trueten.de

»Wer wagt es, sich den donnernden Zügen entgegenzustellen? Die kleinen Blumen zwischen den Eisenbahnschwellen!« Erich Kästner

nachschLAg: Ein unvollständiger Wochenrückblick

ARGENTINIEN
Unter dem Motto “Das Vaterland ergibt sich nicht- (La Patria no se rinde) hat am Montag, dem Tag der Unabhängigkeit Argentiniens, eine weitere Massenkundgebung stattgefunden, um ein Zeichen gegen die Spar- und Anpassungspolitik der Regierung von Präsident Mauricio Macri in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zu setzen.

BRASILIEN
Verfrühter Jubel in Brasilien. Parteiischer Richter widersetzt sich Order zur Freilassung des politischen Gefangenen.

CHILE
Das Berufungsgericht in Santiago de Chile unter Vorsitz von Miguel Vázquez Plaza hat neun ehemalige Militärs wegen ihrer Beteiligung an der Ermordung des Musikers Víctor Jara zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

ECUADOR
Tausende Menschen haben am Donnerstag (Ortszeit) in Quito gegen die Verfolgung des früheren ecuadorianischen Präsidenten Rafael Correa protestiert.

KOLUMBIEN
Die Prüfkommission der Vereinten Nationen in Kolumbien hat sich besorgt über die zunehmende Gewalt gegen soziale Aktivisten gezeigt.

KUBA
Am Dienstag veröffentlichte Kubas Regierung die lange angekündigte Neuregulierung des Privatsektors der Insel. Die im August vergangenen Jahres eingeführte Pause der Lizenzausgabe ist damit absehbar beendet.

MEXIKO
Nach dem deutlichen Wahlsieg bereitet sich das vom gewählten Präsidenten Andrés Manuel López Obrador, kurz Amlo, nominierte Kabinett auf den Amtsantritt vor.

Die ersten Arbeitstreffen des gewählten mexikanischen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador und die überaus positiven Reaktionen der internationalen Finanzmärkte auf dessen Wahl liefern erste Anzeichen, dass Mexiko nicht, wie von den politischen Gegnern im Wahlkampf oft beschworen, einen “kapitalunfreundlichen Weg- beschreiten wird. Vielmehr bestätigen sich bereits jetzt Befürchtungen der Linken, Amlo, wie López Obrador kurz genannt wird, sei weitaus neoliberaler eingestellt, als er es in seiner politischen Vergangenheit oftmals dargestellt hatte.

NICARAGUA
Tausende Menschen haben am Samstag in Nicaraguas Hauptstadt Managua für Frieden und ein Ende der seit April anhaltenden Gewalt demonstriert.

VENEZUELA
Die Volksrepublik China will Venezuela mit einem Sonderkredit in Höhe von fünf Milliarden US-Dollar bei der Ausweitung der Erdölförderung unterstützen. Das erklärte der venezolanische Wirtschafts- und Finanzminister Simón Zerpa am Dienstag während eines Besuchs in Beijing.

Streiks und Proteste im Gesundheitswesen von Venezuela haben Forderungen nach Lohnerhöhungen und Verbesserung der Arbeitsbedingungen landesweit auf die Tagesordnung gesetzt.

Ein Gemeinschaftsprojekt von Einfach Übel und redblog, Ausgabe vom 13. Juli 2018

Weit vom Schuß


Theodor W. Adorno, Heidelberg 1964
Foto: Jeremy J. Shapiro
Lizenz: CC BY-SA 3.0

Bei den Meldungen über Luftangriffe fehlen selten die Namen der Firmen, welche die Flugzeuge hergestellt haben: Focke-Wulff, Heinkel, Lancaster erscheinen dort, wo früher einmal von Kürassieren, Ulanen und Husaren die Rede war. Der Mechanismus der Reproduktion des Lebens, seiner Beherrschung und seiner Vernichtung ist unmittelbar der gleiche, und demgemäß werden Industrie, Staat und Reklame fusioniert. Die alte Übertreibung skeptischer Liberaler, der Krieg sei ein Geschäft, hat sich erfüllt: die Staatsmacht hat selbst den Schein der Unabhängigkeit vom partikularen Profitinteresse aufgegeben und stellt sich wie stets schon real, nun auch ideologisch in dessen Dienst. Jede lobende Erwähnung der Hauptfirma in der Städtezerstörung hilft ihr den guten Namen machen, um dessentwillen ihr dann die besten Aufträge beim Wiederaufbau zufallen.

