbeit stehen kurz vor einem Abschluss. Vertreter beider Seiten erklärten am Freitag nachmittag (Ortszeit) vor der Presse in Havanna, dass über die wichtigsten Eckpunkte des angestrebten Vertrages Einigung erzielt worden sei.

MEXIKO
Die Befreiungsarmee EZLN hat ein skandalöses Vorgehen der mexikanischen Regierung gegen eigene Unterstützer aufgedeckt. Die autonomen zapatistischen Gemeinden befinden sich im Aufschwung.

VENEZUELA
Drei Jahre nach dem Tod von Hugo Chávez ist am Sonnabend in Caracas mit zahlreichen Veranstaltungen an den früheren venezolanischen Präsidenten erinnert worden. Zu den Gedenkfeierlichkeiten waren zahlreiche Staatschefs der Region in die Hauptstadt des südamerikanischen Landes gekommen, unter ihnen Boliviens Präsident Evo Morales, sein nicaraguanischer Amtskollege Daniel Ortega und das Staatsoberhaupt von El Salvador, Salvador Sánchez Cerén.

Die US-Politik gegenüber Venezuela sorgt weiter für Ärger: Nachdem US-Präsident Barack Obama in der vergangenen Woche Sanktionen gegen das südamerikanische Land verlängert hat, meldeten mehrere Staats- und Regierungschefs aus Lateinamerika und der Karibik Protest an.

Ein Gemeinschaftsprojekt von Einfach Übel und redblog, Ausgabe vom 11. März 2016

Internationaler Frauentag: "Das Ziel ist Frauenrecht als Menschenrecht."

Wir wünschen allen Freundinnen, Kolleginnen, Müttern, Töchtern, Schwestern, Großmüttern, Liebhaberinnen, Nachbarinnen, Gegnerinnen, Revolutionärinnen, Mädchen, ... einen kämpferischen internationalen Frauentag!

Der erste Frauentag wurde am 19. März 1911 in Deutschland, Österreich, Dänemark und der Schweiz sowie den USA begangen. Allein in Berlin kamen etwa 45.000 Frauen zusammen, um sich für ihre Rechte stark zu machen. In den folgenden Jahren versammelten sich Millionen von Frauen zu den jeweils im Frühjahr organisierten Demonstrationen, Veranstaltungen und Aktionen. Schon 1912 kamen Schweden, Frankreich und Holland, 1913 Russland und die Tschechoslowakei dazu. Neben dem Wahlrecht forderten die Frauen bessere Arbeits- und Lebensbedingungen, Mutter- und Kinderschutz und protestierten gegen den imperialistischen Krieg. Das aktive und passive Wahlrecht wurde den Frauen in Deutschland im November 1918 durch den Rat der Volksbeauftragten zuerkannt.

In Europa beschloß die II. Internationale Sozialistische Frauenkonferenz (100 Delegierte aus 17 Ländern) auf Initiative von Clara Zetkin am 27. August 1910 in Kopenhagen (übrigens im Ungdomshuset) die Einführung eines jährlichen Internationalen Frauentages für die Interessen der Frauen gegen mehrfache Ausbeutung und Unterdrückung. Themen waren also die Gleichberechtigung der Frauen, ihr Wahl- und Stimmrecht, sowie der Kampf gegen den imperialistischen Krieg. Der erste internationale Frauentag fand am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA statt. 1921 wurde auf der zweiten kommunistischen Frauenkonferenz, wiederum auf Initiative von Clara Zetkin, der internationale Frauentag auf den 8. März festgelegt. Dieses Datum war eng mit den proletarischen Frauenkämpfen verbunden:

• Am 8. März 1857 streikten in New York Textilarbeiterinnen, gefolgt von einer Streikwelle in der Textil- und Tabakindustrie.
• Am 8. März 1908 kamen 129 streikende Arbeiterinnen der Textilfabrik "Cotton" in New York bei einem Brand ums Leben. Vom Fabrikbesitzer und den Aufsehern wurden die Frauen in der Fabrik eingesperrt, um zu verhindern, daß sie Kontakt zu ihrer Gewerkschaft aufnehmen. Sie hatten für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen gekämpft.
• Am 8. März 1917 (russ. Kalender: 23. Februar) fand St. Petersburg ein massiver Streik der Textilarbeiterinnen gegen Krieg, Hunger und Zar statt. Nachdem weitere Sektoren ergriffen waren, kam es zum Generalstreik, der als Auslöser der Februarrevolution gilt.



