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»Facts do not cease to exist because they are ignored.« Aldous Huxley

Blogkino: Zatoichi's Conspiracy - Shin Zatōichi monogatari: Kasama no chimatsuri (1973)

Heute zeigen wir in unserer Reihe Blogkino die Fortsetzung der Zatōichi Serie mit dem fünfundzwanzigsten Teil der Reihe: Zatoichi's Conspiracy -Shin Zatōichi monogatari: Kasama no chimatsuri. Zatoichi kehrt zum ersten Mal seit über zehn Jahren in sein Heimatdorf zurück und stellt fest, dass sich viel geändert hat und dass Korruption im Überfluss vorhanden ist. Wie im richtigen Leben.



Filmtipp: Ich verstehe Ihren Unmut

Heike (59) arbeitet als Objektleiterin in der Gebäudereinigung und vermittelt täglich zwischen Kund*innen, Unternehmensleitung und Reinigungskräften. Nachdem sie versucht hat, eine Arbeitskraft eines wichtigen Subunternehmers abzuwerben, droht dieser, seine Unterstützung einzustellen, sofern er nicht mehr Stunden und Umsatz erhält. Heike gerät zunehmend in einen Konflikt zwischen ihrer Verantwortung gegenüber den eigenen Mitarbeitenden und den Bedingungen des Niedriglohnsektors.



Mehr Infos und Vorführungen.


Schon mal warmlaufen und vorglühen: All them Whitches - House Of Mirrors Tour

Tourdaten Deutschland:

Wer kennt schon MKULTRA?

Das Foto zeigt einen Menschen in einem ABC Schutzanzug, der einen Kaninchenkäfig trägt. Darin sitzt ein Kaninchen zur Überprüfung auf Undichtigkeiten in einer Sarin-Nervengas-Produktionsanlage im Rocky Mountain Arsenal, Commerce City, Colorado, 20. März 1970
Kaninchen zur Überprüfung auf Undichtigkeiten in einer Sarin-Nervengas-Produktionsanlage im Rocky Mountain Arsenal, Commerce City, Colorado, 20. März 1970
Es hört sich an wie die schönste Verschwörungstheorie, ist aber weit davon entfernt, sondern im Gegenteil von verschiedenstens Seiten wissenschaftlich dokumentiert, vom US-Kongress und verschiedenen Untersuchungsausschüssen von allen Seiten beleuchtet, verurteilt und verdammt:

Wissenschaftler füllten heute vor sechzig Jahren Glühbirnen mit Bacillus-globigii-Bakterien aka "BG" und heute als Bacillus atrophaeus geläufig und zerschlugen sie anschließend auf den Gleisen der New Yorker U-Bahn. Die Bakterien verbreiteten sich kilometerweit im gesamten U-Bahn-Netz, wurden von Tausenden von Zivilisten eingeatmet und setzten sich auf deren Kleidung ab. Bis zum 10. Juni waren 1 Million New Yorker dem Bakterium ausgesetzt. Dies war nur eines von vielen Experimenten zur biologischen und chemischen Kriegsführung, die an US-Zivilisten durchgeführt wurden. Natürlich gab es Tausende von US-Soldaten, Gefangenen, Zivilisten und Indigenen, die während Atomwaffentests absichtlich und/oder versehentlich Strahlung ausgesetzt waren und im Rahmen des MKULTRA-Programms unwissentlich starken psychedelischen Drogen ausgesetzt wurden.

Das US-amerikanische Programm für biologische Versuche begann offiziell 1943 mit der Gründung der U.S. Army Biological Warfare Laboratories in Camp Detrick (heute Fort Detrick) in Frederick, Maryland. Die Regierung begann mit der Bevorratung von Bacillus anthracis (Anthrax), Francisella tularensis (Tularämie), Brucella spp. (Brucellose), Coxiella burnetii (Q-Fieber), das venezolanische Pferdeenzephalitis-Virus, Botulinumtoxin (Botulismus) und Staphylokokken-Enterotoxin B. Allerdings hatte die Regierung bereits während des Ersten Weltkriegs Ricin getestet.

