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»Wir sind Maurer, Maler, Elektriker, wir brauchen den Staat nicht, für nichts.« Lucio Urtubia

Auch 2026: An guten Traditionen festhalten!

Politisches Plakat in Schwarz, Weiß und kräftigem Rot. Oben ist eine schwarze Karikatur von Guy Fawkes mit hohem Hut, langer Nase und finsterem Gesichtsausdruck zu sehen. Darunter steht in großen schwarzen Buchstaben auf rotem Hintergrund: „Guy Fawkes“. Der englische Slogan lautet übersetzt: „Der einzige Mann, der jemals das Parlament mit ehrlichen Absichten betrat.“ Das Plakat spielt ironisch auf den gescheiterten Sprengstoffanschlag auf das englische Parlament im Jahr 1605 an.
Anarchistisches Poster aus den 50er Jahren

Beispielsweise den heutigen Guy Fawkes Day, in dem in Britannien des einzigen Mannes gedacht wird, der je mit ehrlichen Absichten ins Parlament gegangen ist.

"Remember, remember, the 5th of November
The Gunpowder Treason and plot ;
I know of no reason why Gunpowder Treason
Should ever be forgot."

 


 

Blogkino Special: Winstanley (1975)

Heute anlässlich des gestrigen 350. Todestages von Gerrard Winstanley mal ein Blogkino Special außer der Reihe: Den britische Spielfilm Winstanley von 1975 - anlässlich des damaligen 300. Todestags:

Gerrard Winstanley, Sozialreformer und Schriftsteller des 17. Jahrhunderts, versucht zusammen mit einer kleinen Gruppe von Anhängern, den sogenannten „Diggers“, eine autarke Bauerngemeinschaft auf Gemeinschaftsland zu gründen. Ihre Bemühungen stoßen auf eine Reihe von Schwierigkeiten, darunter die „Ranters“, die den Gedanken des Gehorsams gänzlich ablehnen und an die Freiheit von allen traditionellen Zwängen glauben sowie daran, dass „Sünde“ lediglich ein Produkt der Vorstellungskraft ist...

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Gerrard Winstanley: „Die Erde zu einer gemeinsamen Schatzkammer machen“

Zum 350. Todestag des englischen Revolutionärs und „Digger“ Gerrard Winstanley (1609–1676)

 Ein gestricktes Dreieck, das an einem Stacheldrahtzaun auf dem Winter Hill direkt oberhalb von Bolton befestigt ist. Der Text auf dem Dreieck lautet: „Die Erde wurde zu einem gemeinsamen Schatz für alle gemacht / Gerrard Winstanley.“ Dieses Foto entstand während der Gedenkfeier zum Massenbesitzfriedensbruch von 1896.

Gerrard Winstanley: „Die Erde ist ein gemeinsamer Schatz, der allen gehört.“
Foto: Pierre Marshall – Eigenes Werk
Lizenz: CC BY 4.0

Auf dem Höhepunkt seiner politischen Tätigkeit in den Jahren 1649–1650 setzte sich Gerrard Winstanley mit radikal-protestantischer Sprache für eine frühe Form des anarchistischen Kommunismus ein. Winstanley prangerte Zwangsherrschaft („Regierung durch das Schwert“) und Privateigentum („meins und deins“) an und strebte durch gewaltfreie direkte Aktionen danach, egalitäre Gemeinschaften zu schaffen, in denen alles gemeinsam genutzt würde.

In seiner ersten explizit politischen Schrift, The New Law of Righteousness (1649), argumentierte Winstanley, dass der Wunsch, andere zu seinem eigenen Vorteil zu beherrschen und auszubeuten, nicht nur zur Entstehung von Regierung oder „Herrschaft und Macht“ führe, sodass „ein Teil der Menschheit“ „über einen anderen“ herrschen könne, sondern dass durch diese hierarchische Herrschaft auch das Privateigentum etabliert werde, „wodurch andere Mitgeschöpfe daran gehindert werden, Nahrung von ihrer Mutter Erde zu suchen“, die sich die Reichen und Mächtigen als ihr Eigentum angeeignet haben.

Winstanley prangerte alle Formen der Herrschaft an, denn: „Jeder, der Macht in seine Hände bekommt, tyrannisiert andere; so verhalten sich viele Ehemänner, Eltern, Herren und Richter, die nach dem Fleisch leben, wie unterdrückende Herren gegenüber denen, die unter ihnen stehen; ohne zu wissen, dass ihre Frauen, Kinder, Diener und Untertanen ihre Mitgeschöpfe sind und das gleiche Recht haben, mit ihnen an dem Segen der Freiheit teilzuhaben.“

Winstanley befürwortete gewaltfreie direkte Aktion, denn „die Zeit rückt nun näher, in der die Menschen nicht mehr von Gerechtigkeit reden, sondern Gerechtigkeit handeln werden.“ Schafft das Privateigentum ab, und es „wird keinen Bedarf mehr an Anwälten, Gefängnissen oder Strafmechanismen geben, denn alle werden in der Schöpfung gerecht wandeln und handeln.“ Die Menschen werden nicht länger „durch Armut zum Rauben und Stehlen gezwungen“ sein. Die Erde und ihre Reichtümer sollen zu einem gemeinsamen Schatz für alle werden, aus dem sich jeder frei nehmen kann, was er braucht, während er durch „den Schweiß seiner eigenen Stirn“ dazu beiträgt, anstatt von der Arbeit anderer zu leben.

Nur wenige Monate nach der Veröffentlichung von The New Law of Righteousness brachte Winstanley eine weitere Broschüre heraus, The True Levellers Standard Advanced, in der er das englische Volk dazu aufrief, sich das Land zurückzuholen, während er und eine Gruppe von „Diggers“ begannen, „Brachland“ (unbewirtschaftetes Land) am (St.) George’s Hill in Surrey zu bewirtschaften. Indem sie auf George Hill „gemeinsam die Erde umgruben und bearbeiteten“, wollten die Diggers eine Bewegung inspirieren, die „alle Allmenden und Brachflächen in England und auf der ganzen Welt“ für sich beanspruchte, ohne dass jemand „irgendein Eigentum besaß; sondern die Erde als gemeinsamen Schatz betrachtete, so wie sie ursprünglich für alle geschaffen wurde“.

In dieser Broschüre wandte sich Winstanley gegen die Lohnarbeit, die er als eine Form der Knechtschaft betrachtete, und sagte den „Lohnarbeitern“, dass „ihr armen Leute“ durch eure Arbeit „sowohl Gelehrte als auch Reiche zu euren Unterdrückern macht“.

Winstanley erkannte, dass die Herren ihre Macht über die arbeitende Masse verlieren würden, wenn sich die Arbeiter weigerten, ihren Befehlen zu folgen. Er plädierte für eine allgemeine Weigerung, „gegen Lohn zu arbeiten“ – eine Art Generalstreik –, denn „durch ihre Arbeit“ hätten die Armen „Tyrannen und die Tyrannei emporgehoben; und indem sie sich weigern, gegen Lohn zu arbeiten, werden sie diese wieder zu Fall bringen“.

Die Digger-Bewegung hatte einigen Erfolg, doch bis zum Sommer 1650 waren alle Digger-„Kolonien“ vom sogenannten „Commonwealth“, der kurzlebigen englischen Republik, gewaltsam niedergeschlagen worden.

Es ist bemerkenswert, wie sehr Winstanleys Ideen denen späterer selbsternannter Anarchisten vorausgehen. Er prangerte die Trennung zwischen Herren und Dienern an, die private Aneignung von Land, das Bündnis zwischen politischer Macht und Privateigentum, die Unterwerfung unter den Markt, die Lohnarbeit, das Strafrechtssystem, die institutionalisierte Gewalt des Staates, die institutionalisierte Religion sowie die Anwälte, Professoren und Priester (die intellektuelle Klasse), die die ideologische Rechtfertigung für dieses System der Ausbeutung und Herrschaft lieferten. Er befürwortete gewaltfreie direkte Aktionen, um der Marktwirtschaft Widerstand zu leisten und die Gemeingüter zurückzugewinnen, indem egalitäre, nicht-hierarchische Gemeinschaften geschaffen wurden, in denen die Menschen als Gleiche zusammenarbeiten und frei aus den gemeinsamen Vorratskammern nehmen könnten, was sie brauchten. Er wandte sich auch gegen jene Reformer und Revolutionäre, die danach strebten, die Macht in ihre eigenen Hände zu nehmen, die sie unweigerlich dazu nutzen würden, ihre eigenen Interessen durchzusetzen.

Nach der Niederschlagung der Digger-Bewegung schwieg Winstanley bis 1652, als er seine letzte Broschüre veröffentlichte: The Law of Freedom in a Platform. Während Marxisten The Law of Freedom als Winstanleys krönenden Erfolg betrachten, ist es aus anarchistischer Sicht lediglich eine Fußnote zu seinen libertär-kommunistischen Schriften von 1649–1650. Obwohl er sich weiterhin für den Kommunismus aussprach, glaubte Winstanley nun, dass dieser nur durch einen zwingenden staatlichen und rechtlichen Apparat umgesetzt und aufrechterhalten werden könne.

Weiterführende Literatur:

Gerrard Winstanley, The Law of Freedom and Other Writings (Penguin, 1973), hrsg. von Christopher Hill

John Gurney, Gerrard Winstanley: The Digger’s Life and Legacy (Pluto, 2013)

Robert Graham (Hrsg.) Anarchism: A Documentary History of Libertarian Ideas, Band 1 (Black Rose)

 

Quelle: Gerrard Winstanley: “To make the Earth a Common Treasury” in FreedomNews, 10. September 2026
Text: Robert Graham

Übersetzung, Bearbeitung: Thomas Trueten [Nicht autorisiert]


 

Auch 2025: An guten Traditionen festhalten!

Anarchistisches Poster aus den 50er Jahren

Beispielsweise den heutigen Guy Fawkes Day, in dem in Britannien des einzigen Mannes gedacht wird, der je mit ehrlichen Absichten ins Parlament gegangen ist.

"Remember, remember, the 5th of November

The Gunpowder Treason and plot ;

I know of no reason why Gunpowder Treason

Should ever be forgot."

Radical Reprint: Die falschen Hoffnungen des Wahlkampflinken

Die Ergebnisse einer Wahl vor 80 Jahren lösten Diskussionen aus, die in unserem heutigen Kontext vertraut klingen und Parallelen aufweisen.