Wie der Dreißigjährige, so zerfällt auch dieser Krieg, an dessen Anfang sich schon keiner mehr erinnern kann, wenn er zu Ende sein wird, in diskontinuierliche, durch leere Pausen getrennte Feldzüge, den polnischen, den norwegischen, den französischen, den russischen, den tunesischen, die Invasion. Sein Rhythmus, der Wechsel stoßweiser Aktion und völligen Stillstands aus Mangel an geographisch erreichbaren Feinden, hat selber etwas von dem mechanischen, der die Art der Kriegsmittel im einzelnen charakterisiert und der wohl auch die vorliberale Form des Feldzugs nochmals heraufbeschworen hat. Dieser mechanische Rhythmus aber bestimmt völlig das menschliche Verhalten zum Krieg, nicht nur in der Disproportion zwischen der individuellen Körperkraft und der Energie der Motoren, sondern bis in die geheimsten Zellen der Erlebnisweisen hinein. Schon das vorige Mal machte die Unangemessenheit des Leibes an die Materialschlacht eigentliche Erfahrung unmöglich. Keiner hätte davon erzählen können, wie noch von den Schlachten des Artilleriegenerals Bonaparte erzählt werden konnte. Das lange Intervall zwischen den Kriegsmemoiren und dem Friedensschluß ist nicht zufällig: es legt Zeugnis ab von der mühsamen Rekonstruktion der Erinnerung, der in all jenen Büchern etwas Ohnmächtiges und selbst Unechtes gesellt bleibt, gleichgültig, durch welche Schrecken die Berichtenden hindurchgingen. Der Zweite Krieg aber ist der Erfahrung schon so völlig entzogen wie der Gang einer Maschine den Regungen des Körpers, der erst in Krankheitszuständen jenem sich anähnelt. Sowenig der Krieg Kontinuität, Geschichte, das "epische" Element enthält, sondern gewissermaßen in jeder Phase von vorn anfängt, sowenig wird er ein stetiges und unbewußt aufbewahrtes Erinnerungsbild hinterlassen. Überall, mit jeder Explosion, hat er den Reizschutz durchbrochen, unter dem Erfahrung, die Dauer zwischen heilsamem Vergessen und heilsamem Erinnern sich bildet. Das Leben hat sich in eine zeitlose Folge von Schocks verwandelt, zwischen denen Löcher, paralysierte Zwischenräume klaffen. Nichts aber ist vielleicht verhängnisvoller für die Zukunft, als daß im wörtlichen Sinn bald keiner mehr wird daran denken können, denn jedes Trauma, jeder unbewältigte Schock der Zurückkehrenden ist ein Ferment kommender Destruktion. - Karl Kraus tat recht daran, sein Stück "Die letzten Tage der Menschheit" zu nennen. Was heute geschieht, müßte "Nach Weltuntergang" heißen.

Die vollständige Verdeckung des Krieges durch Information, Propaganda, Kommentar, die Filmoperateure in den ersten Tanks und der Heldentod von Kriegsberichterstattern, die Maische aus manipuliert-aufgeklärter öffentlicher Meinung und bewußtlosem Handeln, all das ist ein anderer Ausdruck für die verdorrte Erfahrung, das Vakuum zwischen den Menschen und ihrem Verhängnis, in dem das Verhängnis recht eigentlich besteht. Der verdinglichte, erstarrte Abguß der Ereignisse substituiert gleichsam diese selber. Die Menschen werden zu Schauspielern eines Monstre-Documentairefilms herabgesetzt, der keine Zuschauer mehr kennt, weil noch der letzte auf der Leinwand mittun muß. Eben dies Moment liegt der vielgescholtenen Rede vom phony war zugrunde. Sie entspringt gewiß aus der faschistischen Stimmung, die Realität des Grauens als "bloße Propaganda" von sich zu weisen, damit das Grauen einspruchslos sich vollziehe. Aber wie alle Tendenzen des Faschismus hat auch diese ihren Ursprung in Elementen der Realität, die sich nur eben gerade kraft jener faschistischen Haltung durchsetzen, die hämisch auf sie hindeutet. Der Krieg ist wirklich phony, aber seine phonyness schrecklicher als aller Schrecken, und die sich darüber mokieren, tragen vorab zum Unheil bei.

Hätte Hegels Geschichtsphilosophie diese Zeit eingeschlossen, so hätten Hitlers Robotbomben, neben dem frühen Tod Alexanders und ähnlichen Bildern, ihre Stelle gefunden unter den ausgewählten empirischen Tatsachen, in denen der Stand des Weltgeists unmittelbar symbolisch sich ausdrückt. Wie der Faschismus selber sind die Robots lanciert zugleich und subjektlos. Wie jener vereinen sie die äußerste technische Perfektion mit vollkommener Blindheit. Wie jener erregen sie das tödlichste Entsetzen und sind ganz vergeblich. - "Ich habe den Weltgeist gesehen", nicht zu Pferde, aber auf Flügeln und ohne Kopf, und das widerlegt zugleich Hegels Geschichtsphilosophie.

Der Gedanke, daß nach diesem Krieg das Leben "normal" weitergehen oder gar die Kultur "wiederaufgebaut" werden könnte - als wäre nicht der Wiederaufbau von Kultur allein schon deren Negation -, ist idiotisch. Millionen Juden sind ermordet worden, und das soll ein Zwischenspiel sein und nicht die Katastrophe selbst. Worauf wartet diese Kultur eigentlich noch? Und selbst wenn Ungezählten Wartezeit bleibt, könnte man sich vorstellen, daß das, was in Europa geschah, keine Konsequenz hat, daß nicht die Quantität der Opfer in eine neue Qualität der gesamten Gesellschaft, die Barbarei, umschlägt? Solange es Zug um Zug weitergeht, ist die Katastrophe perpetuiert. Man muß nur an die Rache für die Ermordeten denken. Werden ebenso viele von den anderen umgebracht, so wird das Grauen zur Einrichtung und das vorkapitalistische Schema der Blutrache, das seit undenklichen Zeiten bloß noch in abgelegenen Gebirgsgegenden waltete, erweitert wieder eingeführt, mit ganzen Nationen als subjektlosem Subjekt. Werden jedoch die Toten nicht gerächt und Gnade geübt, so hat der ungestrafte Faschismus trotz allem seinen Sieg weg, und nachdem er einmal zeigte, wie leicht es geht, wird es an anderen Stellen sich fortsetzen. Die Logik der Geschichte ist so destruktiv wie die Menschen, die sie zeitigt: wo immer ihre Schwerkraft hintendiert, reproduziert sie das Äquivalent des vergangenen Unheils. Normal ist der Tod.