1950 führte die US-Marine vor der Küste von San Francisco die Operation Sea-Spray durch, bei der zwei Bakterienarten, Bacillus globigii und Serratia marcescens, in die Luft versprüht wurden. Elf Menschen wurden nach dem Test in San Francisco mit schweren bakteriellen Infektionen ins Krankenhaus eingeliefert. Fast jeder Einwohner der Stadt war dem Erreger ausgesetzt gewesen. Einer von ihnen starb. 1951 wurden im Norfolk Naval Supply Center in Virginia Tests durchgeführt, bei denen Pilzsporen unter der überwiegend afroamerikanischen Belegschaft verteilt wurden, um die rassistische Theorie zu überprüfen, dass Schwarze anfälliger für Pilzerkrankungen seien als Weiße. Ebenfalls in den 1950er Jahren wurde Zinkcadmiumsulfid per Flugzeug über eine Reihe von Städten, darunter St. Louis und Minneapolis, versprüht. Ebenfalls in den 1950er Jahren wurden mehrere Journalisten wegen Aufruhrs vor Gericht gestellt, weil sie berichtet hatten, dass die USA während des Koreakriegs biologische Waffen eingesetzt hatten. Im Rahmen der Operation Whitecoat (1954–1973) wurden freiwillige Siebenten-Tags-Adventisten der Tularämie ausgesetzt.

Die Freilandversuche wurden bis in die 1960er Jahre fortgesetzt. 1965 verbreiteten sie Bakterien im gesamten Washingtoner National Airport, und 1966 führten sie einen Test in der New Yorker U-Bahn durch. Präsident Nixon soll 1969 dem offensiven Biowaffenprogramm der Vereinigten Staaten ein Ende gesetzt haben. Biowaffen sind gemäß den Genfer Protokollen von 1925 verboten, die die USA jedoch erst 1975 ratifizierten – im selben Jahr, in dem sie auch die Biowaffenkonvention ratifizierten.

Die Existenz solcher Programme ist hierzulande eher politisch und geschichtlich interessierten Menschen bekannt und erreichte das Bewußtsein eher im kulturellen Bereich: Ken Kesey verarbeitete seine Erfahrungen als Testperson in dem 1962 erschienenen Buch Einer flog über das Kuckucksnest, das 1975 unter demselben Namen verfilmt wurde. Der 2003 veröffentlichte Roman Shutter Island von Dennis Lehane thematisiert ebenfalls Menschenversuche in den Vereinigten Staaten dieser Zeit und wurde 2010 verfilmt. Die 2017 erschienene Serie Wormwood beschäftigt sich mit den Todesumständen von Frank Olson. Stephen Kings Roman Feuerkind von 1980 thematisiert ebenfalls als harmlose Medikamentenstudien getarnte Menschenversuche mit starken Halluzinogenen durch einen Geheimdienst ähnlich der CIA, wodurch zwei Probanden übersinnliche Fähigkeiten entwickeln und diese auch (in Form von Pyrokinese) an ihre Tochter vererben.

Über MKULTRA entstanden die Dokumentationen von Stefan Albrecht und Johannes Schäfer Die Dressierten Killer (4. August 2002/ZDF) sowie Deckname Artischocke von Egmont R. Koch und Michael Wech (12. August 2002/ARD) und eine Reihe von Spielfilmen, darunter Fletcher’s Visionen (1997), Experiment Killing Room (2009) und American Ultra (2015). Auch die TV-Serie Stranger Things nimmt auf das MKULTRA-Programm Bezug.


MKULTRA ist allerdings nicht das einzige derartig menschenverachtende Programm. So existierte bekanntlich mit COINTELPRO und dem ähnelnde Programme wie Operation CHAOS aber auch die anderen (selbstredend "rechtswidrigen") CIA Programme HTLINGUAL (HGLINGUAL), Project 2, Project MERRIMAC, Project RESISTANCE, Domestic Contact Service etc. bis hin zum inflationären Einsatz von Heroin und anderen Drogen zur Heroin gezielt gegen die die schwarze Bürgerrechtsbewegung und Zerstörung des afroamerikanischen Widerstandes beispielsweise der Black Panther Party (BPP).