Nach einer Pause in den 1930er und 1940er Jahren tauchte der Name Freedom (zusammen mit War Commentary) endlich wieder im Impressum der Ausgabe vom August 1945 der Freedom Press auf, über der Schlagzeile „Is This Peace?” (Ist das Frieden?). Als bemerkenswerte Beispiele dafür, was der „Erfolg“ den arbeitenden Menschen tatsächlich gebracht hatte, wurden die wirtschaftlichen Probleme Großbritanniens und der USA, Krankheiten und Hunger auf dem Kontinent sowie die anhaltende Unterdrückung in anderen Teilen der Welt angeführt.

Der heutige Artikelauszug stammt jedoch aus einem etwas weiter unten stehenden Teil der Zeitung, da dieser versuchte, die Position der Zeitung zu den Ergebnissen der Wahlen im Juli zu orientieren, die eine überwältigende Mehrheit für Labour gebracht hatten. Ein Großteil der Linken war begeistert von diesem Ergebnis, dem ersten seiner Art für die Partei der Arbeiterklasse, wie sie es sahen.

Nicht so die Redaktion von Freedom, die eine scharfe und aus heutiger Sicht teilweise vorausschauende Kritik an den Aussichten der Labour-Partei verfasste. Ein Teil des Artikels ist in erster Linie von historischem Interesse, aber einiges davon passt zu dem, was wir heute bei Labour sehen, und berührt sogar grundlegende Themen, die das Jahr 2025 beeinflussen werden, wie Sultana Corbyns „Your Party“ und das Verbot der Labour-Partei.

In einer Zeit, in der Labour unsere bürgerlichen Freiheiten einschränkt, sollte zum Beispiel Folgendes einen starken Eindruck hinterlassen:

Die Zeichnungzeit eine Person, die ihre Fesseln zerreißt
Quelle
„Wir haben nicht gewählt, und doch haben wir unsere bürgerlichen Freiheiten so weit wie möglich ausgeübt – vielleicht sind wir manchmal etwas zu weit gegangen, aber das liegt daran, dass die Definition der bürgerlichen Freiheiten von kapitalistischen Regierungen ständig eingeschränkt und begrenzt wird. Zu den bürgerlichen Freiheiten gehören „nicht genehmigtes“ Drucken, freie Meinungsäußerung, Versammlungsfreiheit, Streiks usw. Diese müssen wir nutzen. Wenn sie uns genommen werden, werden wir zeigen, dass wir noch wirksamere Waffen in unserem Arsenal haben.

„Sagt uns nicht, wir würden die bürgerlichen Freiheiten vernachlässigen, weil wir nicht wählen gehen. Wir nutzen sie ständig, nicht nur alle fünf Jahre.

Man muss nur „Veröffentlichung” ersetzen und findet alle vier unter den jüngsten Angriffen genau der Partei, die die Leute gewählt haben, um angeblich die extreme Rechte fernzuhalten. Der „Online Safety Bill” und das Verbot, die jüngste Welle von Verhaftungen friedlicher Demonstranten in London und anderswo sowie die Beibehaltung der Streikgesetze bestätigen die genaue Absicht der Autoren von „Freedom” vor 80 Jahren.

Anarchistischer KommentarDie Machtübernahme der Labour-Partei ist nur zu einem sehr geringen Teil auf den sogenannten „Linksruck“ (ein neumodischer Begriff für Unzufriedenheit) in Europa zurückzuführen, sondern vor allem darauf, dass sie den Tories den Wind aus den Segeln genommen hat.

Früher war sie eine reformistische Bremse für die Arbeiter. Jetzt ist sie eine Partei der Berufstätigen und der Mittelschicht. Die Zeitung „Daily Express“ ist die erste der Tories, die diese (für sie) erfreuliche Tatsache begrüßt: „Mehr als die Hälfte der sozialistischen Abgeordneten stammt heute aus der Mittelschicht und den freien Berufen. Weniger als die Hälfte von ihnen hat jemals einen Tag lang mit körperlicher Arbeit ihren Lebensunterhalt verdient. Das Gewicht der neuen Mittelschicht und der freien Berufe in der Partei wird sich zwangsläufig bemerkbar machen und zu einer Verlagerung der Schwerpunkte in der Gesetzgebung führen.“ (1.8.45).

Ein Blick auf den Hintergrund der Kandidaten und meine eigenen Beobachtungen während des Wahlkampfs bestätigen diesen Bericht voll und ganz. Was bei den Wahlen vor allem auffiel, war die Apathie der Arbeiterklasse im Vergleich zur wachsenden Begeisterung der Mittelschicht für die Politik der Labour Party.

In den alten Hochburgen der Labour-Partei gab es die üblichen Mehrheiten von 10, 20 und 30.000 Stimmen für Labour, aber im Vergleich zu den Kundgebungen, der Begeisterung und der regen Aktivität in den Mittelschichtgebieten, wo Labour die „unerwartetsten“ Ergebnisse erzielte, herrschte hier Ruhe, Apathie und Desinteresse.

Dies bedeutet eindeutig, dass Labour ein Programm durchführen wird, das den Tories vielleicht gefallen wird oder auch nicht, aber auf jeden Fall jener Bevölkerungsschicht gefallen wird, von der die Tories abhängig sind.

Dies gilt insbesondere für die Verstaatlichung, denn es wurde nie nachgewiesen, dass die Arbeiter davon überhaupt profitieren würden.

Herr Attlee hat einmal erklärt, er sehe nicht, dass ein Arbeiter bei der LNER unter privater Unternehmensführung weniger ein Rädchen im Getriebe sei als unter staatlicher Kontrolle. Der Nutzen der Verstaatlichung kommt dem Staat zugute, d. h. den Technikern, Managern und Fachleuten, deren Klassenpartei derzeit an der Macht ist.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt müssen wir den Arbeitern klar machen, wofür die Labour-Partei wirklich steht, denn es ist nicht leicht vorstellbar, dass sie im Namen des „industriellen Friedens” die Arbeiter um ihre Loyalität gegenüber „ihrer” Regierung und um Anstrengungen bitten wird. den Arbeitern klar machen, wofür die Labour-Partei wirklich steht, denn es ist nicht leicht vorstellbar, dass man im Namen des „Arbeitsfriedens“ an die Loyalität der Arbeiter gegenüber „ihrer“ Regierung appellieren und versuchen wird, die wachsende Welle der Begeisterung und Unzufriedenheit in dieser kritischen Zeit von direkten Aktionen für Lebensmittel, Wohnraum, Demobilisierung und in der Industrie abzulenken, indem man sagt: „Vertraut euren Führern und bringt sie nicht in Verlegenheit, bevor sie eine Chance hatten.”

„WIE ERKLÄRT MAN DAS . . . ?”
Einige Fragen verfolgen einen von Versammlung zu Versammlung, tauchen in Brief um Brief wieder auf – die Fragenden sind überzeugt, dass es keine Antwort gibt, und doch ist die Frage selbst nur ein abgenutzter Mantel in neuer Farbe. Heutzutage machen sich alle über das alte Argument der Tories lustig, dass wir zwischen den Kriegen einen ziemlich guten Lebensstandard gehabt haben müssen, weil die Soldaten so heldenhaft ihr Erbe verteidigt haben usw. Aber wie oft hören wir das sture Argument, dass „Russland nicht so sein kann, wie ihr Anarchisten es darstellt“ usw., weil man sich doch die Millionen Russen anschauen solle, die in den Krieg gezogen sind, Deutschland vernichtet und Hitler zurückgedrängt haben und so weiter und so fort. (In einem kürzlich erschienenen Brief schrieb der Verfasser, er müsse Stalin wegen der Art und Weise, wie sein Volk gestorben sei, bewundern!

Ich habe mich auf der Tribüne heiser wiederholt, dass es völlig offensichtlich ist, dass eine Großmacht in einem totalen Krieg eine wichtige Rolle spielen wird. Unabhängig von der politischen Ausrichtung Irlands oder Schwedens hätten sie in diesem Krieg eindeutig keine „heroischere“ Rolle gespielt als sie es getan haben, selbst mit einer „kommunistischen“ Verherrlichung des Militarismus. Andererseits sind die Russen, wie wir selbst, die Amerikaner und die Deutschen, in der Lage, ihr Leben für den größeren Ruhm ihrer geliebten Herren zu opfern. Solange es Imperialismus gibt, wird es Krieg geben, und solange bestimmte Länder Großmächte bleiben, werden sie die größten Opfer im Krieg bringen. Die anderen werden auf andere Weise geopfert – wie Indien und Polen.

Für sie klingt das in Bezug auf England, Amerika und Deutschland einfach genug, aber wenn es um Russland geht, scheint ein seltsamer Panslawismus unsere sogenannten Linken zu beeinflussen. In der Central Hall in Westminster, bei einer überfüllten Kundgebung zur Feier des Sieges der Labour Party (26. Juli), rief ihr Sprecher zu Jubelrufen für „Joe Stalin, der auch zum Sieg im Krieg beigetragen hat“ – was die Menge, insbesondere die Soldaten, die über die Behauptung, Churchill habe den Krieg gewonnen, so empört waren, ziemlich verärgerte. Natürlich schrien die „Kommunisten“ sich die Kehlen heiser.

„Ihr habt absichtlich weggeworfen ...”
Eine weitere Illusion betrifft die Frage, wie die Arbeiter das Wahlrecht erhielten. Anarchisten werden oft vorgeworfen, „die Stimmen zu verschwenden, für die unsere Vorfahren gestorben sind, deportiert wurden usw.” Tatsächlich erhielten die Arbeiter das Wahlrecht durch einen politischen Trick der Tories. Als Disraeli den Arbeiterklassen das Wahlrecht gab, rieb er sich genüsslich die Hände und sagte: „Seht ihr nicht, wir haben die Whigs fertiggemacht?“ Er klaute ihr Hauptargument – dass das Wahlrecht allgemein sein sollte – er „fand sie beim Baden und lief mit ihren Kleidern davon“. Alle unabhängigen Historiker und Disraelis eigene Worte beweisen, dass das allgemeine Wahlrecht als parteipolitischer Kampf eingeführt wurde.

Aber unsere Vorfahren wurden von der Kapitalistenklasse eingesperrt, deportiert und getötet. Ja, aber nicht wegen des Wahlrechts – im Klassenkampf und im Kampf für bürgerliche Freiheiten. Aber bürgerliche Freiheiten sind nicht dasselbe wie das allgemeine Wahlrecht. Das eine kann ohne das andere existieren.

In diesem Punkt wird viel zu schlampig gedacht. Die Leute sagen (man kann es in fast jeder Zeitung lesen), dass „die demokratische Maschine rostig geworden ist“, weil zehn Jahre lang keine Wahlen stattgefunden haben. Unglaublich! Wir haben nur eine Wahl verpasst – die von 1940 – und schon ist die demokratische Maschine rostig!