Auf die Frage, was man mit dem geschlagenen Deutschland anfangen soll, wüßte ich nur zweierlei zu antworten. Einmal: ich möchte um keinen Preis, unter gar keinen Bedingungen Henker sein oder Rechtstitel für Henker liefern. Dann: ich möchte keinem, und gar mit der Apparatur des Gesetzes, in den Arm fallen, der sich für Geschehenes rächt. Das ist eine durch und durch unbefriedigende, widerspruchsvolle und der Verallgemeinerung ebenso wie der Praxis spottende Antwort. Aber vielleicht liegt der Fehler schon bei der Frage und nicht erst bei mir. Wochenschau im Kino: die Invasion der Marianas, darunter Guam. Der Eindruck ist nicht der von Kämpfen, sondern der mit unermeßlich gesteigerter Vehemenz vorgenommener mechanischer Straßen- und Sprengarbeiten, auch von "Ausräuchern ", Insektenvertilgung im tellurischen Maßstab. Operationen werden durchgeführt, bis kein Gras mehr wächst. Der Feind fungiert als Patient und Leiche. Wie die Juden unterm Faschismus gibt er nur noch das Objekt technisch-administrativer Maßnahmen ab, und wenn er sich zur Wehr setzt, hat seine Gegenaktion sogleich denselben Charakter. Dabei das Satanische, daß in gewisser Weise mehr Initiative beansprucht wird als im Krieg alten Stils, daß es gleichsam die ganze Energie des Subjekts kostet, die Subjektlosigkeit herbeizuführen. Die vollendete Inhumanität ist die Verwirklichung von Edward Greys humanem Traum, dem Krieg ohne Haß.



Theodor W. Adorno, Herbst 1944, Minima Moralia

Stuttgart: Offener Brief zum geplanten Stand der MHP auf der Langen Ost-Nacht - Wem gehört die Lange Ost Nacht?

Bereits im vergangenen Jahr haben wir eine Pressemitteilung und einen offenen Brief von Zusammen Kämpfen und weiterer Organisationen anlässlich der Teilnahme türkischer faschistischer Gruppierungen an einem der größten Stadtteilfeste in Stuttgart dokumentiert. Auch bei der diesjährigen Langen Ost Nacht wird der Auftritt dieser Vereine geduldet. Dazu erreichte uns die folgende Pressemitteilung:

"Am 21. Juli 2018 findet zum 17. mal die lange Ost Nacht unter der Schirmherrschaft und mit finanzieller Unterstützung des Bezirksbeirats im Stuttgarter Osten statt. Unstimmigkeiten gibt es darüber wer sich hier präsentieren darf. Nach Protesten im letzten Jahr, haben sich Organisationen aus dem Stadtteil zusammengeschlossen. Sie fordern des Ausschluss des Türkisch Nationalen Kulturvereins e.V. und setzen ein klares Zeichen gegen Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit. Eine Sprecherin sagte im Vorfeld:

„Die Lange Ost Nacht ist ein Fest für alle Menschen im Stuttgarter Osten. Wir treten mit unserer Aktion für einen weltoffenen und solidarischen Stadtbezirk ein. Wir freuen uns über die Unterstützung von Einzelpersonen und Vereine, die bereits letztes Jahr einen offenen Brief gegen die Teilnahme des MHP-nahen Vereins unterzeichnet haben. Wir wollen nicht, dass Rassisten auf unserem Straßenfest eine Bühne erhalten und eine Möglichkeit bekommen ihre Vereinskasse zu füllen.“

Standinhaber haben die Möglichkeit sich mit einen Plakat und Infomaterial klar für Vielfalt auszusprechen. Besucher und Besucherinnen können sich durch einen Textil-Aufkleber gegen Rassismus und Ausgrenzung positionieren."

Die teilnehmenden Vereine sind aufgerufen, folgenden Konsens zu unterstützen, dazu gibt es Plakate und Flyer für die Stände:

Wir Vereine, Künstler, Gewerbetreibende und Parteien, die regelmäßig an der Langen Ost Nacht teilnehmen, diese mitgestalten und bespielen, stellen uns deutlich gegen jede Form von menschenfeindlicher Ideologie. In Stuttgart Ost leben Menschen unterschiedlicher Herkunft und Konfession. Wir wollen ein friedliches Zusammenleben. Dies ist nur möglich, wenn Ideologien, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion und/oder ihres Geschlechts diskriminieren, eine klare Absage erteilt wird. In der heutigen Situation, in der solches Gedankengut zunehmend in der Gesellschaft wieder salonfähig wird, setzen wir ein klares Zeichen dagegen. Auf der Langen Ost Nacht gibt es keinen Platz für Faschismus, Antisemitismus, Homophobie, Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Chauvinismus, kurz keinen Platz für menschenverachtendes Gedankengut! Initiativen, Vereine und Organisationen, die menschenfeindliche Ideologien vertreten, haben daher nichts auf der Langen Ost Nacht zu suchen und sollen ausgeschlossen werden.