Aber das ist eine andere Geschichte...

Quelle: Mike Dunn, WikiPedia, eigene Ergänzungen


Plakatief wird 25: "Die fabelhafte Welt des Widerstands" auf einer Kreuzberger Brandwand

Das Foto zeigt die Brandmauern zweier Häuser. Auf der rechten Mauer hängt ein Plakat mit dem Text "NSU Prozess: Rassistischer Terror ohne Aufklärung. Kein Schlußstrich!". Auf der linken Brandmauer sind Grafitties zu sehen sowie große Gemälde mit an den Hinterbeinen aufgehängten Tieren
Oranienstraße/Ecke Manteuffelstrasse (jetzt Audre-Lorde-Straße) im September 2017
Foto: © heba / Umbruch Bildarchiv
Über viele Jahre hingen an der legendären Brandmauer an der Oranien-/Ecke Manteuffelstraße weithin sichtbar Wandbilder zu aktuellen Highlights linker Bewegungsgeschichte. Mittlerweile sind die Bäume in der Brache so hoch gewachsen, dass jetzt keine Plakate mehr an dieser Wand hängen. Das Plakatief-Kollektiv sucht einen alternativen Platz vor Ort, ist aber auch an anderer Stelle aktiv, am Hausprojekt Rote Insel. 2026 wird Plakatief ein Vierteljahrhundert alt. Happy birthday!

Hier ihre Selbstdarstellung:
Wer mit der S-Bahn in der Yorckstraße einfährt oder am Wochenmarkt in der Crellestraße steht, blickt unweigerlich auf die großformatigen Plakate am Hausprojekt Rote Insel. Seit über 10 Jahren prägen sie die Hauswand – gestaltet vom Plakatief-Kollektiv. Zuvor und zeitgleich waren die Plakate fast 25 Jahre lang an der bekannten Brandmauer an der Oranien-/Manteuffelstraße in Kreuzberg zu sehen und galten dort als fester Bestandteil der linken Stadtkultur.

Ihren Anfang nahm die Reihe Anfang der 1990er Jahre mit einem Transparent der Kreuzberger Brückeninitiative gegen die Öffnung der Oberbaumbrücke für den Autoverkehr. Es folgten zahlreiche weitere Wandbilder zu politischen und sozialen Kämpfen – darunter 1997 das vielbeachtete Landowsky-Plakat, das von der Stadt mehrfach überpinselt wurde und gerichtliche Auseinandersetzungen nach sich zog.

Seit 2001 setzt das Plakatief-Kollektiv die Gestaltung der Wandbilder kontinuierlich fort. Die Motive entstehen in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen politischen Gruppen und sozialen Initiativen. Mal werden Vorschläge künstlerisch umgesetzt, mal gemeinsam entworfen oder fertige Entwürfe angebracht. Thematisch spiegeln die Plakate aktuelle Konflikte, Bewegungen und Forderungen wider – immer aus einer klar politischen Perspektive. Neue Plakatideen und Mitstreiter*innen sind immer willkommen. Kontakt: plakatief@gmx.net
Hier eine kleine Auswahl aus 25 Jahren Wandbilder aus der „fabelhaften Welt des Widerstands" auf einer Kreuzberger Brandwand. Die vollständige Dokumentation aller Wandbilder findet ihr auf umbruch-bildarchiv.de