Die Leute, die denken, dass Bürgerrechte das Abgeben einer Stimme bedeuten, wissen nicht, was Bürgerrechte bedeuten, und geben das zu, indem sie nie etwas anderes tun, als ihre Stimme abzugeben. Wir haben nicht gewählt, und doch haben wir die Bürgerrechte so weit ausgeübt, wie sie reichen – vielleicht sind wir manchmal ein bisschen weiter gegangen, aber das liegt daran, dass die Definition der Bürgerrechte von kapitalistischen Regierungen ständig eingeschränkt und begrenzt wird. Bürgerrechte umfassen „unlizenziertes Drucken“, freie Meinungsäußerung, Versammlungsfreiheit, Streiks usw. Diese müssen wir nutzen. Wenn sie uns genommen werden, werden wir zeigen, dass wir noch wirksamere Waffen in unserem Arsenal haben.

Sagt uns nicht, wir würden die Bürgerrechte vernachlässigen, weil wir nicht wählen gehen. Wir nutzen sie ständig, nicht nur alle fünf Jahre – und sie verrosten nicht, wenn man einmal fünf Jahre lang nicht wählt.

Quelle:
Rob Ray: "Radical Reprint: The false dawns of electoral leftism", 10. August
Übersetzung: Thomas Trueten [Nicht authorisiert]

245. Jahrestag der Gordon Riots

Das Gemälde zeigt die Straßenkämpfe während der Gordon Riots. Rechts im Bild eine Abteilung Soldaten, die auf die links im Hintergrund protestierenden Menschen schießen. Im Vordergrund kümmert sich ein Arzt um einen verletzten Offizier. Daneben liegen zwei tote Menschen.
"The Gordon Riots", ein Gemälde von John Seymour Lucas (1849–1923) von 1879 (Dauerleihgabe der Art Gallery of New South Wales an den Supreme Court of New South Wales)

2. Juni 1780: An diesem Tag begannen in England die Gordon Riots, die bis zum 9. Juni andauerten. Die Unruhen begannen als Pogrom gegen Katholiken. Sie entwickelten sich jedoch zu einem Massenaufstand der Arbeiter, an dem ehemalige Sklaven, zwangsrekrutierte Seeleute und Schuldner, Engländer, Iren, Italiener, Deutsche und Juden beteiligt waren. Die Aufständischen befreiten zweitausend Gefangene und zerstörten alle großen Gefängnisse in London. Sie schrieben an die Gefängnismauern: „Befreit durch die Autorität Seiner Majestät, König Mob“. Die Randalierer zerstörten auch die Häuser von Mitgliedern der herrschenden Elite sowie Zollhäuser und die Bank von England. Die Reichen flohen in Panik aus der Stadt. Es war der zerstörerischste Protest in der Geschichte Londons. Das Militär wurde gerufen. Es tötete bis zu 700 Arbeiter. Der politische Hintergrund für den Aufstand waren niedrige Löhne und Inflation aufgrund der Kriege Englands mit den USA, Spanien und Frankreich sowie der Wunsch nach allgemeinem Wahlrecht.

Via Mike Dunn.

Die Waldbrände werden kommen: Ein Interview mit Toby Shone

Der ehemalige politische Gefangene redet über seinen Anarchismus, das 325-Projekt und den Widerstand gegen die physischen und mentalen Gefängnisse, die uns alle umgeben.

Eine Person sitzt auf einer mit Stacheldraht bewehrten Mauer und schaut auf eine Stadt, die in der Dämmerung liegt. Dunkel Wolken am HImmel, am Horizont geht die Sonne auf.
Grafik: Thomas Trueten
Du hast kürzlich über die Wichtigkeit von Solidarität und Verbindungen zwischen Gefangenen und ihren Unterstützern draußen gesprochen. Kannst du uns Beispiele für diese Art der gegenseitigen oder kollektiven Stärkung im Kampf gegen die ständige Unterdrückung durch das Gefängnis nennen?

Kurz bevor ich 2024 freigelassen wurde, gab es im C-Flügel des HMP Garth in Leyland, wo ich festgehalten wurde, gewaltsame Zellendurchsuchungen durch eine Spezialeinheit der Gefängniswärter, die als National Search Team bekannt ist. Das NST übernahm den Trakt mit Hunden und Schutzausrüstung. Die Razzia fand Zelle für Zelle statt, begleitet von sinnloser Brutalität. Wir wurden zu zweit mit Handschellen gefesselt und in einen verschlossenen Nassraum gebracht. Einige Gefangene wurden geschlagen, misshandelt und viele unserer Sachen wurden zerstört. Einige der Jungs wehrten sich, überschwemmten ihre Zellen, schlugen gegen ihre Türen oder spielten aus Protest laut Musik. Am nächsten Tag weigerte sich der ganze Trakt, nach der morgendlichen Freistunde in die Zellen zurückzukehren. Als lautstarker und unkontrollierter Mob forderten wir die sofortige Rückgabe der beschlagnahmten Sachen, den Ersatz der beschädigten Sachen und verurteilten die Gewalt. Das führte dazu, dass die Wärter zurückwichen. In diesem Moment konnten die Wärter nichts machen, weil wir alle zusammen und ohne Anführer handelten. Am Ende der Mittagspause war der Streik vorbei.

Ähnliches erlebte ich, als einer der Gefangenen aus Depressionen oder Hoffnungslosigkeit heraus ums Leben kam. Demonstrationen vor den Gefängnissen, in denen ich festsaß, waren ebenfalls ein starkes Erlebnis, das sowohl die Wärter als auch uns beeindruckte. Vor allem, wenn Feuerwerkskörper den Nachthimmel erhellten und die Genossen draußen kämpferisch waren. Ich fand, dass sich die anderen Gefangenen in diesem weitgehend systemfeindlichen und kriminellen Umfeld im Allgemeinen gegenseitig unterstützten. Immer wenn ich verlegt oder in eine andere Zelle gebracht wurde, kamen die Jungs aus der Zelle, um zu sehen, ob es mir gut ging und ob ich etwas brauchte. Ich half anderen bei ihren Gerichtsverfahren oder bei der Gefängnisverwaltung und versuchte, gemeinsame Interessen und Subversives zu finden. Wir versuchten, uns gegenseitig zu unterstützen, und wenn ich ein Problem hatte, brachten die Jungs auch ihre Forderungen vor. In den meisten Gefängnissen des Landes gibt es jeden Tag Verweigerungen und Proteste gegen die Bedingungen und die Behandlung. Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich während meiner Haft von Verweigerungen der Gefängnisarbeit und Streiks gehört habe. Das ist sehr verbreitet, ebenso wie das Klettern auf die Netze, die die Treppenabsätze trennen, um gegen die Behandlung und die schlechten Bedingungen zu protestieren.

Als ich hörte, dass Genossen draußen revolutionäre Solidarität leisteten, spürte ich unsere Kraft innerhalb des Gefängnisses, das kann ich sagen. Von den Berichten über die direkten Aktionen im Fall Adream in Chile, Frankreich, Italien, Indonesien und auf der ganzen Welt bis hin zu den Telefonaktionen, die ich aus dem Gefängnis heraus zu Treffen von Genossen draußen durchführen konnte, spürte ich die Wärme der Genossen. Auch das Wissen um die zensierten Briefe und Bücher, die Solidaritätsfonds und Benefizveranstaltungen war großartig.

Für Leser, die 325 nicht kennen: Was kannst du uns über das Projekt und seinen Inhalt sagen?

325 ist ein anarchistisches Netzwerk für Gegeninformation und direkte Aktion. Im November 2020 hat die niederländische Anti-Terror-Polizei auf Anfrage ihrer deutschen und englischen Kollegen den Server nostate.net geschlossen, auf dem die Website von 325 gehostet wurde. Die Website war eine langjährige Informationsplattform für allgemeine Nachrichten, Berichte, Kommuniqués, Publikationen, Veranstaltungshinweise usw. Die Website deckte hauptsächlich Europa, Lateinamerika und Südostasien ab. 325 ist auch ein Printmagazin, das unregelmäßig erscheint, und das Kollektiv hat Dutzende von Publikationen herausgebracht, darunter den Newsletter Dark Nights, der eine eigene Website hat.

Im Laufe der Jahre hat sich 325 an einem sich entwickelnden partizipativen internationalen Netzwerk beteiligt, das auf direkter Aktion und der Unterstützung von Gefangenen basiert und Raum für verschiedene Strömungen anarchistischer, antikapitalistischer und zivilisationskritischer Gruppen bietet. In den letzten Ausgaben des Magazins hat sich der Schwerpunkt der Analyse etwas auf die tiefgreifenden neuen industriellen Veränderungen in Produktion und Technologie verlagert, wie künstliche Intelligenz, Biowissenschaften und Automatisierung. Das Archiv der 325-Website ist ein wichtiges Dokument des sozialen und bewaffneten revolutionären Kampfes über mehrere Jahre hinweg in Europa und international. Das Projekt begann 2003 und wird fortgesetzt.

Ich hab den Begriff „Anti-Psychiatrie“ zum ersten Mal in 325 gesehen. Es gibt viel zu sagen über die Schnittpunkte dieser Agenda mit dem Anarchismus, aber du könntest uns auch einfach erzählen, warum ihr es damals für wichtig gehalten habt, das Thema anzusprechen.

Das war eine gemeinsame Entscheidung, die aus verschiedenen Einflüssen auf die frühe Gruppe in Brighton entstanden ist. Ich kann unsere Erfahrungen mit veränderten Bewusstseinszuständen und dem Zusammenbruch auferlegter sozialer Konditionierung erwähnen. Einige aus unserer ursprünglichen Gruppe hatten Erfahrungen mit psychiatrischer/psychologischer Kontrolle und geschlossenen Einrichtungen, und wir alle interessierten uns für den Einsatz der Psychoanalyse zur politischen Unterdrückung, für die Arbeit von Wilhelm Reich, R. D. Laing, das Sozialistische Patientenkollektiv (SPK) und die anarchistische Analyse der Beziehung des Individuums zur postindustriellen Gesellschaft.

