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"Leben ist das, was passiert, während du fleißig dabei bist, andere Pläne zu schmieden." John Lennon

Tod nach Abschiebung - Warum nahm sich Wadim K. das Leben?

Der Dokumentarfilm "WADIM" zeigt die Geschichte eines jungen Mannes, der mit sechs Jahren als Flüchtling nach Deutschland kam, hier aufwuchs und integriert war, trotzdem aber mit 18 Jahren von seiner Familie getrennt und in ein ihm fremdes Land abgeschoben wurde. Fünf Jahre später nahm sich Wadim in Hamburg das Leben.

Der Film, der mehrere Preise erhalten hat und in vielen deutschen Städten sowie in der ARD lief, wurde von Carsten Rau und Hauke Wendler drei Jahre nach seiner Entstehung aktualisiiert und vollständig überarbeitet. Ergänzt um ein langes und sehr eindringliches Interview mit Wadims Bruder Georg, der jeder Medienöffentlichkeit stets skeptisch gegenüber gestanden wird die erschütternde Dokumentation über die Folgen der zutiefst rassistischen "Integrationsdebatte" am Montag den 13. Mai um 22 Uhr im NDR ausgestrahlt.

TOD NACH ABSCHIEBUNG (44 Min., PIER53/NDR 2013)
Eine Dokumentation von Carsten Rau und Hauke Wendler
Erstausstrahlung: Montag, 13.05.13, 22:00 Uhr im NDR

Heraus zum Revolutionären 1. Mai 2013 in Stuttgart

Zum zehnten mal in Folge findet in diesem Jahr die Mobilisierung zum revolutionären 1. Mai in Stuttgart statt. Es wird im Vorfeld noch mehrere Aktivitäten geben, am 1. Mai dann einen antikapitalistischen Block bei der DGB-Demo am morgen, die revolutionäre 1. Mai Demonstration im Anschluss und schließlich ein großes Fest mit Kulturprogramm im und vor dem Linken Zentrum Lilo Herrmann. Im folgenden sind weitere Infos und eine Übersicht über die Termine der Mobilisierung zu finden.

Infotische
Am Freitag, den 19. April (Marienplatz) und am Donnerstag, den 25. April (Fußgängerzone Bad Cannstatt) gibt es jeweils von 16-19 Uhr Infotische. Dort sind die verschiedenen Materialien der diesjährigen Mobilisierung erhältlich.

Open Air Kino

Am Freitag, den 26. April werden ab 19:30 Uhr Kurzfilme & Ausschnitte zu Streiks, Fabrikbesetzungen und weiteren Protestaktionen aus allen Teilen der Welt auf dem Marienplatz gezeigt. Dazu gibt es Infotische und Stellwände.

Bei Regen findet die Vorführung im Linken Zentrum Lilo Hermann (Böblingerstr. 105, Stuttgart-Heslach) statt.

1. Mai

Der 1. Mai beginnt um 10 Uhr auf dem Marienplatz mit der DGB-Demo. Gewerkschaftliche und linke Gruppen rufen zu einem antikapitalistischen Block auf.

Im Anschluss startet um 11:30 Uhr die Revolutionäre 1. Mai Demo auf dem Schlossplatz. Die Demo wird nach Stuttgart-Heslach führen.
Ab 14 Uhr findet im und vor dem Linken Zentrum Lilo Herrmann das 1. Mai-Fest statt. Unter anderem sorgen hier Mighty Mammut Movement aus Düsseldorf mit Rap, Raggae und Ska für Stimmung. Außerdem gibt es Essen und Getränke, Stellwände, ein Quiz und mehr.

Mobilisierungsmaterial

Aufrufe, Flyer und Plakate sind unter anderem im Infoladen Stuttgart (Böblingerstr. 105, Eingang Taubenstr.) Montags bis Freitags von 17-19 Uhr und Samstags ab 20 Uhr, sowie bei Veranstaltungen im Linken Zentrum erhältlich. Sie können auch per Mail bestellt werden: mail(aet)revolutionaere-aktion.org

Bei einem Basteltreffen können gemeinsam Schilder, Transparente, Fahnen etc. hergestellt werden. Es findet am Sonntag, den 27.04. ab 12 Uhr im Linken Zentrum Lilo Herrmann statt.