107 Jahre Befehl Nr. 1824

Das historische Foto zeigt eine Gruppe von Kämpfern der Anarchistischen Schwarzen Armee, angeführt von Fedir Schtschus, während des Ukrainischen Unabhängigkeitskriegs.Die Aufnahme stammt aus der Zeit zwischen 1918 und 1921. Die Gruppe, bekannt als die Dibriv-Abteilung, war Teil der Revolutionären Aufständischen Armee der Ukraine. Der Kontext ist der Ukrainische Unabhängigkeitskrieg und der Russische Bürgerkrieg.
Das historische Foto zeigt eine Gruppe von Kämpfern der Anarchistischen Schwarzen Armee, angeführt von Fedir Schtschus, während des Ukrainischen Unabhängigkeitskriegs.Die Aufnahme stammt aus der Zeit zwischen 1918 und 1921. Die Gruppe, bekannt als die Dibriv-Abteilung, war Teil der Revolutionären Aufständischen Armee der Ukraine.
Heute in der Geschichte der Arbeiterbewegung: Leo Trotzki verbot mit seinem Befehl Nr. 1824 am 4. Juni 1919 den 4. Ukrainischen Kongress der Freien Sowjets:
“Die Sektion des Rates, genannt Exekutivkomitee von Gulyai-Pole und die Mitglieder der Machnobrigade sind hiermit ab dem 15. Juni verboten und dürfen unter keinen Umständen tagen. Teilnahme daran wird als Verrat an der Sowjetrepublik betrachtet und entsprechend behandelt. Dieser Befehl tritt sofort in Kraft, telegraphisch.

Trotzki, Vorsitzender des revolutionären Rates der Sowjetrepublik
Watsetis, Ausführender Befehlshaber
Aralov, Mitglied des revolutionären Rates der Sowjetrepublik
Kosharew, Regionaler militärischer Befehlshaber, Kharkov.”

Quelle: Alexander Berkmann, Nestor Machno: Der Mann, der die Bolschewiki rettete

Außerdem entsandte er Truppen, um die Rosa-Luxemburg-Kommune bei Provkovski zu zerschlagen, und erklärte den ukrainischen anarchistischen Aufständischen Nestor Machno für vogelfrei. Das Freie Territorium innerhalb der Ukraine, auch bekannt als Machnowia (nach Nestor Machno), bestand von 1918 bis 1921. Es war eine staatenlose, anarchistische Gesellschaft, die von Machnos Revolutionärer Aufstandsarmee (auch bekannt als Schwarze Armee) verteidigt wurde. Etwa 7 Millionen Menschen lebten in diesem Gebiet, weigerten sich, Pacht an die Grundbesitzer zu zahlen, und beschlagnahmten die Ländereien und das Vieh der Kirche, des Staates und privater Grundbesitzer. Sie richteten lokale Komitees ein, um diese zu verwalten, und teilten sie unter den verschiedenen Dörfern und Kommunen des Freistaates auf.

Quelle: Posting von Mike Dunn, mit eigenen Ergänzungen

Siehe auch: In Zeiten des Krieges. Nestor Machno und die "Machnowschtschina"- eine fast vergessene Episode aus der russischen Revolution, 15. Februar 2009 von Jens Berger und Frank Benedikt

Ich muss nicht organisiert sein, um vorbereitet zu sein oder: Mangel an Fokus bedeutet nicht Mangel an Taten.

Ich habe diese Woche nicht viele Neuigkeiten für dich, aber zur Erinnerung: Ich führe eine Affiliate-Verkaufsliste mit den Büchern, die ich gerade lese, bei Firestorm Books, einer Buchhandlung in Asheville, die von queeren Menschen und Arbeitnehmer*innen geführt wird. Ihr bekommt 10 % Rabatt, ich bekomme 10 % Provision und Firestorm kann seine Türen offen halten, um beim Aufbau einer radikalen Infrastruktur in Appalachia zu helfen.

Und ich sage den Leuten schon seit Jahren, sie sollen sich vorbereiten, aber gerade jetzt fühlt es sich dringender an als je zuvor. Der Krieg zieht sich hin, die strategischen Ölreserven gehen zur Neige, und es gibt eine Verzögerung zwischen Versorgungsengpässen bei Herstellern und Landwirten und den Auswirkungen auf Preise und Verfügbarkeit in den Geschäften. Es ist immer am besten, sich Dinge zu besorgen, bevor es zu einem Ansturm darauf kommt. Wenn ich einen konkreten Ratschlag habe, dann diesen: Wenn bei deinem Auto ein Ölwechsel fällig ist, lass ihn jetzt machen, und es schadet nicht, eine Ölmenge für einen Ölwechsel vorrätig zu haben. Motoröl wird wahrscheinlich eher knapp werden als der Kraftstoff selbst.

