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"Man kann die Wahrheit nicht fertig übernehmen, man muss sie selbst entdecken auf einem Weg, den keiner für uns gehen und niemand uns ersparen kann." Marcel Proust

Berlin: Woche der Widerspenstigen

Veranstaltungsplakat
30 Jahre Häuser und Bewegung. Unter dem Motto: "Geschichte wird gemacht!" findet vom 9.-18.09.2011 in Berlin eine Veranstaltungswoche zu 30 Jahren Mietkampf und Hausbesetzerbewegung statt. Ex-BesetzerInnen aus den 80ern und AktivistInnen von heute schlagen eine Brücke zwischen damals und heute. Viel von dem, was die Besetzerbewegung damals angetrieben hat, ist weiterhin von Bedeutung: Der Kampf um Freiräume und gegen Wohnraum-Vernichtung und Spekulation; der Traum von einem selbstbestimmten Leben in Häusern, Projekten und Kollektiven; das Bedürfnis, hier und jetzt deutliche Zeichen zu setzen gegenüber dem allseits präsenten Diktat der Profitmaximierung.

In Zusammenarbeit mit dem ABZ e.V., der Regenbogenfabrik, den BewohnerInnen der ehemals besetzten Häuser im Block 89 und zahlreichen FotografInnen beteiligt sich auch das Umbruch Bildarchiv an der Woche, und zwar mit zwei Ausstellungen:

“!!!Aufgenommen!!!” Eine Fotoausstellung über die Berliner HausbesetzerInnenbewegung Anfang der 80er Jahre. Eröffnung: Sonntag 11.9. ab 14.00 Uhr im Garten der Kohlfurter 40/Fränkelufer 8 in Berlin Kreuzberg (neben der Synagoge).

"Allein machen sie dich ein" - Eine Fotoausstellung über das Georg von Rauchhaus und die Jugendbewegung der 70er Jahre in Berlin. Eröffnung: Mo, 12.9. um 19.30 Uhr im Kino der Regenbogenfabrik, Lausitzer Straße 22

Aufruf und Programm der Woche der Widerspenstigen

Seit 1 Jahr ist Manfred Kraft tot...

Am 9. Juni 2010 ist Manfred Kraft, besser bekannt als Foto-Manne, in Berlin im Krankenhaus Havelhöhe an Krebs gestorben. Seit den Zeiten der Studentenbewegung hat er über 50000 Fotos von wichtigen Ereignissen und Prominenten geschossen und in seinem gewaltigen Bilder-Archiv abgelegt. Um seiner wichtigen Arbeit zu gedenken, verweise ich auf einen älteren Beitrag.

Foto-Manne ist tot...

Das Foto vom Kunst- und Kulturzentrum (Kukuck) am Anhalter Bahnhof stellte Manfred Kraft mir für frühere Beiträge freundlich zur Verfügung
Am 9.Juni ist Manfred Kraft, besser bekannt als Foto-Manne, in Berlin im Krankenhaus Havelhöhe an Krebs gestorben. Seit den Zeiten der Studentenbewegung hat er über 50000 Fotos von wichtigen Ereignissen und Prominenten geschossen und in seinem gewaltigen Bilder-Archiv abgelegt. Ein kleiner Teil seiner Bilder ist beim Umbruch Bildarchiv in Berlin veröffentlicht, zum Beispiel diese Fotoreihe.

Aufmerksam auf Manfred's Arbeiten wurde ich selber in Zusammenhang mit den Ereignissen vom 22. 09. 1981. An diesem Tag wurde der Hausbesetzer Klaus-Jürgen Rattay nach der Räumung von 8 Häusern ("alle in einem Aufwasch" Zitat Heinrich Lummer) von einem BVG Bus überrollt und getötet. Ich hatte die Ehre, mit Manfred eine gemeinsame Bilderserie zur Afghanistandemo in Berlin am 15. September 2007 bei Umbruch zu veröffentlichen.

Von seinem umfangreichen Bildmaterial ist es ihm gelungen, knapp 16000 Fotos zu digitalisieren und auf seine Homepage zu setzen. Sein umfassendes Archiv aus vier Jahrzehnten ist in mehreren Themengruppen unterteilt. Abseits von der oft üblichen Postkartenromantik fotografierte er Berlin aus seiner ganz persönlichen Perspektive und stellte neben Bildern aus dem Zoo,Tierpark, Blumen, Sonnenuntergänge, Drachenfest in Falkensee auch eine größere Anzahl von Hundefotos vor. Er war ein ziemlicher Hundnarr und überall wo er auftauchte, war auch sein Hund dabei.

In seinem Archiv finden sich zahlreiche Zeugnisse seines Interesses und seiner Verbundenheit mit sozialen und politischen Kämpfen wie etwa die Demonstrationen gegen Sozialabbau, gegen das G8 Gipfeltreffen, gegen die Kriege gegen Afganistan oder Irak, ein Prominentenarchiv mit Schauspielern, Politikern, Künstlern, Sängern, Liedermacher, Kaberatisten, Schriftstellern und auch historische Orte wie das ehemalige russiche Kasernengelände in Karlshorst im Jahre 2003.

Manfred hatte in den Jahren 1981 bis 1985 im damaligen West - Berlin hauptsächlich in schwarzweiß fotografiert. Neben Bildern aus der Hausbesetzerbewegung, von Punks in SO 36 (Kreuzberg), kam ja auch der damalige US-Präsident Ronald Reagan nach Berlin, was starkes Unbehagen bei vielen Menschen auslöste. Daneben gibt es dann auch noch Fotos von Ton Steine Scherben Konzerten 1981 und 1983 mit Rio Reiser und Fotos vieler Strassenfeste zu sehen.

Er fotografierte unter anderem für "Zitty" und die "taz" und war als fotografierender Zeitgenosse mittendrin. Allerdings nicht nur in Berlin, sondern auch unter anderem die Demostrationen der damaligen Friedensbewegung in Mutlangen 1983 gegen die Pershing 2 Raketenstationierung, zur Raketenverschiffung in Bremerhaven/Nordenhamm sowie Fotos gegen Herbstmanöver bei Hildesheim 1984 und vieles mehr.

Mit seinen Bildern hat Foto-Manne all diesen Kämpfen, auch wenn der eine oder andere in Vergessenheit geraten oder auch nicht erfolgreich geführt wurde, letztlich etwas Bleibendes verschafft. Deshalb bleibt sein Andenken erhalten.

Einige von Manfred's Fotoserien, veröffentlicht beim Umbruch Bildarchiv:

"So war's vor 25 Jahren in Berlin (West)"
Herbst 1983: Blockaden in Mutlangen und Bremerhaven/Nordenham gegen die Stationierung von Pershing II-Raketen
Erinnerung an Kemal Altun
"Generations Move" - Demonstration gegen Atommüll-Endlagerung
GelöbNix 2007
Größtes Wandbild in Berlin