Weitere Informationen: Wikipedia Einträge zu "Graue Wölfe" und "Idealistenvereine"

The Masque of Anarchy - Percy Bysshe Shelley

Percy Bysshe Shelley
Gemälde von Amelia Curran, 1819
Heute vor 196 Jahren ertrank der britische Dichter und Atheist Percy Bysshe Shelley. Der mit Mary Wollstonecraft Godwin, Tochter der Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft und des Philosophen William Godwin und spätere Autorin des bekannten Romans Frankenstein verheiratete Shelley hatte stets ein kritisches Auge auf die sozio-ökonomischen Umstände des frühindustriellen England und die damit verbundenen politischen Unruhen: 1819 etwa kam es bei einem Aufstand von Arbeitern der baumwollverarbeitenden Industrie in Manchester zu einer blutigen Niederwerfung der Protestbewegung, die als Peterloo-Massaker für Aufsehen sorgte. Shelley verfasste daraufhin in direkter Bezugnahme auf den Vorfall das politisch radikale Gedicht The Masque of Anarchy. A Poem. Der erst zehn Jahre nach seinem Tode veröffentlichte Text konnte zu seinen Lebzeiten auf Grund der politischen Lage zu dem Zeitpunkt nicht erscheinen. Shelley beeinflußte nicht nur den später entstandenen Marxismus sondern über Walter Benjamin auch die kritische Therorie.



As I lay asleep in Italy
There came a voice from over the Sea,
And with great power it forth led me
To walk in the visions of Poesy.

I met Murder on the way—
He had a mask like Castlereagh—
Very smooth he looked, yet grim ;
Seven blood-hounds followed him :

All were fat ; and well they might
Be in admirable plight,
For one by one, and two by two,
He tossed them human hearts to chew
Which from his wide cloak he drew.

Next came Fraud, and he had on,
Like Lord Eldon, an ermined gown ;
His big tears, for he wept well,
Turned to mill-stones as they fell.

And the little children, who
Round his feet played to and fro,
Thinking every tear a gem,
Had their brains knocked out by them.

Clothed with the Bible, as with light,
And the shadows of the night,
Like Sidmouth, next, Hypocrisy
On a crocodile rode by.

And many more Destructions played
In this ghastly masquerade,
All disguised, even to the eyes,
Like Bishops, lawyers, peers, and spies.

Last came Anarchy : he rode
On a white horse, splashed with blood ;
He was pale even to the lips,
Like Death in the Apocalypse.

And he wore a kingly crown ;
And in his grasp a sceptre shone ;
On his brow this mark I saw—
‘I AM GOD, AND KING, AND LAW!’

With a pace stately and fast,
Over English land he passed,
Trampling to a mire of blood
The adoring multitude.

And with a mighty troop around
With their trampling shook the ground,
Waving each a bloody sword,
For the service of their Lord.

And with glorious triumph they
Rode through England proud and gay,
Drunk as with intoxication
Of the wine of desolation.

O’er fields and towns, from sea to sea,
Passed the Pageant swift and free,
Tearing up, and trampling down ;
Till they came to London town.

And each dweller, panic-stricken,
Felt his heart with terror sicken
Hearing the tempestuous cry
Of the triumph of Anarchy.

For from pomp to meet him came,
Clothed in arms like blood and flame,
The hired murderers, who did sing
‘Thou art God, and Law, and King.

‘We have waited weak and lone
For thy coming, Mighty One!
Our purses are empty, our swords are cold,
Give us glory, and blood, and gold.’

Lawyers and priests a motley crowd,
To the earth their pale brows bowed ;
Like a bad prayer not over loud,
Whispering—‘Thou art Law and God.’—

Then all cried with one accord,
‘Thou art King, and God, and Lord ;
Anarchy, to thee we bow,
Be thy name made holy now!’

And Anarchy, the Skeleton,
Bowed and grinned to every one,
As well as if his education
Had cost ten millions to the nation.

For he knew the Palaces
Of our Kings were rightly his ;
His the sceptre, crown, and globe,
And the gold-inwoven robe.

So he sent his slaves before
To seize upon the Bank and Tower,
And was proceeding with intent
To meet his pensioned Parliament

When one fled past, a maniac maid,
And her name was Hope, she said :
But she looked more like Despair,
And she cried out in the air :

‘My father Time is weak and gray
With waiting for a better day ;
See how idiot-like he stands,
Fumbling with his palsied hands!

‘He has had child after child,
And the dust of death is piled
Over every one but me—
Misery, oh, Misery!’

Then she lay down in the street,
Right before the horses feet,
Expecting, with a patient eye,
Murder, Fraud, and Anarchy.