Einige meiner anderen Beiträge zum Thema Vorsorge (die nicht wie dieser hinter einer Paywall liegen, da es sich hier eher um persönliche Gedanken handelt):


Ich muss nicht organisiert sein, um vorbereitet zu sein


Das Foto zeigt eine Amerikanerkrähe - Corvus Brachyrhynchos - auf einer Straße hockend
Amerikanerkrähe in den Singing Sands, Bruce Peninsula National Park, Ontario, Canada Juni 2007
Foto: Mdf
Lizenz: CC BY-SA 3.0
Da ist diese Krähe, die in der Nähe wohnt und davon überzeugt ist, dass 6 Uhr morgens eine wirklich gute Zeit ist, um zu schreien, zu singen und zu brüllen, aber ich bin überzeugt, dass 6 Uhr morgens eine wirklich gute Zeit ist, um zu schlafen. Ich bin auch davon überzeugt, dass es eine gute Idee ist, bei offenem Fenster zu schlafen, also gewinnt die Krähe diesen speziellen Willenskampf meistens, und das war heute Morgen definitiv der Fall.

Rintrah macht es nichts aus, wenn ich früh aufwache, denn er will raus, um zu pinkeln und auf Patrouille zu gehen, um sicherzustellen, dass sich über Nacht nichts Unheimliches und Stinktier-förmiges in unseren Garten geschlichen hat. Aber trotz tausender Jahre Züchtung, die ihn speziell für diesen Zweck geschaffen hat, stehle ich ihm an den meisten Morgen den Ruhm und sperre ihn drinnen ein, während ich rausgehe und zuerst den Garten überprüfe. Denn einen Hund vom Stinktiergeruch zu befreien, macht uns beide unglücklich.

Ich habe keinen guten Geruchssinn. Ich rieche meistens nur starke Gerüche, und der Geruchssinn ist interessant, weil Dinge, die stark riechen, oft schlecht riechen. Also ist das meiste, was ich riechen kann, schlecht. Katzenpisse. Verwesung. Benzin. Stinktiere.

Rintrah riecht immer noch ein bisschen nach Stinktier von dem letzten Mal, als er ein schwarz-weißes Tier aus dem Garten verjagt hat, egal wie viel Backpulver ich in sein Fell gerieben und mit Seife ausgewaschen habe. Der Geruch stört mich nicht, wenn ich ehrlich bin. Er riecht ein bisschen nach altem Gras, und ich rauche zwar nicht, aber das heißt nicht, dass ich den Geruch von altem Gras nicht mag.

Also hat mich die Krähe heute Morgen geweckt, und Rintrah ist rausgegangen und wieder zurückgekommen, und ich habe pflichtbewusst einen ganzen Memoiren-Text darüber getippt, wie ich zum ersten Mal ein Paar Dietrich-Werkzeuge bekommen habe, und dann bin ich prompt wieder eingeschlafen.

Und in diesem Text erzähle ich davon, wie ich auf meine Träume höre, wie ich die Träume, die ich im Schlaf habe, mir sagen lasse, wie ich mich im Wachzustand verhalten soll. Und als ich wieder einschlief, träumte ich nicht vom Schlösserknacken. Ich träumte von Treppen und Listen, von dem Unbehagen, das sich in letzter Zeit über mich gelegt hat, davon, wie ich versuche, Aufgaben zu lösen, und dabei scheitere, während ich mir Sorgen um meine Lieben mache.

Vielleicht schreibe ich bald mal was über das Schlösserknacken. Es war eine Geschichte, in der ich dachte, ich würde der Held sein, der als junger Hausbesetzer tapfer Schlösser knackt, um Partys und Shows zu retten, aber es war eigentlich eine Geschichte ohne Helden, und eine Geschichte, in der die meisten Figuren jung starben.