Termine: 

Vor dem 1. Mai:

  • Donnerstag, 19. April: Infotisch, 16-19 Uhr, Fußgängerzone, S-Bad Cannstatt

  • Donnerstag, 25. April: Infotisch, 16-19 Uhr, Marienplatz, S-Süd

  • Freitag, 26. April: Kurzfilmabend, Ab 19:30, Marienplatz, S-Süd

  • Samstag, 27. April: Basteltreffen, ab 12 Uhr, Linkes Zentrum


Mittwoch, 1. Mai: 

  •  DGB-Demo, 10 Uhr, Marienplatz, S-Süd

  • Revolutionäre 1. Mai-Demo, 11:30 Uhr, Schlossplatz, S-Mitte

  • Internationalistisches Fest, 14:30 Uhr, Linkes Zentrum, S-Heslach

Statt einer Rezension – Fragen an Bernhard Schlink

Ermordete Zivilisten in My Lai
Foto: Ronald L. Haeberle via WikiPedia
Bernhard Schlinks Buch "Das Wochenende" ist verfilmt worden und kommt dieser Tage in die Kinos. Aus diesem Anlass drucken wir eine "etwas andere" Rezension seines Buches ab.

Bernhard Schlink hat einen Roman - „Das Wochenende“ - über die 68iger geschrieben. Warum beschreibt ein Roman über die 68iger nicht die Erlebnisse von Ha Thi Quy am Morgen des 16. März 1968:

„Als die Amerikaner kamen, war mein Mann auf dem Reisfeld bei den Kühen, ich war mit meinem Kind zu Hause. Plötzlich schossen sie wild um sich. Ich wurde angeschossen, mein Kind war dabei. Die Kugel steckte in meinem Oberschenkel, und ich verlor für kurze Zeit das Bewußtsein. Sie zerrten mich weiter. Es tat weh. Ich sagte zu meinem Kind, fleh um dein Leben, sonst schießen sie dich tot. Er bettelte um sein Leben, doch ohne Erfolg. Sie erschossen ihn. Es war so grausam.“

Warum erwähnt ein Roman über die 68iger nicht, dass Leutnant William Calley, der Verantwortliche dafür, was Ha Thi Quy und fünfhundert ihrer Landsleute an jenem Morgen angetan wurde, nur drei Tage seiner lebenslangen Freiheitsstrafe im Gefängnis verbrachte und 1974 von Präsident Nixon begnadigt wurde ?

Warum nicht berichten über diese Zeugenbefragung:

Ankläger: Herr Zeuge , wie weit stand ihr Wagen von der Vergasungskammer entfernt?
Zeuge: Der stand auf dem Weg etwa 20 Meter ab.
Ankläger: Und da konnten Sie hören was unten in den Kammern geschah?
Zeuge: Manchmal bin ich ausgestiegen um zu warten.
Ankläger: Was taten Sie da?
Zeuge: Nichts. Ich rauchte eine Zigarette.
Ankläger: Näherten Sie sich den Luken über der Gaskammer?
Zeuge: Ich ging manchmal etwas auf und ab, um mir die Beine zu vertreten.
Ankläger: Was hörten Sie da?
Zeuge: Wenn die Deckel von den Luken abgehoben wurden, hörte ich ein Dröhnen von unten, als ob sich dort viele Menschen unter der Erde befänden.“

Ein Dröhnen: es ist
die Wahrheit selbst
unter die Menschen
getreten
mitten ins
Metapherngestöber.

Warum schweigen darüber,

  • dass die beim Auschwitzprozeß anwesenden Polizisten salutierten, als die Angeklagten SS – Schergen den Gerichtssaal verliessen;
  • dass von 1940 – 1945 8000 SS-Angehörige in Auschwitz Dienst taten, nur etwa ein Zehntel von ihnen abgeurteilt wurde, davon fast 750 von polnischen Gerichten, nur 45 Angeklagte vor deutschen Gerichten standen, 22 davon in Frankfurt;
  • dass fünf Jahre nach Prozessende von diesen 22 Angeklagten nur noch sieben in Haft waren ?

„Es ist als ob ein Meer von Blut im Sand versickert“ schrieb damals Le Monde.

Warum fehlt die Beschreibung jener Szene am Gründonnerstag 1968 vor dem Haus Kurfürstendamm 140, das rostrote Damenfahrrad im Rinnstein, die Aktenmappe noch am Lenker festgeschnallt, die beiden Schuhe auf der Straße, aus denen Rudi Dutschke gerissen wurde, als er von den Schüssen des Attentäters getroffen wurde?