Unser Genosse aus der Schweiz, der in den 2000er Jahren an einem frühen Anti-Zivilisations-Netzwerk in Europa beteiligt war, verfasste das Anti-Psychiatrie-Manifest „Reclaim Your Mind: An Urgent Message for all those who have or are in danger of being labelled mentally ill“ (Befreit euren Geist: Eine dringende Botschaft an alle, die als psychisch krank eingestuft wurden oder davon bedroht sind), das in der ersten Ausgabe des Magazins „325“ veröffentlicht wurde. Obwohl es im Kollektiv im Laufe der Jahre unterschiedliche Perspektiven zu diesem Manifest gab, ist die allgemeine Position, dass die Gesellschaft Pathologie fördert und dass Medikalisierung letztendlich schädlich ist, ebenso wie Inhaftierung. Bei der Anti-Repressions-Versammlung, die im März letzten Jahres vom Anarchist Black Cross im Cowley Club in Brighton organisiert wurde, hat ein Genosse aus Schweden beschrieben, wie Genossen von den Behörden statt ins Gefängnis in psychiatrische Einrichtungen gesteckt werden, um ihre Fälle aus der Öffentlichkeit zu nehmen und sie wegen ihrer anarchistischen Ideen zu einer medizinischen „Behandlung“ zu zwingen.

Das war eine Taktik, die das National Security Team und die Anti-Terror-Polizei während meiner Inhaftierung und nach meiner Freilassung unter Auflagen gegen mich angewandt haben. Es ist sehr wichtig, das anzusprechen, weil solche Kontrollen von diesen Behörden routinemäßig eingesetzt werden und sie versuchen werden, sie wo immer möglich gegen Anarchist*innen und die radikale Linke anzuwenden.

Die Gesetzgebung schränkt den Spielraum für gewaltfreie Ausdrucksformen von Unzufriedenheit immer weiter ein, mit härteren Strafen für Störungen durch Massen oder sogar kleine Gruppen und mit polizeilichen Befugnissen zur Auflösung gewaltfreier Menschenansammlungen. Während die Organisatoren des Climate Camps präventiv durchsucht wurden, konnten die rechtsextremen Angriffe im letzten Sommer nicht verhindert werden. Wie kommt es, dass der britische Staat mitten in einer globalen faschistischen Machtübernahme so besessen von den Krümeln des Widerstands von unten ist?

Nun, wir dürfen den kleinsten Ausdruck von Dissens und Rebellion niemals unterschätzen, denn sie alle haben Macht. Wenn das Regime die Funken nicht erstickt, wird es zu einem Flächenbrand kommen. Auch wenn ich mit den Positionen des bürokratischen Teils der meisten dieser Gruppen nicht übereinstimme, freue ich mich über ihre Erfolge und wünsche mir, dass sie sich zu einer revolutionären Bewegung entwickeln. Alle wirksamen Proteste werden auf Unterdrückung stoßen. Aus dem Gefängnis habe ich im Fernsehen die Eskalation der Sachbeschädigungen gegen Waffenfirmen, die mit Israel Geschäfte machen, während des andauernden Völkermords in Gaza, die Sperrung von Autobahnen und die Zerstörung von Barclays-Banken gesehen. Die radikale Linke, Ökologen und Anarchisten sind im Grunde die einzige Opposition in Großbritannien.

Seit sie am 18. Juni 1999, dem Globalen Aktionstag, von antikapitalistischen Ausschreitungen mit Schäden in Millionenhöhe überrascht wurde, hat sich der Staat zum Ziel gesetzt, die soziale Bewegung zu manipulieren und in eine Sackgasse zu führen. Die Frage nach der Taktik und Energie innerhalb der Bewegung, nach Aktionen kleiner Gruppen und Massenprotesten, die eine echte Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen könnten, indem sie Situationen schaffen, die außerhalb der Kontrolle aller liegen – das erfordert unsere Bereitschaft, uns zu organisieren und unsere Kämpfe zu vernetzen, das ist unsere Herausforderung. Wenn wir eine Revolution wollen, erfordert das kontinuierliche Subversion und Aufstände. Dieses System ist auf Krieg, Mord und Völkermord ausgerichtet, es wird nicht durch Wahlen oder Proteste allein gestoppt werden können. Der britische Staat war schon immer Teil der globalen faschistischen Machtübernahme, das Regime bereitet sich ständig auf städtische Unruhen, Terrorakte, individuelle und Massenaufstände vor. Die Genoss*innen, die oft Teil der Untergrundgruppen sind, kommen in der Regel aus der sozialen Bewegung, und deshalb investiert der Staat viel Zeit und Energie, um herauszufinden, wer Teil dieser Bewegungen ist und in welche Richtung sie sich entwickeln.

Die britische Linke scheint in internen Fragen so gespalten zu sein, was zu Burnout und weiterer Fragmentierung führt. Wie können wir deiner Meinung nach effektiv Solidarität aufbauen und uns gegenseitig unterstützen, innerhalb und außerhalb des kriminellen Strafvollzugssystems?

Ich sehe mich selbst nicht als Teil der britischen Linken, ebenso wenig wie die Genoss*innen in unserem Kreis. Der Linkismus ist Teil des Wahlzirkus und hat sich den Massenmedien und Konzernen, dem Militarismus, den Hochtechnologien, dem Transhumanismus, der Kernenergie und dem Etatismus ergeben. Aber ich glaube nicht, dass du davon sprichst. Unsere Gruppe hat sich 2011 aus der sozialen Bewegung zurückgezogen und eine nihilistische Position eingenommen. Wir sind nur noch in unseren Gruppen aktiv, nicht mehr in sozialen Zentren oder Aktivistenkampagnen.

Das ist ein anderes Thema, aber im Wesentlichen geht es darum: Hört auf, euch sinnlos über toxische Themen zu streiten und euch gegenseitig auszuschließen. Versteht, wie das System unseren Anarchismus ständig rekrutiert und infiltriert. Lernt, miteinander zu kommunizieren. Lernt aus euren Interaktionen miteinander. Lernt, eure Zeit und die anderer zu schätzen. Teilt Fähigkeiten, Zeit, Energie und Geld, wenn ihr könnt, mit echten Projekten, die Unterstützung brauchen. Lernt, Kritik zu geben und anzunehmen. Lernt, Verbindungen zu lösen und neue zu knüpfen. Wenn ihr nicht gut mit anderen zusammenarbeiten könnt, arbeitet alleine. Setzt eure Ideen in die Praxis um. Das wird unseren Raum stärken. Ob ihr Teil einer Gruppe seid oder nicht, ihr könnt Gefangenen schreiben, ihre Kampagnen unterstützen und euch für das Thema Anti-Gefängnis interessieren. Trefft euch persönlich und macht etwas auf der Straße, wenn ihr dazu in der Lage seid. Knüpft Kontakte in eurer Umgebung und wenn ihr euch für andere Themen engagiert, denkt an diejenigen, die hinter Gittern landen – das könntet ihr sein. Wenn ihr die Möglichkeiten habt, helft bei der Organisation von Demos, beim Kochen, bei der Unterbringung von Menschen, beim Plakatieren, bei Graffiti, beim Verteilen von Flugblättern, beim Erstellen von Zines und Stickern oder bei nächtlichen Aktionen. Verlasst euch nicht darauf, dass andere das für euch tun, macht es selbst.

Wenn du nichts davon tun kannst, lebe dein Leben so schön und frei wie möglich und gib deine Träume nicht auf. Lasst uns eine echte Kultur des Widerstands und der gegenseitigen Hilfe aufbauen.

Was ist der effektivste Weg, um Solidarität zu zeigen und Menschen zu unterstützen, die im Gefängnis sind oder gerade aus dem Gefängnis entlassen wurden? Was hat dir am meisten geholfen?

Revolutionäre Aktionen sind der wichtigste Weg, um Menschen im Gefängnis zu unterstützen. Das ist das oberste Prinzip. Die direkte Befreiung der Gefangenen und die Durchführung des antistaatlichen und antikapitalistischen Kampfes.

An zweiter Stelle stehen die materiellen Bedingungen der Inhaftierung. Es kostet Geld, Gerichtsverfahren zu führen, Essen und Vorräte zu bezahlen, Besuche zu bezahlen, zum Gefängnis zu fahren, das Leben außerhalb des Gefängnisses zu organisieren usw. Das kann der Gefangene überhaupt nicht leisten. Es braucht eine gemeinsame Anstrengung. Wenn Gefangene freikommen, brauchen sie weiterhin Unterstützung bei der Wohnungssuche, mit Geld, Reisen, Essen und so weiter. Polizei, Bewährungshilfe und die Bewährungskommission haben mehr Macht über eine Person, wenn sie keine Unterstützung von ihren Angehörigen oder der Bewegung hat. Nach meiner Freilassung haben mir meine Genossen sehr geholfen, indem sie mir Geld, ein Auto, eine Wohnung, Kleidung usw. zur Verfügung gestellt haben.

Drittens sind Solidaritätskampagnen und die Sensibilisierung einer großen Zahl von Menschen wichtig. Diese Kampagnen müssen auch sicherstellen, dass die Inhaftierten über die Geschehnisse außerhalb informiert sind, und Druck auf die Gefängnisverwaltung oder beteiligte private Unternehmen ausüben. Als ich eingesperrt war, konnte ich aufgrund der Zensur, der ich unterworfen war, nicht viele Nachrichten empfangen, aber wann immer ich von einer Demo oder einer Solidaritätsaktion hörte, gab mir das immer viel Kraft, und die Möglichkeit, mit den anderen darüber zu sprechen, ermöglichte es mir, praktisch zu zeigen, dass es Anarchisten gibt.

Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass noch mehr von uns ins Gefängnis kommen. Ich habe gelesen, dass es derzeit Dutzende von Gefangenen aus der sozialen Bewegung gibt – Klimawandel und palästinensische Solidarität. Sie sind denselben oder ähnlichen Bedingungen ausgesetzt wie ich, durch die Terrorismusbekämpfungsmaßnahmen und die Ermittlungen der Anti-Terror-Polizei. In meinem Fall wurde ich nicht einmal wegen Terrorismus verurteilt, aber ich wurde trotzdem unter einem Anti-Terror-Regime festgehalten, und weder die Anwälte noch die Bewegung konnten wirklich etwas dagegen tun. Diese Situation wird sich nicht verbessern, wenn wir nicht aktiv werden und eine stärkere Tendenz zum Kampf entwickeln. Derzeit ist die anarchistische Bewegung in Großbritannien nicht in der Lage, ihre Gefangenen angemessen zu unterstützen. Solidaritätsgruppen gibt es so gut wie gar nicht. Es müssen echte Anstrengungen unternommen werden, um die Kämpfe all derer zu verbinden, die vom Gefängnis- und Strafrechtssystem ins Visier genommen werden.

Du hast in deinem Vortrag über die Abschaffung der Gefängnisse und die schrecklichen Lebensbedingungen darin gesprochen. Glaubst du, dass dies einer der Hauptbereiche ist, auf den sich Anarchisten konzentrieren sollten? Was sind die wichtigen Kämpfe für unsere Bewegung in den nächsten Jahren?