Und das ist nicht die Geschichte, die ich heute erzählen möchte. Meine Tage waren in letzter Zeit von einer gewissen Ziellosigkeit geprägt, und ich habe beschlossen, ganz im Sinne eines Anarchisten (und Autors), das dem Zeitgeist anzulasten, statt meinem Neurotyp oder den Entscheidungen, die ich getroffen habe.

Meine Gedanken sind in letzter Zeit zerstreut. Meine Tage sind in eine Reihe zusammenhangloser Aufgaben zerfallen – den Schrank streichen, zu Treffen gehen, für meine Show recherchieren und schreiben, schwere Hanteln in verschiedenen Konfigurationen stemmen, mich über Vorsorge informieren, versuchen, mich nicht in Gedanken über den Zustand der Welt zu verlieren.

Die meisten dieser Dinge mache ich schlecht, weil ich abgelenkt und unkonzentriert bin. Ich habe mich von ein paar regnerischen Wochen verwöhnen lassen und eine Woche lang das Gießen meines Gartens vernachlässigt, und die Hälfte meiner Setzlinge ist eingegangen. Das Gemüse in meinem Kühlschrank verdirbt, während ich mich von Proteinriegeln und Tiefkühlkost ernähre. Beim Schreiben für meinen Podcast nähere ich mich rasch der „die ganze Arbeit unter Tränen“-Linie auf dem Diagramm.

Ich glaube schon lange, dass ich eine nicht diagnostizierte ADHS habe, und ich habe nie eine Behandlung dafür gesucht, weil ich stattdessen mein ganzes Leben darum herum aufgebaut habe. Ich habe fünfzehn Jahre damit verbracht, alle paar Tage, Wochen oder Monate an einen neuen Ort zu ziehen. Das einzige Mal, dass sich meine Neurodiversität wie ein Problem angefühlt hat, war, als ich versucht habe, so zu arbeiten, wie es die Gesellschaft von mir erwartet – wie in den zwei Jahren, die ich bei einer gemeinnützigen Organisation gearbeitet habe und in denen ich über Medikamente nachgedacht habe.

Ich glaubte an die Arbeit, die diese Organisation leistet, aber während unserer Zoom-Anrufe schloss ich mein Digitalpiano so an, dass nur ich es hören konnte, und spielte dann hinter dem Bildschirm, während wir über die Beschaffung von Mitteln zur Unterstützung von Arbeitergenossenschaften diskutierten. Das war die einzige Möglichkeit, mich zu konzentrieren.

Podcasting funktioniert für mich ganz gut. Ich kann mich alle ein bis drei Wochen auf ein neues Thema fixieren, und meine Produzenten kümmern sich um die schwierigen Teile, wie die Terminplanung.

Aber in den letzten Wochen waren meine Gedanken, wie gesagt, zerstreut. Wenn ich nicht bei der Arbeit bin, wusele ich im Haus und im Garten herum und versuche, alles zu erledigen, fühle dabei aber eine Art Unbehagen, eine Art Vorahnung, eine Art Unwohlsein.

Ich glaube, es liegt wahrscheinlich daran, dass ich halb davon überzeugt bin, dass alles kurz vor dem Zusammenbruch steht, und dass ich irgendwie alles in Ordnung bringen muss, um das nicht nur zu überleben, sondern auch allen anderen dabei zu helfen, es zu überleben.

Ich wette, das kommt dir bekannt vor.

Das Bild zeigt den Exodus der Menschen aus den Städten. Zu sehen ist ein ramponierter alter Mercedes, in dem Kinder sitzen, drumherum eine Trümmer- und Müllwüste, Menschen, die ihre Habseligkeiten in Einkaufswägen transportieren und hoffnungslos in provisorischen Lagern sitzende Menschen.
Menschen beim Verlassen der Städte. Vision des Künstlers Zbigniew Libera - Dystopie

Der Exodus der Menschen aus den Städten ist eines der letzten Werke von Zbigniew Libera, das in seiner Form an Schlachtpanoramen anknüpft. Der Künstler entwirft eine futuristische Vision, die sich auf das literarische Motiv der toten Metropolen stützt: Die Menschen verlassen die verwildernden Städte ohne Strom und fließendes Wasser und machen sich auf die Suche nach einem besseren Ort zum Leben. Dieses Werk knüpft an Liberas frühere Zyklen „Pozytywy” (Positiv) und „Mistrzowie” (Meister) an, die sich auf die Analyse der Pressefotografie und ihre Möglichkeiten zur Gestaltung des kollektiven Gedächtnisses – sowie auf die Kanons der Kunstgeschichte – konzentrieren.