Warum kommt Reverend Kyles nicht zu Wort, der eine Woche vorher mit Martin Luther King auf dem Balkon des Lorraine Motels in Memphis stand, als der von der Kugel eines Attentäters getötet wurde?

Warum nicht den Arbeitsalltag der fünfköpfigen Crew beschreiben, die mit ihrem B 52-Bomber von der Andersen Air Force Base auf Guam Richtung Nordvietnam startet, um aus einer Höhe von 10000 m 27 Tonnen Bomben auf Hanoi und Haiphong zu werfen, 27 Tonnen von insgesamt 15000 Tonnen Bomben, die bei der Operation Linebacker II innerhalb von 11 Tagen abgeworfen wurden und 1300 Vietnamesen töteten?

Warum nicht dem Schicksal von Dean Kahler nachgehen, der seit dem 4. Mai 1970 querschnittsgelähmt ist, als während einer Protestkundgebung an der Kent State University gegen den Vietnamkrieg, die Nationalgarde das Feuer eröffnete auf ihn und seine Kommilitonen und vier Studenten erschoss – bis heute ist dieses Massaker ungesühnt?

Fragen über Fragen.
Bernhard Schlink entledigt sich dieser Fragen mit einem Taschenspielertrick: Er stellt sie, aber er stellt sie als abgedroschene Phrasen, als tote Schlagwörter mit der Absicht, durch diese Form ihren Inhalt zu denunzieren und sie dann samt und sonders als „unzeitgemäß“ erklären zu können.

Unzeitgemäß, Herr Schlink?

Die B 52 fliegen wieder – im Irak, in Afghanistan.

My Lai heißt heute Faludscha.

Die Tigerkäfige stehen heute in Guantanamo.

Antiimperialisten werden heute nicht mehr von aufgehetzten Psychopathen erledigt – im Gazastreifen z.B wird von F16-Jägern der ganze Häuserblock weggebombt, in dem sie leben, samt Familie und Nachbarn.

Schlink als literarisches Pendant zu den publizistischen Wasserträgern der neoliberalen Geschichtsklitterung, vereint durch die tiefsitzende Angst vor einem neuen 68:
Wie traurig.

Anmerkungen:
„Zeugenbefragung“ aus „Die Ermittlung“ von Peter Weiss
Gedicht „Ein Dröhnen“ von Paul Celan

nachschLAg: Ein unvollständiger Wochenrückblick

LATEINAMERIKA
Ohne Worte: Zum ersten Mal seit 12 Jahren steht Kolumbien nicht mehr auf der schwarzen Liste der Interamerikanischen Menschenrechtskommission CIDH, die Nationen mit besonders gravierenden Menschenrechtsverletzungen beinhaltet. Dagegen bleiben Kuba, Venezuela und Honduras Mitglied der "schwarzen Liste".

BOLIVIEN
Boliviens ungleiche Landverteilung ist einer der wichtigsten Gründe für die große Armut auf dem Land. Die Ergebnisse der Agrarreform nach sieben Jahren Morales-Regierung können sich sehen lassen.

ECUADOR
Die Woche weilte Präsident Rafael Correa in Berlin, traf sich mit Merkel und Vertretern der Wirtschaft und hielt eine umjubelte Vorlesung in der TU Berlin. Von seiner Rede gibt es einen Mitschnitt auf youtube.

VENEZUELA
Nicolás Maduro Moros hat die Präsidentschaftswahlen in Venezuela überraschend knapp gewonnen. Der Vorsprung auf den Kandidaten der Rechten, Henrique Capriles Radonski, betrug lediglich 1,77%. Obwohl internationale Wahlbeobachter von einer fairen und transparenten Wahl berichten, will die Opposition ihren Verlust nicht akzeptieren und hat zu Protesten aufgerufen. Bei den Protesten wurden bisher 8 Chavistas ermordet, soziale Märkte zerstört, Gesundheitszentren verwüstet und mehrere Parteilokale der PSUV in Brand gesteckt worden. Ebenfalls gab es etliche Verletzte und regierungsnahe Journalisten wurden angegriffen und bedroht.

Der US-Außenminister fordert wie die Opposition eine Neuauszählung und erkennt den neuen venezolanischen Präsidenten nicht an. Die Organisation Amerikanischer Staaten, welche 35 Staaten am amerikanischen Kontinent vertritt, hat die Wahl jedoch anerkannt.