When between her and her foes
A mist, a light, an image rose.
Small at first, and weak, and frail
Like the vapour of a vale :

Till as clouds grow on the blast,
Like tower-crowned giants striding fast,
And glare with lightnings as they fly,
And speak in thunder to the sky.

It grew—a Shape arrayed in mail
Brighter than the viper’s scale,
And upborne on wings whose grain
Was as the light of sunny rain.

On its helm, seen far away,
A planet, like the Morning’s, lay ;
And those plumes its light rained through
Like a shower of crimson dew.

With step as soft as wind it passed
O’er the heads of men—so fast
That they knew the presence there,
And looked,—but all was empty air.

As flowers beneath May’s footstep waken,
As stars from Night’s loose hair are shaken,
As waves arise when loud winds call,
Thoughts sprung where’er that step did fall.

And the prostrate multitude
Looked—and ankle-deep in blood,
Hope, that maiden most serene,
Was walking with a quiet mien :

And Anarchy, the ghastly birth,
Lay dead earth upon the earth ;
The Horse of Death tameless as wind
Fled, and with his hoofs did grind
To dust the murderers thronged behind.

A rushing light of clouds and splendour,
A sense awakening and yet tender
Was heard and felt—and at its close
These words of joy and fear arose

As if their own indignant Earth
Which gave the sons of England birth
Had felt their blood upon her brow,
And shuddering with a mother’s throe

Had turned every drop of blood
By which her face had been bedewed
To an accent unwithstood,—
As if her heart cried out aloud :

‘Men of England, heirs of Glory,
Heroes of unwritten story,
Nurslings of one mighty Mother,
Hopes of her, and one another ;

‘Rise like Lions after slumber
In unvanquishable number.
Shake your chains to earth like dew
Which in sleep had fallen on you—
Ye are many—they are few.

‘What is Freedom?—ye can tell
That which slavery is, too well—
For its very name has grown
To an echo of your own.

‘’Tis to work and have such pay
As just keeps life from day to day
In your limbs, as in a cell
For the tyrants’ use to dwell,

‘So that ye for them are made
Loom, and plough, and sword, and spade,
With or without your own will bent
To their defence and nourishment.

‘’Tis to see your children weak
With their mothers pine and peak,
When the winter winds are bleak,—
They are dying whilst I speak.

‘’Tis to hunger for such diet
As the rich man in his riot
Casts to the fat dogs that lie
Surfeiting beneath his eye ;

‘’Tis to let the Ghost of Gold
Take from Toil a thousandfold
More than e’er its substance could
In the tyrannies of old.

‘Paper coin—that forgery
Of the title-deeds, which ye
Hold to something from the worth
Of the inheritance of Earth.

‘’Tis to be a slave in soul
And to hold no strong control
Over your own wills, but be
All that others make of ye.

‘And at length when ye complain
With a murmur weak and vain
’Tis to see the Tyrant’s crew
Ride over your wives and you—
Blood is on the grass like dew.

‘Then it is to feel revenge
Fiercely thirsting to exchange
Blood for blood—and wrong for wrong—
Do not thus when ye are strong.

‘Birds find rest, in narrow nest
When weary of their wingèd quest ;
Beasts find fare, in woody lair
When storm and snow are in the air.

‘Horses, oxen, have a home,
When from daily toil they come ;
Household dogs, when the wind roars,
Find a home within warm doors.’

‘Asses, swine, have litter spread
And with fitting food are fed ;
All things have a home but one—
Thou, Oh, Englishman, hast none !

‘This is Slavery—savage men,
Or wild beasts within a den
Would endure not as ye do—
But such ills they never knew.

‘What art thou, Freedom ? O ! could slaves
Answer from their living graves
This demand—tyrants would flee
Like a dream’s imagery :

‘Thou are not, as impostors say,
A shadow soon to pass away,
A superstition, and a name
Echoing from the cave of Fame.

‘For the labourer thou art bread,
And a comely table spread
From his daily labour come
In a neat and happy home.

‘Thou art clothes, and fire, and food
For the trampled multitude—
No—in countries that are free
Such starvation cannot be
As in England now we see.

‘To the rich thou art a check,
When his foot is on the neck
Of his victim, thou dost make
That he treads upon a snake.

‘Thou art Justice—ne’er for gold
May thy righteous laws be sold
As laws are in England—thou
Shield’st alike both high and low.

‘Thou art Wisdom—Freemen never
Dream that God will damn for ever
All who think those things untrue
Of which Priests make such ado.

‘Thou art Peace—never by thee
Would blood and treasure wasted be
As tyrants wasted them, when all
Leagued to quench thy flame in Gaul.

‘What if English toil and blood
Was poured forth, even as a flood ?
It availed, Oh, Liberty.
To dim, but not extinguish thee.

‘Thou art Love—the rich have kissed
Thy feet, and like him following Christ,
Give their substance to the free
And through the rough world follow thee,

‘Or turn their wealth to arms, and make
War for thy belovèd sake
On wealth, and war, and fraud—whence they
Drew the power which is their prey.

‘Science, Poetry, and Thought
Are thy lamps ; they make the lot
Of the dwellers in a cot
So serene, they curse it not.

‘Spirit, Patience, Gentleness,
All that can adorn and bless
Art thou—let deeds, not words, express
Thine exceeding loveliness.

