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"Leben ist das, was passiert, während du fleißig dabei bist, andere Pläne zu schmieden." John Lennon

Rede zum 32. Jahrestag des Oktoberfestattentats von 1980

Grafik: DGB Jugend München
Dokumentiert: Rede zum 32. Jahrestag des Oktoberfestattentats von 1980 , gehalten von Laura Pulz (DGB Jugend Region München)

Herzlich Willkommen zur Gedenkfeier am 32. Jahrestag des Oktoberfestattentats.

An erster Stelle möchte ich diejenigen begrüßen, die das Attentat miterlebt haben – die Angehörigen, Überlebenden undHelfer. Eine solche Katastrophe hinterlässt Spuren - Narben die auch die Zeit nicht zum Verschwinden bringen kann. Voller Respekt und Anteilnahme sind wir zusammengekommen, um mit Ihnen gemeinsam der Toten und körperlich wie seelisch Verletzten zu gedenken. Ichdanke Ihnen dafür, dass sie hier sind – den dunklen Erinnerungen zum Trotz.

Als offiziellen Vertreter des Oberbürgermeisters darf ich den Kollegen Helmut Schmid begrüßen wie auch Frau Kronawitter für die Weiße Rose Stiftung.

Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Politik, liebe Kolleginnen und Kollegen, – auch Sie heiße ich im Namen der DGB Jugend München herzlich willkommen und freue mich, dass sie sich Zeit nehmen für diese Gedenkfeier.

Heute sind unsere Gedanken bei den 13 Opfern und den 211 zum Teil schwer Verletzten, die am 26.9.1980 durch das Attentat aus ihrem Leben gerissen wurden wie auch bei den oftmals traumatisierten Ersthelfern.

Doch fehlt etwas Wichtiges: Nur wenn lückenlos aufgeklärt ist, was genau im Vorfeld der Detonation geschehen ist und die Hintergründe des Terroranschlages klar sind, können wir wirklich vonGedenken sprechen. Bis dahin bleiben die Unsicherheit und der Wunsch, diese Tragödie ganz erklären zu können, um sie besser zu begreifen.

Die Hypothese von der Einzeltäterschaft Gundolf Köhlers bleibt unglaubwürdig, der rechtsextreme Hintergrund der Tat ist immer noch nicht klar erfasst. Dies lässt zu viel Raum für Spekulationen und behindert eine würdige Auseinandersetzung mit dem größten Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik.

Auch nach 32 Jahren fordert die DGB-Jugend deswegendie vollständige Aufklärung der Tathintergründe und Vorgänge am 26.9.1980 im Namen all derer, die dies wissen wollen und müssen, um zuverstehen und zu verarbeiten. Zwar hat sich der Bayerische Landtag inzwischen für eine Wiederaufnahme der Ermittlungen ausgesprochen – doch wann wird dies tatsächlich zu Ergebnissen führen? Es heißt, die Mühlen der Politik mahlen langsam – aber sind 32 Jahre nicht langsam genug?

Wenn wir den Kranz niederlegen, tun wir dies, um das Gedenken an die Opfer des Attentats aufrecht zu erhalten. Doch an diesem Mahnmal ist es auch unsere Pflicht – gerade vor dem verschleierten rechtsextremen Hintergrund der Tat – vor den Gefahren der rechten Propaganda zu warnen.

Der norwegische Urteilsspruch im Falle des islamfeindlichen, rechtsextremen Brevik, der 77 Menschen ermordete, formuliert eine bittere Wahrheit: Brevik ist nicht pathologisch wahnsinnig, sondern politisch – und es gibt Menschen, die denken wie er: rassistisch, nationalistisch, radikal und ausländerfeindlich.

Immer stärker macht sich rechtes Gedankengut auch in Deutschland wieder breit, die menschenverachtende Propaganda wird subtiler und unauffälliger. Meine Angst ist, dass die zahlreichen kleinen Infostände und Minidemonstrationen von NPD, der Bürgerinitiative Ausländerstopp, dem Freien Netz Süd oder ähnlichen Parteien und Vereinen in ihrer
Häufigkeit und relativen Unbedeutsamkeit die Wachsamkeit abstumpfen lassen. So werden ihren rassistischen, rechtsextremen Parolen unbemerkt die Hintertür geöffnet. Nicht zuletzt dieerschütternden Ergebnisse des NSU-Untersuchungsausschusses zeigen außerdem, wie unvollkommen die Aufklärungsversuche von staatlicher Seite sind.

Dieses Mahnmal steht für die unschuldigen Opfer eines rechtsextrem motivierten Attentats. Es sollte uns immer auch daran erinnern, warum es wichtig ist, sich immer einzusetzen gegen Rechtsextremismus und für ein friedliches, tolerantes Miteinander.

(Es gilt das gesprochene Wort)

Siehe auch: Ulrich Chaussy: Vom Wegschauen und vom Ausblenden. Rede am 32. Jahrestag des Anschlags. (PDF Datei)