Die aktuellen Ereignisse zu den Wahlen in Venezuela kann man bei einem Spezial-Blog bei der jungen Welt und bei einem Live-Ticker von Amerika21.de mitverfolgen.

Ein Gemeinschaftsprojekt von Einfach Übel und redblog. Ausgabe vom 19. April 2013

Vor 70 Jahren: Der Aufstand im Warschauer Ghetto im April 1943

Die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) – Bund der Antifaschisten erinnert an den heroischen Kampf der jüdischen Menschen, die mit ihrem Aufstand im Warschauer Ghetto vom 19. April bis 16. Mai 1943 versuchten, der Deportation in die Vernichtungslager zu entkommen. Mitglieder des jüdischen Untergrunds im Ghetto stellten, nachdem sie anhand von Berichten im Frühjahr 1942 Kenntnis über die Massenmorde an Juden erlangt hatten, eine Verteidigungseinheit auf, um Widerstand gegen bevorstehende Deportationen der Ghettobewohner leisten zu können. Obwohl klar war, dass dem Aufstand keine Hilfe von außen zuteil werden konnte, kämpften die jüdisch Verfolgten gegen ihre geplante Vernichtung. Es war ein vergeblicher Kampf gegen einen übermächtigen Feind.

„Es gibt keinen jüdischen Wohnbezirk in Warschau mehr“ (SS-General Jürgen Stroop)

Die Bilanz der faschistischen Verbrechen gegen die jüdischen Kämpfer wurde von den Täter akribisch aufgelistet. Mehr als 2000 SS-, Polizei- und Wehrmachtsangehörige kämpften mit Panzern, Geschützen und Flammenwerfern gegen rund 750 Mann der jüdischen Kampfgruppen. Das Ergebnis war vorherzusehen. SS-General Stroop
bilanziert:

„Von den 56065 insgesamt erfassten Juden sind rund 7000 im Zuge der Großaktion im ehemaligen jüdischen Wohnbezirk und durch Transport nach T(reblinka) 6979, also insgesamt etwa 14000 Juden vernichtet worden. Über die Zahl der 56065 hinaus sind schätzungsweise 5000 bis 6000 Juden bei Sprengungen und durch Feuer vernichtet worden. … Bis auf 8 Gebäude … ist das ehemalige Ghetto vollständig zerstört.“

Vor 50 Jahren: FIR erinnert an den Warschauer Ghetto-Aufstand

Im April 1963 veröffentlichte die FIR in ihrer Zeitung „Der Widerstandskämpfer“ einen Artikel von Kasimir Rusinek, dem damaligen Generalsekretär des ZBOWID. Er schrieb:
Wir gedenken „der Hunderte von jüdischen Kämpfern, die in den Reihen der jüdische Kampforganisation (Zydowska Organizacja Bojowa) innerhalb der Mauern des Warschauer Ghettos sich gegen erdrückend überlegene feindliche Truppen erhoben, in einem Kampfe, in dem die Niederlage von Anfang an gewiss war. Nach sechs Wochen heroischer Kämpfe „Für unsere Freiheit und für die Ehre!“ fielen sie mit der Waffe in der Hand. Die Ehrung der Aufständischen des Ghettos schließt alle Kämpfer und alle, die Widerstand leisteten, ein, denn die Helden des Warschauer Ghettos waren nur eine Eliteabteilung der großen internationalen Armee von Kämpfern für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden unter den Völkern. …

Wir wenden uns an das Herz und das Gewissen aller Bewohner dieser Erde: Tut alles, was in eurer Macht steht, damit die Aufständischen des Warschauer Ghettos, die an euch glaubten, ihr Blut nicht umsonst vergossen haben.“

Der heroische Widerstand der jüdischen Kämpfer bleibt auch nach 70 Jahren unvergessen.

Ehre dem Andenken der Kämpfer des Warschauer Ghetto-Aufstandes!