‘Let a great Assembly be
Of the fearless and the free
On some spot of English ground
Where the plains stretch wide around.

‘Let the blue sky overhead,
The green earth on which ye tread,
All that must eternal be
Witness the solemnity.

‘From the corners uttermost
Of the bounds of English coast ;
From every hut, village, and town
Where those who live and suffer moan
For others’ misery or their own,

‘From the workhouse and the prison
Where pale as corpses newly risen,
Women, children, young and old
Groan for pain, and weep for cold—

‘From the haunts of daily life
Where is waged the daily strife
With common wants and common cares
Which sows the human heart with tares—

‘Lastly from the palaces
Where the murmur of distress
Echoes, like the distant sound
Of a wind alive around

‘Those prison halls of wealth and fashion.
Where some few feel such compassion
For those who groan, and toil, and wail
As must make their brethren pale—

‘Ye who suffer woes untold,
Or to feel, or to behold
Your lost country bought and sold
With a price of blood and gold—

‘Let a vast assembly be,
And with great solemnity
Declare with measured words that ye
Are, as God has made ye, free—

‘Be your strong and simple words
Keen to wound as sharpened swords,
And wide as targes let them be,
With their shade to cover ye.

‘Let the tyrants pour around
With a quick and startling sound,
Like the loosening of a sea,
Troops of armed emblazonry.

‘Let the charged artillery drive
Till the dead air seems alive
With the clash of clanging wheels,
And the tramp of horses’ heels.

‘Let the fixèd bayonet
Gleam with sharp desire to wet
Its bright point in English blood
Looking keen as one for food.

‘Let the horsemen’s scimitars
Wheel and flash, like sphereless stars
Thirsting to eclipse their burning
In a sea of death and mourning.

‘Stand ye calm and resolute,
Like a forest close and mute,
With folded arms and looks which are
Weapons of unvanquished war,

‘And let Panic, who outspeeds
The career of armèd steeds
Pass, a disregarded shade
Through your phalanx undismayed.

‘Let the laws of your own land,
Good or ill, between ye stand
Hand to hand, and foot to foot,
Arbiters of the dispute,

‘The old laws of England—they
Whose reverend heads with age are gray,
Children of a wiser day ;
And whose solemn voice must be
Thine own echo—Liberty !

‘On those who first should violate
Such sacred heralds in their state
Rest the blood that must ensue,
And it will not rest on you.

‘And if then the tyrants dare
Let them ride among you there,
Slash, and stab, and maim, and hew, —
What they like, that let them do.

‘With folded arms and steady eyes,
And little fear, and less surprise,
Look upon them as they slay
Till their rage has died away.’

‘Then they will return with shame
To the place from which they came,
And the blood thus shed will speak
In hot blushes on their cheek.

‘Every woman in the land
Will point at them as they stand—
They will hardly dare to greet
Their acquaintance in the street.

‘And the bold, true warriors
Who have hugged Danger in wars
Will turn to those who would be free,
Ashamed of such base company.

‘And that slaughter to the Nation
Shall steam up like inspiration,
Eloquent, oracular ;
A volcano heard afar.

‘And these words shall then become
Like Oppression’s thundered doom
Ringing through each heart and brain.
Heard again—again—again—

‘Rise like Lions after slumber
In unvanquishable number—
Shake your chains to earth like dew
Which in sleep had fallen on you—
Ye are many—they are few.’


Quellen:
Eigene Übersetzung
de.wikipedia.org
en.wikipedia.org
libcom.org

Stuttgart: Kundgebung zum NSU-Prozess - 11. Juli 2018, 18 Uhr, Schlossplatz: Der NSU-Prozess geht zu Ende - Der Kampf gegen Rechts nicht!

Der NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) ist den meisten Menschen in der BRD bekannt. Die bewaffnete faschistische Gruppierung mordete sich von 1998 bis 2011 13 Jahre lang ungehindert durch die gesamte Bundesrepublik. Neun rassistische Morde an Migranten, die Exekution einer Polizistin, drei Bombenanschläge und 14 Raubüberfälle gehen auf das Konto der Naziterroristen.

Nun geht der großangelegte Prozess gegen 5 Beteiligte Nazis nach 5 Jahren und 436 Verhandlungstagen zu Ende. Mit einer Kundgebung am Tag der Urteilsverkündung werden wir deutlich machen, dass ein Ende des Prozesses noch lange nicht das Ende des Kampfes gegen Naziterror und dessen staatliche Schützenhilfe bedeutet!

Nachdem zwei Mitglieder des NSU -“ Uwe Bönhardt und Uwe Mundlos -“ im Jahr 2011 bei einem Brand im Wohnmobil, das sie als Unterschlupf nutzten, getötet wurden, konnte mit Beate Zschäpe eine dritte Beteiligte festgenommen werden. In den folgenden Jahren zeigte sich, dass der NSU über ein weitverzweigtes Unterstützungsnetzwerk in der Naziszene verfügte, dass für Unterkünfte, Geld und Waffen sorgte. Hat sich der Alptraum von einer bewaffneten Naziorganisation damit erledigt? Noch lange nicht!

