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»Ich meine dass wir keine andern Herren brauchen, sondern keine!« Bertolt Brecht

Kriminalpolizei durchsucht erneut das AZ Aachen

Das Foto zeigt die demolierte Tür des AZ
Polizeiarbeit...

Nach den Ereignissen des gestrigen Tages, nachzuvollziehen in der Pressemitteilung zu den Ereignissen am 6.9., kam es am Montag, den 07.09.2026 zu weiteren Maßnahmen am Autonomen Zentrum.

Als in den Morgenstunden des 7. Septembers die letzten Personen das AZ verlassen hatten und die Maßnahmen beendet waren, wurde das AZ verschlossen und der Zutritt verwehrt. Gegen 17 Uhr versammelten sich Beamte der Kriminalpolizei vor dem AZ. Obwohl während der gesamten Zeit der Vorstandes erreichbar war, wurde die Tür erneut aufgebrochen und unsere Räumlichkeiten von der Kriminalpolizei durchsucht, ohne ihn hinzuzuziehen. 

Wir forderten die Polizei mehrfach dazu auf, uns einen Durchsuchungsbeschluss zu zeigen, uns einen Grund für die Durchsuchung zu nennen und uns an die Einsatzleitung zu vermitteln. Diese Forderungen wurden verweigert oder vertröstet. Der offizielle Grund der Durchsuchung wurde uns erst um 18:30 Uhr, mehr als eine Stunde nach dem Eindringen der Kriminalpolizei in das Autonome Zentrum, mitgeteilt. Das erneute gewaltvolle Eindringen wurde mit dem vortäglichen Tatvorwurf im Rahmen der Demonstration legitimiert. 

Unser Recht, die Durchsuchung durch unseren Vorstand und eine*n weiteren Zeug*in begleiten zu lassen wurde uns, auch nach mehrfachen Kommunikationsversuchen, verwehrt. Auch unabhängige Zeugen des Ordnungsamtes, welche bei solchen Durchsuchungen anwesend sein müssen, wenn keine anderen
befugten Personen dabei sind, waren zu keinem Zeitpunkt vor Ort. Mehrfach wurde unsererseits Widerspruch gegen die Maßnahmen eingelegt, auch durch unseren Anwalt, welcher uns telefonisch begleitete, und mit dem die Polizei die Kooperation verweigerte.

Gegen 21 Uhr wurde die Maßnahme seitens der Polizei beendet und wir konnten uns ein Bild des Zustandes unserer Räumlichkeiten machen. Der verursachte Sachschaden ist noch nicht zu beziffern, ist aber erheblich. Ein Protokoll der beschlagnahmten Gegenstände wurde unserem Vorstand, der verspätet der Maßnahme beiwohnen konnte, vor Ort nicht ausgehändigt.

Während die AfD in Sachsen-Anhalt zur stärksten Kraft gewählt wurde und deutschlandweit alternative Jugendzentren von Neonazis angegriffen werden, werden durch den Staat antifaschistische Strukturen gelähmt und mit massiven Repressionen belegt. 
Was wir hier erlebt haben, ist schlicht eine Machtdemonstration. Die Erfahrung zeigt, dass solches Fehlverhalten für die Polizei in der Regel folgenlos bleibt und dass Betroffene dieser Willkür auf den Schäden (körperlich, emotional oder finanziell) sitzen bleiben. Das Ende des Einsatzes ist nicht das Ende der Repression. Das volle Ausmaß wird sich in Zukunft noch zeigen.

In Zeiten der autoritären Zuspitzung, wenn der Staat zu antidemokratischen Mitteln greift um Antifaschismus und linke Organisierung zu kriminalisieren, müssen wir uns entschlossen dagegen stellen. Sich politisch zu organisieren, sich frei zu bewegen, gegen Unrecht laut zu sein, sich um einander zu kümmern anstatt sich gegenseitig klein zu machen, einander zu respektieren auch wenn wir nicht einer Meinung sind, das sind die Grundsätze unserer Räume, für die wir einstehen.