Quelle: Erklärung vom 12. April 2013

NRW: GEW beschließt Resolution zum Gespräch zwischen DGB-Bundesvorstand und Bundeswehrführung am 5. Februar 2013

Der NRW-Gewerkschaftstag der GEW am vergangenen Wochenende positionierte sich klar gegen Kürzungen, Schuldenbremse und die Politik des kleineren Übels. Zudem wurde eine Resolution gegen den Schulterschluss zwischen Sommer und de Maizière verabschiedet werden, die wir im folgenden dokumentieren:

Beschluss des GEW NRW-Gewerkschaftstages vom 11.-13.4.2013 in Wuppertal:

„Zu den deutschen Sicherheitsinteressen gehören (…) einen freien und ungehinderten Welthandel sowie den freien Zugang zur Hohen See und zu natürlichen Ressourcen zu ermöglichen. (…) Deutschland ist bereit, (…) zur Wahrung seiner Sicherheit das gesamte Spektrum nationaler Handlungsinstrumente einzusetzen. Dies beinhaltet auch den Einsatz von Streitkräften.“ (Verteidigungspolitische Richtlinien 2011)

Die „Bundeswehr im Einsatz“ betreibt die Fortsetzung der Standortpolitik mit militärischen Mitteln. Dafür werden bewusst massenhaft Tote in Kauf genommen.
Zudem bedeutet die „Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Standortes“ Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und Lohndrückerei. Das resultierende Nachfrageproblem und die durch hohe Wochenarbeitszeiten große Arbeitslosigkeit sind strukturelle Ursachen der weltweiten Krise. Durch die Exportorientierung werden andere Staaten systematisch abhängig gemacht.

Die Kriegs- und Standortpolitik ist zynisch und richtet sich gegen die Mehrheit der Bevölkerungen. Deshalb muss gewerkschaftiche Arbeit Opposition dazu sein und konsequent auf internationale Solidarität und die Humanisierung der Lebensbedingungen überall setzen, statt sich zur Legitimierung von Kriegspolitik instrumentalisieren zu lassen. Deshalb fordert der DGB z. B. das Ende der deutschen Beteiligung am Afghanistankrieg, die Einhaltung des Verfassungsgebots, dass die Bundeswehr eine „Verteidigungsarmee“ sei, die Senkung der Rüstungsausgaben sowie das Verbot von Rüstungsexporten in Krisenregionen.

Das Gespräch des DGB-Bundesvorstands mit der Bundeswehrführung hat nicht dazu beigetragen, dies zur Geltung zu bringen, sondern im Gegenteil den Eindruck hinterlassen, als habe es einen „Schulterschluss“ zwischen Bundeswehr und DGB gegeben. Irritierend war auch, dass die Behauptung des Verteidigungsministers, die Bundeswehr sei Teil der „Friedensbewegung“, unwidersprochen blieb.
Es ist richtig, dass die Gewerkschaften rechtsradikalen Umtrieben auch in der Bundeswehr den Kampf ansagen und die Interessen auch von SoldatenInnen und Beschäftigten bei der Bundeswehr vertreten. Das ist in Kooperation mit der Bundeswehr aber nicht möglich, sondern bedeutet gegen sie aufzuklären und zu Opposition innerhalb des Militärbereiches (z.B. das Darmstädter Signal, Arbeitsgruppen zur Rüstungskonvention) zu ermutigen; SoldatInnen und ArbeitnehmerInnen, KriegsdienstverweigererInnen und DeserteurInnen sind (nicht nur juristisch) gegen das Verteidigungsministerium zu unterstützen. Die Arbeitsbedingungen sind ggf. im Arbeitskampf zu verbessern.

Der Gewerkschaftstag der GEW NRW spricht sich gegen die geplante gemeinsame Erklärung von DGB und Verteidigungsministerium aus. Er fordert den DGB auf, sich stattdessen (noch stärker als bisher) für Rüstungskonversion, die Einführung von Zivilklauseln an den Hochschulen und die Aufhebung der Kooperationsvereinbarungen zwischen Bundeswehr und Schulministerien zu engagieren.
Die GEW NRW-Landesvorsitzenden werden aufgefordert, diese Position in den Hauptvorstand der GEW und den DGB-Bezirksvorstand einzubringen.

Resolution als PDF

Via: GEWstudis


Siehe auch:

Blogkino: Jay Can Do It (1965)

Heute werden wir in unserer Reihe Blogkino mal wieder pädagogisch.In "Jay Can Do It" lernt der gleichnamige 11jährige Held, wie er seine Interessen gemeinsam mit seinem Bruder auslebt. Also so die Klassiker; Baumhaus bauen, Kuchen backen und Ostereier bemalen. Spielen ist eben die Vorwegnahme der Lohnarbeit.