Die Herkunft und die Unterstützung des NSU aus der Naziszene ist nur eine Seite der Geschichte. Eine andere sind die offensichtlichen Verstrickungen des Verfassungsschutzes in die Machenschaften der Naziterroristen. In den 13 Jahren seines Bestehens befanden sich nachweislich ca. 50 Spitzel deutscher „Sicherheitsbehörden“ im näheren und weiteren Umfeld des NSU. Sogenannte „Vertrauensleute“ des Verfassungsschutzes, also Nazis, die gleichzeitig für Geld mit dem Verfassungsschutz zusammenarbeiten, besorgten Sprengstoff und Unterkünfte, Geld für falsche Pässe und Jobs für das Trio. Bei einem NSU-Mord in einem Internetcafé in Kassel hielt sich ein Beamter des Verfassungsschutzes sogar erwiesenermaßen am Tatort auf. In Baden-Württemberg kommen im Zusammenhang mit dem Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter außerdem noch Verbindungen zu einem deutschen Ableger des rassistischen Ku-Klux-Klans, der von Polizeibeamten aufgebaut wurde, hinzu.

Dass das Trio trotz dieser Nähe zum Staat 13 Jahre lang nicht gefasst wurde, ist kein Zufall. Es spricht Bände über die rassistischen Vorbehalte im Staatsapparat, dass die Polizei die Mordserie mit der zynischen Bezeichnung „Dönermorde“ versah und die Täter jahrelang unter migrantischen Menschen suchte. Die Polizei verdächtigte Opfer und ihre Angehörigen, Teil von kriminellen Netzwerken zu sein. Und auch, dass massenweise Aktenmaterial des Verfassungsschutzes über den NSU kurz nach dessen Auffliegen durch den Schredder gejagt wurde, fügt sich in das Bild ein. Besonders brisant im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen den NSU ist darüber hinaus eine Reihe von Todesfällen, bei denen in den Jahren 2013 bis 2018 fünf Menschen ums Leben gekommen sind, die entweder selbst geladen waren, um Aussagen im Rahmen der NSU Ermittlungen zu tätigen, oder in engen Beziehungen mit ZeugInnen lebten. Zwei angebliche Selbstmorde, die viele Fragen aufwerfen, eine angebliche Lungenembolie in Folge einer Knieprellung bei einer gesunden 20-jährigen Frau, eine scheinbar unerkannte Diabetes und der aktuell ungeklärte Tod eines bekannten Brandermittlers.

Es geht uns aber nicht darum, uns in detaillierten Theorien über Verbindungen und Hintergründe zu verlieren. Uns geht es um die Tatsache, dass staatliche Stellen nicht in der Lage sind, den NSU-Komplex umfassend zu zerschlagen, geschweige denn nachhaltig gegen rechte und faschistische Tendenzen in der Gesellschaft vorzugehen. Wie auch, wenn Teile des staatlichen Personals offensichtlich ein enges Verhältnis zu entsprechenden Kreisen pflegen und zugleich juristisch nicht greifbar sind? Wie auch immer ein Urteil im Prozess gegen die Nazis aussehen wird -“ es wird nichts wirklich aufklären und verbessern, solange die gesellschaftlichen Bedingungen für das Erstarken von rechten und faschistischen Bewegungen nicht benannt und angegangen werden. Um langfristig zu erreichen, dass alle Formen des Rassismus auf dem Müllhaufen der Geschichte landen, brauchen wir eine Gesellschaft, in der die Menschen solidarisch zusammenleben -“ ohne Staatliche Organisationen, die mit Mörderbanden zusammenarbeiten und deren eigentlicher Zweck die Aufrechterhaltung einer Ordnung ist, in der das reichste Hundertstel der Bevölkerung ein Drittel des gesamten Vermögens besitzt, in der die Menschen, die eigentlich gemeinsam dagegen angehen könnten, nach Herkunft, kulturellen Identitäten und sozialem Status gespalten werden. Dafür müssen wir unsere Seite und Druck aufbauen -“ das kann uns kein Gericht und kein Parlament abnehmen!

Deshalb: Kommt am Tag der Urteilsverkündung im NSU-Prozess zur Kundgebung um 18 Uhr auf dem Schlossplatz in Stuttgart. Machen wir deutlich, dass wir den Kampf erst einstellen, „wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht“ (aus dem Schwur der KZ-Häftlinge von Buchenwald)!

Quelle: VVN-BdA Esslingen / AABS

nachschLAg: Ein unvollständiger Wochenrückblick

CHILE
Opfer der "Colonia Dignidad" gehen leer aus: Auswärtiges Amt will keine Entschädigungen zahlen

Gerechtigkeit für Víctor Jara: Über vier Jahrzehnte nach seiner Ermordung durch die Diktatur Augusto Pinochets ließen die chilenischen Gerichte endlich Victor Jara Gerechtigkeit widerfahren

ECUADOR
Gericht in Ecuador erlässt Haftbefehl gegen Ex-Präsident Correa: Ehemaliger Staatschef beklagt Willkür und politische Verfolgung. Correa soll sich alle zwei Wochen in Ecuador bei Gericht melden. Anklage fragwürdig

KOLUMBIEN
Vor dem Scheitern: In Havanna hat die letzte Verhandlungsrunde zwischen kolumbianischer Guerilla und Regierung begonnen. Am 7. August tritt neuer Präsident Duque Amt an

Nationalpark im ehemaligen Farc-Gebiet: Kolumbien schützt riesiges Waldgebiet. Der Nationalpark Serranía del Chiribiquete ist nun größer als die Niederlande. Doch es fehlt Geld, um ihn gegen Holzfäller zu verteidigen.