Jeder wird andere Bereiche haben, auf die er sich konzentrieren will, aber ja, ich denke, dass das Thema Anti-Gefängnis ein wichtiger Zwischenschritt ist, der nicht nur der bürgerlichen Gesellschaft, der nationalen Sicherheit und dem Polizeistaat erheblichen Schaden zufügen kann, sondern auch Erfahrungen im Umgang mit sehr schwierigen Themen und bei der Suche nach Verbündeten in Arbeiter*innenvierteln sammelt. Das Gefängnis hat eine klare rassistische und klassenbasierte Grundlage, und da das Gefängnissystem gerade zusammenbricht, wird sich die Situation auch in nächster Zeit nicht lösen. Ein Anfang könnte der Kampf gegen Gefängnisarbeit und den Bau neuer Gefängnisse sein. Als Anarchisten wollen wir nicht einfach nur Gefängnisse abschaffen, sondern den Staat selbst zerstören, in diesem Fall ein altes, zerfallendes postimperiales Regime, das entschlossen ist, seine Macht niemals aufzugeben. Daher bin ich für alle Aktionen und Kampagnen der radikalen Linken und der Anarchisten, die dies zum Ziel haben.

Die soziale Bewegung ist seit Jahren weitgehend in denselben Themen aktiv, mit wenig Erfolg. Die meisten Kämpfe, denen wir uns heute stellen müssen, werden wir auch in Zukunft führen müssen, aber sie werden durch die neofaschistische Atmosphäre und die neuen Technologien noch verschärft. Die wichtigen sozialen Kämpfe, die ich kommen sehe, haben alle mit Armut und Ausbeutung zu tun und sind das Ergebnis des neuen asymmetrischen Kriegszustands, des technokratischen Kapitals, der zunehmenden künstlichen Intelligenz und des ökologischen Zusammenbruchs. Ich denke, dass nichts als selbstverständlich angesehen werden sollte. Wir leben in einer sich verändernden Welt, und ich setze auf das Wiederaufleben des internationalistischen Kampfes und die nächste Generation des sozialen Krieges.

Danke für deine Zeit.

Kraft für alle. Für eine schwarze Internationale.

Quelle: Wildfires will begin: An interview with Toby Shone von Elizabeth Vasileva erschienen bei freedomnews.org.uk am 1. Juni 2025

Übersetzung [Nicht authorisiert]: Thomas Trueten


Anarchismus und die neue Welle der Militarisierung (Teil 2)

Während die herrschende Klasse Europas auf die Welt nach dem Ende der Pax Americana mit Angst und Aufrüstung reagiert, sehen wir uns hier mit den Chancen und Gefahren konfrontiert, mit denen britische Anarchisten konfrontiert sind


Teil 1 dieses Artikels, der sich mit Stärken und Schwächen befasst, finden Sie hier.

Chancen

Das Foto zeigt eine eingeschneite Rose
Foto: freedomnews.org.uk
Mit einem zynischen Blick betrachtet, gab es in vielerlei Hinsicht noch nie einen günstigeren Zeitpunkt, um Anarchist zu sein. Wir beobachten den Zusammenbruch des liberalen kapitalistischen Traums in Echtzeit, während der Starmerismus jeden Anschein von Samthandschuhen für die Arbeiterklasse ablegt. Die Spinnweben-Linke ist in völliger Unordnung und selbst die neue Welle der Linken des Corbynismus hat keine Ideen. Labour zurückerobern? Tot. Neue/radikale Partei? Das ist doch lächerlich. Die Grünen einfangen? Sie werden sie mit diesem Versuch umbringen – das Projekt ist bereits eine unangenehme Balance zwischen Rot-Grünen und liberalen Tories aus der Grafschaft, die um ihre sehr unterschiedlichen Gründe für ihre Anwesenheit herumreden.

Die Notwendigkeit einer selbstbewussten, radikalen Basis, die ihre eigenen Ressourcen aufbaut, um das Ziel zu erreichen, eine Hebelwirkung zu erzielen, die die Regierungspolitik hin und wieder tatsächlich bedrohen kann, könnte nicht deutlicher sein. Wir haben sowohl aus unserer eigenen jüngeren Geschichte als auch von jenseits des Atlantiks ein anschauliches Beispiel dafür, was mit einer progressiven Bewegung passiert, die alles auf eine Karte setzt und dann verliert.

Es ist auch wichtig zu bedenken, dass sowohl der aktuelle Druck der Labour-Partei auf das Leben der Arbeiterklasse als auch die bevorstehende Welle nationalistischer, militärischer und umweltfeindlicher Politik, die die 2020er Jahre dominieren wird, sowohl in der Spalte „Bedrohungen“ als auch in der Spalte „Chancen“ aufgeführt sind. Dies zu beobachten, wird für viele Menschen ein fokussierender und radikalisierender Faktor sein. Wir haben in diesem Land schon seit geraumer Zeit keinen ernsthaften militärischen Vorstoß mehr erlebt, und das wird ein Kulturschock sein. Zusätzlich zu all den anderen wirtschaftlichen Problemen, mit denen die Arbeiterklasse derzeit zu kämpfen hat, neigen viele nach links, können dies aber nirgendwo zum Ausdruck bringen. Wir haben jedoch einige offene Türen, auf die wir Druck ausüben können, wenn wir dabei klug vorgehen und es vermeiden, potenzielle Verbündete zu verprellen.

Auch die gefährliche Position der Reformer wird sowohl Elemente der Bedrohung als auch der Chance enthalten. Bei ersteren werden die üblichen „Es gibt keine Alternative“-Verkäufer uns sagen, dass der einzige Weg, den Faschismus zu stoppen, darin besteht, wählen zu gehen, die Dinge schön ruhig und diszipliniert zu halten, das übliche Geschwätz, das offensichtlich keinen Schutz vor dem Faschismus bietet, sondern ihm Raum für die europaweite Entwicklung gibt. Letzteres ist unsere Fähigkeit, das zu sagen. Dass der Post-Thatcher-Konsens mit seiner Hochwasser-Wirtschaft und dem Rückzug der staatlichen Unterstützung das Problem ist. Dass die Lösung nicht darin besteht, uns an diesen zerfallenden Status quo zu binden und unsere Entscheidungsfreiheit und unser Vertrauen an Anzug tragende Unternehmensschläger abzugeben, sondern darin, persönliche Verantwortung zu übernehmen und zu handeln.

Eine unserer Stärken, die gegenseitige Hilfe, passt perfekt in dieses düstere Szenario. Unsere Politik fördert die Eigeninitiative und die Solidarität, die oft durch die staatliche Übernahme der Wohlfahrtsvermittlung, die erstickende unpolitische liberale Freundlichkeit der großen Wohltätigkeitsorganisationen und die wirtschaftliche Entfremdung untergraben wird. Aber der Staat zieht sich aus diesen Bereichen zurück, die Wohltätigkeit wird nicht alles auffangen und die Tage der billigen Waren neigen sich dem Ende zu. Was bleibt, ist die Solidarität in der Gemeinschaft, die als Solidarität strukturiert ist und nicht als der oft falsche Prozess, bei dem ein halbes Dutzend Würdenträger Menschen, die immer noch wie Verbraucher denken und handeln, eine Dienstleistung mit radikalen Begleiterscheinungen anbieten.

Bedrohungen

Es gibt fast zu viele, um sie alle aufzulisten, aber um einige der offensichtlicheren herauszugreifen ...

Ich habe einmal mit Phil Ruff etwas getrunken und mit ihm über die direkten Aktionskampagnen der 1970er Jahre gesprochen – die Angry Brigade, Banküberfälle zur Geldbeschaffung und dergleichen. Er war, wie mehrere Menschen aus dieser Zeit, versöhnlich gestimmt, was den Mangel an ähnlich kraftvollem Straßenaktivismus in der modernen Bewegung angeht, was zum Teil daran lag, dass die Situation damals so anders war. Wie er bemerkte, gab es keine Videoüberwachung. Und es geht nicht nur um Videoüberwachung. Umfangreiche, automatisierte, leicht durchsuchbare Datenbanken und Biometrie waren noch kein Thema. Soziale Medien und Sousveillance waren noch kein Thema.

Und zunehmend haben wir nicht nur allgegenwärtige Augen, die uns beobachten. Sie wird von KI gespeist und kann im großen Stil aus allen Ecken des Internets stehlen. Wenn Sie heute bei einer Kundgebung durch das Zentrum Londons gehen, werden Sie archiviert, und falls Sie vergessen, sich für eine Aktion zu maskieren, wird das Bild Jahre später verwendet. Für die Vorsichtigen – diejenigen, die wissen, dass sie sich frühzeitig und oft maskieren und sich außerhalb der Reichweite von Polizisten aufhalten müssen, die Gesichter entlarven wollen – mag das machbar sein. Für weniger erfahrene Menschen wird es ein wirksames Mittel für den Staat sein, diejenigen zu identifizieren, zu kategorisieren und stark zu unterdrücken, die er als gegenwärtige oder zukünftige Unruhestifter betrachtet. Ein System zur Bestrafung vor der Straftat, bei dem Menschen einfach wegen öffentlicher Versammlungen verhaftet werden, unterstützt durch eine erfahrene (und jetzt schändlicherweise rechtlich immun) verdeckte Ermittlung und eine außerordentlich mächtige Medienmaschinerie, gibt der herrschenden Klasse mehr Befugnisse als je zuvor, um vermeintliche Bewegungen zu stören und zu zerstören.

Unsere bevorzugten Methoden werden daher in einer Situation, in der die Militärkultur zunimmt und mit so mächtigen Instrumenten der polizeilichen und staatlichen Unterdrückung einhergeht, gefährlicher und schwieriger. Da die Gesetze inzwischen so verschärft wurden, dass selbst für grundlegende Proteste eine polizeiliche Genehmigung erforderlich ist, können unsere Möglichkeiten begrenzt sein. Die Stadtzentren sind zunehmend Zonen, in denen wir ohne massive Menschenmengen und operative Sicherheit, die erheblich ernster ist als die des US-Militärs, nicht effektiv sein können. Das soll nicht heißen, dass keine Aktivitäten stattfinden können, aber unsere Strategien müssen sich ändern, um dieser Realität Rechnung zu tragen. Ein großer Glücksfall für die Tories war im vergangenen Jahr der Sturz eines Gesetzes, das Masken verbot, aber darauf können wir uns selbst unter Starmer nicht verlassen, geschweige denn auf das, was als Nächstes kommt. Ein weiterer Punkt ist, dass es unwahrscheinlich ist, dass Labour bei der Behebung der Überbelegung der Gefängnisse viel mehr Glück haben wird als die Tories, was bedeutet, dass sie die Inhaftierung von Demonstranten wahrscheinlich nicht noch weiter verschärfen werden (obwohl es ebenso unwahrscheinlich ist, dass sie, sofern es nicht zu einer größeren Krise kommt, zu den früheren Normen zurückkehren werden).