Bildquelle: Bildercache.de

"Das Ziel ist Frauenrecht als Menschenrecht." Clara Zetkin (1857 - 1933), Initiatorin des ersten Internationalen Frauentages stellte klar, dass eine wirkliche Befreiung der Frau untrennbar verbunden ist mit der Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung. Sie wendete sich aber auch gegen diejenigen, die meinten, diesen Kampf auf den St. Nimmerleins Tag verschieben zu können.

In diesem Sinne fordern wir dazu auf, an den Aktionen an diesem Tag teilzunehmen. Zum Beispiel in Stuttgart.

Heimatkunde: Deutsche Revolutionen

Es gibt Orte, dort ballt sich Geschichte, in Schichten wie geologische Formationen, oft in Gegenden weit ab von den politischen Zentren und Metropolen. Von zwei solcher Orte handelt die folgende historisch-fiktive Reportage.

Winter 2015:
Im Tal der Wutach liegt eine Nebelwand, darüber blauer Himmel, in den senkrecht die Wasserdampfsäule vom Atomkraftwerk Leibstadt auf der Schweizer Rheinseite aufsteigt.

Auf der B 314 rasen Geisterfahrer durch den Nebel, vorbei an den Aluminiumgießereien in den Gewerbegebieten, ein Ortsschild taucht auf:
„Stühlingen. Landkreis Waldshut“.



Zwischen Nebel und blauem Himmel erhebt sich zwischen blattlosen Bäumen Schloss Lupfen.

23. Juni 1524:
Die Gräfin von Schloss Lupfen, eine geborene Montfort, veranstaltete gern Feste, die immer etwas Besonderes, Überraschendes, noch nie Dagewesenes aufzuweisen hatten.

Von einem italienischen Maestro der Musik hatte sie die Anregung erhalten, äolische Musik zu erzeugen.

An dem Schloss entlang, zwischen den Baumreihen, sollten Hunderte, Tausende von Schneckenhäusern aufgereiht werden, die durch den vorbeiziehenden Wind zu säuselnden, unerhört lieblichen, geradezu himmlischen Tönen gebracht werden sollten.

Zuerst werden nur die Kinder zum Suchen der Schneckenhäuser angehalten. Doch als an den nahegelegenen Plätzen nichts mehr zu finden ist, werden auch Männer und Frauen von den Feldern geholt und zum Absuchen in weit entlegene Gegenden geschickt. Die Arbeit auf den Feldern bleibt liegen, die Ernte ist teilweise vernichtet.

Vor lauter Abgaben und Diensten wissen die Bauern ohnehin nicht mehr ein noch aus : Außer den Stühlinger Grafen haben auch die Klöster St. Blasien, Schaffhausen und Rheinau, das Spital von Waldshut, die Grafen von Sulz, die vom Klettgau und die Herren von Ofterdingen Rechte in der Landgrafschaft. Das Maß ist voll.

Der Unmut explodiert auf den Feldern. Die Aufseher werden verprügelt, zum Schloss getrieben, die Herrschaft beschimpft.

Ausgeschickte, berittene Strafabteilungen werden abgefangen:



Hans Müller von Bulgenbach zieht mit fünfhundert bewaffneten Bauern vor das Schloss, die Kanone donnert von den Albhängen, Brandsätze werden nachgeschickt.

Nach zwei Wochen wird die Belagerung beendet, verschoben bis zur großen Abrechnung.

Etwas Ungeheuerliches war geschehen: Ein Waffengang gegen die Unterdrücker.



Dieser Aufstand kann als unmittelbarer Anfang des deutschen Bauernkriegs gelten.

16.April 1848:

Friedrich Hecker zieht mit seiner Kolonne in Stühlingen ein. Der badische Revolutionär hatte sich am 11.April in Konstanz aufgemacht, der bürgerlichen Revolution Beine zu machen.

Auf seinem Hecker-Zug wollte er die badischen Revolutionäre sammeln, um gegen die Reaktion zu Felde zu ziehen. In Stühlingen stößt er auf große Resonanz.