MEXIKO
Politischer Umbruch in Mexiko: Der Linke Andrés Manuel López Obrador schafft es nach zwei gescheiterten Anläufen ins höchste Amt des Landes.

Unter Lateinamerikas Linken herrscht Euphorie. Der Sieg von Andrés Manuel López Obrador alias "AMLO" bei der Präsidentschaftswahl in Mexiko am vergangenen Sonntag sei der "Beginn der Befreiung unserer Völker", erklärte Boliviens Staatschef Evo Morales. Aber auch Skepsis.

Agendasetting: Deutsche "Qualitätsmedien" schießen sich auf Mexikos künftigen Präsidenten ein. Stichwortgeber sind die rechten Stiftungen von CDU und FDP.

PARAGUAY
In Paraguay hat das Parlament den Versuch des scheidenden Präsidenten Horacio Cartes abgewendet, sich nach dem Ende seiner Amtszeit Immunität zu sichern. Cartes hatte versucht mit einem Winkelzug die Verfassung zu umgehen, indem er am 28. Mai seinen vorzeitigen Rücktritt beantragte.

VENEZUELA
"Wir wollen nicht noch mehr tote Frauen": In Venezuela steht die Diskussion über eine Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen erst am Anfang. Ein Gespräch mit Yuruani Sánchez

Der Präsident von Venezuela, Nicolás Maduro, hat die Vergabe von einer Million städtischen Landtiteln bekannt gegeben und die Fortführung der Wohnungsbau- und Stadtentwicklungspolitik seiner Regierung bekräftigt.

US-Präsident Trump forderte Invasion in Venezuela. Putschversuch gegen Maduro im Mai vereitelt

Ein Gemeinschaftsprojekt von Einfach Übel und redblog, Ausgabe vom 06. Juli 2018

Zwergobst



Theodor W. Adorno, Heidelberg 1964

Foto: Jeremy J. Shapiro

Lizenz: CC BY-SA 3.0

Es ist die Höflichkeit Prousts, dem Leser die Beschämung zu ersparen, sich für gescheiter zu halten als den Autor.

Im neunzehnten Jahrhundert haben die Deutschen ihren Traum gemalt, und es ist allemal Gemüse daraus geworden. Die Franzosen brauchten nur Gemüse zu malen, und es war schon ein Traum.

In angelsächsischen Ländern sehen die Dirnen aus, als ob sie mit der Sünde zugleich die Höllenstrafe mitlieferten.

Schönheit der amerikanischen Landschaft: daß noch dem kleinsten ihrer Segmente, als Ausdruck, die unermeßliche Größe des ganzen Landes einbeschrieben ist.

In der Erinnerung der Emigration schmeckt jeder deutsche Rehbraten, als wäre er vom Freischütz erlegt worden.

An der Psychoanalyse ist nichts wahr als ihre Übertreibungen.

Ob einer glücklich ist, kann er dem Winde anhören. Dieser mahnt den Unglücklichen an die Zerbrechlichkeit seines Hauses und jagt ihn aus leichtem Schlaf und heftigem Traum. Dem Glücklichen singt er das Lied seines Geborgenseins: sein wütendes Pfeifen meldet, daß er keine Macht mehr hat über ihn.

Der lautlose Lärm, der aus unserer Traumerfahrung seit je uns gegenwärtig ist, tönt dem Wachen aus den Schlagzeilen der Zeitungen entgegen.

Die mythische Hiobspost erneuert sich mit dem Radio. Wer etwas Wichtiges autoritär mitteilt, meldet Unheil. Englisch heißt solemn feierlich und bedrohlich. Die Macht der Gesellschaft hinter dem Redenden wendet von selbst sich gegen die Angeredeten.

Das Jüngstvergangene stellt allemal sich dar, als wäre es durch Katastrophen zerstört worden.

Der Ausdruck des Geschichtlichen an Dingen ist nichts anderes als der vergangener Qual.

Bei Hegel war Selbstbewußtsein die Wahrheit der Gewißheit seiner selbst, nach den Worten der Phänomenologie das "einheimische Reich der Wahrheit". Als sie das schon nicht mehr verstanden, waren die Bürger selbstbewußt wenigstens im Stolz darüber, daß sie ein Vermögen hatten. Heute heißt self-conscious nur noch die Reflexion aufs Ich als Befangenheit, als Innewerden der Ohnmacht: wissen, daß man nichts ist.

Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen.

Der Splitter in deinem Auge ist das beste Vergrößerungsglas.

Noch der armseligste Mensch ist fähig, die Schwächen des bedeutendsten, noch der dümmste, die Denkfehler des klügsten zu erkennen.

Erster und einziger Grundsatz der Sexualethik: der Ankläger hat immer unrecht.

Das Ganze ist das Unwahre.

Theodor W. Adorno - Minima Moralia

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