Kulturell scheint Großbritannien mit voller Geschwindigkeit auf einen dunklen Ort zuzusteuern. Einerseits erleben wir, ähnlich wie anderswo, die Wiederbelebung alter frauenfeindlicher Ideale als Teil der Vermählung von Hustle-Kultur und Entfremdung bei jungen Männern. Andererseits werden wir die nächste große Militärrekrutierungskampagne erleben, die den nationalistischen Impuls fördert. Während der zügellose Individualismus des ersteren nicht unbedingt gut mit dem „Stirb für dein Land“-Ethos des letzteren harmoniert, passen Machismo und Waffen sicherlich gut zusammen, was zu der gefährlichen Wahrscheinlichkeit führt, dass eine neue Generation rechtsextremer junger Männer massenhaft in den Militärdienst eintritt. Was das für die Zukunft faschistischer Straßenschlägereien bedeuten könnte, ist unklar.

Was einst als weit entfernte Möglichkeit einer reformorientierten Regierung erschien, die viele Jahre lang durch das Mehrheitswahlrecht behindert wurde, rückt immer näher. Ihre Aussichten scheinen sich in den letzten Monaten (vor allem durch die Bemühungen von Labour) deutlich verbessert zu haben, aber die Umsetzung in echte Macht ist vielleicht noch in weiter Ferne. Es ist ziemlich sicher, dass sie sich in ihrer weiteren Entwicklung neben der Stimmung gegen Migranten stärker auf die Stimmen der „Alle-außer“-Wähler konzentrieren werden, aber aus anarchistischer Sicht ist ihre Positionierung und Botschaft am wirksamsten, um den Tenor der nationalen Debatte zu verändern. Mit Medien wie GB News, sozialen Medien und zunehmend auch den rechten Massenmedien im Rücken treten sie ähnlich auf wie andere Gruppen dieser Art auf dem Kontinent, wie die National Rally in Frankreich und die AfD in Deutschland.

Im nationalistischen Sinne ist schwer zu sagen, ob der Isolationismus der Reformpartei mit atlantischen Aspekten oder die Tendenzen der Labour Party und der Konservativen zur europäischen Annäherung im Interesse einer Festigung der EU-russischen Grenze einflussreicher sein werden, aber keine von beiden verheißt Gutes für die anarchistische Sache. In beiden Fällen sind höhere Verteidigungsausgaben sicher (entweder um die USA zu beschwichtigen oder um sich den europäischen Normen anzupassen), und nichts in der politischen Agenda der Reformpartei deutet auf ein Interesse daran hin, den Neoliberalismus zurückzudrängen, dem Labour und die Tories so hoffnungslos verfallen sind. Wie bereits erwähnt, birgt dies sowohl Chancen als auch Gefahren, da eine Wirtschaft, die bereits in der Lage ist, mächtigeren Blöcken zu folgen, zur Verarmung führt, aber nicht unbedingt zur Mobilisierung von Gegenmacht.

Zusammenfassend

Der Anarchismus agiert seit einiger Zeit als Randgruppe der breiteren Linken, auch wenn er diese Rolle regelmäßig anprangert und ablehnt, was auf unsere geringe Größe und unsere internen Ressourcen zurückzuführen ist. Da wir weder über eine solide Klassenbasis verfügen noch unsere Aktivitäten in der Öffentlichkeit als schlecht organisierte Teenagerrebellion, bestenfalls als gedankenlose Zerstörer wahrgenommen werden, haben wir aus vielen Gründen Schwierigkeiten, über diese Rolle hinauszuwachsen. Einige Faktoren habe ich bereits erwähnt, ein weiterer könnte das ewige Problem sein, dass wir nicht in der Lage waren, schnelles Wachstum in eine verbesserte langfristige Position umzuwandeln. Wir haben es wiederholt versäumt, mit der „Erfolgskrise“ umzugehen, bei der ein Zustrom von Menschen zu Herausforderungen für den Status quo, zu Streit, Burnout und Spaltungen führt.

Dies sind Dinge, über die wir nachdenken müssen, wie wir sie überwinden (im ersten Fall) oder durch sie hindurchkommen (im zweiten Fall), wenn wir die sich bietenden Chancen bestmöglich nutzen und, was vielleicht noch wichtiger ist, Wege finden wollen, den Bedrohungen entgegenzuwirken. Wir wissen, dass wir uns absolut nicht auf Politiker verlassen können, seien sie nun gemäßigt oder „radikal“, und die Linke scheint sich kaum bewusst zu sein, was auf uns zukommt, geschweige denn, sich darauf vorzubereiten, es aggressiv zu bekämpfen. Die Antwort auf rechtsextreme Massendemonstrationen bestand darin, die gleichen kämpferischen Anorakträger wie eh und je auf den Plan zu rufen, die außerhalb einiger weniger Kernzonen immer in der Unterzahl sind, während nur wenige Ideen vorgelegt wurden, um Reform oder sogar Andrew Tate entgegenzutreten. Gesetzesänderungen stoßen auf die gleichen Gesichter von Gewerkschaften und NGOs, die wie eh und je Kolumnen schreiben, mit genau der gleichen minimalen Auswirkung auf die Regierungspolitik.

So klein wir auch sind, wenn die anarchistische Bewegung etwas von der Energie und Kreativität aufbauen kann, die wir in den letzten Jahrzehnten immer wieder an die Oberfläche steigen sahen, haben wir wie Reform mit den Tories jede Gelegenheit, die Flagge des Widerstands zu ergreifen, die ein großer Teil der Bevölkerung immer noch gehisst sehen möchte. Aber wir müssen sie dann halten, in dem Wissen, dass der Staat sich mehr für uns interessieren wird als für die Umtriebe loyaler Oppositioneller. Das erfordert Disziplin, vorausschauendes Denken und Strukturen, die etwas robuster sind als die, die wir derzeit haben.

Wir haben uns lange Zeit darauf verlassen, dass immer wieder junge Menschen zu uns kommen, sich verausgaben und dann weggehen, um Familien zu gründen und ein Zuhause zu schaffen, was dazu geführt hat, dass wir nur noch sehr wenig von dem haben, was Staat und Unternehmen gerne als „institutionelles Gedächtnis“ bezeichnen. Wir müssen einen Weg finden, diesen Kreislauf zu durchbrechen, und nicht nur das Engagement junger Menschen fördern, sondern ihnen auch konkrete Verbindungen und Wissen sowie ein Gefühl der Kontinuität vermitteln, anstatt 20-Jährige, eine Gruppe von Menschen über 50 und eine Lücke dazwischen zu haben. Und das bedeutet, dass wir uns bemühen müssen, die Entfremdung, der wir zum Opfer gefallen sind, rückgängig zu machen. Eine Ausweitung der physischen Interaktion innerhalb der Gemeinschaften und in unseren eigenen Räumen. Ein Bruch mit den sozialen Medien und eine erneute Hinwendung zu anarchistisch geführten und kontrollierten Medien, die nicht einfach in direkt involvierten Kreisen isoliert werden und dann verschwinden, wenn die Kampagne abgeschlossen ist. Eine Wiederherstellung des Prinzips des menschlichen Engagements bei Workshops, Festivals und Genossenschaften.

Das Feld ist in der Tat weit offen für die anarchistischen Samen unter dem Schnee, um zu wachsen. Und es gibt keinen wichtigeren Zeitpunkt, um mit der Gartenarbeit zu beginnen.

Quelle: Analyse von Rob Ray via freedomnews.uk, 30 März 2025

Übersetzung: Thomas Trueten [Nicht authorisiert]

Anarchismus und die neue Welle der Militarisierung (Teil 1)

Ein paar Gedanken darüber, wo wir uns befinden, während wir an der Schwelle zu einem Jahrzehnt stehen, das von einem Wandel hin zu einem bewaffneten Nationalismus geprägt sein wird


Der britische Premierminister Keir Starmer bei einem Truppenbesuch

Quelle: Number 10/CC
In der Flut von kapitalen Nachrichten, die wir im letzten Monat hatten, war die Ankündigung einer europaweiten massiven Aufrüstung bei weitem die folgenreichste für unsere kriegsentfremdeten Inseln.

Nach den schwindelerregenden Ausgabenplänen Deutschlands und der EU sowie der verspäteten Erkenntnis der lokalen Mächte, dass die Auslagerung der Produktion an Konkurrenten vielleicht keine gute Strategie war, sieht das Versprechen der Labour-Partei, 2,5–3 % des BIP für die Verteidigung auszugeben, nicht einmal wie das aggressivste Engagement aus.

Aber es scheint wahrscheinlich, dass das nächste Jahrzehnt auf mehreren Ebenen von Veränderungen geprägt sein wird, wobei der weitere Aufstieg rechtsextremer politischer Gruppen mit einem militärischen Revival, einer permanenten Neuausrichtung des „Great Game“ und höchstwahrscheinlich der Aufgabe von Umweltverpflichtungen einhergeht, selbst wenn die Folgen der Klimakrise buchstäblich in unser tägliches Leben eindringen.

Während wir auf diese Katastrophe für die Arbeiterklasse der Welt zusteuern (die gezwungen sein wird, die Kosten und Folgen zu tragen, während man ihr gleichzeitig sagt, dass sie selbst daran schuld ist), können und sollten die Anarchisten Großbritanniens daran arbeiten, sie zu stoppen. Aber wir müssen auch bedenken, dass wir, wie in den meisten der letzten vier Jahrzehnte, nicht über die nötigen Mittel verfügen werden, um dies zu tun oder es auch nur zu verlangsamen. Was sind unsere Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken als Bewegung mit begrenzten Mitteln?

Stärken

Seien wir ehrlich, physisch haben wir im Moment nicht viele. Es gibt viele unverbundene lokale Gruppierungen, eine kleine (wenn auch lebhafte) Szene von Hausbesetzern, ein paar Orte wie „Freedom“ oder „Star and Shadow“, ein paar Kooperativen wie „Radical Routes“, Verlage wie „Active“, etwas rechtliche Unterstützung, ein soziales Randnetzwerk und so weiter. Das soll nicht heißen, dass es kein Potenzial gibt – wir haben schon früher ernsthafte Fortschritte gemacht. Die letzten drei Wellen anarchistisch geprägter Aktivitäten, 1999–2003, 2010–2013 und die Bewegung für gegenseitige Hilfe 2020–2021, sind noch nicht aus dem Gedächtnis verschwunden und haben viele Lehren zu ziehen. Außerdem gibt es eine große Welle von Ehemaligen, die möglicherweise von einem Angebot begeistert werden könnten, das einige Lektionen darüber gelernt hat, wie man Bewegungen nicht nur inspiriert, sondern auch aufrechterhält.