Lizenz: CC BY-SA 3.0
Ich kann dir nicht sagen, dass es ein Gefühl des Untergangs ist. Ich habe meine Angst derzeit im Griff und bin nicht vor Furcht gelähmt. Ich warte einfach nur. Bereite mich vor, auf ziemlich chaotische Weise. Ich bin mit dem Glauben aufgewachsen, die Welt sei organisiert und durchdacht, aber inzwischen habe ich gelernt, dass unsere ganze Gesellschaft nur aus halbwegs funktionierenden Menschen besteht, die so tun, als wären sie ein paar Stunden am Tag voll funktionsfähig. Diese Erkenntnis ist seltsamerweise befreiend.

Der riesige Megakonzern, der mich für meinen Podcast bezahlt, ist wahrscheinlich schlechter geführt als das durchschnittliche Netzwerk der gegenseitigen Hilfe. Er kommt eher durch seine Größe, Trägheit und den Zugang zu Ressourcen über die Runden als durch irgendein magisches Mittel, durch das Hierarchie und Kapitalismus grundsätzlich bessere Organisationssysteme wären.

Es gibt Chaos, es gibt organische Strukturen, am Grund von allem. Jeder Turm aus Stahl und Glas steht auf einem Fundament aus Erde, Fels und chaotischen Dingen. Jeder Turm aus Stahl und Glas steht auf den stärksten Dingen der Welt. Vielleicht ist es in Ordnung, dass ich in letzter Zeit einfach nur im Haus, im Garten und in meinem sozialen Umfeld herumtrödle, dass ich Dinge auf eine kaum strukturierte Art erledige. Vielleicht ist es in Ordnung, dass das Leben hauptsächlich eine Frage des Zeitverbringens ist. Ich glaube, wir sind dazu geboren, einfach irgendwas zu tun. Ich werde mein Drehbuch rechtzeitig fertigstellen. Einige meiner Pflanzen werden wachsen.

Wenn sich der langsame Zusammenbruch, den wir gerade erleben, zu beschleunigen beginnt, werde ich nicht perfekt vorbereitet sein und ich werde nicht perfekt damit umgehen. Ich werde es nicht mühelos nutzen, um eine neue und bessere Gesellschaft aufzubauen. Ich meine, ich werde es versuchen. Ich werde es wahrscheinlich nur nicht schaffen.

Wenn ich mich zwingen würde, alles perfekt zu machen, würde ich überhaupt nichts fertigbekommen.

Irgendwann werde ich mich hinsetzen und alle Lebensmittel in meinem Keller inventarisieren, die Lücken in meinem Vorrat ausfindig machen und sie füllen. Das ist eine lohnende Übung. Das habe ich gestern mit meiner Notfalltasche gemacht.

Aber selbst bevor ich eine ordentliche Bestandsaufnahme gemacht habe, hatte ich schon einen Notfallrucksack. Und darin war sogar das meiste, was ich mir wünschen würde. Ja, es gab keine Unterwäsche. Ja, die rezeptfreien Medikamente darin waren schon vor Jahren abgelaufen. Ja, ich hatte ein Ladekabel für eine Uhr, die ich 2024 verlegt habe. Aber es gab Wollsocken und einen Wasserfilter und ein Messer und Ohrstöpsel und eine Pfeife und noch viel mehr.

Und perfekt ist der Feind des Guten, und ich bin lieber gut als perfekt, und ja, ich rede mir das alles nur ein, um mich auf einen weiteren Tag vorzubereiten, an dem ich versuche, meine Arbeit zu erledigen, wohl wissend, dass alles einfacher wäre, wenn ich besser organisiert wäre, und wohl wissend, dass ich mein ganzes Leben lang darauf hinarbeiten werde und es nie schaffen werde, aber dass der Weg wichtiger ist als das Ziel.

