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"Parteien sind zum Schlafen da - und zum schrecklichen Erwachen." Zeitung 883, 1971

Angst vor großen Tieren - oder?

Hannelore Kraft, Landesvorsitzende der NRW-SPD
Quelle: SPD-Landtagsfraktion NRW
Lizenz: Public Domain
Die SPD hat sich nach links geöffnet. Angeblich. Und das in einem Augenblick, wo sie der CDU nicht gerade eine Liebesheirat, aber zumindest eine Partnerschaft angetragen hat.

Augstein hat das als supermafiöse Theorie im "SPIEGEL" bejubelt. Mit allerlei Aussichten. Die alle darauf hinauslaufen, das Gegenteil des Erwarteten zu tun. Wo sonst links Blinken, rechts Fahren nach langen Erfahrungen vorausgesehen wurde, soll nun auf einmal das Gegenteil gelten.

Was einen bei dem ganzen Manöver nur wundert, sind die Begleittöne. Dass nämlich die LINKE jetzt noch nicht reif sei für das große Manöver. Deshalb jetzt - trotz großzügiger Anpassung - noch keinerlei Annäherungsversuche. Aber in vier Jahren - da kann sich noch manches ändern.

Erschütternd vor allem die einzige bisherige Erfahrung in der Richtung in Nordrhein-Westfalen. Dort ließ die hinterhältige Grinserin Kraft zwar zu, dass die LINKE sie wählte. Gab sich dann aber die ganze Wahlperiode lang als eine, die sich Mehrheiten aussuchte. Die LINKE war offenbar in sich so gespalten, dass sie im Grunde alles mit sich machen ließ. Kein Wunder, dass sie nach der ersten Wahlperiode verschwunden war im Wohlwollen der Restwähler. Kraft schmunzelte. Und war es sehr zufrieden.

Nun hat die LINKE in Nordrhein - Westfalen - zweifellos selbst daran viel Schuld. Sie konnte sich offenbar nicht auf eine klare Linie einigen. Und war um ein bißchen Schulterklopfen schon froh.

Ergebnis also: Es kommt auf starke innere Geschlossenheit der LINKEN an. Um nicht einfach der Linie der SPD zu folgen - und aufgefressen zu werden. Diese Geschlossenheit scheint im Augenblick, soweit man sieht,in keinem westlichen Landesteil gegeben.

Die SPD hat das Zugeständnis gegenüber der LINKEN zugegebenerweise gemacht, um überhaupt eine Alternative zur CDU zu haben. Das ist ihr gutes Recht. Es muss aber als Ausdruck der Schwäche dieser Partei angesehen werden. Nicht der schnurrenden Stärke. Wenn auch Kraft und andere das so sehen mögen.

Die hessischen LINKEN tun jedenfalls gut daran, sich nicht von dem besonders betrügerischen gegenwärtigen SPD-Chef einwickeln zu lassen. Es wird sich schnell zeigen, dass die hessische SPD zwar zugelegt hat. Aber nur, weil die vorigen Wahlen derart schief liefen. Für sich selber stark sein, das sieht noch ganz anders aus. Auf diese Schwäche der SPD aufzupassen ist richtig. Ihr Fell zu kraulen wäre töricht und dumm.

nachschLAg: Ein unvollständiger Wochenrückblick

ARGENTINIEN
Argentiniens Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner hat nach eineinhalb Monaten krankheitsbedingter Abwesenheit die Regierungsgeschäfte wieder aufgenommen. Als erste Maßnahme verfügte die Präsidentin am Montag eine Kabinettsumbildung.

CHILE
In der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen konnte sich Michelle Bachelet mit 46,6 % nicht gleich durchsetzen und muss sich deshalb am 15. Dezember in einer Stichwahl der Rechten Evelyn Matthei stellen.
Bei den Teilwahlen zu den beiden Kammern des chilenischen Kongresses konnten die linken und zentristischen Parteien eine Mehrheit erreichen. Für geplante Verfassungsänderungen reicht diese jedoch nicht.
Die KP konnte ihre Mandate im Unterhaus verdoppeln. Zu ihren neuen Gesichtern in der Legislative gehören Camila Vallejo, die als Kopf der chilenischen Studentenbewegung international bekannt geworden ist, und die Chefin des Kommunistischen Jugendverbandes, Karol Cariola.

HONDURAS
Am kommenden Wochenende finden in dem mittelamerikanischen Land Präsidentschaftswahlen statt. Ein Vorbericht im Standard (Texte der Autorin sind mit Vorsicht zu geniessen).

KOLUMBIEN
Seit einem Jahr verhandeln FARC und die kolumbianische Regierung in Havanna. Ein Interview dazu mit Tanja Nijmeijer, Kampfname »Alexandra Nariño«.

KUBA
Über Jahre beklagte die bundesrepublikanische Politik und die ihr angeschlossenen Medien die fehlende Reisefreiheit in Kuba. Im Januar hatte die kubanische Regierung bisher geltende Reisebeschränkungen für ihre Bürger aufgehoben. Und, können die Kubanerinnen und Kubaner nun frei - auch nach Deutschland - reisen?
Nein, das zeigt die Geschichte von Mario López aus Havanna.

US-Behörde (USAID) schickt Informationen über konterrevolutionäre Agenten in Kuba unverschlüsselt nach Havanna.

NICARAGUA
Nicaraguas Feministinnen erkämpfen Erfolge - ein lesenswerter Artikel aus der ak mit Hintergründen zur Frauenpolitik der Regierung Ortega.

VENEZUELA
Venezuelas‬ Nationalversammlung verleiht dem Staatschef Sondervollmachten für Kampf gegen Korruption und Wirtschaftssabotage.

Der Hollywood-Schauspieler Antonio Banderas hat in einem Interview mit dem spanischen Programm des US-Nachrichtensenders CNN die Wirtschaftspolitik der venezolanischen Regierung unter dem im März verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez gelobt.

Sieben Kameras, 20 Schauspieler und mehr als 200 Kinder überraschten Einwohner der venezolanischen Metropole Maracaibo, die ihren Alltagsgeschäften nachgingen. Plötzlich wurden die Passanten Zeugen einer unerwarteten Aufführung des populären, von Pablo Herrero und José Luis Armentero Walzers »Venezuela«, aufgeführt von Mitgliedern der venezolanischen Kinder- und Jugendorchester.

Ein Gemeinschaftsprojekt von Einfach Übel und redblog, Ausgabe vom 22. November 2013