Im Gegensatz zu unseren frenetischen Freunden in der sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Szene kämpfen wir nicht am falschen Ende eines Challenge-Fail-Zyklus und tatsächlich wurden viele unserer Vorhersagen über die Mängel des Corbynismus voll und ganz bestätigt. Wir haben ein hervorragendes aktuelles Beispiel für spontane gegenseitige Massenhilfe (Covid), auf das wir verweisen können, wenn wir für den (Wieder-)Aufbau dezentraler Solidaritätsnetzwerke in der Arbeiterklasse plädieren. Obwohl es uns an großen föderalen Organisationen fehlt, die das ganze Land abdecken können, verfügen wir über Räume, die als Knotenpunkte für schnelles Wachstum dienen könnten, sowie zumindest über einige freundschaftliche Kontakte zu Zentren, die von Gleichgesinnten betrieben werden (Friends Meeting Houses, Arbeitervereine, Arbeitergenossenschaften und dergleichen).

Und trotz all der vielen Schrecken, die vor uns liegen, wird unsere Politik wahrscheinlich durch das zunehmend repressive Verhalten der Regierungen im In- und Ausland schärfer konturiert werden. Die britische Öffentlichkeit hat sich im letzten Jahrzehnt insgesamt erstaunlich gleichgültig gezeigt, wenn es um den Schutz ihrer eigenen Freiheiten ging. Sie schaute weg, als Proteste auf von der Polizei genehmigte Spaziergänge reduziert wurden, während direkte Aktionen kriminalisiert und Gefängnisstrafen verhängt wurden, während die Innenstädte im ganzen Land unter die ständige Beobachtung der gläsernen Augen von Big Brother gestellt wurden. Wir können auf jahrelange Warnungen verweisen und Maßnahmen vorschlagen, wenn das eine oder andere Ereignis, das durch die neue Ordnung der Dinge ausgelöst wurde, die Öffentlichkeit dazu bringt, aufmerksam zu werden.

Die übliche linke, respektable Politik hat zu diesen Angriffen wenig Bemerkenswertes zu sagen, außer „das ist schlecht, mkay“, während der Free Englishman Ruuule Britannnia, der sogenannte Pro-Freiheits-Mob (Spiked!, rechte Broadsheets usw.) dies entweder ignoriert oder aktiv zu mehr anstachelt. Anarchisten sind eine der wenigen Gruppierungen, die nicht nur konsequent vor einem Problem gewarnt oder vage über Westminster gejammert haben, das sich absolut nicht darum schert, sondern sich auch dafür eingesetzt und manchmal Maßnahmen ergriffen haben, um es zu bekämpfen. Während der Phase der Anti-Masken-Pandemie haben einige unserer verschwörerischeren Genossinnen und Genossen alles gegeben. Wenn wir klug vorgehen, gibt es viel Spielraum für Gegenwehr. Wir verfügen über aktuelles und historisches Know-how über den wahren Stand der Gesetze und unsere gepriesenen „Freiheiten“, was uns auf der Straße einen übergroßen Einfluss verschafft, wenn Schocks wie eine Welle des militärischen Nationalismus über uns hereinbrechen.

Schwächen

Oh Mann, davon haben wir einige. Innerhalb der Szene gibt es eine Kultur der üblen Nachrede, der Gerüchteküche und der Abschottung, die uns seit fast einem Jahrzehnt lähmt und durch die Müdigkeit von Gruppen verschlimmert wird, denen es (verständlicherweise) oft leichter fällt, automatisch die kalte Schulter zu zeigen, als sich in noch mehr endlose Streitereien und unlösbare Untersuchungen hineinziehen zu lassen. Wir haben uns wiederholt wegen Trans-Rechten, relativen Positionen zu internationalen Konflikten und guten alten Burnout-Folgen zerstritten. Auch wenn ich wie ein mürrischer Typ klinge, der auf eine Fabrik zeigt und „Organisieren“ ruft, sollten wir uns nicht wegen dieser Themen selbst zerstören, außer wir streiten über Trans-Rechte (die für unsere Fähigkeit, uns zu organisieren, wo wir sind, direkt relevant sind).

Die Grafik zeigt einen IWW Organizer, der Personen, die in den Himmel schauen und auf die dortigen Sterne zeigen zu "Organize!" und zeigt auf eine Fabrik, die mit  "Industries"beschriftet ist. Er spielt damit auf die theoretisierende Suche nach dem revolutionären Subjekt bei den dargestellten Anarchisten, Sozialisten und anderen an, die sich statt dessen lieber an die real existierenden (Industrie)Arbeiterschaft wenden sollen.
Historisches IWW-Plakat, Bildung – Organisation – Emanzipation (Ausschnitt)

Dieses undatierte Organisations-/Werbeposter wurde von den Industrial Workers of the World (IWW) in New York zur Verteilung in den gesamten Vereinigten Staaten und möglicherweise in jedem anderen englischsprachigen Land veröffentlicht. Die Überschrift des Plakats, „Bildung – Organisation – Emanzipation“, steht für die grundlegendste Strategie, die die IWW in ihrem Kampf anwendet, um die Kontrolle über die Industrien der Welt der „Arbeitgeberklasse“ zu entreißen und in die Hände der „Arbeiterklasse“ zu legen, die sie zu einer „großen Gewerkschaft“ zusammenzuschließen versuchte. Mehr darüber beim Oregon History Project.
Meine persönlichen Ansichten, zum Beispiel zur Ukraine und zu Palästina, sind weitgehend konsistent – ich bin dafür, die Menschen in beiden Ländern zu unterstützen. In der Ukraine wollen die Menschen (und die Anarchisten) nicht zu einem imperialen Ausläufer eines blutigen autokratischen Russlands werden, das dafür bekannt ist, Andersdenkende zu töten. In Palästina wollen sie nicht ethnisch gesäubert werden. Ich finde, dass beide Standpunkte ziemlich vernünftig sind, während ich die umfassendere Bedeutung der Position „Kein Krieg, aber Klassenkampf“ verstehe und schätze.

Aber realistisch gesehen halte ich sie für unwichtig, abgesehen von einem winzigen Teil der britischen Linken, der historisch gesehen wirklich ziemlich schlecht darin war, selbst die Kriege seiner eigenen Regierung zu stoppen, geschweige denn die von irgendjemand anderem. Und die Argumente, die wir zu diesem Thema haben, sollten uns nicht bei Aufgaben schwächen, bei denen wir tatsächlich einen bedeutenden Unterschied machen können. Ich muss mit den Leuten nicht einer Meinung über die Ukraine sein, um mit ihnen bei anderen Themen zusammenzuarbeiten, und unsere Bewegung sollte, das dürfen wir nicht vergessen, heterodox sein. So wie sie derzeit dasteht, ist sie jedoch für Außenstehende (manchmal auch für Insider) oft fremd und abweisend, da sie durch ständige interne Streitereien zurückgehalten wird, bei denen persönliche Differenzen oft hinter übertriebenen politischen Meinungsverschiedenheiten versteckt werden.

Im Allgemeinen leiden wir sowohl unter der schlechten Integration mit der linken Basis, die es in diesem Land gibt, als auch unter der langen Malaise, die diese Basis erlebt. Der Anarchismus hat eine Geschichte, in der er viele seiner besten Organisatoren aus den Reihen der Gewerkschaften, der Studentenbewegungen, des Minderheitenaktivismus und der desillusionierten extremen Linken rekrutiert hat, die alle zu kämpfen haben.

Diese Gewerkschaften und linken Gruppen sind politisch am Ende und befinden sich größtenteils seit einiger Zeit in einem kontrollierten Niedergang, abgesehen von einigen Gruppierungen in strategischen Branchen, wie RMT auf den Gleisen oder Beschäftigte im Gesundheitswesen im chronisch unterbesetzten staatlichen Gesundheitssystem NHS. NGOs, die nicht einfach nur in einer für uns nutzlosen Weise liberal sind, wurden größtenteils von der Regierung neutralisiert, indem sie „politisch sein“ einfach zu einem schwarzen Fleck für ihre Finanzierung oder sogar illegal gemacht hat. Die Genossenschaftsbewegung hat längst den Großteil ihres radikalen Charakters verloren, abgesehen von einer Randgruppe kleinerer Unternehmen, die in Bereichen wie Wohnungswesen, Buchhandel, Fahrräder und Vollwertkost tätig sind (wobei letztere eine kleine Gruppe ist, die man potenziell in die Kategorie „stark“ einordnen könnte, obwohl sie oft Schwierigkeiten hat, effektiv genug zu konkurrieren, um ein finanzielles Rückgrat zu bilden).

Der Dornröschenschlaf der Institutionen und unsere zufällige Verbindung zu ihnen untergraben unsere Fähigkeit, außerparlamentarische Maßnahmen in den Gemeinden erfolgreich anzugehen und zu mobilisieren – und die größte Schwäche von allen ist, dass wir an den meisten Orten außerhalb bestimmter Gebiete in Großstädten und bestimmten Kleinstadt-Enklaven keine klare, zugängliche Basis haben. Es wird erhebliche Anstrengungen erfordern, die Basis wieder aufzubauen, die in der Vergangenheit einen Großteil der Linken im Allgemeinen getragen hat, da das politische Klassenbewusstsein so zersplittert, demobilisiert und entfremdet ist.

Ich gebe zu, dass dies den Artikel mit einer etwas traurigen Note beendet, aber keine Sorge! Nächste Woche geht es um Chancen, und davon gibt es eine ganze Menge.

Teil 2 dieses Artikels erscheint nächsten Sonntag.