Wir sind dankbar für alle, die sich in den letzten Tagen solidarisch mit uns gezeigt haben und sich gegen Willkür und Repression aussprechen. Wir ziehen daraus Kraft und Motivation weiter zusammen zu stehen, uns zu wehren, zu kämpfen.

Wir machen weiter. Kein Schritt zurück.
AZ bleibt!

Autonomes Zentrum Aachen

Quelle: Pressemitteilung 8.9.2026


 

Keine Truppen nach Nahost!

Zum Antikriegstag: Kundgebungen und Demonstrationen in 166 Orten

Zum Antikriegstag am heutigen Freitag hat das Bonner Netzwerk Friedenskooperative bundesweit 166 Demonstrationen und Kundgebungen angekündigt- deutlich mehr als in den letzten Jahren. Größere Aktionen gibt es in Aachen, Berlin, Bremen, Duisburg, Bonn, Eisenach, Fellbach, Freiburg, Hamburg, Herne, Kaiserslautern, Köln, München, Regensburg, Rostock, Schweinfurt, Schwerte. In vielen weiteren Orten sind zudem Mahnwachen, Kranzniederlegungen, Diskussionsveranstaltungen und Friedensfeste geplant. Für Samstag nachmittag rufen etliche Gruppen dann zur Teilnahme an der jährlichen Gedenkveranstaltung "Blumen für Stukenbrock" auf dem Gelände des sowjetischen Soldatenfriedhofs in Stukenbrock (bei Bielefeld) auf. Dort waren in einem Arbeitslager der deutschen Faschisten etwa 65000 Kriegsgefangene getötet worden.

Seit 1957 erinnern Friedensgruppen, aber auch Gewerkschaften beim Antikriegstag (in den neuen Bundesländern heißt er auch "Weltfriedenstag") an den Überfall der faschistischen deutschen Wehrmacht auf Polen, der am 1.September 1939 den Zweiten Weltkrieg auslöste. Dieser Anlaß wird auch genutzt, um gegen die Aggression Israels gegen die Palästinenser und den Libanon zu protestierten. Der in Kassel ansässige Bundesausschuß Friedensratschlag fordert neue politische Initiativen unter Einbeziehung aller regionalen Konfliktparteien. Zugleich wird von der Bundesregierung verlangt, keine eigenen Truppen oder Kriegsschiffe in den Nahen Osten zu schicken. Deutsche Soldaten hätten weder dort noch anderswo etwas zu suchen. Gewarnt wird zudem vor einer weiteren Eskalation im Atomkonflikt zwischen den USA und dem Iran.

Auch der Aufruf des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) verweist auf diese Konflikte und fordert zugleich humanitäre an Stelle militärischer Hilfe durch die EU. Der DGB setzt sich außerdem für den Abzug der Besatzungstruppen aus dem Irak ein. Die Befriedung des Landes könne nur durch die Vereinten Nationen eingeleitet werden, während die Präsenz ausländischer Truppen zur weiteren Gewalteskalation beitrage. Grundsätzlich plädiert der Gewerkschaftsbund für eine präventive Friedenspolitik, die auch die Hauptursachen der Kriege, also die ökonomischen Interessen, stärker berücksichtigt.

Dieses Thema spielt auch in den Aufrufen regionaler Friedensgruppen eine Rolle. In ihnen werden außerdem die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik scharf kritisiert. So die wachsenden Ausgaben für die Rüstung, die zahlreichen Auslandseinsätze der Bundeswehr; die anhaltende Diskussion um den Einsatz der Bundeswehr auch im Inneren. Nicht selten münden die Aufrufe deshalb in der Forderung, bei den Militärausgaben zu sparen. Frei werdende Mittel könnten so in soziale und Bildungsprogramme gesteckt werden. Eine bundesweite Unterschriftenkampagne des Friedensratschlags dazu hat bereits begonnen.


Junge Welt 1.9.2006

www.friedenskooperative.de

www.blumen-fuer-stukenbrock.de