Organisation ist großartig und wichtig. Organisation ist das, was Menschen von einer Menschenmenge zu einem Block macht. Es kann Selbstorganisation sein, aber es muss Organisation sein. Revolutionen basieren mehr auf Treffen als auf Taten. Ich bin stolz auf meine Organisation und mein Organisationsvermögen.

Aber ich bin nicht immer dazu in der Lage, und ich bin nicht immer organisiert darin, wie ich meine Organisation angehe. Und das ist okay.

Nur weil ich Gewichte hebe, heißt das nicht, dass ich ein Auto heben kann. Nur weil ich kein Auto heben kann, heißt das nicht, dass es keinen Sinn macht, Gewichte zu heben. Und ich wollte noch nie einen Vogel töten, und ich werde es auch nicht tun, aber mein Gott, bin ich versucht, diese Krähe zu erschießen.

Quelle: „I Don't Have to be Organized to be Prepared or: lack of focus doesn't mean lack of action“ von Margaret Killjoy, 03.Juni 2026

Birds Before the Storm ist eine von den Lesern unterstützte Publikation. Normalerweise ist die Hälfte der Beiträge kostenlos, die andere Hälfte ist persönlicher und steht bezahlten Abonnenten zur Verfügung, aber angesichts der aktuellen Krise sind mehr meiner Beiträge für alle Leser kostenlos. Um neue Beiträge zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen, solltest du ein kostenloses oder bezahltes Abonnement erwerben.

Übersetzung: Thomas Trueten [Autorisiert]

Blogkino: Zatoichi in Desperation - Shin Zatōichi monogatari: Oreta tsue (1972)

Heute zeigen wir in unserer Reihe Blogkino die Fortsetzung der Zatōichi Serie mit dem vierundzwanzigsten Teil der Reihe: Zatoichi in Desperation - Shin Zatōichi monogatari: Oreta tsue: "Die Handlung folgt dem blinden Helden, der auf tragische Weise den Tod einer alten Frau verursacht. Um Sühne zu leisten, begibt er sich auf eine gefährliche Reise, um ihre Tochter zu finden. Dabei gerät er in eine Reihe von Konflikten und Schwierigkeiten." (IMDB)




Stuttgart: Geld Her, Keyf Grill & Frühstück Döner!

SharePic mit einem Foto einer Demonstration, dem Text: Geld her, Keyf! Jede Arbeit muss bezahlt werden. Kundgebung zum Arbeitskonflikt 05.06., 19:00 Rotebühlplatz 11. Dazu das FAU Logo mit der Sabotcat.

Ein Mitglied der Freien Arbeiter:innen Union (FAU) Stuttgart fordert Lohn von Keyf – und zieht dafür vor das Arbeitsgericht.

Unser Mitglied gibt an, für das Keyf gearbeitet zu haben, und macht dafür ausstehenden Lohn geltend. Das Keyf bestreitet die Ansprüche und zahlte trotz Aufforderung der FAU nicht. Deshalb klagt unser Mitglied – und deshalb machen wir diesen Fall öffentlich.

In der Gastrobranche werden Beschäftigte immer wieder um das gebracht, was ihnen zusteht. Wir finden: Wer Lohn für geleistete Arbeit fordert, darf damit nicht allein gelassen werden. Genau dafür ist die FAU da.

Am 24. Juli ab 10:30 findet die Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht Stuttgart, Gerichtstag Waiblingen, Amtsgericht Waiblingen, Fronackerstr. 56, 71332 Waiblingen, Saal 0.01, Erdgeschoss, statt.

Kommt zur Verhandlung und unterstützt unser Mitglied!

Wir fordern Keyf auf:

• Zahlen Sie den geforderten Lohn – Geld her!

Du hast ähnlichen Ärger an deinem Arbeitsplatz? Organisier dich – komm zur FAU!

Quelle: FAU Stuttgart
cronjob