Quelle: Analyse von Rob Ray via freedomnews.uk, 23. März 2025

Übersetzung: Thomas Trueten [Nicht authorisiert]


Das Verschwinden der Opfer von COVID

Patienten mit Long COVID leiden unter denselben gesellschaftlichen Einstellungen, die viele Menschen mit unsichtbaren und schwankenden Behinderungen betreffen

Siehe Bildunterschrift
Long-Covid Aktivist:*Innen halten während der LCDC-Demonstration am 15. März, dem Long-Covid-Awareness-Tag, Schilder vor dem Lincoln Memorial in Washington D.C. hoch. Die Organisatoren der Veranstaltung fordern mit „HEAL“, d. h. drei Long-Covid-Gesetzesvorschlägen, die auf parteiübergreifenden Gesetzesentwürfen basieren und die virale Persistenz wirksam bekämpfen. Sie haben eine Long-Covid-Biomarker-Kampagne gestartet, um die Forschung zur Validierung der ersten Biomarker zu finanzieren, mit denen Long Covid identifiziert und die Viruslast und Immunveränderungen gemessen werden können.
Quelle: © Joshua Boaz Pribanic for Public Herald
Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0
Die „Augen-zu-und-durch“-Einstellung der Regierung in Bezug auf COVID-19 führte zum vermeidbaren Tod einer großen Anzahl von Menschen, vor allem schutzbedürftiger älterer Menschen in Pflegeheimen. Der fehlende Schutz für gefährdete Menschen, die unzureichende Bereitstellung von Schutzausrüstung und die erzwungene Arbeit unter gefährlichen Bedingungen setzten viele Menschen unnötig dem Virus aus. Dies hat auch dazu geführt, dass eine große Anzahl von Menschen jetzt an Long COVID leidet.

Long COVID kann eine Vielzahl von Symptomen verursachen, die häufigsten sind jedoch Müdigkeit, Gehirnnebel, Muskelschmerzen und Atemnot. Müdigkeit ist nicht nur ein Gefühl der Erschöpfung, sondern ein sehr lähmender Zustand, der dazu führen kann, dass Menschen nicht mehr in der Lage sind, ohne Hilfe zu gehen oder zu duschen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, und am häufigsten tritt es in der Altersgruppe der 45- bis 54-Jährigen auf.

Wenn die Zeitungen überhaupt über Long COVID berichten, dann berichten sie jetzt, dass es den Patienten größtenteils besser geht (was nicht der Fall ist) und dass die aktuellen Stämme nicht so gefährlich sind. Aktuelle Auffrischungsimpfungen bieten einen gewissen Schutz (es ist also ein Skandal, dass die Regierung der Bevölkerung keine kostenlosen Auffrischungsimpfungen zur Verfügung stellt), und die besonders virulenten frühen Stämme führen eher zu Long Covid als die späteren Varianten. Allerdings ist niemand immun und jede COVID-Infektion birgt nach wie vor ein Risiko. Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind besonders gefährdet, dass sich ihr Zustand durch eine erneute Infektion verschlechtert, was es für die Menschen sehr schwierig macht, sich an die aktuellen Annahmen „COVID ist vorbei“ zu halten.

Menschen, die an Long COVID leiden, und andere Menschen, die besonders anfällig für eine COVID-Infektion sind, müssen derzeit mit einer Situation zurechtkommen, in der es in Gebäuden keine Luftreiniger gibt, Menschen selbst in Krankenhäusern nirgendwo Masken tragen, Arbeitgeber die Menschen auffordern, mit COVID zur Arbeit zu kommen, und im Grunde genommen werden gefährdete Menschen abgeschrieben und aufgefordert, mit dem Risiko selbst fertig zu werden.

Einige Menschen, die Masken tragen, werden in Bussen beschimpft. Andere haben berichtet, dass sie als schwierige Patienten abgestempelt werden, weil sie das Personal bei Krankenhausbesuchen gebeten haben, Masken zu tragen. Ärzte neigen zu sehr dazu, Long COVID als „nur eine psychische Erkrankung“ abzutun. Der Druck, die Schulen zu besuchen, einschließlich der Aufforderung an die Kinder, auch dann zu kommen, wenn sie krank sind, setzt sowohl Kinder als auch Personal, die anfällig sind, einem Infektionsrisiko aus und setzt Schüler mit chronischen Krankheiten unter Druck, zum Nachteil ihrer Gesundheit zur Schule zu gehen.

Ärzte bevorzugen es, wenn Patienten mit einer Erkrankung kommen, die sich mit einem einfachen Test diagnostizieren lässt und für die es einen anerkannten Behandlungsplan gibt. Patienten mit Erkrankungen, die nicht in dieses Modell passen, werden oft falsch behandelt und vernachlässigt.

Patienten mit Long COVID leiden unter vielen der gleichen gesellschaftlichen Einstellungen, die viele Menschen mit unsichtbaren und schwankenden Behinderungen betreffen. Viele Menschen nehmen „echte“ Behinderungen nur dann als solche wahr, wenn eine Person überhaupt nichts tun kann und ihr Zustand immer derselbe ist. Ein klassisches Beispiel ist, dass ein Rollstuhlfahrer seine Beine nicht bewegen können sollte – es gab viel Aufhebens, als eine Figur in der Serie Doctor Who im Rollstuhl saß und die Beine übereinanderschlug. Diese Schauspielerin sitzt im echten Leben im Rollstuhl und kann ihre Beine übereinanderschlagen. Viele Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, können kurze Strecken zu Fuß zurücklegen, und viele Menschen trauen sich aufgrund feindseliger Reaktionen nicht, in der Öffentlichkeit aus ihrem Rollstuhl aufzustehen. Das einzige Kriterium dafür, ob jemand das „Recht“ hat, einen Rollstuhl zu benutzen, ist, ob diese Person von der Nutzung eines Rollstuhls profitiert und sich die Umstehenden um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern können.

Long COVID ist eine postvirale Erkrankung, die weder neu noch unbekannt ist. Nach der SARS-Epidemie waren zahlreiche Patienten langfristig daran erkrankt. Die Regierung wurde von Wissenschaftlern zu Beginn der COVID-Pandemie davor gewarnt, hat dies aber offenbar ignoriert. Viele Patienten, die angaben, sich nach der akuten Infektion krank zu fühlen, wurden von Hausärzten aufgefordert, Sport zu treiben, was sich nun als schädlich herausgestellt hat.

Die Prävalenz von Long COVID wird aus verschiedenen Gründen unterschätzt. Viele Menschen mit Long COVID wissen nicht, dass sie daran erkrankt sind, da sie die vor Monaten durchgemachte COVID-Infektion nicht mit dem scheinbar separaten Gesundheitsproblem in Verbindung bringen, das nun aufgetreten ist. Es gibt keinen einfachen Long-COVID-Test, zumindest keinen, den Hausärzte routinemäßig verwenden. Menschen, denen es nicht gut genug geht, um zu arbeiten und an sozialen Aktivitäten teilzunehmen, fallen für alle außer denjenigen, die sich die Mühe machen, mit ihnen in Kontakt zu bleiben, aus dem Blickfeld.

Die Behandlung von Patienten mit ME oder chronischer Müdigkeit ist für Long-COVID-Patienten sehr relevant. ME wurde in den 1950er Jahren in einem Londoner Krankenhaus identifiziert und von Anfang an als eine echte Erkrankung mit einer körperlichen Ursache angesehen. Sie wurde als postvirale Erkrankung untersucht und erforscht. Die weit verbreitete Ansicht, dass ME eine vorgetäuschte Krankheit, im Grunde eine Hysterie, sei, stammt von einer kleinen Anzahl von Wissenschaftlern, die von der Regierung viel Legitimität erhalten haben und es vorzogen, andere Wissenschaftler abzutun, weil sie so ME-Patienten einfach ignorieren und missachten konnten. Die schockierende Misshandlung von ME-Patienten ist eine sehr schwere Ungerechtigkeit, und Long-COVID-Patienten müssen sich mit ihnen solidarisieren, die für Forschung und mitfühlende medizinische Behandlung kämpfen.

Die immer schärferen Ankündigungen der Regierung, dass zu viele Menschen „wirtschaftlich inaktiv“ seien und Langzeitkranke an ihren Arbeitsplatz zurückkehren müssten, lösen bei kranken und behinderten Menschen aller Art Angst und Furcht aus. Wenn Menschen dazu gedrängt werden, einer Arbeit nachzugehen, die sie nicht ausüben können, kann dies ihrer Gesundheit schweren Schaden zufügen. Berichte über Long-COVID, die den Schweregrad der Erkrankung herunterspielen, sind in diesem Zusammenhang sehr beunruhigend. Viele Long-COVID-Patienten haben ihren Arbeitsplatz verloren, weil ihre Arbeitgeber sich weigern, Vorkehrungen zu treffen, und viele andere sind selbst mit Vorkehrungen zu krank, um zu arbeiten.

Die Regierung kündigt gerne weitere Razzien gegen Antragsteller an, Razzien, die die Feindseligkeit erhöhen, einschließlich gewalttätiger Angriffe auf behinderte Menschen, aber nicht gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz, unzugängliche Verkehrsmittel und fehlende Vorkehrungen vorgehen.

Saubere Luft in Gebäuden, insbesondere in Krankenhäusern und Schulen, würde viel dazu beitragen, die Ausbreitung von COVID zu verhindern. Das Tragen von Masken an wichtigen Orten wie Krankenhäusern würde dazu beitragen, die Schwächsten zu schützen. Diese Gesellschaft ist kein Ort, an dem Menschen mit chronischen Erkrankungen Fürsorge und Unterstützung erfahren. Unsere Bewegung sollte es sein, ist es aber in der Praxis nicht immer viel besser. Menschen, die durch ein Virus behindert wurden, brauchen Unterstützung bei der Erholung und Genesung, nicht die Beurteilung, ob sie sich wirklich genug anstrengen.

An die Sicherheit vor Covid zu denken, fällt Menschen, die sich nach Jahren der Pandemie ausgebrannt fühlen, schwer, aber immungeschwächte Menschen können nicht als austauschbar behandelt werden. Wenn man an Menschen mit Long-COVID denkt und sie einbezieht, sind Maßnahmen erforderlich, die auch für viele andere Menschen hilfreich sind. Luftreiniger helfen Menschen mit Allergien, das Mitbringen eines Stuhls für Streikposten hilft Menschen mit Knieproblemen oder Schwangeren.

Krankheit ist kein moralisches Versagen oder eine Belästigung, die Verletzlichkeit des Körpers ist Teil des Menschseins.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Winterausgabe 2024/25 des Freedom Anarchist Journal

Weitere Informationen zu den Ansätzen des Anarchismus und der gegenseitigen Hilfe während der Pandemie finden Sie unter „Fight For a New Normal?“

Quelle: Analyse Disappearing COVID’s victims von Fingers Malone, 2. März 2025

Übersetzung [Nicht authorisiert]: Thomas Trueten

Anmerkung: Mir fehlt die Zeit und das Fachwissen, die Unterschiede der ursprünglich im Artikel verlinkten englischsprachigen und dem von mir verwendeten deutschen Wikipedia Eintrag zu Long Covid qualifiziert zu vergleichen.