Schon im März musste Amtmann Frey der Obrigkeit melden, dass die Bauern keine Steuern mehr bezahlten, Anfang April beschloss eine von 160 Teilnehmern besuchte Versammlung, Frey habe Stühlingen innerhalb 24 Stunden zu verlassen, da man ansonsten nicht länger für seine Sicherheit garantieren könne.

Nach einer flammenden Rede von Hecker auf dem Marktplatz, schließt sich auf Beschluss der Gemeinde, das erste und zweite Aufgebot der Bürgerwehr, immerhin 84 Stühlinger, seiner Kolonne an.

Nach der Niederlage der badischen Revolution folgt die Rache der Sieger:



Die Stühlinger Freischärler werden wiederholt vor dem Gasthof Rebstock ausgepeitscht, viele müssen in die Schweiz fliehen.

Winter 2015:

Es nieselt aus einem grauen Himmel. In Grießen ist kein Mensch auf der Strasse, eine Filiale der Bäckereikette Dörflinger, dunkel. Der Bus nach Waldshut fährt vorbei, aus den Wolken dröhnen die Triebwerke eines Flugzeugs im Landeanflug auf Zürich Airport.



Am Hang eine neugotische Kirche, daneben der Friedhof.

4.11.1525:

1000 Bauern und 150 Schweizer hatten sich dem doppelt überlegenen österreichischen Heer des Ritters Fuchs von Fuchsberg entgegengeworfen.



Die letzten 300 zogen sich auf den von starken Mauern umgebenen Friedhof zurück.

„Steht auf, ihr Toten, helft uns, diese Herrenknechte abzuwehren!“

Dem zweimaligen Ansturm der Landsknechte halten sie stand, mit Brandsätzen, Pech, Schwefel und ölgefüllten Fässern versuchen diese die Nacht zum Tag zu machen, um jede Bewegung der Bauern im flackernden Licht zu erkennen, ihre huschenden Gestalten zwischen den Grabreihen. Im Morgengrauen ist der ungleiche Kampf zu Ende, die Bauern legen ihre Waffen nieder und verlassen den Friedhof.

Die Herren halten Gericht: Der Bauernführer Klaus Wagner und der Pfarrer Johannes Rebmann werden geblendet, dem Pfarrer zusätzlich noch die Zunge aus dem Gaumen geschnitten. Den Waldshutern werden die Schwurfinger abgehackt.

Es war die letzte Schlacht des deutschen Bauernkriegs im süddeutschen Raum.

17. April 1848:

Tausende strömen in Grießen zur Volksversammlung zusammen. Gustav Struve und der Engel-Wirt Joseph Weißhaar, Kampfgefährten von Friedrich Hecker, rufen die Menge auf, sich der Volkserhebung gegen die preußische Reaktion anzuschließen.

Über dreihundert Männer folgen ihrem Aufruf und reihen sich in die Hochrhein-Kolonne ein.

Die Vereinigung mit der Kolonne Heckers misslingt, sie wird am 20. April von den Truppen des Generals von Gagern in Steinen bei Schopfheim vernichtend geschlagen.

Am Nachmittag des selben Tages erleidet die Kolonne Weißhaars das gleiche Schicksal -“ ebenfalls in Steinen.


Nach Motiven aus den Arbeiten von Friedrich Engels, Günter Koppenhöfer und Wilhelm Zimmermann.

Blogkino: Zero for Conduct (1933)

Heute setzen wir die Serie mit Filmen, die sich dem Thema Anarchismus widmen im Rahmen unserer Reihe Blogkino mit dem 1933 von Jean Vigo gedrehten Zéro de conduite fort. Der autobiografische Film beschreibt die Revolte von Schülern eines Internats gegen Langeweile und Bevormundung. Nachdem sie aus den Ferien zurück ins Internat kommen werden sie von dem dortigen Personal auf den harten Boden der autoritären Tatsachen geholt. "Betragen ungenügend" - so der deutsche Titel droht jedem, der sich nicht dem streng bürgerlichen Verhaltenskodex unterwirft. Dagegen rebellieren 4 Schüler und fesseln am Vorabend eines Schulfestes den Aufsichtslehrer ans Bett, hissen auf dem Dach die Piratenfahne und werfen Schulbücher und Schuhe auf das Fest.

Bis ins Jahr 1946 war der bewußt mit surrealistischen Stilmitteln arbeitende anarchistische Film verboten und durfte erst ab 1945 wieder aufgeführt werden.

cronjob